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Badische Post: Heidelberger Zeitung (gegr. 1858) u. Handelsblatt — 1923 (Januar bis Juni)

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https://doi.org/10.11588/diglit.15611#0017
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"^'r

Aus der Stadt.

^-, Aerzte und Kranlenkaffcn.

Dom LrItlichen Kreisverein Heidelberg-Land erhaltsL wir fol-
. «ende Zuschrift mit der Bitte um Berosfentiichung:

Die Ortslrankenkasse Hsidelberg hat ihren Äueschutz am letzten
Eonntag zu einer Sitzung zusammenberufen, um u. a. Stellung zu
Len Artikeln zu nehmen, die nach ihrcr Ansicht >n der letzten Zeit
' vvn ärztlicher Seite aus allzu häufig in der Tagespresse erscheinen
und das Derhältnis Ler Aerzte zu den Krankenlassen behandeln.
Wir stellen demgegenüber fest, dag weoer die Scidelbecger Aerzte
noch ihre Verbände V-ranlasser der Artikel waren. Die ärzt. iche
Notlage ist vielmehr bereits derart grotz geworden, dag wn
dabei nicht auf Berliner Erobstadtoerhältn:sse Bezug zu nehmen
Lrauchen; schon arbeitet ein Kollege aus unserem Bezirk taasuber
in Ovvau. ein Kollege aus einem Nachbarüezirk ist ebensalls in einer
rüabrik tätig und benützt die Abendstunden zur Ausübung seiner
Lrztlichen Tätigkeit während ein Dritter abwechselnd mit dem Orts-
apotheker eine Portierstelle in einem Fabrilbetrieb des Ortes

l "^^Die dem Aerztestand drohenden Gefahren und ein Artikel, der
- einen der Eeschäftsführer der Ortskasse Heidelveig zum Derfafser
hat und in sämtlichen Heidelberger Tageblättern erschienen ib,
i zwinaen uns zu eingehender Stellungnahme. Wir erlennen von
vornherein gerne die Sachlichkeit des Artikels iin allgemeinen an,

' mllssen im einzelnen fedoch gewisse N-chtigstelluiigen vornehmsn

Herr Stock bestreitet die Notlage des ärztlichen Standes nicht
nnd sücht sie eincrseiis durch besondere Schwierigkeiten, die dem
Aerztestand als solchen drohen, zu erllären. Zu letzteren rechnet er
vcr allem die starke Zunahme der ärztlichen Niederlassungen in
Stadt und Land seit Veendigung des Krieges. Wir stimmen ihm
Larin zu: wenn auch die Zunahme auf Lem Lande keine Ver,oppe-
lunq erfahren hat, so hat sich immerhin die Zahl der Aerzte aus Lem
Lanse seit 1914 von 14 auf 23 erhöht. wobei in der Stadt die Ber-
mehrung allerdings eine noch grötzers gewesen ist. Wir verkennen
, auch nicht, datz die Krankenkassen sich in einer gewissen Notlage
! dadurch befinden, datz sie in der Festfetzung des Erundlohnes und
Lamit in der Erhöhung der Beiträge nicht freie Hand haben, fondern
' an die Deftimmungen der Reichsversicherungsorünung gebunden und.

