Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 12.1920

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Murillo. Jofef und die Frau des Potipbar.
Madrid, Sammlung F. Sdjlayer.

gleich) der beiden Darftellungen h)öch)ft intereffant, weil er die außerordentlich) maßvolle
Ärt Murillos befonders deutlich) erkennen läßt, ebenfo wie das [entimentale Moment,
das der andalufifcße Künftler auch) in die dramati[ch)ften Darftellungen hineinträgt.
Die Bewegtheit der Szene wird nicht nur durch die Anbringung des kläffenden
F)ündch)ens gefteigert, fondern vor allem auch durch das Kolorit, das aber in erfter
Linie dazu beftimmt ift, den finnlichen Reiz des Ganzen zür vollften Entfaltung zu
bringen. Außerordentlich vor allem ift die Verwendung der verfd)iedenften Rot in der
Draperie des Bettes, des üeppichs und der am Boden liegenden Gewänder. Es ift ein
Kampf zwifchen dem keufchjen Violett, finnlichftem Purpur und aufreizendem Scharlach.
Kein 3ufall, daß Jofef in ein tiefes Violett gekleidet ift.
Die malerifche Behandlung des Ceppichs ift von ganz befonderer Schönheit. An
Qualität fteh)t das Bild auf gleicher Fjöh>e wie die Folge der Gefch)ich)te vom verlorenen
Sohn in der Sammlung Beit in London. Die Maße find auch ungefähr die gleichen
(ca. 1,00:1,35 m). Dem vollen warmen Kolorit, das feinfte Connuancen aufweift, ent-
fpricht die kräftige und doch überaus forgfältige Malweife.

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