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Badische Post: Heidelberger Zeitung (gegr. 1858) u. Handelsblatt — 1923 (Januar bis Juni)

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https://doi.org/10.11588/diglit.15611#0353
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66. IchrgMg - Ar. 59

Bciträ>

.-Nleikoi.»-" 'Ncheint wöchentl siebenmal. Vei -nen: «IvasraNalSonnt,-

^"°°rla°n,^°blatt Mreitagsl - Llteraturblatt - Lo»sch"ibeilagc Im onat > i »k
Be.trüge ohne Derantworiung. Nücklendnn«, nur, wenn Porto bei ieat.

Heidelberger Zeitung

(Gegründet 1858)

und

Handelsblatt

Donnerstag, 1. Rärz 1923

vanv-a.schä 'ol.-'i- u. S«.i,tlei.a^er.Badlschen Post-Hcidelb.rg S°u°tst^L8. F--nspr -
Mr tNeilansor«: Nr°nlsurta.M., Berllner Vertretnng: Berl.n StV48, Ü>mmer

str-chech Fe>n!pr.Zentr.4lS, MünchnerNcrtret. Münchcn.«eorg°nstn1»r, Fern p .-.

Ae Echretlensherrschast im MMbiet.

Draubzüge, Diebftähle, Verhaftungen ohne Ende.

sji^bor^^ " " Zuge der sranzösischen SoLdaten sind nunmehr zur
lü^. ^uf 2- ..^worden. So sind wieder eine Neihe neuer ÜeLer-
^""bn zu verzeichnen, die recht deutlich die mora-
>>, w' » dieser „heldenhaften" Armee kennzeichnen. Ein

Äl ^ f! en uon vier französischen Soldaten in der Hansastrasie
t s ci cl, E ^ehaiten und ihm 1600000 M. unü sämtliche
" ubyenommen. Jn den Anlagen am Haumannplatz
^n „s.. ^uuimann, einem Architekten und einem Schüler die
in ^^"°NsMen. Das gleiche Schicksal haben drei Berg-
I.^it Nggr Er Nähe der Zeche „Herkules" «rlitten, als sie von der
>»e Singen. Jn der EilLehofstrasze wurden vier Per-

Essen, 28. FeLruar.

gingen. Jn Ler EilLehofstrasze wurden vier Per-
und ihnen die Uhrsn, Wertsachen und Barschaften
-en Bergmann Iohann N. wuvde in der Hansastratze

Nst H^ nud ihm Uhr nedst Keite abgenommen, der

K «er
^°tt/

Steeler

die llhr neLft Keite abgenommen, der Berg-
murde in der gleichen Nacht von sechs Franzosen
-^tratze angehalten. Man nahm ihm die Uhr "

ilebft

bo W der 5-0 Mark in Lar. Weiter wurde der Bergmann Joseph
hi^iostrotzn ^unntagnacht von fünf französischen Soldaten in der
iM' Ain ^?L«halten und ihm Uhr mit goldener Kette abgenom-
t»r ^N x„,if^ustng wurde ein 6L,iihriger Dreher von vier fran-
Üiichr., angehalten und der Uhr beraubt. Auf die Hilfe»
tz^°Ise» p" ^ Räuber und als der Uebersallene ihnen nachlief,
^8list H sie auf jhn. Jn der Vornstratze wurde der Schneider
tz °» oiv' Nvei französischen Soldaten mit vorgehaltenem
>v> ^afch. ^.Ungehalten. Die Franzosen nahmen ihm darauf die
aben>^ . etwa 100 000 Mark ab. Der Maschinift Peter S.
g, Uds - in der Hcrkulesstratze und der Maurerpolier Fvitz Sch.
tze wurl^°-^"^stratz« überfallen und Leraubt. In der Kastein-
einem Ärsu-il-i- i->ie Ilbr init Kette abaenommen. Ueber

fvtz b'sher^^m U^üeiter die Uhr mit Kette^abgenommen.

^"fgen^^^^beien Ueberfäll« sind von der Polizeibehörde Przto-
^"Utte °mmen worden, wovon jedesmal ein Abzug an General
«urde.

^ gehen die Franzofen zur
^«r. ^/blagnahme von Lebeusmittel« i« grotzem llmfäuge

4r» ebenk ^Eschlagnahm«, die auf höheren Vefehl zurückzuführen
d,»„. «i« die Konfiszierung von Lohngeldern offenbar dem

>t »,^uen. die Ärbeiterfchaft mürbe zu machen. Jn Wirklich-

^fte j^ ^urch Eingriffe die Erregung
N?*'

?rt

der Arbeiter nur

N »V^ ^ Jn Trier haben die Franzosen verfucht, die
t e» t'en '.«^^nnkstelleauszuheben. Dadiese von dem
i- ^ tz -; ?^uhr, hatte sie sich mit fämtlichen Men und Büchern
° r, ^ 8 in Sich erheit gebracht, so tatz die Franzosen nur

8n a vorsanden.