Wir geben auch ohn> weiteres zu, Latz die durch die Zeitlage bedinzre
i Erhöhung der Sätze in der Privatpraxis Las Publikum zu einer
Zurückhaltung in der Inanspruchnahme der ärzrl.chen Tatigknt ge-
fuhrt hat, welche sich besonders Lei den Aerzten in der Stadt suhl-
Lar macht. Es licgt uns sicherlich fern, von oen Krankenlasien zu
verlangen, datz ste die gesamte Aerzteschaft erhalt^n follen. a'.-r wir
müsien billigerwslse fordern, Latz die vvn den Kosien zugeüilligten
Honorarsätze einigermatzen den jeweiligen Teuerungsverhaltntssen
enlsprechen. Dies ist Lis heute jedoch durchaus iiicht der Fall. So
Letruqen die Novemüersätze 199 Mark für die Beratung in dei
Sprechstunde. fllr ben Besuch in der Wohnung dcs Kranken dis
Dovpelte, d. h. Las 190'ache der Friedeiissätze oei einer doch min-
destens L90- bis 1090'achen Verteuerung der allgemeinen Levens-
Ledürfnisie. Man vergleiche damit die Steigerung der Lohne „oer
Veamten und Arbeitcr zur selben Zeitl Leider ist es ,n Kur,st
unmöqlich, im ein'elnen die Eründe darzulegen, die emwanLfrei l',e-
w'sien datz 190 Mark im November für die ärzttiche Leistunq auch
wenn sie sofort Legtichen würde, selbst bei veller Ve>chastiguno
des Arztes zur ErrinFimg des Existenzmm.mums n-cht ausreicheii.
Dazu kommt noch, datz bei dieser doch wahrlich zchon an und >ur sich
qeringen Entlohnung sich der Kasienarzt noch Aostige an semer Nech-
nung in der Richtung gefallen lassen mutz, dag er dic Eeüuhreu sur
Lesondere Leistimgcn nur dreimal im Jierteliahr beim glr.chea
Patienten uad Krankheitsfall berechnen Larf. Zu Liesen üefonvcren
Leistungen zählen Operationen, Verbände. elcltrifche Vehand uug,
Masiage ufw., meistens Verrichtungen, zu welchen ein besonv.rer
Zeitauswand und besondere Jnstrumente erforoeilich sind. Dabe,
sind be'anntlich die Preise für ärztliche Jnstrumente noch weit ubei
die fonst üblichen Teuerungssätze hmaus gcstiegen. so datz heute die
Neueinrichtüng eines Lrztlichen Sprechzimmers m>t Jnstrumentarium
Mchrere Millionen Mark lostet. ,

Da die jeweiligen Honorarsätze meist aus .chiSdsgerichtsichem
Weae zwifchen den Organifationen der Krankeakasien und A-rzte
festaefetzt werden, fo haben sich die letztercn tem Organifationszwang
folqend mit ihnen abfinden müsien. Vorauef tzung der ich-eds-
aer'chtlichen Vereinbarung ist jedoch. datz dic Zahlungsn aus e i n e n
Lestimmt« n Teimin zu erfolgcn hättcn D.iefen Teim.n halt
die hiesiqe OrtÄrantenkasie im Eegenfatz zu cen mesten Belr,ebs-
krankenkäsien jedoch fo gut wie niemals em, indem si- die falligen.
Abschlaas'ahli.ngen in vertragswidr-qer Woise hmausfchieb. Fur
das vierte Vierteljahr 1922 z. B. würe sie nast. ocn zentralen Ab.-
machunqen vervflichtet qewef-n, sür ven Monat Oktober seatcitens
im Laüfe des Monats Novembei. sür den November spatei.ens bis
15. Dezember 1922 Zahlung zu leisten. Die„Zahlung fiir deri Monai
Oktober ist daqeaen erst am 10. D-zember. fur Lcn Monat Novcmber
ist bis heute noch keine Zahlung erfolgtü Welche Verluste der Arzt
Lei Ler fortschr.'itenden Gelden'.wertung durch fvlch verspatetc Aus-
zohlung fortgesetzt erleidet. braucht im einzelnen nicht ausgefuhrt

^ 'Auf^ein unter dem 21. 12. 1922 aa die O-K. t. Heidelberg ge-
richtetes Schreiben des är.ztlichen Kreisvereins. in dcm dic B'zahiung
der am 15. Dezember fälligen Abschlagszahlung für den Monat
Nooemler geforocrt wurde, erhielten wir dic o'fjtteilung, da'ij die
Kasie froh wäre, wenn sie bis 13. Ianuar 1923 das N ovembe r-
Lonorar begleichcn känne. Es gehe dcn Kafsen w-> dem Dcutschen
Neich Las trotz aller Ultimaten der Entente dcih nicht mebr be-
zahlen könne. Dicses Schre'ben beweist mehr w.e alle Worte wie
weniq die Verwaltung der Kasie sich ihrer Pftichten gegenüber ihren
Aerzten bewutzt ist. Wir müsien raher dazu bemerken: wenn Ber-
aleich« im allgemeinen zu hinken pflegen. fo besonders in diefem
Falle: das Deutfche Reich lietz sich leidcr zwingen, Veriragc zu
unterschreiben. die von vornhsrein iiücr das Mag der Erfiistungs-
möglichkeit hinausgingen. Es hat aber wen.gsten- Len gulen Will n
oezeiqt, alle Eläubiger in gleiche.n Matze »u befriedigen. Dies
ist aber bei der Ortskrankenkasse Heidelberg nuh! oer Fall: üe erstillt
Ihre Pflichten gegenüber ihren Angesiellten und Kasienmitgliedern
sehr wohl, unersüllbar sind für sie nur die Honoraranfpriiche ihrer
Kasicnärzte. obwohl si« nach den Beröffentlichungen sonstiger Kasien-
vcrbände nur etwa 13 Prozent der Ee,amtemnahmen der Kassen
Letraaen.

