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Neuer General-Anzeiger: für Heidelberg und Umgegend ; (Bürger-Zeitung) — 1893 (Juli bis Dezember)

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Montag, 11. Dezember 1893.

Nummer 292

kk



für Heidelberg und Umgegend



Mpedition: Kauptstraßo We.

tzxpeLitiorr: ^Kauptllraße 'Mr. L5.

belesenstes Blatt in Stadt n» Aint Heidelberg nnd Nnrgegend. GrLsztev Lrselg fnr Inserate

Telephon-Anschluß Nr. 102. "VT

mit-
ver-
das
der

Erlaubniß bekommen konnte, Schiff und Kanone
begleiten zu dürfen, da man, mit Recht oder Un-
recht, in Washington die Befürchtung hegt, daß
die 10 Tonnen Nitrogelatine bei dem geringsten
Stoße sich entzünden und anstatt die Fahrzeuge
der Aufständischen in den Grund zu bohren, den
Cid selber in Atome zerstieben könne-

Deutscher Reichstag.
Berlin, 9. Dezember.
Abg. Aichbichler (Centr.) führt Klagen von
Gewerbetreibenden und aus der Landwirthschaft an
über die In v a l i d i tä ts-, Alters- und Un-
fallversicherung.
Abg. Staudy (kons.) befürwortet die Ver-
einfachung der Versicherung und Beseitigung des
Markensystems.
Staatssekretär v. Bötticher hebt die im
Gesetz vorgesehene Befugniß hervor, das Marken-
kleben durch die Arbeitgeber zu vermeiden. Das
Markensystem lasse sich nicht ganz beseitigen. Die
Verwaltungskosten beliefen sich nur auf 50 Psg.
auf den Kopf der Versicherten, während das
Doppelte veranschlagt worden sei. Das Verhält-
niß der Verwaltungskosten zu den Prämien betrage
4,17 Prozent, die Grundlagen des Gesetzes seien

Deutsches Reich.
Berlin, 10. Dezember.
— Im Reichstage steht man mit lebhaftem
Interesse der für morgen anstehenden Interpellation
von Mitgliedern verschiedener Parteien, über eine
zu erweiternde Geschäftszeit der Kaufläden rc. am
Weihnachtsheiligabend und am Sylvesterabend ent-
gegen, welche Tage diesmal auf einen Sonntag
fallen. In Blättern der äußersten Rechten wird
schon jetzt mit großer Bestimmtheit verkündet, daß
die Regierung die Interpellation abschläglich be-
scheiden würde. Dies ist heute noch keineswegs
mit Bestimmtheit zu behaupten. Die eingcleiteten
Erörterungen an zustehender Stelle sind noch nicht
abgeschlossen. Wie aber auch die Antwort aus
fallen möge, jedenfalls wird sich an die Inter-
pellation eine Erörterung knüpfen; es ist den In-
terpellanten darum zu thun, einmal der wachsenden
Mißstimmung über das Sonntagsruhegesetz über-
haupt und besonders über die Aussührungsbe-
stimmungen im Lande Ausdruck zu verschaffen.
Vielleicht kommt es auch zu Mittheilungen über
den ganz außerordentlichen materiellen Schaden,
welcher der Geschäftswelt durch das Sonntagsruhe-
gesetz schon jetzt erwachsen ist.
— Nachdem man sich in Reichstagskreiscn die
Gewißheit verschafft haben will, daß ein vom
Reichstage angenommener Antrag auf Aufhebung
des Identitätsnachweises für Getreide
im Bundesrathe angeblich eine günstigere Aufnahme
als früher finden werde, beabsichtigt man, bald
nach Neujahr einen bezüglichen Antrag zum
Reichshaushaltsplan einzubringen. Die Ansichten
über diese Frage sind selbst innerhalb der ver-
schiedenen Parteien noch getheilt und daS Schicksal
eines derartigen Antrags ist durchaus ungewiß.
Namentlich in Süddeutschland befürchtet man von
der Aufhebung des Identitätsnachweises große
Nachtheile.
— Dem Bundesrathe ging ein Entwurf von
Bestimmungen zu für den Nachrichtendienst bei
Viehseuchen, wonach die Polizeibehörde jeder
Gemeinde den ersten Ausbruch von Rotz-, Maul-,
Klauen- und Lungenseuche sofort der Polizeibe-
hörde aller benachbarten deutschen Gemeinden
zutheilen habe. Der Kreisthierarzt wird
pflichtet, allmonatlich eine Mittbeilung an
kaiserliche Gesundheitsamt über den Stand
Seuchen abzusenden.