^ el e n z wurde eine Erklärung veröffeittlicht, in der
V Nb-r . «iud. in welcher Weife d,e Eisenbahnen in
)ei» di» unden künftig betrieben werden sollcn.
"äs «irtz ^f>«inlandkommifston zu endgllltigen Befchlüsien gelangt
f«>i»»Nuhr, ??rden diese durch den General Degoutte auch auf
di« M.°usgedehnt werden. In ihrer gestrigen Sitzung
»>,^^n ia, ^helnlandkommission nur beschlietzen, datz die Eisen-
"esseu "^udie unter ein Direktorium^gestellt werden solken,

d»»^tz t nuch zugegeben, datz

^t daL?be und-zwar. weil es einen
' ^i n, und weil man damit die

der Unterstaatsbahndirektor Br « aud stehen wird.

man
wi

... Limburg doch
^ chtigen Eisenbahi'knoten-

weil man damit die Linie Dusseldorf—
lien' sNa» rechten Rheinufer ganz unter französische Konlrclle
Dcrnpn^- batte die französifche Reaierung in einem ofsi-
^Ng^«len-n»r-^^"bl8rt, es sei nicht wahr, datz Üimburg bcsetzt wurde.)
M:,?t der e,„ ? des Vorachens der Franzosen im Kreise Llmburg
vrk»^ °"drat des Kreiscs folgcnden Aufruf: Ein französisches
^sts^Und >n"b.o hat die Gemeinde Kirberg in unserem Kreise
»>i» Nhci,„.^«>t die Erenze des durch den Friedensvertrag und
dj»? >» unl». ^bommen für die Bcsetzung festgelegte« Gebietcs
'li.'dS sr..^der —- —,-:r,..ror.rrr»» m-n-n

engeren nassauischen Heimat udericyririen. wegcn
^test. k yen der Franzosen erhebc ich öffentlich schärfsten

re»^lunn" ^"brollstellen km Osten dcs Einbruchsgebietes ist die
c,Äen "vch nicht verlangt wordon, dagegen haben die

r Nr. -

ertes


>n Dohw'inl'Vl'bere'its 1 0 Prozent des

^^arenalsZollverlangt.

A dem Dahnhos Dohwinkel ist °in sranzösisches Werbcbur

' ^»werbung fiir die Fremücnlegion «nd für den Ei,-n°a,

. dienft im Linbruchsgebiet errichtet worden. .

ÄstiIngewarbenen werden mit Lastautos °on V°hw'N^I nam

^lgt ^Sncbraüit. Ceftern sind bereits mehr-re AE b^
^'Nen-Na^^" Kontrollstationen Aplerbeck-Sud D°rtmu

;.IleV^ und Scharnhorsk wird bei dcr Kontrolle vcr . . ^
^cptz^'tht zum versön-lichenRelsebed in Anlerbeck,

^vler^ p°n ben Franzosen weggenomme nur

u"d Dortmund-Drackel wcrden rm Guterverieyr
^ensw! ° ' ^uttermittel und Umzugsgut. in Lunen-Noro

^ ^e°rk?d^^^ berichtct datz di« B-is'ltzunn^hürven

^6eben I ^ '« Jnnern der Stadt Esscn zeitweise wiedcr l
°«n haben. Doch ist

r>e»

«r Ar» — '

wei7er°°7???,' namentlich für

^ .. die Lebensmlttelgefchäftr»

erboten. Dtese neue Ma'gnahme zielt allem An-

r schcine nach a«? «ine Hungerblockade hi«,

^ iu"eim>°r'»^'ierL«völk«rung wird diese neue Matznahme geradc-
ner Lebensgefahr, denn in dem abgesperrlen Stadtlnnern

befinden sich die meisten Lebensmittelgefchäfte. Nicht eininal Kranken-
wagen dürfen nach dem abgesperrten Innern der Stadt Essen fahren.
— Wie sehr man bedacht ist, dis durch.solche unerhörten Gewaltakte
drohends Eesahr des Ausruhrs zu fördcrn, zeigt die gewaltsame Auf-
lösung der Schupo, dis man jetzt systcmatisch zu betreibcn scheint.
So wird aus Esien berichtet, datz die Entwaffnung der Schutzpolizek,
wie sie in Essen durchgeführt wurde, auch in anderen Städten des
Ruhrgebiets durchgeführt werden soll. Jn Bochum, Herne und
Recklinghauien sind alle Untetkuiiftsräum« der Schutzpolizei
durch die Franzosen beschlagnahmt worden und die Polizeibeamten
wurden verhaftet.

