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Neuer General-Anzeiger: für Heidelberg und Umgegend ; (Bürger-Zeitung) — 1893 (Juli bis Dezember)

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Nummer 291.

4. Meihrmchts-Ausgrrhe.
Nette v Mittwoch, 13. Dezember 1893.


und Umgegend
Zeitung).

etaer

die Ispaltige Petitzeile oder deren Raum ö Pfg«,
iür auswärtige Inserate 10 Pfg., bei öfterer Wieder-
holung entsprechender Rabatt.

Mpedition: Kauptstraße Wu. 33.

für Heidelberg

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mit 8sritigem illustrirtem SonntagSblattl monatlich
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vierteljährlich 90 Pfennig ohne Bestellgeld.
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belesenstes Blatt in Stadt n. Tlntt Heidelberg und llnrgegend. Grötzter Lvsslg für Inserat«.

AM- Erstes Blatt. -MU

Deutsches Reich.
Berlin, 12. Dezember.
<— Der Kaiser erhielt die Nacht vom Pariser
Attentat auf der Jagd in Barby und äußerte seinen
Abscheu in den stärksten Ausdrücken. Eine ihm
^geschriebene Bemerkung, daß es ohne drakonische
Abwehrmaßregeln nichtweitergehe, steht jedoch nicht
stst. Die Stimmung der leitenden Kreise gegenüber
den Anregungen zu internationalen Vereinbarungen
'st jedenfalls zurückhaltend. Eine Initiative wird
diesseits schwerlich ergriffen werden.
— Die Quittungssteuer erregt schon
setzt viel Kopfzerbrechen in Bezug auf die Aus-
Isgung des Gesetzes. Eine Hauptfrage, so lesen
kir in einer Zuschrift vom Rhein an die „Köln.
Ztg.", lautet: Wie sind Quittungen zu versteuern,
Henn über ein und dieselbe Zahlung mehrere Em-
pfangsbescheinigungen ausgestellt werden? Wenn
B. der Fabrikant A. das Bankhaus B. auf-
serdert, an das Bankhaus C. für Rechnung des
^roßgewerbetreibendcn D. eine Zahlung zu leisten
Nlle, welche in jedem Jndustriebezirke, besonders
für Kohlen- und Eisenlieferungen, um jede Monate-
hitte zu Tausenden Vorkommen, dann quittirt A.
dsin B. die geschehene Zahlung, C. giebt dem B.
^üe doppelte oder dreifache Quittung und C. er-
Mt dann eine Quittung von D., welcher A. eben-
falls Empfangsanzeige macht. Eine und dieselbe
Zahlung wird nun etwa sechs Mal zu versteuern
'M wenn nicht in das Gesetz eine Vorschrift auf-
^Noinmen wird, daß dieselbe Zahlung nur ein-
mal versteuert werde und daß bei dem übrigen
Zkiefwechsel über die Zahlung einfach erwähnt
Md, daß über die Zahlungen eine versteuerte
Quittung bereits ausgestellt sei.
— Der „Vorwärts" veröffentlich in seiner
Mnntagsnummer den Bericht über die im Laufe
November der sozialdemokratischen
Mrteikasse zugeflossenen Beiträge. Mit den
Men Summen sind da die Berliner und Ham-
Mger Wahlkreise vertreten; in Hamburg steuerten
Mohl der erste wie der zweite Wahlkreis je 2000
M. bei; in Berlin variiren die Beiträge der
^hlkreise zwischen 200 und 1000 Mk. — Der
^ann im Mond" stiftete wieder 1000 Mk., ein
Öderer Anonymus „Weither" gab 6000 Mk. —
Es übrigen scheint die Sozialdemokratie bei jedem

Lsi»ttt»ährettd
werden von allen Postanstalten, Landbriefträgern,
unseren Agenten und Trägerinnen Abonnements
entgegengenommen.

