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Badische Post: Heidelberger Zeitung (gegr. 1858) u. Handelsblatt — 1923 (Januar bis Juni)

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https://doi.org/10.11588/diglit.15611#0057
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66. ZGrganz - Lr. lo

-D-dische Post' crsch-int täglich (auch Sonntagr) vormittagr, also stebenmat
«ochentlich und lostet srei insHaus »ugeftellt monattich lSNÜ Mt, durch dte Post
^nonatlich 12«« Mr.^'u,üglich 10.80 M'. Bestelled. Einzelnummer 50 Mk.

HeN>eIderger Zettung

(Gegründet 1858)

und

Handelsblatt

NomeMag, 11. Zaimar 1W

Anzetaenvreir: die 23 mm bieite Nonpareille,eile lt> Mk. Familien-, Vcreinr-
und Kletne An,e«gen nach besonderem Tarts. Rellameu: dte!I8 mm breite N-np-reille-
eile 211» Mk. Bet Wiederholungen und Zeilenanschlüssen tariflicher oiachlau.

Verl

Q ^"üvoruich sür deu acs-mteu tc;t!ichen Teil Adolf Kimmig in Heide berg. jsernruf d:r Redaktion: Kcidelacrg 83.
»??o!stunde der Tchriiilcitung vorm. 1l->3 Uhr. Berliner Vertretung: Berlin 8V/ 48. Zimmerstcaße Nr. 8.
- "tkuf Amt Zenirum Nr. 415. MüuÄener Wertretung: München, iSeorgenstraöe Str. 1V7. Fernruf Nr. S1SS7-

Für Anzetgen, Reklame.i und geschLftliche Bstlagen vrrantwortltch Atfrea Schmih tn Hcide.berg. Fcrnruf 83
Verlag: Heidelberger Berlagsanstalt und DrnSeret N. b. m.A Heidelberg, HauptstrabeÜS. -
Postscheckkonto Karlsruhe Nr. 1SL0S. — Druck von I. G. Holtzwartr Nachs, <S. m. b. H., Franksurt am Mai»

^ie Zollabschniimng des Saargebietes.

dem Dersailler Dikiat soll Las SaargeLiet fünf Jahre
Lebi ^^afttretcn des „Friedensvertrages" dem französischen Zoll-
sch .Et einverleibt werLen. Damit wird gu der vollrommenen wirt-
AbtrennuNZ des Saargebietes vom deutschen Reich, die
djh ^"beginn der Vesatzungszeit zuerst von der französischen Militär-
dann von der Regierungskommission systematisch vorbereitet
^ru " Schlutzstein gelcgt. Mit Erauen stcht die Bevöl-

iieue,^ ^esem Tage entgegen, der nach allgemeiner fester Ueber-
8st d ^ wirtschastlichen Nuin des Saargebietes Lr'.ngen must.
Tat kann man sich, wenn man die Ergebnisse der bisherigen
'^eit. der Treuhandregierung auf wirtschaftlichem Eebiet ins
iatzt. der Tefürchtung nicht oerschliegen, dah die gsplante
P2l°5^chniirung die einst so blühende Jndustrie und das lsbhaft
Klln *-^e Handelsleben zur Stagnation und folglich zum Nieder-
djos^ ^bren wird. Um so merlwürdiger mutz es anmuten, datz bei
Ul,i^ bachlage die Regierungslommission des Saargebietes sich
kof; - kleine Ländchen mit einem umfangreichen und äutzerst

A^^Hgen System von Zolllahnhöfen mit allen dazU gehörigen
^lid ^^la.gen zu versehen, die für die Ewigkeit geschaffen erscheinen.
Äysp?°^ wird, sofern völkerrechtliche Verträge noch irgendwelchen
detri^ auf Treu und Elauben machen dürsen, die ganze Zoll-
sür ^kjerrlichkeit nicht länger als zehn Jährchen dauern, da die
Deu«^ 2ahr 1985 geplante Dolksabstimmung ganz sicher zugunsten
^^Es ausfallen wirds im Saargebiet denkt nämlich mit
einer HanLvoll schmutziger Gcsellen, wie ste sich überall
H Ichllüdes Eeld auftreiben lasten, kein Mensch daran, dem alten
^ilande die Treue zu brechen und stch unter Mariannens Fittichs
ejt.^ebcn. Alle anders gearteten Hoffnungen der Franzosen sind
>vie > daran ändert der rollende Franken ebensowenig etwas,
Lfj-.b wider alles Recht im Saargebiet belastene französischr
ü r, das offenlar als besonders gewichtiger Trumpf im
lu^rschen Sviel gelten soll.