* Tie Dhnamitkanone.
Südamerikanische Blätter bringen uns die
8enaue Beschreibung der furchtbaren Zerstörungs-
fllaschine, welche Marschall Paixoto in den Ver-
einigten Staaten bestellt hätte, um damit die
Flotte der Aufständischen zu vernichten. Diese
Neueste Zerstörungswaffe befindet sich an Bord
»El Cid", welcher bereits auf dem Ozean schwim-
mend, und dem Admiral Mello soeben entgegen
gegangen, in der Hoffnung, Fahrzeug und Ka-
none, entweder in den Grund zu bohren, oder
sich ihrer selbst zu bemächtigen, jedenfalls aber
äu verhindern, daß das, von neutralen Ameri-
kanern bediente Schiff, das, ehe es Brasilien er-
reicht, sich auf keinen Kampf einlassen darf, in
die brasilischen Gewässer einläust.
Die Dynamitkanone schleudert Ladungen von
st 25 Kilogramm Nitrogelatine auf Entfernungen
von 4900—5000 Meter, und nach einer Ladung
dieses Alles vernichtenden Explosivstoffes noch bis
2500 Meter weit. Der die Dynamitkanone tra-
gende Cid, welcher eine Schnelligkeit von 1600
Meter pro Minute entwickelt, führt hundert
solcher Geschosse mit, im ganzen 10 Tonnen Ni-
trogelatine im untersten Theil seines Rumpfes,
unter der Wasserlinie. Daß ein einziger Schuß
dieser gefährlichsten und furchtbarsten bisher be-
nutzten Kanonen selbst das mächtigste Panzerschiff
in Hunderttausend kleine Splitter zerschmettern
würde, steht 'außer allem Zweifel- Ja es ist
nicht einmal nöthig, daß der Schuß sein Ziel
direkt erreicht und in den Schiffskörper selbst ein-
schlägt, um das Fahrzeug in den Grund zu
bohren. Die Macht der Projektion ist so groß,
daß die Nitrogelatingeschosse, selbst nachdem sie in
das Wasser eingeschlagen, noch soviel Kraft und
Propulsionsmacht entwickeln^ daß sie noch circa
100 Meter weit im Wasser weiter laufen, und
dabei genügt es, daß die Nitrogelatinladung 13 bis
14 Meter von dem bedrohten Panzerschiffe ex-
Plodirt, um dieses noch mit Mann und Maus
in die Luft fliegen zu lassen. Und so groß ist
die Furcht vor dieser Angriffswaffe, welche Mar-
schall Peixoto gegen den Rcbellcnadmiral Mello
ins Gefecht führt, daß der Erfinder der Dynamit-
kanone, der Hauptmann der nordamerik. Armee,
Zalanski, nicht einmal von seiner Regierung die

Abonnementspreis r
Wit 8seitigem illugrirtem Sonntagsblatt: monatlich
Pfennig frei in's HauS, durch die Post bezogen
vierteljährlich 9V Pfennig ohne Bestellgeld.

