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Neuer General-Anzeiger: für Heidelberg und Umgegend ; (Bürger-Zeitung) — 1893 (Juli bis Dezember)

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Nummer 241.


Donnerstag, 12. Oktober 1893.


für Heidelberg und

Expedition -. KoupMraße Mr. 26.

Expedition: Kauptstraße Mr. 22.

Jnsertionsprcisr
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holung entsprechender Rabatt.

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WM- Telephon-Anschluß Nr. 1V2.


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auf den
n e ir a 1*
General - Anzeiger
für Heidelberg und Umgegend
nebst 8sei1ig. rllnstr. Sonntagoblatt
entgegen.


* Tas deutsche Heer nach der Neu-
formation.
Die gestrige „Nordd. Allg. Ztg." bringt einen
Artikel, in welchem die Neuformationen in der
Armee nach dem Gesetz, betreffend die Friedens-
präsenzstärke des deutschen Heeres vom 3. August
d. I. noch einmal zusammengestellt werden. Das
deutsche Heer besitzt nach erfolgter Durchführung
der Militärvorlage folgende Stärken: Bei der
Infanterie sind den 173 Regimentern zu drei
Bataillonen ebensoviel Halbbataillone (zu zwei
Kompagnien) hinzugetreten, so daß diese Waffe
in Zukunft einschließlich der 19 Jäger- und
Schützenbataillone 538 Bataillone und 173 Halb-
bataillone zählt. Davon kommen 433 Regimenter
auf Preußen, 20 Regimenter auf Bayern, 12
auf Sachsen, 8 auf Württemberg. Von den 19
Jägerbataillonen gehören 14 zu Preußen, 3 zu
Sachsen, 2 zu Bayern. — Die Kavallerie ist
durch die neue Organisation nicht berührt worden.
Sie behält ihre Formation in 73 Regimenter
(Preußen), 10 Regimenter (Bayern), 6 Regimen-
ter (Sachsen), 4 Regimenter (Württemberg), ins-
gesammt 465 Eskadrons. — Bei der Artillerie
besteht die Verstärkung in 60 im Laufe der ver-
gangenen Woche neu formirten fahrenden Batte-
rien, die in Abtheilungen von 3 Batterien 16
Regimentern zugetheilt sind. Von den 60 Feld-
batterien kommen 48 auf Preußen (in 16 Ab-
theilungen ü 3 Batterien), die übrigen 12 Batte-
rien entfallen auf Bayern, Sachsen und Württem-
berg. Außerdem sind drei neue Batterien als
zweite Abthcilung der Feldartillerie-Schießschule
zu Lehrzwecken aufgestellt worden. — Die Waffe
der Fußartillerie zählt nach vollzogener Neuorga-
nisation 37 Bataillone in 14 preußischen, 2

