Der Kunstwart: Rundschau über alle Gebiete des Schönen ; Monatshefte für Kunst, Literatur und Leben — 1.1887-1888

Page: 240
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seines werks", die sicheres Rönnen voraussetzi. Lr gleich ihre werke nicht an die ilNaurerkelle eriunerteu.
erinuert au wüchelauaelo uud Nubeus, deueu doch „wollte mau sich doch bervußt halteu, daß Mriaiuali-
sicherlich Neiucr hohe Nrast absprecheu wolle, ob- tät sich uie und uimmcr küustlich aewiuueu läßt!"


-X- „lvoher kommt es", fragt Mor-5nnegg im ,,Lit. M.",
,,daß keine schönwissenschaftliche Zeitnng in Gsterreich ihren
sesten nnd nnabhängigen §tand behanpten kann? " In erster
Linie scheint ihm das am „Aleben am Lrscheinungsorte" zn
liegcn, das hier, ,,wenn man so sagen dars, anfdringlicher
dcr Zall ist, als anderswo." ,,Der weite siir die Allgemein-
heit und nicht nnr snr die Leser des Lrscheinungsortes in-
tcressante Ansblick" sehle zumeist. Als weitere Ursachen nennt
Ukor-5nnegg die politische Zersplitternng Gsterreichs, die auch
ans dic litterarischen und knnstlerischcn verhältnisse merklich ein-
wirkt, und die Thatsache, daß man in Vsterreich ,,mit Vor-
liebe namhaste Autoren und Dichter zn Redakteuren wählt,
wie Dramatiker zu Theaterdirektoren". Das rein Technische
dcr Redaktion sei aber eine Zache, die nicht ohne weiteres
dnrch schriftstellerischc Begabung verbürgt werde, nnd so ließe
,,dic lvahl der Utttarbeiter, die jdriifung von deren Ein-
scndungen viel zu wünschen übrig, wenn auch der Brieskasten
mit seinen gcharnischten Aritiken nnd Antworten das Gegen-
tcil zn bewcisen schcint, und der sdapierkorb immersort als
schr gefräßig hingestellt wird."

» „lvie die Lensationscrsolge berühmtsr Bchauspicler
in Amerika sabriziert werden," so schreibt der „Dr. Anz.",
„darüber hat schon Uaase in seinen ungeschminkten Bricsen
Lrbanliches berichtet. Neuerdings scheint man wieder Zort-
schritte gemacht zn haben. Da hat eben jdossart bcispiellose
Trsolge geseiert, obwohl man sür den Lrsolg seines Gast-
spiels, das meist Rollen brachte, in denen drüben Booth, Ir-
ving, Rossi, Balvini glänzten, besorgt sein nrnßte. wodnrch?
Dnrch cinen Ukanager. lväre ganz derselbe jdossart unter
anderer Zührung nach New-k)ork gekommen, er hätte viellcicht
dicselben künstlerischen Lrsolge crzielt, aber den ungehenren
Iudrang des jdublikums hätte sein Austreten sicher nicht be-
ivirkt. lvic es gcmacht wurde, darübcr verrät L. Bauer in
einem interessanten Ncw-l)orker Briese n. A. Zolgcndes:
chUonate lang, bevor possart das Bchisf bestieg, welches ihn
der ncncn welt znsührcn sollte, kannte man hier ans täg-
lich erneuten Berichten seinen ganzen Lebenslans mit allen»
geringsten Linzelheiten: die ihm zu Tcit gewordene Gnnst
des Aönigs Ludwig von Baycrn, scine Lhescheidnngshändcl

n. s. w.Aanm war jdossart gclandet, mit den üblichen

Lhrcn von den Dertretcrn dcr dcntschen Rolonie (die Btnnde
eincn halben Dollar sür jedcn vertreter) begrüßt, so kündctcn
Riesenplakate sür den Abend dcs nächsten Bonntags an: Lm-
psang^seierlichkeit sür kserrn Direktor jdossart! Zolgendes
ward nun an diesem Abend geboten: Nach einer gleichgiltigen
jdlanderei, dcr Niemand Beachtnng schenkte, trat der »Btern«
in cine jdroszcninmsloge, von nicht cndenwollcndem Tusch
cmpsangcn. ksieraus erschien aus der Bühne der Geschästs-
sührer Amberg nnd hielt eine Begrüßungsrede, deren Binn
ctwa der war, daß crst mit diesem Tage die wahre, die echte
Aunst ihren Linzug in Amerika halte, daß der nenc kveltteil
vor ciner nenen Aera ungewohntcr Rnnstblüte stehe. Der
Gcscierte, dem wohl die Lmpfindungen cines Gxserticrcs in-
zwischen verständlich geworden sein mochten, dankte in gerührt-
bcscheidenem Tone sür dic ans scin khanpt gehäuften Lhren,
und das gab natürlich wiederum das Ieichen sür einen Bei-
sallssturm nebst Vrchestertusch. Nun kam die Bchlußüber-

