Der Kunstwart: Rundschau über alle Gebiete des Schönen ; Monatshefte für Kunst, Literatur und Leben — 1.1887-1888

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9. Stück.

Lrscbcint

am fünften u. zwanzigsten

Derausgeber:

zferdinand Avellarius.

Kestellpreis:

vierteljährlich 21/2 Mark. t«

Mas ist

MAZ^^erade herausgesagt, die verantwortung da-
^/^DM^sür, daß ich den Mut hege, meine Ansichten
diese Frage hier darzulegen, muß ich
Lserrn Lserausgeber überlassen. Grub
er doch eine vor 20 Iahren von mir herausgegebene,
seitdem vergessene Schrift* wieder aus und erklärte,
daß er dort die mit der obigen zusammenhängenden
Fragen am besten beantwortet gefunden. Denn wo-
her sonst dieses Selbstoertrauen? Wir erklären ge-
radezu, wir sind durchaus kein Aunstkenner, Runst-
kritiker, Runstgelehrter. wir sind außer Staude, etwa
in Fragen der Lchtheit oder Unechtheit eines Runst-
werks mitzureden oder eine litterargeschichtliche Unter-
suchung mit Feinheit und Lleganz zu sühren. U)as
mich über solchen ZUangel einigermaßen tröstet, das
ist die Lrwägung, daß der Uenner schwerlich Uenner
aus allen Gebieten und der Gelehrte sicherlich nicht
in allen Sätteln gerecht sein kann, und, wenn er es
wäre, schwerlich noch Interesse an Fragen so allge-
meiner Natur nehmen werde.

Aber ebensowenig sind wir ein „Ianer", wie
> Albert L^ange sich ausdrückt, nicht einmal ein Uantianer.
Denn was die Uunst sei oder das Schöne, was sie
zum Gegenftande oder zum Zweck habe, das ist eine
schwierige, dornige Frage, die von jeher die j?hilo-
sophen als ihre Domäne betrachtet und deren Beant- ^
wortung sie aus ihren metaph> sischen Doraussetzungen
_

* Grundlinien eines Systems der Ästhetik, eine
von der Akademie zu Straßburg gekrönte Preisschrist. Leipzig
f869. — „Nergessen^ ift dieses einzige ästhetische werk des be-
deutenden jdsychologen nun doch nicht, wenn auch viel zu wenig
bekannt. Ls gereicht uns zur besonderen Freude, die solgende
Darlegung unsern Lesern bieten zu dürsen — wird sie manchem
derselben auch als etwas „schwererer" Natur erscheinen, als
sonst die Beiträge des „Runstwarts". Möge uns die Be-
handlung der Grundfrage „was ist schön?" durch den ver-
sasser bald gewährt werdenl Ä.-L.

Ikunst?

abgeleitet haben. wir würdeu diesem Blatte, dem
uusere Betrachtuugeu dieueu wolleu, eiueu sehr schlechteu
Dieust erweiseu, wollteu wir das weseu der Ruust
erst metaphysisch ergrüudeu: selbst wenn der versuch
geläuge uud dem Linsichtigeu nicht vou voruhereiu
aussichtslos erscheiueu müßte. Darum ux>uA6 jeder
versuch, die Frage iu autoritativem Sjnue, d. h. iu
Arast eiues metaphysischeu Syftems zu löseu! weit
aussichtsvoller müßte es umgekehrt uus erscheiueu,
vou der gesicherteu Autwort aus uusere Frage, weuu
mau sie erst hätte, deu weg uach deu ksochburgeu
der Spekulatiou auzutreteu. wem aber wird mit
Uutersuchuugen uuseres Schlages gedieut seiu? ach,
ich fürchte, sehr weuigen; uud doch ist es vielleicht
das Allerwichtigste, zu wisseu, was Ruust sei. Deuu
Dieles wird heutzutage sür Ruust geuommeu uud mit
jeuer wichtigkeit behaudelt, welche alleiu wahrer
Ruust zukommt, währeud es doch weit davou eutfernt
ist. Ls ist das Liue, was Not thut, uud wer dieses
Liue recht ersaßt hat, der versteht mehr vou der Ruust,
als Liuer, der huudert Bibliothekeu uud eudlose Samm-
luugeu durchstöbert uud dabei dieses Liue uicht ersaßt
oder über dem Sammlersleiße wieder vergesseu hätte.

was ist Ruust? Ls hat eine Zeit gegebeu,
da mau sofort hätte au die Beautwortuug dieser
Frage geheu köuueu. b^eutzutage, wo wir es iu alleu
Diugeu so herrlich weit gebracht haben, muß mau
erst die leidige Norfrage stelleu: was ist uicht Runst?
Uud gar nicht eiumal gauz leicht ist diese so eiusach
ausseheude Abgreuzuug des eigentlicheu Ruustgebietes.
Deuu alleuthalbeu seheu wir die wahre Ruust um-
schwärmt vou eiuer Weuge vou Diugen, bei denen
es zweiselhaft ist, ob sie noch zur Ruust gehöreu, uud
diese wieder vou eiuem gauzeu Heere vou Lacheu
uud j?ersouen, dereu Nichtzugehörigkeit keiuem Zweifel
mehr unterliegt. So die walerei vou deu Verviel-


uöer atle Neöieie^eKMrööuen.

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