Der Kunstwart: Rundschau über alle Gebiete des Schönen ; Monatshefte für Kunst, Literatur und Leben — 1.1887-1888

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Nus der Wüclierei.

Akonograpbiscbe Scbrttten von Max Lehrs. —
Nachdem Lehrs sich schcm durch seine Schristen „Die ältesten
deutschen Spielkarten" und „Der Neister mit den Bandrollen"
einen guten Nainen unter den heutigen Ikonographen erworben,
hat er die Rlarheit und Trefflichkeit seiner kritischen Methode
aufs Neue durch veröffentlichung eines besprechenden „Aata-
logs der iin gerinanischen Museum zu Nürnberg befindlichen
deutschen Rupferstiche des t5. Iahrhunderts" bewährt. Der-
artige Sainmlungen können durch solche Katalogisierungen
erst wahrhaft fruchtbar nnd zugänglich gemacht werden. Die
Lösung der darin gestellten Aufgabe erscheint aber kaum aus
einem anderen Gebiete schwieriger, als aus dem des älteren
Aupferstichs. Grt und Zeit der Lntstehung, Name und Be-
deutung des Aünstlers liegen hier vielfach im Dunkel. Selbst
die Marken und Zahlen, so weit sich deren hier vorfinden,
führen nicht selten irre. Die alten Rupferstiche zeichnen sich
zwar zum Teil dadurch aus, daß der Stecher zugleich der Lr-
finder ist; keineswegs aber ist dies die Regel. Die Rupser-
stecher jener Zeit zerfallen hiernach in zwei Rlassen, in solche,
welche zugleich die Lrfinder ihrer 5tiche, und in solche, welche
nur Ropisten oder Avmpilatoren sind. Nur den ersteren will
Lehrs den Namen von „Meistern" zuerkannt wissen. Seine
Untersuchungen sind daher wesentlich darauf gerichtet, sestzu-
stellen, welche 5tiche von wirklichen Meistern und welche nur
von Aopisten und Aompilatoren herrühren. Lr hat sich hierzu
einer sehr scharssinnigen vergleichenden Methode bedient, und
seine Lrgebnisse müssen als höchst wertvoll und sruchtbar be-
zeichnet werden. Lr sand unter Andrem, daß die Lrfinder
sich nicht sowohl der Marken bedienten, um auf ihre person
und ihren Namen hinzuweisen, die damals dem Aäuser meist
gleichgültig waren, sondern, um sich gegen das unberechtigte
Uopieren einigermaßen zu schützen. Lehrs Aatalog der
Nürnberger 5ammlung wirft daher ein aufhellendes Licht auf
alle übrigen dieser Art nnd bietet sich hiernach als brauch-
barer Leitfaden sür alle Forscher aus diesem Gebiete an. Er
hebt nicht nur diejenigen Stiche hervor, von denen ihm ein
zweites Lxemplar noch nicht vorgekommen, sondern welst auch
sür die andern die ihm bei seiner reichen Lrsahrung bekannt
gewordenen Fundstätten nach, mit genauer Angabe aller
etwaigen abweichenden Nerkmale, als: Maße, Druckfarbe,
jdapierart, lVasserzeichen, Linfassungslinien, Derschneidung,
plattenzustand u. s. w. Auch giebt er, soweit möglich, die
Lserkunft der Stiche an und bietet eine Beschreibung der noch

unbeschriebenen, sowie bei den übrigen die Urteile früherer
Forscher. Immer aber bleibt ihm Lharakter und Geist eines
Runstwerks bei der Beurteilung desselben die kfauptsache.
Daher er sich nach der Zeit sehnt, wo auch die Rupferstich-
kunde zu der Linsicht gelangt, „daß sie eine höhere Aufgabe
hat, als das vorhandensein oder Fehlen von Strichen und
Punkten zu konstatieren, die sür die Bedeutung eines Aunst-
werks ganz nebensächlich sind." So lange jedoch „die gewissen-
hafte Beschreibung von Stichelglitschern und Ätzflecken zu den
unerläßlichen jdflichten eines gründlichen Lhalkographen ge-
rechnet werde", beuge auch er sich diesem Bedürfnis. Lr thut
es mit einer Strenge, welche gestattet, sich aus seinen Be-
schreibungen ohne anderweitiges vergleichsmaterial eine ge-
nügende Aenntnis des Gegenstands zu verschasfen. R. Pr.

