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Neuer General-Anzeiger: für Heidelberg und Umgegend ; (Bürger-Zeitung) — 1893 (Juli bis Dezember)

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https://doi.org/10.11588/diglit.44142#0069

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--K
Kzepeditiorr: Keruptstratze Mr. 25.

168

Heidelberg, Mittwoch, den IS. Juli

1893.

Druck und Verlag:
Heckmann, Dörr L Wurm.

Verantwortlicher Redacteur:
Herrn. Streich.

Ter französisch-siamesische Konflikt.
Die zwischen der siamesischen und der fran-
Wschen Regierung ausgebrochcnen Konflikt erregt
^gemeines Aufsehen, da der Streit rin wesentliche
^^schlimmerung erfahren hat durch eine Erneu-
^g und Ausdehnung der Feindseligkeiten in
^>ain. Die Siamesen nahmen, wie der „General-
gestern berichtet, den französischen Dampfer
''Hean Baptiste Say" fort, plünderten und ver-
^hkteu denselben. Die Schiffmannschaft wurde
?'ohandelt und sodann in Bangkok aus Land ge-
kachf. Die französische Marine-Infanterie nahm
Forts Donthane und Taphum am oberen Me-
Sie verlor dabei sechs Mann an Tobten
Verwundeten. Die Verluste der Siamesen
^ren beträchtlicher.
.. Es fragt sich nun, ob nach diesen Vorgängen
Franzosen so viel Ueberlegung haben werden,
diplomatische Aktion ihrer Regierung nicht zu
^ren. Dieselbe würde jedenfalls erfolgreich sein,
stst die siamesische Negierung bereits eingewilligt hat,
Grundlage der Einstellung der beiderseitigen
"^dseligkeiten jhxe Truppen zurückzuziehen.
- Nachträglich macht man lächerlicher Weise auf
2?"zbsischer Seite noch den künstlichen Versuch, das
m.Hehrvorgehen der Siamesen als einen Bruch des
Hststerrechts darzustelleu. Nach dem berühmten
s^piele in der Fabel vom „Wolf und Lamm"
der Admiral Humann behauptet, die Siamesen
^ten auf die französischen Schiffe ohne Ankündi-
und ohne vorherige Aufforderung, sich zurück-
? Hetzen, gefeuert. Die französische Regierung hat
Vertreter Frankreichs in Bankok angewiesen,
^Hrhalb gegen das Vorgehen der Siamesen zu
^°tstiren. Nun erklärt aber die Pariser siamesische
r ^"ndtschaft, die Forts hätten dreimal blind und
fr nicfi absichtlich ins Wasser geschossen, um die
n-^svsischru Schiffe zu warnen. Die größere
. aubtzkrdjglrit ist in diesem Falle, wenn man das
iy unehrliche Verhalten des französischen Kom-
^danten in Betracht zieht, auf Seite der Siamesen,
s Die französischen Schiffsführer haben sich auch
Ausschreitungen zu Schulden kommen lassen,
bän „Timer" aus Bangkok gemeldet wird,
Q e der Kapitän des „Forfait" gedroht, alle in
äffischen Diensten stehenden Fremden zu tödten.
biid' ^fenkäpitän in Siam, Vil, erklärte in Er-
erung auf diese Drohung, er sei ein Deutscher.
französische Kapitän sandte darauf einenOffizier
ab, - n Hafenkapitän, um diesem einen Besuch
*^Estatten.

Deutsches Reich.

Berlin, 18. Juli.

ty^^.Der Neiseplan des Kaiserpaares
Ioa/ ü)ie selten zuvor, wiederholt Aenderungen unter-
worden. Erst in den allerletzten Tagen
die Abreise festgesetzt. ES heißt, daß Än-
j^Zenheiten, welche mit der Reise Zusammenhängen,

