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Neuer General-Anzeiger: für Heidelberg und Umgegend ; (Bürger-Zeitung) — 1893 (Juli bis Dezember)

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Verkündigungsblatt «nd Anzeiger

Heidelberg, Mittwoch, 12. Juli

161

18S3

Expeditton:
Hauptstratze25.

Die »^Bürgerzeitung"
erscheint täglich mit Ausnahme von
Sonn- und Feiertagen.
Dcr Sonntagsnummcr liegt ein Unter-
haltungsblatt, „Der Erzähler", mit dem
Humor- Repräsentanten „Der deutsche
Michel" bei-

Abomrementspreis
für Heidelberg: monatl. 46 Pfg. mit
Trägerlvhn, durch die Poft bezogen
Vierteljahrs- Mk. 1.— ohne Zustellgeb.
Z«sertto'»spreis: 10 Pf- für die 1-spalt.
Petitzeile od. deren Raum- Für locale
Geschäfts- u. Privataineigen Pf.
Expedition:
Hauptstratze25



Diäten der VnlksvertreLer
Angesichts des Wiederzusammentritts des Reichstages
dürfte nachstehendes Verzeichniß der von den einzelnen
Staaten ihren Abgeordneten gebotenen Diäten und son-
stigen Vergünstigungen gewiß von Interesse sein.
Am besten zahlen die Vereinigten Staaten von
Nordamerika: sie zahlen jährlich 5000 Dollar gleich
21000 Mk., ferner Reisekosten von 50 Pfennig für
den Kilometer und überdies noch 500 Mk. „für Porto
und Papier-AuSlggen". Frankreich zahlt seinen Ab-
geordneten jährlich 9000 Frcs. gleich 7200 Mk., ge-
währt freie Fahrt in der ersten Wagenklasse auf allen
Staatslinien und auch auf den Linien der Privatbahnen
gegen die rein nominelle Vergütung von 10 Frcs. mo-
natlich. Ungarn gewährt 4000 Mk. jährlich ferner etwa
1200 Mk. für Miethe, ein billiges Abonnements-Billet
auf den Staatslinien und das Privilegium, daß der Ab-
geordnete auf den Privatbahnen eine höhere Classe be-
nutzen darf, als sein Billet erlaubt. Aegypten gewährt
seinen Abgeordneten 5000 Mk. und die Reisespesen. Die
Niederlande geben den Mitgliedern der zweiten Kammer
2000 Mk. jährlich und die Reisespesen, während die
Mitglieder der ersten Kammer nur 20. Mk. täglich er-
halten. Griechenland zahlt 1400 Mk. für eine ordentliche
Session und 890 Mk. für eine außerordentliche. In
Schweden geht das Oberhaus leer aus, während das
Unterhaus 1330 Mk. an seine Mitglieder gelangen läßt,
mit der Beschränkung, daß für jeden Tag, an dem ein
Mitglied unentschuldigt ausgebliebcn ist, 11 Mk. in Abzug
kommen. Ueberdies gibt cs auch hier Reisevergütung.
Belgien gibt den in Brüssel wohnenden Abgeordneten
keine, den Provinzbewoknern hingegen monatlich 320 Mk-
Entschädigung. Alle anderen Staaten gewähren Tage-
gelder, und zwar gibt Rumänien 20 Mk. Diäten, Frei-
fahrkarten und Freiposten; Oesterreich 16 Mk. 80 Pfg.
für jeden Sitzungstag und Reisespesen; Bulgarien und
die Schweiz 16 Mk. täglich und Freifahrt; Preußen 15
Mk. täglich; Portugal 15 Mk., überdies freie Fahrt auf
den Staatsbahnen. Dann folgen Sachsen mit 12 Mk-,
Baden mit einer Vergütung von 12 Mk. für die
Zweite Kammer, während die Erste Kammer leer ausgeht;
das Großherzogtbum Hessen zahlt 9 Mk. den nicht in
Darmstadt ansässigen Mitgliedern der zweiten Kammer
und die Reisespesen, während die Erste Kammer ebenfalls
diätenlos ist; Bayern zahlt den Nichtmünchnern 10 Mk.
und gibt freie Fahrt auf allen bayerischen Staatsbahnen
in der ersten Wagcnclasse, zieht aber die tägliche Zehn-

