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Neuer General-Anzeiger: für Heidelberg und Umgegend ; (Bürger-Zeitung) — 1893 (Juli bis Dezember)

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—Nummer 251.


Dienstag, 24. Oktober 1893.

General-GAnzeiger

»

für Heidelberg und Umgegend


._ Expedition: Kclnptstrnhe Mr. 25. Expedition: Kauptstrnße Mr. 25.
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Telephon-Anschluß Nr. 102.

Nm U
lurLieMonateMovembery. Dezember
kostet der
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General-Anzeiger
für Heidelberg und Umgegend
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in abgeholt.
Briefträger ins Haus gebracht 15 Pfg. mehr.)
In Heidelberg und den nächsten Orten der
^'Zegend kostet der „General-Anzeiger fürHeidel-
*rg und Umgegend"
monatliü) nur LS
frei in s Haus.
„Erstellungen werden von unfern Trägern und
.^gerinnen sowie von allen Po st an st alten
svrtwäbrend angenommen.
« Neu eintrctende Abonnenten er-
sten das Blatt bis Ende dieses Monats gratis.

Deutsches Reich.
Berlin, 23. Oktober.
. — DerGeburtstag der Kaiserin wurde
!eute -ch. Neuen Palais festlich begangen. Die
M^r fand zunächst im engsten Kreise der Kaiser-
iarnilie. statt. Um 12^ Uhr fand eine größere
Nuhstückstafel statt, an der mit dem Hofstaat die
Hinzen Heinrich und Albrecht von Preußen, der
Ernst Günther von Schleswig-Holstein und
Prinzessin Amalie mit ihrem Gefolge thcil-
Nach Aufhebung der Tafel verabschiedete
der Kaiser und reiste, begleitet vom Regenten
Braunschweig und dem Prinzen Heinrich von
^?"hen, zur Theilnahmc an den Jubiläumsfest-
Mitcn von der Station Wildpark aus mittels
b Überzugs nach Dresden ab. Um 8 Uhr findet
kl der Kaiserin im Neuen Palais eine Abcnd-
^lellschaft statt, zu der etwa 50 Einladungen er-
sind.
di In den bestunterrichteten Kreisen wird
d/--7NeIdung verschiedener Blätter, der Minister-
chrdcnt Gras Eulenburg denke sein Amt
^?derzulegen, als vollkommen unbegründet abge-
. kstn.. Gras Eulenburg denke gar nicht an
«d en solchen Schritt, es liege auch nicht das
^eiigsta vor, weshalb er ihn thun solle. Von

