Universitätsbibliothek HeidelbergUniversitätsbibliothek Heidelberg
Metadaten

Neuer General-Anzeiger: für Heidelberg und Umgegend ; (Bürger-Zeitung) — 1893 (Juli bis Dezember)

DOI chapter: DOI Page / Citation link: 
https://doi.org/10.11588/diglit.44142#0153

DWork-Logo
Overview
loading ...
Facsimile
0.5
1 cm
facsimile
Scroll
OCR fulltext

SN der Reist

Ahnung
September
: und Zubehö^
maabe bittet n>a§
r Expedition dft-

huhsheinl
Zimmer, Kückj
, Zubehör E
t dem Haltepun^
(Preis 200 bep"'
Schreinermeistsf

iethen.
md Küche nm
ermiethen-
ZandschubsbeiK
einen solides
FloringasseR
^rakneMassetch

iethen:
en Monat lasS
eser Rubrik nut
g.
rrrr
es Zimmer
Z. mit Küche-
Z-
Zimmer.
gut möbl. Z-
1, 1 möbl. Z'
>bl. Zimmer füt
nerr
, K> u. Zubeh-
Z., K- u- Zub-
Z., Alkov u- K-
-Z,K-u.Zubeb-
ierr
Z. mit Zubeh'
(. m- WasserltS'
Z. m. Balkon-
K-, Keller u-Z'
K. u- Zubeh-
Z-. K. u. Zu <
Küche u. Zubeh-
iche- .
, Küche u. Zubeh'
>err
mit Balkon- _
4 Z., K. u- Z'
Zubeh-
Küche rc.
.,5Z,K.u.Zuv-
K- n- Zubeb-,
n- allem Zubeh'
ichlant. m. K5!>
le Bos^'
mm 19

Haus
rtcr» gegen ba^
Zlvischenh. verb
angabe in s- >^'
txlui. VostbA
riechen,
und Küche a"/
tantelg.13,3.S^
l auf 1. Ojit-
g, 3 Zimmer nm
ör zu vermiethess'
cherstr. 73, 2 St

. Landbausstr^l
nethen
:r eine Wohnung
cbst Küche uN^
Hauptstr. 151-^.
I auf I.xn
he mit Wassel
peicherabtbeiluÄ
Blockstraße 30^,
. Zimmer'
ion, Bergheim^

l. Karins
Rtvoller Kullds
tlich für die
cs Gymnasi"^
. Offerten un^
ie Erped. d. A
^en
worin seit Jahtjf
pezereigcschäft b.
sehr geeignet jjf
> Flaschenbier-^,
oder 1. Oktobb
ihere Auskunft, si
r, St. AnnagasscZ
empfiehlt sich
Zu erfragen
V>
auf 1. Oktober'
> Küche zu veri»
nbeim-_ >
nethen
id Zugehör
ze Mantclgafse 1^
nd Schlafzimw^
ame sofort bM
terestr- 12, 2 V
lü. d. Pit. zu »et
einfach möblirw
:r.
nühlstraße Nr.L
Zimmer
;er Familie
r. 1. Okt. NM-
Louis Webet,

Samstag, den 12. August

1893

189

digung der Interessen des Reiches und der Erkennt-
nis obwalten, daß diese im Wesentlichen identisch
seien mit den Interessen der Einzelstaaten.

Verantwortlicher Redakteur:
Herrn. Streich.

Druck und Verlag:
Heckmann, Dorr L Ivnrm.

