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Neuer General-Anzeiger: für Heidelberg und Umgegend ; (Bürger-Zeitung) — 1893 (Juli bis Dezember)

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8 Ilbr.

Nummer 284.


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Freitag, 1. Dezember 1893.


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8. Tas erste deutsche Miidchen-
gymnafium.
„Staat und Gesellschaft haben die Pflicht,
auch dem schwächeren Geschlechte den Kampf ums
Dasein und die Verwerthung seiner Geisteskräfte
zu erleichtern und die Universitäten, zu denen die
Frauen ebenso wie die Männer ihre Steuern
liefern, sind berufen, ihre Pforten allen strebsamen
Personen zu eröffnen, welche dazu reif und würdig
sind. Eine Vorbedingung für das Frauenstudium
ist jedoch die Errichtung von Gymnasien für
Mädchen. Darauf sollte das Streben deutscher
Frauen gerichtet sein." Mit diesen Worten wurde
im Jahre 1889 in der gemeinnützigen Wochen-
schrift „Volkswohl" zu Dresden die unerläßliche
Vorbedingung für jedes Frauenstudium gekenn-
zeichnet. Diese Vorbedingung ist nunmehr erfüllt.
Der Frauenverein „Frauenbildungs - Reform",
welcher sich die Zugänglichmachung wissenschaft-
licher Studien und Berufe für die Frauen, so-
weit dieselbe praktisch durchführbar ist, zum Ziele
gesetzt hat, hat am 16. September!. I. in Karls-
ruhe das erste deutsche Mädchengymnastum er-
öffnet.
Bei der inneren Ausgestaltung dieses Mädchen-
gymnasiums vertritt der Verein den Grundsatz:
„Gleiche Rechte setzen gleiche Pflichten voraus."
Sollen die Frauen das Recht zum Hochschulbe-

such erhalten, so müssen sie auch wie die Männer
den gleichen Vorbedingungen genügen. Der Verein
verlangt daher volle ungemilderte Gymnasial-
bildung und schließt sich, ohne jedoch zu der Frage,
ob Human-, Real- oder Zukunfts-Gymnasium
besser sei, Stellung zu nehmen, auch an den Lehr-
plan des humanistischen Knabcngymnasiums an,
weil das Abgangszeugniß dieser Schule zur Zeit
mit den meisten Rechten ausgestattet ist. Das
Mädchengymnastum will auch nicht unter Be-
seitigung der höheren Töchterschule die Mädchen
von frühester Unterrichtsstufe an für seine Zwecke
vorbilden, es nimmt vielmehr nur solche Schüler-
innen auf, welche die sechs unteren Klassen der
höheren Töchterschule erfolgreich besucht und das
12. Lebensjahr vollendet haben.
Das Ziel soll durch einen sechsjährigen Lehr-
kursus erreicht werden. Das Alter einer dem
Mädchengymnasium sich zuwendendcn Schülerin
wird durchschnittlich dem Alter eines männlichen
Gymnafisten entsprechen, welcher die Ouarta ab-
solvirt hat. Die erste Klasse müßte daher den
Lehrplan der Untertertia des Knabengymnasims
erhalten. Da aber die Schülerinnen der höheren
Töchterschule doch in manchen Fächern nicht so
gründlich unterrichtet sein werden wie die Knaben
gleichen Alters und insbesondere im Lateinischen
und in der Mathematik einen Unterricht über-
haupt nicht genossen haben, so ist an Stelle der
Untertia eine Uebergangsklasse eingerichtet worden.
Hier gilt es einmal, die in der höheren Töchter-
schule erworbeuen Kenntnisse so weit zu vertiefen
und zu enveitern, daß nach Erledigung der Ueber-
gangsklasse die Schülerinnen diejenigen Kenntnisse
aufweisen, welche auf dem Knabengymnasium beim
Eintritt in die Obertertia vorausgesetzt werden,
und zweitens im Lateinischen und in der Mathe-
matik die Pensa von 3 bezw. 1 Jahre nachzu-
holen und außerdem das neue Jahrespensum zu
bewältigen. Diese fast unmögliche Leistung soll
im Leteinischen dadurch ermöglicht werden, daß
man nach einer neuen, von Prof. Dr. Haag in
Bern erfundenen und auf dem Gymnasium zu
Burgdorf in der Schweiz feit Jahren praktisch an-
gewandten Methode bestrebt ist, das relativ reich-
liche Maß der französischen Sprachkenntnisse und
die gleichzeitig darin gebotene grammatische Schu-
lung für eine schnellere Bewältigung des Latei-
nischen nutzbar zu machen. Hiezu soll ein Unter-
richt von sechs Stunden wöchentlich genügen. In
der Mathematik dagegen, in der auf dem Knaben-
gymnasium drei Stunden wöchentlich ertheilt
werden, um das Versäumte nachzuholen, die Zahl
der Stunden auf vier im Sommer und sechs im
Winter erhöht werden. Gegenüber der starken
Belastung tritt eine bedeutende Entlastung außer
im Französischen, wo nur zwei Stunden wöchent-