irgend welchen Mißhelligkeiten mit dem Reichs-
kanzler Grafen Caprivi sei in keiner Weise
die Rede; weder jetzt noch früher fei irgend etwas
vvrgekommen, was zu solchen Behauptungen habe
Anlaß geben können.
— In der heute beginnenden Konferenz
derFinanzminister wird außer den Ministern
der an dem Weinbau interessirten Staaten auch
der sächsische Finauzminister theilnebmen. Unter-
richtete Personen glauben, der Zweck der Konferenz
werde in einer bis zwei Sitzungen erreicht werden.
— Der Besuch des württcmbergischen Minister-
präsidenten Frhrn. v. Mittnacht beim Fürsten
Bismarck in Kissingen erregte vor einiger Zeit
allgemeines Aufsehen und gab zu den verschieden-
sten Versionen über den Grund dieser Reise Ver-
anlassung. Jetzt kommt die „Württemb. Volksztg."
auf dieses Ereigniß zurück mit folgenden, jedenfalls
mit Vorsicht aufzunehmenden Betrachtungen: „Unter
den vielen Vdrmuthungen, welche über den Grund
des Besuches aufgestellt worden sind, welchen der
württembergische Ministerpräsident beim alten Reichs-
kanzler in Kissingen machte, war auch die, daß
derselbe die Aufgabe gehabt habe, die Versöhnung
zwischen diesem und dem Kaiser zu vermitteln.
Wer dieser Vermuthung Glauben schenken mochte,
ist gründlich enttäuscht worden durch die wenig
gnädige Art, wie der Kaiser bei seinem letzten hie-
sigen Aufenthalt den Frhrn. v. Mittnacht behan-
delte; selbst der Verwendung hoher Personen soll
cs nicht gelungen sein, den Kaiser zu einem freund-
lichen Wort gegen den Minister zu vermögen. So
tief schien er verstimmt über die offen zur Schau
getragenen Beziehungen^ocs Letzteren zu Bismarck.
Da wir annehmen dürfen, daß die beiden Staats-
männer nicht bloS Höflichkeitsworte ausgetauscht
haben, so liegt am nächsten, daß die Frage des
Verhältnisses der Reichsfinanzen zu denen der Ein-
zelländer zur Sprache kam, und es würde gewiß
in Württemberg Befriedigung erregen, wenn in
einer Angelegenheit, die durch den für unsere Ver-
hältnisse unmöglichen Plan der Weinsteuer Beun-
ruhigung bervorruft, der Rath des bewährten Meisters
Bismarck eingeholt worden wäre."
— Wie einst Fürst Bismarck dem ihn um
Ratb fragenden Prinzen Alerander von Battenberg
wenigstens angenehme Erinnerungen von der An-
nahme der Bulgarenkrone in sichere Aussicht stellen
konnte, so darf man auch den russischen Vertretern
auf der gegenwärtigen Zollkonferenz von
ihrem Berliner Aufenthalt mindestens sehr freund-
liche Erinnerungen versprechen. Sie werden hier
in den deutschen amtlichen Kreisen, mit denen sie
in Berührung kommen, außerordentlich gut ausge-
nommen und unsere offizielle Welt ist eifrig be-
müht, den russischen Gästen den hiesigen Aufent-
halt so angenehm wie möglich zu gestalten. Der

Ton, der auf beiden Seiten herrscht, ist der denk-
bar wärmste. Aber in diesem Falle scheint cS
einmal ausnahmsweise nicht der Ton zu sein, der
die Musik macht. Die russischen Vertreter insbe-
sondere haben bisher in der Sache selbst eine über-
große Zurückhaltung gezeigt und sich durchweg nicht
von der Linie entfernt, die ihre Regierung bereits
im Frühjahr sich vorgezeichnet hatte und die da-
mals zum Zollkriege geführt hatte.
— In der „Nordd. Allg. Ztg." bemüht sich
ein Sachverständiger aus Süddeutschland, vermuth-
lich irgend ein Finanzrath, darzuthun, daß von
der Einführung der Tabakfabrikat st euer
ein „günstiger Einfluß auf das ganze Geschäft
mit Tabakfabrikaten erwartet werde." — WaS
will die Tabakindustrie noch mehr? Eigentlich
müßten nach dieser Logik auch andere Geschäfts-
zweige bei Herrn Miquel petitioniren, ihnen durch
Mehrbelastung an Steuern zu einem Aufschwung
zu verhelfen. Der Fabrikant, so heißt es in dem
offiziösen Artikel, werde künftig nicht mehr über
den Bedarf hinaus fabriziren können, weil die in
Baar seitens des Händlers zu entrichtende Fabrikat-
steuer es nicht mehr ermöglichen werde, Ueberschuß,
selbst bei Verkauf unter den vollen Entstehungs-
kosten, abzusetzen. Wenn nur der Offiziöse anzu-
geben wüßte, wie es möglich sein soll, den künftigen
Bedarf und den künftigen Absatz schon bei der
Fabrikation mathematisch vorauszusehen.
Donaueschingen, 22. Okt. Wie es heißt, soll
in hiesigem Neichstagswahlkreise für den verstorbenen
Frhrn. v. Hornstein der Fürst v. Fürstenberg als
Kandidat zur Nachwahl aufgestellt werden.
Stuttgart, 23. Okt. König Wilhelm
ernannte den König Albert von Sachsen zum
Ches des Infanterie-Regiments Altwürttemberg
Nr. 121. Aus diesem Anlaß reisten der Oberst
des Regiments, sowie ein Hauptmann und Premier-
lieutenant zur Beglückwü..schung und Vorstellung
nach Dresden.
Dresden, 23. Okt. Auf die Ansprache des
Kaisers im Marmorsaale sprach der König seinen
tiefgefühltesten Dank aus, daß er den Kaiser an
der Spitze aller Führer des deutschen Heeres vor
sich sehe. Der Stab, den der Kaiser ihm ver-
liehen, solle in seinen Händen fest nnd sicher sein,
und sollte, was Gott verhüten möge, er nochmals
das Schwert für deutsches Recht und Sicherheit
zu ziehen veranlaßt sein, so werde er mit diesem
Stabe in der Hand seine Pflicht erfüllen wie in
früheren Zeiten. — Bei der Galatasel brachte der
Kaiser einen Trinkspruch aus, worin er Namens
der gesammten Armee für die vorher ausge-
sprochenen huldvollen Worte des Königs dankte,
sowie seinen persönlichen Dank abstattete für die
Annahme der Chefstelle im 2. Garde-Ulanen-
Regiment. Der Trinkspruch schloß mit dem

