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Neuer General-Anzeiger: für Heidelberg und Umgegend ; (Bürger-Zeitung) — 1893 (Juli bis Dezember)

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General-G Anzeiger

r.




für Heidelberg und Uwgegend




Mpedition: Kcruptstrcrße Wr. 26.

1893

Dienstag, den 5. September

299

verantwortlicher Redakteur:
Herm. Streich.

Abottttementsprcis r
mit 8seitigem illustrirteur Sanntagkblatt: monatlich
35 Pfennig frei in's Haus, durch die Post bezogen
vierteljährlich NO Pfennig ohne Bestellgeld.

JnsertionöprciSr
die lspaltige Petitzeile oder deren Raum 8 Pfg.,
für auswärtige Inserate 10 Pfg«, bei öfterer Wieder-
holung entsprechender Rabatt-

> -- s
Mpcdition: KcrrrpLstrclße Hlv. 26.
Druck und Verlag:
Heckmann, Dorr L Wurm.


Die bösen Deutschen.
Daß die Deutschen eine furchtbar blutgierige,
erorberungssüchtige Nation ist, die darauf ausgeht,
mit ihren Nachbarn irgend einen Streit vom Zaune
zu brechen, ist bekanntlich bei den Franzosen eine
ausgemachte Sache. Nun hat auch Väterchen Zar
ein großes Wort gelassen ausgesprochen und darin
der gleichen Meinung Ausdruck gegeben.
Anläßlich der Eröffnung des neuen russischen
Kricgshafens Libau hat er nämlich einen Tages-
befehl an die baltischen Truppen erlassen, in dem
es heißt: „Daß die tapfere baltische Fotte jeden
Versuch, in russisches Gebiet einzudringen, zurück-
weisen, und daß sie der russischen Flagge die ruhige
Herrschaft in ihren Gewässern zu sichern und recht-
zeitig überall da zu erscheinen wissen werde, wo
dies die Würde der russischen Macht erheischen
würde."
Wer ist der Feind, von dem Rußland einen
solchen Versuch zu gewärtigen hätte? Schweden,
Norwegen und Dänemark werden es sich gewiß
nicht einfallen lassen, eine Invasion der russischen
Küsten zu versuchen. Da bleibt Deutschland
als einzige Ostseemacht übrig, auf welche der Zar
angespielt haben kann. Damit will man also
Deutschland imputiren, daß es Angriffsabsichten
gegen Rußland hege. Diese Insinuation kann von
der deutschen Presse nicht scharf genug zurückge-
wiesen werden. Deutschland ist durch die kriegerischen
Maßnahmen seiner Nachbarn im Osten und Westen
gezwungen worden, in seinen militärischen Rüstungen
die letzten Kräfte zusammenzunehmen; aber Deutsch-
land rüstet erwiesenermaßen nicht, um den Krieg
vorzubereiten, sondern um durch seine Stärke den
Frieden sichern zu können.
Der Zar hat die Ostsee gewissermaßen als
russisches Meer proklamirt. Die russischeFlotte,
sagt der Selbstherrscher aller Reußen, soll überall
da in der Ostsee zu erscheinen wissen, wo es du
Würde der russischen Macht erheischen wird. Was
heißt das anders, als daß die russische Flotte die
ganze Ostsee beherrschen soll? Es ist der Wille des
mächtigen Zaren, eine Armada auszurüsten, welche
in den entlegensten Winkel des baltischen Meeres
den Schrecken des russischen Namens tragen soll.
Das sind stolze Worte, doch der Mensch denkt, und
Gott lenkt. Der Zar hat die Ostsee als russisches
Meer proklamirt, und die Ostsee hat hiergegen
rebellirt. Furchtbare Stürme erhoben sich, und die
russische Kaiserfamilie mußte ihre Abreise von
Libau nach Kopenhagen deßhalb verschieben. Und
als der Zar, grollend über das Toben der Elemente,
schließlich, dem Sturme Trotz bietend, die Fahrt
antrat, mußte er vor den erzürnten Wogen flüchten

