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Badische Post: Heidelberger Zeitung (gegr. 1858) u. Handelsblatt — 1923 (Januar bis Juni)

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https://doi.org/10.11588/diglit.15611#0639
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ZOrgmig - Ar. 104

^Ntkrk,»,,^ Doft^ erscheint wöchentl- siebenmal. Beilaqen: Didaskalia lEonnt.) —

"uverigl', fivsblatt lskreitaqss - Literaturblatt — Sochschulbciiage lm 0 n -- tlichs.
-—me Beiträae ohne Derantwortung. Rücksendung nur, wenn Porto beiliegt.

Heidelberger Zeitung Matas. »«> is. Apni MZ

(Gegründet 1858)

«ud

HandelsbLatt

HauptgefchSitrstelle u. Schristleitg. Ler.Vadischen Posi" Heibelberg, Hauvtstr. 23. flernspr.
Nr. 182 Berliner Dertretung: Berltn 8V 48, Zimmerstrabe S, Fernipr. Zentr. 418,
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Die üblicheu Phrasen Ln der Dünkirchener Nede PoLneares.

Don unserem Il-Korrespondenten.

. Parrs, 15. April.

^weif ^^ewheit der Lereits airgetündigten Kriegerdenkmalö-
^ Dünkirchen hielt Poincars heuts die mit so
üch «„?^""ung erwartete Rede. Man mutz sagen, datz fie Min-
Niih .'täuscht, denn fie enthielt so gut mie gar nichts Neues
whßtd nur, was man schon so oft gehört hatte und längst

Servj^' erste Hälste der Rede war der Geschichte r>on Dünkirchen
^1, allem den ständigen Bedrohungen durch die Enz-
bgtz / Aus diesem Teile der Rede ist eigentkich nur eist einziger
^^nswert: So ost England in der Nähe seiner
sgh ^n eine militärische oder maritime Gefahr
eins solche zn sehen glanbte, zögerte es
Ntgg' voller Ausübung seiner Aoheitsrechte
E«Na , SN «rgreifen, dre es für die Erhal-

4t«lt ^'^Er nentralen Sicherheit für notwendig
Ntzch ^ Daraus zisht Poinca-rs den Schlutz: England dürfe nun
?Egen ^slnunt sein, wenn Frankreich seine Erenzen
kessxy ^Neu« Vele-letzunge>f schütze, und wenn es ein Volk,
^icht ^wperialismus unheilbar sei (damit ist Deutschland gsmeint,
Är t^I^^nkreich!) daran hindern wolle, heimliche Vorbereitunzen
Poincarö fährt dann fart: Der Friede, welcher Frank-
Seworden ist, enthält nur nnvollkommene, unsichere und
'iche Earanticn; auch wären viele Verstrechungen später
^ich j^^ worden. Wie wollte man also nicht zulafien, datz Frank-
W Eirwcrnehmen mit seinen Alliierten die Mittel suche, um
uief unwahrscheknlichere und viel schwerere Gefahren z«
ukvht gla^jE I^ue waren, von welche« England stch einstens bs-

u r e erinnert daun än das Wirken des englifchen
h»tte, 'ulsters Kitchener. der bereits im Juli 1914 erklärt
Krieg werde aller Vorausstcht nach sehr lange dau«rn, und

wit der Bevölkerung von Dünkirchen und Ealais drei-
Hvr ^ ^uchtverträge adschlotz. Aüer auch diese gingen noch viel
^Sl'i uls der Krieg selbst. Poincare zollt darauf den
Soldaten etn sehr bedingtes Lob und
fehr vieler Monate habe Franireich allein auf
''^Euen Boden den Hauptschlag der Deutschen aushalten
sktzn Frankreich sei durch den Krieg am schwersten getroffen,
De oade die ineisten Toten, die meisten Derwundeten und auch
^lrnd. matvriellen Verluste gehabt, daher kann es auch nicht
^° N -f "ehnren, wenn Frankreich auf seine Repara-
?iil, I"^derungen uicht verzichten und auch aus
erm t ndertz ng sich nicht einlassen will.
^ sg Mch hat es seinen Toten geschworen, datz «s den Sieg, welchen
^kviol^ ^kauft hat, iricht verlieren will, vor dem neu errichteten
s". '°kl diessr Schwur feierlich erneuert werden. Weil Deutfch-
^ Verpflichtungen nicht erfüllt hat und auch nichts dazn
He zü erfüllen. mutzte FraNkreich selbst nahezu 100 Mil-
M ^.l^ktnken vorschiehen. Gemätz dem Friedensvertrage nnd ge-
d ^eschlufie der Reparationskommifsion ergriff Frvnkreich

