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Neuer General-Anzeiger: für Heidelberg und Umgegend ; (Bürger-Zeitung) — 1893 (Juli bis Dezember)

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Mrger- S Mlmg

BerküudigNRgsSlM und ARzeiger

1893

Heidelberg, Dienstag, 11. Juli

chel in Augsburg-

iten 3S

Expedition:
Hauptstraße 25.

Expedition:
Hauptstraße 2S

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. . Die »^Vürgerzeituug"
"'cheint täglich mit Ausnahme von
z. Sonn- und Feiertagen.
Sonntagsnummcr liegt ein Unter-
kaltungsblatt, „Der Erzähler", mit dem
Minor. Repräsentanten „Der deutsche
Michel" bei.

Sohn, ein rüstiger Handwerker; aber so stark er sein
mochte, gegen das Nervenfieber nicht gewasfnet, das ihn
nach dem Tode seiner Frau befallen hatte. Dadurch kam
er herunter. Das war zu der Zeit, als Josua Kniffling
die Armeleut-Caserne von dem Kammerherrn Lobell, der
mit dem alten Hause nichts mehr zu thun haben wollte,
kaufte. Josua Kniffling zahlte keine große Summe, aber
Herr Lobell war froh, daß er damals die Summe der
Gräfin Adelheit von Hoßfeld vorschießen konnte, und daß
er durch seinen Nachfolger einen Käufer für ein Gut der
Fürstin Mutter fand, mit dem die hohe Dame beschwindelt
worden war. Sie wissen das ebenso gut wie ich."
„Ja, es war der Grund seiner Nobilisirung und seiner
Ernennung zum Kammerherrn", stimmte Julie v. Brandt
bei. „Stand Adelheid von Hoßfeld mit Josua Kniffling
in Verbindung?"
„Wenigstens nicht direct", äußerte er. „Wie schon
gesagt, war der alte Grimmert damals noch ein schlichter
Handwerker, den der Vater Lobell hin und wieder zu
Arbeiten in dem alten Gebäude verwandte. Dadurch hatte
derselbe eine Kcnntniß der Armeleut-Caserne erkalten, wie
kein Anderer sonst. Der neue Wirth hielt sich darum an
ihn, als er Reconvaleszent war. Josua Kniffling ist nie-
mals ohne Grund gütig gewesen; aber gegen den alten
Grimmert trug er eine Wohlthätigkeit zur Schau, die ihm
das Herz des redlichen Handwerkers gewann, so daß er
ihm ein treuer Diener wurde. Nach einiger Zeit aber
verfiel er in Mißmuth, und man hörte ihn oft seufzen
und klagen. Man schrieb das auf Josua Kniffling, der
nicht ohne Grund von Vielen ein „Leuteschinder" genannt
wird, Nach dem was ich ermittelt habe, war er jedoch