die Rücksprache des Kaisers mit dem Reichskanzler
Grafen Caprivi im Reichstage erforderlich gemacht
hatten. Die Abwesenheit des Kaisers von Pots-
dam dürfte vielleicht vier Wochen wäbren. Der
Kaiser soll beabsichtigen, der Kaiserin einen Theil
der schwedischen und norwegischen Gewässer zu zeigen.
Möglicherweise verweilt die Kaiserin kurze Zeit an
einem der norwegischen Küstenorte, während der
Kaiser die früheren Pläne, das Theilnehmcn an
verschiedenen Jagden, zur Ausführung bringt,
lieber alle diese Dinge waren weitere Bestimmungen
Vorbehalten.
— Nach Stockholmer Berichten findet wahr-
scheinlich die Begegnung König Oskars mit
Kaiser Wilhelm in den Stockholmer Schären
statt. Das Kaiserpaar wird Freitag oder Samstag
auf Schloß Tullgarn zu mehrtägigem Besuch des
schwedischen Kronprinzenpaares erwartet.
— Der Reichskanzler hat sich grundsätz-
lich dahin ausgesprochen, daß Offizierstellen bei den
deutschen Schutztruppen in Afrika künftig nur noch
mit Offizieren des stehenden Heeres, welche sich
freiwillig melden, besetzt werden. Die Dauer der
Versetzung zur Schutztruppe ist zunächst auf drei
Jahre berechnet. Die Schutztruppe für Deutsch-
Südwestafrika soll neuerdings um 100 Mann ver-
stärkt werden.
— Von zuverlässiger Seite wird gemeldet, daß
der Staatssekretär des Reichsschatzamts, Freiherr
v. Maltzahn aus dem Staatsdienste ausscheide
und durch den gegenwärtig in den Reichslanden
als Unterstaatssekretär der Finanzen fungirenden
Herrn von Sch raut ersetzt werde.
— Bei der kürzlich stattgehabten Anwesenheit
des Statthalters der Reichslande Fürsten von Hohen-
lohe in Berlin, sind die Angelegenheiten besprochen
worden, welche den Aufenthalt des Kaisers in den
Neichslanden im Herbst betreffen. Der Kaiser hat
vor Allem (inzwischen in Angriff genommene) An-
ordnungen gewünscht, daß die Manövergelände mit
Futtervorräthen von Außen versorgt werden und
die Bevölkerung bei dem vorherrschenden Futter-
mangel möglichst verschont werde. Es sind übrigens
in den letzten Tagen günstigere Nachrichten über
den zu erhoffenden zweiten Schnitt der Futterkräuter
in den Reichslanden eingelaufcn. Der Kaiser wird
in diesem Jahre auch seinen wiederholt verschobenen
Plan zur Ausführung bringen und einige Tage
auf seiner Besitzung Schloß Urville in Lothringen
zubringen.
— Vier Millionen Mark sollen für kolonial-
politische Zwecke in der nächsten Herbftsession
des Reichstages in einer besonderen Regierungs-
vorlage verlangt werden. Nur immer weiter.
Hamburg, 16. Juli. Kürzlich brachten 200
Landwirthe aus der Umgegend dem Fürsten
Bismarck eine Huldigung dar. Der Fürst dankte
herzlich und antwortete: „Wir Landwirthe stehen
wie die Seeleute gleichsam Gott näher als die
Stadtbewohner. Wir spüren Regen und Sonne

