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Badische Post: Heidelberger Zeitung (gegr. 1858) u. Handelsblatt — 1923 (Januar bis Juni)

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https://doi.org/10.11588/diglit.15611#0265
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^adlgang - M. xz

Heidelberger Zeitung

DonnerSiag, 15. Wrnar 1S2Z

!^r>r> ^ 'rschrin» wLchkntiich Netenmsl. Bci »ncn: DtVaSkalla I

^ Beitri — Litcratnrbratt <monotIia->. I

— '»« rline Bcrantworiung. Rückiendnna nur, wenn Porto bri iegt- j

(Gegründet 1858)

und

HandelsblaLL

H-upt-irsLL tsstelle n. Slriitt. rer.'LüLiichen Post'H-iS-ch-ra.S-urtstr. 23. ir-rnlpu.
Nr. 182. ,V-rlai-ort: e7r-nlfnrt-.M > Bcrlincr Vcrtrcinng: BcrNnbV48,Zlwme^
NrnSe ll.^crn'vr.Z°ntr. 1!5.Mn„»n-rV-rtr.- München.Acora-nstr.N'r.flci» pr..!ii,u/


ncx^Ugrprxjz .Bnd.Post' Mk. Igoo - lanrschl.Zust-bgcbiihr>. Selbstsbhol. Ait. ,8öU.-. «lusianv Drc.aoilU—
^^>^,,1-1» > »./ u>s rum 2. Ics.M!»-nz-nomm n. Am I U.L. noch g-Iicf.Z-ilunlien stnd n-ch d. Einzc'oerr-usspreir zu be-
' "'lcinilunucr Mk. 7k,.-. Jstd eZeitung -m Erschiincn vcrhindcrt, b.stcht kein Anspruch auf Entiü^ädlgnng.

Knirigenvreise: die 41 nuu drcite 8to»parcilleieilc kostct:lo!ale LteLcngesuchc Mk.Lll -, ll. lLelcgcnhcilsnnzcigcn Mc. 4ll.>
Famüicnanzelgen -llik 4l>.-. Gcschäft-anzcig-n Mk. üll.-. Finanz- und Jnünstricanzeigcn Mk. ,00.-. m.t Plahvorschrirt und
Monl-igrMk.6.-mchr. Dle V8 mm Lrcitc vrckiamc ci e kostct Mk.sSll.-. Nnzci.icn uno Rcklamen von aurwärtr 2ö"/- höher.

Kriegsgifahr?

unserer Verltner Nedaktton.

Berlin, 14. FeLrua.r

leii

-EEikp Ü ^^,^^reren Tax-en deuten das üleraus bruta'e Vor-

Rhein und Ruhr und die einanser jagenden
»lstMlich ° Uekergriffe larauf yin, dah man in Fran'reich

dV Ebfjch^r 5 i"ch ä r f u n g der L a g e mit klar isutagc

Eg,

herleizuführcn sucht, die sriiher oder fxäier zu enicr

sjj^cnfeite of^n'ar^ erwünfchtett tat astr o ph a le n

«ts^IIg __ __.. .....

mutz. Der Ll.arakier der Inrasion in't'as un-
I * e hat fchon lc-ngst jeden Zusammenhang mit fe-ncm

u iUa »i'^^eLenen Zmeck vcrloren und stellt sich immer mehr
>ih c -»'er Ipitzte Provolation gegcn l ns heraus, deren
v» "Uni zweifelhaft fe!n lann. E n New Porker Funtfnrnch
»^ii dgh n-.an Üch in Paris mit dem Gedanken tragc

U»'s^ S u st a n d gegen Deutschland wieder zu erklär n.
?''üe" ie n diese Nachricht zuträfe, zunächst nichts anderes

, > 3eii datz eine Lituation, dte man schon seit

i?k ce»,' kvahrhaftig nicht mehr als Frieden Lezeichnen ionnte,
fnohren Namen benannt würoe. Sowsit ist man

LN

>N d.