Nus Sebwuben. Schilderungen in Bild und wort von
Lduard Paulus und RobertStieler. Die Illustrationen
in bsolzschnitt von Ad. Lloß. Stuttgart, A. Bonz A Lo. —
Aus dem Iungbrunnen der Lfeimatsliebe und der Begeisterungs-
fähigkeit fürs Natur- und Aultur-Schöne geflossen, wecken
diese auch ohne melodramatische Sentimentalitätszuthat
stimmungsvollen Schilderungen des romantikverklärten, sagen-
reichen Landes und Dolkes auf das Glücklichste das gebannte
Lcho entschwundener Tage, selbst die „steinernen Zeiten"
bringen sie zum Reden und zeigen unter dem hellen Laub der
Gegenwart den alten knorrigen, wetterfesten Stamm der
wackeren Schwaben in seiner unverwüstlichen und verheißungs-
reichen Arastfülle und Ligenart. von der Mannigfaltigkeit
der Natur des Landes, von der Größe seiner Geschichte, vom
Reichtum seiner Aunst, von der Tiefe seines Geisteswebens
und der Lebendigkeit seines Gewerbfleißes überzeugt uns das
Buch in sieghaster lVeise durch den echt künstlerischen Gebrauch
von !Vort und Bild. lVenn ich noch Namen wie: Schwäbi-
sches Meer, schwäbische Alp, Schwarzwald, Neckar, Lfohenstauf,
Lfohenzoller, Lfohentwil, oder: IVeinsberg, Lfeilbronn, Tübingen,
Stuttgart, oder endlich: Schiller sdiesen „schon dem lvortsinne
nach Glanz streuenden Namenl"), Schwab, Uhland, kfauff,
Aerner, Scheffel, lvärme-Mayer, v-vischer — wenn ich solche
Namen nenne, „braucht es da noch großer Dinge", um eine
lvelt von Lrinnerungen und Großthaten vor unserem Geiste
austauchen zu lassen und das verlangen zu wecken nach einem
getrenen und würdigen lserold? lvohlan, ein Schritt durch
das „Brückenthor von Lßlingen" (Titelbild des Buchesl) und
unser Teil ist reichlicher Genuß! Br. D.

Lose Wlätter.

/iboderner Tbeaterertolg.

A: s)ch sage Dir, war das ein Applaus!

lVohl zehnmal rief man den Dichter heraus.
Drei Lorbeerkränze bekam er zu Dank,

Nlit Schleifen, wahrhaft meterlang.

Dann hob man ein Blumenkissen hinan,

An dem bemühten sich zwei lttann.
Vergebens! Ls war zu groß und schwer.
Da holten sie eine Leiter her,

Und hoch nun stieg die mächtige Last.

Da brachen Balkon und Nänge fast,

So donnerte man von oben los.

Mit einem wort — es war grandios!

B: Iedoch, das Stück!

A: Das Stück? Nun ja,

Das Stück, das war so, so

lala.

AuUus KtiKcrt.

Da sieh nur, wie die albernen Laffen
Das liebe Gotteswerk begaffen!

Gs reizt sie nur, was ungebührlich,

Und hier ist Alles bloß natürlich.

So geht es auch mit Aünstlers lVerken:
Das kföchste werden sie nicht bemerken.

Ls ist so gar nicht affenschändlich,

So einfach, keusch und selbstverständlich.

xantbippus.


Is

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