Der Kunstwart: Rundschau über alle Gebiete des Schönen ; Monatshefte für Kunst, Literatur und Leben — 1.1887-1888

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Vriginals die richlige Tönung der Kopie gesunden hat. Möge
auch dieses Galeriewerk so glücklich beendet werden, wie die
übrigen des Braun'schen verlags beendet worden sind, jene
übrigen, durch welche der zeitgenössischen Kunstwissenschaft ein
yilfsmittel von sast unberechenbarer Bedeutung erwachscn ist.

X über die prelsverteileret bei Runstausstellungeu sührten
wir im vorigen Stück Leixners Meinung an und erwähnen
heut an anderer Stelle einen hübschen vorsall, der sreilich bei
einer kunstgewerblichen Lokalausstellung zu Tage trat. Lin
in mancher Beziehung wunderliches Lrgebnis liefert aber auch
eine Betrachtung der Auszeichnungen, die der Berliner aka-
demische Senat nach dem Schluß der diesjährigen Ausstellung
erteilt hat. Das Füllhorn scheint bei der Iubiläumsaus-
stellung so stark erschöpft worden zu sein, daß diesmal nicht
viel darin war — was ganz in der Grdnung ist. Ls wurden
zwei große und sechs kleine goldene Medaillen verliehen (die
ersten an den Maler L. bsildebrand in Berlin und den Bild-
hauer 2l. bsildebrand in Florenz, die letzteren an die Maler
Salzmann und Scheurenberg in Berlin, D. Friedrich in
München, Rallmorgen in Rarlsruhe, Ruß in wien und den
Bildhauer A. Brüt't in Berlin) — und dazu siebzehn „ehren-
volle Lrwähnungen" ausgesprochen. wer soll nun glauben,
daß damit die Summe dessen, was die Ausstellung brachte,
gezogen, daß auch nur ein gewichtiges Urteil über den größeren
wert des Linen und den geringeren des Anderen geboten sei?
wie Titel und Drdensverleihungen muß man ja diese Aus-
zeichnungen hinnehmen. Nur selten sehlt ihnen jeder Grund
und jeder Schein eines Grundes; neben dem verdienst kommen
noch ein Dutzend von anderen Dingen mit in Betracht: Die
Richtung des Schasfens beim „Aanüidaten", sein Dienstalter
u. s. w., dann die Zahl der verfllgbaren Dekorationen, eine
Rücksicht aus die wohlbemessene verteilung des Gnadenregens
über die Gaue des dürstendon Aunstlandes und dergleichen
mehr. Immerhin bleibt es bemerkenswert, daß die beiden
höchsten Auszeichnungen an vertreter von Richtungen sielen,
mit denen unsere Zeit kaum mitzuempsinden nermag. Aein
Mensch wird des B ild hauers ksildebrand seltene Begabung,
keiner seine höchst eigenartige künstlerische Lntwicklung be-
streiten, sehr wenige sreilich auch, daß die allgemeine Aner-
kennung der Grundsätze seines Schassens Stillstand oder Rück-
schritt sür unsere Aunst bedeuteten. was giebt aber dcs
Malers bsildebrand „Tullia, die über den Leichnam des
vaters fährt", was giebt sie anderes, als eine ohne inner-
liche wahrheit ausgebaute Theaterscene? von den Lm-
xsängern der kleinen Nedaille wären Ruß und Rallmorgen ihrer
bereits vor Iahresfrist ebenso würdig gewesen. Lin erstes
bemerkenswertes Auftreten wurde in D. Friedrichs „Llisabeth
und ihre Ainder" willkommen geheißen; ein talentvolles natura-
listisches werk — das allerdings zur Lrörterung mancher
ästhetischen Bedenken anreizt — in der Brütt'schen Gruxxe
des alten Fischers mit der Lrtrunkenen. wir wollen es uns
versagen, ferner ins Linzelne zu gehen. Daß die Maler
Schwabe, valentini, Bergmann, daß die Bildhauer Ulein und
Baerwald ehrenvoll erwähnt wurden, besriedigt. Sie sind
freilich neben Anderen genannt, deren neue Leistungen nicht
an die ältern heranreichen. In hohem Grade befremdend ist
aber das vollständige Fehlen einer ganzen Reihe von Namen

solcher Künstler, mit deren Arbeiten sich die Lrinnerung an
die Ausstellung am lebendigsten verknüxft. tz.

Aunswandwerk.