>st

erlincr unterr chteten Kreifen letont wird, vcr-

^»Al, ^ k.'.jellos noch nicht gelangt. Man hat brstimmte
le h-^/ur, datz auher jenem etwas dunklen Funkssruch d!e
Nz dex -7* Eerück'te in Berlin zu juchen ist rnd zwar >n den
^sr p " anwesenden Vertreter Frankreich-', lieion-
i^hf^kclkt„ . ?ch nicht in verantwortlichen Positionen bcflnde.i.
,.»>, 2- d-k r-O'^er Tenfationsmeldung ist ofseniar lahin zu tenn-
t'" ° r In-- bestimmt ist, die Politik der Einschüchterung
i!»i^s >,»"kbung, die man von Paris aus gegen das beietzie

-. ^ -- ^ -.. anterMtzcn.

rersteckten

! Üch die Franzossn Lisher an ^si'chtachtung Lcs Ver-

^ geleistet baien. vielleicht auch in Rechnuna setzen

h »-'»Sii . .. —..,-, - . - . -

7?'S>t "fUkEschrecken da sie auf dem bisherigen Wege ihr Ziel
'» f.'e tz^.'chen könneir

cn 'un r—' geleistet haien, oielleicht auch in Rechnung setzen
»^»de« ""ch vielen oerschleierten Kriegshandlungen

^ auch aa'x zfnem aller Welt sichtbarenNech t s-

<»„"»j?,^lrrl:chung des Kriegszustandes wäre allerdings heute
w,i^>n in der Eeschichte der kriegerischen Verwicklu, gen.

> >ol WLi->' »rr ldesqllyie cer lriegerlscyen Aerwiaiui gen.

» d!° - ^ch von Paris aus gefehen im wesentlichcn ,>m einen
^kibt-' f°? ^ °« reLuft handeln, da schlechterrings der Gegner
»»^^»d jn7--iu einem regelrechten Krieg doch unentlehrlich ist.
»Htz ceu«--r>eutschland denkt daran, dem französischen Mili.a-ismus
>ü»:' l>„? , »u Misiinci-niii- -ntaea>-n-ustellen. Der e.nziae Widsr-

, 'klim"- ^on bisher rergeblich ihre Angrissslust und ihre
,d»d a,'k>>ert haLen. Datz mit «iner solchen auch nach autzen
i»kj!^ou sormal vollständig verän'erten Situauon die für
U,°°r ^ ^rhnndenen Schwierigkeiten noch weiter wachfen würden,
Uü.^k' sich niemand einem Zweifel hingeLen, aber ebenso
stch auch darüber sein dürsen, datz die cünseitige

?>??>»

K-°!7

«Ng des Kriegszustatzdes. wenn das Pariser Hiabinett
»k' ^ einem solchen Schritte entschlietzen sollte, noch

einen Krieg im wirklichen Sinne des

eutet.

chun diesen

äutzersten Konsequenzen ins Auge steht. so

^likie^r w h-" aus New Vork und Derlin stammenden Eerüchten
kll»d7 T-^l°ntIich kühler bleiLen lönnen, als es der erste Eindruck
«i. A- cn»''N-onsnachr.chten für gewöhnlich nach stch »u iieben

!^"r Fr-^-^rd vor allem aüer anch die Eründe .

!>» N- g??.r^ch in schwerer Mcnge gegen einen solchen Schritt

zu ziehen
priiien müsten.

IxNiir Ak-ltz

^E>°k,.'"°n

Nhr„.p!° sinanzielle Be"lastung. üie das Abenleuer
?k°'h w.Et d-n Franzoscn schon jetzt verursacht, wird sich noch
»dr. "i n.^'lrr steigern, und ror allem wäre das m o r a l i s ch e
!?»!> -?l,r eg' ^ns die Franzoscn bisher d-er neutralen Welt gcgcn-
^»». »> c.-^n»rlich zu bel»aupten,veriuchten. ein für allemäl dahin

^ktz m bn sehr auch die nationalistische Aetzpresse in

.nr»n, >»„-„ 'Ntzlen einer neuen Kriegserklärung begrützen wiirde,
. . ' " '

''^d^nnen

7>»!

