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Neuer General-Anzeiger: für Heidelberg und Umgegend ; (Bürger-Zeitung) — 1893 (Juli bis Dezember)

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https://doi.org/10.11588/diglit.44142#0217

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für Heidelberg «nd Umgegend

Expedition: Kauptstraße Hkr. 28.

Expedition: Kcruptltroße Wr. LS.

Donnerstag, den 31. August

1393

in

Druck und Verlag:
kfeckmann, Dörr L svurm.

Verantwortlicher Redakteur:
Herm. Streich.

15. Armeekorps das Hauptquartier des Kaisers
in Karlsruhe befinden. Der Monarch gibt sich
von hier aus jeweils in der Frühe mit seinen
Gästen und den fremdherrlichen Offizieren mittelst
Ertrazuges nach Lauterburg, wo die Wagen bezw.
Pferde bestiegen werden, um das Manöverterrain
zu

Aus Wcry und Jern.
* Karlsruhe, 30. Aug. Einem Kanzleige-
hilfen in der Klauprechtstraße, der auf amtliches
Ürtheil hin das Logis nicht räumte, hängte der
Hauseigenthümer zwei Tage nach der festgesetzten
Räumungszeit die Fenster und Tbüren aus, um
die nöthig gewordenen Reparaturen vornehmen zu
können. Der so Gemaßregelte hat nun Anklage
gegen den Hauseigenthümer wegen Hausfriedens-
bruchs erhoben.
* Karlsruhe, 30. Aug. Bei einer in der
Durlacherstraße vor mehreren Tagen stattgehabten
Hochzeit eines Handelsmannes entstand unter den
Hochzeitsgästen wegen einer Taschenuhr, welche einer
derselben in Verwahrung genommen hatte, damit
sie nicht verloren gehe, eine unliebsame Erörterung,
die dahin ausartete, daß einer dem andern auf
eine beschimpfende Aeußerung hin ins Gesicht
schlug und einen Stoß versetzte, daß er an einen
Schrank und dann zu Boden fiel. Durch die Er-
schütterung fielen vom Schrank eine Uhr, ein Ser-
vis und andere Gegenstände und zerbrachen. Bei
dem Fall hatte sich der Geschlagene eine starke
Fußverstauchunz zugezogen. Der Hochzeiter und

und Getränke mit Gewinn, etwa für 10—12 Pf.
verkauft, hier ist der Preis also nur ein scheinbar
niedriger. In Wirklichkeit hat bei solchem Preise
der Kantinenbesttzer schon einen Gewinn, welcher
sogar unverhältnißmäßig höher ist als derjenige,
welchen ein Gastwirth erzielen kann. Letzterer hat
oft hohe Spesen für Beleuchtung, Heizung, Personal,
Zeitungen, Miete, Comfort und Gewerbesteuer zu
tragen. Dieses Alles fällt bei der Kantine weg.
Den Gastwirthen wird durch die Letzteren dann
eine überaus schwere Konkurrenz bereitet, ohne daß
der Zweck der Kantine: billigen Preis für die
Lebensmittel der Arbeiter zu erzielen und dadurch die
Arbeiter auch außerhalb der festgesetzten Stunden
an sich heranzuziehen.
Es dürfte daher wohl zu rechtfertigen sein,
wenn die Einrichtung von Kantinen von der be-
hördlichen Entscheidung über die Bedürfnißfrage
abhängig gemacht und eine behördliche Ueberwachung
der Kantinen insoweit vorgesehen würde, daß ein
Ueberschreiten der Grenzen, innerhalb deren die
Kantinen heilsam und nützlich sind, vermieden
werde.
Eine solche behördliche Kontrolle dürfte namentlich
deßhalb erforderlich sein, weil in sehr vielen Kan-
tinen, wie schon angedeutet, Kreditverhältnisse be-
stehen, die als durchaus ungesund und dem Arbeiter-
stande nachtheilig bezeichnet werden müssen. Viel-
fach werden sogar die Arbeiter angehalten, von dem
Kantineninhaber Marken zu entnehmen und es
wird ihnen am Lohntage der Betrag für die Marken
am Lohne gekürzt. Es ist sogar vorgekommen,
daß Arbeiter deßhalb entlassen worden sind, weil
sie sich geweigert hatten, Marken beim Kantinen-
inhaber zu entnehmen. Die Kreditgewährung ver-
anlaßt die Arbeiter zweifellos zu Mehrausgaben.
Dem Kantineninhaber ist ja das Geld am Lohn-
tage sicher.
Möge es bald gelingen, in diesen unhaltbaren
Zuständen Wandel zu schaffen, zum Segen der
Arbeiter und zur Befreiung des Gastwirthsstandes
von einer ebenso gefährlichen, als lästigen Kon-
kurrenz

