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Neuer General-Anzeiger: für Heidelberg und Umgegend ; (Bürger-Zeitung) — 1893 (Juli bis Dezember)

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https://doi.org/10.11588/diglit.44142#0029

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Die,^Bürger,eitung"
erscheint täglich mit Ausnahme von
Sonn- und Feiertagen.
Der Sonntagsnummer liegt ein Unter-
haltungsblatt, „Der Erzähler", mit dem
Humor. Repräsentanten „Der deutsche
Michel" bei

Verkündigr»rW?ME ««d Anzeiger

Aborrnemeutspreis
für Heidelberg: monatl- 4V Pfg. mit
Trägerlohn, durch die Post bezogen
Vierteljahr!. Ml. I. obuc Zustcllgeb.
Jnsertionspreis: lO Ps. für die 1-spalt.
Petitzeile od. deren Raum. Für locale
Geschäfts- u. Privarauzeigen 5 Pf.

Heidelberg, Samstag, 8. Juli

1893.

158.

Expedition:
Hauptstraße 25.

Expedition:
Hauptstraße 25.

Der Abonnementspreis
für die
„Würger - Zeitung"
beträgt für Heidelberg und nächste Umgebung
monatlich nur 40 Pfg.
mit Trägerlohn.
Für auswärts vierteljährlich am Postschalter
abgeholt: 1 Mark, durch den Briefträger frei iv's
Haus gebracht: 1 Mk. 40 Pfg.
Bestellungen der „Bürger-Zeitung" werden für
auswärts durch die Post, innerhalb der Stadt und nächster
Umgebung durch unsere Träger entgegengenommen.
Verlag der „Bürger-Zeitung".
Deutsches Reich.
Berlin, 6. Juli.
— Es verlautet, die zweite Lesung der Mili-
tärvorlage werde erst Ende der nächsten Woche er-
wartet. Vorerst sollen die Anträge aus dem Hause zur
Berathung gelangen, insbesondere bestebt das Centrum
auf der Berathung des Jesuiten Antrages am kommenden
Mittwoch. Es verlautet ferner, die Fraktionen beab-
sichtigten bei der ersten Berathung der Militärvorlagc
nur einem Redner von jeder Partei das Wort zu geben.
— Zuverlässig wird versichert, die Polen würden für die
Militärvorlage stimmen. — Ein von den Nationalliberalen
eingebrachter Antrag verlangt die möglichste Beschränkung
der Mannöver in den von Futternoth heimgesuchten
Gegenden. — Ein Antrag, betr. die Reform der Mili-
tärgerichtsbarkeit, ist in Aussicht genommen.
— Der Aufruf zur Bildung eines Wahlvereins
der Freisinnigen Bereinigung ist nunmehr er-
schienen und heben wir folgende Stellen daraus hervor: Der
Wablverein soll sich über ganz Deutschland erstrecken.
Ein difinitives Programm zu beschließen wird Sache
einer demnächst zu berufenden Generalversammlung sein.
An den liberalen Grundsätzen, auf welchen das freisinnige
Programm von 1884 beruht, halten wir fest, aber inner-
halb des Rahmens der Grundsätze muß dem Einzelnen
freie Bewegung gestattet sein. Cstvße Parteien können
nicht durch Zwang in Fragen, die das Programm nicht
berühren, zusammengehalten werden. Das Fraktionswesen
der Parlamente darf nicht mechanisch auf politische Wäh-
lerschaften übertragen werden. Die Wähler sollen nicht
lediglich die Parole von der Zentralleitung empfangen und
befolgen, sondern eine selbstständige politische Thätigkeit
entwickeln; ihnen gebührt die Mitbestimmung der poli-

