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Neuer General-Anzeiger: für Heidelberg und Umgegend ; (Bürger-Zeitung) — 1893 (Juli bis Dezember)

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General-WAtyeiger


für Heidelberg und Umgegend




Expedition: Fdauptltrntze Mr. 25.

18S3

Telephon-Anschluß Nr. 1«2. -WU

Aus Wuy und Jern.
* Karlsruhe, 22. Sept. Neue Quittungs-
karten der Alters- und Invaliditäts-Versicherung
kommen zwar schon jetzt zur Ausgabe, sollen aber
erst dann allgemein gebraucht werden, wenn die
Karten älteren Musters aufgebraucht sind. Der
Vordruck enthält drei neue Zeilen, eine Bezeich-
nung der Nummer bei der Ausgabestelle, des Zeit-
punkts der Verwendbarkeit von Nachmarken und des
Wohnorts des Inhabers. Die Innenseite der Karte
enthält statt 52 Felder jetzt 56. — Die Auf-

Deutsches Reich.
Verli«, 22. September.
— In Hofkreisen wird dem freundlichen
Depeschenwechsel des Kaisers und Bismarcks
eine persönliche und politische Tragweite zuge-
schrieben. Den unmittelbaren Anstoß dazu habe
der Kaiser von Oesterreich und der König
von Sachsen gegeben, welche sich täglich in
Kissingen nach Bismarcks Befinden erkundigten;
auch Erwägungen, welche die Geschehnisse der
äußeren Politik wachriefen, sollen wesentlich dazu
beigetragen haben, den Kaiser zu veranlassen,
dem Auslande zu zeigen, daß auch ihm die Rück-
sichten auf die europäische Politik und die Ge-
sammtlage über die persönlichen Empfindungen
und Interessen gehen. Auch der plötzliche Besuch
des Prinzen Albrecht von Preußen bei der Kaiserin

Für Heidelberg
Orte:
Dossenheim,
bdingen,
Eppelheim,
Handschuhsheim,
Kirchheim,
Leimen,
Leutershausen,
Neckargemünd,

Abonnementspreis r
8ftitigem illustrirtem Sonutagsblatt: monatlich
Pfennig frei in's Haus, durch die Post bezogen
vierteljährlich 80 Pfennig ohne Bestellgeld.

Förderung angedeihen lassen, insbesondere dafür
Sorge tragen, daß den Schülern öffentlicher Lehr-
anstalten Gelegenheit gegeben werde, die mannig-
fachen schädlichen Wirkungen des Alkoholgenusses
in bezug auf körperliche und geistige Gesundheit,
Lebensdauer, Sittlichkeit, Erwerbsfähigkeit des Ein-
zelnen wie der Gesammtheit u. s. w. — den Al-
koholismus, seine Ursachen, seine Gefahren und
seine Bekämpfung — kennen zu lernen, um so der
Jugend das lebendige Bewußtsein beizubringen, daß
jeder Einzelne um seiner selbst wie um seiner Mit-
menschen willen zur Mäßigkeit verpflichtet ist. Wir
sind der Anschauung, daß die Bestrebungen des
Vereins, soweit thunlich, auch von Seiten der Schule
die nachhaltige Unterstützung und Förderung ver-
dienen; in welcher Weise dies jedoch an der ein-
zelnen Anstalt zu geschehen hat, glauben wir dem
pflichtmäßigen Ermessen des Anstaltsvorstandes, der
Hierwegen mit der Lehrerversammlung sich ins Be-
nehmen setzen wird, überlassen zu können.
Wir veranlassen demgemäß die Anstaltvorstände,
den Gegenstand in einer Konferenz mit den An-
staltslehrern zur Berathung zu stellen und für die
Ausführung der dabei gefaßten Beschlüsse ent-
sprechend Sorge zu tragen.
Wir behalten uns vor, späterhin bei den ein-
zelnen Anstaltsvorständen zu erheben, was in der
Sache geschehen ist."
Es ist erfreulich, daß geradezu amtliche Be-
handlung des Gegenstandes in dem Erlaß verlangt
wird, und wir sind gewiß, daß in jeder Anstalt
etliche Lekrer sich finden werden, die aus Liebe zu
ihren Schülern und ihrer Zukunft und innerlich
getrieben zur Mitarbeit an der sozialen Gesundung
unseres Volkes warm für die Sache der Mäßigkeit
eintreten. Nur die eine Bitte hätten wir noch,
daß, wenn andere Schulbehörden dem Beispiel der
badischen folgen möchten, sie ihren diesbezüglichen
Erlaß nicht bloß an die höheren Schulen, sondern
an alle — also auch Volksschulen — richten. Die
Behandlung dieser Mäßigkeitsfrage ist einerseits
gerade so wichtig für Volksschüler als auch für
andere, anderseits in der Volksschule ebenso gut
möglich als an den höheren Lehranstalten.