bayerischen und einem sächsischen Regiment, sowie
einem preußischen Fuß-Artilleriebataillon Nr. 13,
welches an Stelle des früheren württembergischen
Bataillons getreten ist. — Bei der Pioniertruppe
uurden 3 Bataillone formirt, so daß es jetzt im
Ganzen 23 Bataillone gibt. Das 1., 15. und
16. Armeekorps besitzen jetzt je zwei Pionier-
bataillone. — Die Eisenbahntruppen haben in
dieser Woche ein drittes Regiment erhalten, wel-
ches in Jüterbog garnisonirt. — Beim Train
wurde eine Kompagnie errichtet, die dem 16. Ba-
taillon zugetheilt wurde. Die Trainbat,illvnc
haben jetzt alle je drei Kompagnien. — Die Neu-
einstellung der Rekruten findet (außer bei der
Kavallerie) in den Tagen vom 14.—17. Oktober
statt. Damit beginnt die Einführung der zwei-
jährigen Dienstzeit.
Deutsches Reich.
Berlin, 11. Oktober.
— Bezüglich der Thätigkeit des neuen
Reichstages in der nächsten Tagung nimmt
man in Regierungskreisen an, der Reichstag werde
bis den Wcihnachtsfericn die erste Lesung der
Etats und der Steuergesetze sowie einige andere
dringende Vorlagen ganz und gar erledigen. Zu
diesen letzteren will man u. A. den spanischen
Handelsvertrag zählen, wie weit mit Recht, bleibe
dahingestellt. Im neuen Jahre würde dieHauPt-
thätigkeit zunächst den Kommissionen anheim-
fallen. Indessen würde auch das Plenum als-
bald durch die bekanntlich zahlreichen übrigen
Entwürfe, besonders auf dem Gebiete der Justiz-
gesetzgebung ein reiches Arbeitsfeld finden.
— Die Mehrausgaben der Heeres-
organisation werden für die Zeit vom 1.
Oktober 1893 bis 1. Oktober 1894 durch Er-
höhung der Matrikularbeiträgc der Einzelstaaten
aufgebracht.
— Die Regelung der Sonntagsruhe im
Schankwirtbschaftsbetrieb ist jetzt an zuständiger
Stelle in Angriff genommen, vorläufig allerdings
erst im Stadium der Vorarbeiten. Es soll eine
umfassende Erhebung über die bisherige thatsächliche
Beschäftigung des Hilfspersonals in den Wicthschaften
über die Dauer des Betriebes überhaupt, über die
Zahl der Hilfspersonen, soweit sie der Familie des
Unternehmers nicht angehören rc., und zwar mittels
Fragebogen, die für jeden einzelnen Wirthschafts-
betrieb beantwortet werden sollen, eingeleitet werden.
Vorläufig sind die unteren Verwaltungsbehörden
angewiesen, mit thunlichster Beschleunigung die An-
zahl der in ihren Bezirken vorhandenen Wirthschaften,
in denen Hilfskräfte außer der Familie des Betriebs-
leiters beschäftigt werden, zu ermitteln und „einzu-
berichten", um danach die Zahl der zu vertheilen-
den Fragebogen zu bestimmen.

— Die in Mainz erscheinende „Deutsche
Wcinztg." hält die Bestimmungen des Weinsteuer-
Projekts für unerträglich mit den nothwendigen
Manipulationen des Wcinhandels, der Schaum-
weinfabrikation rc. und die Regierung wird nicht
umhin können, diese Art sachlicher Kritik mit
ihren Einzelheiten zu beachten. Auch der Verein
für die wirtbschaftlichen Interessen des Rheingmes
erläßt eine Erklärung, in der er darauf hinweist,
daß gerade die ohnehin schwer bedrückte Landwirth-
schaft unter den neuen Steuern empfindlich leiden
müßte. — Auf alle Fälle wird man nicht daran
zweifeln dürfen, daß die neuen Projekte noch manche
Korrektur und Einschränkung erfahren werden,
bevor sie sich in Gesetze wandeln. Damit stimmt
auch eine Meldung der „Nat.-Lib. Korr.", derzu-
folge es über wesentliche Punkte des Weinsteuer-
Entwurfs zwischen den Regierungen noch zu keiner
Verständigung gekommen.
Karlsruhe, 11. Okt. Die Stellung der ba-
dischen Regierung zum direkten Wahlverfahren
konnte nach früheren Erklärungen nicht zweifelhaft
sein. Sie kommt nun wieder in einem Aufsatz der
neuesten „Bad. Corresp." zum Ausdruck, der da-
rauf hinweist, daß in Baden das heute geltende
ganz uneingeschränkte allgemeine Wahlrecht nur
auf der Grundlage der mittelbaren Wahl denkbar
und auch in diesem Sinne eingeführt worden ist.
Heute wie im Mai 1892 bestehen unter unseren
politischen Parteien noch die gleichen Gegensätze
hinsichtlich der direkten Wahl: Zentrum, Demo-
kraten und Sozialisten wollen die Einführung be-
dingungslos, während die nationalliberale Partei zum
mindesten den Wunsch einer gleichzeitigen Ver-
fassungsrevision daranknüpft. Auch in der ersten
Kammer waren die beiden Anhänger des direkten
Wahlrechts unter sich über die nothwendigen Vor-
aussetzungen nicht einig. Ganz undenkbar wäre
die Einführung des direkten Wahlrechts, wenn man
daran auch noch die Forderung einer Schabloni-
sirung der Wahlbezirke ohne jegliche Unterscheidung
der Interessen und der Steuerkraft knüpfen wollte.
Wie sehr die Frage noch in der Schwebe ist und
wie ungleich ihre Beurtheilung, zeigt klar der Umstand,
daß dieselben Parteien, welche sich in Baden für die Ein-
fübrung des direkten Wahlrechts erklären, in anderen
Bundesstaaten den entgegengesetzten Standpunkt cin-
nchmen. Damit scheint unwiderleglich klar gestellt,
daß eine Frage von so tief einschneidender Bedeu-
tung nicht nach parteitaktischen Erwägungen, sondern
nur von großen politischen Gesichtspunkten aus
und unabhängig von Tagesströmungen geprüft und
behandelt werden kann. Es unterliegt keinem
Zweifel, daß die Frage des direkten Wahlrechts
auch im nächsten Landtag wieder zu weitläufigen
Verhandlungen Anlaß bieten wird. Wenn nun
die Regierung so bestimmt und offen ihre Stellung