Deutsches Reich.
Berlin, 30. August.
— Wie erst nachträglich bier bekannt wird,
soll der Kaiser den Papst zu seinem Namenstag
am vorigen Sonntag durch ein längeres Telegramm
in freundlichster Weise beglückwünscht haben.
— Der „Reichsanzeiger" hat zu den
wieder lebhafter sich regenden Besorgnissen wegen
der Choleragefahr das Wort genommen und
damit der Pflicht entsprochen, die dem amtlichen
Organ der Staatsbehörden vorgezeichnet ist. So-
viel sei hier daraus erwähnt, daß bisher kein
Grund zu trübsinniger Auffassung
der Sachlage gegeben ist, die konstatirten
Fälle haben sämmtlich auf ihren Herd beschränkt
werden können und die Sorge der Organe im
Reich und Staate bleibt unablässig wachsam. Da
bei dem starken Antheil, den der psychische Ein-

druck übt, durch unverständige Vergrößerung der
Gefahr mehr Schaden angerichtet werden kann, als
dem ersten Blick offenbar wird, so ist durch die
klare und bündige Darlegung der sachlichen Ver-
hältnisse, wie sie der „Reichsanzeiger" gab, dem
allgemeinen Interesse in vollkommenster Weise
genügt.
— Der „Rhein.-Wests. Ztg." schreibt
man aus Berlin, der Statthalter von Elsaß-
Lothringen habe bei seiner letzten Anwesenheit
in der Reichshauptstadt versucht, den Kaiser
von der Absicht abzubringen, am 9. September
nach der Parade des XV. Armeekorps an der
Spitze der Fahnenkompagnie durch Straßburg zu
reiten und dann die Stadt sofort wieder zu ver-
lassen. Das Bemühen des Statthalters sei ge-
scheitert, da der Kaiser es „streng abgelehnt habe,
auch nur eine Nacht in einer Stadt zu verweilen,
die einen Sozialdemokraten in den Reichstag ge-
wählt hat." Wenn wir aus dem Schatz unserer
Informationen noch mitthcilen, daß der Kaiser
entschlossen ist, keinen Fuß mehr nach Berlin zu
setzen, das fünf Sozialdemokraten in den Reichstag
gewählt hat, daß Breslau und Königsberg nicht
mehr Haupt- und Residenzstädte sein sollen, daß
die Flottenstation von Kiel verlegt werden soll, weil
alle diese Städte durch Sozialisten im Reichstag
vertreten sind, und daß Essen zur Belohnung für
die Wahl Krupp's kaiserliche Residenz und die
„Rhein.-Westf. Ztg." Reichsanzeiger werden soll,
so wird das treffliche Essener Blatt wohl erkennen,
wie stümperhaft es von seinen Mitarbeitern be-
dient wird.
— Wie verlautet, ist es fraglich geworden, ob
die Berichte derBörsenenquete-Kommission
an den Reichskanzler im Laufe des Monats Sep-
teniber fertig gestellt werden können. Die Arbeiten
sind noch erheblich im Rückstand, und so läßt es
sich jetzt schon mit Bestimmtheit sagen, daß in der
nächsten Tagung des Reichstags nicht an die Ver-
werthung der Kommissionsarbeiten für ein Reichs-
gesetz berangegangen werden kann.
— Um Unterschlagungen und Mißbräuchen
von in Banken niedergelegten Werthpapieren vor-
zubeugen, wird dem Reichstag der Entwurf eines
Bankdepot-Gesetzes zugehen. Die Para-
graphen enthalten sehr strenge Bestimmungen.
Namentlich soll der Bankier verpflichtet sein, ihm
unverschlossen oder als Pfand übergebene Werth-
papiere unter äußerlich erkennbarer Bezeichnung
jedes Hinterlegers oder Verpfänders gesondert von
seinen eigenen Beständen und denen dritter aufzu-
bewahren. Hat er einen Auftrag zum Einkauf
von Werthpapieren ausgeführt, so hat er dem
Kunden binnen 3 Tagen ein Vcrzeichniß der Stücke
unter Angabe der Gattung, des Nennwcrthes, der
Nummern oder sonstiger Unterscheidungsmerkmale
zu übersenden und darf bei hoher Gefängnißstrafe
darüber nicht eigenmächtig verfügen.
Karlsruhe, 31. Aug. Sicherem Vernehmen
nach wird sich in der Zeit vom 10. September
bis zum Schluß der Manöver des 14. gegen das