tischen Gesammtrichtung und eine fortlaufende Einwirkung
auf alle wichtigen Angelegenheiten der Partei. Bis zur
konstituirenden Generalversammlung fungiren als geschäfts-
führender Ausschuß die Herren: Th. Bart h, F. G o l d-
schmidt, H. Hinze, P.Jonas, K. Mommsen,
H. Rickert, K. Schrader. — Der Mitgliedsbei-
trag ist einstweilen auf mindestens 2 (zwei) Mark für
das Jahr festgesetzt. Gegen Einsendung des Jahresbei-
trages an unseren Schatzmeister Herrn Abg. Fr. Gold-
schmidt in Berlin NO., Landsberger Allee 27, wird
jedem Mitgliede des Wahlvereins eine Mitgliedskarte
zugestellt. Die Aufgaben, welche dem Liberalismus in
Deutschland obliegen, sind schwere unv verantwortungvolle.
Es gilt, die freiheitlichen Institutionen zu erhalten, der
rücksichtslosen Jnteressenwirthschaft, dem Streben nach
Privilegien und Sondervortheilen auf Kosten der Ge-
sammtheit die Sorge für die Schwächeren entgegenzusetzen ;
das bestehende Reichswahlrecht, die Gleichberechtigung der
religiösen Bekenntnisse zu vertheidigen, die Unabhängigkeit
und freie Entwickelung der Schule zu sichern; an der
Förderung der wichtigen wirthschaftlichen und socialen
Fragen, welche die heutige Entwickelung in den Vorder-
grund stellt, mit voller Kraft sich zu bethätigen und damit
allen Staatsbürgern wieder Vertrauen zu den Grundlagen
unserer staatlichen und gesellschaftlichen Einrichtungen cin-
zuflößen. Die gesunde Entwickelung unserer inneren Ver-
hältnisse hängt davon ab, ob es dem Liberalismus ge-
lingt, Einfluß auf die Gesetzgebung und Verwaltung des
Reiches und der Einzelstaaten zu gewinnen. Der Auf-
ruf zählt 48 Unlerschriften, zumeist Neichstagscandidatcn
und Abgeordnete der freisinnigen Vereinigung.
" u— Die deutsche Bdlkspartei- hat sich im
Reichstage eonstituirt. Gewählt wurden : Payer zum Vor-
sitzenden, Speiser zu dessen Stellvertreter, Galler und
Haußmann zu Schriftführern.
— Das Centrnm beschloß die sofortige Einbrin-
gung eines Antrages auf Aufhebung des Jefuiten-
Gesetze s.
— In Bayern gingen am Mittwoch unter erheblich
geringerem Interesse wie die Reichstagswahlen die Ur-
wahlen zum Landtag vor sich. Bis jetzt liegen erst
vereinzelte Resultate vor, so wurden gewählt, im Wahl-
kreis Neustadt 221 liberale und 37 ultramontane, ini
Wahlkreis Kandel 136 liberale und 47 ultramontane
Wahlmänner.
— Die Veröffentlichung der Generalkranken-
rapporte soll im „Militärwochenbl." künftig nicht mehr
stattfinden. Darnach wird man auch allmonatlich nicht
mehr erfahren, wie viel Soldaten durch Selbstmord oder
durch Hitzschläge umkommcn.

Ausland.
Die Straßendemonstrationen in Prag haben sich
anläßlich des Hußtages in verstärktem Maße wieder-
holt. Halbwüchsige Burschen zogen gestern johlend und
czechische Lieder singend massenhaft zum deutschen Landes-
theater und zertrümmerten die Scheiben brennender La-
ternen : Steinwürfe erfolgten auch gegen die Fenster.
Als die Menge anwuchs, wurde sie endlich von der
Polizei gesprengt. Ein Handelsakademiker wurde ver-
haftet.
Der Pariser „Temps" bespricht die Thronrede
des Kaisers und erklärt, er überlasse es den besondsrn
Fachkennern, zu prüfen, od cs sich nm Herstellung des
Gleichgewichts der Streitkräfte Deutschlands und anderer
Mächte handle. Vom politischen Standpunkte aus müsse
der geflissentlich beruhigende Character der Thronrede be-
tont werden, sowie, daß als das Ziel der Vermehrung
des Effectivstandes die Erhaltung des glorreichen Erbes
der Väter, in anderen Worten des Statuts quo, be-
zeichnet werde.
Die Unruhen in Paris sind, bis auf einzelne kleine
Zusammenstöße, beendet. Bei einen Zusammenstoß Mitt-
woch Abend wurden sieben Personen durch Säbelhiebe
verwundet. Viele Blätter enthalten heftige Angriffe gegen
das Ministerium, dem sie Mangel an kaltblütiger Um-
sicht vorwerfen. Allgemein ist der Wunsch nach der
Demission Lozs's. Besonders entrüstet wird gegen den
Einbruch der Polizei in das Hospital Hotel Dien pro-
testirt. Die Radikalen stellen die Reaktionären als die
Anstifter der Unruhen hin. Es sei Geld unter die
Meuterer vertheilt worden. Wohlgekleidete Männer hätten
zu dem Brand der Kioske aufgehetzt. Uni 11 Uhr gestern
Abend erfolgte noch ein blutiger Zusammenstoß in der
Rue des Ecoles. Die Polizeisoldaten schossen; ein Mann,
wurde durch einen Säbelhieb gctödtet. Ein Pferdebahn-
wagen verbrannte vollständig; man glaubt, er war mit
Petroleum begossen. Seit Mitternacht herrschte Ruhe.
Im Laufe des Abends wurden angeblich 200 Verhaftungen
vorgenommen. Die Negierung zog, obwohl die Ruhe
endgiltig hergestellt zu sein scheint, drei Regimenter In-
fanterie heran. — Der „Autoritä" zufolge wäre aus
dem Seinefluß der Leichnam des in der Dienstagnacht
von den Unruhestiftern am Pont au Change hinabge-
worfcncn Polizisten aufgcfunden worden. In Clermont-
Ferrand fand gestern Abend die Beerdigung NugcrS statt.
Das Pariser Gemeinderathsmitglied Blondel hielt eine
Rede, worin er die Polizei heftig angriff. Präsident
Carnot ist in die Sommerfrische nach Marly zurückgekehrt.
Abends war Paris ruhig.
Von der Hochzeitsfeier des künftigen englischen

