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Neuer General-Anzeiger: für Heidelberg und Umgegend ; (Bürger-Zeitung) — 1893 (Juli bis Dezember)

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https://doi.org/10.11588/diglit.44142#0081

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vertrieb. Dabei wurden 32 Matabeles getödlet.
Die englischen Behörden forderten Lobengula auf,
die Expedition zurückzurnfen und die Häuptlinge
zu bestrafen.
London, 21. Juli. Die Conferenz der Berg-
werksbesitzer und des Bergarbeiterverbandes führte
keine Einigung herbei. Es wurde beschlossen: Da
die Bergarbeiter die schiedsgerichtliche Entscheidung
ablehnten, so wird die Angelegenheit nunmehr der
Generalversammlung der Grubenbesitzer vorgelegt.
Der Abg. Pickard erklärte, daß eine gütliche Bei-
legung der Angelegenheit ausgeschlossen sei.
London, 21. Juli. Aus bester Quelle wird
gemeldet, die kriegerische Haltung der französischen
Schiffe vor Bangkok rufe große Unruhen hervor;
dieselben seien immer bereit anzugreifen, trotzdem
der französische Gesandte die Versicherung von der
siamesischen Regierung erhalten habe, Siam wünsche
die guten Beziehungen zu Frankreich aufrecht zu
erhalten.
St. Petersburg, 21. Juli. Dem Vernehmen
nach hat die deutsche Regierung den russischen Vor-
schlag angenommen, die Handelsvertrag s-
verhandlnngen in Berlin kommissarisch fort-
zusctzen unter Vorbehalt näherer Verabredung über
den Zeitpunkt. Die deutsche Regierung erklärte
zugleich, wenn sie auch zu einzelnen Modifikationen
bereit sei, sie doch im Wesentlichen an den im
Monat März aufgestellten Forderungen festhalten
müsse.

von Kamerun, Schuckmann, anläßlich des im Ge-
fecht bei Balinga erfolgten Todes seines Bruders
gerichtet hat, in jeder Hinsicht unbegründet seien.
Diese Klagen müßten vor der Kenntniß des amt-
lichen Gefechtsberichts niedergeschrieben sein, da
Volckamcr gleichzeitig die Hoffnung ausspricht, daß
auch sein Gefechtsbericht veröffentlicht werden mochte.
Dies sei aber gleichzeitig mit der Veröffentlichung
des Schuckmann'schen Berichts geschehen. Hiernach
habe offenbar Volckamcr auch von der Veröffent-
lichung des Schuckmannschen Gefechtsberichts keine
Kenntniß gehabt.
— Allgemein fällt es auf, daß KricgSminister
v. Kaltenborn mit keiner kaiserlichen Auszeich-
nung wegen der Militärvorlage bedacht wurde. Der
Vorgang wird als eine Bestätigung des baldigen
Rücktritts angesehen. Uebrigens sind alle Angaben
über seinen Nachfolger werthlvs.
— Von einem Boykott über die Katho-
liken in Gütersloh wird der „Glocke" berichtet,
und dieses Blatt bittet befreundete Blätter um
Aufnahme der Mittheilurg. Wir gehören zwar
nicht zu den befreundeten Blättern, nichtsdesto-
weniger wollen wir von diesem Akt der Unduldsamkeit
Notiz nehmen. Wie wir aus der Notiz ersehen,
haben in Folge der Wahlen fast sämmtliche
Protestanten ihre bisherigen geschäftlichen Bezie-
hungen zu katholischen Kaufleuten oder Hand-
werkern in Gütersloh vollständig abgebrochen.
Die meisten unter den letzteren haben sich um die
Wahlagitation überhaupt gar nicht gekümmert,
sondern haben nur den einen Fehler begangen, daß
sie katholisch geboren und getauft sind. Eine
ziemlich bekannte protestantische Firma hat sogar
ihren Arbeitern „angerathen" nicht mehr bei
einem Kathotiken zu kaufen oder arbeiten zu
lassen. So geschehen in der Stadt Gütersloh.
— Die „Leipz. Reuest. Nachr." schreiben: Di-
Meldung, Prinz Mar von Sachsen sei in ein
Kloster gegangen, können wir auf Grund der von
uns in Dresden eingczogenen Erkundigungen als
unrichtig bezeichnen. Nichtig ist daß der Prinz,
der wie bekannt, in Oschatz bei den Ulanen stand,
von dort ohne Dienerschaft und ohne jede Begleitung
nach Eichstädt in Bayern abgereist ist, mit der Absicht,
sich in dem dortigen Priesterseminar auf den Beruf
eines Priesters vorzubereiten. Unser Gewährsmann
glaubt, daß die Abreise des Prinzen nicht ohne
vorausgegangene Rücksprache mit seiner hohen Familie
erfolgt sei, wobei es allerdings zweifelhaft bleibe,
ob der Entschluß des Prinzen an allerhöchster Stelle
mit großer Freude ausgenommen worden. Es ist
wahrscheinlich, daß in den nächsten Tagen von
amtlicher Stelle aus Näheres bekannt gegeben wird.,,
Ausland.
London, 21. Juli. Einer amtlichen Depesche
aus Capstadt nach sandte der Häuptling Lobengula
300 Matabeles ab, um Maschonas in der Nähe
des Fort Viktoria zu bestrafen. Die Matabeles
brachen dabei in das Gebiet der englischen Ge-
sellschaft ein, von wo die berittene Polizei dieselben

