Der Kunstwart: Rundschau über alle Gebiete des Schönen ; Monatshefte für Kunst, Literatur und Leben — 1.1887-1888

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x „Das »Star'System«" schreibt A. Strakosch im „N. W.
T.", „ist der Ruin der amerikanischen Bühnen, denn es
demoralisiert jede Truppe, es läßt ein künftlerisch abgcrundetes
Zusammenspiel nicht zn Stande kommen. Die Direktoren be-
günstigen in erster Reihe die Bum - Bnm-Schanspieler, die
»Virtuosen«, sür welche sie die überschwänglichste Reklame
machen. Tntbehren sie zusällig eines solchen 5terns, dann
bleibt das ksaus leer. Tine Ausnahme bildet nur das Daily-
Theater, dessen Mitglieder aus den Geist hin gedrillt und von
künstlerischem Ltreben ersüllt sind. Im Übrigen sind bisher
alle Dersuche, ein feststehendes amerikanisches Theater zu be-
gründen, das ohne 5tern und nur in der cigenen Rraft und
Leistung sein Ziel erblickt, kläglich gescheitert."

-x- Gelegentlich der Münchener Runstaustellung
wurden vom internationalen sdreisgericht ausgezeichnet: mit
jdreismünzen t- Rlasse die Maler: Vswald Achenbach-Düssel-
dorf, 6ch. von Angeli-!Vien, Ioss Benlliure y Gil-Madrid,
Iul. Benozur - j)est, Gregor von Bochmann-Düsseldors, Arn.
Böcklin-Zürich, Frz. Lourtens-Brüssel, Gust. Lourtois-p)aris,
chritz Aug. von Aaulbach-lNünchen, Iak. Naris-Lsaag, I. Gari
Melchers-Lgmont-van-Zee (Amerika), jdaul Meyerheim-Berlin,
Iose Moreno-Larbonero, Malaze Graf G. von Rosen-5tock-
holm, Gust. Lchönleber-Rarlsruhe, Lttore Tito-Venedig, Zal-
vador Viniegra y Lasso-Tadir, kseinrich Zügel-lNünchen, die
Bildhaner Lin. Tremiet-jdaris und Ioses !) INyslbeck-Prag,
sowie der Radierer: Rarl Aöpping -Dresden — mit j)reis-
rnünzen 2. Rlasse die Maler: Iose Alcazar Tejedor-Madrid,
Louis Apol-Velp (Ljolland), Adols Artz-Ljaag, Lionardo Baz-
zaro-Mailand, Iean Iosepha Benjamin 1<onstant-j)aris, lvilh.
Bernatzig - lVien, Alexander Bihary-j)est, Vskar Björck-Ltock-
holm, Lug. Blaas - venedig, Frederik Bridgeman - j)aris,
Ferd. Brütt-Düsseldors, Gilbert v. Lanal-Düsseldors, Raph.
Lollin-j)aris, Lugen Dücker-Düsseldors, lVilh. Dürr-München,
Antonio Fabres - Barcelona, lValter Zirle - München, Leon
Frederik-Brüssel, bjugo Frhr. v. lsabermann-München, Rob.
Ljaug - Ltuttgart, lsans Ljerrmann - Berlin, Ludw. bjerterich-
München, Lrnst lhildebrand - Berlin, Ad. lsirschl - lVien, Leo
Lsorovitz-lvarschau, Bramine lhubrecht-lsaag, Leop. Gras von
Kalckreuth - lVeimar, chriedrich Kallmorgen - ltarlsruhe, cherd.
Reller-Rarlsruhe, Karel Klinkenberg-ljaag, Dan. Ridgeway-
Knight - j)assy (Amerika), Gotth. Kühl - paris, Frz v. Leem-
putten-Brüssel, Mar Liebermann-Berlin, lVilh. Lindenschmitt-
München, Lm Liska-Rom, Karl Ludwig-Berlin, lsenry Luyten-
Antwerpen, Marius de Maria-Rom, j)oinpeo Mariani-Monza,
lVillem Maris-Prag, j)eter j)aul Müller-München, Gg. Geder-
Düsseldorf, lVilliam Mrchardson-London, Lh. Lprague j)ears-
Anvers s. Gise (Amerika), Bruno piglhein - München, Rich.
v. j)oschinger-München, lV. Scimanowski-München, Gustavo
5imoni-Rom, Zrithjos Lmith-München, Max Thedy-lVeimar,
chritz v. llhde - München, Scipione Vannutelli - Rom, Ricardo
Villegas Lordero - Sevilla, Zrancesco Lomm. Vinea - chlorenz,
I. Mc. Neill lVhistler-London, Ludw. lVillroider - München,
die Bildhauer: Iul. Dillens-Brüssel, Adols lsildebrand-Florenz,
Ioh. Lsirt - München, Ios. Kops-Rom, Leon Mignon-Brüssel,
llrbano Nono - Venedig, Ant. Lcharff - lVien, lValter Lchott-
Berlin, Arthur Ltraßer-lVien, lsamo Thorycrost-London, Lrnst
lVägener-Berlin, Antonio dal Zotto-Venedig, der lsolzschneider:
Lharles Baude - j)aris, der Radierer: Lrnst Moriz Geyger-
Berlin, und die Architekten: Alb. Lchmidt-München, lsch. Leeling-
Berlin und Friedr. Thiersch-München.