' tz>an daran zweiseln, ob c nr verantwortliche Stclle in
°'-e Konsequcnzen ein

d

ernjks solchen Schrittes aus sich zu
ist. Es bleibt auch zweifelhaft. ob die Haltung
u>i. -7. n t e n 1 e m ä ch t e cann noch dle g l e i ch e bleiben

Vej ^ - --

Die englische Thronred« hat zwar soebcn erst

die cna.lische Rcgierung tem sranzösischen Vundes-
>--">» e>,° ^chwierigleiten bereiten will, und man rechnet daher

»ch,i ah.'jkr Zurückziehung üer englischen Truppen
E'»e /.ktz sp.,N7..Auch hi«r greifen tendenz ös« Meldungen Len tat-
' 'n vor. Man ist in Berlin davon überzeugt, datz
übcr die Frage Les wetteren VerbleiLens der

-» st^Nst-^Utzg ... ... ...

,s»g Nj^ . vrcn am Rhein nicht sallen wird, ehe nicht die Debatte
^»n ^tz'r -/ nuse über die cnglische Thronred« abgeschlostcn ist.
^»e,_6rl>pj'7?caue dürjte sich eine Klärung des Verhältnisses zwi-
81^" Njg,. dich und England ergeten. »nd davon wieder werden zu
^k - u hz. "°r>ngcn Tcile die Beschlüste. die man in Paris fcssen
>»>n. Das eine w rd aler schon aus dem Mortiaut
-»r § >n -^hronrede vollkommen klar gcworden sein. datz man
n n?-'Utschland bis auf weiter.s aus cine Unterstützung
^tz» -»lvtzn-,."?" nicht z» rechnen hat. Inwiews t stch d!es
'ltzs .Fllku'.,-.'Ulls d>« Situation durch eine so mell« Kr'egserilä-
l-r'tzep, eln anderes Aussehcn

d ^ucn Blalt.

'ii», ^Ler k ° ltung

00-1-- °-" beunruhi.. ..

"ur feststellen. datz das'Kabinett alle di
. »l,^ ar„^^uu?^^ uril dcr grötzten Ausmerksamkeit

k-^stük>„"^ue besondere Beunruhigun
>6,,.-.>>ck> «... 4 u n g d«n welte>-en -r> nl-N'N,

eine
crhaltcn

würde, das steht

der deutschcn Reichsregierung
genden Meldungen in Vetracht kommt,

diese Vor-
verfolgt,

__ __ , g oder

g den weiteren Derlauf dcr Dinae a'warlct. Es

LÄk^erst.- - -. -_. . —

^'nd herausslellen müsken. wie weit solche Nachrichtcn

^ bew-r w.e hock, der vielleicht rorhan'ene wahre Kcrn üer
-">r:en ,,t. Die bisher eingehrltene Taltit der dcutjchcn

Regierung bleibt unverändert, wie man das auch angestchts der
erhedltchen Erfolge, die durch diese Melho.e Lereits erzielt wor-
Len sind, auch gar nicht anders erwartet. Jede Verschärsung
des gegner schen Angrifss hat bis setzt nur immer eneFestignng
der inneren Abwehrfront zur Folge gehabt. Iede neu
auftauchende Cesahr wird in ihrer Rückwircung auf das deutsche Volk
und auf die dcutschen Parleien nur bewlrlen, datz sich Ler Wille zur
nationalen Abwehr mit den uns zur Verfiigung stehenden
Mitteln nur immerweiter vereinheitlicht unü jestigt.

Di'e Lage l'm la Mebiet.

Die Organlsation dcr Abwehr.

Von unsercr Berliaer Redaktion.

Verlin, 14. Februar.

