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Neuer General-Anzeiger: für Heidelberg und Umgegend ; (Bürger-Zeitung) — 1893 (Juli bis Dezember)

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Kine dunkle THut.
36) Roman von E. P. von Ar eg.
(Fortsetzung)
Mit diesem Vorschläge war Weiler einver-
standen und sie machten sich unverweilt nach der
Altstadt aus den Weg, in deren engen und
krummen Gassen auch Eduard Rosenbaums Woh-
nung nach den Angaben, des Polizeiexpedienten
liegen sollte.
Nach einigem Fragen unterwegs sanden sie
sich auch ziemlich rasch zurecht. Sie erreichten die
Gasse, die ihnen angegeben worden war und die
aus dem Häusergewirr schmal und eng bis zum
Weserufer führte. Sie waren dieselbe jedoch noch
nichtganz hinuntergeschritten, als sie vor das Hans
gelangten,in welchem Rosenbaums Wohnung sich
befinden sollte. Das Gebäude war im Verhältniß
zu den hochgiebeligen Nachbarhäusern schmal,
klein und niedrig. Aber sie waren einigermaßen
erstaunt, als sie beim Vorübergehen bemerkten,
daß die unteren Räume desselben von einem Re-
staurant wenig versprechender Art eingenommen
und daß diese ihrem Aussehen nach ziemlich ordi-
näre Kneipe Rosenbaums Namen führte. Denn
das Schild am Hause belehrte sie über den Namen;
„Zum Rosenbaum" stand daran.
Im Weitergehen sagte der Assessor:
„Lassen Sie die Verfolgung der Sache jetzt
in meiner Hand, Herr Weiler, und begleiten Sie
mich ganz in derselben Weise, wie ich gestern
Ihren Begleiter abgab. Ich habe einen Plan,
aber cS ist ganz unmöglich, Ihnen denselben jetzt

in seinen Einzelheiten auseinander zu setzen. Es
wird ganz von den Umstünden abhängen, in
welcher Weise ich ihn zur Ausführung bringe.
Ich habe jetzt nur eine Frage an Sie zu richten:
Sprechen Sie Platt?"
„Ich bin ein Mecklenburger Kind", versetzte
der Gefragte.
„Das ist ja vortrefflich", versetzte der Assessor,
„denn auch bei uns zu Lande spricht das gewöhn-
liche Volk nur niederdeutsch und das bringt cs
natürlicher Weise mit sich, daß man von Kind
auf diesen Dialekt an erster Stelle hört und lernt.
Hier in Bremen spricht der Arbeiterstand nur
Platt, und wer sich in einer Kneipe, wie es der
Rosenbaum thnt, mit hochdeutschen Redensarten
einzusühren versuchen wollte, würde von allem
Anfang an Verdacht erregen. Aber wir bedürfen
vorher vor allem noch einer Veränderung in unserer
Kleidung. Das wird rasch geschehen sein. Folgen
Sie mir nur."
Sie gingen die Straße vollends bis zur
Weser hinunter und bogen dort nach einer kurzen
Strecke am User hin in die benachbarte Gasse
ein, in der sie nach einigem Suchen ein Trödler-
geschäft entdecken, in dem sie Alles das vorsanden,
was ihnen für ihre beabsichtigte Umgestaltung
nothwendig erschien. Sie ließen das Ganze in
die erste vorübergehende Droschke schaffen und
kehrten mit dieser in ihren Gasthof zurück.
Hier bewirkten sie die nothwendige Verkleidung
rasch. Die plumpen Stiefel die weiten Hosen,
das buntgestreifte Leinenhcmd über der als Unter-
kleid dienenden Wolljacke, über welche sie die
fadenscheinigen und verflossenen Röcke zogen, die