zum voraus nimmt und kundgibt, so können ihr
alle Parteien dafür dankbar sein. Bei der parla-
mentarischen Lage, wie man sie dem Lande bereiten
möchte, wäre eine Regierung ohne festes Rückgrat
die wenigst begehrenswerthe.
Leipzig, 11. Okt. Die hiesigen „Neuesten
Nachrichten" erfahren zur Günser Depeschen-Epi-
sode: Oberstabsarzt Ernesti habe vor Absendung
der kaiserlichen Depesche an Professor Schweninger
das Mißfallen über das Ausbleiben der Berichte
über den Gesundheitszustand des Fürsten Bismarck
ausgedrückt und zwar in so brüskem Ton, daß
Prof. Schweninger beschlossen habe, sich zu beschweren.
Als Grund für die Unterlassung der Berichter-
stattung wird weiter angegeben: Schweninger wollte
durch allarmirende Mittheilungen bei einer höchsten
Stelle, welche bisher fast allein von allen Sou-
veraincn keine Notiz von der Krankheit Bismarcks
genommen, nicht den ersten Schritt zur Versöhnung
anregen. Schließlich wird noch, entgegen den
vielfachen Meldungen der Blätter versichert, die
Veröffentlichung des Cabinetsschreibens sei nicht
auf Veranlassung Schweningers, sondern von einer
der Regierung nabestehenden Stelle aus erfolgt.
Hildesheim, 10. Okt. Hier sprach sich eine
Versammlung von Tabakfabrikanten einstimmig
gegen jede Mehrbelastung der Tabakfabrikate aus,
da die Einführung der Fabrikatsteuer eine beträcht-
liche Verminderung des Cigarrenkonsums und den
Zusammenbruch vieler blühender Geschäfte, sowie
die Vernichtung tausender von Eristenzcn herbei-
führen werde. Bei einer Mehrbelastung des Tabaks
sei die Industrie im Hildesheimer Bezirke nicht
mehr in der Lage, billige Cigarren herzustellen, und
dann werde mindestens die Hälfte der Arbeiter
entlassen werden müssen. Die Versammlung pr^-
testirte gegen jede Aenderung der Besteuerung des
Tabaks oder der Tabakfabrikate und beschloß, ihren
Protest dem Reichskanzler und dem deutschen Reichs-
tag zu übermitteln.
Ausland.
Paris, II. Okt. Der „Figaro" will wissen,
England würde demnächst den Besuch erwidern,
welchen das französische Geschwader unter Admiral
Gervais im August 1891 auf der Rückfahrt von
Kronstadt in Portsmouth abstattete. Der Gegen-
besuch der englischen Flotte soll in Cherbourg oder
Marseille durch das englische Mittelmeergeschwader
unter Admiral Seymour erfolgen. Das Datum
ist noch unbestimmt, doch soll der Besuch spätestens
im Dezember, wahrscheinlich aber im November
stattfinden.
Brüssel, 11. Okt. Nach einer Meldung des
„Patriote" überfiel in der Ortschaft Bastiere
(Namur) eine Bande von 500 Anarchisten, mit
dem Bürgermeister an der Spitze, die dortige Pfarr-
kirche. Sie entfalteten rothe Fahnen im Gottes-