mehr an unserer eigenen Haut und sehen von der
Gotteswelt mehr als die Städter. Ich babe mich
oft gewundert, daß neben den vielen Fraktionen
und Parteien, die sich durch die verwickclsten Pro-
gramme von einander unterscheiden, keine Fraktion
existirte, welche die speziellen Interessen der Land-
wirthschaft vertrat. Jetzt ist ja diesbezüglich ein
Anfang gemacht. Ich möchte Sie aber warnen,
sich bei Wahrung Ihrer Interessen mit den übrigen
produktiven Parteien zu verfeinden. Rühren Sie
sich und nehmen Sie nicht unbesehen hin, was die
Schriftgelchrten und Pharisäer unter den Gesetz-
gegern Ihnen bieten. Es ist nothwendig, fest seinen
Willen geltend zu machen und sich in keinen
Handel einzulassen aus Fraktions- oder persönlichen
Interessen. Ich bin als Landwirth geboren; stets
waren meine Träume und Wünsche nach dem
Leben auf dem Lande gerichtet, selbst in der Zeit,
als ich schon lange Jahre hindurch im Staats-
dienste stand. Meine Gedanken sind bei der Land-
wirthschaft."
München, 16. Juli. Der Minister des Innern
erließ ein Rundschreiben gegen die unnöthige
gemeindliche Vielschreiberei; er empfahl den persön-
lichen Verkehr zwischen den staatlichen Verwaltungs-
beamten und den Gemeinden. — In Bayern
unterbleibt die Zuwendung der Vergünstigung durch
Herabsetzung der Tarife für Futtermittel auch an
Personen, die nicht Landwirthe sind. Von den
Beobachtungen der Wirkungen der Futternoth und
der Hilfe dagegen, die auf einer Dienstreise der
Minister des Innern macht, hängt die Entscheidung
ab, ob die unterfränkischen Manöver abgehalten
werden oder nicht.
Ausland.
Paris, 18. Juli. Der „Tempö" empfängt
eine Depesche seines Korrespondenten, die besagt,
seit einiger Zeit verstärken die Siamesen ihre
Truppen am linken Ufer des Mekong und bauen
Forts ; sie versuchten, die Dlokade der französischen
Streitkräfte auf der Insel Khone wieder zu be-
ginnen. Um- die Blokade zu verhindern, ließ der
Kommandant von Khone zwei siamesische
Forts erstürmen, wobei zahlreiche Siamesen
getödtet und verwundet und 33 gefangen wurden.
Die Operation dauert fort, mit dem Zweck die
Stadt Khong, die Operationsbasis der Siamesen,
zu besetzen.
Madrid, 17. Juli. Alljährlich Pflegen i» der
aragonesischen Großstadt Teruel zum Andenken an
die am 8. Juli und 4. August 1875 von den
Karlisten erschossenen alfonsinischen Soldaten in
der Katbedrale religiöse Feierlichkeiten stattzufinden.
Die Kosten, welche sich auf etwa 1200 Pesetas be-
liefen, wurden stets von den Mitgliedern der
liberalen Parteien Teruels aufgebracht. Das war
in diesem Jahr nicht möglich gewesen und der
Bischof verweigerte die Erlaubniß. Er begründete
seine Weigerung damit, daß für diesen Tag bereits

eine andere Festlichkeit, die ebenfalls in der Kathe-
drale stattfinden müsse, festgesetzt sei. So kam der
7. Juli heran; das Fest in der Kirche fiel aus,
dagegen fand der an diesem Tage gleichfalls übliche
Festzug zur Erinnerung an die Ermordeten statt.
Dabei scheint es in der zusammengeströmten Volks-
menge zu einem Meinungsaustausch über die
Haltung des Bischofs gekommen zu sein. Plötzlich
erscholl der Ruf: „Tod den Geistlichen, Tod dem
Bischof, das Feuer in seinen Palast." Die
Menge eilte zum bischöflichen Palast, brachte dem
Bischof eine Katzenmusik dar und war im Begriff,
ihre Drohungen zur That zu machen, als der
Gouverneur mit der Polizei intervenirte. Der be-
drohte Bischof hat sich am folgenden Tage in ein
Seebad begeben; man glaubt, daß er nicht in
seine Diözese zurückkehren werde._
Aus Wcry und Jern.
* Karlsruhe, 18. Juli. In diesem Jahre
kam bei der Prüfungskommission in unserem Groß-
herzogthum zum ersten Male der Fall vor, daß ein
Handwerker (Blechner) auf Grund einer von ihm
gefertigten praktischen Arbeit zum Einjährig-Frei-
willige n-E ramen zugelassen wurde. Des Be-
treffenden Arbeit stellte eine Petroleumlampe dar,
woran die Techniken des Treibens und Drückens
vornehmlich zum Ausdruck kamen, welche von der
Prüfungskommission nach zuvor eingeholtem Urtheil
Sachverständiger als eine hervorragende Leistung in
seinem Gewerbe erkannt wurde. Hierdurch war der
junge Handwerker von der Prüfung fremder
Sprachen befreit und er erlangt, da er die Prüfung
in den Elementarfächern bestand, die Berechtigung
zum einjährig-freiwilligen Soldatendienst.
* Karlruhe, 18. Juli. Der Kaufmann Weiß,
der bei der letzten Messe an einer Schießbude un-
vorsichtiger Weise durch einen Schuß mit der Wind-
büchse am Auge verletzt wurde, ist am letzten Sam-
stag gestorben und zwar, wie verlautet, an den
Folgen der erlittenen Verletzung.
* Karlsruhe, 18. Juli. In nicht geringe
Aufreguug wurde die hiesige Einwohnerschaft durch
das Gerücht versetzt, die Studententenschaft beab-
sichtige, in der Nacht vom 17. auf 18. eine gegen
den Oberamtmann Beck gerichtete Kundgebung.
Wie wir erfahren, wurden die maßgebenden Be-
hörden noch zur rechten Zeit von dem Vorhaben
in Kenntnis) gesetzt und konnten dementsprechend
umfassende Vorsichtsmaßregeln treffen. Dank den
aufopfernden Bestrebungen des Hrn. Direktors
Keller und des engeren Ausschusses der Studenten-
schaft kam es zu keinen bedauerlichen Ausschrei-
tungen.
* Weinheim, 17. Juli. Der hessische Finanz-
minister bat in Begleitung mehrerer Räthc des
Finanzministeriums die Bauarbeiten der Neben-
bahnlinie Weinhei m—F ürth einer Besich-
tigung unterzogen. In Angriff genommen sind
bis jetzt lediglich die Arbeiten des ersten Baulooses