„Ich sehe sehr hoffnungsfreudig in die Zukunft," schreibt
der Kunftberichterstatter der „Aöln. Z." aus München, „weil

Tage.

ich die schöne Überzeugung gewonnen habe, daß in unserer
Kunst noch immer der Z d e alismus herrscht. So sonderbare
Formen er annehmen mag, Zdealismus bleibt es iminer,
wenn künstlerische Talente ihr Können und ihren Fleiß in
den Dienst von Überzeugungen stellen, wenn sie einen Glauben
haben, dem sie sich mit dem ganzen Lrnste des jlflichtgefühles
nnd des Lhrgeizes widmen. Dieser Zdealismus ist auch
heute noch, ist heute erst recht vorhanden, denn man kann
wahrlich nicht behaupten, daß diese teilweise sehr hitzigen
Vertreter neuer Kunstrichtungen materiellen Zielen des Geld-
gewinnes einseitig huldigen, um die Gunst der Menge buhlen,
sich auf dem Markte verkaufen. Da auf der andern Seite
es sich nicht bloß uin redselige »Zdealisten« handeltz sondern die
Vertreter diejer neuesten Kunst sich der Schwere ihrer Aus-
gabe bewußt sind, etwas können und um ein weiteres Können
in ehrlicher Arbeit ringen, so schrecken mich Uebertreibungen,
Irrtümer, die aus salschen Gesichtspunkten entstanden sind,
nicht. Das wird sich klären, wie auch die jetzige interna-
tionale Linsörmigkeit sich in nationale Besonderheiten ausein-
andersetzen wird. lVo Fleiß und Können sich vereint finden,
da wird auch der Zrrtum weggearbeitet, weil er nur ein vor-
übergehender Zustand ist, über dessen Mängel das durch den
Fleiß wachsende Rönnen von selber sich klar wird. Nur da
ist der Irrtum gefährlich, wo mangelndes Können in red-
seliger Selbstgenügsamkeit sich gefällt und nie mit der That
überwindet, was der Gedanke nur zu leicht sündigt."

-x- Rudols Sieinerings Siegesdenkmal zu Leipzig
ist am j8. August seierlich enthüllt wordcn. Das gewaltige
lverk baut sich in dunklem Stein und in mit verschiedenen
Tönungen schimmerndem Metall achtzehn Meter hoch über
den Marktplatz, gekrönt von einer ganz mit eigenem Auge ge-
schauten Germania, die, das Schwert über derSchulter, ausruhend
hinschaut über das geeinigte Vaterland. Vor dem jlostament,
das sie trägt, thront des alten Aaisers Gestalt feierlich im
Grnate; zu seinen Seiten, wie an den beiden andern der
vier Lcken des Ausbaus halten Krieger die lvacht, Fahnen
in der lsand, Vertreter der deutschen Stämme. Sie blicken
über die vier Reitergestalten der damaligen Kronprinzen von
j)reußen und von Sachsen, sowie Bismarcks und Moltkes hin, die
aus niedrigem Unterbau stehen. — Siemerings Denkmal ist das
wertvollste aller Denkmäler sür jene große Zeit, das Nieder-
walddenkmal durchaus nicht ausgenommen. lVas es dazu
gemacht, das ist vor Allem der künstlerische Lrnst seines
Schöpfers, der keine „plastischen jdhrasen" kcnnt und dessen
„erzene Menschen" daher so frei von jeder Art deklamatorischer
j)ose sind, wie ersüllt von echtem, ruhigem, schlicht-großem
Innenleben. Aber auch in der realistischen Durcharbeitung
jeden Teils seiner Gestalten steht Siemering als ein unüber-
troffener Meister in der Gegenwart da — und vielleicht bleibt
in dieser Beziehung am meisten zu bewundern, daß sein
staunenswerter chleiß den einheitlich großen „lvurs" seiuer
lverke in seiner lvirkung nicht schwächen konnte.

x- Zur Berliner Dombausrage teilen die „Bl. s.
Arch. u. Kunsth." mit, daß die Immediat- Kommission ihre
Arbeiten vorläufig beendet hat. „Ls haben ihr mehrere vom
j)rosessor Iulius Raschdorff auf lvunsch des Kaisers Iriedrich
ausgestellte Lntwürse zur Kenntnisnahme und Begutachtung
vorgelegen, von denen der eine deu Beifall der höchsten
cherrschaften gesunden hatte nnd sür die Aussührung ins
Auge gesaßt war. Dieser Lntwurs zeigt iu seinem chauxt-
teile eine Gruppe von drei Kuppelkirchen, deren architektonische
Ausgestaltung sich im lvesentlichen anSt. jlaulinLondon anlehnt.

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