»

Der Offenburger Oberbürgermeister Holler wurde von
den Franzosen verhaftet und nach Kehl transportiert, angsAich
weil er sich entichieden geweigert hatte, d«n Franzosen ein
Adretzbuch von Offenburg auszutiefern. Der eigent-
lichk Erund der Verhaftung wird aLer auf dem Eebiet der Polizei
liegen. Jnfolge der Verhaftung sind heuts nachmittag alle städti -
schen Büros geschlossen. Diesem Protest haben sich sämt-
liche offenen Eeschäfte und Wirtschaften ange-
schlossen- Ecstern wurden von den Franzosen die Privatwohnungen
dcr Eendarmen nach Waffen durchsucht. Drei Eendarmen (Ober-
wachtmeister Resch, Doser und Flötzer) wurden verhaftst, aber
nach einiger Zeit wieder freigelaffen, nachdem ihnen die Wassen ab-
gcnommen worden warcn. Die Franzosen sind dann weiterhin in
das Bureau der Eendarmerie eingedrungen und haben dort alle
Schränke erbrochen. Waffen wurden aber nirgends vorgefun-
dcn. Bürgermeister Dr. Dierer wurde um 5^6 Uhr verhaftet. Der
Erund der Verhastung liegt darin, datz er sich geweigert hat, die
Personalien der Familien der Ausgewiesenen anzugeben.

Bei kn Kirchberg im HunsrLck crsolqten Verhaftuuqs« war el«
junger Man» im Orte uicht aufzufinde». An seiner Stelle wurd«
der Baterverhaftet und als diefer der Berhastnnq fich wider-
sctzte, wnrde der alte Man» auf dem Transport ins Eesänqnis von
einem französtschen Osfkzier fortgesetzt mit einer Reitpeitsche ge«
schlagen. Aus Castellaun im Hunsrück wird gemeldet, datz auch dort
vor einigen Taqdn einige Verhastunqen vorgenomme» wurden-
Einige vorgemcrkte jnnge Leute waren gcflüchtet und ihreu Biiter»
wurde eröfsnet, datz ste selbst verhastet und ausgewiesen würdcn,
wcnn ste nicht den Ausenthalt der Flüchtigen angeben, oder diese
zur Stelle schassen würden.

Aus bem franzöfischen Gelbbuch.

Päris, 28. Febr. Das „Oeuvre" enthüllt aus dem soeben er-
schienenen Eelbbuch aus Seite 51, datz Poincarö fich schon am
10. Dezember 1922 auf der Londoner Konferenz über
sein Ruhrprojekt ausgesprochen habe. Er erklärte, er
würde zunächst mit den Deuischen in Verhandlungen treten und stch
dabei der Besetzung von Essen und Dochum als Druckmittel be-
diencn. Wenn dann die von Deufschland verlangten Earantien nicht
geleistet würden, würde man sich bemühen, sie aus dem Ruhrgebiet
selbst herauszuholen, desgleichen aus dem linken Rheinufer. Er,
Poincars mache sich keine Illusionen über die finanziellen Ergebniffe
dieser Matznahmen, besonders über den Erirag der Zölle. Es sei ganz
sicher, datz die auf diese Weise erzielte Summe hinter den in dem
Londoner Zahlungsstatut vorgesehenen Annuitätcn bleiben würde.
Dcshalb bleibe er bei seiner (Poincaräs) Jdee, zunächst das Mora-
torium mit Pfändern zu gewährcn und die Anleihe zu begünstigen.
Wenn dieses Mittel scheitere, mllsse man nach seiner Anstcht aus den
Pfändern so viel matcriellen Nutzen wie möglich ziehen. Auf eine
Frage Bonar Laws, präzisierte Poincarä seinen Plan nochmals wie
folgt: Das Ziel bei der Beschlagnahme von Pfändern sei erstens,
Deutschland zur Einbringunq aufrichtiger Vorschläge zu bringen und
zweitens, wenn diefe Vorschläge vorgebracht würden,
werde er die Pfändernoch weiter sesthalten, um
ihre Ausführung zu kontrollieren. Üm die Deutschen zu ihrer Aus-
führung zu verpflichten, werde er stch bemühen, aus den Psändern
so viel wie möglich herauszuyolen. Das „Oeuvre" fügt hinzu, die
Ereigniffe seien andere geworden. Sei das nicht deshalb der Fall,
weil Poincarö die sranzöstschen Besetzungsziele und Räumungs-
bedingungen nicht in aller Form festsetzen wollte? Man müsse sdgar
an der Diplomatie Poincarös noch unbarmherziger« Kritik üben, als
die, die er vorschutzweise in London selbst daran geübt habe.