Gegen die„ÄderNutung in der Ilrunst" (D. Romanz. 6)
hält ks. Sxohn, da eine strenge Zurückweisung von den
Runstschulen schon wegcn der Schwierigkeit, Talent und Nicht-
talent srühzeitig zu scheiden, eine unsichere Sache sei, nur Lines
sür ein sicheres Rettnngsmittel: die Zuwendung mittelmäßig
begabter Maler u. s. w. zum Rnnsthandwerk. „Laßt Luch
nicht blenden von der schillernden Außenseite des sreien Runst-
beruss, nicht durch falschen Stolz Luch abhalten l wer den
Mut hat, künstlerischen Träumereien zu entsagen, mit sestem
willen praktischer Thatigkeit sich zu widmen und vor Allem,
wem das Gefühl der Lfochachtung vor der würde des echten
Runsthandwerks nicht abhanden gekommen ist, der gehe mit
Freuden daran, sich einer Beschäftigung zu widmen, durch
welche die Dinge, die unser alltägliches Leben umgeben, mit
jenem Adel der Form geschmückt werden, der unseren Sinn
und unser Gemüt erfreut und erhebt." „Das Runsthandwerk
wird sich hierbei am besten stehen. Frei von der Stümperei
des bloßen kfandwerkers, wird es diejenige Gediegenheit wie-
derfinden, die es besaß, ehe Runst und Handwerk, welche ur-
sxrünglich in den alten Innungen vereinigt waren, fich trenn-
ten. Iene musterhafte Sicherheit und Freiheit der Behand-
lung, die es im Mittelalter bis zur Zeit des Rokoko herab
besaß und die man jetzt noch allzu ost vermißt, wird es wie-
dererlangcn, wenn wahrhast künstlerische Besähigung sein
Streben veredelt."

vom Tage: Auf der Nacbener Gewerbeausstel--
lUNg wurden von t66 Ausstellern — t25 prämiiert. Das
„Gstdeutsche Runstgcwerbeblatt" meint: „Derartige vorfälle
haben ihr Gutes, denn sie dienen dazu, das ganze j?rämiierungs°
system bei Lokalausstellungen zu diskreditieren. Line Abschaff-
ung des ganzen Medaillenschwindels würde vor allen Dingen
auch dem Lliquenunwesen ein Lnde machen."

Die Fküiicdiicr Ikimstgewerbe-Nusstclluiig des
nächsten Iahres verspricht überaus großartig zu werden. Nach
uns vorliegenden Mitteilungen hat bereits der Raum für
eigentliche Ausstellungszwecke von 8H5Z auf t2?oo Duadrat-
meter erweitert werden müsfen. Die Fertigstellung der Aus-
stellungsbauten soll trotzdem bis zum Zt- Ianuar, die des
hohen Turms, von dessen Zinne herab das Münchner Rindl
die Besucher grüßen wird, bis zum t- März erfolgen. Übri-
gens dürfte auch der Ausstellungsxark an j?racht nicht so
leicht seines Gleichen, auch bei künstigen Ausstellungen, finden,
denn die verwaltung der Zivilliste Aönig Gttos wird sür
ihn, wie sür die eigentliche Ausstellung manche ihrer Lchätze
hergeben. Im Park werden die Vriginalmodelle der Fontainen
von Linderhof und der Aiosk ans dem kvintergarten Ludwig II.
zu sehen sein, in den gedeckten Räumen Schätze aus den
Schlössern. Sehr zu begrüßen ist, daß inan mit dem Grund-
satz der bisherigen Unternehmen solcher Art, guckkastenartig
Aoje an Roje zu reihen, gebrochen zu haben scheint. Man
will die ausgestellten IVerke in möglichst freier künstlerischer
Gruxpierung zur Geltung bringen.

(s

Meibnacbtsscdau.

!vir werden an dieser Stelle im vorliegenden Stück und in den beiden folgenden Liniges von jdracht-, Bilder- und überhanpt
Geschenkwerken mitteilen, wie wir Deutschen den Unsrigen sie unter den Lhristbaum zu legen lieben. Iveder alle „Neuig-
keiten", die uns zugehen, sollen übrigens hier berücksichtigt werden, noch nur „Neuigkeiten". Der „Uunstwart" sprach es
schon einmal aus: er glaubt seinen Lesern am besten zu dienen, wenn er ihnen einsach empfiehlt, was gut ist, ohne ängst-
liche Sorge, daß es ja auch zu den „Novitäten" zähle. veraltetes sreilich legen wir selbstverständlich beiseite.

* Nuserlcsene Gemülde der Galerie Lcback in !
Müncben. Mit Tert von vr. Gskar Berggruen. (wien, ^
Gesellschaft für vervielfältigende Runst. Preis M. Z6.) —
An anderer Stelle des „Aunstwarts" sxrechen wir von nütz-
lichem und schädlichem Sammeleifer, von Mäzenaten- und von
Fextum unter den Kunftfreunden und denen, die sich so nennen.
Unsere ganze Zeit weist kein großartigeres Beisxiel eines der

Runst im höchsten Grade sörderlichen Sammelns auf, als das
des Grafen Schack, der mit wahrhaft genialer verständnis-
fähigkeit das Bedeutende nicht nur aus dem Gewirr des
Mitlelmäßigen, sondern auch aus stiller verborgenheit heraus
zu finden wnßte. wer war in der „öffentlichen Meinung"
Feuerbach, Lenbach, Böcklin, als Schack sich ihnen zuwandtel
Die Förderung, welche der zeitgenössischen Runft durch diesen

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