mark Unterstützung ab, wenn daß Mitglied durch Ab-
wesenheit glänzt; Württemberg zahlt den Mitgliedern
beider Kammern 9 Mk. 50 Pfg. und die Reisekosten,
den Mitgliedern der ersten Kammer aber nur dann,
wenn sie von der Vergünstigung Gebrauch machen
wollen. Elsaß - Lothringen gewährt 20 Mk. täglich,
Sachsen - Koburg - Gotha zahlt 6 M. täglich den in
Gotha ansässigen und den auswärtigen Mitgliedern ein
Freibillett in der zweiten Eisenbahnklasse und 3 M. für
verschiedene Auslagen. Roch sparsamer ist Dänemark,
das nur 6 Mark 75 Pfennig Diäten und die Reise-
spesen zahlt, dafür aber auch einen Freisitz im Theater
in Koppenhagen cinräumt, während dagegen der stamm-
und sprachverwandte norwegische Staat nicht nur 13 M.
50 Pfg. Diäten, Reisespesen (Billet und 11 M. für
den Reisetag) einräumt, sondern auch in Krankheitsfällen
ärztliche Behandlung, ferner Arzneien, Bäder, Massage
und freie — Zahnoperation gewährt! Ohne jedwede
Vergütung (nur mit Freifahrt zwischen Berlin und dem
Wohnort tagen) die Mitglieder des deutschen Reichs-
tages, und sogar unter Ausschluß der Freifahrt die Par-
lamentsmitglieder Englands und die Cortes Spaniens.
Deutsches Reich.
Berlin, 9. Juli.
— Nach Meldungen Berliner Blätter besprach der
Kaiser bei dem gestrigen Empfang des Reichstags-
präsidiums auch die Militärvorlage. Er wies
auf die militärischen Verstärkungen in den Nachbarreichen
hin und betonte, es sei zur Aufrechterhaltung des Friedens
nothwendig, daß wir mit den Nachbarn gleichen Schritt
halten. Unsere wirthschaftlichen Verhältnisse erforderten
dringend die Beruhigung, welche allein die Annabme der
Militärvorlage bieten würde. Der Kaiser betonte noch,
wie schnell in Frankreich das Cadresgesetz alle Stadien
durchlaufen habe. Ueber die Frage der Futter noth
sagte der Kaiser, was möglich sei, müsse durch die Reichs-
und Staatsbehörden geschehen, nm zu helfen und
schlimmeren Folgen vorzubeugen.
— Fürst Bismarck empfing heute die Sekretäre
der deutschen Handelskammern und hielt bei
dieser Gelegenheit eine längere Rede, worin er ausführte,
Handel und Gewerbe gehörten nothwendig zusammen.
Eine Trennung von Handel, Gewerbe und Landwirth-
schaft zu beabsichtigen, beruhe auf Jrrthum. Die früheren
billigeren Preise stellten keineswegs einen Wohlstand dar;
ein durch ungeschickte Gesetzgebung und Handelsverträge
verarmendes Land könne einen potenten Kaufmannsstand