polnische Kolonie in Berlin nicht nur, wie bis-
her in der Pius- und in der Hedwigskirche, sondern
auch in der eben fertiggestellten Sebastianskirche,
ferner bei den Dominikanern in Moabit und in
der Schöneberger Matthäuskirche regelmäßig pol-
nische Predigten stattfinden sollen. Man darf ge-
spannt sein, ob der Fürstbischof von Breslau diesem
Verlangen stattgeben wird.
— In Bestätigung früherer Meldungen theilt
Reuters Bureau aus Auckland vom 10. ds. niit,
daß nach den letzten Nachrichten von Samoa Malic-
toas Anhänger Mataafa in die Flucht geschlagen,
dessen Sohn und 49 Krieger gelobtet haben. Sie
selbst verloren sechs Leute. Auf die Aufforderung
Malietoas, zu kapituliren, begaben sich Mataafa
und mehrere seiner angesehensten Häuptlingen an
Bord des englischen Kreuzers „Katoomba" sie sollen
nach einem Beschluß der Konsuln und Kapitäne
der Kriegsschiffe auf die Union-Insel gebracht werden.
Nachdem die Ordnung hergestsllt, wurden die Köpfe
der getödteten Krieger im Triumph nach Apia ge-
tragen.
München, 11. Aug. Das nächste bayerische
Staatsbudget kann ohne die Zuhilfenahme
besonderer Mittel oder Maßregeln abgeglichen werden,
auch einschließlich Aufbesserung der nichtpragmatischcn
Beamten.

Ausland.
Rom, 11. Aug. Hier herrscht großes Er-
staunen darüber, daß die „Hamb. Nachrichten" fort-
fahren, ihre Mittheilungen über einen angeblichen
italienisch-russischen Vertrag als wahr
aufrecht zu halten. Die maßgebenden Blätter be-
haupten bestimmt, daß die Reise und Anwesenheit
des Großfürsten Waldimir zur silbernen Hochzeit
des italienischen Königspaares ein Zeichen bester
Beziehungen zwischen Italien und Rußland sei,
daß aber keinerlei politische Abmachungen zwischen
den beiden Negierungen beständen.
Madrid, 11. Aug. Die Zeitungsmeldungen
über eins Unpäßlichkeit des Königs werden
für falsch erklärt. Wie es heißt, ist der Gesund-
heitszustand des Königs durchaus befriedigend.
Petersburg, 10. Aug. Tie Erhöhung der
Zölle im finnischen Meerbusen um 50 Prozent wird
in dieser Woche erwartet.

Aus WcrH und Jern.
* Neckarbischofsheim, 11. Aug. Abermals
ist uns Veranlassung geboten, zur Mitbegehung
an einem schönen Feste in unseren gastlichen Mauern
freundlich einzuladen. Es gilt der Vollendung un-
serer Wasserleitung am nächsten Sonntag den
13. d. Mts-, behufs welcher das hiesige Bürger-
meisteramt das Programm veröffentlicht hat.
Die eigentliche Feier schließt mit einer Feuerwehr-
probe an den Hydranten ab, nach welcher gesellige
Zusammenkunft in den Gärten zum „Dreikönig"
und der „Krone" stattfindet, woselbst wie in den
übrigen Wirthschaften für besten „Löschstoff" und
allem dazu Gehörigen gesorgt ist.
* Eberbach, 11. Aug. Als Gegenstück zu den