^arum sollen also die Erenzorte mit den unproduktiven Zoll-

A°nen belastet werden?

E j^ llliöglichkeiten vorbcreitet (z. V. auf die gewaltsamc An-
Z^"ung des Saargebietesl. und vor allen Dingen, weil es die
dj. onhnhöfe auf Äosten des Saargebietes errichten wird, wozu ihm
der ^llführige Regierungskommisston mit dem Franzosen Rault an
bx. ^pitje bereitwilligst Handlangerdienste leistet. An der Saar
kron,-" uian aufzuhorchen, als man im November v. Js. in der
»btr Kammer wie zufällig die Rede auf die künftige Zoll-

yj.T^llung des Saargebietes brachte und im Zufammenhang damit
soll^ einem Programm aufwartete, wie diess sich abwickeln
k>ie°' ^enn man Lann auch den Wunsch äutzerte, die Kosten für
sy erbauenden Zollbahnhöfe moge das Saargebict tragen,
stgn ^as nur das Stichwort, sür die getreue Regierungskommis-
Sjg 'p Caarbrücken, deren Haupt. der ehemalige französtsche Präfekt
itM'. um diese Zeit auffallend häufig und lange in Paris
Dx.^lt. nro das schöne Projekt vorbereitet wurde, das bereits im
gkjl^er dem Landesrat zur „Vegutachtung" fix und fertig vor-
dj^ L «urde. Der Landesrat traute seinen Augen kaum, als
stkb-^°9icrungskommisston ihm einen Plan vorlegte. der das Saar-
Ijg Et init der ungeheuren Sumnie von nicht weniger als 100 Mil-
Franken belastete — einzig und allein im französischen
Zw - Die Vertreter der Parteien lietzen denn auch leinen
,j^^i^l zn, über ihre und der gesamten Vevölkerung Ansicht; dis
Z„?^lnen Redner, und zwar Angehörige des Erotzhandels, der
vern- ^er Arbeiterschaft, Lberhaupt aller Verufe, übten eine
klvsck^Eende Kritik an der Dorlage und betonten, datz es nicht
^.'"°ntsprechend sei, sür eine so kurze Zeit — nämlich auf zehu
big zur Abstimmung — so kostspielige Anlagen auf Kosten
*in ^volkerung des Saargebietes herzustellcn, zumal die Anlagen
8n>^ ^vcke dienen sollten, der den völligen Ruin dcr
b^°^ürie und die Verarmung der Bevölkerung
tz,ij??len würde. Die Parteien forderten von der Regierungskom-
b» datz ste sofort beim Dölkerbundsrat, Lci Frankreich und öeim
s-/lschen Reiche Schritte unternehmen soll, um die zu erwartenden
^?ien Schäden vom Saargebiet. die in der Eingliederung des
p>etes in das französtsche Zollgebiet bestehcn, abzuwenden.
tz ^vfolg wird der einmütige feierliche Protest der Vertreter >»cs
nicht haben, wie aus der Erklärung des Negierungsver-
d '"s, des als Negierungskommistar beim Landesrat eigens nach
t>tz „baargebiet berufenen Luxemburger Sozialisten Dr. Liesch, der
»j übrigen alle Aufklärung kurzerhand verweigerte, klar hervor-
j pA- Die Negierungskommistion wird eben ihrer Ueberlieferung
bleiben, die ihr den Willen der französtschen Regierung gemah
z°p>chrcibt, die Wünsche des Saargebietes vollständig unbeachtet
^t^lasten, «uch dann, wenn es fich wie im vorliegenden Falle um
hai^ auf Leben und Tod des Saargebietes handelt. Das Ver-

jj^ten der Regierüngskommisston erscheint um so verwerflicher, als
mit einem äutzerst fadenscheinigen Rechtstitel zu decken sucht,
j, p>Iich der sophtstischen Auslegung einer Bestimmung des alten
,zptschen — Dereinszollgesetzes! Dieselb« Regierung, die, wenn
p>cht in den Kram xatzt, stch um das Destehen deutscher Es-
nicht kümmert und ste grundsätzlich ignoriert! So wird denn
^ Taargebiet. um den französtschen Steuerzahler zu schonen und
lte- ^nnzöstschen Annexionsabstchten in die Hände zu arbeiten, ent-
dem ausgesprochenen Willen seiner Bevölkerung mit einer
tz„.lp>te Leglückt, die ihm eine ungeheure Steuerlast — 112 Franken
s l ken Kopf, Säuglinge eingeMlosten — auferlegt, während ste
>chon fast an Steuern erstickt. Nach den trüben Er-
y ppungen, die ste bisher mit dem Völkerbund gemacht, ist auch
diesem leine Korreltur des verhängnisvollen Beschlusses zu
^rten,

Einsach Larum, weil Frankreich stch auf

>>

Der Besehl zmn Vormarsch.