und führte Zwangsmatznahmen durch. Drei Jahre lang
"^reich Geduld, aber dies alles Lrachte ihm nur Ent-

warte« und neue Verfehlungen Deutschlrmds z» er-
ldtzh^ ' ^rutschland erne Zahlungssrist ohne Earantien zn ge-
bü, wiirde uur bedeuten, dah Frankreich fich immer Deutsch-
Hp. . land ausliesert.

?^ di- I>kellnngen. Man sah hter, wie mühelos (!) Deutsch-
iv'^üt-. ^^'^^»ungen hätte erfüllen können, die may von ihm
^ Frankreich ist auch der Anficht, dah Dsutschland ganz leicht
^il tzg gewesen wäre, in ausländischen Devisen zu bezahlen,
M eine Menge Devisen für andeve Zwecke verwendet.

konnte Frankreich auch an Ort und Stelle die mili-
8* iäg n, ?Sanisationen beobachten und entlarven und auflösen,
L^^pol! kiereits in Oberschlssten unter dem unschuldigen Titel
Ast, d^r. verheimlicht hatte. Frankreich gewann auch die Sicher-
^^1 tvni^"^^^, wenn ihm eiti zweijähriges Morntorium ge-
> ^ das, ^äre, ohne gleichzeitig Sicherheiten zu evgreifen. ein-
dieser Frist mit einer Mlehnung der ftanzösischen
bi^^kreich ? Seaniwortet haben würde. Jn diese Sackgafie wärs
. "rdru ^ eine Politik des Zöge-rns und der Schwäche geführt
l Pfänder.welche Deutschland nicht

-"Hte, und welche aucheinzelne derAlli-
bestemElauben für nutzlos halten,
, ^kr e j ch fjjr durchaus unentbehrlich. Was
p, ^ ^ Nd ^Eichoh, Leweist, datz Frankreich sich nicht täuschte, die
"k ^lben fest inder Hand Frankreichs, sie
gegen einfachc Versprechungen
^ den ", b aufgegeben werden. Wir werden uns
si^^chlane 'o tiejctzrcn Gebieten «rst dann Mrückztehelp. wenn
Zahlungen leistet, wclche Frankrcich oon ihm fovvert,
p-x dicsen Willen betont und vor der ganzen Welt
Es sie Heiligkcit (?) der Friedensverträge und der
h A "p Gein der Welt respektieren lafien will, ist Frank-

kl der ^blker nicht gesunken (?), tm Eegenieil, es steht

^ °^nhei<t "^er jener. die seine Rechtlichkeit und seine Ent-

iryatzen, (!>) Selibst jeue Freunde F<ra»kreichs i« Lnz-

land und in Amerika, welche nicht die Ansichten Frankreichs über
die Rechtmätzigkeit der Ruhraktion billigten, mußten wenigstens die
Gründe billigen, welche die Haltung und das Vorgehen Franlreichs
diktierten. Sie mutzten di« berechtigten ftanzösischen Ansprllche an-
erkennen. Der Umschwung der öffentlichen Meinung in England
u-nd Amerika, dsr stch zugunsten Frankreichs vollzogen hat, und von
welchem auch ein hervorragender Vertreter Dülrkirchens, Herr
Loucheur, Beweise empfangen hat, ist zum grötzten Teile darauf
zurückzuführen, datz Frankreich wutzte, was es wollte, und datz es
jetzt. wie BonarLaw sich aus'crückte, die Lebensader
Dentschlands in der Hand hat. ALer Frankreich denki
nicht Laran, irgend jemand zu erwürgen, es hat keinen anderen
Ehrgeiz, als Lezahlt zu werden (!?) und sich vor sinem finanziellen
Zusammenbruch zu schützen. Die Beschuldigung des Zmperialismus,
welche dre' deutsche Propaganda verbreitet, ist eine Dummheit und
eine Kinderei. >

Kein vernüliftiger Teist kann im Ernstc glüubsn, datz Frankreich,
welches dic Menschenrechte proklamiert, den oerrückten Gedanken
hätte, seiner Herrschaft answärtige Bevölkernngen z« untcrwerfen.