deutschen Turnerschaft angehörende Vereine die
Einladungsschreiben zu seinem, am Sonntag, den
13. August d. I. in alt herkömmlicher Weife
stattfindenden 16. Stiftungsfeste, verbunden
mit Einzelwetturnen. Zu demselben ist folgendes
Programm aufgestellt: Morgens 6 Uhr: Tag-
wache, Vormittags: Empfang der ankommenden
Vereine, präzis 10 Uhr: Sitzung des Kampfge-
richts im Nebenzimmer der Restauration Jäckel,
vorm. Katzenberger (Vereinslokal.) Nachmittags
halb 1 Uhr Aufstellung des Festzuges vor dem
Waldhofe (Sandhvfencr Straße) nach Reihenfolge
der Anmeldungen. Nachmittags 1 Uhr: Festzug
durch verschiedene Straßen nach dem Festplatze,
halb 2 Uhr: Beginn des Einzelwettturnens, nach
demselben Schauturnen. Abends 7 Uhr: Preis-
vertheilung auf dem Festplatze. Während des
Turnens Concert auf dem Festplatze. Nach der
Preisvertheilung Festbankett in der Restauration
Jäckel, vorm. Katzenberger (Gartenwirthschaft.) Zu
obigem Feste erwartet man seitens des festgebenden
Vereins eine recht zahlreiche Betheiligung der
Gauvereine und hofft, daß dieselben wie in
früheren Jahren in großer Anzahl am Wettturnen
theilnehmen.
* Ans Baden, 21. Juli. Sägemehl wird
jetzt vielfach als Stallstreu benützt. In Triberg
werden gerne 10—15 Pfg. für den Sack bezahlt.
Ein Schwenninger Fuhrmann holt täglich in Triberg
einen Wagen Sägemehl und verkaufte den Sack
am Ort zu 45 Pfg. — In Nonnenweier wurde
der 20 Jahre alte Sal. Schiff von einem anderen
Burschen durch mehrere Stiche in den Unterleib
schwer verletzt. — Vor dem Postgebäude in Ettlingen
kam es zwischen Zigeunern zu einem Streit, wobei
einer mit dem Messer übel zugerichtet wurde. Eben-
daselbst versuchte ein Zigeuner einem Fuhrmann
das Pferd wegzunehmen. Letzteres riß sich jedoch
los und sprang seinem Stalle zu. — In Unter-
kirnach wurden zwei Zigeunerinnen verhaftet, die,
während sie einer Bäuerin in Langenbach „wahr-
sagten", derselben 43. Mk. aus der Tasche ge-
zogen hatten.
* Ludwigshafen, 20. Juli. Der 20-jährige
Schuhmachergeselle Johann Merklin aus der Schweiz
wurde wegen einer in einer Wirthschaft verübten
Beleidigung des Kaisers verhaftet.
* Ludwigshafen, 20. Juli. Der 14—15-
jährige Sohn des in der Oggersheimer Straße woh-
nenden Metzgermeisters Fichtek hat heute Abend im
Schlachthaus einen bei seinem Vater bediensteten
Metzgerburschen erstochen, wie vorläufig,
angenommen wird aus Fahrlässigkeit. Der That
ging ein Wortwechsel voraus, hervorgerufen durch
einige, die Arbeit des Metzgerburschen kritisierende
Worte. Hierdurch gereizt, drang der Metzgerbursche
auf den jungen Fichte! ein, dieser aber, auf einen
Angriff vorbereitet, vertheidigtesich mit dem Schlächter-
messer, das seinem Gegner — wie erzählt wird,
ohne es zu wollen, in den Leib drang und edle
Theile verletzte. Die Wirkung des Stiches war