heute

Eine dunkle GLxflt.
Roman von P. E. von Areg.
(Fortsetzung.)
Eg bleiben. Ich habe zwar heuro
schon einen Gast, dem das vielleicht nicht
lkyg^^ch gefällt; aber es bleibt ja überhaupt
"A, ob sich die Beiden zu Gesicht bekommen."
ldsh (chienn es so steht, bin ich hier fertig," er-
riyh Christian, indem er sein Glas austrank
^ch erhob.
iy schien, als habe der Doktor, obgleich er
ges^ muntern Kreise, in den ihn der Zufall
bestv, - schon ganz heimisch geworden war, die
dich^ über seine Angelegenheiten Verhandelnden
Ayg Pls deu Augen verloren, denn in demselben
dix Amicke, indem der Matrose Anstalten machte,
sech^chankwirthschaft zu verlassen, stand er von
Platze hinten auf und kam nach vorn.
Ey s^ie wollen gehen, Christian?" fragte er.
^en Sie mir also Quartier ausgemacht?"
? ist es erwiderte Johann Ohlsen. Ich
lÄft'cki^Ulltch xjnmal eine ziemlich unangenehme
siich sAte — doch das gehört nicht hierher. Sie
bei willkommen, Herr Doktor, wenn Sie
e» bleiben wollen."
bei E^wiß ist das mein Wunsch. Ich bleibe
, ^Nen, Herr Wirth."
üigg ? bin ich überflüssig," mischte sich Chri-
i»ssx, dfii. „Leben Sie wohl, Herr Doktor, und
»n ve es sich gut gehen."
schüttelte Dr. Schwanefeld die Hand

des Scheidenden. „Wenn Sie wieder nach der
Stadt kommen, so vergessen Sie nicht, hier Nach-
frage nach mir zu halten; Ohlsen wird jederzeit
wissen, wohin ich gekommen bin."
So schieden sie. Der Doktor kehrte nach dem
Tische hinten im Zimmer zurück, nahm dort
seinen Platz wieder ein und verkehrte mit dem
geselligen Kreise wohl noch länger als eine
Stunde.
Als jedoch die elfte Stunde vorüber war,
verschwand Einer um den Andern von den
Theilhabern an der Tafelrunde. So blieb der
Doktor, als der Letzte seiner neuen Bekannten
gegangen war, ein paar Augenblicke allein vor
seiner leeren Flasche sitzen. Er fühlte aber gar
bald, daß ihm die Müdigkeit mit Gewalt in
die Augen kam. Er hatte schon am frühesten
Morgen seine Kabine verlassen und die Seeluft
und der Trubel des Tages hatten das Ihrige
dazu beigetragen, ihn zu ermüd.n. So gab er
dem Wirthe sein Verlangen nach dem Bett zu
erkennen.
Ohlsen zündete ein in einem gewöhnlichen
Messingleuchter befindliches Licht an und zeigte
ihm den Weg. Es ging über den Flur, die
Stiege nach dem ersten Stockwerk hinauf. Dort
gelangten sie in ein sehr geräumiges Zimmer,
das aber durch mehr als manneshohe, jedoch nicht
bis zur Decke reichende Bretterverschläge in vier
kleinere Räume abgetheilt war, zwischen denen in
der Mitte ein schmaler Gang führte. In die
rechte hinterste Abthcilung geleitete der Wirth
seinen Gast und stellte darin das Licht auf den Tisch.

