Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 12.1920

Page: 388
DOI issue: DOI article: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/cicerone1920/0416
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile

Rembrandt. B 22 VIII.
Verweigerung von Kupferfticl)en des 15.—18. Jahrhunderts am 31. Mai bis 5. Juni
durch Hollftein & Puppel, Berlin und Max 3*egert> Frankfurt a. M.

dreitaufendjädrigen gefcbicbtlicben Cöerdens find
hier in fünf Kapiteln fünf Menfcßen neben-
einandergeftellt, in deren Geift und Schaffen [ich
am ftärkften der ttlille je einer Epoche der Ver-
gangenheit manifeftiert. Die tllabl der Ehernen
mag auf den erften Augenblick ein wenig will-
kürlich erfcbeinen. Hier aber das Buch im ganzen
als Produkt eines fcböpferifcben Geiftes wertet,
wird zugefteben, daß demfelben nicht nur im
Fjinblick auf den Eitel, fondern auch innerlich
jene leßte Fjarmonie des Gefamtkunftwerkes eigen
ift, in dem jedes Kapitel nicht nur durch [ich
felbft, fondern mehr noch als unentbehrlicher
Geil einer geiftigen Cotalität gerechtfertigt er-
fcbeint. Der Eitel felbft umfcbreibt die Idee des
Buches nur von ungefähr. Die 3eiten der Kunft
und der Religion, die Valentiner vorfchweben,
find eben jene Fjöbeepocben der Menfcbbeit, in
denen der Kampf um ttleltanfcbauungen brandet.

Daß diefer in erfter Linie rein künftlerifcß feinen
Niederfcßlag erlebt, weiß jeder Laie — und doch
hat es feiten jemand fo gut verbanden wie der
Verfaffer diefes Buches, an dem Erleben von
fünf fcböpferifcben Perfönlicbkeiten, an ihrem
(Herk und ihrem zumeift tragifdjen Erdendafein
(fofern man eben an die Eragik des Schöpfers
an ficb denkt) die 3eit ihrer geiftigen Struktur
nach wieder lebendig zu machen. Ein Kapitel
wie das über Hmenopbis IV. umreißt nicht nur
das Kiefen diefes einzelnen und alles, was ficb
rein äußerlich mit dem Sdjickfal jenes Edjnaton
verbindet, fondern es gibt die Gefcbicbte Ägyp-
tens und feiner Kunft in einem leßten Extrakt,
find ähnlich ift auch Pfüdias für Valentiner das
Problem griedbifcber Kultur fcßlecbtbin; denn
gerade uns Fjeutige intereffieren weniger die
binterlaffenen Klerke diefes Bildhauers, zu denen
keinerlei Beziehungen von der Moderne aus

388
loading ...