Der Kunstwart: Rundschau über alle Gebiete des Schönen ; Monatshefte für Kunst, Literatur und Leben — 1.1887-1888

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Der Llcerone ln der ikrönigl. Nelteren pinako-
tbek ZU /IKÜncben. von G. Ljirth und R. Muther.
Mit ;88 Illustrationen. (München, G. lhirths Kunstverlag,
Nk. z — Mk. 5.) — Diese „Anleitung zum Genuß und
Verständnis der hier uereinigten Uunstschätze" will denen
dienen, welche sich nicht gerade selbst als ,,Fachmänner" sühlen
und doch ein mehr als oberflächliches,,Besehen" üben wollen,
denen, welche ohne viel kunstgeschichtliche Aenntnisse zu besitzen,
ein Verständnis der Bedingungen, unter denen die N)erke
entstanden, und damit ein vertrauteres verhältnis zu ihnen
gewinnen möchten. lhirth hat eine Linleitung über „Runst-
genuß und Aunstverständnis", ,,das Natürliche in der Nunst",
„Stil und malerische Lharakteristik", „Ausfassungen und Tech-
niken" und ,,Die lVege zur Rennerschast" in zweckmäßiger
Behandlung gegeben, Nuther die eigentliche Besprechung der
Bilder, nach den Zchulen ordnend. Ist diese nicht mit jener
bewunderungswürdigen Kraft des Zusammendrängens eines
reichen Gehalts aus wenige worte gegeben, durch die uns
Iakob Burckhardts „Licerone" allen ähnlichen Büchern gegen-
über ein wenig verwöhnt hat, so erfüllt die sachkundige und
dabei einsache und ganz und gar nicht „gelahrte" Muthersche

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ihren Zweck vollkommen, und das Ganze

-; die Ausführung eines so guten und im besten

Gedankens, daß wir auch den anderen
unseres vaterlandes ähnliche ,,Li-
können. Das angewandte j)rinzip der
-uterung ist das sür solchen Zweck einzig richtige.

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^aässes Lcbalken und Modetborbett in der
Bon A. Nothnagel. (Berlin 8)V., August
icS) — Lin sehr anspruchsloses dünnes tseft und
^cht einmal ein ganz „neues", aus das wir doch
^em Nergnügen jene Leser des „Aunstwarts" hin-
^n, die sich den bildenden Künsten gegenüber ganz
^ Laien fühlen und sich nicht sür zu vornehm
^twas, das ursprünglich sür schlichte Lsandwerker
zu lesen. Denn aus nur HO kleinen Seiten ist
^ und Andcren in sehr verständiger weise das
architektonischen Stillehre nicht so sehr „doziert",
^ wesen der Frage abgeleitet. Und zwar so, daß
^re Teilnahme, die Liebe zur Sache, überall er-
—>et.

Lose Kl

Lptstel an den Ikunstwart.
verehrter Annstwart, wenn Neklame
Nicht trügt, wenn vom Bewahren kommt
Als vom Beschützen euer Name,
wenn's mit der wahrheit, die uns frommt,
Luch Lrnst ist und ihr seid ein Hüter
Der Runst und ihrer besten Güter,

Dann werdet ihr wohl eure Spalten
Auch diesem Brief nicht vorenthalten.

Denn manches hat mich sehr erschreckt,
was ich in jüngster Zeit erfahren;
wie keck die Thorheit ihr Gebahren,
wie weit der Unsinn sich erstreckt!

Zch stäch drum gern der welt den Staaren,
Und spräch es aus, was mich bedrängt,

In einer Form, die ungezwängt
Den Lrnst mit Ironie verwickelt,

Die bitter schmeckt, doch etwas prickelt.

So las ich jüngst, es kehr sich ab
Das Dolk vom Gpos, von der Dichtung,

Die doch Ljomer den Griechen gab,

Auch sie erliege neuer Nichtung,

Dagegen im Novellenfach
Und im Noman am allermeisten,

Da lasse sich noch etwas leisten.

Zst's wahr? <Ls scheint — von jedem Dach
Hört man ein Piepsen sich erdreisten,

Und leicht wie man beim Uaffee schwatzt
wird ein Novellchen hingekratzt,

Leicht wie dazu die Butterbrödchen
Verwendet man die Anekdötchen,

Und bläst wie einen Gummiball
Vom Stadtklatsch auf den jüngsten Fall.

Nomane giebt es Schock auf Schock,
was heut' kam auf den warkt en bloc
Liegt morgen schon in alten Fetzen

rs.





-umpelkram im fünften Stock —
^ soll's Lpos uns ersetzen? —

ik dars in jedem Ton
^s sein: ungeheuer simpel,
i'sten steht deshalb der Gimpel,
ir singt ohne Neflexion;
ik, darf man wohl erwarten,
ein großer Rindergarten
und vögelein —
Nlondenschimmer sein.

^^cama will ich gar nicht reden,
erblüht es nur in Schweden;
liebt ein Teil j?ublikum
Geleise

sich an bekannter weise,
geht ihm die Zeit herum.

schmeckt wie Zuckertorte
der gemeiusten Sorte,
fehle nicht, auch sei
Äechtum noch dabei,

in Frankreichs Dramenküche
in die Lhebrüche. —

— 341

darf man nicht verhehlen
nicht genug empfehlen:
schön als jDoesie,
für die Bühne nie,
der Autor lernte stehlen.
muß er dies und das
werken, die er las,
er nie, trotz allem Ningen
Stück zusammenbringen.
sind hier zur Ljand
von der Seine Strand,
der Themse kann man schöpfen
Geister schröpfen. —
ist ja längst erlaubt,
selbst, wie Ulancher glaubt,
wo er's fand genommen.

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