Poincarv rechnet dann mit seinen Eegnern in Frankreich sekbst aü,
mit den Kommunisten, den Clemencisten, dem „Oeuore", der „Ere
Nouvelle", und sagt: Es sind nicht di« Vorwürfe einer Handvoll
entarteter Franzosen, welch« uns von dem Wege abibringen werden,
Len wir uns vorgefchrieben haben, es geniigt uns-, Lie Zustimmung
des Landes und der Kammer zn haben. Eingelne Leute, die uns
nicht erimltigt haben, das Ruhrgebiet zn betreten, wollen heute unser
Anternehlnen noch überbieten und die Schwäche unserer Operation
anklagen (Clemenceau und Tardieu); sie werden uns nicht hindern,
ohne UebersKrzung und ohne Fieber, aber mit Hartnäckigkeit, das
Problem W entwickeln, welches die Delegierten Ler Lelgischen und
der französischen Regierung tn gemeinsamer Arbeit aufgestellt haben.
Bei diesem Werke, welches von langer Dauer sein kann, werden fie
weder unsere Kaltblütigkeit noch unser Dertrauen haben. Andere
Verleumder beharrpten, datz die Besetzung des Ruhrgebiets auch die
Teuerung der Lebensmitte! mit stch gebracht habe („Osnvre" und
„Ere Nouvelle"). Ms ob die Teuerung der Lebensmittel nicht von
unseren wirtschastlichen und finanziellen Vedingungen obhängen
würde, und als ob die)e Lage nicht zurückzuführen wäre auf die
ungeheuren Schulden, welche wir machen mutzten, um die Zahlungen
durchzuführen, die eigentlich Deutschland leisten sollte. Die Regie-
rungseientschlossen, zuvoklenden, was sieange-
fangenhabe, si« werde es gednldig vollenden, damit der voll-
kommene WieLeraufbau -der zerstörten Gebiete vollzogen und Frank-
reich wieder aufgerichtet werden kaim. Vergeblich werd«
Deutfchiland von Frankreich auch nur ein« Minute
des Wankens erwarten, Fmnkreich werde durchhalten, wie
es dies bisher tat, ohne .Gswalttätigkeit (!) imd ohne Provokation.
Es werde bis ans Ende gehen und endlich durch
einendauerhaftenFriedendasWerkseinerToten
krönen.

Sm sauberes Trmmvirat.

Drek Minifter znr Feftstellung der Ausbentmlgsmöglichkrrte«
Von unserem H-Korrespondenten.

Paris, 15. Aprkk.

Drei französisch« Minister begeben sich ins
Ruhrgebiet, Le Trocquer, der stch die Halden im Ruhr-
gebiet ansehen und der neue Kohlen für die Befchlagnahmung suchen
soll und gleichzeitig auch dis Eisenbahnen inspizieren will, der
Finanzminister Delasteyrie. der mit einem belgischen Derfteter
über die Einsührung einer gemeinsamen Bnchfüh-
rung im Ruhrgebiet Leraten wird (von der bekanntlich in
dem amtlichen Berichte Lber die Pariser Ministerkonferenz gesagt
war, datz man eine gemeinsame Vuchführung einrichten werde, und
datz man alles daran setzen werde, um möglichst viel Kohlen, Koks,
und Produkte zu beschlagncchmdn. damit man wenigstens
die Besatzungskosten decken könne). Zu dieser Äbsicht
sckreibt aber schon heute das „Echo de Paris" sehr offen, sie werde
zu einer Reihe von politischen Verwicklungen führen,
demr die Vesatzungskosten, die jeder einzelnen Macht zu-
stehen, sind bekanntlich schon seit langer Zeit genau festgelegt,
und wenn Frankreich und Belgien ihre Vcsatzung erweitert haben,
ohne die Lbrigen Allierten zu Mate zu ziehen, und jetzt mit ihren
Besatzungskosten nicht ausreichen können, so hätten sie dieselben
einfach aus ihrer eigencn Taschs zu bezahlen und alle
Konfersnzen und neuen Buchführungen kännen an diesem Zustand
der Dinge, so peinlich er ihnen auch immer ist, nichts ändern.
Natürlich mutz man sich jetzt darauf gefatzt machen, datz im Ruhr-
gebiet die „Beschlägnahmungen" jetzt in einem
grötzeren Umfange einsetzcn. So soll auch beabsichtiat
sein, datz überall dort, wo die Kohlensteuer nicht bezahlt wörden ist,
den Jndustriellen ihre maschinellen Einrichtun-
gen weggenommen werden sollen. Als dritter Minister wird
Kriegsminister Maginot nach dem Rnhrgebiet reisen.