* Kredit und Zwangsvollstreckung.
des soeben veröffentlichten Tagesordnung
Jur'^iW September in Augsburg stattfindenden
„F, 'Alltags steht eine vielerörterte Frage:
d-stei, sich eine grundsätzliche Vermehrung der
Beschränkungen der Zwangsvollstreckungen
hvlM^ Richtung einer allgemeinen Kompetenz-
Die Frage ist unbedingt zu bejahen.
Hen c>^9ngsvollstreckungsverfahren führt in man-
b^ade zur Vernichtung der wirthschaft-
«Is f » st'tenz des Schuldners. Das ist schlimmer
Jy die Einsperrung in den Schuldthurm,
als i/st ^-reinigten Staaten, wo sonst mehr noch
ßns der Satz gilt, daß in „Geldsachen die
bjz,^Wchkeit aufhört", ist Geld und Geldeswerth
bis , ^Em bestimmten Betrage, in einigen Staaten
d000 Mk. vor der Pfändung geschützt.
Ar^.^sprechend wird auch vorsichtiger mit dem
oder 9 ^gegangen! die Zahlung für Lieferungen
Ht-ael ßungen am Schluffe der Woche bildet die
sch" ' . Wer längeren Kckedit beansprucht, muß
Wj für solvent erachtete Persönlichkeit sein,
spreck!^ bann man von einem Kredit-Unwesen
U"ber dem namentlich der Handwerkerstand
Ein leiden hat. In Berlin nahm sich vor kurzem
Äu§andwerker das Leben, als alle Versuche, seine
Die gründe einzuziehen, fehlgeschlagen waren!
Wiiv Kränkung der Zwangsvollstreckung nach dem
One« l Vereinigten Staaten — die Freilassung
Wüt- Mittels des erwähnten Betrags in Geld oder
Ws^^rth dürfte genügen — würde also außer der
Ws> guug von drückend empfundenen Härten eine
^^Wlug der Kreditverhältnisse bewirken.

Aus WcrH und Jern.
Amtliches.
Durch Kabinets-OrdreS vom 15. Juli d. I. ist
Folgendes bestimmt: Landwehr-Bezirk Heidelberg:
Maier, Vicefeldwcbel, zum Secondelieutenantder Land-
wehr-Infanterie 1. Aufgebots befördert. Finzer,
Secondelieutenant von der Infanterie 2. Aufgebots.
Graf v- Helm statt, Premierlieutenant von der Ka-
vallerie 2. Aufgebots, — der Abschied bewilligt.
* Weinheim, 21. Juli. Die Gurken e rnte
an der Bergstraße hat bereits begonnen und liefert
trotz der seitherigen Trockenheit im Durchschnitt
guten Ertrag. Auffallend ist, daß auf freiem
Felde die Fruchtblüthen in größerer Menge vor-
handen sind, als in den Gärten. Der Durch-
schnittspreis für 100 Gurken beträgt 3,50 Mk.
und werden dieselben größtentheils von auswärtigen
Käufern aufgekauft. Ganz bedeutende Einnahmen
machen die Landwirthe, welche die Gurkenzucht auf
größeren Flächen betreiben, die gerade bei jetziger
Jahreszeit den Leuten sehr zustatten kommen. Der
in Biblis wöchentlich zweimal stattfindende Gurken-
markt wird von fremden Käufern, namentlich aus
den benachbarten Großstädten, stark frequentirt.
Die Hopfen fangen bei nunmehriger günstiger
Witterung an, neu auszutreiben und verspricht
man sich von den jungen Trieben noch eine Ernte.
* Waldhof, 21. Juli. Soeben erläßt der
hiesige Turnverein an die Vereine des Rhein-
Neckar-Turngaues, sowie an einige benachbarte, der