Freudenfest stets ihrer Pflichten gegen die Partei
zu gedenken und eine ernsthafte Selbstbesteuerung
zu üben. — „Rothe Hochzeiten" und „rothe Kinds-
taufen", „rothe Geburtstagsfeiern" und „Sterbe-
tage" bringen ein ansehnliches Scherflein, und wo
das nicht ausreicht, werden sogenannte amerikanische
Auktionen veranstaltet, deren Ertrag dann gleich-
falls in die Parteikasse fließt. Als Kuriosum sei
die „nicht abgegebene Garderobe" angeführt, die
einen Beitrag von 1 Mk. erzielte.
— Die hiesigen Anarchisten hielten eine
große Versammlung ab, um über die etwaigen Re-
gierungsmaßnahmen gegen den Anarchismus zu
berathcn. Es waren 700 Personen anwesend,
die Versammlung verlief ruhig. Werner machte
die bürgerliche Gesellschaft für die Attentate, auch
aufdie Pariser Kammer, verantwortlich. Gewaltsame
Maßregeln der Regierungen könnten nicht verhindert
werden, doch würden solche den Anarchismus eben-
sowenig vernichten, wie sie es beim Sozialismus
vermocht. Die Versammlung ging ruhig aus-
einander.
Mainz, 11. Dez. Das neu gegründete Landes-
komito der hessischen Zentrumspartei hielt
gestern hier die konstituirende Versammlung ab.
Nachdem die Statuten beschlossen und definitiv an-
genommen, wurde auf Antrag des Abgeordneten
Wasserburg unt r lebhafter Zustimmung einstimmig
eine Resolution angenommen, welche sich mit Ent-
schiedenbeit gegen die geplante Wein- und Tabak-
steuer ausspricht. Gemäß dem Beschluß des Landes-
komites wird die Resolution der Zentrumsfraktion
des Reichstags übermittelt.
Ausland.
Paris, 12. Dez. Die Kammer beschloß bei
Berathung der Hausordnung, daß die Tribüne
auch in Zukunft offen zu lassen sei, weil die Ver-
fassung dies ausdrücklich bedinge. Verdächtige
Personen sollen untersucht werden, und nur solche
Einlaß finden, welche eine Empfehlungskarte eines
Abgeordneten besitzen.
Paris, 12. Dez. Die Lage der Regierung
hat sich seit dem Bombenattentat wesentlich ge-
bessert. In politischen Kreisen herrscht die Ansicht
vor, daß Dupuy durch seine tapfere Haltung sich
den Weg zum Präsidentenstuhl der Republik ge-
bahnt habe.
Rom, 11. Dez. In Sicilien finden fortge-
setzt blutige Gewalttaten statt. Aus Gian-
dinella wird gemeldet: Die Einwohner, erzürnt
über die Höhe der Kommunalsteuern und Ver-
schleuderung der Gelder seitens des Sindako im
Privatinteresse, zerstörten das Stadthaus unter dem
Rufe „Nieder mit den Steuern." Herbeigekwltes
Militär feuerte auf die Menge, tödtete acht und
vewundete zwölf Personen. Nachdem die Truppen
zurückgezogen waren, tödteten die Aufständischen