Tie Finanzminifter-Konferenz.
Die Berathungen der deutschen Finanzminister
haben ihr Ende erreicht. In der Schluß-Sitzung
ist cs gelungen, sämmtliche Fragen zu erörtern
und soweit zu erledigen, daß eine vorläufige und
grundsätzliche Einigung — wie es heißt — in allen
Punkten erzielt wurde. Es bleibt, nachdem man
zu diesem Abschlüsse gekommen ist, noch übrig, die
verschiedenen Steuerprojekte, hinsichtlich deren na-
türlich noch einzelne Meinungsverschiedenheiten be-
steben, in eingebenden Verhandlungen durch eine
besondere Kommission berathen zu lassen. Die
Kommission soll in Berlin zusammentreten und aus
den Vertretern der Regierungen und den Kom-
missaren der Reichsverwaltung besteben; eine be-
schleunigte Behandlung der Einzelfragen ist vor-
geseben und es sollen die Entwürfe dem Reichstag
bei seinem nächsten Zusammentretcn zugehen.
Diese kommissarische Berathung dürfte da ge-
rade von besonderer Wichtigkeit sein, wo, wie das
bezüglich der Bors en st euer und der Quittungs-
steuer der Fall ist, die ganze Frage sich noch im
Flusse befindet; es steht zu hoffen, daß die aus
den Jntcressenkreisen kommenden Einwände, deren
Bedeutung man nicht verkannt zu haben scheint
eine einigermaßen entsprechende Berücksichtigung er-
fahren.
Die für den Süden ganz besonders wichtige
Weinsteuerangelegenheit soll ebenfalls eine „be-
friedigende" Erledigung finden. Wie hervorgehoben
wurde, ist der Widerstand, den die Regierungen
der Weinbau treibenden Staaten gegen das Reichs-
weinsteuerprojekt — abgesehen von den formalen,
auf den Zollvereinsvertrag sich stützende Bedenken —
geltend machten, darauf gegründet, daß der Ueber-
gang der Weinbesteuerung an das Reich den
Einzelstaaten ein ausbildungsfähiges Steuerobjekt
entziehen und den Süden unverhältnißmäßig hoch
zu Gunsten des Nordens belasten würde, und daß
ferner die Durchführung des Projektes den Wein
auch da, wo er direkt Nachrungsmittel ist, treffen
müßte. Gutem Vernehmen nach hat nun die
Berathung vom 10. ds. zu dem Ergebniß geführt, daß
das Weinsteuerprojekt eine angeblich auch für den
Süden acceptable Form erhalten wird. In ähnlicher
Weife wurde die sogenannte Jnseratensteucr be-
handelt; weitere Erörterungen in dieser Beziehung
bleiben Vorbehalten.
Ueber den allgemeinen Eindruck unter den Be-
theiligtcn hört man noch, daß er ein „höchst be-
friedigender" sein soll. Es habe sich, worauf an
manchen Stellen immer wieder Gewicht gelegt wird,
betreffs der Hauptziele und der Art ihrer
Erreichung im Wesentlichen eine Uebereinstimmung
ergeben, und in dieser Hinsicht hat sich die münd-
liche Ansprache zwischen den Organen des Reiches
und den Einzelstaaten bewährt, weil sie, wie man
betont, die geeignetste Methode sei, mißverständliche
Auffassungen zu korrigiren. Es habe sich auch ge-
zeigt, daß selbst verschiedene Interessen von Staaten
^nd Landestheilen sehr wohl auszugleichen seien,
n,enn gegenseitiges Entgegenkommen, allseitige Wür-

Deutsches Reich.
Berlin, 11. August.
— Wie aus Dresden gemeldet wird, hat sich
Prinz Johann Georg von Sachsen mit der
Herzogin Maria Isabella von Württem-
berg verlobt.
— Eine Marinevorlage wird in der
„Bcrl. Börsenztg." in Anknüpfung an die Beschlüsse
der Frankfurter Minister-Konferenz angekündigt.
Die „Berl. Börsenztg." begründet ihre Zweifel, daß
die Summe von 100 Millionen neuer Steuern
ausreichen werde für die Deckung des Bedarfes des
Reiches mit dem Hinweis darauf, daß eine Marine-
vorlage nicht lange auf sich warten lassen dürfe,
„wenn Deutschland auf der Höhe seiner gegenwär-
tigen Machtstellung bleiben soll."
— Der Posten des Reichsschatzsekretärs
soll der „Süddeutsch. Tabakztg." zufolge dem baye-
rischen Finanzminister v. Riedel angeboten sein.
Man wird gut thun, diese Nachricht mit großer
Vorsicht aufzun hmen.
— Gegen eineTrhöhungderTabak-
steuer tritt der badische Bauernverein auf. Der-
selbe hat an das großherzogliche Ministerium eine
Bittschrift gerichtet, in welcher darauf hingewiesen
wird, daß durch eine Erhöhung der Tabaksteuer
die badische Landwirthschaft in unerträglicher Weise
belastet würde, und der Minister gebeten wird, seinen
Einfluß aufzubieten, daß dies nicht geschehe.
— Gegen die Einführung einer Tabakfabrikat-
steuer fand am Mittwoch in Berlin eine Protest-
versammlung der Tabakarbeiter und Arbeiterinnen
statt. Der Referent der Versammlung, Tabak-
arbeiter Kiesel, führte aus, daß schon 1879 die
Mehrbesteuerung des Tabaks in Folge Verringerung
des Konsums viele Arbeiter brotlos gemacht habe,
dieselbe Folge werde auch jetzt eintreten, Tausende
von Arbeitern würden brotlos werden. Im gleichen
Sinne lauteten die Ausführungen der übrigen Redner-
Schließlich wurde einstimmig folgende Resolution
angenommen: „DieVersammlungprotestirtentschieden
gegen Einführung der Tabakfabrikatsteuer sowohl,
wie gegen jede Mehrbelastung des schon mitSteuern
überbürdeten Tabaks. Die Versammlung erblickt
in der Einführung einer Fabrikatsteuer ein Mittel,
die gesammte Tabakindustrie vollständig zu Grunde
zu richten und Tausende vollständig erwerbs- und
eristenzlos zu machen. Die heutige Versammlung
fordert und erwartet es von dem deutschen Reichs-
tage, daß derselbe nie zu einer derartigen Maßregel
sowie überhaupt zu einer Mehrbelastung des Tabaks
seine Zustimmung geben wird. Die Versammlung
fordert die deutschen Tabakarbeiter insgesammt auf,
sich diesem Protest anzuschließen und dem Reichs-
tage seiner Zeit zugängig zu machen."
— Wie sehr die Ansprüche der Polen neuer-
dings gewachsen sind, beweist die gegenwärtig er-
hobene Forderung, daß im Hinblick auf die starke

