Der Kunstwart: Rundschau über alle Gebiete des Schönen ; Monatshefte für Kunst, Literatur und Leben — 1.1887-1888

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Aus der Küclierei.

pZpiersebmetterllnge nus Aapan. von L. Netto.
Nach Skizzen des verfassers illustriert von Paul Bender.
Leixzig, T. G. weigel. — Nach wort und Bild eines der
ersreulichsten werke, die uns seit Langein vorgekoinmen sind.
Nettos Text ist nichts weniger, als eine wissenschaftliche Ab-
handlung, er bietet nicht etwa gelehrte „Studien" — er bietet
leichte, anmutige und geistreiche Plaudereien über Land und
Leute. wir können dabei wohl auch inancherlei lernen —
und zwar durch zahlreiche vergleiche, die sich ungesucht bieten,
gerade sür das verständnis der Kunst und Kunstpstege —
aber wir lernen, ohne uns irgendwie als „Schüler" zu sühlen.
Denn das wie ist hier die lhauptsache, nicht das was: der
Lsauptwert auch des Textes ist ein künstlerischer. Mit welcher
Anschaulichkeit versetzt uns der versasser iu meäias res! Seine
gute Laune gewinnt ihin voin ersten Satze ab die Aufmerk-
samkeit der Leser. Dafür aber, daß er sie nie verliert, sorgt
er, indem er nur im äußersten Notsalle durch Nebenaneinander-
reihung der einzelnen Merkmale im eigentlichen Sinne be-
schreibt, sonst aber in echt küustlerischer weise durch geschickte
Anregung und Lsinleitung unserer Phantasie das, was er uns
zeigen will, gleichsam in uns selber erstehen läßt. Dadurch
wird Alles beseelt, was er uns giebt: wir sühlen uns nicht

als Beschauer von „korrekt gezeichneten Bildern", sondern
als leibhastige Teilnehmer an all dem Lebendigen dort, als
vom Phantasus ins Land Asia unter ein sröhliches, begabtes
und liebenswürdiges volk Tntsührte. von der Anschaulichkeit
der Nettoschen Schreibweise könnte mancher unserer „bewährten
Schriststeller" etwas lernen. Nun die Benderschen Bilder.
Auch sie sind in ihrer Art kleine Meisterstücke und stehen dem
Texte um kein Lsaar breit nach. Der Zeichner brachte nicht
allein das nötige Rönnen, das nötige Rennen und die nötige
Einbildungskrast mit: er versügte gleich dem Textschreiber auch
über eine gesunde Dosis Lsumors, die einige zumal jener Dar-
stellungen, auf denen wir Luropäern und Iapanern beisammen
begegnen, besonders lustig gestaltete. Außer den Textbildern
enthält das werk Farbendrucke, Lichtdrucke und Radierungen.
Kann die Zahl seiner Abnehmer des hohen jdreises wegen
nur eine beschränkte sein, zumal bei uns in Deutschland, wo
es sür sündhafte Verschwendung gilt, sür ein Buch den dritten
Teil des Geldes anzulegen, das ein Fräulein Tochter sür ihr
nächstes Ballkleid braucht — so seien die vermögenden unserer
Leser um so krästiger aus dieses werk hingewiesen, das den
nicht gar zu großen Schatz wirklich guter „Luxusbücher" unserer
Litteratur um ein jdrachtstück vermehrt hat.

Lose Klätter.

vorsatz.

Den Dünkel auszurotten,

Die Narren zu verspotten,

Den Ljeuchlern, wie sie gleißen,

Die Larven abzureißen,

Die Schmeichler abzusassen
Und Liug und Trug zu hassen;

Dagegen srohen Mutes
Niit allen Urästen Gutes
Und Ächtes zu beschützen
Und treu zu unterstützen, —

Darin soll sür mein Thun
Das Grundgesetz beruhn,

Dasür will ich mich rühren,

Dasür die Feder sühren.

Ibennanu Lingg.

Lpigrammatlscbes.

t.

Schasst ihr ein werk, so lauscht nicht aus die kritische

Uteinung;

Ihabt ihrs vollendet, so ruft selber herbei die Uritik!

wildes Gezweig mag treiben der Stamm — ihr

könnt es entfernen!
Hemmt ihr die treibende Urast selbst, so verkrüppelt

der Stamm.

2. Geschminkte Uritik.

Der Rritiker schreibt wahr und schlicht;
verblümt, pikant der Rritikaster:

Lrnst ist der Tugend Angesicht,

Frivol geschminkt zeigt sich das Laster.

3. U)eltweisheit.

Der ist sürwahr ein weiser Mann,

Der, was er selbst nicht machen kann,

Als Dummheit sieht bei andern an.

Doch was er selber machen kann,

Sjeht er als überflüssig an,

Ustenn es versucht ein andrer Mann.

Die Ustelt schaut ihn bewundernd an,

U)eil er, der einzigweise Ulann,

Nur er das Nechte machen kann.

Dermann DtckMLNn.

Leitungssebau.

* bcdeutct: Kcsprecbung von Linzelvverkcn, f: bildlicbe Lrlauterung der Tlutsätzc.

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