Wunsch für das Wohlergehen des Königs. Der
König sprach seinerseits den Dank für die früheren
und jetzigen Worte aus und trank auf das Wohl
der deutschen Armee und des Kaisers.
Köln, 22. Okt. Der vierte Partei t a g der
deutschen Sozialdemokratie wurde heute
im entsprechend deksrirtcn Saale zum „Karl dem
Großen" vor einer ungemein zahlreichen Zuhörer-
menge durch Bebel eröffnet. Der Antrag, die
Besprechung der Stellung zum Antisemitismus von
der Tagesordnung abzusetzen, wird mit großer Ma-
jorität abgelehnt. Die Aufnahme der Frage, betr.
die Stellung zur Gewerkschaftsbewegung in die
Tagesordnung wurde angenommen, ebenso der
Antrag Bebels, die Stellung zu den Landtags-
wahlen der Tagesordnung einzuverleiben.
Ausland.
Wien, 23. Okt. Dem Abgeordneten-
bause ist eine Regierungsvorlage, betreffend die
Unterstützung der Handelsmarine, zugegangen.
Darnach sollen den Dampfern und Segelschiffen
für weitere Fahrten und große Küstenfahrten ge-
wisse Betriebszuschüsse und Reisezuschüsse, sowie
eine fünfjährige Befreiung von Erwerbs- und Ein-
kommensteuer gewahrt werden; ausgenommen sind
solche Unternehmungen, die bereits eine staatliche
Unterstützung erhalten. Reeder, denen jene Ver-
günstigungen zu Theil werden, müssen im Fall
eines Krieges der Regierung ihre Schiffe zur Ver-
fügung stellen.
Paris, 22. Okt. Der Kriegsminister LSi-
zilien erinnerte in seiner Grabrede auf Mac
Mahon besonders an die Erstürmung des Mala-
koffs durch Mac Mahon, an die „Krönung jenes
gigantischen Kampfes, aus dem Sieger und Besiegte
die gegenseitige Achtung als Vorspiel einer festen,
dauerhaften Freundschaft davvntrugen." Der Kriegs-
minister hob ferner die Waffenthat des Verstorbenen
bei Magenta hervor, wo er, trotz des Muthes und
Ringens einer tapferen Armee, durch seine Kühn-
heit einen gefährdeten Tag in einen Tag des Tri-
umphes verwandelte. Schließlich gedachte der
Minister der Ereignisse von 1870, denen genüber
selbst die äußersten Anstrengungen des Verewigten
das Unglück des Vaterlandes nicht hätte beschwören
können; aus dieser Prüfung aber sei der ver-
storbene Marschall noch größer hervorgegangen, da
ihn das Vertrauen der Volksvertreter bald zur
ersten Würde der Republik berufen hätte.
Paris, 23. Okt. Bei dem Frühstück im
Kriegsministerium trank Admiral Avelane, den
Trinkspruch des Kriegsministers Loizillon erwidernd,
auf die französische Armee und ihre tapferen
Führer, diese Armee, in der Tapferkeit und selbst
Heroismus traditionelle Tugenden seien. Baron
Mohrenheim sagte, er sei glücklich über diesen Toast
auf die französische Armee, möchte ihn indessen vcr-