den Stadtdiener und dessen Ehefrau, beschimpften
die Leichen und tragen deren abgeschnittcne Köpfe
durch die Stadt.
Badischer Landtag.
* Karlsruhe, 12. Dezember.
Elfte öffentliche Sitzung der Zweiten
Kammer unter Vorsitz des Präsidenten Gönner.
Am Ministcrtisch: Präsident des Staats-
ministeriums, Geh. Rath Dr. Nokk, Minister
des Großh. Hauses und der auswärtigen An-
gelegenheiten, v. Brauer, Präsident des Mi-
nisteriums des Jnneru, Geb. Rath Eisenlohr,
und der Präsident des Finanzministeriums, Dr.
Buchenberge r.
Tagesordnung: Fortsetzung der Berathung
der aus dem Hause eingegangenen Interpellationen
und Anträge.
An der Debatte betheiligen sich die Abgg.
Frank, Gerber, Hauß, Eder, Dreher,
Blattmann, Wechsler, Fischer, Keller,
Kirchenbaucr, Schweinfurth, Lohr,
Muser, Wacker, Wilcke ns, K iefer, Klein-
Weinheim,
Ein Nnterantrag Muser und Genossen wurde
nach längerer Geschäftscrdnungdebatte zur Abstim-
mung nicht zugelassen, da derselbe gegen die Be-
stimmungen der Geschäftsordnung verstoße. Es wird
hierauf der Antrag Klein-Weinheim.
„Hohe Kammer wolle
1. aussprechen, daß die Erhebung des Reichs-
weinstenerentwurfs zum Gesetz — insoweit
derselbe sich auf die Besteuerung des Natur-
weins erstreckt — den ohnehin hart be-
drängten badischen Weinbau, nicht minder
aber den badischen Weinhandel schwer schä-
digen würde;
deßhalb aber
2. die Großh. Regierung ersuchen, im Bunhes-
rath gegen den Entwurf zu stimmen"
einstimmig angenommen.
Schluß der Sitzung halb 3 Uhr.
Karlsruhe, 12. Dez. Zwölfte öffentliche Sitzung
der Zweiten Kammer. Tagesordnung
auf Mittwoch 13. Dezember, vormittags 9 Uhr.
1. Anzeige neuer Eingaben; 2. Berathung über die
geschäftliche Behandlung des Gesetzentwurfs, die
Erhebung der Einkommensteuer für die Jahre 1894
und 1895 betr.; 3. Beratung und Beschlußfassung
über die Anträge : a. der Abgg. K l c i n - Wertheim
u. Gen., die Vorschüsse auf Futter- und Streu-
mittel betr., b. der Abgg. Schüler u. Gen., die
Zahlungsbedingungen für aus Staatsmitteln be
schafftes Futterheu betr.; 4. deßgleichen über die
Denkschrift der Großh. Regierung, die durch die
Futternoth des Jahres 1893 verursachten Maß-
nahmen betr.

Karlsruhe, 12. Dez. Dritte öffentliche Sitzunll
der Ersten Kammer. Tagesordnun
auf Samstag den 16. Dez., Vormittags 10 Uhr-
1. Anzeige neuer Eiugaben; 2. Berathung über
die geschäftliche Behandlung der Denkschrift, die
durch die Futternoth des Jahres 1893 verursachten
Maßnahmen betr.; 3. Erstattung und Berathung
der Berichte der Budgetkommission über: a. die
Rechnungsnachweisungen für die Jahre 1890
und 1891 (II. Beilagenheft) und die Denkschrift
der Oberrechnungskammer, b. die Prüfung der
Rechnung des Archivars über die Kosten des
Landtags 1891/92. Berichterstatter zu 3 a. und
b.: Frhr- Ernst August v. Göler.
Deutscher Reichstag.
Berlin, 12. Dezember.
Der Reichstag begann heute die zweite Lesung
der Handelsverträge. Auf Antrag des
Frhr. v. Manteuffel (kous.) kommt der Handels-
vertrag mit Rumänien zuerst in Berathung.
Graf Limburg-Stirum (kons.) bedauert,
daß in dem Kommissionsbericht die Gründe der
oppositionellen Minderheit gegen den Vertrag
nicht erwähnt sind. Die Konservativen müßten
gegen den Handelsvertrag mit Rumänien stimmen,
zumal sie nach den Ausführungen zum Bundes-
rathe nicht das Vertrauen hegen können, daß
das Reich durch ciue geeignete Regelung der
Währungsfrage gegenüber dem Ausfall schadlos
gehalten werde.
Der Redner fährt fort, gegen den rumänischen
Handelsvertrag sei einzuwenden, daß russisches
Getreide auf deni Umwege über Rumänien ein-
geschmuggelt werden könne. Nähme man den
rumänischen Handelsvertrag an und lehne aber
den russischen ab, so gebe man sich Rußland
gegenüber den Anschein der Gehässigkeit.
Staatssekretär Fr. v. Marschall erwidert
hierauf, wer für den rumänischen Handelsvertrag
stimme, übernehme bezüglich des russischen
keinerlei Verantwortlichkeit. Der letztere existirte
noch gar nicht, könne demgemäß auch kein Schreck-
mittel bilden. Die finanzwirthschaftlichen Aus-
führungen des Bundes der Landwirthe enthielten
keine Argumente, sondern Stimmungsbilder. In
dem Bestreben , die berechtigten Wünsche der
Landwirthschaft zu erfüllen, lasse sich die Re-
gierung auch durch solche Agitationen nicht ab-
halten. (Zuruf: „Das sind Worte, nichts als
Worte-") Der Staatssekretär erwidert auf diese
Zurufe: „Freilich sind es Worte, aber solche
der verbündeten Regierungen bedeuten mehr als
alle Thaten des Bundes der Landwirthe." Die
Handelspolitik der Regierung ist durchaus keine
reihändlerische. Daß wir im Jahr 1892 über
den schwierigen Punkt der Handelspolitik hin-