Deutsches Reich.
Berlin, 22. Juli.
Der Bundesrath wird in der nächsten
ch Schach Erledigung einiger wichtiger Geschäfte
jjxr Sommerferien gehen, die sich diesmal bis
den Oktober hinein erstrecken werden. Nach
Wri ^wöhnlichen Anstrengung der eben beendeten
Zewst "^tszeit macht sich überall ein lebhaftes und
.berechtigtes Ruhebedürfneß geltend. Freilich
scbai 'n ^n Reichsämtern, namentlich im Reichs-
""d im Reichsamt des Innern, die Er-
tzhN^pause diesmal nur kurz bemessen sein
W da dort wichtige gesetzgeberische Aufgaben
Wicr?"'n Zusammentritt des Bundesraths und
sinh erledigt werden müssen. Im Reichsamt
W-v Steuervorlagen auszuarbeiten, auch wenn
iy, Grundzüge vom preußischen Finanzminister
wiv>s?^rständniß mit den anderen deutschen Finanz-
«wt geliefert werden sollen. Im Reichsschatz-
8 Innern sind es vorzugsweise die Abän-
^n sozialpolitischer Gesetze, welche die verfüg--
yxx, Arbeitskräfte in nächster Zeit in Anspruch
En werden.
schy^ Der „Reichsanzeiger" erklärt, daß die
ck' Elen Angriffe, welche Herr Guido von Vol-
*-^ZEr-Kirchensittenbach gegen den Gouverneur

warten,

ahnte",
„Nun

Kine dunkle HhccL.
Roman von E. P. von Areg.

Ich vermeide es, mich auf Details einzulassen,
daß er im gegenwärtigen Augenblicke unmittelbar
vor der Gefahr steht, verabschiedet zu werden.
Es handelt sich um eine Ehrenschuld von erheb-
lichem Betrage, die er selbst zu decken nicht im
Stande ist. In wieweit er in dieser Angelegenheit -
und bei der sehr bedeutenden Menge seiner
sonstigen Schulden überhaupt auf Ihre Unter-
stützung rechnen darf, entzieht sich meiner Kennt-
lich. Die alsbaldige Ordnung dieser Dinge aber
ist eine Nothwendigkeit, wenn er überhaupt Offizier
bleiben will. Freilich muß ich gleichzeitig einge-
stehen, daß sich dabei bei weitem nicht alle die-
jenigen Bemängelungen erledigen würden, welche
gegen die Führung des jungen Mannes sich sonst
noch erheben lassen und dabei habe ich vor Allem
seinen Verkehr mit Personen im Auge, zu denen
er nach Geburt, Stellung und Beruf keineswegs
gehört. Doch das sind augenblicklich Fragen, die
hinter der ersten von mir berührten zurückstehn.
Sollten sie darüber weitere Andeutungen wünschen,
geehrter Herr Baron, so werden Sie mich hierzu
später gern bereit finden. Jetzt habe ich Ihrem
Herrn Sohn zur Ordnung seiner Angelegenheiten
zunächst einen achttägigen Urlaub zu Ihnen nach
Borkum crtheilt. Er wird voraussichtlich ziemlich
gleichzeitig mit meinem Schreiben dort eintreffen.
Haben Sie die Güte, geehrter Herr Baron, meine
Andeutungen als Unterlagen zu einer gründlichen
Auseinandersetzung mit Ihrem Herrn Sohn zu
benutzen. Wie Ihre Entscheidung auch fallen
mag, sie wird unter allen Umständen mir die
Richtschnur für alle meine weiteren Maßnahmen
an die Hand geben."

öffnete er das Couvert, und t nahm den darin
befindlichen Bogen heraus und durchlas den In-
halt desselben.
Und als dies geschehen war, sank die Hand,
die das Papier gehalten, schwer mit demselben
aus die Tischplatte, als sei das leichte Blatt von
besonderem Gewichte.
„Sind Deine Nachrichten übel, Kurt?" fragte
die Baronnin mit bewegter Stimme, als sie
das sah.
Er nickte zuerst nur stumm mit dem Kops
und erst nach einer Weile kam die Antwort.
„Ich habe einen solchen Ausgang schon vor-
ausgesetzt»," sagte er ernst. „Die Angelegenheit
ist genau in der Weise verlaufen, wie sie nach
der Einleitung nur verlaufeu konnte. Doch höre
selbst, was mir der Regiments-Kommandeur, Oberst
von Allmer schreibt.
Und er nahm das eben empfangene Blatt,
in dem ihm der Oberst in schonendster Weise von
der dem jungen Flottwell drohenden Katastrophe
Mittheilung machte. „Die Verhältnisse Ihres
Herrn Sohnes, Hans Flottwell", so hieß es in
dem Schreiben, „haben sich in letzter Zeit derart
zugespitzt, daß ich in aller Kürze das Zusammen-
brechen seiner Hoffnungen erwarten muß. Ich
darf nur sagen, daß ich es meinerseits weder an
Ermahnungen in Güte, noch an Verweisen in
Strenge habe fehlen lassen, und da auch Ihre
wiederholt angerufcne väterliche Autorität Abhülfe
zu schaffen nicht im Stande gewesen ist, so fürchte
ich in der That, daß es überhaupt nunmehr zu
spät ist, eine Aenderung der Lage zu erhoffen.