waren. Weitere Festlichkeiten waren auf Wunsch des
Großherzogs unterblieben.
Ausland.
In Paris wurden am Samstag in mehreren Theilen
der an Place Chateau d'Eau grenzenden Vorstädte wieder
Omnibusse und Miethwagen umgestürzt, der Bau von
Barrikaden versucht, Kioske und Pissoirs mit Petroleum
begossen, Gasrohre aufgerissen und angezündet. Es
fanden zahlreiche Chargen von Dragonern und der re-
publikanischen Garde statt; letztere griff einmal mit dem
Bayonett an. Vielfach wurden Revolver auf die Polizei
abgefeuert. Unter den vielen Verwundeten befindet sich
ein Deutscher, Lessar, der angeschuldigt ist, auf die Polizei
geschossen und Geld unter die Aufrührer vertheilt zu
haben. Die Exekutiv-Kommission der Arbeiter-Börse er-
ließ zusammen mit den Vertretern der sozialistischen
Gruppen ein Manifest, durch das die Vorbereitung
eines allgemeinen Streiks angekündigt wird. Die
sozialistischen Deputaten sind in die Provinz abgereist,
um Propaganda für den Streik in den Arbeiterzentren
zu machen.
In der französischen Deputirtenkarnmer behaup-
tete Millerand, die Regierung habe durch die Schließung
der Arbeitsbörse das Gesetz verletzt. Sie halte die den
Arbeitern gemachten Versprechungen nicht. Der Minister
wisse nicht, wohin die Politik der Provokationen und der
Beschimpfungen der Arbeiter führe. (Lebhafte Protestrufe
auf der Ministerbank.) Brisson warf der Regierung vor,
daß sie Zwietracht unter die Republikaner säe, und pro-
testirte gegen das brutale Vorgehen der Polizei. Der
Ministerpräsident Dupuy versprach sodann, daß die
Polizei reorganisirt werden solle. Hierauf wurde mit 343
gegen 144 Stimmen eine Tagesordnung angenommen,
durch welche die Erklärungen der Regierung gebilligt
werden. — Ernest Roche verlangte die Dringlichkeit fin-
den Antrag, den Ministerpräsidenten Dupuy in Anklage-
zustand zu versetzen. Die Vorfrage wurde mit 341
gegen 44 Stimmen votirt und somit der Antrag Roches
abgelehnt. In den Straßen herrscht völlige Ruhe. Ein
Manifestant, welcher bei den Unruhen im Quartier Latin
verwundet worden war, ist im Krankenhaus gestorben.
Sämmtliche socialististheir Organisationen hielten
eine Besprechung, um energisch den allgemeinen Ausstand
der Arbeiter von ganz Frankreich vorzubereiten. Zahl-
reiche Socialistenführer und Abgeordnete reisten in die
Provinz ab, um sofort die Agitation zu beginnen. Eine
anarchistische Versammlung beschloß, mit allen Gewalt-
mitteln den Aufruhr zu unterstützen und den Sturz der
Regierung anzusteuern.
Die italienische Deputirtenkammer nahm in ge-

Abonnementsprers.
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Geschäfts- u- Privatanvigen 8 Bf.

^genommen-
— Wie Berliner Blätter melden gingen dem Bundes-
ith per Nachtragsetat und das Anleihegesetz zur
Durchführung der Militärvorlage zu.
— Das Bureau des Reichstags hat ein erstes
Verzeichnis der Bevollmächtigten zum Bundesrath und
der Mitglieder des Reichstags herausgegeben, nach welchem
^ch die Parteivcrhältnisse in folgender Weise gestalten:
Die Konservativen zählen 60 Mitglieder und 7 Hospi-
tanten, unter denen sich aus dem Reichsland Zorn von
Bulach, Prinz Hohenlohe und Pöhlmann befinden; den
Aeikonservativen mit 22 Mitgliedern und 6 Hospitanten
'st als Hospitant Krupp beigetreren; das Zentrum zählt

wogegen Fußangel noch nicht in der Parteiliste steht; die
^tarionalliberalen haben 46 Mitglieder und 4 Hospi-
tanten , darunter der Abgeordnete für Straßburg-Land
Dr. Bostetter; die Polen haben 19, die freisinnige Ver-
enigung 13, die süddeutsche Volkspartei 11, die Sozial-
demokraten 43, die Richter'sche Partei 22 Mitglieder
Und 1 Hospitanten. Nicht weniger als 28 Mitglieder
Chören bisher keiner Partei an, darunter Graf Bismarck,
Prinz Carolath, Gescher, Fusangel, Ahlwarth. 10 Ab-
geordnete bilden die deutsche Neformpartei, zu der sich die
Anhänger der Antisemiten Böckel, Werner und Zimmer-
wann zusammengethan haben. Die Versuche, eine ge-
meinsame antisemitische Fraktion zu schaffen, hatten bis-
her keinen Erfolg, die Antisemiten Liebermann'scher
Dichtung befinden sich noch unter den keiner Fraktion
angehörenden Mitgliedern.

