Der Kunstwart: Rundschau über alle Gebiete des Schönen ; Monatshefte für Kunst, Literatur und Leben — 1.1887-1888

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Text gegeben, enthält gelungene (bunte) Blätter nach Flinzer,
wenngleich die hier verwendete Art dcr Rcgroduktion andcren Mit-
wirkenden (z. B. woldemar Friedrich) besser gedient hat, als ihm.

Noch cincs Künstlers sei heute an dieser Stelle gedacht,
der sich in den letzten Iahren ein großes und verdientes An-
sehen als „Bildsrbuchmalcr" erworben hat: v. p. Mohns.
weder aus besonderin zeichnerischen Aönnen beruht seine
Rrast (die älteren Sachen zeigen sogar oft ganz arge ver-
zeichnungen), noch aus ungewöhnlich scharsein und „findigen"
Beobachten von Mensch und Tier, sondern auf einem Tle-
inent, daß bei säintlichen hier Genannten erst in zweiter Reihe
initwirkt: aufStiininung, zumal aus xhantastischer Stiinin-
ung. thauptsächlich ist es die init köstlicher jdhantasie belebte
Landschaft, init der Mohn die schönsten seiner ganz eigen-
artigen wirkungen zu erreichen weiß. Bücher wie „Der
Ainder Lngel" und die „Ainder-Lieder und Reiine"
(beide bei R. Nitscher in Berlin erschienen), wie ,,Das Lhrist-
kind" (Stuttgart, Greiner u. j)feisfer) und befonders der
,,Märchenstrauß für Kind und Baus" (Berlin, Stilke)
folltcn nirgends fehlen, wo es gilt, die kindliche phantasie
auf fchöne weise anzuregen und zu erziehen.

>Dberländer--AIbum. München, Braun äö Schneider.
Fünf (felbständige) Teile, jeder M. 5. — wilhelin Busch und
Gberländer sind unsere Grotesk-Romiker unter den Zeichnern.
kfoffentlich ist's eine Täuschung, wenn es uns nach Bufchs
neuesten Dperibus scheinen will, als habe seine Araft ihren
Lsöhepunkt erreicht; hoffentlich ist's keine Täuschung, wenn
uns die vorliegenden Bänds Gberländers von beständiger
Steigerung zu sxrechen scheinen, die noch nicht das geringste An-
zeichen des Stillstands bietet. Ist es doch, als wenn die vom
Gott Iocus begnadete Natur unseres Aünstlers einen gewissen
Manierisinus, der manchen seiner älteren Schöpfungen eigen
ist, je inehr überwände, je älter der Mann wird: als stellte
der Lfumorist auch darin die welt auf den Aoxf. Iminer
seltener, und jetzt verschwindend selten, das rein Fratzenhafte;
inimer häusiger und jetzt fast überall, jens echte Art der Rarri-
katur, die nur das Lharakteristische übcrladet. Ls ist
geradezu unheiinlich, was für Augen Mberländer im Aoxfe
hat! Bis in die verborgensten Kämmerlein der Seelen guckt
er init diesen Vergrößerungsgläsern all unserer Schwächen.
Und Aeiner ist oor ihnen sicher. Denn das ist das Gute:
Gberländer steht weder im Bann irgend einer jdarteilichkeit,
noch irgend welcher vorgefaßten Meinungen, nach denen er
seinen Regen und Sonnenschein ungerecht verteilte. Und das
ist das Beste: es ist kein Tröpfchen Bosheit in diefem
Mann. So viel feiner Bilder Satiren ähnlich sehen: Vber-
länder ist doch im Grunde des kjerzens kfumorist. Nichts bleibt

von kfaß-, Zorn oder verachtung, wie bei der wirklichen Satire:
ein herzliches Lachen ist von Allem der Rest. Lin vollblut-
Satiriker, d. h. ein Mann, dem Bitternis in der Brust
sitzt, würde auch kaum die breite Behaglichkeit der Tier-
schilderung entwickeln können, wie Vberländer: nur eine ,,ver-
wöhnte Seele" kann sich mit unsern ,,Grenznachbarn der
Schöpfung" fo nahe befreunden, daß sie sich in deren,,Schwä-
chen" wie in die der Mitmenschen hineinfühlt und sie be-
lauscht und belächelt. — Ls liegen noch von zwei andern Ge-
lehrten der ,,Fliegenden" solche ,,Albums" vor: von Ludwig
von Nagel, der immer in scinem Llemente ist, wenn er's
mit Soldaten und jdferden zu thun hat, und von Lsarburger.
Aeiner von beiden ist eine eigentliche geniale Natur, wie
unbedingt Gberländer. Besonders kharburger aber ist solch
ein Beobachter und Menschenschilderer, daß uns die Gesichter
auf feinen Bildern weit mehr zu sagen wissen, als selbst der
beste Mitz, der darunter sieht. Lr übertreibt dabei viel weniger,
als Gbcrländer, ja die meisten seiner Leistungen können kaum
Aarrikaturcn genannt werden. Ls sind Sittenbilder aus der
modernen Gesellschaft, höchstcns im Lnstspiel-, nicht im jdossen-
stile gehalten.

