Universitätsbibliothek HeidelbergUniversitätsbibliothek Heidelberg
Metadaten

Neuer General-Anzeiger: für Heidelberg und Umgegend ; (Bürger-Zeitung) — 1893 (Januar bis Juni)

DOI Kapitel:
No. 51 - No. 60 (1. März - 11. März)
DOI Seite / Zitierlink: 
https://doi.org/10.11588/diglit.43990#0241

DWork-Logo
Überblick
loading ...
Faksimile
0.5
1 cm
facsimile
Vollansicht
OCR-Volltext

beln


lffg.
mpfieblt
Xsebt-,
M-itt. ,
linge
3 StZö

«Wach,
_---"E
k zu »er-
wil
-sse 1«^
limer
on zu ver-
-Sdsn. A
hen:
Nonat la«»
Rubrik nur

Zimmer-
hem- Zubck'
l, m- K- u-
mit GacRsj
., vcr^sos^
Zubehör-
aul l Et
idcldcrü-
ärz
wandte.
on Roders


ZLKSS

M-
.er «ok-

ißet
ii jeden
-einigt
ejäe'tN'
fD,
100.


4^ D-E^l 4^444444

VeEndignngsblatt und Anzeiger

Die,^Vürgerzeitung"
scheint täglich mit Ausnahme von
Sonn- und Feiertagen.
^er Sonntagsnummer liegt ein Unter-
Mtungsblart, „Der Erzähler", mit dem
»umor. Repräsentanten „Der deutsche
Michel" bei.

Abonnementspeeis
für Heidelberg: monatl. 40 Pfg. mit
Trägerlohn, Vurch die Post bezogen
viertcljäbrl. Mt. 1.— ohne Zustellgeb.
Insertionspreis: 10 Pf. für die 1-spalt.
Petitzeile od. deren Raunt. Für locale
Geschäfts- u. Privatanzeigen 5 Pf.

M L8.

Expedition:
Hauptstraße 25.

.Heidelberg, Donnerstag, A. März

Expedition:
Hauptstraße 25.

1893.


Der Abonnementspreis
für die
„Würger-Zeitung"
beträgt für Heidelberg und nächste Umgebung
Monatlich nur 40 Psg.
">it Trägerlohn.
Für auswärts vom 1. April ab vierteljährlich
am Postschalter abgeholt:
zM- 1 Mark -MV
durch den Briefträger frei in s Haus gebracht:
1 Mk. 40 Pfg.
Bestellungen der „Bürger-Zeitung" werden für
^Swarts durch die Poft, innerhalb der Stadt und nächster
^Agebung durch unsere Träger entgegengenommen.
Verlag der „Bürger-Zeitung".

Ein französisches Geständniß.
Von Alphons Daudet.
Neber die Stimmung der Franzosen machte
^ser Tage der bekannte französische Schriftsteller AlphonS
Daudet bcmcrkenswcrthe Geständnisse.
Daudet erzählte zunächst, daß er während seines Lebens
?Uch einmal in Deutschland gewesen sei, und zwar
'A Jahre 1866 während des Krieges, in München.
»Dann kani der Krieg", bemerkte der Dichter, „und
Mter war keine Gelegenheit mehr. Aber es war nicht
^a Antipathie, die mich zurückhielt, gewiß nicht. Der
s^ieg hat auch in dieser Beziehung so sehr die Begriffe
früheren Wege abgebracht. Vor 1870 hat
Niemand in Frankreich die Deutschen ge-
,?ßt. Derjenige, den man haßte, das «ar der Eng-
I^der. Und sehen Sic, ich bin beute noch so. Ich
^be mich gegen die deutsche Invasion geschlagen, ich bin
^»uvinist—ab er ich verabscheue den Deutschen
^jcht, wohl aber den Engländer. Ich glaube,
Mancher in Frankreich denkt so wie ich. Wenn Jemand
Wort der Versöhnung sprechen wollte, würde es viel-
st ein Echo in vielen Herzen finden. Aber