Die Jagd nach einer Erbin.
Roman von Hermine Frankenstein.
22) (Fortsetzung.)
Der Apotheker war allein und wollte eben
wieder hineingehen. Beatrix blieb stehen und
dankte auch ihm für seine Bemühungen und zog
ihre Börse hervor, nm ihn zu belohnen. Der
junge Baronet kam ihr jedoch zuvor, indem er
ein Goldstück auf den Ladentisch legte und dann
führte er sie auf die Straße hinaus. Einen
Augenblick blieb sie im Schatten stehen. Die
kleine Menschenmenge, die sich um den niederge-
streckten Oberst Brand gesammelt hatte, war
verschwunden, Beatrix Feind war nirgends zu
sehen.
Wagen rollten auf der Straße hin wieder,
und Fußgänger belebten das Trottoir. In
dem allgemeinen Gewoge war es nicht wahrschein-
lich, daß Beatrix und ihr Retter bemerkt werden
konnten, außer von einem auf der Lauer liegen-
den Feinde.
Beatrix warf einen scheuen, suchenden Blick
umher, halb erwartend, Oberst Brand aus dem
Dunkel hcrvorspringen zu sehen.
Schaudernd steckte das Mädchen eine Hand
aus und klammerte sich an seinen Befreier, wie
an einen Hort der Sicherheit.
„Wollen Sie mir wohl einen leeren Wagen
anrufen?" fragte sie in bebendem Tone.
„Ich fürchte, wir werden nicht so bald einen
leeren Cab finden," sagte der junge Gentlemann.
„Wir müssen hier vielleicht zehn Minuten oder
noch länger stehen. Erlauben Sie, daß ich Sie

in die Apotheke zurücksühre, mein Fräulein, und
dann einen Wagen suche."
„O nein, nein!" schrie Beatrix voller Angst.
„Ich will allein weiter gehen. Ich werde viel-
leicht einem Wagen begegnen. Erlauben Sie
mir, Ihnen das Geld zurückzugeben, das Sie
dem Apotheker für mich bezahlten und Ihnen
für Ihre Güte zu danken."
Sie machte eine Bewegung, als wolle sie
ihre Hand aus Sir Lionels Arni ziehen, aber
er ergriff ihre Hand und hielt sie mit sanfter
Gewalt fest.
Beatrix schaute voll Unruhe zu ihm auf,
und ihre Blicke begegneten sich. Der Lichtschein
aus dem Apothekerladen fiel auf sein Gesicht,
wie er so dastand. Seine schwarzen Augen
waren voll Güte und Theilnahme. Der Ausdruck
seines wahrhaft nobeln Gesichtes war voll ernster
Sanstmuth. Nm seinen Mund spielte ein unge-
mein liebliches Lächeln, das jedoch nichts Weib-
liches hatte. So hätte er seine Schwester an-
sehen mögen. Beatrix war beruhigt.
„Sie sind noch nicht wohl genug, sich selbst
überlassen zu bleiben," sagte Sir Lionel ehr-
erbietig. „Ich will Sie in Sicherheit nach Haus
bringen."
„Wenn Sie fürchten müssen, daß Ihre Verfol-
ger trachten werden, Sie wieder zu finden, brau-
chen Sie einen Beschützer. Und da Sie nicht
zu dem Apotheker zurückkehren wollen," fügte
er hinzu, „und da wir auch hier nicht stehen
bleiben können, um auf einen Wagen zu warten,
der vielleicht erst in einer halben Stunde vorbei-
kommt, so erlauben Sie mir, Sie zu einem