lich ertheilt werden, dadurch ein, daß das Grie-
chische in der Uebergangsklasse ganz wegfällt.
Das griechische Pensum der Untertertia, Ober-
tertia, Untersekunda des Knabengymnasiums soll
vielmehr auf dem Mädchengymnasium auf die
beiden Klassen Obertertia und Untersekunda ver-
teilt werden. Mit der Obersekunda tritt dann
allenthalben der unveränderte Lehrplan des
Knabengymnasiums ein. Hervorzuheben ist noch,
daß auf dem Mädchengymnasium nicht bloß zwei-
mal wöchentlich, sondern täglich eine Stunde
Turnunterricht ertheilt wird. Sobald die Ver-
hältnisse es gestatten, sollen auch die in England
mit so guten Erfolge gepflegten Schulspiele im
Freien eingerichtet werden. Das Schulgeld be-
trägt 200 Mark jährlich. Anmeldungen von
Schülerinnen sind an den Vorstand des Vereins
„Frauenbildungs-Reform" in Hannover zu richten.
Mit der Begründung des Mädchengymnasiums
in Karlsruhe ist der erste Schritt zur Lösung
der Frage des Frauenstudiums in Deutschland
gethan. Es gilt nun danach zu streben, daß die
Maturitätszeugnisse deutscher Müdchengymnasien
zum Studium an deutschen Universitäten und
anderen wissenschaftlichen Hochschulen berechtigen
und daß diese dem weiblichem Geschlechte zum
Studium der Medizin und Philologie geöffnet
werden. In anderen Staaten, nicht nur in
Amerika und der Schweiz, sondern auch in Oester-
reich und Rußland, hat man längst den sozialen
Einfluß zu würdigen gewußt, der von gründlich
gebildeten Frauen ausgehend, im Interesse des
ganzen Volkes liegt. Möchten daher auch in den
deutschen Universitäten den Frauen die Stätten
der Bildung und Wissenschaft, aus welche sie einen
Anspruch haben, nicht länger verschlossen bleiben!
Deutsches Reich.
Berlin, 30. November-
— Nach dem Entwurf des Neichshaushalts-
etats pro 1894/95 sind an Matrikularumlagen
insgesammt 419 592 544 (mehr 39 528 399) Mk.
nöthig. Davon entfallen 247964 000 Mk. (m.
22,3 Millionen) auf Preußen; 52 409 931 Mk.
(m. 6,3 Millionen) auf Bayern; 28 987 201 Mk.
(m. 1,7 Millionen) auf Sachsen; 18974 360 Mk.
(m. 2,4 Millionen) auf Württemberg; 14 845138
Mk. (m. 1,4 Millionen) auf Baden; 8218758
Mk. auf Hessen ; 4 786 985 Mk. auf Mecklenburg-
Schwerin ; 2 699 112 Mk. auf Sachsen-Weimar;
810,969 Mk. auf Mecklenburg-Strelitz; 2 938135
Mk. auf Oldenburg; 3 342 151 Mk. auf Braun-
schweig; 1 852 699 Mk. auf Sachsen-Meiningen;
1 414 281 Mk. auf Sachsen-Altenburg; 1 709 346
Mk. auf Sachsen-Coburg und Gotha; 2 251 127
Mk. auf Anhalt; 625 005 Mk. auf Schwarzburg-
Sondershausen; 710 699 Mk. auf Schwarzburg-

