Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 12.1920

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blinkender Verheißungen und Seufzer. Kein Freiwerden. Dann Eßoma. Der wieder
mit feften tapferen Scßritten in den Mytßus ging. Ein feiner 3eit Entgegengefetjter.
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Indeffen wueßs das neue Gefcßlecßt ßerauf. Nolde, Reinßardt, Eberz und ißrer meßr.
3unäcßft eine Abfcßweifung: der Expreffionismus befcßäftigt fieß viel mit dem Oer.
Ißm ift das Eier, was dem Impreffioniften die Landfcßaft. Das ßat grundlegende Be-
deutung für die weitere Entwicklung. Das Oer ift der dekorative Unfcßuldsausdruck
der Natur, die aus Inftinkt feßön ift. Der expreffioniftifeße Uleg zu Gott füßrt über
den Inftinkt. Vom unbewußt Ricßtigen zur Erkenntnis. Inftinkt, EOille, Glaube.
Franz Marc malte Eiere. Keine religiöfen Motive. Und doeß religiöfe Offenbarungen. Seine
rußenden Reße im fonnendureßwärmten Cüaldinnern wirken fakral. EEIie er die Grundlinien,
Formen, Farben der Natur bloßlegt und eßrfürcßtig zeigt, das ftimmt zur Hndacßt . . .
Und diefe Kunft, diefe unfere ftrenge, neue Kunft näßert fieß wieder den eßrwürdigen
alten Motiven der Paffion.
Das Mytßifcße ift völlig ins Myftifcße vergeiftigt. Das Fjiftorifcße tritt nebenfäcßlicß zu-
rück. Der Scßall farbiger Klangwellen fteigert fieß zum Braufen, das Gefüßl zur Extatik.
Die Sinne rießten fieß naeß innen. Das Verhältnis zum Befcßauer wird das der Suggeftion.
Die neue Kunft malt keine Legenden, keine Gefcßicßten. Erzäßlt nießts. Läßt erleben ...
Änßaucß vom Ewigen.
Darin liegt ißre Berufenßeit zur Ausdrucksgeftaltung des cßriftlicßen Myfteriums.


F>erm. Geibel. Mädcßentorfo II.

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