Nach unserem Dafürhalten kommen freiwillige Lei'tungen irr
Kaste daher — wir restmsn dazu noben dsr Errichiung eines Eene-
sungsheims auch die Millionenausgaben fiir Vorlauf von Verbands-
stofsen und Jrrigatoren. mag ein jolcher Kauf auch kaufmännifch nicht
zu beanstanden fein — für sie nur dann in Frage, wenn sie vorher
alle ihre Pflichtleistungen restlos ersullt hat. Jst dies nich!
der Fall, so mutz sie sich Z. B. auch in verwaltungstechnifcher Hmsicht
ln Ler Neubvschaffung von Veamtenstellen mnlichste Zurückhaltung
auferlegen, um so mehr wenn weit grötzere Kasien offenbar mancher
der in Heidelberg üblichen Instanzen entraten kcnnen. Werm da-
aegen Lie Ortskrankenlasie Heidelberg in dem eben erwaynien
Schreiben vom 27. Dezember 1922 erklärt, sie wolle den am 13. Dez.
1922 fälligen Betrag, vielleicht am 15. Januar 1923 bezahlen — zu
einer Zeit also. bis zu der alle Leistungen für das abgelaufene vierte
Dierteljahr 1922 befriedigt sein mützten —, fo hat dre Kaufkrast der
Mark bis Lähin möglicherweise bereiis wieder um 100 nder mehr
Prozent eingebiitzt. Jeder Arbeiter oder Angestellte verlan.it mit
vollem Recht seinen Lohn am fälligen Termin ohne Rllcksicht Lacauf,
wo der Arbeitgeber das Eeld dazu hernimmt. Auch vom A:st wird
Leim Einkauf allenthalben Barzahlung verlangi, einerlei ob er von
'«r Kasie sein Eeld hat oder nicht.

Wenn der Herr Artlkelschreiber der Ortskrankenkasie am Schlusie
einer Ausführungcn die Kasienmitglieder zur Sparsamkeii au'rust,
o stimmen wir Äerzte dem vollstäadig zu, solange sich diesss Spar-
ystem in den richtigen Ercnzen halt. Wi« leicht jedoch werden diese
iberschritten. so datz die Dolksgesundhsit dadurch den grötzten Schaden
irleidet. Dies würde sicherlich der Fall sein bei der von viclcn
kkasferroerwo'^"-^-" "

der Reichsversicherungsordnung, d. h. eine Ersetzung der freien a.zt-
lichen Dehandlung und Arzneiverabfolgung Lurch eine Barleistung
der Kasse im Erirankungsfall eines Mitglieds.^ Wir dencen dabei
in erster Linie'an ein neues Aufflackern der Snichen, spestcll dcr
Tuberkulose, an ein Umsichgceifeii d?r Eejchlechistr'rnkheilen und
vor allem auch an die Vernachlässiqiinz der rechtzeitigcn Erkennunz
des Krebses im Stadium seiner He>lblrrki"t. 2o -st staiistisch er-
wiesen, datz weibliche Kassenmitglieder in viel srulzerem Siadium dcs
Eebärmuttertrebses in ärztliche Behandlung treten. und daher riel-
mehr Aufsicht auf Ausheilung haben. als dies dei Privatpatienten
leider der Fall ist, welche aus pekuniären Eründen meist zu ipät
ärztliche Hilse aussuchen. Die Folgen solcher verkehrten Spurjan'keit
würden sich daher an Leü Versicherten selbst in erster Linie rächen
Die Veziehungen zwischen der Ortskranlenkasie Hsidelbecr, und
den Aerzten rn Stadt und Land sind bisher fast immer ourchaus
ungetrllbt gewesen, da auch diese Kasie für die Jnteresien oes Aerzte-
staudes ein wohlwollendes VerstänLnis bekundet hatte. Wir hoi-en,
datz dies auch wsiterhin zum Wohl der versicherlcn Mitglied»r der
Fall sein wird, sofern sich die Kassenverwaltung zum Erundiilg des
Leben und Lebenlassen bekennt.