L. Mäßigkeitsbewegung in Baden.
Wie viel Verständniß und Entgegenkommen,
daß man vor nur zehn Jahren kaum hätte erwarten
dürfen, jetzt für Bestrebungen gegen den Mißbrauch
geistiger Getränke vorhanden ist, geweckt und ver-
-anlaßt einerseits durch die rege Thätigkeit der ver-
schiedenen Vereine, anderseits durch das Interesse,
das alle Kreise unseres Volkes für die sozialen
Fragen haben, ersieht man aus einem Erlaß, den
der Großherzoglich badische Oberschulratb vor einiger
Zeit an sämmtliche Direktionen und Vorstände der
Mittelschulen und Gymnasien des Landes hat gehen
lassen, dessen nachfolgender Wortlaut allgemeine
Beachtung verdient.
„Der Vorstand des Deutschen Vereins gegen
Mißbrauch geistiger Getränke hat in einer bei dem
Großkerzoglichen Ministerium der Justiz, des Kultus
und Unterrichts eingereichten Vorstellung die Bitte
vorgetragen, es möge die Schulverwaltung den auf
die vorbeugende Bekämpfung der Trunksucht ge-
richteten Bestrebungen des Vereins entsprechende

JnsertionSpreiSr
die lspaltige Petitzeile oder deren Raum 8 Pfg.,
für auswärtige Inserate 1v Pfg., bei öfterer Wieder-
holung entsprechender Rabatt-