Der „General-Anzeiger für Heidelberg
^Nd Umgegend" ist in der Postzeitungsliste,
Nachtrag vom 8. Aug., unter Nr. 2499 a ein-
Jitragen.

Nur 35 Pf«.
den Monat Sstz)t<riirl»S« kostet der
General - Anzeige«
für Heidelberg und Umgegend
5*ei in's Haus gebracht.
Durch die Post bezogen kostet der „General-
Svzeiger für Heidelberg und Umgegend" irirv
"0 PfzK., frei in's Haus 15 Pfg. mehr.
Wir laden zum Probeabonnement hiermit höfl. ein.

* Das Kantinen-Unwesen.
Es läßt sich nicht verkennen, daß Kantinen
iFabrjkwirthschaften) für große Etablissements unter
^«ständen als wirkliches Bedürfniß anerkannt
werden müssen. Die Pausen, welche den Arbeitern
^ergönnt sind, dauern oft nicht so lange, daß die
Arbeiter in einer außerhalb der Fabrik gelegenen
^astwirtbschaft eine Erfrischung einnehmen können,
^ft müssen vielmehr auch kürzere Zwischenpausen,
die Fabrikarbeit zuläßt, dazu benutzt werden,
wnd die Arbeiter würden oft nicht pünktlich genug
wieder bei der Arbeit eintreffen, wenn sie erst eine
außerhalb der Fabrik, vielleicht nicht in unmittel-
barer Nähe, befindliche Gastwirthschaft aufsuchen
wüßten. Auch ist das Verweilen in einer Gast-
wirthschaft durch Anwesenheit anderer Personen
^selbst leicht geeignet, die Arbeiter zu größerem
^wnuß, zur Unpünktlichkeit rc. zu veranlassen.
Es ist daher nur anzuerkeunen, wenn ver-
schiedene Fabrikbesitzer Fürsorge dafür getroffen
chaben, daß die Arbeiter in der Fabrik für geringes
d.eld warme Kost, z. B. Mittagessen, bestehend in
wie üblich ca. 50—100 Gramm Fleisch und ^4
ws I Liter Gemüse, für 20 oder 25 Pf. erhalten
sännen. Solche Preise sind auch bei Herstellung
der Speisen auf dem Wege der Dampskocherei,
uud wenn das rohe Fleisch und Gemüse vom
uabrikheirn engros und per Kasse eingekauft werden,
M ermöglichen. Vorkommen mag es auch wohl,
"aß manche Arbeitgeber bei solchen humanen Ein-
richtungen Geld zusetzen.
Daß dann in solchen Fabrikkantinen auch ein
^runk verabreicht wird, wird man ebenfalls nur
^rechtfertigt finden können. Ob und in wieweit
wshcr eine behördliche Kontrolle solcher Fabrik-
wntinen stattgefunden hat, darüber ist aber nichts
bekannt.
Dagegen bestehen nun nachweislich in einer
3seihe von Fabriken auch solche Kantinen, in denen
Hausmann oder sonstiger Angestellter Speisen