* Verusung Prof. Onckens nach München. Dekanntlich hat Eeh.
Hofrat Prof. Dr. Oncken im April vergangenen Jahres seitens des
layerifchen Kultusministcriums einen Ruf nach Müniben erhalien.
Es scheint nun. datz Prof. Oncken diese Berufung endgültig ange-
nommen hat und nach Beendigung des Wintersemesters 1922/23
sein Lehramt in Miinchen antreten wird. Oncken wurde am 16. No-
vember 1869 in Oldenburg als Sohn eines grotzh. Hofkunsthändlers
geboren, besuchte das Oldenburger Gymnasium, wurde 1898 Privat-
dozent in Berlin und 1904 Lehrer an der königl. Kriegsakademie.
Im folgenden Jahre wirkte er als Professor an der Universität in
Chikaqo, kam dann 1906 nach Gietzen und 1997 als Nachfolger von
E. Marcks nach Heidelberg. Von seinen zahlreichen Vsröffent-
lichungen über neuere Eeschichte seien genannt: Oldenburger Ge-
schichtsquellen. Bau- vnd Kunstdenkmäler des Erotzherzogtums
Oldenburg, S. Franck, Lasialls, Ler hessische Staat und die Landes-
universität Eietzen, zum Gedächtnis Bismarcks, Rudolf v. Bennig-
sen, Amerika imd die grotzen Mächte. Atehrere Nufe anderer Uni-
versitäten, darunter zuletzt auch Wien und Hamburg, hatte er ab-
schlägig beschieden. Prof. Oncken hat an der hiestgen Universttät
15 Jahre als Historiker gelehrt und sein Weggang bedeutet fiir
Heidelberg einen schweren Verlust. Oncken trat befonders sür den
grotzdeutschen Eedanken ein und beschäftigte sich in den letzten
Iahren in ausgedehntem Maße mit Lem Studium der französijchen
Rheinlandpolitik.

* Ein Fernbeben. Der Erdbebenapparat der Sternwarte auf dem
Königsstuhl verzeichnete am Morgen des 31. Dezember ein Fern -
beben, dessen unscharfer Einsatz auf 8.49.28 llhr siel. Die langen
Wellen begannen 8.59.28 Uhr, während die grötzte Stärke auf 9.7.56
Uhr fiel. Die Bewegung erlosch etwa um 9.56 Uhr. Die Entfernung
des Herdes war nicht mit Sicherheit zu ermitteln, doch dürfte ste
grötzer als 3909 Kilometer sein.

" Ein dänischer Kindersreund. Als Wohltäter der Heidelberger
bedürftigen Kinder zeigte sich Schuldirektor Dr. Christian Möller
aus Hinnerup in Jütland. Herr Dr. Möller und seine Eemahlin,
eine gebürtige Düsieldorferin, die gegenwärtig wiedsr in Heidelberg
weilen, bereiteten am Samstag nachmittag durch eine Stiftung von
400 000 Mark, die z. T. von Kmdern seiner dänischen Schule gefank-
melt waren, bedllrftigen Volksschulkindern ein schönes Weihnachtsfest.
Die Kinder wurden mit praktifchcn Eaben überrascht und liebevoll
mit Kakao und Weihnachtsgebäck bewirtet. Um das Zustandekommen
der Feier hatten stch insbesondere noch die Damen Frau Vaurat
Eitner, Frl. Anna Erotz, Frl. Kleinlein, Frau Kochen-
burger und Frau Loos uno die Herren Dekan Schlier, der
bei der Feier eine Anfpvache hielt, und envä. rer. pol. Hecht, der
die Roüe des Weihnachtsmannes übernommen hatte, verdient ge-
macht. Für die Bedienung der kleinen Eäste sorgten Schülerinnen
der hiesigen Höheren Mädchenschule. Es ist dies die zweite Weih-
nachtsbes'cherung, die Direktor Möller hiesigen Kindern bereitet. Er
hat autzerdem für Las Heidelberger Krüppelheim einen ansehnlichen
Betrag gestiftet. »