Die KllMrbringer.

London, 28. FeLr. Jm Unterhaus fragte däs Arbeiierpartei-
Mitglied Wedgewood dsn Unterstaatsfekretär sür dcn Krieg, ob
die Aufmerksamkeit auf die Feststellung in Nittis Buch „Der Nieder-
gang Europas" gelenkt wurde, datz die Gemeinden im befetzten Ee-
öiet gezwungen wurdcn, deutsche Frauen zur Ausrecht-
erhaltuna von Bordellen zusftellen, die damit verbun-
denen Ausgaben zu Lestreiten, und ov eine derartige Vereinbarung in
der britisch besetzten Zone bestände. Der Unterstaatss-kretär sür den
Kricg, Buinetz, erklärte, die Antwort auf den ersten Teil der Fraye
laute bejaheno, auf den zweiten Teil verneinend. Die Bordelle in
der britisch besctzten Zone seien für die Truppen nicht erreichbar.
Wedgewood fragte hierauf, ob ein ebenso bestimmtes (?) Dementi
bczüglich des gesamten besetzten Gebietes gegeben werden könnte.
Buinetz crwiderte, cr habe keinerlei Kenntnis bezllglich des übrigen
Teiles des bejetzten Cebietes.

Mr klagea an!

Di« Haltung Ler Sozialdemokratie in bezug auf di« durch dk«
Ruhrbesstzung geschaffen« Lage, die von Ansang an nicht ganz
zweifelssrei gewesen ist, hat durch den Berliner Bezirksparteitag,
der am vsrgangenen Sonntag siattgefunden hat, eine für jeden Gut»
gestnnten höchst unerfreuliche Klärung erhalten.

Es ist leider so, wie wir es schon seit längerer Zeit vermuiet
haben: die Sozialdemokratie will wieder in Oppofition tretsn.
Das ist der kurze Sinn des Referates von Otto WeIs, durch das
der Bezirkstag eingeleitet wurde und der daran sich anfchlietzenven
Debatte. Wels sagt der Regierung Cuno ungefähr: „Wir könnten
dich wohl stürzen, und du verdientest es auch nicht anders, wir wollen
das aber nicht tun, da wir nicht daran -enken, Verantwortungen
zu üb-ernehmen. Dagezen wollen wir dir alle möglichen Schwierig-
Leiten bereiten, indem wir, obwohl wir wissen, datz du nicht vcr.
handeln willst und kannst, dich trotzdem dazu drängen, gleichzeitig
dein Ansehen im Innern und nach autzen dadurch schwächen, datz wir
so laut wie möglfch erklären, datz du im Erunde nur die Kapitalisten
vertrittst, datz dir die Maffe des arbeitenden Volkes aber mitz-
traut." Also, wenn man den Dingen, wie sie sich auf dem
Berliner Bezirkstag darstellen, auf den Erund geht, so soll die
Unzufriedenheit geschürt werden, es soll gegen die Regierung
Sturm gelaufen werden, es soll Klaffenkampfstimmung erhalten
werden, und das alles nicht etwa um des Wohles des Eanzen willcn,
sondern weil die PartrMhrer die llnzufrredenheit brauchen, um
sich in der Hcrrschaft zu halten, weil sie nichts mehr fllrchten, als
datz die Arbeiterschast, getri?b«n von der Not und dsr Eefahr, in
der sie zusammen mit dem Eanzen schwoben, ein Gefühl für
das Ganz« bekommen und ihnenj den Führern, aus der Hand
laufen könnten. Haben sich diese Fllhrer nun aber eigentlich ganz
klar gemacht, was dje von ihnen als Hauptforderung hingestellt«
Forderui'g Les „Verhandslns" «igentlich Ledeutet?

Frankreich hat es uns gefagt, so und fo oft: es gäbe für Frank»
reich, also von deutscher Seite kommend, nur eine mögliche Aktion,
nämlich die Unterwerfung. Frankreich will seinen Willen und
will feinen S-ieg. Es ist rein Sutzerlich in der Lage, diefen Sieg
zu gewinnen. Glaubt män nun etwa, datz es diese Lage nicht voll
ausnützen werde, giaubt man, da es fchon fo weit gegangen ist, daß
es nicht noch weiter gehen werde?