und in den Hafen von Libau zurückkehren. Noch
ist die Ostsee kein russisches Meer, und so Gott
und die Deutschen es wollen, wird sie das nie und
nimmer werden!_
Deutsches Reich.
Berlin, 4. September.
— Der Besuch des württembergischen Minister-
präsidenten v. Mittnacht bei Bismarck hat
zu einer kleinen Zeitungsfebde zwischen württem-
bergischen und bayrischem Blättern geführt. In
ersteren war nämlich behauptet worden, Herr v.
Mittnacht habe sich auf von hoher Seite aus-
gehende Anregung zum Fürsten Bismarck begeben,
um diesen zu veranlassen, seiner Stimmung gegen
den neuen Kurs doch nicht mehr in so schroffer
Weise Ausdruck zu geben, insbesondere sich nicht,
wie neuerdings mehrfach geschehen, zum Vorkämpfer
des Partikularismus zu machen. Wenn Fürst
Bismarck sich gegenüber dem ihm betreffs des
Partikularismus gemachten Vorwurf vor den Frank-
furtern verwahrt habe, so sei dies vielleicht schon
ein Ergebniß des Mittnachtffchen Besuches gewesen.
Zornentbrannt wendet sich die „Allg. Ztg." gegen
diese Darstellung und schreibt: „That'sächlich ist soviel
richtig, daß Freiherr von Mittnacht dem Fürsten Bis-
marck einen Besuch gemacht hat, insoweit hat die
Stuttgarter Neporterfirma etwas Richtiges heraus-
bekommen; das läßt sich auf Bahnhöfen erfragen.
Was aber zwischen dem Fürsten Bismarck und
dem Freiherrn v. Mittnacht gesprochen worden ist,
darüber ist diese Firma so wenig als andere Blätter
in' der Lage, irgend eine Mittheilung zu machen.
Es kann sich nur um Vermuthungen handeln,
vielleicht mit der Hoffnung, Berichtigungen zu
provoziren, die aber sicher nicht erfolgen werden.
Man wird also gut thun, statt an weitergehende
Vermuthungen an die naheliegende Annahme sich
zu halten, daß Frhr. v. Mittnacht dem Fürsten
Bismarck wie früher wiederholt einen privaten Be-
such gemacht hat, zu dem er eine Anregung von
außen nicht erhielt.
— Der Kriegsminister von Kaltenborn
wird, wie der „Voss. Ztg." geschrieben wird, allem
Anschein nach nur so lange auf seinem Platz ver-
bleiben, bis ein geeigneter Nachfolger gefunden ist.
Thatsache ist, daß General von Kaltenborn dringend
seinen Rücktritt wünscht; es hieß noch vor kurzem
mit voller Bestimmtheit, dem General werde das
Kommando des dreizehnten (württembergischen) Ar-
meekorps übertragen werden.
— Die Erörterungen, die an die Thronfolge
im Herzogthum Sachsen geknüpft wurden, können
leicht zu einer bedeutsamen praktischen Konsequenz
führen. In Oldenburger Landtagkreisen befaßt

