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Badische Post: Heidelberger Zeitung (gegr. 1858) u. Handelsblatt — 1923 (Januar bis Juni)

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https://doi.org/10.11588/diglit.15611#0381
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ZÄrgang - d!r. SZ

terkoi<>,^E tricheint wöchcntl. siedenmal. ikei acen : Divaskall» iSonnt.1 —

""lanate'rn - lkkreitaarl - Llteraturblatt - vochkchuil-ellarte tmonatlich>.
» «kiträae ohne Vcrantwortunit. Rück' Idnna nur, wcnn Porto bei icat.

Heidelderger Zeitung

(Gegründet 1858)

und

Handelsblatt

Monlag, S. Mrz 1S2Z

Hanptaelchäktrstellc u. Schriltlelka. der.'LaLischsn Post"Hcide!bera,Hanvtstr. 28, Fcrnspr.:
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are, eme Gesahr M EuroM^nedm-

-^er Franzoseneinsall in Las ^hV-biety Enthüllungen
^^chichtc. Es rvird teilweiie noä) rmmer rr°s

..Oeunre" -

«s

"»ye Crab- "d oem E
Imd?/^°n erst

nus dem Gelbbuch angenommen, als sei der sranzö-



in d neueren Datums. Das ist ein Jrrtum.

NNen ?".Lage, das Eegenteil nachzuweisen. Als Kronzeugen
^Nlen lan Einen eisigeweihten Amerikaner zu Wort

, nZstor-x K " Dieser weist nach, datz Poincars nicht nur der Fris-
W,

«ll^isch

nropas, sondern der Mann ist, der den Franzoseneinfall
^^reitet. propagiert und durchgeführt hat. Kein
der frühere amcrikanische

-erep

Oberkommissar

. -oi. ^ . -v-„mmission B. Noyes hat das be-

- ^riea-r.^^ ^«rhandlungen nach Abschluß des Weltkriegss hat cr
E'Icher ^ Poincarä kennen gelernt. Noyes ist ein amerika-

uriedx^g^ ^ndustrieller. Er nahm als Kohlenlommissar an den
^erilcm,^°°"dlungen ieil Dann war er bis zum Herbst 1920 als
Dieser ^^«^ommissar in der Rheinlandkommission tätig.
?en am ^ ^rtrauensmann Amerikas hat nun ÜLer seine Erfahrun-
- »ebruar igsz ,n der amerikanischen Zeitung ..New Hork

«sr.chtxj

^vrid-

vie

Verräjl'^r- Jn cinsm längeren Zsitungsartikel beleuchtet er
ehten Lrs?mE^'. die der Friedensstörer Europas, Poincarö, !n den
*ksten Tac, ^er Jahren gespielt hat. Er Lemerkt, datz seit dem
^ller „„„ b Waffsnstillstandes Poincarö der Lenker und Be-

tn ^es neuen k '- - "" - — --

»i°''Ncai^ r - " >^nzösischcn Nationalismus gewescn sei. Das Auge

^^Ichland /, ^.8«richtet gewesen auf die eine grotze Möglichkeit,

"Jin °rob Dann führt der Amcrikaner weiter aus:

Dtr. t02g hatte ich eine außergcwöhnlich gute Eelegcn-

ncarö aus nächster Nähe zu beobachten. Derzeit war

^ c ^ o- "—o'" — —

^ihe re»l z WiedergutmachungskommMon. In einer ganzcn
Fch l Diskussionen satz ich in ssiner unmittelbaren

^!chästsm ^oyachtete ihn vorurteilslos. aber mit den Augen eines
k Suki;n--^Eo, der d!e Veweggründe und Ziele jemandes, der auf
i ^ aus»s,^° Mohlergehen von uns allen eincn gewichtigcn Ein-
'*hen ^ 'uutz, zu ergründen sich bemüht. Hier bot sich eine
^ ^Ulmen ^^^enheit, seinen wirrlichen Absichten auf den Erund
i An^ ^ damals bemühte, Bestimmungen zu erlassen,
» Uns-ren uon fünf Sachkenncrn, von denen ich einer war,