Ikunstbistortscbe Ktlderbogen. (Leipzig, L. A. See-
mann.) — Man kann Seemanns „Bilderbogen" in gewissem
Sinne eine „billige Alassikerausgabe" nennen — für die
Merke der Baukunst und jene Statuen und Gemälde, die
durch ausgeführte Zeichnungen wiedergegeben sind, mag wenig-
stens der Ausdruck carn ZraiiO SLÜZ gelten. vielen andern
Blättern gegenüber dürfte man freilich nur von einer „Inhalts-
angabe" der bildnerifchen Griginale sxrechen, denn viel mehr,
als eine solche, vermag eine Umrißzeichnung doch selbst dann
kaum zu geben, wenn sie eine gute ist. Sie bietet ja auch
des lvichtigen genug damit. Für ein Lrziehungsmittel zu
wahrhafter künstlerischer Genußfähigkeit, zu einem vorurteils-
losen aber geschmacksgesunden Mitleben mit dem künstlerischen
Ringen der Gegenwart können wir derartige lVerke über-
haupt nicht halten — das ergiebt sich aus unserer Stellung
zur „Bildungsfrage." Für alle jedoch, die Freude an den
Lrgebnissen der Aunstgeschichte empfinden, die das Gewordene
nicht nur genießen, sondern aus seinem lVerden wissenschaft-
lich verstehen wollen, bieten die Seemannschen Bilderbogen ein
lhilfsmittel, das in seiner Reichhaltigkeit und gleichzeitigen
Billigkeit ganz ohne lVettbewerb dasteht. Ietzt werden sie
uns — höchst dankenswerter lVeise — in drei Ausgaben zu
verschiedenen jdreisen vorgelegt, eine jede begleitet von treff-
lich erläuterndem Texte. Und so hat jeder Freund der Sache
die Möglichkeit, seinen Bedürfnissen und seinen Mitteln ent-
sxrechend das größere oder kleinere zu wählen.

LingesAndte Mlerke.


Tlauarell-Nlbum der Oresdner nterna tionalen Ausstellung 1887.
24, Aartons Lichtdruck-Reproduktionen nach IVerken deutscher. italienischer,
belgischer und holländischer Meister. Text von p)aul Schuniann. Dresden,
Stengel ä: Markert. geb. M. xo„

Klütbgen-lpletscb. Kleine Sippschaft von Dskar p>!etsch. TNit versen
von Viktor Blüthgen. Glogau, Uarl Flemming. geb. M. 6.

lich verstebt, mit seinen versen den Sinn der „kleinen Sippschaft" zu er-
freuen, beweist, daß seine verse in diesem publikum sozusagen „volks-

Kode, TIAilbelm: Das Airchenlied der Zukunft. Anklagen — vor-
schläge — p>roben. Hagen i. lv>., l)ermann Risel L Lo. RI. 0,60.

Kredius. Die UvLtstLrwerkL des IMjksmuseum zu Nmsterdam. sshoto-

Franz ^anfstängl. Lfrg. 5. M. 12.

Tbumisso-'Tbumunn. Lebens-tiederu. Bilder. tieder-Areis von
Adalbert von Thamisso. Illustriert von p>aul Thumann. j0. Aust. Leipzig,
Adolf Titze. (Aleine Ausgabe.) geb. m. G. 7,50,

Troon - kDu^er, Lmmu: Liederborn. Gedichte. 2. Aust. Vldenburg,
Schulze. geb. M. 4.

Da der Deutsche nun doch einmal nur zu Weibnachten Gedichte kauft,
dieses Buch uns aber zu spät zuging, als daß wir's noch genauer
prüfen und beurteilen konnten, so verzeichnen wir an dieser Stelle den
Gesammteindruck nach flüchtiger Durchschau: keusche, religiös gestimmte
Frauenlxrik mit dem Lharakter der Reflexion und sehr gewandte Be-

nach Vriginalzeichnuiigen von Feodor Flinzer. "teipzig, Alphons Dürr.

(ZampL, Db.: Die Stiefbrüder. Lrzählende Dichtung. Dresden,
Fr. Tittel Nachfolger. M, x.

Theodor Gampe, der früher durch einige markige Dramen, sowie durch
Gedichte und Mandersprüche die Aufmerksamkeit litterarischer Areise auf
sich zog, läßt die Freunde seiner poesie endlich wieder einmal etwas

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