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Neuer General-Anzeiger: für Heidelberg und Umgegend ; (Bürger-Zeitung) — 1893 (Juli bis Dezember)

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https://doi.org/10.11588/diglit.44142#0157

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General-G Anzeiger

für Heidelberg und Umgegend

Expedition: Kcruptstrcrßs Mn. SS.

Expedition: Knnptttrntze Mn. 23.

1893

Montag, den 14. August

190

Druck und Verlag:
kseckmann, Dörr L Wurm.

Verantwortlicher Redakteur:
verin. Streich.

JnsertionöpreiSr
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holung entsprechender Rabatt.

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— Bekannter:
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on einige Male
gesunden; war
von zwölf bis
or, Sie sollen
lor: Geh' n»r

Deutsches Reich.
Berlin, 13. August.
— Bon einer A b d a nk u n g s ab si ch t des
Pri nz r eg en t en von Bayern zu Gunsten
seines ältesten Sohnes, des Prinzen Ludwig, nehmen
„Münch. Neuest. Nachr." nach einer Mittbeikung
^s „Nürnberger Anzeigers" Notiz, indem sie eine
Äußerung wiedergezeben, die „ein sehr hochstehen-
der Herr" zu seiner intimen Umgebung gethan haben
. „Ich werde nicht nach Wunsch offen und
rückhaltlos von den Dingen unterrichtet, die Er-
Eenzen suchen mir alles zu beschönigen!" „Selbst-
^rstandlich," bemerken die „Münch. Reuest. Nach-
richten" hierzu, „müssen wir die Verantwortung
auch hiefür dem Nürnberger Blatte überlassen. Daß
^iese und ähnliche Gerüchte in München wirklich
rursiren, können wir allerdings bestätigen.
— Ueber das Ergebniß der Frankfurter
inan; ininisterkonferenz bringt die „Ndd.
Ztg." folgende Mittheilung: „Wie aus
Frankfurt gemeldet wird, sind die Berathungen der
Nnanzminister geschlossen worden. In der Donners-
^gssitzung wurde in der Berathung der speziellen
Vorschläge zur Deckung der Reichsausgaben und
Zur Durchführung der Reform fortgefahren. Man
e'ujgte sich auch hier über die wesentlichen Grund-
igen und beschloß, die detaillirte Ausarbei-
tung und die Erledigung einer Reihe von Spe-
?>a!fragcn einer alsbald in Berlin zusammentreten-
tfu, aus Vertretern der wesentlich beteiligten
Staaten und aus Kommissaren der Neichsverwal-
ing zu bildenden Kommission zu übertragen. Es
t^eint beabsichtigt zu werden, soweit irgend tbunlich,
gesammten Gesetzentwürfe gleichzeitig dem Reichs-
tage hoi seinem demnächstigen Zusammentreten vor-
zulegen. Alle Acußerungen der Theilnehmer an
aor Konferenz zeigen, daß dieselben von den Er-
gebnissen der Berathungen sehr befriedigt sind,
^o'ber diese Ergebnisse wird mitgetheilt, daß über
den Gang der weiteren Vorarbeiten für die even-
tuell dem Bundesrathe zu machenden Vorlagen
überall ein Einverständniß erzielt ist, insbesMdere
auch hinsichtlich der am Donnerstag beraiycnen
Mage der eventuellen Besteuerung des Weines,
bindende Bechlüsse sind selbstverständlich nirgends
8ffaßt worden, da die ganzen Berathungen nur den
Charakter eines vorläufigen Gedankenaustausches
lugen. Die Frage der eventuellen Besteuerung
ir Inserate soll bei den Erörterungen ebenfalls
dreist sein."
— Es ist, wie vffiziöserseits geschrieben wird,
l'Ue durchaus irrige Annahme, daß über betreffs
gewerblichen Sonntagsruhe zu erlassenden
^"sführungsbestimmungen nur die Arbeitgeber ver-
kommen werden sollen. Zu der im nächsten Monat
Nach Berlin zu berufenden Konferenz werden
chensowohl Arbeitnehmer wie Arbeitgeber
l'Ugeladen werden.
— Die Duisburger Importeure verweigern aus-
nahmslos die Abnahme der von Rußland nach
lm i. August verladenen G etr ei d e m eng e n,
^die unverhofft gekommene Zollerhöhung speziell