Friedrich in Homburg wird mit der Angelegenheit
in Zusammenhang gebracht.
— In unterrichteten Kreisen nimmt man an,
daß die Telegramme, die zwischen dem Käufer
und dem Fürsten Bismarck gewechselt worden
sind, demnächst im Wortlaut würden veröffentlicht
werden. Wenn einzelne Blätter es so darzustellen
suchen, als ob der Kaiser weniger aus eigener
Initiative gehandelt habe, sich vielmehr durch
andere hochstehende Personen, wie den Kaiser
Franz, den König von Sachsen, den Prinzregenten
Albrecht, die Kaiserin Friedrich nur habe be-
stimmen lassen, so genügt, darauf hinzuweisen,
daß von einer solchen Vermittelung noch jedesmal
die Rede war, wenn die Frage der Aussöhnung
des Kaisers mit Bismarck in den Blättern er-
örtert wurde. Welche Veranlassung insbesondere
der österreichische Kaiser haben sollte, sich in die
Fragen der inneren deutschen Politik zu mischen,
ist nicht einzusehen. Was die Diskussion anlangt,
die an das in der offiziösen Depesche enthaltene
„nachträglich" anknüpft, so dürfte die Darstellung
richtig sein, nach der man im kaiserlichen Hof-
lager zwar von der Erkrankung Bismarcks wußte,
der Kaiser aber von dem ernsten Charakter der
Krankheit erst benachrichtigt werden konnte, als
man selbst darum wußte.
— In diplomatischen Kreisen finden die von
Rußland nach Paris gerichteten „kalten Wass er-
st r a h l e n" eingehende Beachtung. Es gilt für gewiß,
daß der Ueberschwang der Stimmung Frankreichs
in Petersburg ungern gesehen wird und daß man
sich dort beeilen wird, den maßlosen Chauvinismus
zu dämpfen.
— Der Gesetzentwurf über den Schutz von
Waarenbezeichnungen soll in der nächsten
Reichstagssession unverändert eingebracht werden.
— Die „Berl. Polit. Nachr." kündigen ein:
Verschärfung der Gesetzgebung gegen die Verletzung
vonGeschä fts- und Fabrik geheimnissen
an. Wenn der Gesetzentwurf über den Schutz der
Waarenbezeichnungen dem Reichstage in der nächsten
Session wieder vorgelegt und, woran wohl
nicht zu zweifeln ist, genehmigt wird, so ist die
Reform des gewerblichen Eigentbumsrechtes, soweit
dieses das Gewerbe im allgemeinen betrifft, wobl
beendet. Es ist zunächst das Patentgesetz den
modernen Verhältnissen angepaßt worden, sodann
ist für den Gebrauchsmusterschutz ein neues Gesetz
geschaffen und nunmehr soll der Schutz der
Waarenbezeichnungen nicht nur intensiver gestaltet,
sondern auch erweitert werden. Indessen glaubt
das Gewerbe sich mit dieser Reform allein nicht
begnügen zu können. Aus gewerblichen Kreisen
wurde schon vor längerer Zeit eine Revision der
Gesetzgebung beantragt, durch welche die Geschäfts-
und Fabrikgeheimnisse besser geschützt würden, und
durch einige neuerdings vorgekommene Verletzungen
solcher Geheimnisse hat diese Bewegung einen
neuen Anstoß erfabren.
Karlsruhe, 22. Sept. Die Regierung hat die
Genehmigung ertbeilt zur Einführung des als „Kon-

Nutzloch,
Plankstadt,
Rohrbach,
Sandhaufen,
Schriesheim,
St. Ilgen,
Wieblingen,
Ziegelhäuser»,
werden von unseren Trägern und Trägerinnen jeder-
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vember, Dezember) nehmen alle Postanstalten,
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und folgende umliegenden

gregation der Barmherzigen Schwestern vom hl.
Kreuz von Jngelbohl" sich bezeichnenden religiösen
Ordens, sowie zur Errichtung einer Ordens-
anstalt in dem vormaligen Schloßgut Hegen bei
Konstanz mit der Maßgabe, daß der Ablegung des
Ordensgelübdes eine bürgerliche Wirkung nicht zu-
komme und daß außer Einhaltung der gesetzlichen
Vorschriften die von der Staatsregierung der Kon-
gregation gemachten besonderen Auflagen erfüllt
werden.
Karlsruhe, 22. Sept. In vielen Wahl-
bezirken zum Landtag werden die früheren Ab-
geordneten wieder ausgestellt, so jetzt in Ueberlingen
Gastwirth Lohr vom Zentrum, in Bonndorf Stifts-
rechner Kriechle von den Liberalen. Für Vogelbach-
Daublin in Lörrach, der kein Mandat mehr an-
nehmen will, wollen die Freisinnigen den Reichs-
tagsabgeordneten Pflüger um die Uebernahme an-
gehen. In Villingen und Wiesloch stellen die
Sozialisten ihren Führer Geck und Schneidermeister
Dörner auf-
Ausland.
Paris, 22. Sept. Die Blätter theilen mit,
der Krieg sMinister habe Angesichts der Un-
möglichkeit, anders für die Unterkunst, und den
Unterhalt der nach dem Streikgebiet entsandten
Truppen zu sorgen, denselben das Requisitionsrecht
zuerkannt. — In Carmaus werden die dortigen
Bergleute am Sonntag eine Versammlung abhalten,
um über den etwaigen Anschluß an den Streik
des Norddepartements zu berathen. — Die Hütten-
werke Commentry stellten wegenWasscrmangels den
Betrieb ein. Tausend Arbeiter seiern.
Belgrad, 22. Sept. König Alexander ist
von seiner Rundreise durch Serbien, wo er aller-
orten mit Begeisterung und Volksjubel empfangen
wurde, hierher zurückgekehrt. Auch hier wurden
dem jungen Könige bei seiner Ankunst große
Huldigungen entgegengebracht.
London, 22. Sept. Die Grubenbesitzer er-
klärten, ohne den Bergarbeitern weitere Hoffnungen
zu machen, seien sie bereit, in Verhandlungen über
die Lohnfrage einzutreten.
London, 22. Sept. Aus Bunos-Ayres wird
gemeldet, die brasilianische Regierung verdoppele ihre
Vorsichtsmaßregeln. Den Telegraphenbeamten wurde
die Verbreitung von Nachrichten über den Aufstand
aufs strengste verboten.