ALeXcr
oder
Auf dunklen Wegen.
Roman von Dr. Ed. Wagner.
(Fortsetzung.)

h „Kann kein Bitten, keine Vorstellung Sie
wendete sich Kingscourt nochmals an
Strange. „Kann nicht die Zuversicht auf
. Glück Alexa's Sie bestimmen, in unsere
tzMth einzuwilligen? Es muß ein schreckliches
peiwniß sein, welches Sie nöthigt, zwei Leben
Zernichten."
"Das ist es! es ist ein Geheimniß, so schrecklich,
stz? ich kaum daran zu denken wage", erwiderte
>v^- Strange dumpf. „Lassen Sie uns nicht
M darüber sprechen."
sch* es auch ist, es kann mich nicht ab-
k^sten, noch meine Liebe und Treue zu Alexa
^Füttern", sagte Lord Kingscourt fest. „Ich
"e sie immerdar lieben."
tzj "Die Trennung scheint Ihnen furchtbar, der
treffende Schlag unerträglich; aber ich habe
schlimmere Erfahrungen gemacht, weit
Schläge erhalten, und ich lebe doch noch.
M >mmmen aus einem edlen alten Geschlecht,
»yr Zingscourts sind von jeher stolz gewesen
'M Ehre und ihre Tugenden. Kein Kings-
fiye »Mehrte jemals seinen Namen oder machte
Är^Zißheirath. Mit der Zeit werden Sie eine
hchr ft"den, deren Namen dem Ihrigen noch
Glanz hinzufügen wird, und dann wird

kein Schatten von Schmach auf Ihnen haften
oder ein Geheimniß Ihr Leben verdunkeln."
„Wenn ich Alexa nicht heirathe, werde ich un-
verheirathct bleiben !" erklärte der Graf bestimmt.
„Sie scheinen die Kingscourt zu kennen, Mr.
Strange?"
Eine dunkle Röthe übergoß dessen Gesicht.
„Ich habe von JhrerFamilie gehört, Mylord",
erwiderte er kurz. „Die Grafen von Kingscourt
sind reich, mächtig und stolz, — eine der
edelsten und besten Familien Englands. Jeder,
der in England gewesen ist, muß von ihnen
gehört haben."
„Sie waren dort?"
„Sie sind von englischer Geburt? Ich bin
fest davon überzeugt !"
„Ich bin ein Engländer?"
Und doch haben Sie während meines ganzen
Verweilens hier nie von England gesprochen. Ist
es lange her, seitdem Sie England verlassen
haben ?"
Mr. Strange nickte.
„Vielleicht haben wir gemeinschaftliche Be-
kannte", sagte der Graf. „Ich habe Sie nie
einen englischen Namen äußern hören; aber
vielleicht wäre ich im Stande, Ihnen Auskunft
über alte Bekannte geben zu können. Alexa
sagte mir, daß Sie nie englische Zeitungen
lesen —"
„Weil ich von der Stunde meiner Verbannung
an, mich nicht um Neuigkeiten aus England
kümmerte. Ich verlange weder von England zu
hören, noch es jemals wiederzusehen."