für den Niederrhein und Westfalen als Hauptim-
portgegend ungefähr drei bis vier Millionen betragen
würde. Man erwartet dort allgemein, daß kein
deutsches Gericht die deutschen Importe wegen Nicht-
erfüllung der Kontrakte verurtheilen werde.
— Gestern Abend wurde in einer antisemitischen
Versammlung tüchtig über Stöcker, Lieber-
mann v. Sonnenberg und Cremer ge-
schimpft. Man sagte ihnen sogar nach, daß sie
„lieber Champagner trinken als arbeiten." Das
Hauptreferat hatte der Abg. Zimmermann.
Darmstadt, 12. Aug. Die beiden Kammern
der hessischen Stände hatten aus Anlaß der in dem
Großherzogthum herrschenden Nothlage der Land-
wirthschaft beschlossen, die Großh. Regierung zu er-
suchen, darauf hinzu»irken, daß von der Abhaltung
der Militär-Herbstübungen im Lande in
diesem Jahre überhaupt, jedenfalls in den besonders
gefährdeten Landestheilen, mindestens aber von einer
Fourage- und Streulieferung, sowie von einer
Mannschaftsverpflegung durch die Gemeinden und
Quartierträger abgesehen werde. Die Militärver-
waltung hat nun zwar mit Rücksicht auf dieNoth-
wendigkeit der Ausbildung der Truppen von einem
Ausfall oder einer Einschränkung der im Bereich
des 11. Armeekorps in Aussicht genommenen
Manöver Abstand nehmen zu sollen geglaubt, jedoch
bei den bevorstehenden Hcrbstmanövern der Bevöl-
kerung der betreffenden Gegenden Erleichterungen
durch geeignete Anordnungen an die zuständigen
Militärbehörden zu theil werden lassen.
Straßburg, 13. Aug. Wie angekündigt,
traf der Großherzog von Baden gestern Abend
mit dem Zuge um 7 Uhr 2 Min. hier auf dem
Hauptbahnhof ein. Dort hatte sich zur Begrüßung
der kaiserliche Statthalter in Begleitung des Prinzen
Alexander zu Hohenlohe eingefunden. Als derGroß-
herzog gleich nach Verlassen des Wagensauf den Fürsten
Hohenlohe zutrat, wurde er von der Menge ehr-
furchtsvoll begrüßt. In der Begleitung des Groß-
herzogs befinden sich der Flügeladjutant, Oberst-
lieutenant Frhr. v. Schönau-Wehr, sowie der
Generalstabsoffizier der V. Armee-Inspektion, Major
im Generalstab der Armee Frhr. v. Lüdinghausen
genannt Wolff. Der Großherzog begab sich mit
dem kaiserlichen Statthalter und dem Prinzen Ale-
xander in die Kaiserzimmer, wo die Herrschaften
etwa 10 Minuten zusammenblieben. Dann fuhr
der kaiserliche Statthalter in seinen Palast zurück.
Der Großherzog nahm ein von dem Bahnhofrestau-
rateur Feypell zubereitetes Nachtmahl ein und fuhr
dann mit seiner Begleitung mit dem Personenzug
um 7 Uhr 28. Min. nach Röschwoog weiter. Von
dort wird er sich nach Fort Louis begeben, um einer
nächtlichen Uebung der vereinigten Pioniere im
Brückenschlägen über den Rhein beizuwohncn. Die
hiesige Generalität mit den Generälen v. Blume
und Golz an der Spitze hatte sich mit dem Nach-
mittagSschnellzug schon zum Uebungsfeld begeben.
Nach Abbruch der Hebungen, gegen 12 Uhr nachts,
wird der Großherzog in einem kleinen Quartier in
der Nähe des Uebungsfeldes bis gegen 4 Uhr ruhen