DemifsiM Bonar LaVs?

P«is, 15. Avrrl (Eig. Drahtm.) Der „Observer" veröffentlicht
einen langcn Artikel. in welchem er auf eine bevorstehende De-

misjion Bonar Laws verweist und als seinen vermutlicheir

Nachfolger den ehemaligen Prefiechef Lloyd Eeorges. Riddel, be-
zeichnet. Von anderen Zeitungen wird Lord Lurzon als sein
Nachfolger bezeichnet, da aber Lord Curzon Mitglied des Ober-
hauses ist, werde vermutlich Baldwin Führer der Mehrheit des
Unterhauses sein.

Die mieralliierten Verhandlmigen.

Delarroix und Vartho« arbeiten ein Reparationsproqramm aus.

Don unserem 8-Korrespondenten.

Paris, 15. April-

. Vor einer Woche hatten wir darauf aufmerksam gemacht, datz
jetzi eine Periode der interalliierten Verhandlungen beginnen
werde. Wenn man dte amtlichen Derichte las, so konnte man gn
der Wahrheit dieser Voraussage zweifeln, doch mutz man fich vor
Augen halten, dah die amtlichen Berichte immer nur für die öffent-
liche Meinung des Jnlandes bestimmt stnd, und die Opposition
reizen oder beruhigen sollen. Es kann doch aufrecht er-
haltenwerden, datz die interalliierten Derhand-
lungen, die mit der Reise Loucheurs nach London
Legannen, ihre Fortsetzung nehmen. Man will jetzt
alles versuchen, um eine Einigung mit England herbeizuführen,
denn in Belgien und Frankreich hat man jetzt eingesshen, datz man
Deutschland niemäls zu Verhandlungen wird be-
wegen können, wenn man nicht England an seiner Seit«
hat. Wie aber die ganze Polrtik Poincarvs auf Heimlichkeiten
aufgebaut ist, und wie immer alles geschieht, um nyr ja die Ooffent-
lichkeit nicht in die Dinge hineinblicken zu lafien. so werden auch
'oie Verhandlungen mit England nicht auf dem ofsenen Wege einer
Konferenz vor sich gehen, sondern auf dem Wege von diplomatischen
Besprechungen und Noten, was natürlich nichts daran hindert, datz
man mit aller Macht versucht. England fiir einc belgisch-franzöfische
Lösung der Reparation und Ruhrsrage zu gewinnen.

Am Samstäg rkchtete Poincars eine Devesche an die eng-
lische Regierung und versprach, fie über alle Verhandlungen in der
Reparationsfrage auf dem Laufenden zu crhalten. Jaspar hatte
sogar die Absicht, sich direkt von Paris aus nach London zu begeben,
aber er lietz dies sein, um nicht den Eindruck zu erwecken, als ob
man auf dieselbe Politik zurückgekommen sei, die man erst vor kurzem.
in so entrllsteten Töndn von sich gewiesen hatte, nämlich einen An-
schluß an England zu suchen. Die Reise Iaspars wurde stcher auch