„Und gibt es nicht eine Person in England,
von deren Wohlergehen Sie hören möchten?"
fragte der Graf verwundert.
Ueber das bleiche Gesicht Mr. Strange's zogen
finstere Wolken. Eine plötzliche, überwältigende
Aufregung überfiel ihn, die zu verbergen er sich
abwandte.
„Es gibt Niemanden, von dem ich zu hören
wünschte", sagte Mr. Strange rauh; „Niemanden
in England, Niemanden in der ganzen Welt!"
„Haben Sie meinen Vater gekannt?" fragte
Lord Kingscourt, welcher wünschte, seinen Wirth
für irgend etwas interessiren.
„Ich habe ihn gekannt", lautete die Ant-
wort.
„Er starb vor sechs Jahren", berichtete der
junge Gras, „und meine Mutter folgte ihm
kaum ein Jahr später."
Ein mächtiges Verlangen, wieder einmal von
Menschen zu hören, die er früher gekannt hatte,
durchdrang jetzt Mr. Strange, — dasselbe Ver-
langen, weches sich während der Anwesenheit Lord
Kingscourts in seinem Hause seiner schon mehr
bemächtigt hatte. Es gab Menschen, die er einst
gekannt, die ihm lieb und theuer gewesen —
lebten sie noch, oder waren sie todt? Er hatte
seit sechszehn Jahren nichts von Ihnen gehört.
Neues aus der Heimath! Er brannte plötzlich
vor Verlangen, es zu hören. Seit sechszehn
Jahren war er keinem Engländer begegnet, hatte
er keine englische Zeitung gelesen. Wie mochte
sich in dieser Zeit Alles verändert haben!
„Ich hörte manche große Namen, als ich vor

Jahren in England war", sagte er vorsichtig,
aber noch mit einer fieberhaften Hast. „Ich denke,
daß eine neue Generation im Hause der Ge-
meinen. Ich weiß, daß Königin Viktoria noch
regiert, kenne auch aus den Athener Zeitungen
die politischen Tagesneuigkeiten. Ich glaube, daß
ich mit der englischen Politik ebenso vertraut
bin, wie Sie selbst, Mylord. Aber um die
Zeit zu verbringen, die wir noch bis zur An-
kunft der Pferde und Ihrer Begleiter vor uns
haben, möchte ich wohl etwas Neues aus
der Gesellschaft hören. Welche sind die her-
vorragendsten Personen der hohen Gesellschaft
Englands?"
Lord Kingscourt nannte verschiedene Namen,
welche jedoch seinen Wirth wenig zu interessiren
schienen.
„Ich denke, mein Vormund, aber er war
es nach meines Vaters Tode während der Zeit
meiner Minderjährigkeit. Er ist jedoch nicht
verheirathet."
„Ihr Vormund?"
„Ja der, Marquis von Monthcron."
Mr. Strange zuckte zusammen, als habe ihm
eine Kugel die Brust durchbohrt.
Ein fernes Geräusch von Pferdetritten auf
der andern Seite des Hauses nahm die Auf-
merksamkeit Lord Kingscourt's in Anspruch.
„Die Leute kommen!" sagte er.
Mr. Strange stützte den Kopf in die Hand,
dadurch sein Gesicht verbergend, welches von Schmerz
verzogen und todtenblich war.
(Fortsetzung folgt.)
 
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