nicht ernähren. Es sei falsch, wenn die Landwirthe auf
die Förderung der Industrie schimpfen; ein Beweis des
Gegentheils seien die eigenen Güter des Fürsten. Der
beste Absatz sei immer im Inland, ein prosperirender
Landwirtb nehme die Erzeugnisse der Industrie bereit-
willigst auf. Das Verhältni'ß des Handels zur Industrie
sei ähnlich. Millionäre müsse man nicht mit einer ge-
wissen Bitterkeit betrachten, denn dieselben förderten den
Luxus, die Kunst und deren Zubehör. Wenn man den
Luxus abschaffe, zerstöre man eine Menge Existenzen.
Eine Einigung aller produktiven Stände sei durchaus
zu empfehlen.
Ausland.
Der Präsident Carnat, der zum Ministerrath nach
Paris gekommen ist, wird dort bleiben und am 13. das
zur Feier des Nationalfestes zu veranstaltende Essen für
die Generäle mitmachen. Es heißt, der Polizeipräfect
Loz« werde als Geschäftsträger nach München versetzt
werden. Statt seiner solle Lebine, der ehmalige General-
secretär der Polizeipräfectur, Polizeipräfect werden.
Die letzten Tage sind in Paris ohne Zwischenfälle
verlaufen. Ucberall herrscht vollkommene Ruhe. Die
Morgenblätter geben der Hoffnung Ausdruck, daß die Un-
ruhen endgültig beendigt seien. — Hinsichtlich der letzten
Kammersitzung beglückwünschen die republikanischen Blätter
den Ministerpräsidenten Dupuy zu feiner energischen Er-
klärung. Die radikalen Blätter bringen gereizte Artikel
gegen Dupuy und erklären, zwischen den Radikalen und
den regierungsfreundlichen Republikanern sei eine unheil-
bare Spaltung eingetreten. Die konservativen Journale
äußern sich in ähnlichem Sinne.
Der Pariser Munizipalrath nahm eine Tagesord-
nung an, worin die Pariser Bevölkerung aufgefordert
wird, sich der Theilnahme an den Festlichkeiteiten am 14.
Juli zu enthalten.
Nack einem Telegramm aus Rio Grande do Sul
ist ein theilweiser Aufstand in dieser Provinz wieder
ausgebrochen. Die Stadt Rio Grande soll von den
Aufständigen, deren Anführer General Saraiva sich in
Pclotas aufhalten soll, belagert sein; in Bage ist der
Eisenbahnverkehr abgeschnitten. Die Aufständigen nahmen
ihren Feldzug wieder aus und hundert Bewaffnete, die
sich als Fahrgäste auf dem Dampfer „Jupiter" einge-
schmuggelt hatten, nahmen unter Führung Wandenkolts,
des ehemaligen Admirals und Ministers, der sich kürzlich
von dem Präsidenten Floriano Peiroto losgesagt hat, von
dem Dampfer, nachdem er Buenos-Ayres verlassen hatte,
Besitz und brachten ihn gestern nach Rio Grands zurück.

Des Vaters letzter Wille.
8) Bon Fritz Brentano.
(Fortsetzung.)
„Thorheit! ich war unschuldig und rein wie das Tages-
licht. Der Beweis ist geführt worden", anwortete der
Ankömmling."
„Der Alte hat das zu Wege gebracht!" meinte Da-
niel triumphirend.
„Ja, so ist's! Doch weßhalb ich Euch aufgesucht habe?
Ihr sollt mir betzülflich sein!"
„Gibt es etwas zu verdienen?" fragte Einer der
Dreien —
„Dieses nicht", antwortete der zuletzt Gekommene.
»Ich wollte nur wissen, ob Keiner von Euch mir sagen
kann, wo der Stubenmaler Wilhelm Schulz arbeitet und
wer er eigentlich ist."
„Ich habe viele Schulz kennen gelernt", erwiedcrte der
Elias genannte Gauner, „darunter auch Maler. Wie
sieht er denn aus?"
„Etwa fünfundzwanzig Jahre alt", antwortete Habakuk,
»ein hübscher gewandter Mensch, von kräftiger Figur. Er
wohnt in der Ärmeleut-Kaserne. „Das ist Alles was ich
barläufig von ihm weiß."
„Und was willst Du denn mehr wissen?" fragte
Hesekiel. „Hat Dich vielleicht eine alte Wittwe beauftragt,
über seine Liebes- und Vermögensverbältnisse Erkundigungen
E'uzuziehen?"
„Nein", entgegnete der Andere niit bedeutsamem
Augenzwinkern, „aber „der Alte" interessirt sich für ihn."