" Allgemeine Ortskrankenkasse fiir AmtsLezirk HeidelLerg. Eine
Ausschutzsitzung der Allgemeinen Ortskrankcnkasse am Sonntag, üen
31. Dezember, befatzte sich mit dcn einzelnen durch gesetzliche Neue-
rungen uno gsschäftliche Notwcndigkeiten bedingten Matznahmen.
Der Ausschußvorsitzende Helsfrich cröfsnete und leitcte Lie Ner>
fammlung. Zum Pnnkt Abrechnung iibsr die Errichtung des Er-
holunxsheims „Alt-Heidelberg" in Sscheim berichtete Hauptkasjierer
Kehr. Demnach stellt sich der Eesamterstellungspreis auf
1 883 179 Mk. Tas Heim ist nun vollständig fertig. Im Jahre 1921
wurden 143 Mitglisder mit 8000 Verpflegungstagen unterhalten.
Der Verpflegungstag losiete 53,51 Mk. Jm Jahre 1922 wurden
149 Mitglisder mit insgefamt 2977 Verpflegungstagen unterhalten.
Der Berpflegungstag stellte sich anf 330 Mk. Ueber Winter ist Las
Heim geschtossen. Ueber den Umbau und die Herrichtung der Büro-
räume berichtet Vorsitzender Schneider- Die Arbeiten waren
seit mehr als zehn Iähren notwendig und sind durch Krieg und
Nachkriegszeit verschoben worden. Die bereits verausgabten Kosten
werden genehmigt und dem Vorstand und der Verwaltung die Er-
mächtigung erteilt, die Arbeiten zu vollziehen. UeLer die Statuten-
änderungen referierte Verwaltungsdirektor Stock. Der Maximal-
fatz der Erundlöhne ist von 500 aus 1800 srhöht. Verwaltung und
Vorstand schlagen oor, 10 Klasien zu schafjen. Die geringste wird
mit 36. die höchste mit 1860 Mk. Erundlohn bemessen. Das Kranken-
gelo soll 60!T vom Erundlohn betragen. Wer länger als 14 Tage
krank ist, erhält Unterstlltzung vom ersten Tage ab. Die Ledigen er-
halten l5?S, die Verheiräteten 100^ des Krankengeldsatzes bei Auf-
nahme in ein Krankenhaus und Tragung der Eefamtkrankenhaus-
kosten. Dei kleinen Leistungen soll bis 2000 Mk. bezahlt werden.
Das Wochengeld ist den gcsetzlichen Bestimmungen gemätz erheblich
crhöht. Das Sterbegeld soll das Dreitzigfache vom Erundlohn be-
tragen. An Familienhilfe foll autzer dem Sterbegeld ein hälftiger
Zuschutz zu dcn Arztkosten auf die Dauer ron 13 Mochen, ferner
Zahnziehen, schlictzlich ein Viertel aus die Dauer von vier Wochen
bei Einweifung in das Krankenhaus gewährt werden. Mit der
Einfiihrung soll schrittweise vorgegangen wcrden. Mehrleistungen
erhalten nur die Mitglieder, die bereits 26 Wochen der Kasis oder
einer Kasse, die Mehrleistungen hat, angehört haben. Endlich sei
eine siatutarische Bestimmung zu schassen, wonach seitens der Arbeit-
geber die Veiträge wöchentlich, wenigstcns in Abschlagszahlunqen,
abzusllhren seien, wenn die Verwattung dies für notwendig hält.
Zuqestimmt wurde, datz für Zahnziehen und Plombieren die 5iälfte
ersetzt wird. Schlictzlich wird der Vorlage inklusive der Erhöhung
des Beitrages von 711 aus 8?L gcgen eine Stimme zugestimmt.
Alsdann hielt Verwaltungsdirektor Iost einen Vortrag llber
„Arzt- und Medikamentenfragen". Die Kosten für Arzt und Medizin
sind enorm gestiegen. 1914 noch 5 Mk. pro Mitglied und Jahr, be-
trägt der Aversumsatz im Dezember für das Jcchr 2009, also das
400sache und diirste nach Derhandlungsabschlutz noch höher kommen.
Einzelne Medikamentenpreife seien um das 3000fache gestiegen. Ein
Pakct Watte, früher 10 Pfg-, kostet nun 180 Mk. Das Schlimmere
liegt aber darin, datz dreimal soviel Aerzte da sind als früher.
Durch das Einzelleistungosystem ist cs der Fall, datz Aerzie den
Patienten mehr aussuchen. als die Krankheit dies erfordert. Die
Einsiihrung der Flaschenpfandgebühr war gut und zweckmätzig. Wo
der Heilungsprozetz mit billigeren Mitteln möglich, mutz er mit
diesen durchgeführt werden. Die Ausführungen wurden lebhaft
durch mehrere Nedner unterstützt, wobei von den Landdelegierten
verlangt wird, datz sie mit der Einführung der Einzelleistung nicht
mehr an die Kurbezirke gebunden sind. Dies wurde vom Vorstand
zugesichert. Dabei wurde betont, datz es sich nicht um eine Vs-
fchneidung der Hilfe bei Krankheit handeln kann, sondern es wiirde
nur eine sachgemätze und geordnete Vehandlung verlangt werden.
Der Ausschutzvorsitzende, Cchuhmachermeister Helffrich, schlotz
hierauf die anregend verlaufeye Ausfchutzsitzung.