Was würde es also antworten, wenn eine deutfche Regirrung
etwa fagen «ürde, sie wolle die Beziehungen wieder anknüpfen?
Frankreich wllrde antworten: Wir sind bereit, aber Ihr mlltzt an-
erkennen, datz Euer WiLerstand ein llnrecht war, datz Eure Beamten
mit Fug und Necht ausgeWiesen worden sind, Jhr mützt anerkennca,
datz avir ein gutes Recht hatten, in die Ruhr einzu-dringen, das Land
abzufperren, Teil« von Vaden und die zur völligen Beherrfchung des
rechten Rheinufers noch fehlenden Orte zu bcsetzen, Jhr mützt an-
erkennen, datz wir zu jeder Zeit berechtigt sind, das Getane zu
wie,derholen, fo oft es uns beliebt, Jhr müßt anerkennen, dast Ihr
Euch selbst diese Matzregel zugezogen habt, datz Jhr für t>i« Kostc»
alfo aufkommen mützt, Jhr miitzt anerkennen, datz wir auch weiter
in Zukunft verlangen können, was wir wollen, Jhr mlltzt
damit zugleich anerkennen, datz Jhr keinen Anspruch mehr darauf
erheben könnt, ein Volkzu sein, das einen eigenen WilIen hat,
datz Jhr vielmehr nur ein Haufen von Stlaven seid, der dazu
da ist, für uns, die Franzosen und Belgier, zu fronden.

Wir übertrciben nicht. Es sind die hier vorausgesetzten mög-
lichen Forderungen Frankreichs samt und fonders dem Sinne nach
mit Aeutzerungen offizieller Organe zu belegen, denn die Franzoscn
glauben eben wirklich, alles Las durchsetzen zu können; ste wiffen,
daß sie eine Macht haben, die schlechthin unwiderstchlich ist, und die
Geschichte lehrt, was von einem Frankreich zu erwarten ist, das
glaubt, unwiderstehlich zu sein. .

Und meint man etwa, datz solche Forderungen nicht moglich
seien, weil sie wirtschastlich widersinnig seien? Wer wagt heute noch
an dem Märchen festzuhalten, daß nur das wirtfchaftlich Vernllnftig«
geschehsn könne. Wer glaubt noch daran, datz Frankreichs Politik
überhaupt in erster Linie von wirtschaftlichen Vegehrungen Lestimmt
sei, wer zweifelt noch, datz das wahre Ziel Frankreichs Hcrr-
s ch a f t s v e r m e h r u n g ist, und datz es ihm völlig g l e i ch«
gültig ist, wenn bei seinem Vorgehen das Ruhr- und Rheinland
wirtschaftlich zerstört wird, ja selbst gleichgültig ist, wenn Frankreichs
Wirtschaft selber dabei ein« Schädigung erfährt? Was Frankreich
tut, i st eine Wirtschaftszerstörung, eine Zerstörung und in einem
Umfange, wie ste seit Attjlas Zeiten niemals vorher >n Europä
unternommen worden ist, und es ist ganz stcher: Frankreich felber
wird darunter zu leiden haben, es wird ganz gewitz nicht dos aus
den befehten Gebieien herauszupreffen vermögen, was ihm srüher
freiwillig geliefert worden ist; es wird ganz gewitz die geraubten
Pfänder nicht „produktiv" gestalten können aber — das ändert gar
nichts an seinen politischen Zielen. Frankreich rechnet mit langen
Fristen und mit grotzcn Zahlen. Datz die Sache nicht gleich „rcn.
tabel" ift, wird dem zunächst Verantwortlichen gewitz ärgerlich sein,
es wird ihm viellelcht auch böse parlamentarische Stunden bereiten,
aber es wird an der Gesamtrichtung nichts ändern. Hat man jemals
ein ffegreiches Frankreich Halt machen sehen, ehe es das Aeutzerste
unternommen hat?

Alfo, die mögliche wirtfchaftliche Erfolglosigkeit des Ruhr-Nhein-
Raubes ist politisch ganz unerheblich; von diefer Seite her wird
Franlreichs Wille nicht bestimmt werden, von dieser Seite her haben
wir für uns nichts zu erhoffen.

Ist aber irgend etwas anderes rn der Welt vorhanden, was
Frankreich veranlaffen könnte, das Aeutzerste nicht zu wollen, etwä
eine Eefahr, die ihm von der Solidaiität des Weltproletariats
drohen könnte? Nun, selbst Otto Wcls und Genoffen haben nicht
gewagt, drcfc Möglichkeit in ihre Rechnung einzustellenl
 
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