Der Kunstwart: Rundschau über alle Gebiete des Schönen ; Monatshefte für Kunst, Literatur und Leben — 1.1887-1888

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irgend ein versuch der europäischen weise zn solgen, würde
zerstörend wirken. wenn Iaxan seine eigene Methode ent'
wickclt und seinen eigenen Idealen solgt, werden Luropa und
Amerika gezwungen sein, von Iapan zu lernen und von ihm
zu kausen."

* Denkmäler: Eine Marmorstatue Lord Byrons will
ein in London lebender Grieche ans seine Rosten in Zlthen
errichten lassen. (Das zweite Byron-Deukmal aus griechischem
Boden; Missolunghi, des Dichters Sterbeort, besitzt bereits
eines.) — Der Grundstein zum Hutten-Sickingen-
Denkmal in Rreuznach wird am 22. Mai gelegt. Die Grupxe
wird in Lauchhammer gegossen. — Die Aussührung eines
sreilich sehr bescheidenen Sch ne ckenburger-D enkm als in
Tuttlingen, der Baterstadt des Dichters der „wacht am Rhein",
ist gesichert, da über 2qooo M. zusammengebracht sind. Für
das Mi cki ewicz-Monument in Arakau, das der in j?aris
lebende Bildhauer Godebski aussühren wird, ist sreilich etwas

mehr zusammengekommen, nämlich ^ooooo Franks! — Den
Sieg im internationalen Wettbewerb sür ein Natianaldenkmal
in Indianopolis hat B. Schmitz, ein Berliner, davon-
getragen. — Lin Denkmal Gordons soll in Lhatham, dem
L)auptquartiere der Ingenieure, errichtet werden. Ls wird
dcn Derteidiger von Lhartum auf seinem Aameele sitzend
darstellen (?). — Reinhold Begas arbeitet an einem Marmor-
Grabmal der verunglückten Gräfin Arnim - Mnskau, dcssen
Lntwurs Rauchs berühmtem Luisen-Denkmal verwandt scheint.

* VreisnusscbreibLn: Für den besten Lntwurf zum
Tuttlinger Schn e ckenb ur g e r - D enkm al, erlassen vom Aus-
schnß in Stuttgart (s. 0.).

x Gestorben: Adalbert Begas, Maler wie sein
Bater und sein jüngerer Bruder, gest. 20. (?) Ian. zu Nervi,
zweiundfünfzig Iahre alt. — Lugsne Labiche, bekannter
Schwankdichter, geb. gest. in Paris.

Lprecbsnal.

(Mntcr sacdlicbcr verantwortung dcr Dcrren Linscndcr.)

Sehr geehrter kherr!

Ihr „Runstwart" steht im Rufe, eiuer ehrlicheu
Meiuung ohne viel Rücksicht darauf zur Aussprache
zu verhelfeu, ob ihm das verdacht wird oder uicht,
und ob sich die fremde Ueberzeuguug mit seiuer eigeueu
deckt, oder uicht. Geben Äe deshalb eiuem Stoßseufzer
Naum, der schwerlich anderswo zu Gehör kommeu köuute!