^ Das Wirtsgewerbe gegen die Schlemmcrei. Die Hauptorgani-
sation des Deutschen Hotel-, East- und Schankwirlschaftsgewerbes, der
Deutschen Eafsbausbesiz,-: und verwandter Betriebe richten in einem

-die MkchnunL, auch

ihrerseits zu Einfachheit und Mätzigkeit in Ler Lebensführung weiter
Kreise des Volkes beizutraoen. Jn dem Aufrus wir u. a. gefagt: Wir
verkennen keineswegs, datz stch auch innerhalb des Eastwirtsgewerbes.
in den letzten Jahren einzeme bedauerliche Auswüchfs gezeigt haücn,
wie dies ebenso und in erhöhtem Matze auf andcrcn Eeoieten unferes
Wirtschaftslebens leider der Fall ist. Jn Erkenntnis, datz das East-
wirtsgewerbe in Anbetracht «feiner weilhin sichtbaren Kutturstellung
eine besondere Verantworiung zu tragen hat, richten seine Führer
an alle Berufsgenossen in Stadt und Land die dringende Bitte, in
ihren Betrieben strengste Einfachheit, Sparsamkeit, Selbstzucht und
Atätzigkeit walten zu lassen.

* Perkauf von Siedlungshäusern. Wie wir vor einigen Tagen
schon mitteilen konnten, plant die Eisenbahndirektion, mehrere Sied-
tungshäuser im Stadtteil Handfchuhsheim anzukaufen. Nachdem der
beschlietzende Ausschutz dem Verkauf zustimmte, dürften Lie schweben-
den Verhandlungen nunmehr vor dem Abschlutz stehen.

* Das Berger-Trio aus Eraz, das am 10. Ianuar im Harmonie-
saal ein Konzert gibt, stellt sich die heute nicht hoch genug zu be-
wertende Aufgabe, leichtere aüer stets vornehme linterhaltungsmusik
in bester künstlerijcher Ausführung darzübieten. Jn dem Leiter der
Veranstaltung, Mustk-Dir. H. A. Berger, lernen wir einen Ver-
treter des virtuosen Kontrabatzspieles kennen. Etwas ganz Neues
bieten die Metodramen, von Frl. A. Erhardt vorgetragen, mit
4.riobegleitung. Das Programm enthält u. a. das Werk „Evangeline"
unseres Heidelberger Komponisten H. Neal zum erstcnmal in der
Vearbeitung als Melodram. Mustkliebende Kreise, die bei nicht zu
schwer verständlichen Darbietungen einen genutzreichen Abend ver-
bringen wollen, seien besonders auf das Konzert hingewiesen.
Naheres im Jnserat.

* Die Arbeitsmarktlage in Baden hat stch auch weiterhin ver«
schlechtert. Jm besonderen sind es ungelernte Arbeitskräste, die
sich anbieten, deren llnierüringungsmöglichkeit jedoch von Tag ,zu Tag
schwieriger wird. Aber auch Las Angebot von gelernten Arbeitern
ist allgemein stärker als die Nachsrage. Sowohl in öffentlichen wie in
Privatbetrieben mutzten weitere Entlasfungen vorgcnommen
werden. Drei Betriebe nahmen Betrieoseinschränkungen vor, wovon
rund 250 Männer und gegen 1000 Frauen betroffen 'wurdsn. Neun
Firmen der Schmuckwarenindustrie in Pforzheim waren gezwungen,
infolge Mangels an Aufträgen 204 Münner und 189 Frauen zu
entlasien.