in letzter Zeit so häufig aufgeführten Schleuder-
preisen von Schlachtvieh wollen wir erwähnen,
daß der in der Viehzucht bekannte Gastwirth Adolf
Ihrig von Schollbrunn in den letzten Tagen zwei
noch nicht zweijährige Stiere an einen Heidelberger
Metzger um den Preis von 675 Mk. verkauft hat.
Was eine rationelle Viehzucht einbringt, hat sich
bei diesem Landwirth schon oft bestätigt. — Die
Tabakfclder stehen von Woche zu Woche besser; die
Ernteaussichten sind die günstigsten seit langer Zeit.
Wenn das Wetter nur noch kurze Zeit so anhält,
bekomnien wir die denkbar beste Ernte.
* Mosbach, 11. Aug. Der sehr beträchtlich:
Nachlaß der jüngst verstorbenen Wittwe des ver-
storbenen Steuerrevisors Kolb aus Mosbach, zuletzt
in Karlsruhe, wird dem Staate zufallen, wenn
nicht binnen kürzester Frist Erbberechtigte sich
melden.
* Baden-Baden, 10. Aug. Die gegen den
hiesigen Medizinal-Verein eingcleitete Untersuchung
hat keine Momente ergeben, die ein strafgerichtliches
Einschreiten rechtfertigen würden. Dagegen wurde
ein Defizit von etwa 3000 Mk. festgestellt, das
bei der Zahl von 90 Mitgliedern erheblich genannt
werden muß. Die Baarbestände der Kasse betragen
im Ganzen 23 Mk. Die Geschäftsführung des
Mcdizinalvereins u ar nicht ordnungsmäßig.
* Freiburg, 11. Aug. Ein hiesiger Student
wurde heute früh in den oberen Dreisamanlagen
auf einer Bank sitzend mit einem Schuß in der
Schläfe todt aufgefunden. Neben demselben auf
dem Boden lag ein abgeschossener Revolvers. Nach
den obwaltenden Umständen liegt Sebstmord vor.
* Stuttgart, 10. Aug. Das Landgericht
Ravensburg erläßt einen Steckbrief gegen den in
Zürich wohnenden und durch mehrere Broschüren
bekannt gewordenen vormaligen württembergischen
Hauptmann z. D. Edmund Miller von Ried-
lingen, wegen Majestätsbeleidigung.
* Speyer, 11. Aug. Hier wurde die un-
bekannte Leiche eines jungen Mannes, der etwas
über 20 Jahre alt sein mochte geländet. Derselbe
ist offenbar beim Baden im offenen Rhein ertrunken.
Man vermuthet, daß er ein Arbeiter aus Kaisers-
lautern ist, der beim Brückenbau bei Rastatt badete
und ertrank.
* Darmstadt, 11. Aug. Nach einer Mittheilung
der „Münchner Neuesten Nachrichten" wurde in
München ein von Darmstadt aus wegen Raubs
verfolgter Metzgerbursche verhaftet. Wie man hört,
ist der Verhaftete der Metzgerbursche Paul König,
welcher Ende vorigen Monats den Raubanfall aus
den Fahrburschen der Brauerei Koch von Hanau
bei Groß-Steinheim verübt hat.
* Erstem, 17. Aug. Es ist nicht selten, daß
in der Erntezeit bereits abgemähte Frucht auf dem
Felde gestohlen wird. Daß aber ein ganzer Acker
Weizen abgemäht und eingeheimst wird, ohne daß
der Eigentümer dies merkte, dürfte doch zu den
Seltenheiten gehören. Ein hiesiger Bauer kam
jüngst mit seiner Magd und Knecht auf seinen
Acker um seinen Weizen einzuheimsen, war aber