Nudolstadt; 474 120 Mk. auf Waldeck; 519440
Mk. auf Reuß ältere Linie; 991711 Mk. auf
Reuß jüngere Linie; 324160 Mk. auf Schaum-
burg-Lippe; 1 063 277 Mk. auf Lippe; 633 697
Mk. auf Lübeck; 1493 571 Mk. auf Bremen;
5 153 033 Mk. (weniger 13 375) auf Hamburg
und 14 399 878 Mk. (m. 1,5 Millionen) auf
Elsaß-Lothringen.
— Die Kommission des Reichstags zur Vor-
berathung der Handelsverträge besteht aus
den Nationalliberalen Hammacher als Vorsitzenden,
den Nationalliberalen Paasche, Schulze-Hennen,
den Freisinnigen Buddeberg und Göllner, den So-
zialdemokraten Herbert, Schönlank, Schippel, den
Konservativen Graf Kanitz, v. Plötz, v. Polenz,
v. Staudy, den Reichsparteilern v. Kardorff, Frhrn.
v. Stumm, vom Zentrum Dr. Bachem, Gröber,
Klose, Lieber, Schmidt, Jmmenstadt und den
Polen Jante Polczynski. Nach der Stellung dieser
Abgeordneten zu der Frage der Handelsverträge ist
es vorauszusehen, daß die Kommission die An-
nahme der Verträge empfehlen wird.
— Die angeordneten Erhebungen über die
Zahl der Gast- und Schankwirthschaften, sowie der
Kleinhandlungen mit Branntwein und deren Ge-
staltung seit 1879 bezieht sich, wie man hort, auf
beabsichtigte Neuregelung des Konzessions-
wesens. Die Annahme, als ob die Erhebungen
mit erneuter Vertagung des sogenannten Trunk-
suchtsgesetzes zusammenhänzen, erweist sich als irr-
thümlich-
— Die sächsische Regierung hat in der zweiten
Kammer ihren Standpunkt gegenüber den neuen
Reichssteuern bekannt gegeben, als Antwort auf
zwei Interpellationen und einen Antrag. Demnach
vertritt sie voll und ganz den Entwurf der dem
Reichstage zugegangenen Steuervorlage. Bezüglich
einer stärkeren Heranziebung der Börse erklärte
Minister v. Thümmel, daß eine Besteuerung der
Zeit- und Ultimogeschäfte nicht möglich sei, weil
eine Unterscheidung dieser Geschäftsarten nicht
durchführbar sei. Man möge auch bedenken, daß
die Börsensteuer vom Publikum aufgebracht werden
müßte. Auch von einer Kolirungssteuer müßte
aus verschiedenen Gründen abgesehen werden.
Einem von den sozialdemokratischen Abgeordneten
eingebrachten Antrag, die Staatsregierung möge
beim Bundesrathe die Zurückziehung des Tabak-
steuer-Entwurfes beantragen und dahin
wirken, daß allen weiteren Gesetzentwürfen, welche
die Mehrbelastung des Volkes durch indirekte
Steuern zur Folge haben, die Zustimmung versagt
werde, wird von der sächsischen Regierung nicht
entsprochen werden.
Ausland.
Paris, 30. Nov. Spuller hat gestern den
ihm von Carnot übertragenen Auftrag zur Kab i-

ALe^cr
oder
Auf dunklen Mögen.
Roman von Dr. Ed. Wagner.
2) (Fortsetzung.)
2. Kapitel.
Ein rettender Engel.
Das Abenteuer Lord Kingscourt's und seiner
Freunde in Griechenland erregte ungeheures Auf-
sehen nicht nur in Athen, sondern auch in Eng-
land und in der ganzen civilisirten Welt. Capi-
tain Wilbraham that das Seinige, um die Ge-
Müther zu erregen und aus dieser Erregung den
Möglichst größsten Vortheil für seine gefangenen
Freunde zu ziehen. Entrüstete Engländer schrieben
Berichte an die Zeitungen und verlangten von
der Regierung energisches Einschreiten, damit die
Angriffe auf die Freiheit und das Eigenthum
englischer Unterthanen gebührend bestraft werde.
Englische Damen sprachen von der Sache als
„sehr romantisch" und sehnten sich mit den Helden
dieses Abenteuers zusammenzutreffen. Der Mar-
quis von Middleton, der Vater Berlin Kolly's,
wandten sich persönlich an die Königin. Die vor-
nehmen Verwandten des Grafen Kingscourt
Und viele hochgestellte Personen, welche mit Ver-
gnügen in ein verwandtschaftliches Verhältniß
zu dem jungen Manne getreten sein werden, ver-
wendeten sich zu seinen Gunsten. Die Regierung
that sogleich die nöthigen Schritte zur Befreiung
der beiden jungen Männer und trat zu diesem
Zwecke in einen lebhaften schriftlichen Verkehr