^hlenabkg ^^^Echungen mit der deulschen Delcgation Lber das
°u. yH. 'uuien lenken oder ihm vielmehr die Hände binden soll-
Akp. m ,"^^'uen Willen zwang sich mir die Ueberzeugung auf,
?«ch gg^ ^suncars gar kein Abkommen wünschte, datz er
ais' - ^ grötzere Kohlenmenaen sür Frankreich er-
n ^ datz er darum kämpste, Deutschland in

^ diest Vertragsbrechers zu erhalten, um

»^^ärjlK dnuernd eine Möglichkeit und „Berechtigung" fllr
r * Niein^ ^ngrisf zu haben. Mas ich hier sage, ist unangcnshm,
«rös ^ch^utzfolgprung patzt durchaus zu vielen von Mr. Poin-

^^«Nl Hnndlungen und Aeutzerungen, und der Kurs, den er

Cs b - hut meine Behauptung durchaus bestätigt."

weiter in dem Artikel des früheren amerikanischen
,,Die m ^ ^Er Rheinlandkommission:

A ber hutte damals, nach meinrr UeLerzeugung, in den
^'nnnt jst . °"'-östschen Regierung noch keine strategische Bedeutung.
^lüdefj^ Iieilich, datz der vom französtschen Oüercommando e!n-
, öiehung « Sesührte „Dorten-Ausstand" im Mai 1919 die Ein-
^iuhr und Westfalen in das „Besatzungsgebiet" mit
-^en jch i>och scheinen die sranzösischen Staatsmänner, mit

, E Su bak,*^' ^umals nur wirtschaftliche Vorteile im Auge ge-
^-0 erinnex"' ^eder wird sich noch der Ruhr-Aufstände !m März
dUtsenden" ^rankreich verbot es Deutschland damals, Truppen

I°Ibs

Lehvli

lestmitausdemProgramm. Im Apr,l des-

.s wurden mehrere Regimenter aus Frankreich heran-

riten ,? ^er Nähe von Köln zusammengezogen. Man bat die

hreni Erlaubnis. einen sranzösischen Fliegerstützpunkt ,n

°^°ir°tr ^?°k°Ps errichten zu dürfen. Bis ins Kleinste ausge-

Wlirdcn p""^'iarische Pläne hinsichtlich Mannschasten und E-schutze
Cei^r, . «en briltkL-..- - -

des Einmarsches war schon sestgesetzt.'

Diest

Ta.

Behörden von den Franzosen untcrbreitet.

ülitzerst /' "uischen Enthüllungen sind besonders in der Eogen-
^rstört, ?"'erkenswert. Es wird dadurch endgültig der Schwin-
in v°'°llvll»n °^er Franzoseneinfall wegen Nichtersüllung der

Der amerikanische gut orientierte Verireter

Iranijjfi, "u^kommisiion hat bereits im vorigcn Iahre d!e Ziele
^ertrau ^mperialiomus in offenkundiger Weise aufgsdeikt.
uberzx^ """"'uun Ler amcrikanischen Regierung war längst da-
. ^-Ul!r a>' Poincars der Friedensstörer Europas sei. Man
>Mied Poin^b öieser Darstellung, mit wclchen Mittelu der Ränke-

S'el

hgZ

Su

errei» ^ V-arbeitet hat, "um endlich das crwünschte Kriegs-
Eprun«?^' Der militärische Einsall in das Ruhrgebiet soll
^°ra. Es -n" "'"^en zur sranzösischen Militärherrschaft in
T°incarz üut. datz der Amerikaner Noyes dem Jmperialisten
^°tter der M i. ^ "bgerisien hat. Ietzt werden alle friedsertigeü
'bist, ^eit erkennen. was das kriegerische Franlrejch^ eigentlich

Ks« Kanzlmrise mch SMeuWmd.

Vor der NegierrrrrgserLlarurrg uber die neuerr GewalLakte.
VerdrLngung der dsutschen Ersenbahner in der Pfalz.

Eigene Drahtmeldung.

Gerlku, 4. März.