* Stadttkeater. Heute ist die letzte Auffiihrung des „F uh r -
mann Henschel" von Eerhart Hauptmann. Die Hauptrollen wsr-
den gespielt von Christa Mattner und Ludwig Heinle. Die Jnszenie-
rung hat Oberspielleiter Helwig.

* Katzenma.der. Am 2. Januar wurden im Eewann Synd, Ee-
markung Kirchheim, drei tote Katzen, denen die Felle abgezogen
waren, gefunden.

„ * Polizcibericht vom 2. Ianuar. Festgenommen wurden:

6 Bettler und Landstrricher sowse ein Obdachloser. — ZurAnzeige
gekangten 17 Personen, darunter eiue flüchtige Dirne wegen Zech-
betrugs, 2 Perfonen megen groben Unfugs, 7 Ruhestörer und zwei
auswärts wohnende Taglöhner, die ihre Kinder zum Betteln aus-
schickten.

» Wettcrbericht der bad. Landeswettcrwarte. Voraussichtliche
Witterung: Meist bewölkt, rorerst noch geringe Niederschläge, im Ee-
b-rge anfanglich Schnee, später Erwärmung. Auffrischende föhnartige
sudwestliche Wmde.

JsraelitisLer GotteSdienst. Samstag: Predlgt.

wendet. Hvffentlich «elingt es. die°Tlte°/7n°fEig L'mach77

el. UntersKwarz3. Jan. Die lladv-am-»-.-
schr lebbast gefeiert. BiS svät nach Mittcrnacht klana noch d!c StrM- 7 n
d-n Nnfen der NackEIer Zu Ausschr-Uungenlst L nicht
Jm benachbarten Iieunkirchen, baregcn gab es eine Mcsser.

iitr die bcteilirten Burschen von unangenebmen ff-olge»
riner Ler letzten Nächte vcrsuchien Diebe die
Nauchkammcr des Mctzgermcisters S t a b l auszuräumen, wurden abcr
durch LaS Dazukommen des Sobnes gebinbert und crgriifen ungcscben die
§ Lwdwig L icbig hier wurde in ben Nnssichtsrat der

Tonwerk« A.-G. gewaM alS weitcres Mitglieb. — Der Gciana-
vorein »Licdcrkranz" bielt eine woblgelumgene W e i b n a ch t s f c i e r ab.
Dic aufgefubrien Tbeaterstücke fanben willig OSr b-i den zablreichen Zu-
scvauern.

d. Dossenbeim. 3. Jan. Unsere neue Glocken baben dieses Jakr zum
crftcnmal das neue Jemr feie'rlich einaeläutet. Jm allgeineincn ist dcr
Uebcrgang vom altcn ins neue Jabr gcgcn sonsiigen Jabresweckicl ziem-
sa- /iidig verlaufen. Man börte nicht viel Radau nnd es wurbe anch
zicmlich mcnlg geschoffen. Auch die Wirischasten sollcn im allg-meincn nicht
ko beictzt gewesen lem, wie an sonftigen SilvesteraSendeu.

Dottcnbeiin.L. dlus dem kirchlichen Lebcn dcr biesigen
cvangelischen Gemcindc aus dcm Jabre 1SL2 ift iolgendcS zu berickten:
Getauft wurben 40 Kinder lL2 Knabcn und 18 Mädchenl, konsiriniert 08
Knioer, getraut 17 Paare, gestorbcn sind 17 Pcrsonen. Am Abendmrbl
nabmrn terl 1SS9 Pcrsoncn. An kirchlichcn Siiftungen gingcn 12 408 Mark.
an Kollekten 12 888 Mark, burch kirchliche Sammlungcn 86 4->7 Mark ldar-
unter iür den 6!ustav-Adolf-Vcrein 800 Mark, ein. An LiebcSgaben wnr-
dcn gcgebcn 87 463 Mark, an Armcngaben 10 4S0 Mark. für ?lnstalten
gingen cin 10 700 Mark und für ben Krankenvslegeverein wurdcn 22 067
Mark gcocbcn.