s—-—----
Expedition: Kcruptstratze Mr. 25.



225.
Verantwortlicher Redakteur:
Herrn. Streich.
Samstag, den 23. September
Druck und Verlag:
Heckmann, Dörr L N)urm.

Die Jagd nach einer Erbin.
Roman von Hermine Frankenstein.
K) (Fortsetzung.)
5. Kapitel.
Agathe macht sich den Weg frei.
Der Schreck und die Bestürzung des falschen
Fräulein Bermyngham, theilweise echt, theilweise
geheuchelt, riefen sofort einen Wachmann zu
ihrem Beistände herbei. Der Stationschef und
einige neugierige Reisende drängten sich herzu.
„Sie ist nicht todt! Meine arme Agathe ist
u'cht todt!" schrie die schrille, kindische Stimme
der angeblichen Erbin. „Kann nichts sür sie ge-
schehen? Will ihr niemand Helsen?"
Der Wachtmeister stieg in das Koupce und
neigte sich über die erstarrende Gestalt und schaute
in das geisterhafte Gesicht des wirklichen Fräulein
Bermyngham.
„Ich glaube, sie ist nicht todt. Es ist nur
eine Ohnmacht!" rief er. „Bitte machen Sie
mir Platz."
Aus den Augen der Betrügerin blickte ein
furchtbares Entsetzen. Nicht todt! Sie taumelte,
und wäre umgesallen, wenn der Stationsches ihr
nicht seinen Arm gereicht hätte.
Der Wachmann hob die erstarrende Gestalt
der Lady ans und trug sie durch die neugierige
Menge in den Wartesaal. Dort legte er seine
Last auf eine Bank.
Die Betrügerin ließ sich schwach und taumelnd
Nou dem Stationschef in den Wartsaal führen.
Ein Wachmann brachte alles Handgepäck des

Fräulein Bermyngham herbei und legte es neben
Agathe. Keuchend ergriff die Dienerin die Hand-
tasche; in derselben befand sich der Schmuck und
die reichgefüllte Brieftasche ihrer Herrn.
In sehr kurzer Zeit — welche aber der Be-
trügerin in ihrer Angst und Erwartung unend-
lich lange erschien — wurde ein Doktor herbei-
gerufen. Er wurde zu der Bank geführt, auf der
die unglückliche Dame lag.
Agathe hatte versucht, mit den in ihrer Hand
befindlichen Schätzen zu entfliehen.
Wenn Fräulein Bermyngham nicht todt wäre
— wenn sie zu sich kommen und sie anklagen
würde! Kalter Schweiß trat auf die weiße Stirn
des jungen Frauenzimmers. Sie machte einen
einzigen Schritt zur Thür hin, da hörte sie den
Doktor in ganz ruhigem gleichgültigem Tone
sagen :
„Sie ist ganz und gar todt. Sie muß einem
Herzleiden erlegen sein. Wer ist sie?"
„Ein Kammermädchen," antwortete jetzt der
Stationschef. „Die Dame dort ist ihre Herrin."
Mit einer säst übermenschlichen Anstrengung
unterdrückte die falsche Erbin ihre Flucht, das
namenlose Gefühl des Grauens, das sie erfüllte,
und näherte sich dem Doktor.
Ihr Gesicht und ihr ganzes Wesen verriethen
die Spuren einer mächtigen Aufregung. Ihre
schwarzen Augen waren weit geöffneter. Sie sah
aus, wie ein erschrockenes Kind, und ihre Züge
waren voll unschuldigem Flehen, und ihre Stimme
bebte, als sie fragte:
„Ist sie todt, Doktor? Ist sie denn wirklich
todt?"