Der Raum war eben so klein, als er einfach
möblirt war. Ein einfacher Tisch und Stuhl,
ein weiß überzogenes Bett und ein weiteres Tisch-
chen mit dem Waschgeschirr bildeten die ganze
Ausstattung.
„Schlafen Sie Wohl, Herr Doktor," sagte
Ohlsen. „Und lassen Sie sich nicht stören, wenn
später in Ihrer Nachbarschaft andere Leute ihre
Schlafstätten aufsuchen. Es wird Ihnen niemand
beschwerlich fallen, aber ich bitte Sie, Ihre Thür
zu verschließen."
Der Doktor kleidete sich rasch aus, löschte das
Licht aus und warf sich auf sein Bett. Durch das
einzige Fenster seines Schlafgemaches schimmerte
der Schein der vor dem Hause brennenden Gas-
laterne herein und malte lange, gespenstige Schat-
ten an die Decke. Aber das kümmerte unser
Hamburger Kind am wenigsten. Er drehte den
Kopf nach der Wand und schloß die Augen, und
nach Verlauf vou kaum zehn Minuten war er
fest eingeschlafen.
Das Geräusch einer lebhaft geöffneten und
laut wieder zugeschlagenen Thüre ließ ihn wieder
erwachen. Es war ganz dunkel in seinem Zim-
mer, die Gaslaterne warf ihren Schein nicht
mehr hinein, sondern war bereits gelöscht worden.
Er schloß daraus, daß Mitternacht vorüber sein
müsse.
Die Person, welche das Geräusch an der
Thür verursacht hatte, kam, ein Liedchen trällernd,
den Zwischengang herunter und trat in den Raum,
der links neben dem seinen lag. Die Thür zu
diesem wurde geöffnet und wieder geschloffen, auch

ein Stuhl angestoßen. Dann flammte der schwache
Schein eines angcbrannten Streichhölzchens auf,
und gleich darnach wurde Licht angezündet. Er
konnte cs deutlich an der Deckenbeleuchtung er-
kennen. Und nun schien es ihm, als mache der
Angekommeue Anstalten, sich auszukleiden.
„Einer von den Leuten, von denen der Wirth
sprach," dachte er.
„Allein in demselben Augenblicke hörte er die
Hauptthüre zum zweiten Male gehen, nur wurde
sie weit leiser und vorsichtiger geöffnet als vorher.
Ein schleichender, gedämpfter Schritt erklang im
Gange; die Thür des Nebenraums, aus welchem
der Lichtschein kam, wurde von einer behutsamen
Hand geöffnet.
„Was, zum Teufel, August", rief eine voll-
tönende Männerstimme, „Du hier und in diesem
Aufzuge? Ich hätte Dich um eines Haares Breite
in diesem großen Barte gar nicht einmal erkannt.
Gilt Dein Versteckenspiclen dem alten Johann
und dem, was Du bei ihm auf dem Kerbholze
hast?"
„Es bedarf keines so lauten Geschreies, um
mich zu bewillkommnen, Herr," antwortete die
weit gedämpftere, aber doch auch im Nebenraume
deutlich vernehmbare rauhe Stimme des zuletzt
Gekommenen. „Diese unbedingte Nothwendigkeit
Sie in dieser Nacht noch zu sprechen, trieb mich
hierher. Ich muß auf einige Monate aus diesem
Neste fort, der Boden wird mir zu heiß. Sie
waren mir vor ein Paar Stunden hart auf den
Fersen, und nur der Teufel half mir beim Ent-
 
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