und dann die Reise hierher antreten, wo er Uuiz7
Ubr 43 Min. morgen früh eintrifft. Die Parade
des württembergischen Infanterieregiments Nr. 126
Großherzog Friedrich von Baden findet mergcn früh
um halb 10 Uhr in der Manteuffelkaserne hier
statt. Um 6 Uhr heute Abend hatten die Militär-
gebäude, die Forts und die Festungswerke, aber
auch viele Privathäuser Flaggen gezogen. Die
militärische Beflagung dauert bis Sonntag Abend.
Von hier aus reist der Großherzog nach Saarburg.
Ausland.
Wien, 12. Aug. Aus Galizien werden neue
Cholerafälle gemeldet, in Belzeck, der Einbruchs-
station aus Rußland, starb ein Landmann an der
Cholera; in Jablonika erkrankte der Gemeindevor-
steher, in Milizyn eine Taglöhnrrin.
Pest, 13. Aug. Endgiltigen Anordnungen
zufolge begeben sich Kaiser Franz Joseph,
Kaiser Wilhelm und der König von Sachsen am
21. September von Güns zu Hirschjagden nach
Belye. Sie werden auf dem in der Donau nahe
beim Jagdrevier verankerten, prachtvoll ausgestatteten
Dampfer „Orient" wohnen. Die Dauer des
Aufenthaltes hängt vom Verlauf der Jagden ab.
Pest, 12. Aug. Der französische Abgeordnete
Pichon telegraphirte hierher, er werde heute in
einem offenen Schreiben Aufschlüsse ertheilen über
die „famose" Anbahnung eines österreichisch-un-
garisch-russischen Bündnisses.
Nom, 14. Aug. Ein Theil des Marktfleckens
Mattinata (Provinz Foggia) ist durch Erdbeben
zerstört. Mehrere Personen kamen ums Leben,
viele sind verwundet. Auf der Insel Stromboli
fand ein heftiges Erbeben statt mit darauffolgendem
Ausbruch des Vulkans.
Amsterdam, 12. Aug. Die Erbgroßherzogin
von Baden besucht am Dienstag die beide Königinnen
auf Schloß Loo.
London, 12. Aug. Nach aus Bombay eingetroffenen
Nachrichten sind daselbst zwischen Mubamedanern
und Hindus ernste Unruhen ausgebrochrn.
Ans Werb und Jern.
Amtliches.
Personalveränderungeu: Entlassen wurde
der Schutzmann Georg Schell in Heidelberg seinem
Ansuchen "entsprechend aus dem Staatspolizeidienste.
Unter die Zahl der Finanzgehilfen wurde ausgenommen:
Robert Laubert von Heidelberg. Versetzt wurden:
Christian Mattmaller von Heidelberg nach Buchen,
Peter Merk von Mannheim nach Heidelberg.
* Karlsruhe, 12. Aug. Da hinsichtlich der
künftigen Dienstpflicht der Ersa tz re s er v i st en
vielfach irrthümliche Ansichten verbreitet sind, so
sei daran erinnert, daß in der Begründung der
Militärvorlage in dieser Hinsicht folgende Ausfüh-
rungen enthalten waren: „Die Aushebung der Er-
satzreservisten im bisherigen Sinne, welche beizu-
behalten bei gleichzeitiger Einführung der zweijährigen
Dienstpflicht zur Unmöglichkeit wird, kommt in
Fortfall. Die Einrichtung als solche und die Uebungs-

pflicht bleiben bestehen, da die Nothwendigkeit vor-
liegt, körperlich mindcrwerthige Mannschaften in
einigen Spezialzweigen — z. B- Verwaltungs- und
Krankendienst — mit beschränktem Umfang auszu-
bilden." Aus diesen klaren Ausführungen ergibt
sich, daß die bisherigen Einziehungen von Ersatz-
reservisten auf 10, 6 und 4 Wochen zur Ausbil-
dung mit der Waffe fortan allgemein in Wegfall
kommen, daß dagegen diejenigen Gestellungspflichtigen,
die künftighin der Ersatzreserve zur Verwendung im
Verwaltungs- oder Krankendienste überwiesen werden,
in beschränktem Umfange zur Ausbildung heran-
gezogen werden können.
* Karlsruhe, 13. Aug. Als Festvorstellung
wird im großh. Hoftheater zu Großherzogs Geburts-
tag, am 9. September, Schiller's „Jungfrau von
Orleans" gegeben werden. Für den Fall, daß am
nächsten Tage der Kaiser das Theater besuchen
sollte, ist Wagner's „Wallküre" für diesen Tag in
Aussicht genommen.
* Mannheim, 12. Aug. Eine aufregende
Szene spielte sich gestern Abend in einem Coupe
III. Kl. des um 8.40 Uhr von Frankfurt a. M.
hier eintreffenden Personenzugs der Main-Neckar-
Bahn ab. Ein Passagier, ein junger Mann von
ungefähr 25 Jahren, warf sich — anscheinend
in einem Anfall von Tobsucht — zwischen Friedrichs-
feld und Mannheim auf einen ihm gegenüber-
sitzenden Reisenden von gleichem Alter und ver-
suchte, die Wagenthüre öffnend, ihn hinauszuwerfen.
Es entspann sich ein verzweifeltes Ringen. Während
eine im nämlichen Waggon sitzende Frau mit einem
Kinde laut aufschrie, überstiegen zwei weitere
Passagiere, von der Jagd znrückkehrende Mann-
heimer Herren, die Scheidewand und befreiten das
Opfer aus den Händen des Wüthenden, den sie
mit Aufgebot .aller Kräfte bis zur Ankunft in
Mannheim festhalten mußten. Denn trotz wieder-
holter Versuche versagte die Nothleine den Dienst.
Vier Gepäckträger waren in Mannheim noth-
wendig, um den äußerst robusten Wahnsinnigen zu
binden und in Gewahrsam zu verbringen.
* Mannheim, 14. Aug. Auf dem hiesigen
Viehhofe entwickelt sich gegenwärtig ein sebr reges
Treiben. Jeden Montag stehen über 2000 Stück
Vieh zum Verkaufe. Das Geschäft wickelt sich ge-
wöhnlich sehr flott ab, so daß binnen weniger
Stundender ganze Markt geräumt ist. Seit einiger
Zeit hat sich auf dem hiesigen Markt ein Jungvieh-
markt gebildet. Ein erfreuliches Zeichen dabei ist,
daß eine Menge Landwirthe aus der Nähe und
Ferne Jungvieh in großen Mengen ankaufen, weil
die Futteraussichten sich doch gebessert haben. Man
hofft mit Zuversicht auf eine gute Oehmdernte, so-
wie auf ein reiches Erträgniß der Knollen- und
Wurzelgewächse. Die Preise des Heues gehen deß-
halb merklich, wenn auch langsam, zurück. Das
Großh. Ministerium wird größere Quantitäten Heu
auf dem hiesigen Platze lagern, welches an be-
dürftige Landwirthe hiesiger und umliegender Ge-
meinden zu mäßigen Preisen abgegeben werden soll.
' Schwetzingen, 12. Aug. Die häufigen