ließ sich die Rädelsführer vorführen und verhörte
sie. Denselben wurden sodann Disziplinarstrafen
auferlegt. — Die Anklageschrift gegen die Mit-
glieder des genannten Geheimbundes wurde bereits
überreicht und umfaßt nahezu hundert Bogen. Die
Zahl der Angeklagten beträgt 78, wovon 45 in-
haftirt sind. Gegen die Mehrzahl der Letzteren
lautet die Anklage auf Hochverrath, Majestätsbe-
leidigung, Beleidigung der Mitglieder des kaiser-
lichen Hauses, Störung der öffentlichen Ruhe,
öffentliche Gewaltthätigkeit, Geheimbündelei und
Auflauf. Der Prozeß beginnt Ende Dezember und
wird über drei Wochen dauern. Die Mehrzahl
der Angeklagten vertheidigt Abgeordneter Dr. Herold.
Pest, 8. Dez. Die Rumänen Südungarns
und Siebenbürgens halten' unangemeldete VoM-
versammlungen ab zur Vorbereitung eines serbisch-
slowakisch - rumänischen Verbrüderungs - Kongresses.
Gestern wurde in Lugos eine solche unangemeldete
Volksversammlung durch Gendarmen zerstreut.
Rom, 9. Dez. Nach einer Meldung der
„Agenzia Stefani" wurde Crispi mittels könig-
lichen Dekrets mit der Kabinettsbildung be-
auftragt.
Barcelona, 9. Dez. Vergangene Nacht wurde
Campini, der hiesige Korrespondent des Mailänder
„Secolo" verhaftet und das Archiv des italienischen
gegenseitigen Unterstützungsvereins, dessen Sekretär
der Genannte ist, beschlagnahmt. Diese Maß-
nahmen, deren Gründe unbekannt sind, erregen
hier großes Aufsehen.
Washington, 8. Dez. Der Marinesekretär er-
hielt eine Depesche aus Rio de Janeiro vom 7., der-
zufolge die Lage dort unverändert ist. Seit Abfahrt
des „Aquidäban" werde die Kanonade zwischen den
Forts und den Schiffen der Aufständischen täglich
fortgesetzt. Die Schiffe seien gezwungen worden, in
weiterer Entfernung vom Ufer vor Anker zu gehen.

Fsrtrvähreird
werden von allen Postanstalten, Landbriefträgern,
Unseren Agenten und Trägerinnen Abonnements
entgegengenommen.

— Gegen den Quittungs- und Fracht-
stempel beginnt eine lebhafte Agitation in kauf-
männischen Kreisen Platz zu greifen. Der Verein
der Berliner Lederhändler hat beschlossen, zur Aus-
arbeitung einer Petition eine besondere Kommission
niederzusetzen. Bereits sind im Reichstag Peti-
tionen um Ablehnung der Besteuerung der Quit-
tungen und Frachtbriefe eingegangen von 16
württem bergisch en Gewerbevereinen und Handels-
und Gewerbevereinen, desgleichen von dem Handels-
und Gewerbeverein zu Halberstadt, dem Bezirks-
gremium für Handel und Gewerbe zu Bamberg
und zu Würzburg. Auch die Handels- und Ge-
werbekammer zu Sonneberg beantragt die Ab-
lehnung der Besteuerung der Quittungen, Checks
und Frachtbriefe. Ebenso beantragt die Handels-
kammer zu Geestemünde, die Besteuerung der
Frachtbriefe abzulehnen.
— Die „Post" schreibt: Als Nachfolger des
Herrn von Moser soll von der württembergischen
Regierung Herr von Varnbühler ausersehcn
sein. Damit hätte die Meinungsverschiedenheit
zwischen Berlin und Stuttgart ihren offiziellen
Ausdruck gefunden.
Karlsruhe, 8. Dez. Nach dem Gesetzentwurf
über die Erhöhung der Einkommensteuer
tritt eine Erhöhung der Steuer von 2 Mk. auf
2,50 Mk. pro 100 Mk. Steueranschlag zunächst
für die Budgetperiode 1894/95 ein. Die Ein-
kommen, deren Steueranschlag den Betrag von 20
Mk. (Einkommen bis zu 1000 Mk.) nicht über-
steigt, sollen von der Erhöhung vorerst nicht be-
troffen werden. Diese Bestimmung erscheint mit
Rücksichst auf die dermalige wirthschaftliche Lage
geboten. Der Steueranschlag beziffert sich für
1893 auf 23Z 952 650 Mk.,'davon entfallen auf
die Einkommen unter 1000 Mk. 31 572 925 Mk.,
die an der Steuererböbung nicht theilnehmen.
Tritt die Steuererhöhung in der von der Regierung
vorgeschlagenen Beschränkung ein, dann erhöhen sich
die Steuererträge um rund 2 Millionen Mark für
die nächste Budgetperiode.
Stuttgart, 9. Dez. Der „Beobachter" spricht
die Hoffnung aus, die Regierung werde sich der
geplanten Schmälerung der militärischen Selbst-
ständigkeit Württembergs energisch widersetzen.
Leipzig, 9. Dez. Die Verhandlung des
Landesverraths Prozesses ist nicht öffent-
lich ; er betöifft viele schwere Fälle. Die Anklage-
schrift ist 80 Seiten lang. Vertheidiger ist Rechts-
anwalt Putzler.
Ausland.
Prag, 9. Dez. Die wegen Hochverrats in
Untersuchungshaft befindlichen Mitglieder des „Gc-
beimbundes „Omladina" revoltirten im Strafge-
richte. Die Gefangenwärter hatten Mühe, die
Renitenten zu beruhigen. Der Strafgerichtspräsident