Der Rekchskanzler hat an den badische« Staatspräfi-
denten Remmele solgendrs Telegramm gerichtct:

«Blit tieser Cmpsrung habe ich Jhre MitteiluNg über die
Besetzung Les Hasengcbiets Ler Stadt Mannhcim und Lber
die Wcdrshung von Bcrdevs Hauptstadt crhalte«. Zch brtte
Sie, Hcrr Staatspräsidcnt, Ler badifchcn Negicrung, sswis de»
schwer bedrohten Städte» des grsaMterr badischen Landes den
AusbruS der treuestcn Slnteilnahme der Reichsregiceung
zu iibcrmittcln. Wir wcrden allcs trm, rcas in unseren Krüste«
steht, um bre schwcren Prüsuugcn, mit denen franzcsische Willkür
wie in frühcrcn Zciten deutschcr Nct den SüLrvesten unseres
VatcrlaAdev setzt wieder heimsucht, nach Möglichkeit zu lindern.
Jn Eestnnuag und Tat wird Las deutschc Bolk deu Badeuern ihre
Treue u'->d StaAdhastigkcit Lauken."

An den hessischen Staatsprüsidenten Ulrich tclegraphierte
der Reichslanzler:

„Crncut bedroht scrndlichcr Einbruch Darmstadt «nd wei-
tere Leile Lcs schwcr leidenden Hessenlandes. Dis Reichsregic»
rung wcitz, Latz Hessen ungebeugt siir Ncich rmd Nccht fcststehen
wird. Sic bittet Sic, Hcrr Statspräsidcnt, die Vcrsicherung ent-
gegcnzunchmen, datz das Reich die Schäden nachsKrästen lindcrn
und Treue um Trcue wahrcn mi.'s."

Elcichzeitrg hat der Neichskanzlcr seincn geplantcn Besuch in
München und Stuttgart abgesagt, „nd zwar richtete cr
an dur bayerischen MinisierpräsiLcntLN v. Knilling solgendes
TclegraMm:

„Dcr nene frevelhastc Nechtsbruch Frankreichs legt mir die
Pslicht aus, den deutschen Protcst in emer bcsondcren Sitz-
ung des Neichstagcs zu erklären. Der Prästdent des
Rcichstags yat dahcr dcnselben für nächsten Dienstag zu
einer autzcrordcntlichen Sitzung zusammenbrrusen. Das ver-
bietct mir, Len beabsiiilstigtcn Bcsuch in München am Mon-
tag auszusührcn. Ich brdmrcre dics auss lcbhastesie, bin aber
sichcr, datz die Erimds hiersür gcradr in dem vom Einsall be-
trossencn Süddcutschland gewLrLigt werdrn. Zch bitte, Len Be-
such aus dcn ersten ftcicn Tag verjchieben zu dürsen, der
mir zur Bersügung steht."

Der württembcrgische Staatspräsident v. Hleber wurde in
glcicher Weise verstündigt, Latz der Reichskanzlcr aus den Besuch in
Stuttgart am Dicnstag verzrchten müsse.

Am Samstag nachmittag t.at, wis bereits knrz gemeldet, die
Rcichoregierung zn eincr Sitzung zusammen, um sich mit dcn ncuen
franzLsischen Cewaltakten gegcn Darmstadt, Mamryciur rmd gegen
die Besetzung des Karksruhcr Hascns und dic hierdurch geschassene
Laze zu Leschästigcn. Die Brratungen Über Lie von der Re-sierung
zu tresfendcn Matznahmen stnd noch nicht zum Abschlutz gekoNmcn:
sic wu:den vielmehr im Lausc Les Sonntags sortgcsctzt. Zn der
KabiNettesitzung a-n Samstag wurde beMosien, dcn Reichstag,
Ler bckamltlich crst am Donnerstag wieder zusammentreten sollte,
bereits si!r Dien s t a g nachmittag S Uhr einzuberuscn. Zn dieser
Sitzung wird der Neichskanzler eine Regicrungserklä»
rung über dieneueLage abgcbcn. Aus der Lcschleunigten Ein-
bcrusmrg dcs Parlaments darf wohl geschlosson werden, Latz die
Matznahmen Lcr Regicrung sich diesmal nicht aus die Prolestnate
beschränleir wcrdcn. Ob sich an die Regicrungscrklärnng cinc poli-
tische Auosprache anschlietzen wird, steht noch nicht sest. Dies wrrd
vvn den bevorstehenden Besprechungen des Kanzlers mit dcn Nar -
teisührern abhüngen. Bor dicser Siussprache dürsten sich die
Parteicn mitcinandep in Verbindung schen, um eine Cinigung in
der parlamcntarijchen Behandlung der Regierungserklärung herbei»
zuführcrr.