—- Die Sozialdemokraten stellen zu dem
Antrag Ehni betreffend die Suspension der Futterzölle
den Unterantrag auf Aufhebung aller Leb ens-
mittel zolle.
— Der Bund der Landwirthe wird durch die
Conservativen die Einsetzung eines ständigen Ausschusses
im Bundesrathe beantragen, der unter Zuziehung von
Sachverständigen Maßregeln erwägen soll, wodurch der
unrichtigen Wiedergabe gezahlter Preise in den Markt-
berichten vorgebeugt werden soll. Die kontrollierten Be-
richte sollen dagegen möglichst weit verbreitet werden.
— In einer großen antisemitischen Volks-
versammlung kam es gestern zu stürmischen Aus-
einandersetzungen zwischen Böckel und den Anhängern
Ahlwardts und Stöckers. Böckel prophezeite seiner Re-
formpartei eine große Zukunft. Von ihr hänge das
Schicksal der Militärvorlage ab und Caprivi müsse jetzt
mit dem Antisemitismus rechnen. Ahlwardt kompromitire
die Bewegung durch den Skandal. Auch Stöcker sei
ihm nicht sympathisch; er sei kein ehrlicher Antisemit; er
hänge den Mantel nach dem Winde. Die Konservativen
seien überhaupt eine Partei von Offizieren, Junkern, Be-
amten nnd Strebern. Diese Ausführungen wurden
durch lebhaften Lärm unterbrochen. Ein Redakteur Bading
warf Böckel vor, daß er Stöcker im Tone der gemeinen
Judenblätter angreife. Der frühere Stadtverordnete
Dopp stellte sich auf Seiten Böckels. Die Versammlung
schloß mit Hochrufen auf Böckel, Stöcker und Ahlwardt/
— Der Versammlung deutscher Schriftsteller
und Journalisten, die seit Freitag in München
tagt, widmen die „M. N." einen Willkommen-Artikel,
in dem Namentlich die auf der Versammlung endgültig
beschlosseneSchriftstellerpensionskasse eine lebhafte
Würdigung findet. Es heißt u. a. in dem Artikel:
„Wir erhoffen von dieser Einigung eine kräftige Hebung
des Standesbewußtseins! Frei sei die Thätigkeit
des Einzelnen — aber das gemeinsame Band treuer
Pflichterfüllung, ehrlicher Gesinnung und ehrenhaften
Handelns muß uns umschlingen. Pflicht und Ehre —
das seien die Angeln, um die sich die Arbeit und das
Leben des deutschen „Federhelden" dreht — und das
Bewußtsein davon muß uns durchdringen, dann wird
uns die Anerkennung, das Vertrauen der anderen nicht
fehlen. Nnd damit wird sich auch die materielle Hebung
unseres Standes verbinden ..."
— Der Großherzog von Sachsen-Weimar-
Eisenach feierte am Samstag das 40jährige Re-
gierungsjubiläum. Die Stadt Eisenach war reich be-
flaggt. Auf der Wartburg fand Hoftafel statt, zu
welcher auch die Minister aus Weimar hinzugezogen

von Brandt stolz; „trotzdem aber über die Unschuld des
jungen Mädchens, das die Braut eines redlichen Arbeiters
zu sein scheint, wachen"
„Ah, Sie meinen den Andreas Grimmert?" ant-
wortete Walter.
„Wissen Sie etwas über ihn?" fragte die Gräfin.
„Er ist der Sohn eines Mannes, der bei dem Herrn
Josua Kniffling gewißermaßen als Hausdiener angestellt
war und sich eines Tages ertränkte, als Andreas eben
Geselle geworden war. Man weiß nicht, was ihn zu der
That getrieben hatte", lautete die Entgegnung Walter's.
„Und Sie wissen das auch nicht?"
Der Agent gestand ein, daß er nichts Bestimmtes
sagen könne. Seine Vermuthungen wolle er jedoch der
Gräfin mittheilen.
„Hegten Sie eine gewisse Vermuthung über den Tod
des alten Grimmert?"
„Gewiß!" antwortete Walter. „Der alte wohnte schon
in der Armeleut-Caserne, als dieselbe noch Herrn Lobell
gehörte, der Vater des Kammerhcrrn von Lobell, welcher
durch die Palastdame Gräfin Hoßfeld an den Hof kam
und die Gunst der Herzogin Mutter besitzt."
Die Gräfin, welche in einer Chauseuse halbliegend
Platz genommen, richtete sich auf und hörte gespannt zu.
„Ah, Sie scheinen in die Verhältnisse des Hofes ein-
gewerht!" bemerkte sie etwas spöttisch, aber doch erstaunt.
„Bitte, erzählen Sie ausführlich."
Der Agent verbeugte sich, als ob ihm eine große
Schmeichelei gesagt worden wäre, und nahm auf einen
Wink der Gräfin in einem Sessel Platz.
„Der alte Grimmert", fuhr er fort, „war wie sein