erreichen.
Ausland.
Paris, 30. Aug. Vor der Stiergefechtshalle
der Rue Pergolese, die augenblicklich abgebrochen
wird, herrschte heute Vormittag große Aufregung.
Polizisten rissen Affichen ab, in denen mitgetheilt
wird, daß für die Abbruchsarbeiten der Stierge-
fechtshalle deutsche Arbeiter angestellt worden seien
und die französischen Arbeiter aufgefordert werden,
die Ausländer wie in Nancy und Aigues-MorteS
zu verjagen. Der Unternehmer der Abbruchsarbeiten
erklärte, daß er unter 200 Arbeitern nur 60
Italiener aber keine Deutschen angestellt habe. Die
Polizei traf Maßregeln, um Ruhestörungen vorzu-
beugen.
Rom, 30. Aug. Die Untersuchungs-Kommission
betreffs der Vorgänge am Farnese-Platz stellte
fest, daß der Präfekt Calenda dafür verantwortlich
ist, weil er ungenügende Vorsorge traf für die
Durchführung des formellen Auftrages, die Zu-
gänge zum Palais Farnese abzusperren. Auch der
Leiter der Polizeidirektion Sandri ist nicht ohne
Schuld, der Polizeiinspektor Mainett trägt dagegen
nicht die geringste Schuld, den Militärbehörden ist
ebenfalls kein Vorwurf zu machen.
Newyork, 30. Aug. Vor der intimen Um-
gebung des Präsidenten wird bestätigt, daß derselbe
sehr krank sei. Er leide ähnlich wie der verstorbene
Präsident Grant an Krebs im Munde. Ein Theil
des Kinnbacken sei ihm bereits ausgeschnitten worden.

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für auswärtige Inserate 1v Pfg., bei öfterer Wieder-
holung entsprechender Rabatt.
i!-- —.

Gine öunkte THccL.
40) Roman von E. P. von Ar eg.

(Fortsetzung)
Trunow wußte von einem Erben, Hugo von
mottwell und beschrieb diesen, den er wieder-
holt bei seinem Neffen Hans gesehen hatte, so
8ciiau, daß ein Jrrthum in der Person ausge-
schlossen schien. Auch war ihm der Tag bekannt,
flu welchem die Ausantwortung des Erbes ge-
Utsseitig in Bremen erfolgen sollte. An diesem
E^ge mußte man handeln, es war nothwendig,
oem Erben die Gelegenheit abzuschneiden ander-
weitig über das Geld und die Werthpapiere zu
Olsponiren, sobald sie in seinen Besitz gelangt
loaren. Deßhalb wurde verabredet, daß man un-
mittelbar nach dem Gerichtstermine den Versuch
Machen wolle, den Erben mit dem Gelde in
^Nen Hinterhalt zu locken. Man sollte ihm am
?iage zuvor ein lukratives Getreideankaussgeschäst
M Aussicht stellen, das ein Kapitän abzuschließen
Münsche, der Eile habe, mit seinem Schiffe wieder
Afiuzukommen. Zeigte er sich bereitwillig, diesem
^inke zu folgen, so sollte man ihn am anderen
^age, auf dem Heimweg vom Gerichte, wo man
Mso sicher war, daß er das Erbe bei sich habe,
Mit der, Nachricht zu begegnen suchen, jener Ka-
Mtän sei, da und wünsche ungesäumt mit ihm das
^schüft abzuschließen. Es war Vorauszusehen,
er sich nicht weigern würde mitzugehen, wenn
Man nur verstand, ihm einen erheblich größeren
^mwinn in Aussicht zu stellen, als gewöhnlich.

Hatten sie ihn einmal in Rosenbaums Schenke,
wohin zu kommen er schon um deßwillen kein
Bedenken tragen würde, weil sie in der Altstadt,
dem eigentlichen Handels-Viertel der Stadt, ge-
legen war, so war das Spiel beinahe gewonnen.
Dann mußten die Beiden, die Grünow zur Aus-
führung seines Planes gedungen batte, ans Werk
gehen. Sie sollten für die That im Besitze des
gesamten baares Geldes bleiben, das sie vorfinden
würden, während Grünow sich vorbehielt, daß
ihm nur die Werthpapiere übergeben würden.
Nach dieser sauberen Verabredung war Eduard
Rosenbaum und August Klotze mit einem nam-
haften Betrage aus der Hand Grünows „zur
Bestreitung der entstehenden Ausgaben" uuverweilt
nach Bremen abgereist. Das war am 15. Sep-
tember gewesen, am 24. war der Termin zur
Ausantwortung der Erbschaft. Sie hatten also
neun Tage Zeit, ihre Vorbereitungen »zu treffen
und den Mann sich anzusehen, der das Opfer
ihrer Schukerei werden sollte. Durch das Fremden-
verzeichniß in der Bremer Zeitung erfuhren sie
ohne weitere Mühe das Hotel, in welchem Hugo
v. Flottwell wohnte. Sie waren miteinander in
möglichst anständigen Kleidern an einem der
nächsten Abende dorthin gegangen und der Zufall
hatte gewollt, daß sie den ihnen genau beschriebenen
Mann im Gastzimmer des Hotels bei einem
Glase Bier gefunden hatten. Aber er war nicht
allein, sondern mit einem andern Herrn zusammen
gewesen, mit dem er sehr vertraut zu sein schien,
und da in ihrer Instruktion von diesem Zweiten
mit keinem Worte die Rede gewesen war, so hatte
dieser Umstand mit dazu beigetragen, sie zu noch