Eine feindliche Note an die Neichsregierung. - Die Entsendung einer
Zngenieurmisfion unter militärischem Schutz. - Keine Teilnahme Ztaliens.

Don unserem H-Korrespondenten

Paeis, 10. Janaar.

Mittwoch nachmittag 1 Ilhr wurdr den diplomarischen Vcrtretern
dcs Deutschen Reiches in Paris und Bcüstcl vou der franzifischcn
und belgischen Regierung je eine Note übermittelt, worin der Reichs«
regierung bekanntgegeben wird, datz Frankreich und Belgien ln das
Ruhrgcbiet ei»e Mission vou Jugenieuren enlsenden
wcrden. Diese Misston, die, wenn es nötig wird, durch Truppen
geschützt wird, hat die Aufgabc, dir Verteilnng der Kohle zu
überwachen, um die Dnrchsllhrung des Friedensvertrags zu fkchern.
Die Reichsregierung wird ausgefordert, die notwendigen Znstruk-
tioneu an die deutschen Behörden zu erteilen, um der Missio» der
Jngenicme alle Hinderniste aus dem Wege zn räumen. Sollten die
deutschen Beh'örden ihre Pslicht nicht ersüllen oder durch irgendeine
Tätigkeit oder Unternehmung die Orduung im Nuhrgebiet gestört
werden, wiirde nach dieser Warnung der Reichsregierung die Ver-
antwortung zufallen. Die Note gibt den Ort des Aufenthalts dieser
Missio» nicht an. Der Mission solle« zwej italienische Jngenieure
angehören.

Ueber den Kriegsplan des sranzostschen Eeneralstabs weih der
offiziöse „Petit Parisien" folgendes mitzuteilen: Man beabstchtigt,
eine Armee von 75 000 Mann gegen die Ruhr in Bewebung zu
setzen. Eine Reserve von 25 000 Mann in Düsseldorf und eme wei-
tere von 100 000 Mann am linken Rheinufer haben die Aufgabe, Las
Ailfmarschgebiet zu decken. Angesichts dieser Zahlen besitzt das Vlatt
die Naivität, eine militärische Vesetzung strikt abzuleugnen. Es
handle sich um weiter nichts, als um eine lleberwachung oes Ruhr-
gebiets und um einen Lchutz üer fi'anzösischen, Lelgischen und italie-
nischen Jngenieure, die dort den Äbtransxort der Kohle, keinesfalls
aber die Leitung der Arbeit organisieren sollten. Das Blatt will
serner wisten, datz die zur Ergreifung weiterer produktiver Pfänder
nötigcn Aiatznahmen erst dann beschlosten werden sollen, wenn dis
Reparationskommission vor dem 15. Januar das von Deutschland ver-
langte Moratorium gewährt hat (auf dem Prögramm der für Don-
nerstag anberanmten nächsten Sitzung der Kommission befindet sich
beretts die Moratoriumssrage). Die französtsche Regierung soll be-
abstchtigen, das auf der Pariser Konferenz den Alliierten vorgelegte
Programm, also Beschlagnahme der Zölle im Rhein- und Rnhrgebiet,
Beschlacmaknnc von Devisen und Beschlagnahme der Kohlensteuer von
sich aüs durchzuführen. Weitere militöriscbe Aufwendungen soll
diese Matznahme aber nicht erforderlich machen. Während dte Pa-
riser Preste dsn Vormarsch ins Ruhrgebiet lebhaft begrüht, über-
wiegt in offiziellen Kreisen der Hauptstadt der Pefsimrsmus:
man scheint sich hier immer mehr darüber klar zu sein, dah die Aktion
keinerlei flnanzielle Vorteile einbringen wird. Da-
zu kommt, datz die Ruhrbefetzung in linksradikalen Kreisen auf
starken Widerspruch stötzt, der, wie man sürchtet, stch zu einer Eegen-
aktion verdichten könne. Verschiedene Abgeordnete haben der Re-
gierung ihre Vefürchtung hierüber ausgedriickt und Matznahmen da-
gegen verlangt. Die royalistische „Action frany.aise" geht soweit, ent-
sch'ieden die Verhängung des Belagerungszustandes und