*

Aus dcm neuen Einbruchsgebiet liegen folgende Meldungen
oor: Nach Mitteilung der Atannheimer EisenLahnlielrrebs-
insxektion >st dcr Veriehr nach dem Mannhcimer ZenLralgütcrLahn-
hos durch die Franzosen unterbunden. Es köunen infolgsdessen
dort vorc-rst weder Eüter aufgegeben, noch abgeholt wsrden. Im
Mannhsimer Hauptzollamtshafen beschlagnahmten die
Franzosen alle Warsn. Auch das der Nhe!n-Seeschiffahr!sgesellschaft
gehörende Kranschiff „Mannheim 72", das im Neclar lag, ist von
Len Franzosen beschlagnahmt und mit einsr französischen Wache be-
,etzt worden. Jm Laufe des Sonntags ist Slaalsprästdent Nemmele
und F.nanzminister Köhler aus Karlsruhe in Mannheim einge-
trosfcn, um mit dcn staatlichen und städtischen Lehörden die Lage
zu Lesprschen. Jn Dar m st a d L hat sich die Lage kaum verändsrt.
Es sind lediglich einige Verschiebungsn innerhalb der Postierung
der Wachen vörgcuommen worüen; einzrlne

genommc'n, an anderer Stelle sind Machthäus

Hosten wurden wsg-
yauschcn aufgestellt worden,
ern Bewcis, datz nicht damit zu rschnsn ist, datz die Besetzung wieder
sobald rückgängig gcmacht wird. Hervorzrcheben ist, datz der Per-
sonenvcrkehr, der am Samstag Störungcn unterworfen war,
wieder normal vor sich geht.

D:e Vesctzung des Lüannheimer Hasens und des Vahnhofes von
Darmstadt ist, wie schon angsdeutet, bcsonders wirtschastlich sehr be-
merkenswert, da Mannheim nach dem Duisburg-Ruhrorter Hafen
der grötzte Binnenhafen Deutschlands ist, unld Lort auch die meisten
Vorröte an Nohstoffen, Kohlcn, Cctreide usw. zu liegen pflegten.

4 Der Hasen von Mannheim war .schon lange «in Objekt der Beute-

gier der Franzosen, und auch der Vahnhof von Mannheim war fur
dis Franzosen sehr wichtig. La fie mit seinsr Bcsetzung zusammen
mit Ler Besetzung von Darmstadts Bahnhösen die gesamts
Eisenbahnlinie von Norden nach Süden. also von
Frankfurt nach Mannheim in ihre Hände Lekommen, wcihrend st«
bisher durch d!e Basetzung der Station Wixhausen lodiglim in der
Lage waren, den Derkshr aus dieser Linie von fcrne einer Kontrolls
zu unterziehen. Zu diesen Erwagungen der Franzosen kam
noch, dah Mannheim und Darmstadt der Sitz der aus Mainz ver»
drängten deutschsn EisenbahnÄehörden wurde, die von dort aus den
Letrieb im Mainzrr Bezirk leiteten.

Die Lage im NeichsbahndirsktivnsLezirk Ludwigshasen
hat sich wcsentlich verschärft. Nachdcm in der Nacht aus Sams-
tag das Personal der Reichsbahndirektion Ludwigshascn den Betrie»
noch Lurchzufühern versuchte, sstzte am Samstag

die planmätzig? Bcrdrängung des deutschci« Eisenbahn»
personals cin.