>ast Du denn
Frau: Nun,
m: Ja, Kmd,
artigen Sohne)!
; gehörig durch-
: thust's ja doch-
:rr da, der sub
wollle wieder-
espannt):
st recht, er halst
Italer (gedehnt)!
sepv, hau dein
ng kriag'n."

l io Augsburg

MlS"

August,
r in der
ration»
w im
tabvnnen^

Gine dunkle Ubul.
Roman von P. E. von Areg.


Recht?"
dachh

(Fortsetzung.)
„Die Ausführung aber —"
Ex stockte und Wilhelm ergänzte ihn:
„Du möchtest fort, aber es fehlt Dir dazu
den nothwcndigen Mitteln. Hab' ich
„Es ist so, und deshalb habe ich daran ge-
mir dieselbe durch Deine Hilse bei meinem
"^er auszuwirken."
. . „Da ist ein Schritt umsonst. Er wird sich, so
ich ihn kenne, nicht zu einer solchen Hilfe
^stehen."
„So wird meine Absicht unausführbar bleiben."
„Hast Du nicht daran gedacht, daß auch ich
^0- helfen könnte, Hans?"
„Du?" fragte Hans ganz erstaunt,
d „Ich würde bereit sein, Dir eine Summe
taufend Mark als ein Darlehen vorzustrecken,
Ilsen Rückzahlung Du nach Deinem Gutdünken
^her oder später bewirken könntest."
„Das wolltest Du wirklich thun ?" fragte der
. stdere mit tiefer Rührung im Tone und ohne
si^ vermochte, eine Thräne zurückzuhalten, die
ihm in's Auge drängte. „Wilhelm, das habe
vu Dir bei Gott am wenigsten verdient."
cv „Laß vergangene Dinge vergangen sein, Hans.
; V will den Jugendfreund nicht untergehen
wenn es in meiner Macht steht, zu

„Mit so vollem Klange ist noch nie das
Wort eines Freundes an mein Ohr geschlagen!
Vielleicht bin ich doch in der Lage, Dir Deine
Großmuth noch in einer anderen Weise zu ver-
gelten, wenn ich Dir im Augenblicke auch nur
mit herzinnigen Worten danken kann."
Es war nicht in Abrede zu stellen, Hans
fand diese herzlichen Dankesworte und sprach sie
mit vollem und bewegten Herzen dem Jugend-
freunde aus, der sich ihnen nicht zu entziehen im
Stande war. Sie verabredeten noch mit ein-
ander, daß Hans das Geld am anderen Tage
empfangen solle, damit er sofort die nicht
belangreichen Vorbereitungen für die Reise be-
giynen und nach deren beschleunigter Vollendung
abzureisen vermocht. Aber bevor sie sich trennten,
sagte Hans noch:
„Du wirst noch von mir hören, Wilhelm,
und wenn nicht früher, so doch in dem Augen-
blicke, in dem mich die Wellen des Oceans auf
ihren Rücken genommen haben, um mich nach
einem fremden Welttheile zu tragen. Ich bin
mir bewußt, ein schweres Unrecht gegen Dich be-
gangen zu haben, allein was an mir ist, so
will ich versuchen, es wenigstens so weit wieder
auszugleichen, wie das in meinen Kräften steht.
Es soll das kein Versuch sein, Dir ein Aequi-
valent für die Großmuth Deiner Handlungsweise
zu bieten, sondern ich bitte Dich, darin nur
meinen Wunsch zu erkennen, ein Unrecht zu süh-
nen, das mir heute schwerer aus dem Herzen liegt,
als jemals."
Danach reichten sie sich die Hände und
und trennten sich.