Berhastung der Kommunistensllhrer

zu verlangen. Die Regierung hat stch denn auch entschlosten, mit
grötzter Energie gegen die Kommunisten vorzugehen. Bereits Mitt-
woch morgen wurde eine grotze Anzahl verhaftet, darunter die Fühcer
Monmousseau, Treint, Marrane undPietri. In der
Redaktion der „Humanits" wurden zwei Haussuchungen
abgehalten. u. a. auch im Büro Marcel Eachins. trotz^em bei
ihm als Abgeordneten Haussuchungen nicht stattfinden dürfen. Alle
verhafteten Kommunisten sind beschuldigt, ein Ättentat gegen
die innere und äuher« Sicherheit des Staats be-
gangen zu haben. Ein offizielles Kommuniquö besagt: „Das Mini-
ster'ium des Innern war verständigt worden, datz kommunistische
Abgeordnete Cachin ins Rnhrgebiet Legleitet hatten, um mit den
Miigliedern des Aktionskomitees gegen die Vesetzung des Ruhr-
gebiets zu konferieren Die kommunistischen Abgeordneten hatten
beschlösten, sich nach Essen zu begeben, als sie auf einen Besehl,
der ihnen — man weih nicht woher — zukam, plötzlich den Zng nach
Paris bestiegen, wo sie Dienstag morgen 11 Uhr eintrafen. Ihr
Eintreffen war unbemerkt geblieben, aber nachmittags konnte der
Veschlutz wegen ihrer Verhaftung gefatzt werden." Cachin scheinr
einstweilen nicht in Paris zu sein. Man vermutet, dah er sich in
Frankfurt a. M. aushält. Donnerstag wird d«r Kammer der
Antrag zugehen, seine xarlameniarische Jmmunität aufzuhebsn.
Cachin droht bei seiner Rückkehr nach Paris natürlich sofortige Ver-
haftung.

Me Aliion drr «eichsregierung.

Berliner Besprechungeu-
Non unserer Berliner Redaktion.

Berlin, 10. Januar.

Mittwoch nachmittag hat eine Besprechung des Reichskanzlers
mit den Parteiführern stattgefunden, an die sich um 5 Uhr
eine Sitzung des Auswärtigen Ausschusses anschlotz, nach-
dem die Partcien in Fraktionsfitzungen ihren Standpunkt festgeleqt
hatten. Alle Parteien iind darüber einiq, in dieser schweren Stunde
geschlossen hinter der Reichsregierung zu stehen.

Ein Aufruf der Reichsregierung an Las deutsche Volk steht
nnmittelbar bevor. Vei der Behandiung der autzenpclitischen Lage
im Reichstag dürfte, mie in Verlin verlautet, der Reichskanzler
cin V e r t r a u e n s v o t u m des Parlaments verlangen. Äm
>Freitag nachmittag wird der Reichskangler die Ministerprä»

sidenten der Länder empfangen, um mit ihnen die von deutscher
Seite zu ergreifenden Matznahmen durchzuberaten. Der bayerische
Ministerpräsilent Exz. Dr. von Knilling wird stch auf Ein-
ladung des Neichskanzlsrs schon am Donnsrstag abend nach Verlin
Legeben, um an diescr Besprechung der Ministerpräsidenten teil-
zunehmen.

Auslösung des Kohlenstzn-ikalS.

Die ersie Folge der sranzösischcn Vesetzung.

Von unserem L.-Korrespondeuten.

Essen, 10. Januar.

Das Rheinisch-Westfälische Kohlensyndikat hat Dicnstag abend
in einer Sitzung, an der sämtliche führcnden/Männcr des Kohlen-
bergbaus, wie Stinnes, Thyssen usw., teilnahmen, ein-
stimmig beschlossen. mit Riiclstcht aus die drohende Besetzung des
Ruhrgebiets durch die Franzoscn, das Kohlensyndikat zunächst nach
Hambnrgzn verlegeu und mit Ende März, dem Ablaus des gegen-
wärtigen Syndikatsvertrags, auszulösen. Diescr Veschlutz hat
zur Folge, datz die Zeche», soweit sie rncht durch lausende Verpslich»
tungen »och gebunden stnd, fortan ihre Brennstosserzcugnisse selb«
stSndig verkaussn. Die Franzosen müssen daher mit den einzelnen
Zechen direkt verhandeln, ohne sich auf eine Organisation stützc» zu
können, die ja bisher schon bci den Rcparatisnskohlcnlieserungen die
Hauptarbeit gcleistet hatte. Die Herrcn Franzosen mützten also ver»
suchen, mit den für das Nuhrgebiet bestimmtrn Zngenieurkommis-
fionen gewissermatzen eine neue Syrrdikatsstelle einzurichten.
Das dürste ihnen aber noch manches Kopfzerbrechcn machcn, da fie
von dem gesamten Beamtenstab des Syndikats nur noch eins Anzahl
untergeordneter Angestclltcr in Esse» vorsirrden werden. Noch am
Dienstag abend sind 18» Beamte des Sqndikats von Dortmund aus
mit einem Eonderzug nach Hamburg gereist. Die übrigen Beamte«
sind beurlarrbt. Das Syndikatsgebäude steht fast vollkommcrr lcer.
Ein grotzer Teil der Schutzpolizci wurde ebensalls in der vsrgange-
ncn Nacht znrückgezogen. Sämtliche FLHrer der Ruhrindustrie sowie
die leitenden Direktoren und Chcfingenieure beschlosten, das Nuhr-
gebiet beim Cimnarsch der Franzosen zu verlassen. Es ist noch
nicht endgültig sicher, ob Donnerstag abcnd oder Freitag di«
Kohlenpreiserhöhung beschlosten wiid, da die Ercigniste im
Ruhrgebiet möglicherweise cinen noch nicht iibersehbaren Ernskntz ans
die Preisgestaltung der Kohlen haben werden.