man sich, wie wir zuverlässig ersahren, mit dem
Gedanken, schon bei der nächsten Tagung eine
Anregung zur Umwandlung des bisherigen Throu-
solgerechts im internationalen Sinne zu versuchen.
Das Unternehmen ist, zumal unter den gegen-
wärtigen politischen Voraussetzungen, ein sehr-
delikates, handelt es sich doch bekanntlich um den
russischen Zweig der Dynastie, der bei einer-
etwaigen Erledigung des Thrones in Frage käme.
— Das Kontrolmarkensystem, welches
die sozialdemokratischen Gewerkschaften zur Durch-
setzung ihrer Lohnforderungen eingeführt haben, er-
freut sich in sozialdemokratischen Kreisen selbst einer
sehr zwiespältigen Beurtheilung. Am Freitag berieth
die Berliner Gewerkschaftskommisston über die Ein-
führung der Bäckerkontrolmarken. Hierbei fand die
Kontrolmarke eine sehr scharfe Verurtheilung durch
das Kommissionsmitglied Dr. Braun, der erklärte,
der Sonderinteressen einzelner Gewerkschaften wegen
trete nicht ein allgemeines Solidaritätsgefühl der
Arbeiter ein. Daß nicht einmal Versammlungen
für die Bäcker marke zusammenzubringen wären,
spreche für das geringe Interesse der Arbeiter für
die Kontrolmarken, wie der Gewerkschaftsbewegung
überhaupt.
Karlsruhe, 3. Sept. Der Parteitag der so-
zialdemokratischen Partei, der in Pforzheim statt-
finden sollte, aber verschoben wurde, dürfte jetzt
gar nicht mehr abgehalten werden. Mit Rücksicht
auf das Herannahen der Landtagswahlen haben
die Mannheimer Sozialisten bei der Landesorgani-
sation den Antrag gestellt, den Pforzheimer Partei-
tag nicht abzuhalten, statt dessen aber eine Partei-
konferenz nach Karlsruhe zur Berathung des
Vorgehens bei den Landtagswahlen einzuberufen.
Die Vertrauensmänner des Wieslocher Bezirks
haben bereits beschlossen, mit aller Energie in
die Wahl einzutreten. Der gleiche Beschluß darf
auch von der Parteileitung bestimmt erwartet
werden. Die Wahl Karlsruhes zur Abhaltung
der Konferenz in Karlsruhe ist mit Rücksicht
darauf gewühlt, daß in Karlsruhe drei Abgeord-
nete zu wählen sind. Die Sozialisten rechnen hier-
mindestens auf ein Mandat.
Metz, 4. Sept. Der Kaiser und derKro n-
prinz von Italien trafen gestern Vormittag
10 Uhr 45 Min. auf dem Bahnhofe ckovavt los
Uonts hier ein. Der Kaiser trug die Uniform
der Gardehusaren, der Kronprinz von Italien die
Uniform des 13. preußischen Husarenregiments.
Am Bahnhofe waren der Großherzog von
Baden, Prinz Albrecht von Preußen, Prinz
Leopold von Bayern, der Reichskanzler Graf
v. Caprivi, der Statthalter von Elsaß-Lothringen
Fürst zu Hohenlohe und die Generalität zur Be-

grüßung anwesend. Der Kaiser und der Prinz
von Neapel schritten zweimal die Front der Ehren-
kompagnie ab, worauf ein Vorbeimarsch derselben
stattfand. Der Kaiser bestieg alsdann mit dem
Kronprinzen den Wagen und fuhr mit den andern
Herrschaften unter Hmrahrufeu der Menge zum
Feldgottesdienst, welcher bei St. Martin abgehalten
wurde. Nach Beendigung desselben erfolgte unter
dem Geläute der Glocken und jubelnden Begrüßung
der Bevölkerung der.Einzug in die Stadt.
Metz, 3. Sept. Bei der Begrüßung des
Kaisers hielt der Bürgermeister Halm eine
Ansprache, in welcher er dem Dank der Bevölkerung
für das Kommen des Kaisers Ausdruck gab und
gleichzeitig die Hoffnung aussprach, daß der Kaiser
bald' wiederkehren möge, um Ihrer Majestät
das Schloß Nrville zu zeigen. Der Kaiser dankte
für die Ansprache und sagte, Metz und sein Armee-
korps sei ein Eckpfeiler in der militärischen Macht
Deutschlands, dazu bestimmt, den Frieden Deutsch-
lands, ja ganz Europas, dessen Erhaltung sein
fester Wille sei, zu schützen.
Eichstätt, 4. Sept. Prinz Mar von Sachsen
hat am Montag durch Bischof v. Leonrod die
Tonsur erhalten.
Ausland.
Paris, 3. Sept. Der Minister des Aus-
wärtigen erbielt gestern vom Botschafter in
Petersburg die offizielle Anzeige, daß das russi-
sche Geschwader am 13. Oktober in Toulon
ankommen werde. Das Geschwader steht unter
Befehl des Admirals Avelane und wird aus fünf
oder sechs Schiffen bestehen. Der „Tempo" sogt,
vermuthlich werde nach diesem Besuch die Frage
bezüglich der Einrichtung einer permanenten russi-
schen Flottenstation im Mittelmeer definitiv ent-
schieden werden. Präsident Carnot werde das
russische Geschwader in Toulon empfangen.
Paris, 4. Sept. Der gestrige zweite Wahl-
tag verlies ebenso ruhig als der erste. — Die
Vorbereitungen zu der demnächst stattfindendeu
Münzkonsercnz werden eifrig betrieben. Der bel-
gische Minister Bernaes soll daran Theil nehmen.
Brüssel, 4. Sept. In verschiedenen Kohlen-
Revieren wird eifrig Propaganda für das Referen-
dum am 10. Sept, gemacht; dasselbe soll über
den allgemeinen Streik in Belgien entscheiden.
Es verlautet, der König sei sehr ungehalten darüber,
daß das Referendum nicht in die Verfassung eiu-
geschrieben worden sei.
Aus Wutz und Jern.
Amtliches.
Maschincninspektor, Oberingenieur Heinrich Knt-
truff in Heidelberg wurde unter Verleihung deS Titels