breiten Filzkappen und das Verschwinden der
weißen Wäsche gaben ihnen ganz das Aussehen
von Leuten niederen Standes, die im Begriffe
stehen an ihre Tagesarbeit zu gehen oder von ihr
heimkehrcu.
In solchem Aufzuge traten sie eine halbe
Stunde später in der Kneipe „Zum Rosenbaum"
woselbst sie am Stammtische eine kleine Anzahl
von Gestalten antrafen, die sich nach Thun und
Kleidung in nichts Wesentlichem von ihnen unter-
schieden. Sie setzten sich zu ihnen und in der
ungenirtesten Weise begann die Unterhaltung im
landläufigen Platt, das beide Bekannte in
derselben Weise handhabten, wie die heimischen Gäste.
Das ging nahezu mehr als eine halbe Stunde
so fort und während man über die Tagesereig-
nisse und die Stadtneuigkeiten schwatzte, hatte der
Assessor Zeit genug, nm sich über die Verhältnisse
und die Lokalitäten, so weit dies vorläufig er-
forderlich war, zu unterrichten.
Die ihre Gäste selbst bedienende Wirthin, eine
Fran von etwa vierzig Jahren, obgleich man
Recht gehabt hätte, sie nach ihrem Aeußeren für
weit älter zu halten, so verblüht und abgelebt
sah sie aus, war Rosenbaums Frau, das hörte
er aus den an sie gerichtetenAnreden der Andern.
Frau Rosenbaum machte einen keineswegs
günstigen Eindruck auf ihn; ihr ganzes Wesen
hatte etwas Scheues, Aengstliches, als ob sie von
Gefahr bedroht se>, ganz wie man es mitunter
an Leuten beobachten kann, die an Verfolgungs-
wahn leiden. Ihr Auge irrte stets unstät umher
und streifte bald ihre Gäste, bald die Fenster,
bald die Thür, als könne ihr von da oder dort

eine Plötzliche Ncbcrraschung, ein drohendes Un-
gefähr kommen. Und wenn sie das Zimmer ver-
lassen hatte, sah man sie häufig ans dem Neben-
raume wieder in dasselbe spähen, gerade, als
vermöchte sie nicht, sich eine einzige Minute Ruhe
zu gönnen.
In diesem Nebcnraum war das Faß mit Bier
ausgestellt, das zum Ausschank kam, und er schien
außerdem als Vorratskammer und Küche zu
dienen. Er war sehr dürftig möblirt und enthielt
außer einigen Tischen nur einen einzigen Stuhl,
auf dem die Wirthin sich hinter dem quer vor-
gestellten und wahrscheinlich bei mehr Frequenz
als Schanktisch dienenden Möbel nicderlicß, wenn
sie einmal für einige Augenblicke Ruhe fand.
Sonst diente der Raum auch zum Durchgänge
für die Gäste, die auf diesem Wege zum Flur
gelangen konnten, wenn sie den kleinen Umweg
durch die Hanptthüre scheuten.
Als der Assessor in seinen Beobachtungen so
weit gekommen war, erhob er sich bei der ersten
günstig erscheinenden Gelegenheit und verließ das
Zimmer aus demselben Wege durch den dahinter
liegenden Raum, wie das die Anderen thatcn.
Und als er bei dieser Gelegenheit an der Wirthin
vorbeikam, nickte er ihr ein klein wenig, aber mit
einem äußerst bedeutungsvollen Blicke zu.
Das hatte zur natürlichen Folge, daß das
ängstliche Auge der Wirthin mit Unruhe an dem
nach wenigen Minuten Wiederkchrendcn, ihr völlig
Unbekannten haften blieb.
Unser junger Freund sah das offenbar mit
Befriedigung, er blieb, sobald er im Hiuterraum
so weit vorgeschritten war, daß er vom Vorder-

seiger

Expedition: Kanptstrnße Mr. LS.

18S3

Druck und Verlag:
Heckmann, Dörr L svurm.

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holung entsprechender Rabatt.

Samstag, den 26. Slugust

201.

Verantwortlicher Redakteur:
Herrn. Streich.

General-

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für Heidelberg und Umgegend

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Der „General-Anzeiger sür Heidelberg
NNd Umgegend" ist in der Postzeitungsliste,
Nachtrag vom 8. Aug-, unter Nr. 2499 a ein-
getragen.