„Ja, Madame," antwortete der Arzt ernst.
„Sie muß schon seit einer Stunde todt sein."
„Und ich glaubte, sie sei nur ohnmächtig ge-
geworden. O, ich war so erschrocken! Mein
armes Mädchen, es kam so plötzlich. Einige
Minuten früher sagte sie wohl, daß sie furcht-
bare Schmerzen in der Herzgegend habe. Das
ist ein harter Schlag für mich."
„Wie hieß sie?" fragte der Arzt.
„Agathe Walden", antwortete das falsche
Fräulein Bermyngham mit bebender Stimme.
„Ich bin Früulin Bermyngham und bin auf der
Reise von Kalkutta zu meinen Verwandten rn
England. Ich habe die arme Agathe als Reise-
begleiterin ausgenommen. Ich erwarte meine
Tante, Lady Folliot, welche morgen mit mir im
Hotel Langham Zusammentreffen soll. Das ist
ein-sehr trauriges Ereigniß, das mich gleich bei
meiner Ankunft hier trifft."
„Das ist es in der That!" sagte der Arzt
teilnahmsvoll, gewaltig beeinflußt von Agathens
gesellschaftlicher Stellung und hohen Verbindung.
„Ich glaube, ich kann die Beerdigung Ihrer
Dienerin besorgen, Fräulein Bermyngham, wenn
Sie der Mühe dieser Angelegenheiten überhoben
sein wollen. Ich sehe nicht ein, warum Sie
damit etwas zu thun haben sollten!"
„O danke, danke," rief Agathe in ihrem un-
schuldigsten und einschmeichelndsten Tone. „Ich
fürchte mich vor dem Tode, Doktor, ich sehne
mich so sehr, wieder mit meiner Tante bei-
sammen zu sein. Das Mädchen war eigentlich
nichts, aber es war eine treue Dienerin — ein
gutes, ehrliches Geschöpf — und ich möchte sie

gern anständig begraben lassen — nicht wie eine
Bettlerin. Sie hat weder Verwandte, noch
Freunde."
„Ich weiß nichts weiter von ihr, als daß
sie Agathe Walden hieß. Ich nahm sie aus
schriftliche Zeugnisse hin und habe ganz vergessen,
wo sie früher diente. Es gibt Niemand, dem
man ihren Tod mittheilen müßte."
„Und das ist alles, was Sie von ihr wissen,
Fräulein Bermyngham?"
„Alles!" sagte Agathe. „Sic hat einen
kleinen Koffer im Gepäckwagen. Den könnte
man irgend einer Armen schenken. Sic war bei
mir nur als Begleiterin für die Reise, und ich
will sehr gern die Begräbnißkosten bezahlen."
Sie öffnete die Reisetasche mit zitternden
Händen und nahm die wohlgefüllte Brieftasche
ihrer todten Herrin ans derselben. Aus dem
reichen Inhalte nahm sie drei Zehnpfundnoten
und gab sie dem Arzte für seine Bemühungen
und zur Bestreitung der Leichenkosten für Fräulein
Bermyngham. Dann reichte sie dem Stations-
chef und dem Wachmanns jedem eine Guinee
und bat den Letzteren, einen Wagen für sie zu
holen.
„Es wird die gerichtliche Leichenschau vorge-
nommen werden müssen," bemerkte der Doktor,
„aber das ist eine bloße Formalität. Höchst
wahrscheinlich werden Sie nicht aufgefordert wer-
den, eine Zeugenaussage zu geben, Madame, da
der Tod unzweifelhaft die Folge eines Herzleidens
war, aber dennoch bin ich verpflichtet, Sie um
ihre Adresse zu bitten."
Agathens Gesicht drückte Unruhe aus.
 
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