I» Hamm sanden Derhandlungcn statt zwischcn den Bertretern
Ler Eewerkschasten und der Jndustrien dcs Auhrgebictes.
Es wurde bei diescn VerL-andlungen einc Vereinbarung getrossen,
nach welchcr zu.n Zwecke Les Jndertzandbehaltens dcr Eisenbahn auch
die ctwaige Besetzung eincs Bahnsieigcs in Essen durch die Fran-
zcsen in Kaus gcnommcn wcrben scll. Man will den Eisenbahn-
verkehr in jedem Falle ausrccht erhalten. Die Eisen-
bahner hattcn bekanntlich die Absicht, den Be kehr sosort stillzulegen,
wenn die Franzosen ihrc Drohung von der Bcsctzung eincv Essener
Bahnstciges wahrmachcn sollten. Ein weiterer Punlt der Beratung
betrisft die neuen sranzostschen Kon trollslellcn, durch welche
die Franzoscn die Hüttenwcrke drs Industricgcbietes vou der ver-
arbcitcnden Zndustric trenncn wollen. Weim auch die Roheisen-
industrie über grotze Borrüte verfügt, so wird doch die Abschniirung
sür die verarbeitende Jndustrie eine gewisse Schädigung mit
stch Lringen. Es ist daher sür alle Fölle Lie Streckung der Arbeit
unter Beibehaltung der vollen Bclegschast wie bisher in Aussicht ge-
nommen worden. Die Ergänzung dcr Rohstsfsbestände Ler Hütten
durch Erze schwedischer Licserung wird durch eine Reihe brson-
derer Matznahmen gefichert werden.

Die FNHrerkonferenz des EewerkschaftsLundes
der Angestellten (E. d. Ä.) Eau Rheinland und Westfalen,
nahm zu der durch die Bcs.>hung des Ruhrgebietes geschafsenen Lage
Stellung und sa'gte eine Entschnehutzg, in der sie erneut den uner-
schütlerlichen Willcn zur Durchsührung des Abwehrkamp -
fes gegen den vLlierrechtswidrigen Einbruch Ler Franzosen und
Belgter in das Nuhrgebiet ausdriickt.

In Essen habe« Lie Franzosen ein wahres Schreckensregiment
eingerichtet.

Man hat sich jetzt auch nicht mchr gescheut, den Bürgermeister Dr.
Schäser. der dte Eeschäste des Leurlaubten OLerbürgermeisters und
Rerchsernährungsministers Dr. Luther führt, zu verhasien. angeblich
wegen mangelhaster Lichtversorgung des Hotels
Kaiserhof. Das Hotel wird Lelanntltch von Len Mitgliedern
>er interalliierten Kontrollkomr>ission Lewohnt. Das Personal des
Hotels verweigerte eine Bedienung-dcr Franzosen. Daraufhtn wurde
das Hotel von der Kommission Leschlagnahmt. Im Laufe des Diens-
tag wurde die Lichtvcrsorgung unterbrochen. Auf Vorstellunq dcr
F-ranzosen Leim Bürgermeister Dr. Schäfcr wegen dicser Matznahme
erklärle dieser, diess Versorgung ersolge von Len Rheinisch-Wcstjäliz
schcn Elektrizitätswerken, die ein p r i v at e s Unternehmen seien, aus
das cr keinen Einfiust habe. Sollte der Bürgcrmeistcr verhaftet
bleiben. so erwartet man, datz die gesamte Veamten- und Arbeiter-
fchaft die Arbeit geschlossen niederlegt. Auch das Ne-
siaurant Parkhotel wurde'von dem sranzösischen Wachtkommando ge-
räumt, nachdem den dort einkehrenden Franzosen die Bedienung
verweigert worden war. Der Bürgermeister von Moers wurde mit
seiner Familie ausgewicscn. Das Verhalten der Franzoscn imEel -
sentirchen war das Schlimmste, was üisher passicrt ist. Die Vor-
sälle werdcn alle dolumentarisch festgehalten und Lann der Oeffcnt-
lickjkeit zur Kenntnis gebracht. Es steht unter anderem sest, datz sich
die französischen Osfiziere mit Eummikniippeln versehen
hattcn und auch von vornherein die Tlbsicht tzatten, mit diesen gcgen
die Polizeibeamten und das Publikum rorzugehcn. In Aachen
wurde Ler rerantwortliche Nedatteur der sozialdemolratischen „Freien
Presse", Ernst Cascher, verhastet, gefesselt abgeführt »nd so-
dann unverzilglich ausgewiesem Seinc Familie wurde eüensalls aus-
gewiesen mit einer Frist von drei Tagen. Ueber