Fünf Ps«nn!g« TMX Grnrr-MAmcigrr «-KLN.-»


Eine öunkte TtzuL.
44) Roman von E. P. von Ar eg.
(Fortsetzung)
20. Kapitel
Der Doktor gewann in raschem Sprunge
draußen den Boden, eilte durch den Vorgarten
und befand sich aus der Straße.
Sein Auge suchte mit scharfem Umblick den
Entfliehenden, und richtig, da die Straße hinauf
nach der Richtung der Altstadt zu, versuchte er
zu entrinnen. Trotzdem kein größerer Zeitraum
als höchstens eine Minute verflossen war, seitdem
er aus dem Fenster im Wieubrand'schen Hause
entsprungen, lag doch bereits eine ziemliche Strecke
Weges hinter ihm; es mochten mehr als huudert-
undsünfzig Schritte sein, die er schon in beschleu-
nigten Sprüngen durchrannt hatte. Aber wie
der Hund der Spur des vor ihm fliehenden
Hasen folgt, machte sich der Doktor zur Verfol-
gung des entweichenden Verbrechers auf. Er war
barhäuptig und nur im leichten Rock, das machte
seine Bewegung rasch und gelenk, er flog
die Straße hinunter hinter jenem her wie der
Wind. Aber der andere war nicht minder schnell,
als sein Verfolger; je rascher ihn der Arzt ver-
folgte, desto schneller entfloh er. Die Hetze ward
wilder und wilder; die Schneeflocken wirbelten dazu
und der Wind heulte sein Lied. Der keuchende
Äthern der einander jagenden Männer mischte
sich mit ihm, der Schweiß trat in großen Perlen

auf ihre Stirnen lind rann mit den zerfließenden
Schneeflocken über ihre Gesichter.
Aber aller Anstrengungen ungeachtet gewann
der Doktor kein Terrain; der Zwischenraum
zwischen ihm und dem Entfliehenden verminderte
sich nicht, er füklte, daß seine Kräfte nachzulassen
drohten lind daß die keuchende Lunge ihre Schuldig-
keit weiter zu thuu sich weigern würde, wenn ihr
nicht bald eine Ruhepause gewährt werden sollte.
Sie hatten schon die Neustadt fast durchjagt, da
kam aus einer Seitengasse der erste Schutzmann
gerade in die Mitte zwischen dem Verfolger und
dem Verfolgten.
„Ein Einbrecher ist es", rief der Doktor ihm
zu, als er ihn erreichte, „den ich verfolge. Unter-
stützen Sie mich, damit er nicht entkommt!"
Der Schutzmaen sprang mit raschen Füßen
vorwärts. Das laute Schrillen seiner Pfeife rief
nach den Kollegen. Und wahrlich, da tauchte
auch schon ein zweiter und dritter auf, aber beide
eilten auf die Verfolger zu, wohin sie der Ton
der Pfeise rief, und man mußte sie erst ver-
ständigen, bevor sie die Hetze ausnahmen. Dann
ging es mit erneuten Kräften desto schneller vor-
wärts. Man war in der Altstadt. Jetzt ging
es über den Domplatz. Neue Schutzleute kamen
von verschiedenen Seiten hinzu. Die Zahl der
neuen unermüdeten Verfolger und ihre Schnellig-
keit kürzte den Zwischenraum zwischen ihnen und
den Entfliehenden, der mit einer wahrhaft be-
wunderuswerthen Ausdauer seine Flucht fortsetzte,
wäbrend der Doktor selbst unter dem Nachtrab
der Verfolgenden hatte Zurückbleiben müssen. Und
jetzt war mau in der Hauptstraße. Wiederum