.> -..-.
JrrscrtionöprciSr
die Ispaltige Petitzeile oder deren Raum 6 Pfg.,
iür auswärtige Inserate 10 Pfg», bei öfterer Wieder-
holung entsprechender Rabatt-

ALeXcr
oder
Auf dunklen Wegen.
Roman von Dr. ES. Wagner.
10) (Fortsetzung.)
„Sie antworten mir nicht, Alexa!" sprach
Lord Kingscourt nach einer Weile. „Habe ich
Sie überrascht? War ich zu stürmisch?"
Alexa schüttelte kaum merklich ihr Köpschen,
aber sie konnte nicht antworten; ihr Herz war
la so voll, — so voll.
„Sehen Sie mich an, Alexa, und lassen Sie
Wich meine Antwort in Ihrem Antlitz lesen-"
Alexa erhob ihr Gesicht und schlug ihre Augen
Zu ihm aus, aber nur einen Moment, — es war
Nur ein rasches, flüchtiges Aufblitzen, und dann
senkten sie sich wieder. Aber dieser eine Blick hatte
Lord Kingscourt genügt, ihm sein Schicksal zu
verkünden. Er schlang seine Arme um sie und
log sie an seine Brust, ihre Stirn, Wangen und
Mund mit Küssen überschüttend im Uebermaße
seines berauschenden Glücks.
„Mein! Mein eigen!" flüsterte er entzückt.
Tritte im Hause erschreckten Alexa. Sie be-
reite sich in ihrer Verwirrung aus seinen Armen.
„Ich hatte meinen Vater vergessen!" rief sie
saft ängstlich.
„Nun, was ist mit ihm, Alexa? Sollen wir
W zu ihm gehen und ihn um seine Einwilligung
bitten?" fragte der Graf.
„Ich kann ihn nicht verlassen, Alfred," sagte
das Mädchen, seinen Namen schüchtern aus-

sprechend. „Ich bin ihm Alles, was er in der
Welt hat. Ich muß bei ihm bleiben."
„Ich will Dich auch nicht von ihm trennen
um alles in der Welt, meine süße Alexa," rief
der Lord. „Ich achte und ehre ihn, ich liebe
ihn. Er soll auch mein Vater sein, und mit uns
nach England gehen."
„Das wird er nicht. Er haßt England und
würde lieber sterben!"
„Aber er ist, wenn ich nicht irre, ein Eng-
länder. Er kann sein Vaterland nicht hassen.
Nein, nein, Alexa; er wird mit uns gehen. Er
ist noch thatkrästig und ein intelligenter Mann,
der sich nicht in dieser Einsamkeit vergraben sollte.
Er hat Ehrbegierde, welche er gewaltsam zu
unterdrücken sucht. Ich habe seine Augen leuchten
sehen, als wir die großen politischen Fragen be-
sprachen. Er sollte seinen Platz einnehmen unter
den Gesetzgebern seines Vaterlandes, zu welchem
die Natur ihn bestimmt hat. Er muß mit uns
nach England gehen, und ich prophezeihe, daß er
innerhalb eines Jahres von einem Ende des
Landes zu dem andern in ehrender Weise bekannt
sein wird."
„Mein Vater ehrbegierig! O, er hat stets wie
ein Einsiedler gelebt, Jedermann meidend. Du
mußt Dich irren!"
„Ich kann ihn besser beurtheilen, als Du
Alexa. Komm' laß' uns zu ihm gehen; er ist
in der Wohnstube."
Er legte ihren Arm in den seinigen und
zog sie mit sich fort über die Veranda nach dem
Wohnzimmer.
Mr. Strange saß am Tische, ein aufge-