die Betriebslage im bcsetztcn Ecbict

wird uns mitgeteilt: Se!t Dienslag nachmittag 3 Uhr werden aus
allen Kontrollstellen metallurgische Erzeuonisse aus dcm Le-
setztcn Eebiet nicht mehr durchgelasscm Seit Mittwoch vormittag
wcrden auch an einsgen Stellcn keine Lebcnsmittel aus dem
bcsctzten Gebiet herausgelasspn. In Elberseld ist Laher keine
M i'lch aüs der Eegend von Remscheid eingetrosfcn. Auf einigen
Konirollstellen wird ferner vcrlangt, datz die aus dem tzesMen Ge-
biet sahrenücn Eütcrzüge mindestens 80 Ächsen stark setek. Dienstag
nachmittag wurden die Pcrsoncn- und Schnsllzüge Hagcn—Unna auf
osfcner Slrecke bei Lem Bahnhos Hcngstei sestgetzaltcn und revi-
dicrt. Die ersten Züge, die von diescr ncuen Matznahme nicht »n-
tcrrichiet waren und Len Haltcsignalen der Franzosen daher koitze
Folge leisteten, wurden b c s ch o s s e n. Sämtl'.chc Personenzllge wcr-
den seither Lort revidiert. D>e Eilgüterzüge wcrden übsr die Geleiso

der Personcnziiao aesührt. Es wird nur zuaelasscn, den Pcrsonen-
zügen hüchstens «rei Lebensmittetwagcn anzuhängcn. Aus den milita-
ristertcn ütreckcn ist Ler Vcrlchr »ur schwach. Auf dcr Strecke
Aachen—Vuer verkehrcn in icdsr R!cht>'ng fünf V-Z>'ige, jedoch sehr
unregelmätzig, auf dcr Strccke Driibl—Kodlenz e!n Personenzug und
oin Eegenzug. Etne Anzahl ron Bcamten ist verhaftct worden,
teils unlcr ccr Anschuldtgung der Sabotage. Sie bcfinden sich
tn den Eesängnissen zu Vonn, Aachcn und Dnisburg. Aus dem Be-
zirk Mainz wird gemeldct, tatz die Fran'oscn neun Lohnaus-
zahler sestgenommen »nd eine halve Million Mark Lohn-
gclder „b e s ch l a g n a h m l" haben. Ein Dienstrorsteher tzn Vischoss-
hrim wurde aus dem Dett hcraus vcrtzastet und durch zwei Ofiizicre
sicben StunLen lanq nur mit Untcrhosen bekleidet fest»
gehalten. In Zweibrücken haben die Franzosen das Ecscingnis
geräumt und die Gcfangcnen alle s r e i g e l a s s e n. da sie es
sür ihre Zwecke bLnötigen.,

FremdeMom'e SevMand.

Berlin, 14. FeLruar.