* Die Blutthat bei Griesheim.
lieber die, von uns bereits gemeldete Ermordung
des Handelsmannes Heim können wir, auf Grund
der Erhebungen die von einem eigens an den
Thatort gesandten Berichterstatter gemacht wurden,
folgende genauere Mittheilungen geben. Der Jagd-
aufseher Philipp Leib le, 49 Jahre alt, hatte
früher ein ganz einträgliches Bauernanwesen bewirth-
schaftet, war 12 Jahre Gemeinderath in Griesheim
gewesen und wird geschildert als ein braver ver-
träglicher Mann, nti't dem wohl auszukommen war.
In den letzten Jahren war es mit seiner Bauern-
wirthschaft ziemlich bergab gegangen, er hatte den
Posten eines Jagdaufsehers angenommen, der ihm
jährlich 300 Mk. eintruz ; die Feldarbeiten mußten
zum größten Theil von seiner Frau und seinen
5 Kindern (der älteste Sohn ist 18 Jahre alt)
besorgt werden. KeiwWunder, daß Leible genöthigt
war, die Hilfe anderer in Anspruch zu nehmen
und er fand sie bei einem Israeliten Sommer in
Müllheim. Dieser hatte in der letzten Zeit drei
Forderungen von Leibe an den Handelsmann Heim
abgetreten, der sich geschäftsmäßig mit Eintreibung
von sog. faulen Forderungen abgab. Der Jagd-
aufseher Leible hatte nun am letzten Montag auf
dem Viehmarkt in Müllheim durch Verkauf von
Vieh eine ansehnliche Summe Geldes gelost. Marr
Heim hatte dies erfahren und sich am Dienstag
Nachmittag unverzüglich nach Griesheim begeben,
um seine Forderung von dem Leible einzutreiben.
Er traf nur dessen Frau zu Hause, die ihm dann
auch das Geld auf sein Drängen auslieferte, wo-
rauf sich Heim in das Gasthaus zum Adler begab.
Kurze Zeit darauf kam Leible nach Hause, hörte
von der Frau, was vorgegangcn war und ging dann
ebenfalls in den Adler. Dort folgten lebhafte Aus-
einandersetzungen zwischen ihm und dem Heim, der

die Zurückgabe des Geldes verweigerte. Aufs
Aeußerstc aufgebracht, entfernte sich Leible mit dem
festen Entschluß, den Heim zu erschießen. Es war
4 Uhr, als Heim sich auf den Weg machte, um auf
der Station Buggingen den Zug nach Müllheim
zu erreichen. Hinter dem Kirchhof, ein paar hundert
Schritte vom Ort entfernt, sprang Leible plötzlich
hervor und schoß dem Heim auf 4 — 5 Schritte
eine volle Ladung in den Rücken, welche die Lunge
durchbohrte und den sofortigen Tod zur Folge hatte.
Ungehindert begab sich Leible in den Ort zurück,
stieß dort Drohungen aus gegen Sommer in
Müllheim und gegen seinen Bruder, der ihm durch
Bürgschaft hätte helfen können und begab sich hin-
aus an den Rheinbau, wo dieser arbeitete. Der
Bruder ward aber inzwischen gewarnt und batte
sich unsichtbar gemacht. Inzwischen hatte sich die
Kunde von der gräßlichen Mordthat schnell in der
Gegend verbreitet und der Gendarm Rieger von
Heitersheim machte sich alsbald auf den Weg zur
Festnahme des Thäters. Gegen i/z6 Uhr Abends
kam er in den Fuhrwerke des Restaurateurs Kind
von Heitersheim nach Griesheim, erfuhr, daß Leible,
hinausgegangen sei zum Rheine, um seinen Bruder
zu suchen, und fuhr alsbald weiter. Nicht weit
vor dem Orte begegnete das Fuhrwerk dem Leible;
schnell setzte der Gendarm seinen Helm auf und
sprang hinaus. Als Leible ihn erblickte, riß er
sofort das Gewehr vom Rücken und legte auf den
Gendarmen an. Zweimal forderte dieser den Leible
auf, das Gewehr wegzulegen und da dieser jede
Sekunde losdrücken konnte, wehrte sich der Gendarm
seines Lebens und schoß ihm eine Kugel' in den
Kops, daß Leible sofort todt zusammenbrach. Beide
Läufe seines Gewehres waren scharf geladen und beide
Hahnen aufgezogen; innerhalb einer Viertelssekunde
hätte der Gendarm ebensogut erschossen sein können,
so versicherte ein Augenzeuge der schrecklichen That.
Der Gendarm erstattete alsbald Meldung beim
Bürgermeisteramt in Griesheim und nahm an der
Leiche des erschossenen Heim, die am andern Ende
des Dorfes lag, Thatbestand auf. Die Leichen
mußten die Nacht über liegen bleiben, wo sie ge-
fallen n arcn; jede bekam 2 Mann Wache. Mitt-
woch Nachmittag fand sich das Amtsgericht Staufen
und die Großh. Staatsanwaltschaft von Freiburg
in Griesheim ein, uni ihre Erhebungen zu machen.
Die Thatsachen lagen klar vor Augen, und der
Gendarm wurde auf freiem Fuß belassen. Donners-
tag Abends 6 Uhr wurde Leible auf dem Kirch-
hof in Griesheim beerdigt. Heim wurde nach
Müllheim verbracht. Was den Leible zum Mord
getrieben hat, dürfte jedermann klar sein. Ob
ihn Wahnsinn erfaßte, daß er auch seinen Bruder,
seinen Erstgläubiger Sommer in Müllheim und
schließlich den Gendarmen erschießen wollte, das
bleibt wohl für immer eine dunkle ungelöste Frage.
Daß er sich mit Selbstmordgedanken trug, ist
ziemlich sicher, da er von seiner Frau zu Hause
und anderen Bekannten Abschied genommen.
Leible soll sich in der letzten Zeit, um seine Sorgen
zu betäuben, stark dem Branntweingenuß ergeben