„Ah so!" entgegnete Elias, „na, ich weiß Nichts von
ihm und das Beste wird schon sein, Du spürst ihm selbst
nach. Wenn ihn Einer auskundschaftet, bist Du es —
Du Spürhund der Propheten."
In diesem Augenblick trat ein neuer Gast in die
Wirthsstube. Es war Karl Walter, der mit unsicherem
Schritt an den Vieren vorüberging. Die blaue Brille
hatte er abgelegt. Er trat an die Schränke und verlangte
mit etwas schwerer Zunge ein Glas Wermuth.
Schweigend schenkte ibm der Wirth das Gewünschte
ein und Walter stürzte das scharfe Zeug mit einem Schluck
hinunter. Pfui, Teufel! rief er, das ist ja wie Galle
bitter! Das ist ja doch kein Wachholder!"
„Nein, aber Wermuth, wie Sie bestellten!"
„Also Wermuth habe ich gefordert", entgegnete sinnend
sein Gast — „hm — so — ja, ich bin 'n Bischen zer-
streut heute — Hetze! Na, da bitt' ich um Entschuldigung.
Nehmen Sie es ja nicht übel — adieu!"
Er machte Miene zum Gehen, doch der Wirth sagte
trocken:
„Erst zahlen, Freundchen!"
„Natürlich", antwortete der Agent. Merkwürdig, wie
zerstreut ich heute bin — Hetze —das macht der Wein."
Er blinzelte dem Wirth vergnügt zu, griff zuerst in
die Hosentasche und dann in die Weste und brachte endlich
ein Zehnpfennigstück hervor, welches er auf die Schänke
warf. Der Wirth gab ihm fünf Pfennige heraus, welche
Walternahm, einige Schritte vorwärts stolperte u. dadurch ganz
in die Nähe gerrieth. Dort setzte er sich an einen Tisch,
indem er mit heiserer Stimme noch einen Wachholder
verlangte.

„Der bat gut geladen", meinte Hesekiel. „Erscheint
ein total Abgebrannter zu sein."
„Vielleicht ein stellenloser Kaufmann oder Buchhalter",
erwiedcrte Elias, worauf Habakuk sie aufforderte, ihm
zu helfen, Näheres über den Schulz zu erfahren, der den
„Alten" schwer beleidigt, ja geschlagen habe.
Der Agent der Gräfin Julie hatte seinen Kopf auf
beide Hände gestützt und schien einschlafen zu wollen.
Sein Auge — anscheinend geschlossen — ruhte trotzdem
scharf beobachtend auf den vier Männern, welche halblcife
zusammen sprachen, doch nicht so leise, daß Walter nicht
einige Sätze vernommen hätte.
Er war eine Viertelstunde früher in der Ärmeleut-
Kaserne gewesen und hatte zufällig beobachtet, wie Kniff-
ling eifrigst mit Habakuk flüsterte. Als die Beiden sich
trennten, folgte er dem Letzteren, ohne daß dieser eine
Ahnung halte.
„Also „den Alten" hat er geprügelt", flüsterte Ezechiel.
„Pah, was schadet das. Wir haben wichtigere Dinge zu
thun.' Mag den Schulz suchen, wer mebr Zeit bat."
„Na, ich denke doch", meinte Daniel, „wir könnten
dem „Alten" den kleinen Gefallen tlmn und dem Burschen
mal nachspüren. Wer weiß — vielleicht finde; sich noch
etwas Anderes bei dieser Gelegenheit.
„Meinetwegen!" stimmte Hesek el bei und da auch
die andern Beiden keine Einwendungen machten, so ent-
fernten sie sich, wobei sie die verschiedenen Ausgänge des
Lokals benutzten, was ebenfalls Walter auffi cl.
Dieser verharrte noch einige Minuten in seiner ange
nominellen Stellung, dann erhob er sich und forderte noch
einen Schnaps, dann schwankte er hinaus.
 
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