Deuischland wird heute rom Ausland in einem Matze übsr.
flutet w:e n>e zuvor. L.eLe zu Deutschland ist es wahrlich nicht, die
di-e yremden hersuhrt. Und geschäftllche Intcreflen sind cs nur in
:en lel-cnstcn Sallcn. Schon die besonders in Len letzien Monaten
so auffallig grotze Zahl der weiblichen Besuchcr spricht da'iir. Es
ist nantester Ezoismus. der das Ausland zu uns treibt. Unsere wirt-
scha,tl,aze Kataflrophe wird in der schonungsfosestcn Weise aus-
genutzt. Seit Jahr und Tag ruft die deutsche Ocsfcntlichleit nach
Magnahmen, um L-en ungch-inderten Auslandsstrom cinzudämmen,
seit Jahr und Tag wird immer w-eder von allcn amtlichcn'Slellen
versichert, Latz alles gssch-rhe, um uncrwünschte Fr.'mdlinge fcrn-
zuhaltcn. aber das Unheil wird von Tag zu Tag grötzcr. Es scheint,
als ob es in Dsujschland keine Erenze mehr gibt, als ob Patz-
schwlerigteitcn nicht mehr Lestünden. als ob tibe.all nur vcrlorgene
Lochsr stnd, durch die der AuslänLer hcreinschlüpst, um für unglaub.
lich bill'.ges Eeld hier ein Schmarotzertascin zu führen und ein
«chlcmMerleken, das cr sich in dicser Weise in der Heimat ntem.als
le sten lönnte. Es liegt ein Widerstnn ohnegleichen darin, datz der

untersten
n, wo er

m,-» - - - 7> -.- -.. ... Sphäre dcr

Mill onare geholen wird.

. Ueberschwcmmung Deutschlands durcki Ausländer wird zu
einer tqglich fuhlLareren Katastrophe. und es ist im höchstcn
Maxs Ledauerlia), datz bisher so herzlich wen'g geschehcn ist, um d.er
moratlschen und nationalen Eefahr, di'e dadürch erwächst, vorzu-
Leipzen. Auch das Notgesetz, dag jctzt Lem Reichstag rorlieat.
xackt das Uebel >a incht an der Wurzel. Unter einigcrmatzen nor-
malen Verhaltnissen wäre dcr Zuzug aus dem Auslande nur be-
grugenswert. Deutschland ist mehr als vier Jahre lcmg von der
Autzenwelt vollig aLgeschloflen gewescn, und ss war höchste Zeit, datz
die Bruckcn zum Ausland wieder geschlagcn uNd die alten Ve-
ziehungen wieder ausgenommen wurden. Unter dcn ganz Lcson-
deren Vcrhältnissen aber. die der jetz>ge Zustand des Kcieges im
Frieden sllr Deutschland mit stch bringt. wirkt ter Strom der
vom Ausland zu uns herslutet. eher schndigen'o. Es snd ja, wie
unmer wreder hervorgehoben werden mutz, nur dts wcrigsten di«
aus geschäftlichen Interessen zu uns kommen. Deutchland Lat
keinerlei Veranlaflung, all den anderen Schmarotzern am »eutsch--n
Volkslorpcr die Grenzcn zu össqcn. Jhr Erscheincn in Dertschland
wirkt d e m o r a l i s i« rend. Wir stnd heute schon so weit, >atz dee
Deutsche in Deutschland selber dem Ausländer gegenüber n den
Hintergrund tritt. Nicht nur in Ler ersten und zweitcn Klafl« der
Eisenbahn dominiert das Ausland, während dct Durchschn'tts eulg'e
und insLcsondere der Mittelstand und die/Jntelligcnz auf d>e drit.-
und v:cr:e Klasse zurllckgedrängt ist. Die üLertrielene Nücksicht auz
das Ausland, das servile^BHcken vor dem Dollar nimmt
stellenweise Formen an, die keschämend wirken. Der Dcntsche
darf sich nicht zum Staatsbürger zweiter Klasse
degradiert fühlen.