wir sind gar stolz und eitel. Und wer weiß, wie lange
es noch dauern wird, bis dieses Wort gesprochen wird . . . ?
Allerdings dürfen Sie nicht glauben, daß ich ein An-
hänger germanischer Ideen bin. Ich finde, Deutsch-
land hat uns in eigentümlicher Weise be-
siegt. Als ich neulich im Theater saß und die Trompeten
deS großen Marsches in „Lohengrin" hörte, da klang
mir das wie eine Siegesfanfare ins Ohr. Aber die
wahre Niederlage ist nicht drüben an der Ostgrenze ge-
schehen. Die Niederlage besteht in dem, was nachge-
kommcn ist. Eine Fülle germanischer Ideen
und germanischer Kunst ist über die Grenze
gedrungen und bat unsere Jugend erobert.
Unsere nachwachsende Generationen versenkt sich in die deutsche
Philosophie, sie schwärmt für das Ideal, sie vergräbt
sich in Mystizismus, sie liebt das Dunkle und Unklare.
Das ist so sehr dem Geiste unserer Rasse zu-
wider! Mich, der ich Gallier, der ich Lateiner mit Leib
und Seele bin, mich bringt das auf. Denken Sie sich,
wir finden sogar jetzt ein Vergnügen daran, Bier zu
trinken! Nein, ernstlich, ich beklage diesen Trieb des nach-
wachsenden Geschlechtes." Soweit Daudet. Aus diesen
Geständnissen könnte es fast wieder einmal heraus scheinen,
als stünden künftige bessere Beziehungen zwischen beiden
Ländern in Aussicht, wenn überhaupt jemals von solchen
die Rede sein könnte. Allein so lange es eine gallische
Nation giebt, wird sie gallisch bleiben, ebenso wie der
Germane Germane bleibt. Dort rasches Blut, National-
dünkel und unaustilgbares Revanchegelüst, hier das
Schoßkind Militarismus und der allleitcnde Grund-
satz: Wir Deutschen fürchten Gott und sonzr Niemand
auf der Welt — so lange es Drill und Säbel gibt.
Und wenn das gesammte Europa seine Rüstungen uä
notu legte, wer glaubt, daß der Gott fürchtende Deutsche
dazu je Lust hätte? Und wer wollte da an etwas wie
„bessere Beziehungen" glauben.

Deutsches Reich.
Karlsruhe, 7. März. Das Entlassungsgesuch
der Minister Turban und Eilst älter ist an-
genommen worden. Letzterer wird Präsident der Ober-
rechnungskammcr. Präsident Nokk wird StaatSministcr,
der Generaldirektor der Eisenbahnen, Eisenlohr, wird
Finanzministcr und Ministerialdirektor Seubert vom
Finanzministerium wird Generaldirektor der Eisenbahnen.
Karlsruhe, 7. März. Es geht das Gerücht, daß
der Erbgroßhcrzog Friedrich von Baden, Kommandeur der 4.
Garde-Infanterie Brigade, zum Nachfolger des in den