tönten die Pfeifen der Schutzleute und diesmal
mit besserem Erfolge als bisher. Zwei Beamte
kamen in der Richtung her, nach der zu die Jagd
ging, Jetzt hatte man den Fliehenden in der
Mitte. Seine nächsten Verfolger waren ihm schon
beinahe auf den Fersen. Man konnte deutlich
bemerken daß seine Kraft nach und nach erlahmte,
aber noch einmal raffte er nach einem raschen
Rückblick alle seine Kraft zusammen und floh in
langen Sprüngen die erste Seitengasse hinunter.
Alles stürzte ihm in die enge Gasse nach und
plötzlich schien er in derselben verschwunden.
Der erste Schutzmann aber, der ihm fast un-
mittelbar auf den Fersen war, rief sogleich:
„Er entkommt uns nicht mehr! Ich sah
deutlich, wie er mit einem verzweifelten Satze
hier nach dein Fenster emporspraug, das eine
nachlässige Hand hat offen stehen lassen. Hier
ist er hinein. Wir müssen Lärm machen und
das Haus durchsuchen."
Es war Johann Ohlsens Haus. Alles lag
anscheinend drinnen im tiefsten Schlafe. Das
laute Pochen der Polizeibeamten an Ohlsens
Hausthür weckte die Schläfer in der nächsten
Nachbarschaft.
Es dauerte auch nur kurze Zeit, so erschien
des alten Ohlsen Kopf an einem der Fenster der
sberen Etage.
„Wer stört mir meine Nachtruhe?" rief er
in aufgeregtem Tone hinunter. „Wie habe ich
das zu verstehen?"
Inzwischen war der Doktor keuchend heran-
gekommen.
„Oeffnen Sic, Ohlsen!" ries er dem Alten

zu. „Wir sind auf der Verfolgung nach einem
berüchtigten Verbrecher, der sich hier durch ein offen-
stehendes Fenster in Ihr Haus zu rettest versucht
hat. Oeffnen Sic rasch, damit er nicht ent-
kommt."
„Sie sind es, Herr Doktor?" versetzte der
Alte brummend. „Das ist ja eine total verkehrte
Welt. Der Arzt auf der Suche nach dein Ver-
brecher. Aber nur einen Augenblick Geduld; ich
komme schon."
Eine Minute später wurde das Hausthor ge-
öffnet, Johann Ohlsen besorgte das selbst. Die
Polizei drang ein, nachdem sie die Thür und die
Fenster besetzt hatte. Es war eine stattliche Zahl
von zwölf Schutzleuten, die sich inzwischen ge-
sammelt hatte, und jetzt erst fand der Doktor-
Gelegenheit, eine nähere Auseinandersetzung über
die vorausgegangenen Vorgänge zu geben. Sie
konnte sich selbstverständlich auf nichts Anderes
erstrecken, als auf den Einbruch selbst und die
ihn begleitenden Umstände, denn die Person des
Verbrechers war dein Doktor ganz unbekannt ge-
wesen. Er beschrieb den Manu, so weit er ihn
bei der ungenügenden Beleuchtung zu erkennen
vermocht hatte: mittelgroß, untersetzt, kräftig, ein
scharf markirtes häßliches Gesicht mit kleinen
Augen und stark vortretendcn Backenknochen.
„Sie geben beinahe dieselbe Personalbe-
schreibung, Herr Doktor", sagte einer der Schutz-
leute, der mit seinen Kollegen eben dabei war,
die Lichter und Laternen anzuzünden, welche das
Gesinde des Wirthes ans den Rus Ohlsens der
Polizei zur Verfügung gestellt hatte, nm das
Hans einer genauen Durchsuchung unterziehen
 
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