— M-mnbesm. 8. Jan. JnangStrunken-m Zustand neckten
sich In eincm bicsifen Eastbaus der LSiäbrige Gärtner Alir-d H i l c r nnd
der LOlabrige Arbciter Tbcobor Schmtng Hierbei siach 'der lctztgerraimt-
Len Gartner Hllger mit cincm Dolch in bie Brnitscite, so dab Ler T o d
alsbald cintrat. - DaS 10 Monate akte Kind ciner üi-sigen Samilie
iturztc aus bem Kinderwagen au-f den Zimmcrbodea. Ter Wazen siel mit
um und bcgrub das Kind unter s!ch, so datz -S e r st i ck t e — Ein v-r-
bcivatctcr Hasenardnter namcns Gustav Z i m m -> r m a n n gab auf seine
Srbwägerin und seinen Onkel drei scharfc R c v o l v e r s ch ü s s - ab. Glück-
lichernicise wurde niemand getrosien. —- Wegen K ö r v e r v e r > e tz n n g
gelangtcn in dcn lctzten Tagen 23 P-rioncn znr Anzeige. Wegcn riersch'e.
dener strasbarcr Handiungen wurden «6 Personeu feüg.nommcn. — 3m
- 0 Üafen ist dvr Hasenschlcvver „Pionier" gcsunken. Bon cincm

in der Näbe licgenden Schifse ist beobgchtct worden, dah nachts drei Mäan-r
auf dcm Scklevvcr waren: cs dürste somit ein Verbrcchcn'vorlicgen.

— Manubeim, I. Ian. Die ungünstige Lage d-e S t r a s; c n b a b n.
dcren Deflzit nunmebr cine balbc Mtlliarde bcträgt, bat die
Stadtvcrwaltung vcranlaiit, in dcn letztcn Tagen mcbr als 280 Strih-n»
bahnern zu kündigeii: darnnter befinben iich solchc, die schon mebr als
12 Jabrc im Dienkte ber Straftenbabn sind.

— Oberflockenbach 'bei Wcinheim, 1. San. Zwei bicsigen Famüien
wnrbe die gciamte zum Trockncn aufgekängte W ä s ch c im Werte von
200 000 Mark g e st o b l c n. Tie bciden Täter — cin Ebausicur und cin
Taglöbncr aus Mannkrim — wurden auk dcm Mannüeimcr Sauvtbahnbof
scstgenommcn. Die Beute wurd« ibnen wieber abgenommen.

— Dnrlach. 3. Jan. Der städtische Boranschlag fttr das
Nabr 1022/23 schlietzt mit cinem Scblbetrag von über 43 Millionen ab.

— Karssruhe, 3. Jan. Di« „B a d i s ch s P r e l s c" tcilt mit. batz N°
ab 1. Januar znm cinmaligcn täglichen Ericheinen übergegongcn ist
An den Montagcn rocrben zwei Ausgaben, Nüttag. nnd Abendblalt, er/
schctnen.

— Karlsrube. 1. Ian. Don zuständiger Stell« wird uns mitgrteikt:
Wie seb-r bie Gcldcntwertung und die Entioicklung der staatiicben nnd
ftädtischcn F-inanzcn die Lage dcr dcutschen Tbeatsr acfäbrdet. !st in ben
Zeitungen oft erörtcrt worden. Bicle Städte baben tbrc Biibnenbetriebe
tchon gctchkvsscn. Um rechtzcitig der Gsfahr einer svlchcn Notwendigkeit
zu bcgegncn, kat der Berwaltnngsre.t d:s Badischen LandeStbeaters lUnter-
richtsministerium, F-inanzmintsterlum und Stadtverwaltuvg Karlsrube) sich
gu Einsvarungen im Personalaus w a n - entschljetzen müksen.
Nacki der Nrt der vorgesebcnen Einschränkungen ikt die Erbaltung dcs künst-
lcrischen Standcs ber Leistungen bcs LandestbeatcrS sewährletstet.

O Psorzlielm, 8. Jan. Seit etwa acht Tagen slnd hier 30 k, o l l 8 n d I -
sche P k a b s! n d e r bei bcm bicsigcn Psabkindcrkoivs zu Easte, um anf
einer Wanderung durch Dentlchlan d das Leben und Trciben der
dcutschen Pfadktndcr zu studieren. Die Holländer stclltcn bcm lnesigen
Psadfinderkorvs 80 600 Dtark zur Verfügung und ermöglichtcn die Bs-
scherung von 80 armen Kinbern.

O Nenstadt i. Sck'w.. I. Jan. Aus der Söllentakbabn kommt vom
1. Januar ab bei dcn Pcrs«nen,Ng,n die 3. Klass« jn Wcgiall. Die Zü«
iüchren nur noch Lie I-LLiajfr, ... ..
 
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