raschung. Lin — natürlich völlig unbceinflußter Gentle-
man aus der Ukitte des jdnblikums crhob sich nnd erzählte
dem anfhorchenden volke, es habc sich nntcr den begeisterten
Nerehrern des großen Meisters dentscher Bchauspielknnst —
ein jdossart-Dcrcin gebildct, desscn kNitgliedschaft nnschwer zu
erwerben nud äußerlich durch eine schöne silberne Possart-
lNedaille im Preise von 2 Dollars zu bekunden sei, welches
Lhrenzeichen hiermit znm Derkaus gclange! .... Die Btadt
wurde mit Bildern des Gastes sörmlich überflutet; in allen
Größen und Zormaten, in allcn crdcnklichen Trachten, Masken
und Btellnngen tauchtcn sie einzeln oder in Possart-Albums
gesaminelt ans. Line Bildergallerie, einc wahrhastige Runst-
aussteilung, wurde erösfnet, welche nnr bildliche Darstellungcn
possartscher Lharaktermasken enthielt. Darunter besanden sich
zahlreiche lebensgroße Vlgemälde, die dcn Aünstler als Man-
sred, Bhylock, Nathan, Napoleon n. s. w. darstellten, serner
Auxserstiche, Brnstbilder in Gl und jdastell, Zeichnnngen nnd
jdhotographien. Der Lintrittsxreis in dieses chanktuarium
betrug 2 Dollars gleich 8 Ntk. 50 j>f., aber — und das ist
der chumor davon! — wer drei Theaterbillets zn den deutschen
Gastvorstellungen löste, der bekam eine Rarte zur Bilder-
gallerie als Rabatth"

Der Berliner Theaterdirektor Lautenburg hat A. Dumas
zur too. Berliner Aufsührung der Francillon beglück-
wünscht. Dnnras' Antwort ist nach verschiedener thinsicht zu
bezeichnend, als daß wir sie nicht wiedergeben sollten: „Ich
beeile mich, Zhnen zu danken. Ich kann indessen nicht mir
allein das Verdienst dieses großen Lrsolges zuschreiben. Linen
großen Tcil danke ich vielmehr der Darstellung und der Über-
setzung des Lferrn jdaul Lindau, der, litterarisch gesprochen,
eben so sranzösisch ist, als ob er sranzösischen Ursxrungs sei.
Vielleicht habe ich mich auch bei denen zn bedanken, die mein
Btück zum Gegenstande eines Angrisfs im jdarlament gemacht
haben. Ich weiß nicht, weshalb; denn es ist durchaus nicht
in der Absicht geschrieben, j)reußen zn entsittlichen. Lfoffent-
lich wird cs mir beschieden sein, mit einem nenen Ltücke wie-
derum eine hundertste Norstellung in Ihrein Theater zu er-
leben; zn größerer Bicherheit bcwahren Bie mir denselben
Liser, denselben Ubersetzer, dieselben Aünstler nnd dieselben
Gcgner."

^ Im jdariser Lden-Theater ist jetzt Michelangclo
als Ball etgestalt zu sehcn. Begrüßen wir in dieser Meldung
den srohen Boten einer nahenden Blütezeit der Uttmik, da
Goethe nnd Bchiller, kjumboldt und Aant, Metternich und
Bismarck, Napolcon und Zriedrich der Große den entzückten
Zuschanern ihr Beelenleben gleichsam klartanzen werden!

Als Ruriosum aus der jdrovinz ward seinerzeit belacht,
daß ein kleiner Bühnenmonarch von seiner Gesellschast den
„Freischütz" als Lchanspiel anfführcn ließ, wobci der „Inng-
sernkranz" nnd noch eine kleine Linzelnnmmer gesungen wurden.
Die Berliner machten das jetzt nach: das „Vstend-Theater"
gab den ,,Trompeter" und ,,Larmen" aus gleiche kveise „ein-
gerichtet", als eine Art von ,,§pezialität". Dasür ist Berlin
ja Weltstadt: guoct uon licet dovi, licet ffovi.

Der allgemeine deutsche Musikverein hielt die 2 5. Ton-
künstler-Versammlnng in Dessau ab. Bie war nicht so
stark besucht, wie manche der srüheren: „seit Franz Liszt die
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