Auf den Assessor hatten die letzten Worte
Hans v. Flottwells um deswillen einen befrem-
denden Eindruck gemacht, weil er wohl den Sinn
von ihnen verstand, sich aber durchaus nicht zu
enträthseln vermochte, worin das Unrecht bestehen
möge, dessen sich jener gegen ihn schuldig fühlte.
Nichts war natürlicher, als daß sich bei dem
Eingeständniß des jungen Flottwell seine Ge-
danken zunächst aus jenen Unglückstag richteten,
der sein junges, so schön aufgeblüthes Liebesglück
einem giftigen Nachtfrost gleich, für immer ver-
nichtet hatte, aber hier war ein Eingreifen Hans
v. Flottwells so vollkommen ausgeschlossen, er
war mit jener Unglücksgeschichte in Bremen so
ganz und gar nicht in Berührung gekommen,
daß sich in dem Assessor alsbald die Ueberzeu-
gung befestigte, erging in seinen-Muthmaßungen
irre und jene Andeutungen müßten nach einer
ganz anderen für ihn vorläufig nicht auffind-
baren Gichtung liegen.
Mit solchen Gedanken beschäftigt gelangte er
nach Hause und hatte sich dort kaum beim Scheine
der Studierlampe hinter seiner Arbeit niederge-
lassen, als an seine Thür geklopft wurde und
Doktor Schwancnfeld bei ihm eintrat.
Sie hatten sich länger als eine Woche nicht
gesehen; seit der gebrochene Unterschenkel des
Assessors geheilt war, hatte sich für den Arzt die
Nothwendigkeit weiterer Besuche verloren und da
beide Männer mit Ernst und Eifer ihren Bc-
russgeschästen oblagen, so blieb' ihnen nicht allzu
viel Muße dafür, ihren Privatncigungen nachzu-
geben. Verm'ndert hatten sich ihre freundschaft-
lichen Beziehungen durch diese kürzeren Unter-

brechungen des Verkehrs jedoch keineswegs und
das vermochte man am besten aus der sehr herz-
lichen Weise zu erkennen, mit der sie sich an
diesem Abende begrüßten
„Heute komme ich auch nicht mit leeren
Händen zu Ihnen," sagte der Arzt in der Fort-
setzung des Gesprächs. „Im Laufe der letzten
Woche kam ich mit Vorgängen in Berührung,
die mich sehr lebhast an das Verschwinden des
Vaters Ihrer Geliebten erinnerten."
Schon diese Mittheilung versetzte den Assessor
in offenbare Erregung.
„Dars ich meinen Ohren trauen?" rief er
aufspringend, „das ist eine Sache von äußerster
Wichtigkeit. Reden Sie, Doktor! Was haben
Sie entdeckt?"
„Machen Sic sich keine allzu großen Hoff-
nungen, damit Sie meine Mittheilung nicht viel-
leicht nur all zu sehr enttäuscht."
Und nun begann Doktor Schwancnfeld des
Näheren die eigenthümlich zusammenhängenden
Umstände von ihrem Anfänge an zn erzählen,
die ihn schließlich zu der Auffindung des sonder-
baren Depositen-Packetes geführt hatten, welche
Vermuthungen er an dasselbe geknüpft habe, und
durch welche verwerfliche Manipulationen es dem
Nachlaß Wienbrands zu entziehen versucht worden
sei. Der Assessor hörte ihn mit gespannter Auf-
merksamkeit an, sein sonst etwas mattes Auge ge-
wann Feuer und Lebhaftigkeit.
„Das ist ja eine sehr wichtige Nachricht,"
rief er. „Das Nöthigste wäre, eine Kennt-
niß von dem Inhalte dieses ominösen Packetes
zu erlangen."
 
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