haben und da ist cs wohl zu begreifen, wie er
schließlich zu dem schr cklichen Vorsatze kam, Heim
zu tödten. Die Aufregung ist bei der Bevölkerung
im ganzen Umkreis eine furchtbare. Man mag
hinkommen, wo man will, überall werden die Vor-
fälle aufs Lebhafteste besprochen.
Deutsches Reich.
Berlin, 25. August.
— Das „Armeevcrordnungsblatt" enthält einen
Armeebefehl des Kaisers, gegeben Rein-
hardsbrunn den 23. August. Derselbe theilt den
Tod des Herzogs Ernst mit, der fast 50
Jahre der Armee mit dem wärmsten Interesse an-
gehört, an den glorreichen Feldzügen theilgenommen
und allezeit ein leuchtendes Vorbild militärischer
Tugenden gewesen sei. Der Kaiser beklagt mit
der Armee den Verlust dieses treuen Freundes, der
jederzeit unerschütterlich zu dem Kaiserhaufe ge-
standen und dem auch sein Großvater und Vater
stets in tiefer Dankbarkeit zugethan gewesen seien
Der Kaiser bestimmt über die Anlegung der Trauer
des Regiments Nr. 95, sowie über die Theilnahme
an der Beisetzungsfeier.
— Der „Südd. Tabakszeitung" wird aus
Berlin mitgetheilt, daß die Regierungen sich in Hin-
blick auf die große Geschäftsstille in der gesammten
Tabakindustrie nunmehr verständigt hätten, den vor-
läufig fertig gestellten Tabaksteuer-Entwurf
in den allernächsten Tagen halbamtlich publiziren
zu lassen behufs Aufklärung und Anbahnung einer
Verständigung in den betheiligtcn Kreisen der
Pflanzer, Industriellen und Händler.
— Die Berliner Konferenz zum Aus-
bau der in Frankfurt gefaßten steuertechnischen
Beschlüsse wird, wie die offiziöse „Militärisch-
Politische Korrespondenz" erfährt, schon im ersten
Drittel des September zusammentretcn. Es ist
nicht wahrscheinlich, daß Finanzminister Tw- Miquel
schon an den Berathungen der Kommissare der
Regierungen theilnehmcn werde. Darüber, daß die
deutschen Finanzminister noch einmal in Berlin
zusammenkommen sollen, ist bis jetzt noch nichts
beschlossen. Dagegen hat man sich allerdings in
Frankfurt im Prinzip dahin geeinigt, dem münd-
lichen Gedankenaustausch auch in Zukunft jeden-
falls dann den Vorzug vor dem schriftlichen zu
geben, sobald sich in irgend einer Richtung
Schwierigkeiten ergeben.
— Den Morgcnblättern zufolge ist der Reichö-
schatzsekretär Grafvon Posa dowsky-W ehner
gestern von Posen abgereist und tritt heute sein
Amt an.
— Die „Kreuzzeitung" behauptet nunmehr nach
dem Vorgang anderer Blätter ebenfalls die Mög-
lichkeit der Wahl eines Nichtitalieners zum
Papste. Aber kein Deutscher, sondern zwei Kardi-
näle englischer Zunge würden im Vatikan als ernst-
hafte Kandidaten genannt: Gibbons-Baltimore
und Vaughan Westminister. Gibbons müsse von
Deutschland als Deutschenseind und glühender Repu-
blikaner bekämpft werden, während Vaughan als