Wagenstand zu führen, der nicht weit ist. Glau-
ben Sie, daß Sie durch einige Straßen gehen
können?"
Beatrix erwiedertc bejahend, und Sir Lionel
führte sie, die kleine auf seinen Arm gelegte Hand
festhaltend, die Straße hinab. Beatrix war er-
staunt über sich selbst, daß sie diesen: hübschen
Fremden solches Vertrauen schenkte. Wie seltsam
Alles war! Vor einer halben Stunde war sie
dieselbe Straße entlang geflohen, von ihrem Feinde
verfolgt, gänzlich frcundlos und verlassen. Jetzt
ging sie am Arme eines Mannes, der sie befreit
hatte, und ihr war, als hätte sie Sir Lionel ihr
ganzes Leben lang gekannt.
Seiner Mienen sanfte Gewalt flößte ihr
Achtung für ihn ein. Seine Blicke rührten ihr
Herz ganz eigentümlich. Sie empfand ein
süßes jGefühl der Sicherheit in seinem Schutze,
das ihr «ach ihreu letzten Aengsteu ungemein be-
seligend war.
Sie gelangten in Sicherheit zu einem Wagen-
standorte, und Beatrix erholte sich mit jeder
Minute mehr und mehr.
Sir Lionel half ihr in einen Wagen steigen
und sagte dann in leisem Tone zu ihr:
„Ehe ich den: Kutscher Ihre Adresse gebe,
mein Fräulein, bitte ich Sie, mir eine Frage zu
gestatten. Weiß Ihr Angreifer vom heutigen
Abend, wo Sie wohnen?"
„Nein, nein!" sagte Beatrix. „Gott be-
wahre !"
„Ist es wahrscheinlich, daß er trachten wird,
Ihre Adresse in Erfahrung zu bringen?" fuhr
der junge Baronet ernst fort.

Beatrix bejahte sehr aufgeregt.
„Daun ist es besser, wir fahren von hier
nicht direkt nach Hause. Wir müssen diesen
Mann gänzlich von Ihrer Spur abbringen, wenn
er hier aus dem Standplatze Erkundigungen ein-
ziehen sollte, was er sehr wahrscheinlich thun
wird. Wollen Sie mir bitte sagen, wo Sie
wohnen?"
Beatrix gab ihm ihre Adresse in hörbarem
Tone an.
Der Kutscher saß auf dem Bocke und wartete
auf den Auftrag. Sir Lionel sagte in lautem,
klarem Tone zu ihm:
„Regent-Cirkus!"
Dann stieg er in den Wagen und nahm Bea-
trix gegenüber Platz.
Der Wagen fuhr rasch die Straße hinab.
Sir Lionel schwieg und Beatrix fragte sich,
was er Wohl von ihr denken möchte. Sie fühlte,
daß sie ihm nach all' den Diensten, die er ihr
geleistet hatte, eine Erklärung schuldig war, und
sagte zu ihm in stammelndem Tone:
„Sir Lionel, ich bin erfüllt von dem Gefühle
meiner Verbindlichkeit für Sie. Ich kann Ihnen
für Ihre Güte nicht genug danken. Ich bin
fremd in London —"
„Das dachte ich mir," sagte Sir Lionel
ruhig, als sie inuchiclt.
„Ich bin eine Waise," fuhr Beatrix fort,
„und gänzlich verlassen. Ich wohne in Bays-
water, aber ich habe kein eigentliches Heim auf
der weiten Erde."
Das Pathos ihre Stimme durchdrang Sir
Lionels ritterliches Herz.
 
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