Ammka «n- poincare.

Die Berrrrteilung der französischen Eewaltpolitik.

Von unserer Berliner Nedaktion.

Bcrlin, 10. Jarmar.

Aus Washiugtonw wird gemeldet, datz das amsr>kanische Staats-
departement die französiickje Regierungsäutzerung, nach der ein ameri-
kanischer Vorschlag auf Einberufung einer Konferenz zur Feststellung
der deutschen Zahluugsfähigkeit nicht gemacht wordeu sei, dementiert.
Das amerikanische Angebot sei auf dem üblichen diplomatischen Weg
Lbermittelt worüen, Frankreich haüe aber die Rllckfrage gestellt,
welch« Sicherheiten gegeben wllrden hinsichtlich der Zahlungen
Deutschlands, sobald die von Amerika vorgeschlagene Kommission die
Zahlungsfähigkeit Deutschlands sestgestellt habe. Die amerilanische
Regierung habe darauf geantwortet, datz eine wirtschaftliche und
moralische Pression vorgesehen sei. Die Vercinigien Staaien würden
die Handelseziehungen zu Deutschland abbrechen, wenn es sich den
durch eine Sachverständigenkommission anferlegten Pflichten ent-
ziehen sollte.

Mit seiner Souderaktion gegen Deutschland findet Poincarö in
der amerikanischen Oeffentlichkeit nur Ablehnung. So sagte Senator
Borah mit einer deutlicheen Spitze gegen Frankreich, Europa ver-
folge einen äutzerst brutalen und wahnsinnigen Weg. Während di«
Völker Europas für den Frieden beteten, berciteten die europäischen
Regierungen den Krieg vor. Wenn den Vereinigten Staaten der
Weg gezeigt werde. wi« sie den Völkern Euro -as helfen könnten,
wcrde die Ünterstützung Amerikas nicht ausdleiben. Die New Porker
„World" schreibt, Marschall Foch hege die Hofsnung, die deutschen
Arbeiter durch hohe Löhne und billige Nahrungsmittel bestechen zu
können,' er könne abcr kaum hofsen, ganz Deutschland bestechen zu
können. Das amerikanische Volk hoffe, datz die amerikanischen und
die englischen Truppen den Rhein gleichzeitig verlaffen
wllrden: es wllrde fich darüber frcuen. Dann werde das französisch«
Volk die Bedeutung des politischen und wirtschafilichen Fehlers und
die Verblendung der französifchen -Ztaatsmänner
begreifen. Auch die Haltung Belgiens erfährt in der ameri.
kanischen Prests eine heftige Kritik. Der „New Pork Herald" nennt
die antienglische Politik Bslgiens eine arotze Ilndankbarkeit
gegen Engiand: Belgien sei während des Krieges durch England
gerettet worden. Jn Vritisch-Novdamerika hat man für den
Pariser Alliierten heuie auch nur bittere Worte. So wandte sich
Ler frllhere Vertreter Kanadas im VLlkerbund, Rowell, in
einer Rede gegen die Reparationspolitik Frankreichs unter ser An-
führung von Dokumcnten, mit denen er dartat, da>z der Vcrtrag
von Verfailles von den zwischen den Alliierten und Deutfchland vor
dem Maffenstillstand vereinbarten Reparatlonsbedlngungen abweiche.
Er sagte, es sei tief bedauerlich, datz in der Stunde des Sieges
di« Alliierten nicht die Erundsätze i n d i e T a l umgefetzt hätten,
für die der Krieg geführt worden sei vnd für die die Soldaten ihr
Lcben gelasten hätten. Rach «iner Drahtung des ...Daily Tel««raph"
 
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