währeud Berlin sich eudlich erustlich darau giebt,
ein Lessingbild zu errichteu, wie für ihn es sich ziemt,
der bisher unter dem Roßschweif des alteu Fritzeu
eineu — ()ulius Nodeuberg meiut, beueideuswerteu
— j)latz gefuudeu, wird das deutsche Volk gemahut,
des auch läugst geplauteu ^taudbildes zum Gedächt-
nis seiues reiusteu und ernstesteu Liederdichters uud
Spruchsprechers, des edlen walthers vou der vogel-
weide uicht zu vergesseu, welches als eiu wahrzeicheu
für deutsch-religiöse uud deshalb widerrömische uud
widerpfäffische Gesiuuung an der Greuzscheide roma-
nischer Zuuge aufragen soll. Uud uuu, da die Deuk-
mäler-Stimmuug einmal wieder warm gewordeu, regt
sich der Trieb, dem bereits über alle Gebühr hiuaus-
dräugeudeu Rultus Lseines ein Idol zu schaffeu. L)err
Gust. Rarpeles, einer der Lsauptvertreter dieses Rultus
und wie er von sich rühmt, einer der ersteu Aureger
des Gedaukeus der Lrrichtuug eiues ^eiue-Deukmales
in Düsseldorf, will auch das Geburtshaus als bfeine-
!Nuseum der Bewuuderuug uud Dankbarkeit der Na-
tionen zugäuglich macheu. LVir erfahreu vou diesem
Aenuer beiläufig, daß dazu die lumpige Summe vou
p. p. §000 Thalern ausreicheu würde, eine Summe,
welche maucher Baukier iu Berlin für eiueu eiuzigeu
Ballabend auszuwerfen gewohut sei, also daß es
eigentlich schimpflich für die Verehrer des ,größten
deutschen tyrikers uach Goethe" sei, daß dieser Rarpe-
lesische Gedanke nicht läugst„Gestalt augeuommeu"hat.

Malther — Lessiug — Heiue, es giebtzu deuken.

Wenigstens zwei deutsche Dichter uud Akäuner,
Graf Adolf von Lchack uud Martin Greif iu
Nlüuchen, haben ihre Uuterschrift zu dem vonj^aul^eyse
verfaßten Aufrufe zurückgenommen, weil ihnen ihr gutes
deutsches Gewissen doch nicht gestattete, den verfechter

und Verbreiter jeglicher Scham- uud Zügellosigkeit als
deu größteu uachgoethischeu tyriker zu preiseu. Aber
die bewährte Tuergie der führeudeu jOresse wird
die kleine Schlappe leicht verwiuden.

Das Lruste uird Wehmütige bei der ^ache ist, daß
die verfälschuug echt deutscher Art, mit so leidenschaft-
licher Tücke betriebeu, unsere Rultur eutwertet.
Ls ist höchste Zeit, daß uuser volk sich der uuver-
söhulicheu Gegeusätzlichkeit bewußt bleibe oder wieder
werde, welche zwischeu Walther und Goethe hier
uud Lseiue dort obwaltet. Lin Meer treunt sie, wird
sie ewig treuueu. Lebte Walther heute, er hätte es
mit auderer Sorte vou Derderberu edler Sitte, reiueu
Sauges, saubereu Wortes zu thuu, als mit deu uu-
gezogeueu Aläffern, deueu so maucher seiuer Seufzer
galt, z. B. dieser — ich übertrage etwas frei, aber
gauz siuugemäß: *

Uus irret eiue gewisse Sorte vou Leuteu,

Weuu Liuer uus die fürbaß brächte!

Dauu hätte doch wieder eiu wohlgebildeter Ulauu
Zu austäudiger Gesellschaft eine Stätte.

Die aber lassen ihn uicht zu U)orte kommeu;

Zhr Nüssel hat es so eilig;

Ts mag das Allerbefte vorgelegt werdeu,

Ls käme doch uicht auf.

Da heißts: „ich uud von uusereu teuteu uoch eiu

j?aar Thoreu,

Wir dröhueu ihneu voll die Ohren,

Daß nie eiu j?faff iu seiuem Lhore
So wüsten Lärm verübte."

Nlan sollte kuustgerechtes Singen
Don ^erzen achten,

Belästigt uns aber des Narren Höhuen,

Da soll man — hier bricht die Ned' entzwei.

Gestatteu Sie, Lserr Nedakteur, deu Ausdruck seiuer
Lsochachtung Zhrem sehr ergebenen

Berlin. Fr. Sandvoß.

* S. Minnesinger, v. d. ksagen III, 225, Lachmann ;oz,
29. wackernagel und Rieger 2. 52, Franz j)seiffer S. 22

Indein wir diese Zuschrist abdrucken, erklären wir uns zur Aufnahme einer Betrachtung der Frage von anderm Standxunkte
aus bereit — was übrigens selbftverständlich ist - und behalten uns dic Darlegung nnsrer eigenen Anschauung vor. A.-äb.


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