Die Jagd nach einer Erbin,
vy Roman von Hermine Frankenstein.
(Fortsetzung.)
"Lion, was ist das für ein Unsinn?"
H thut mir leid, Tante Folliot, Dich mit
Wi Träumen bezüglich meiner Verbindung
.deiner Nichte enttäuschen zu müssen," sagte
Mann sanft, „aber es sind eben nur
^aunix, ßjx sich Msi erfüllen können. Nereas
J^flchgsart ist von der meinigen grundverschieden,
nicht jene Liebe für sie, welche ich für
soll fühlen muß, das meine Gattin werden
ürid ^erea und ich betrachten einander wie Bruder
Schwester —"
^fly Folliot unterbrach ihn ungeduldig,
vg ''?-wn," ries sie aus, „Du weißt, wie viel
Im O'sikr Heirath mit Nerea abhängt. Deine
Nich^Essen stehen alle auf dem Spiele. Entscheide
den o?b°Mlt gegen diese Heirath, die ich mir in
^pps gesetzt habe."
schön » Baronin sprach ernst, ja bittend. Ihr
Gesicht hatte einen angstvollen Ausdruck
Hch?°Nnien, und sie legte unbewußt flehend die
^uf Lionels Schulter.
ivarst flute Tante," sagte er zärtlich, „Du
Wick °ine zweite Mutter und es schmerzt
wüss Zeinen Wünschen zuwider handeln zu
Pnnc?'. ^er die Heirath ist ein zu wichtiger
" fm Leben eines Menschen und ich muß
Dir Eine Frau allem wählen. Nicht einmal
Co . Liebe, Tante Folliot, kann ich eine bloße
^nienz-Ehe schließen. Du hast mir gesagt,

daß derjenige Theil von uns Beiden — Nerea
oder ich — welcher sich weigert, diese von Dir
vorgeschlagene Ehe zu schließen, allen Ansprüchen
aus Deinen Besitz entsagen muß. Bei aller Hoch-
achtung für Fräulein Bermyngham weise ich diese
Verbindung zurück. Gieb ihr Deine Besitzung,
Tante Folliot, aber entziehe mir nicht Deine
Liebe, welche mir eins der kostbarsten Güter des
Lebens ist."
Er ergriff die volle, weiße Hand der Baronin
und drückte sie zärtlich an die Lippen.
Lady Folliot hatte ihm eine ärgerliche Ant-
wort geben wollen, aber ihr Herz besänftigte sich
unter Sir Lionels zärtlichen Liebkosung. Ihre
Züge wurden weich, und sic rief mit zitterndem
Tone:
„Mein lieber Junge, warum willst Du Dir
selbst so im Wege stehen? Sei nicht so eigen-
sinnig und starrköpfig! Du hast ganz besondere
Ansprüche an meine Nichte."
„Miles Bermyngham, Nerea's Vater, war der
Kousin Deiner Mutter und hat sie leidenschaft-
lich geliebt, ehe er meine Schwester heirathete.
Sein letzter Wille bestimmte, daß all' seinReich-
thum auf seine Tochter übergehen sollte; wenn
diese aber unverheirathet und ohne Testament
stürbe, solltest Du, der Sohn der Kousine und
ersten Liebe, Erbe sein. Ich glaube Nerea fühlt
sich verpflichtet, dadurch Dir jede pekuniäre Sorge
abzunehmen.
Es rührte sich plötzlich eine Thür am anderen
Ende der Bibliothek, welche nur angelehnt war.
Lady Folliot und Sir Lionel waren zu sehr in
ihr Gespräch vertieft, um dieses Geräusch zu be-