Des Vaters letzter Wille.
5) Ron Frlt; Brentano.
«Fortsetzung.)
Herr von Lobell ist ein wunderbarer Vermittler",
meinte der Graf.
„Ab so, nun verstehe ich", sprach der Lieutenant.
„Ich muß gestehen, das hätte ich nicht geglaubt. Natürlich
fährt er bei dieser Art von Geschäften nicht übel. Ein
schlechter Esel, der an voller Krippe hungert!"
„Ich glaube kaum, daß er sich allzusehr bereichert; er
ist darin schlau und die Gunst der alten Herzogin steht
ihm zu hoch - als daß er sich irgend einer Gefahr
aussetzte!"
„Und weiß der Herwg um diese Geschäfte?"
„Das weiß ich nicht — nur soviel weiß ich, daß
auch alle seine Geldangelegenheiten durch Lobells Hand
gehen."
Der Ofsicier griff nach seiner Mütze nnd verabschiedete
sich mit einem herzlichen Händedruck.
Der Graf klingelte und gleich darauf erschien ein
Mann in der Thür, dessen eigenthümlich aufallen»e Ge-
stalt sofort Jedem in das Auge sprang. An Länge über-
ragte er fast alle Menschenkinder seiner Umgebung, was
Umsoinebr auffiel, als er von einer erschreckenden Mager-
est war. Sein Gesicht zierte eine mächtige Habichtsnase,
sein Bart und kurzgeschorenes Haar waren blond, wahrend
die Augen kinter einer mattblauen Brille verschwanden.
„Nun Walter, haben Sie das Geld an den alten

Josua Kniffling gebracht und dabei sich und hauptsächlich
auch mich nicht verrathen?"
„Sie können mit mir zufrieden sein, Herr Graf!"
antwortete der Agent. „Ich denke, meine Sache gut ge-
macht zu haben und bin diesmal ein Bischen stolz da-
rauf, denn dieser Herr Josua Kniffling ist ein mit allen
Hunden gehetzter Schuft. Ich ließ ihn merken, daß sich
eine hohe Dame für die Schlichts interessirc — bezahlte
die Schuld und ließ,mir Quittung darüber geben, die ich,
Ihrem Befehl gemäß, den Leuten durch die Post sandte.
Als ich aus der Armeleut-Caserne trat, fab ich, wie der
alte Halunke mir durch eine andere Thür uachschlich. Ich
ließ ihn ruhig hinter mir hergehen, führte ihn eine Weile
spazieren, aber endlich, als ich den Spaß satt hatte, so
in die Irre, daß er vor dem herzoglichen Schloß fest saß.
„Das haben Sie in der That vortrefflich gemacht,
Walter", sprach der Graf. „Und was sagte Kniffling über
die Schlichts?"
„Na im Allgemeinen nur Gutes. Ich kam auch so
nach und nach auf andere Miethcr zu sprechen — endlich
auf den Schreiner Andreas Grimmert. Sapperment, da
hätten Sie sehen müssen, Herr Graf, wie es in den
Augen des alten Fuchses aufleüchtete. Er schaute mich
betroffen an, aber ich kam von hinten herum, wie man
zu sagen pflegt, und da merkte ich aus seinen Gesprächen
daß er Andreas haßt -— wie man eben nur einen Neben-
buhler haßt, oder Einen, der mehr weiß, als einem
lieb ist."
„Walter, Walter, Sie sind ein gefährlicher Mensch.
Sie hören das Gras wachsen. Woraus schließen Sic
denn, daß Kniffling den Grimmert haßt?"

Das läßt sich nicht dcsiniren", antwortete Walter,
„das liegt bei mir noch in der Lust, aber ich mache es
greifbar, verlassen Sie sich darauf, Herr Graf — das
heißt, wenn Ihnen daran gelegen ist, es zu wissen."
„Eigentlich, offen gestanden, ja!" erwiederte der Graf,
entnahm einer neben ihm stehenden Schatulle zwei Gold-
stücke und reichte sie dem Agenten, welcher sich dankend
verbeugte und geräuschlos, wie er gekommen war, das
Zimmer verließ.
„Der Mensch ist geschickt und zu Allem zu gebrauchen",
sprach Graf Max hinter ihm her, „und doch bediene ich
mich seiner stets nur mit Widerstreben. Ich traue Keinem,
der sich für Geld zu derlei Diensten hergibt."
Er klingelte und befahl dem eintretendcn Kammer-
diener, ibm beim Ankleiden behülflick zu sein.
Die Gräfin Julie von Brandt ging mit aufgeregten
Schritten in ihrem prachtvoll eingerichteten Boudoir auf
und ab.
Sie mochte etwa 23 Jahre alt sein und konnte sich
in der That eine wirkliche Schönheit nennen. Das volle
Haar war tiefschwarz. Die Züge des Antlitzes waren
regelmäßig, ein ausgeschnittenes Kleid von hellbraunem
Sammet umhüllte die herrliche Gestalt.
„Er kommt noch immer nicht" , sprach sic in halb-
leisem Selbstgespräche, „o, ich wollte, ich könnte ihn
herbeizaubern."
Die Worte waren kaum ihren Lippen entflohen, als
die Thür des Boudoirs sich öffnete. Die Kammerzofe der
Gräfin trat in das Gemach.
„Ist er da?" fragte die Gräfin Julie hastig, worauf
 
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