In Berlin und in vielen Erotzstädten würden gewifle Ver-
gnügungslokale niedersten Rangcs gar nicht czisticren lönnen, we»n
die jeden Preis zahlenden Auslünder nicht waren. Die Proqramme
der Thcater und Varietös der Tanzdielen und sonsttgen Stä>ten
einer hemmungslosen Vergnügungssucht sind geradczu aus den Ge-
schmack des Auslandcs zugeschnitten und kein Mittcl wird unversucht
gelassen, um den ralutastarken Frsmdling heranzulocken. Das Bild,
das der Ausländer auf diese Weise von Deutschland gewinnt. ist
durchaus einseitig. Er nimmt den Eindruck mit, datz Deutschland
heute moralisch minderwertig sei, datz es toll tn dcn Tag und tn
die Nacht hineinlebt. datz cs den Ernst se'ncr Situation bei weitem
nicht crsasse und datz es Lein Land auf der Erde gebe, wo sich so
herrlich und >n Freudcn lebcn lafle, w!e Lei uns. Die Litter4
Sorge, die hinter all dem falschcn Elanz stch birgt, steht der
Fremde ja nicht und alle Reden unscrer Staatsmönncr, alle Notcn
und Rufe an d:e Mitwelt miiflen wirknngslos rerhallen, solange nun
einmal im Ausland die Meinung herrscht datz Deutschland aus poli-
tischen Eünden eine Noilage rorlöusche, die in Wirilichkeit car nicht
oder doch nicht entsernt. in Licsem Matzc vorhnndcn ist. Es zeigt sich,:
wie verkehrt die ganze F r c m d e n p o l i t i k der Regicrung in >
all den letzten Iahren gewesen ,'st. Tas Celd, das die Ausländcr
nach Dsutschland gebracht haben, hat unseren Währungsver-
fall nicht aufzuhalten rcrmocht, den moralischen Vcrsall
aber, tem Lie Sxekulation auf die Ausländer im Eefolg« hatte,
wiegcn keine Valutarücksichten auf.

Es gibt heute in Berlin ganze Stratzenzüge, wo man kaum noch
ein deutschcs Wort hört. D'e Reichshauvtstadt hal dcn zweiselhaftcn
Rus, heute die internationalste Stadt Ler Wclt zu seln. Man fühlt
sich Lei uns wie zu Hauss und — hcnimmt sich dcnient-^
sprcchend. Es sind ja n'cht immer die Lesten Elemente, die aus
dem Ausland zu uns lommen, sind nicht immcr gerade das, war
man Kulturträger nennen könnte. S>e fühlen sich nicht als Eäst«
eincs fremden Landes, kennen nichts von der NHckstcht. die man sich
auk sremdem Boden auserlcgen mutz, sür s-e ist Dcutschlanst die be<
sicgte, die zu Voden getretene, diewehrlose Nation. und
darnach richtet sich auch las Benehmcn dicser Hcrrschastcn.

Wir Deutsche halen das bisher mit einer übergrotzen Ee-
duld über uns ergshen laflen. Ich war kürzlich Zeuge, w e in
einem Berlincr Nesaurant ein Ausländcr, der etwas a»s Ler Art
geschlagcne Sprotz eines nsutralen Landes. da- uns währcnd oes
Krieges viel Gules geian hat und mit dem »ns auch heute noch oi«
hcrzlichstcn Sympaihien verbinden, durch seine Neden und sein Be»
nehmen das ganze Publikum heraussordcrle, ohne datz man gegcn
ihn vorgmg. Erst als er stch, immer srccher werdcnd, zu der Aeuge»
rung hinreitzen lietz: „Jhr Deutsche würt sa verreckt, wcnn wir euch
während des Kriegcs nichts zu sreflen gcgebcn hcitten", war es mit
der Eeduld vorbei »nd der Belrcsfende wurde ziemlich unsanst aus
dem Lo'al herausbefördcrt. Etwas ram: oniert zwar, aber immerhin
mit hdilen Knochcn. Die Frage, oü cin Auslancer. der sich j„ Pariz
oder London herartig benommcn hätte. so glimpflich davongelomme»
wäre. sei nur gestreift. - - -.

E^rvas von der Stimmung. di« m der ivunderLarcn. nicht gcnua
zu schätzcnden Sclbstdisziplln -er R> hr- vnr Nhein.evölke»
runjj zum Ausdruck kommt. l egt ubcr ganz Deuijchland. Lber
 
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