Eine öunkl'e Mcrt.
24) Roman von E. P. von Ar eg.

(Fortsetzung)
Aber ich bin der Mann nicht der Jemand
Don seinem Glücke abzuhalten versuchen könnte.
Mur das Eine will ich sagen: man reist nicht
ohne Geld und kommt in keinem neuen Erdtheile
fort, wenn man nicht wenigstens einige aus-
reichende Mittel dazu in der Hand hat. Wie steht
es damit, Herr?"
„Ich muß in aller Kürze Geld schaffen,
Ohlsen", versetzte der Andere. Es wird diesen Mittag
Einer hierher kommen, mit dem ich darüber ver-
banden werde; seine Zusage habe ich schon."
„Hierher?" fragte der Wirth gedehnt, daran
liegt mir wenig genug. Es giebt genug Leute,
die ich hier nicht gern sehe, und wer jetzt mit
Ihnen über's Geld zu verhandeln hat, wird auch
nicht gerade vom reinsten Wasser sein. Als Sie
das letzte Mal bei mir waren, hat mir Tags
daraus, der Hausknecht auch gesagt, der August
Klotz sei ums Haus am Abend herumgeschlichen,
der Schuft!"
„Heute aber handelt es sich nicht um diesen,
sondern um den Gerichts-Assessor Lindemann."
„Da zieh ich die Mütze ab!" entgegnete der
Mirth. „Nichts sür ungut, Herr, um deßwillen,
was ich vorher sagte; ich bin ein grader Mann
und kann mit dem, was ich denke, nicht gut
hinter dem Berge halten. Werden Sie den Herrn
Assessor hier erwarten?"

„Ich habe noch einen Gang zu besorgen und
er wird nicht vor vier Uhr kommen, aber auch
nicht später, denn es liegt uns nichts daran,
Ohlsen, mit Ihrer Gegenabendgeschellschast etwa
hier bei Ihnen zusammen zu treffen. Jedenfalls
jedoch wird er einen Augenblick warten, wenn
ich mich allenfalls ein wenig verspäten sollte;
sagen Sie ihm nur, daß ich bestimmt zurück-
kehren würde."
Und nach diesen Worten ging Hans v. Flott-
well sort. Sein Weg richtete sich nach dem Hafen-
viertel, dort befand sich, abseits von den direkt
nach dem Innern der Stadt führenden Haupt-
straßen gelegen, ein Gewirr von kleinen Straßen
und Gaffen, die zum größten Theile die Woh-
nungen der im Hafen und auf den ankommenden
und abgehenden Schiffen beschäftigten Arbeiter,
Auflader, Schiffer und ähnlicher Leute enthielten.
Außerdem aber lagen in diesem Stadttheil die
Tavernen und Vergnügungslokale sür die Ma-
trosen und für den großen Theil des Publikums
niederer Stände, welches mit diesen verkehrte. Fast
ein Haus um das andere enthielt eine Schänke
der gewöhnlichen Art. Und gerade eine Reihe
von etwa fünf oder sechs der anscheinend
verrufensten dieser Lokale besuchte Haus v. Flott-
well. Er hielt sich zwar in keinem länger auf
als höchstens einige Minuten und das Getränk,
das er verlangte, blieb in der Regel unberührt
auf den: Tische stehen, sobald er wieder wegging.
Wer ihn aufmerksam beobachtete, konnte ohne
Mühe erkennen, daß er offenbar nach jemanden
suchte, wenn er auch nirgends eine Frage stellte,
oder einen Namen aussprach; allein seine Mühe

