Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 12.1920

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Bevorftetyende Verweigerungen

während des gleichen Jahres Kunftgegenftände
im tüerte von mehr als 6 Millionen Dollars nad)
denVereinigten Staaten ausgeführt. HusDeutfd)-
land liegen keine Ängaben vor; der doch un-
zweifelhafte riefige Exodus von dort ift wol)l
zum Deil aud) nur auf indirektem Ulege hierher
gelangt. Von einem Verfuch im kleinen aus
(bemalter) Leinwand Baumwolle zu machen, mel-
dete kürzlich die fnefige Staatszeitung. Irgend
jemand in Deutfchland verfiel auf die Idee, 68 Ge-
mälde meift holländifcher Kleinmeifter hierher
zu fchicken, fie in einem Privathaus auszuftellen
und gegen billigen Preis zum Verkauf auszu-
bieten, um mit dem Erlös Baumwolle einzu-
kaufen. Da der Markt gerade für Bilder diefer
Art hier ein ganz befdbränkter ift, dürfte das
Ergebnis diefes Verfuches kaum fehr befriedigend
fein, zumal gerade in deutfdb-amerikanifchen
Kreifen im allgemeinen nicht gerade eine be-
fondere Kunftliebe herrfcht. Vermag doch z. B.
die Staatszeitung felber ihre Lefer offenbar zu
befriedigen, ohne je etwas über Kunftausftel-
lungen zu bringen.
Daß die leidige Valutafrage [chädigend auf
den Kunfthandel zwifchen Hmerika und Europa
einwirkt, ift wohl außer 3weifel. DieHmerican
Hrt News fpricßt darüber in einem längeren
Huffat$ in ihrer Nr. 21 vom 13. März. Es heißt
da am Schluß: Diefe Situation hat bereits den
Kunfthandel beider Kontinente gefchädigt, und
wenn fie [ich nicht bald beffert, wird fie ihn
noch vollkommen lahmlegen.“ Qier möchte man
fid) natürlich den Ciefftand der verfchiedenen
europäifchen Valuten zu nuße machen, während
man in Europa auf 3ahlung in Dollar beftehen
möchte.
Ulas die Huktionen der leßten zwei Monate
anbelangt, fo wurden, charakteriftifcherweife, die
beften Preife für erftklafjige Schwarz-ÜIeißblätter
erzielt. Fjier kann eine verhältnismäßig kleine
Summe noch immer ein bedeutendes Ulerk er-
bringen, das auch aller Vorausficht nach eine
gute und fichere Hnlage bedeutet. Äuch der
Fjandel in folchen Blättern hatte nicht zu klagen.
Änders freilich ftand es um Gemälde. Ältes
Kunftgewerbe jedoch, vor allem Kunftmöbel und
Gehänge aller Hrt, namentlich wenn fie auf einer
„großen“ Huktion erfcßienen, zogen wieder zahl-
reiche Käufer an und brachten gute Preife. 3wei
folcher Verfteigerungen fanden im Äpril in den
Hmerican Hrt Galleries ftatt. 3uerft die der
E. Eymonaud-Kollektion in Paris, die die
Parifer Firma Benguiat mit der Hbfid)t einer
Verweigerung in New York erworben, und der
Vitall Benguiat einen Ceil feiner eigenen Privat-
fammlung orientalifcher Ceppid)e zugefügt hatte.

So kam eine Änzahl von hochbedeutenden Ge-
weben und Ceppichen der verfchiedenften Schulen
zufammen, wie fie kaum je hier auf einer ein-
zelnen Huktion angeboten worden war. Das
Refultat war denn auch ein entfprechend hohes.
Gegen Ende des Monats kam dann die um-
fangreiche Sammlung des Signor Raoal Do-
le n t i n o, ebenfalls in den Ämerican Hrt Galleries,
zur Verfteigerung, die diefer kundige Fjändler in
den lebten Jahren durch Ankauf, meift in Italien,
zufammengebracht hatte, und die fiel) mit der
Profeffor Volpi-Sammlung an Reichhaltigkeit und
zum Ceil auch Güte des Gebotenen meffen konnte,
jener Sammlung, die vor etwa fünf Jahren den
hiefigen Gefchmack des reichen Publikums für
das italienifche Kunftgewerbe der Renaiffancezeit
zu gewinnen gewußt hatte. Seitdem haben es
die Florentiner Difdje und venezianifchen Stühle,
die Caffonen und Kabinette italienifcher Fjerkunft
den New Yorker Gefellfchaftsmenfchen angetan,
und man ift bereit, fehr hoho Preife für diefe
Ulare zu zahlen; hängt fid) dann aud) gern ein
Stuccobasrelief nad) Donatello oder einem an-
deren der Großen an die Uland, ferner Genuefer
Samtgehänge, orientalifche oder auch franzöfifd)e
und ßämifche Deppid)e, kurz \tattet fid) wie
ein Patrizier oder gar Fürft des 16. oder 17. Jahr-
hunderts aus. Diefe Mode fcheint, in etwas
wenigftens, die fo lange an der 5errfd)aft ge-
wefene für franzöfifches Kunftgewerbe des
18. Jahrhunderts ablöfen zu wollen. Kein Ulunder
daher, daß diefe zwei Huktionen zufammen faft
eine Million Dollars eintrugen. Für die Preife
im einzelnen fei auf die Beilage „Verfteigerungs-
ergebniffe“ verwiefen. F.
Bevorfteljende Verweigerungen
Berlin
Hlte Gemälde und fjandzeiclmungen ^es 16.
und 18. Jahrhunderts bringt Karl Ernft Fjenrici
am 29. Juni zur Verfteigerung. Unter den 93 Ge-
mälden feien befonders hervorgehoben: Ein rei-
zendes Bildchen zweier nackter, weiblicher Ge-
halten mit Hmor, das der Boucherfchule oder
dem Meifter felbft zuzufchreiben ift; ferner acht
ovale Jagdbilder des böhmifchen Meifters Nor-
bert Grund, zwei monumentale Porträts des
Markgrafen Hlbred)t Friedrich von Brandenburg
und feiner Gattin von Hntoine Pesne, und fd)ließ-
lid) eine fchöne Jahrmarktsfzene von Sebaftian
Francken, 1634 datiert.
Hm darauffolgenden Lage fchließt fid) bei
derfelben Firma eine Verfteigerung von deko-
rativen Kunftblättern des 18. Jahrhunderts an,
die, wie bereits der reich illuftrierte Katalog

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