Ruhestand tretenden Generallieutenants Freiherrn v.
Schleinitz, Kommandeur der 29. Division, ausersehen sei.
Wenn der Erbgroßhcrzog auch noch eine ganze Reihe
Vordermänner hat, so bekleidet er doch schon über zwei
Jahre, seit dem 27. Januar 1891, die Charge eines
Generalmajors nnd Brigade Kommandeurs, so dafi cs
durchaus nicht unwahrscheinlich ist, wenn der Kaiser einen
Lieblingswunsch des Erbgroßherzogs, den dieser schon vor
Jahren, als er Kommandeur des 5. Bad. Jnf.-Regimcnts
Nr 113 war, dessen Chef er ist, äußerte, nach nicht langer
Zeit wieder nach Freiburg zurückkehren zu können, erfüllt.
Berlin, 7. März. Der Plötzlich, nach jahre-
langem Schweigen erfolgten Kundgebung Rußlands
gegen Bulgarien wird hier überall hohe Wichtigkeit
beigelegt. Die russischen Sanguiniker betonen, dieser „kalte
Wasserstrahl" für die bulgarische Regierung, dessen Wir-
kungen unausbleiblich seien, bilde zugleich einen Einspruch
gegen den Dreibund. Thatsächlich durfte die Kundgebung
ein Wink für den bulgarischen Erarchcn als höchste
geistliche Instanz Bulgariens sein, fortan noch energischer
gegen jede Verfassungsänderung zu widersprechen, und
wenn nichl anders, das einstige Beispiel des Konstan-
tinopeler Patriarchen gegenüber der Pforte nachzuabmcn
und wie dieser die rechtgläubigen Kirchen in der Türkei,
so jetzt die rechtgläubigen Kirchen Bulgariens schließen
und die bulgarischen Minister nebst den Mitgliedern der
Nationalversammlung mit Kirchenstrafen zu belegen, bis
die Machthaber nachgeben.
Berlin, 7. März. Die Militärkommission
erörterte die Verstärkungen der Regimenter aut mittleren
bezw. hohen Etat. Dr. Buhl (ntl.) nnd H i n z e (freis.)
gaben die Nothwendigkeit eines höheren Etats für die
an den Grenzen stehenden Regimenter zu, bestritten die-
selbe aber betreffs dec Regimenter im Innern. Richter
(freis.) betonte, daß sich auch ohne die jetzige Vorlage die
Zahl der Mannschaften für Kriegsformationen alljährlich
verstärke. Der Reichskanzler Graf v. Caprivi, Gene-
ral Goßler und Major Wachs traten für die Ver-
stärkung der Regimenter auf hohen Erat ein. Graf v.
Caprivi hob hervor, die Diplomatie könne die Möglichkeit
eines Winterfeldzuges nicht verhüten; auch dies sei zu
berücksichtigen. Fortsetzung morgen.
Berlin, 7. März. Die freisinnige Partei des Reichs-
tags tritt am Mittwoch zu einer Besprechung über die
Stellung zur Militärvorlage zusammen.
LiegniH, 7. März. Reichstags-Stichwahl.
DaS Schlußergebniß ist: Jungfer 12975, Hertwig
8585 Stimmen.

Schicksal'swege.
Novelle
von L. Fontane.

(Fortsetzung.)
II.

5t«chdrllck verboten.

§ Frau Bauinspektor Kranz bewohnte den erste» Stock
^es freundlichen Hauses der auf den Kirchplatz mün-
.^den Marktstraße' Sie hatte ihren gewohnten Sitz
ihrem bequemen Lehnstuhl am Fenster inne, von
schein aus man die Straße hinab bis nach dem Markt-
sz tz sehen konnte. Sie war eine stattliche Frau, wie sie
^asaß in dem einfachen grauen Hauskleidc, ein weißes
Eichen auf dem stark ergrauten Haar, welches in
Achten Locken zu beiden Seiten des Gesichts herabfiel.
As frisches blühendes Gesicht, welches noch die Spuren
Hetzer Schönheit trug, zeigte unverkennbare Achnlich-
sA mit ihrem Sohne. Aus den klaren grauen Augen
Milde und Wohlwollen.
h. Ihre Tochter Ida, eine hübsche schlanke Blondine
blauen Augen, aus denen Frohsinn und Zufrieden-
leuchteten, war eben beschäftigt, den Nachmittags-
fe aufzutragen.
tz, ."Tieh nur Jdchen," sagte die Mutter, indem sie ihr
flckzmg in den Schoß sinken ließ, der Major, der bis
A so einsam lebte, scheint Besuch zu bekommen. Dort
der Postwagen vor dem Hause, eine Dame steigt
Es ist gewiß seine Tochter, denn sie begrüßen sich
zärtlich.