Des Vaters letzter Wille.
Von Fritz Brentano.
(Fortsetzung.)
Die Gräfin war wieder in ihrer Häuslichkeit, und
Earl Walter stand vor ihr und berichtete ihr, daß Auguste
sich nicht geirrt habe. Mar von Selneck bewohne ein
Zimmer in der Armeleut-Caserne unter dem Namen eines
Stubenmalers Wilhelm Schulz.
„Ein recht poetischer Name", versetzte Julie v. Brandt
'N gereiztem Tone.
„In der Armeleut-Caserne wären poetische Namen
übel angebracht", meinte er; da herrscht die Armuth und
Wit derselben die Niedrigkeit. Da gibt es nur eine hervor-
ragende Persönlichkeit, hervorragend, weil sie mehr als
hübsch genannt werden kann, die Tochter des verstorbenen
Dkeistesis Schlicht, Anna mit Namen."
„Ich war heute ebenfalls in der Armeleut-Caserne
und zwar in der Wohnung des Meister Schlicht, um
Zeuge einer aufregenden Scene zu sein. Ich kam in dem
Augenblicke, als der arme Mann starb."
„Sie interessiren sich also im gleichen Maaße für die
hübsche Anna wie der Graf von Selneck?" fragte Karl
Walter und seine Blicke ruhten unter der bläulichen Brille
auf der Gräfin.
„Gewiß, ich werde ihr meine Protection angedeihcn
lassen", antwortete sie ihm.
„Wie der Herr Graf, der verkleidet —"
„Ich werde mich nicht verkleiden", unterbrach ihn Julie

ldeira" — „Kellner!'
Madeira I" — sink
tte, sagte der Wirst
mg' man 'rin, denb
t denn die Feuerwehr
>los eine Spritztour!'
irrble 6'liots seill^
Gcünfutter gefällig?'
coß und stark, abe<
mch nicht. In hohe»
schlechtesten möblirtft
„Was, Du Bengel
Sohn: „Ich pfeif
ch soll meiner Frat
mr einen Kopf ha>
innigen!"
l eine Brezel hin'
>as kann man dock
! doch, Du rauchst
Emmy: „Na, ack
en kaufte!
>zu seinen Kindern)'
H?"-Der kleine
r: Woher woisch!
-efeager küßt Hot.
ebe Marianne, daß
nfchmerzen klagtest
, still, Albert, ick
sabe keine falschen
— wenn ich daran
eschosftn habe, dn
unsere zweihundert
ir keine gab!"

na! Jetzt fisch'!
Nüller, kannst Du
DeEc« Reich.
NKLAkM KaMnch-, 4. ZE.
n den Knochen gesteckt/ * Karlsruhe. Seine Konigl. Hoheit der Erbgroß-
Zie dort die Eomteffi erzog ist gestern mit I. K. H. der Erbgroßherzogin
cheirathet. — B: Uckw St. Blasien eingetroffen, um seinen heutigen Ge-
rtsiaa mit seinen Eltern zusammen zu feiern.
g hoc do Morgen reisen die Herrschaften wieder nach Freiburg
nd' ma net glei Wiedel ^lick.
tz' a Bett! Glei trass Verlm, 7. Juli.
, . , >— Die „Deutsche Reichszeitung" erklärt die Nach-
r mit mei'ck rich^ der Pap st arbeite an einer Encyklika über die
s trink/Al's m^us ^-wokralie, für unrichtig. In nächster Zeit werde ein
„Ach, sieh da die dr^ Tuchen des Papstes von bedeutendem socialistischen Jn-
e'r: 'Viola, Rosa unk halte, gerichtet an den Nationalrath Decurtius, veröffent-
w: „Was nützt dal licht werden.
leh"!" ! — Der deutsch-serbische Handelsvertrag ist am
Freitag von der serbischen Skupschtina mit dem Muster-
teröffizier: scho« 'Markenschutzabkommen in zweiter Lesung definitiv

hnungstage! ' ' ' /
e Epitaphe aufs Grab'
nnina! Hast du end
' hat ein Berliner
stentlicht. Es lautet
and in der Markthalle
gang. Bedingungen!
«e das Herz auf deck
.hat und den Munk
t. Schönes Angesich
tüchtig in's Geschäß
ng bürgt mein Rus
naseweiser Berlinst .
man^ann""^ 'agte 95 4 (welfische) Hospitanten, dabei sind als Mit-
n nicht'?" entgegnet« ^^der Frank, Lender und Prinz Arenberg mitgerechnet,
 
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