größerer Vorsicht zu veranlassen. Jene Beiden
waren nicht lange darauf nach ihrem gemeinschaft-
lichen Zimmer gegangen und bei dieser Ge-
legenheit hatte Rosenbaum den Kellner, der ihm
eben ein neues Glas Bier brachte, gefragt:
„War das nicht Herr v. Flottwell, der eben
hinausging?"
Und der Kellner hatte geantwortet:
„Ja, Herr von Flottwell und sein Kom-
pagnon."
Das war eine unwillkommene Erfahrung ge-
wesen. Dieser Kompagnon konnte das schöne
Geschäft in Frage stellen, das so schlau eingefädelt
war. Aber es war ganz unmöglich, dieses un-
bequemen Kompagnons sich zu entledigen, wenn
man nicht Verdacht erregen wollte. Man mußte
an dem ursprünglichen Plane festhalten und da-
bei nur in vorsichtiger Weise den Kompagnon
in Berücksichtigung ziehen. Das zu besorgen hatte
August Klotze übernommen.
Er war am 23. September Mittags nach
den herrlichen Anlagen gegangen, die sich zwischen
der Vorstadt und der Altstadt Bremens hinziehen.
Durch sorgfältige, vorausgegangene Beobachtungen
war ermittelt, daß Hugo v. Flottwell diese An-
lagen fast täglich zu einem Spaziergang in der
Mittagsstunde benützte und daß er dabei regel-
mäßig allein war. August Klotze war auf den
langsam Promenirendcn zugekommen und hatte
mit einem artigen Gruße gesagt:
„Verzeihen Sie, Herr v. Flottwell, daß ich
mir erlaube, Sie aus ihrem Spaziergang anzu-
halten. Mein Name ist Haller Agent Haller.
Ich komme eben aus Ihrem Hotel, wo man mir

sagte, Sie würden hier zu treffen sein. Ich bin
nämlich in der angenehmen Lage, der Firma
Flottwell und Lindemann ein lukratives Getreide-
geschäft nachweisen zu können, und habe damit
nicht auf einen geeigneteren Zeitpunkt warten
können, weil die Sache einige Eile hat."
Und nunmehr hatte er den klug ersonnen
Schwindel zum besten gegeben und hinzugefügt,
daß der bewußte Kapitän wahrscheinlich noch im
LaufedesTagesvon Bremerhavenin Bremeneintreffen
und daß er für seine Person mit einer bescheidenen
Provision sich begnügen werde.
Hugo v. Flottwell hatte ihn freundlich an-
gehört und erwiedert:
„Mit unserer Firma ist ein solches Geschäft
nicht mehr möglich, weil wir im Begriffe stehen,
uns zu trennen. Allein ich selbst wäre nicht ab-
geneigt, mich auf dasselbe einzulassen. Wenn
Sie niit dem Kapitän, sobald er hier eintrifft,
zu mir kommen oder mich benachrichtigen wollen,
wo ich mit Ihnen Beiden Zusammentreffen kann,
so will ich sehen, ob sich die Sache machen läßt."
Da war der fatale Kompagnon von selbst
beseitigt und man hatte nicht nöthig, aus neue
Winkelzüge zu sinnen, um sich seiner zu entledigen.
In der fünften Stunde des anderen Nach-
mittags hatte Klotze in der Nähe des Gerichts-
gebäudes Ausstellung genommen, um seinem Opfer
die Nachricht zu überbringen, der Kapitän sei
da. Hugo v. Flottwell und Ernst Lindemann
waren miteinander aus dem Justiz-Palast ge-
kommen und in der Richtung nach ihrem Hotel
weiter gegangen. Klotze war ihnen gefolgt vor-
sichtig, von weitem, ohne ihnen in die Augen
 
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