Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 12.1920

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3u dem Äuffa^ von Daniel ßenry „Hndre Derain“.

Die Kunft ift ftreng, männlich, asketifd), geiftig geworden; die Nymphenfrühftücke
haben fiel) in eine belfere Vergangenheit zurückgezogen, zum Bedauern aller „Kenner“.
* *
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Id) habe bisher leicht mit Ihnen geplaudert, ich [ollte nun ernft zu fpredßen beginnen.
Aber ich möchte vermeiden, eine Pl)ilofophie der halbabftrakten (expreffioniftifchen) und
ganz abftrakten Kunft zu geben. (Ueniger weil es Sie anftrengen würde (die Kunft ift
anftrengend), als weil die Philofopheme alle an der Ohnmacht fcheitern, eine direkte An-
fchauung zu vermitteln; denn Philofophie ift ihrerfeits auch keine direkte Benennung der
Dinge, fondern ein Mittel, das wie die Mufik nur durch die Gefamtatmofphäre wirkt,
die durch fie erzeugt wird. Das zu Erklärende, die Kunft, durch etwas erklären, was
felbft der Erklärung bedarf, das ift nicht die richtige Methode. So befchränke ich
mich darauf, einige Gefidjtspunkte zu geben, die fo gewählt find, daß Sie verftehen,
wie überhaupt ein Künftler dazu kommt, die bisherige Kunft, die man fummarifch als
(tliedergabe und Nachahmung der realen Erfcheinungen definieren kann, als problema-
tifch, ungenügend, nur annähernd, unfelbftändig zu empfinden, alfo die kühne Frage
nach dem ülert der Kunft aufzuwerfen.

Ändre Derain.

Blumen. 1909.

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