Ida war zu ihr ans Fenster getreten.
„Da ist noch ein fremder Herr," sagte sie. Er scheint
auch dort ausgestiegen zu sein. Er kommt die Straße
herab, sieht er nicht wie unser Friedrich aus? — Und
sieh nur, liebste Mama, er kommt gerade auf unser
Haus zu, er blickt herauf — Fritz!" rief sie jubelnd,
„es ist Fritz!"
Sic war zur Thüre hinansgeflogen, uud ehe die alte
Dame noch recht zur Besinnung gekommen 'war, lag sie
bereits in den Armen ihres Sohnes, nnd Freuden-
tbränen strömten aus ihren Augen, während sie ihn innig
an's Herz drückte.
Der erste Freudensturm war vorüber, und nun saßen
sie um den Kaffeetisch. Friedrich ließ die Blicke in dem
traulichen Zimmer umherschweifen uud begrüßte alle die
lieben gewohnten Gegenstände, die alten Möbel aus dem
Vaterhause, das Klavier, auf welchem er seine ersten
Kunststudien gemacht, die Kupferstiche an der Wand in
den altmodischen schwarzen Rahmen, wie langentbehrte
Freunde. — Hierauf erzählte er in Kürze seine Reise-
Erlebnisse.
„Also die junge Dame ist die Tochter des Majors?"
fragte die Mutter, als er geendet hatte.
' „Wie ich bereits gesagt habe. Sic nannte sich Frida
von Braunfeld."
„Das arme Mädchen!" bemerkte Ida. „Die gehoffte
Ueberraschung ist ihr sehr verbittert worden. Sic hatte
wobl heftige Schmerzen?"
Unzweifelhaft, obgleich sie dieselben muthig unter-
drückt batte."
„Herr von Brandau ist, wie man sagt, hier ge-

boren," fuhr die Mutter fort, sein Vater soll Rath bei
der hiesigen Gerichts-Deputation gewesen sein. Natürlich
ist er dadurch sowohl, wie durch sein zurückgezogenes
Leben ein Gegenstand besonderen Interesses für die guten
Waldauer. Man erzählt sich allerlei über die Gründe
seiner Pensionirung, auch wird behauptet, daß seine Ehe
mit der Tochter eines Generals nicht glücklich gewesen
sei. Was an diesen Erzählungen Wahres ist, läßt sich
schwer beurtheilen.
Doch nun zu etwas Anderem, lieber Fritz. Wir
rechnen natürlich darauf, Dich mindestens einige Wochen
bei uns zu behalten, Du weißt aber auch, daß ein Tbeil
dieser Zeit schon im Voraus von meinem Bruder mit
Beschlag belegt ist. Er war vorgestern in der Stadt
und hat mir besonders zur Pflicht gemacht, ihm Deine
Ankunft zu melden."
„Der gute Onkel 'Hermann," antwortcee der junge
Mann, „wie freut es mich, ihn zu sehen, ihn, der wie
ein Vater für mich gesorgt hat. Ich werde ihm niorgen
früh schreiben."
„Du weißt wohl noch gar nicht, Kitz," fiel Ida
ein, „daß Cousine Hedwig jetzt auch zu Hause ist?"
„In der Tbat, ich bin sehr gespannt, sie kennen
zu lernen."
„Du wirst überrascht sein," rief die Schwester eifrig,
„sie ist ein hübsches und sehr liebenswürdiges Mädchen.
Bald nach ihrer Ankunft besuchte fix uns und blieb
mehrere Tage hier. Wir haben gleich Freundschaft ge-
schlossen. Freilich," fügte sic uoch hinzu, „ist sic viel
klüger als ich, und ich komme mir neben ihr recht un-
reif und kindisch vor."
 
Annotationen