schlagenes Buch vor sich; aber er las nicht, schien
in Gedanken versunken. Er blickte auf, als das
junge Paar eintrat, und las aus ihren glücklichen
Augen ihr Geheimniß. Er wußte, was vorge-
gangen und was kommen sollte, und dieses Be-
wußtsein schien ihn zu Stein zu verwandeln. Er
starrte das Paar mit Bestürzung an und sein
ernstes Gesicht wurde todtenbleich.
Lord Kingscourt, diese ominösen Zeichen innerer
Aufregung nicht beachtend, trug seine Sache ohne
Zagen vor und bat den Vater um dessen Ein-
willigung zu seiner Heirath mit Alexa.
Es folgte eine Pause, welche endlich Mr.
Strange unterbrach.
„Was Sie erbitten ist unmöglich, erklärte er
in strengem Tone. „Ich wünschte, Alexa wäre
dieser Kummer erspart worden. Ich hätte es
nicht so weit kommen lassen sollen; aber ich war
blind. Alexa kann nicht ihr Weib werden, Lord
Kingscourt. Es ist ein Geheimniß in meinem
Leb n, — ein trauriges Geheimniß, — Alexa
kann nie das Weib irgend eines Mannes werden.
Sie muß unverheirathet bleiben!"
Diese Erklärung erfüllte die Liebenden mit
Schreck und Entsetzen. Alexa "zog ihre Hand von
dem Arm ihres Geliebten zurück und stand bleich
und zitternd da, ihren Vater mit ungläubigen
Augen ansehend. Lord Kingscourt war auf's
Tiefste erschüttert; es schien ihm, als habe der
Geist seines Wirthes eine plötzliche Störung er-
litten; er konnte nicht glauben, daß die Worte,
die er soeben gehört hatte, in vollem Ernst und
bei klarem Verstand gesprochen worden waren,
und doch war in den bewegten Zügen des Ein-

siedlers, in seinen finsteren Augen und seinem ver-
zweifelten Blick keine Spur von Irrsinn zu entdecken.
Der Graf beeilte sich, Einwendungen zu machen,
aber seine Worte fanden keine Erwiderung. Mr.
Strange saß noch da wie versteinert; er schien in
den wenigen Minuten um Jahre älter geworden
zu sein.
„Ich kann nicht glauben, daß Sie wirklich
meinen, was Sie sagen, Mr. Strange," sprach
der junge Graf. „Ich liebe Ihre Tochter, und
sie hat mir gestanden, daß Sie mich liebt. Ich
weigere mich also, die Antwort, welche sie mir ge-
geben, anzuerkennen," und seine Stimme klang fest
und entschlossen. „Sie haben kein Recht uns zu
trennen einer bloßen Laune, vielleicht einer Idee
wegen, welche keinen wirklichen Grund haben kann.
Verzeihen Sie mir meine Kühnheit, Mr. Strange,
aber ich habe einen kaum geringeren Anspruch
auf Alexa, als Sie. Ich bin fest davon über-
zeugt, daß wir für einander geschaffen sind und
kann und will sie nicht aufgeben!"
Die verstörten blauen Augen Mr. Strange's
ruhten auf dem edlen, leidenschaftlichen Antlitz
des jungen Mannes mit Bewunderung, Mitleid
und Theilnahme. Die feurige Natur des
Grafen, sein unbegrenztes Vertrauen und seine
feste Ueberzeugung, noch mehr aber seine über-
wältigende Liebe zu Alexa bewegten tief des
Vaters Herz.
„Mylord," sagte er mit gebrochener Stimme,
„wenn ich die ganze Welt durchwanderte, könnte
ich keinen Mann finden, dem ich meine Tochter
freudiger geben würde, als Ihnen; aber sie darf
nicht heirathen —"
 
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