Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 12.1920

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fiel) aufgehalten l)at (Äbb. 3), ein Criptydjon aus der zweiten ßälfte des 13. Jahr-
hunderts im Viktoria- und Älbert-Mufeum (Äbb. 2), zeigt ein Stilgefühl, das [ich un-
zweifelhaft an den Schöpfungen der Monumentalplaftik gefdjult Y)a\. Nichts Über-
triebenes oder Gekünfteltes macht [ich in der GQiedergabe der Gewänder und ihrer
Fältelung bemerkbar. Die menfd)lichen Geftalten find ausdrucksvoll nicht fowohl in
den Gefichtszügen, die in diefer 3eit noch nichts an [ich haben von der fcheinbar ge-
waltfamen Mimik der fpäteren Gotik; die feelifche Erregung findet einzig und allein in
einer noch dazu zurückhaltenden Gefte ihren angemeffenen Ausdruck.
Diefelbe abgeklärte Ruhe, ein F)inausgehobenfein über zeitliche 3ufälligkeiten und
ein Aufgehen in der 3eitlofigkeit charakterifiert die Ältärchen aus einer anderen, etwa
der gleichen Periode angehörenden Klerkftatt. Künftlerifd) ha^en einen Vergleich
zu ihren Gunften mit den Soiffons-Ärbeiten nicht aus. Sie wahren, auch in ihren fpä-
teften Stücken, die Kontinuität der Überlieferung des 13. Jahrhunderts und bleiben un-
berührt von der Entwicklung, die das 14. Jahrhundert in der Richtung auf die Dar-
ftellung dramatifcl) bewegter Vorgänge nimmt (Äbb. 1). Diefer Konfervatismus und
die Mittelmäßigkeit mancher fpäten Stücke, auf die von anderer Seite bereits \)'m~

Äbb. 1. üriptycbon aus der Cüerkftatt der Marienaltärdjen. Franzöfifd);
erfte IJälfte des 14. Jabrl). Berlin, Kaifer-Friedrid)-Mufeum.

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