mit der griechischen Regierung. Seitens der
letzteren wurden energische Maßregeln ergriffen.
Truppen wurden ausgesandt, um die Straßen,
Wälder und Thäler zwischen Athen und Corinth
zu durchstreifen, die Berge, Felsen und Schluchten
zu durchsuchen, — aber Alles blieb ohne Erfolg.
Von den Räubern oder ihrer Zufluchtsstätte
war keine Spur zu finden.
Zwei Monate verstrichen, das Ende des
dritten nahte heran. Die Besorgniß und Angst
der Leute steigerte sich auf's Höchste. Geschichten
von der furchtbaren Grausamkeit Spiridon's
gingen von Mund zu Mund und wurden mit
den üblichen Ausschmückungen in den Zeitungen
abgedruckt.
Man erinnerte sich, daß er erst vor einem
Jahre die Ohren eines Gefangenen zu dessen Ver-
wandten geschickt hatte, weil diese gezögert hatten,
das Lösegeld zu schicken. Man erinnerte sich, daß
er zwei ihm verhaßte Personen, die in seine
Hände gefallen waren, zu Tod gemartert hatte.
Capitain Wilbraham entschloß sich endlich,
das Lösegeld zu nehmen und nach Athen zurück-
zukehren, um seine Freunde zu befreien- Der
Marquis von Middletvn und der Agent des
Grasen verhalfen ihm zu dem Gelbe.
Während dieser Zeit hatten die Gefangenen
furchtbar von der Feuchtigkeit, Kälte und unge-
sunden Luft nicht nur, sondern auch durch allerlei
Entbehrungen zu leiden, so daß ihnen das Leben
in dieser Höhle bis zum Uebermaße zuwider-
war. Sie waren matt und entkräftet und sehnten
sich nach frischer und gesunder Luft. Schon vor

längerer Zeit hatten sie sich entschlossen, das Löse-
geld zu zahlen und später aus Mittel zu sinnen,
die Räuber zu züchtigen und sie für die Zukunft
unschädlich zu machen.
Lord Kingscourt hatte zwei Briefe an Capi-
tain Wilbraham geschrieben. In den einen der-
selben hatte er eine Anweisung von zwanzig Tausend
Pfund gelegt, welche er ihn bat, mit den fünf
Tausend Pfund für Kolys sogleich zu bringen.
Dieser Brief war unterwegs durch Zufall
irgendwo liegen geblieben und Wilbraham empfing
ihn erst an dem Tage, an welchem er nach Athen
aufzubrechen im Begriff stand. Er erhob das
Geld und reiste in Begleitung zweier anderen
Offiziere ab. Die Zeit war kurz bemessen, und
die geringste Verzögerung konnte für seine Freunde
gefährlich werden.
Als sie in Triest ankamen, erfuhren, sie daß
der Dampfer, mit dem sie zu fahren gedachten,
bereits abgegaugen war. Nichts blieb ihnen
übrig, als den Abgang des nächsten Dampfers
abzuwarten oder auf einer anderen Route weiter
zu reisen. In beiden Fällen war die verhäng-
nißvolle Verzögerung eingctreten, denn, wie sie
es auch anfangen mochten, sic mußten im günstig-
sten Falle Athen zwei Tage später erreichen, als
sie es beabsichtigt hatten.
Capitain Wilbraham war in Verzweiflung;
er wußte, daß er nicht mehr zur rechten Zeit an-
kommen konnte, seine bedrängten Freunde zu retten.
Der Tag, an welchem das Schicksal Lord
Kingscourt's und seines Freundes Kollys' ent-
schieden werden mußte, war endlich angebrochen.
In ihrer Höhle harrten die Räuber in finsterer

Erwartung der kommenden Dinge. Einige spielten
Karten, Andere erzählten sich Geschichten und
wieder Andere rauchten und tranken.
Briggs saß aus einer Bank, den Kopf auf
beide Hände gestützt.
Der Graf ging mit seinem Freunde Arm in
Arm in der Höhle hin und her.
„Nun, Berlin," sagte Lord Kingscourt, das
längere Schweigen brechend, „unsere drei Monate
sind heute zu Ende."
„Gott gebe, das Wilbraham mit dem Gelde in
Athen ist," erwiderte Kollys. „Spiridion's Ver-
trauter ging gestern aus, um ihn aufzusuchen. Wenn
er das Geld bringt, werden wir heute Abendfreisein."
„Wir haben weder frische Luft genossen noch
das Tageslicht gesehen, seitdem wir diese Höhle
betraten," sagte Kingscourt. „Wir sind Beide
schwach und leidend. Ich fürchte, dieses Aben-
teuer hat mir bleibenden Rheumatismus einge-
bracht. Ich fühle mich sehr unbehaglich."
„Kingscourt," sprach Kollys ernst, „ich habe
ein schrecklich ängstliches Gefühl. Der Bote des
Hauptmanns Spiridion muß jeden Augenblick
zurückkehren. Wie, wenn er mit den leeren
Händen kommt? Wie, wenn Wilbraham nicht an-
gekommen ist?"
„Du machst Dir unnöthige Sorge Bertin.
Er hat Zeit genug gehabt, zu kommen. Er ist
in Athen und wartet jedenfalls nur aus die Ge-
legenheit, mit Spiridion zu verkehren."
„Aber wenn er Aufenthalt gehabt haben sollte?
Ich habe eine schreckliche Ahnung. Wenn er
krank geworden wäre! Es gibt der Möglichkeiten
so viele —"
 
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