6uf Drängen Poiycarss aufgegeben, doch wurde der Lelgische
Botschafter in London beauftragt, mit der englischen Regierung eine
enge Fuhlungnahme vorzubereiten. Worum es sich handelt. ist klar,
es soll mit allem Nachdruck versucht werden, Bonar Law zu
einem Nachgeben und zu einer Anerkennung des belgisch-französtschen
Reparationsplanes zu bringen, denn da Bonar Law sich bei den Be-
sprechungen mit Loucheur und mit St. Aulaire immer als
unnachgtebig crwietz. so blieb den Franzosen und Belgiern nichts
anderes Lbrig, als endlich doch mit der Ausarbeitung eines „Re-
parationsplanes" zu beginnen. Man kann soaar sagen, datz das
Projekt, datz man im Januar aufgestellt batte, schon jetzt in einigen
wesentlichen Punkten nachgiebiger gestaltet worden ist, denn die
Mitwirkung Englands, die man früher so schroff zurückgewiesen
hatte, wird heute geradezii oesmbt. und man bestebt heute auib n'cht
mehr darauf, datz Deutschland erst direkte Vorschläge an Belgicn
und Frankreich machen soll, man will vielmehr crst selbst ein' be-
stimmtes ProjÄt ausarbeiten, das man aber erst vorlegen will,
wenn Deutschland um Verhandlungen gebeten habcn wird. Aber
auch den Engländern sollen die belgisch-ftanzösischen Plünc erst bc-
kannt gegeben werden, wenn Aussicht worhauden ist, datz Deutsch-
land zu Verhandlunoen bereit ist. Indes auch bieftr bock>fta''en''en
Verficherung ist keine Bedeutung beizumefien, denn Poincare hat
seine Projekte schon so oft umgemodelt, datz Velgien und Frank-
reich ftoh sein werden, wsnn sie erfi einmal mit einem Repara-
tionsprojekt herausrücken kännen, vorausgesetzt, datz fie sich erst
einmal auf ein solches geeinigt haben. Beaufiragt mit
der Ausarbeitunq eines Reparationsproarammes stnd die
franzüfisck>en und bcloisiben ftanvtbelcoierten, Delacroir nnd
Barthou, die für die Ausarbciiung 14 Taqe Zeit haben und die
den Direktor für kommerzielle Angelegenheiten, Seydoux, zu
Hilfe nehmen werden. Wenn dos Projekt fertig ist, in eftoa 14 Tazen,
will Poincarä nach Brüfsel reisen und die Zustimmunz der
belgischen Negievung zu diesem — sicher ganz framösischen — Mach-
ivelk einholen. Der englifche und italienische Vertreter in der
Repanrtivnskommission sollen von diesem Plane überhaupt keine
Kenntnis erhalten, und man vermutet, datz ste dagegen protestieren
und betonen werden, datz die Reparationskommüfsion geschaffe«
wurde, um die Interefien aller alliierton Mächte zu verteidigen.
Zur Grundlage für das Reparationsprojekt sollen noch immer die
Londoner Zahlunosbedingungen vom Mai 1921 gemacht werden.'
Nur würde jetzt Frankreich auf die Bezahlung der Schuldverschrei-
Lungen 0 verzichten, wenn es von England und Amerika seine
Sckiulden nackiqelafien bekommt. Wenn Belgier unb Franzoscn nichts
befieres ausfinbicp gemacht haben. so werben ste ficher auf die Zu-
stimmung Bonar Laws nicht recknen könneni Viel erwoaen wird
augenblicklich die Fraqe, ob die SiKerheft Frankreichs nicht in das
Projekt mit ausgenommen werden soll. Poincarö wiinickit b''-s nicht
sum auch später noch einen Zairkapfel zu haben), boch wollen an-
scheinend die Belgier auch dieses Broblem gleichzeftig gelöst haben,
bamit man ein fiir allemal mit Deutschland zu Ende komme, und
sie scheinen bainft di'e Enoländer und Italiener anf ihrer Seite
zu haben. Während nun Poincars von dem neucn Plane England
und Italien keine Kenntnis geben möchte, dri'ngt Millerand darauf.
datz dieser Plan. sobald er fertig ist, auch England und Jtalien
zur Kenntnis gebracht werde.

AnversOamte VevormWchWg!

Berlin, 14. April. Wie die Blättsr melden, lietz die fran-
zösische Regiernng der Reichsregierunq eine Note überreichen,
irr der einige Stellen der Rede, die der Reichskanzler an-
lählich der Trauerscier für die Essener Opscr qehalten hat. be-
anftandet (k!) werden. Dis Note beschwert fich bcsonders
dariiber, datz der Kanzler von seindlichen Truppcn gesprochen habe.
Die Frage dcr Beantwortung der Note nnd ihrer Verösscntlichung
wird son der Reichsregierung gegeswärtig erwogen.
 
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