achten. Keins von Ihnen ahnte, daß sie belauscht
wurden, und dennoch war es der Fall.
Das falsche Fräulein Bermyngham war hinter
dem Baronet die Stiege hinabgekommen und wollte
durch eine andere Thür in die Bibliothek ein-
treten, als sic drinnen Stimmen hörte.
Ungemein katzenhafter, verrätherischer Natur,
— eine geborene Spionin, stets neugierig, die
Geheimnisse und Meinungen Anderer zu erfahren,
hoffend, daß sie dabei etwas hören könnte, was
sie selbst betreffe — blieb sie, ihrer Gewohnheit
treu, stehen um zu lauschen und hatte jedes
Wort gehört, das zwischen den Beiden gesprochen
worden war.
Die Anspieglung das Testament des ver-
storbenen Miles Bermyngham hatte sie erschreckt,
obwohl sie von dem Inhalte desselben bereits
erfahren hatte.
Die Betrügerin hatte wirklich Angst bekommen,
daß ihre Pläne vereitelt werden könnten. Sie
lauschte aufmerksam, und ihre Gedanken waren
nicht von der angenehmsten Art.
2 1. Kapitel.
Zwei Zeitungsannoncen.
„Ich möchte wissen, was Sir Lionel und
Lady Folliot sagen würden," dachte sie, „wenn
sie wüßten, daß die wirkliche Nerea Bermyngham
todt nnd in aller Stille begraben ist, und das
Sir Lionel in diesem Augenblick der rechtmäßige
Eigenthümer des Reichthums ist, den ich mir ange-
eignet habe. Aber sie werden es nicht erfahren.
Ich werde mein Geheimniß bis über das Grab
hinaus bewahren. Ich bin sicher, vollständig

sicher. Ich werde Sir Lionel trotz seiner Ein-
wendungen heirathen, und ich werde Herrin in
Folliot Court sein. Aber er spricht jetzt. Was
sagt er denn?"
„Tante," begann der junge Baronet jetzt
wieder, „ich werde nie aus Gründen der Klug-
heit oder Dankbarkeit heirathen.
Ich achte Nerea, sie gefüllt mir. Aber ich
habe keine Ansprüche an sie oder ihren Reich-
thum. Ich werde nur aus Liebe heirathen und
ich liebe Nerea nicht so, wie ich die Frau lieben
sollte, welche mir in der Welt das Theuerste sein
müßte."
„Aber Du liebst Beatrix Rohan!" rief Lady
Folliot ungeduldig aus. „Ich habe das gefürchtet,
Lion. Du leugnest es nicht? Ach das war ein
unglücklicher Tag für uns Alle, als Du sic in
London fandest. Lionel, hast Du ihr bereits ge-
sagt, daß Du sie liebst? Hast Du sie schon ge-
beten, Deine Gattin zu werden?"
„Noch nicht," erwiderte der Baronet. „Du
hast mein Geheimniß errathcn, Tante Folliot.
Ich liebe Beatrix von ganzem Herzen, aus ganzer
Seele. Ich habe sie geliebt von der ersten Stunde
an, als wir uns sanden. Sie steht unter Deinem
Schutze, ist eine Inwohnerin Deines Hauses, und
ich beabsichtige, um ihret-und meinetwillen, Dich
erst zu bitten, daß Du meine Bewerbung billigen
möchtest. Ich wollte mich heute ihr erklären.
Willigst Du darein?"
„Glaubst Du, daß sie Dich liebt?"
„Ich weiß es natürlich nicht. Ich habe zwar
meine Befürchtungen, wenn ich ihre Vorzüge mit
meinen Verdiensten vergleiche, aber ich habe auch
 
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