(Fortsetzung)
Folge solcher Arbeit und Anstrengung
^>ar es gelungen, daß er und das Gut mit
W s. er Zusammengewachsen waren wie zwei Dinge,
üijjsü.ch niemals trennen sollen. Er war uner-
Jhhr . thätig in Wald und Für, und wenn das
Ei» Halbwegs günstiges war, dankte ihm der
die an ihn gewendete Mühe.
tzofj?iu erster Blick als er das Zimmer betrat,
«ryi„^EM Schreibtisch. Aber auf dem waren die
Wien Briefe nicht zu finden. Er klingelte.
fr^I'Hat der Briefträger nichts für mich gebracht?"
Er das eintretende Mädchen.
hch bvch", erwiderte diese, „die Frau Baronin
tzon/Em Manne persönlich die Postsachen abge-
"wen."
für W: seufzte leise, denn er wußte, das bedeuten
W.wn Eingang unangenehmer Nachrichten
seine Gattin gern so lange als möglich
^Jäthalten Pflegte.
svie > d »ach wenigen Minuten kam Frau Hed-
ch'd" dcw That mit den Briefen und Zeitungen
Lu-
^att ^Eich sie zehn Jahre jünger war als der
erschien er neben ihr jugendlich. Nur ein
s>vy Zehr schöne sanfte blaue Augen waren ihr
frühen Schönheit geblieben und in
Eiye" siegelte sich der Hauptzug des Charakters,
evgelgleiche Milde und Güte, wieder. Sonst

glich sie in ihrer Einfachheit ganz ihrem Gatten,
und an ihrem Aeußeren hätte schwerlich jemand
erkannt, daß er in ihr die Baronin v. Flottwell
vor sich habe.
„Du bringst mir meine Briefe, Hedwig?"
fragte der Gutsherr. „Laß mich sehen, was
es giebt."
„Willst Du nicht lieber bis nach dem Essen
mit dem Eröffnen Deiner Briefschaften
Kurt?" lautete ihre Gegenfrage.
„Es ist also doch so, wie mir schon
versetzte er mit einem neuen Seufzer,
weiß ich auch, woher die Nachrichten stammen,
die mir verborgen bleiben sollen. Sie können nur
aus Staveuhagen sein."
„Willst Du es nicht lieber bis nach dem Essen
lassen, Kurt?" fragte sie noch einmal.
„Glaubst Du, daß ich mit der Aussicht aus
das, was mich erwartet, im Stande sein würde,
einen einzigen Bissen zu genießen?"
Er streckte seine Hand nach den Briefen aus,
die sie ihm jetzt nicht länger vorenthielt.
Er kannte ihre Gewohnheit, ihm das Unan-
genehme bis zuletzt aufzusparen, zu gut, als daß
er nicht nach dem zu Unterst liegenden Brief zu-
erst gegriffen hätte. Und er ging damit auch
heute nicht fehl. Das Schreiben, das er ergriff,
zeigte schon von der Außenseite den amtlichen
Charakter. In seiner linken unteren Ecke trug
es den Vermerk: Militaria.
Da seufzte er zum dritten Mal, und ein Zug
finsteren Ernstes erschien auf seiner Stirn.
Aber ohne sonst ein Wort zu verlieren,

General-G Anzeiger

für Heidelberg und Umgegend

171.

Heidelberg, Samstag, den 22. Juli

1893.

Verantwortlicher Redacteur:
Herm. Streich.

Jnsertionspreisr
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Druck und Verlag:
Heckmann, Dörr L Ivurm.
 
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