maßvoll und zugleich als Denker und Gelehrter an-
nehmbar sei.
— Herr Stöcker ist, wie das „Volk" mit-
theilt, von der Evangelisations-Gesellschaft in Chi-
cago aufgefordert worden, dorthin zu kommen und
4 Wochen hindurch vor den deutschen Besuchern
der Ausstellung religiöse Vorträge zu halten. Er
ist dem Rufe gefolgt und diese Nacht abgereist.
Stuttgart, 23. August. Auch die Stutt-
garter Handelskammer drückt anläßlich des
Verlangens der württembergischen Landwirthschaft
auf Aufhebung der Staffeltarife für Mehl und Ge-
treide den dringenden Wunsch aus, die preußische
Regierung möge dem gerechtfertigten Verlangen Rech-
nung tragen und mit der Aufhebung der nicht
mehr gerechtfertigten Zollerleichterungen für Nord-
deutschland und Nordvstdeutschland nicht säumen.
Ausland.
Triest, 25. Aug. Der ungarische Abgeordnete
Critowae hat sich gestern hier erschossen.
Rom, 24. Aug. Immer deutlicher tritt hervor,
daß bei den Straßendemonstrationen der letzten Tage
sich auch die Anarchisten in nicht geringem
Maße betheiligt haben. Die Erregung, die ganz
leg'time Aufwallung des nationalen Gefühls wurde
von denen mißbraucht, die das Recht der Nationali-
tät leugnen, die sich ihrer internationalen Ge-
sinnungen rühmen. Ohne Zweifel sind der Ein-
mischung dieser unlauteren Elemente die brutalen
Ausschreitungen zuzuschreiben, durch welche der ideale
und reine Charakter, welcher anfänglich den Demon-
strationen gegen Frankreich zu Grunde lag, entweiht
wurde. Jetzt erst erfährt man, daß der Versuch
gemacht worden ist, an einer Ecke des Palazzo
Farnese Feuer anzulegen, daß mehrere Personen
verhaftet wurden, welche Flaschen voll Petroleum
mit sich trugen.
London, 24. Aug. Aus Kalkutta wird
gemeldet: Infolge der Entscheidungen der Opium-
kommission herrscht große Aufregung. Die
Bevölkerung protestirt in zahlreichen Petitionen gegen
die Bezeichnung des Opiums als Luxusmittel; das-
selbe sei ein Bedürfniß für die Bevölkerung, die
Unterdrückung des Opiumgenusses würde Massen-
erkrankungen Hervorrufen. Plätze und große Straßen
werden wegen befürchteter Unruhen militärisch be-
setzt.— Das Gangesthal wird von furchtbaren
klebe rschwemmungcn verwüstet. Tausende
von Bewohnern sind obdachlos; eine Hungers-
noth droht auSzubrechen; nach dem Verlaufendes
Wassers werden Epidemien befürchtet._
Aus Wcry und Jern.
* Karlsruhe, 25. Aug. Zufolge Verfügung
Großh. Ministeriums des Innern sind die Maß-
nahmen für den Eisenbahnverkehr in Cholerazeiten
alsbald in Vollzug zu setzen. Als Uebergabe-
stationen sind bestimmt: Mannheim, Heidelberg
Bruchsal, Karlsruhe, Pforzheim, Rastatt, Offen-
bürg, Villingen, Mosbach, Freiburg, Lörrach,
Waldshut und Konstanz. Die Bezeichnung voll
Aerzten sür den Bahnhofsdienst steht noch aus.
 
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