war vollkommen resultatlos. ' Das machte ihn
schließlich verdrießlich, man sah es au seinen zu-
sammengezogeneu Augenbrauen und Stirnfalten.
Als er jenen Stadttheil wieder verließ und eben
im Begriff war, wieder in die Hauptstraße ein-
zubiegeu, kam ihm von der entgegengesetzten Seite
ein Mann entgegen, der seiner: Fuß alsbald zum
Stehen brachte. Aber seine Stirn zog sich in noch
tiefere »Falten und sein Gesicht wurde sehr ernst,
als er auf den Herankommenden wartete, der
unter dem Abziehen seiner Mütze mit dem Gruße
an ihn herantrat: „Guten Tag, Herr von
Flottwell!"
„Ich suchte Dich und es ist gut, daß ich Dich
gefunden habe, August," entgegnete Hans. „Ich
habe mit Dir zu reden, aber die Straße eignet
sich nicht wohl zu einer Unterredung über die
Dinge, die wir zu besprechen haben. Führe mich
an einen Ort, an dem wir vor Zeugen und
Lauschern sicher mit einander reden können."
„Gern!" erwiderte der Andere, und so
gingen sie miteinander aus demselben Wege zu-
rück, auf dem Hans von Flottwell eben herge-
kommen war.
August Klotze führte seinen Begleiter nach einer
ziemlich winzigen Schenke, die im hintersten Winkel
einer kleinen Gaffe lag. Dort traten sie ein. Die
Schenkstube, erheblich geräumiger, als es den
Anschein von außen hatte, war um diese Tages-
zeit völlig leer. Sie setzten sich an den, von dem
Platze, wo der Wirth saß, am entferntesten
stehenden Tisch und riefen nach Bier. Als man
es ihnen gebracht hatte, begannen sie eine- leise

Unterhaltung, deren Inhalt nur ihnen beiden
verständlich wurde.
„Du hast Dich an dem Tage nicht wieder bei
mir sehen lassen, August", begann v. Flottwell,
an dem Du mir die Wechsel brachtest, die Du
von Wienbrand eingelöst haben wolltest. Das
war eine Lüge. Du hast den Mann erschossen
und hast ihn der Papiere beraubt. An diesen
Wechseln, die ich hier in meiner Tasche trage,
klebt Blut."
Ein eigenthümlichcr Zug von Schreck mit
Trotz gezerrt flog über das Gesicht seines Gegen-
über. Man sah deutlich, er bestrebte sich zu ant-
worten, aber es bewegten sich nur seine Lippen,
kein Ton glitt durch seine Kehle. Erst als er
zwei oder drei Mal geschluckt hatte, fand er die
Stimme wieder, aber sie klang rauh und heiser.
„Ich weiß von Wienbrands Mord nichts, als
was in der Zeitung stand", erwiderte er.
„Du entkommst mir auf diesem Wege der
Lüge nicht, August", wurde ihm geantwortet.
„Warum erhielt ich die Wechsel nicht an dem-
selben Tage, wo Du das Geld empfingst, sondern
erst am Abend von Wienbrands Todestage?"
„Hatten Sie niir etwa ausgetragen, sie Ihnen
sofort zu bringen?" versetzte der Andere, dessen
Stimme jetzt bereits ihre natürliche Klangfarbe
wieder gewonnen hatte.
„Und wie verhält sich die Sache mit dem Re-
volver, der bei der Leiche gefunden wurde? Die
Waffe- verschivand genau an demselben Tage, an
welchem Du, ungesehen von jedem Anderen, bei
mir warst, und wurde neben dem erschossenen
Wienlwand gefunden."

General-

Anzeiger

und Umgegend

Expedition: Kauptftraße Wr.

Abonnementspreis r
mit kücitigcm illustrirtem Sonntagsblatt. monatlich
35 Pfennig frei in'S Haus, durch die Post bezogen
vicrteljäbrlich 90 Pfennig ohne Bestellgeld.

JnsertionöpreiSr
die lspaltige Petitzeile oder deren Raum 5 Pfg«,
für auswärtige Inserate 10 Pfg., bei öfterer Wieder-
holung entsprechender Rabatt.

»---—
Expedition: Karrptltraße Wr. 25.
 
Annotationen