Das deutsche Personal wurde von der militärischen Unterkommisiion
Md deren Bahnhofskommissaren ausgefordert, zu erklären, ob es dsn
Dienst untcr sranzöstschem Vefehl weiterversehen wolle. Da dies
überall abgelehnt wurde, ersolgte e:n sosortiger Beschl,
die Dienstrüume, Stellwcrke, Werkstätten nsw. zu verlassen, dct
der Detrieb in sranzösische Hände llbergehc. Das Pcrsonal wurde
durch dia sranzösijchen Besatzungstrupxen und von sranzöstschem Eisen-
bahncersonal im Laufe des Samstags auf dcn pfälzischen Haupt-
bahnstrecksn verdrängt. Aus den Nebenstrecken wollie das deuische
Eisenbahnpersonal den Betrieb weiter'sHhrcn, die Franzosen haben
dies jeboch nicht Zi-""lasssn. Sie verbicten jeden Eisenbahn-
betrieb innerhaib der Pfalz nach deutfchcn Bestiminun--
gen. — Vcrhaftet wurden OLerzollinspektor Eottsried, der ins
Eefänqnis abgeführt wurde, und Lokomoiivheizcr Langhase, bcide
aus Ludwigshafen. Ausgewiescn wurden dsr Vorstand der
Maschineninspektion Kaiserslautern, Regicrungsbaurat Kund, der
Vorftand der Betriebswcrkstätte Kaiserslautern, Eisenbahningenieur
Göbcl. Es wnrde ein srünzösischer Besehl angeschlagcn, 'wonach
Dienstwohnungen bis zum 8. März zu räumen sind, widrigenfalls
die Jnhaber ausgewicscn werdcn.

Aus Offcnbu.rg wird gemeldet, datz auf Befehl des fran«
zösischen Eenerals Michel, des Kommandanten des Briickenlopfes
Kshl, dieEendarmerie in Offenburg und Appenweier
als aufgelöst bezeichnet wird und entwaffnet wsrdcn soll.
Durch diefe Matznahme, fo heitzt es weitcr >n dem Bcfehl, wird die
Stra-versolgu.ng der Bcamten, die sich weigerten, ihren Dienst unter
lranzösischem Befehl sortzusetzen, nicht aufgehoben. — Vürgcrmeister
'enchen in das unbesetzte Eeüiet abgefchoben

N ü h r e r, dcr bei .,. . ->.»v>.,««.- --„-vn.-» »»vgeiiyooen

wurde, befindet sich in Karlsruhe. Seine Familie und diejenig'e des
brreits au.sgewiesenen Oberamimannes Schworer von Offenburg
erhieltcn gleichfalls den Ausweisungsbefchl.

Sie Verhair-lmgsbafls der MllSrs.

Unfinnige Fcrderungen. — Kohlenraub mit Hilfe der Vajonett«.
Von unserem U-Korrespondenten.

Paris, 4. März. ,

Es wäre möglich. Untersuchungen darllber anzustellen, oü die
Franzosen auch wirklich ehrliche B e r h a n d l u n g c n mit dcr
Reichsrrgierung wünschen. Wenn auch vsrschicdene Andeutuugcn

bafür vorlieaen, datz sie den Augenblick herbeiwünschen, wo Deutsch
land solche VerhanLlungen bsginnsn wiirLe, so ist vorläufig fül
Deutschland immer noch entschsidend. datz diese Vcrhandlungcn
nicht auf der Basis der E I e i ch b c r e ch t ig u ng stattflnben'
sollen. sondern datz Deutschland sich vor Beginn Ler Verhandlungen
als „Le,siegt" erklären mütztc. Der Düsseldprser Mitarbeiter der
„Information" geht sogar so weit zu crrlürsn. man miisse untsr
jedsr Bedingung Deutschland ein kaudinisches Joch au'ertegcn.
Untpr solchen BedingunAen sino najürlich für Deutschland a'lle
Verhandlungen unmöglich. Wenn man allerdings die
grotzsprecherischen Worte, die von den Franzosen in den 'letzten
Tagen ausgesvrochen wovden sind, alle ernst nehmen wollte, so
würde man fehl gehsn. Mau hat sogar vielsach den Eindrnck, datz
die Franzossn um so lauter schreien, je mehr ihnen bange ist. Dsr
Miiarbeiter der „Jnformation" lätzt auch einiges übe'r die Vc-
dingungen rerlauten, d!e man Dsutschland auferlegen will, und
zwar lau'fsn Lieje vor allem Laranf hinaus,

einen Teil des Mtkenbssitzcs der drutschcn Unternehmungen
in bie Hände zu bckommen.

Wenn dies auch n'cht die Msicht Lsr Pariscr Regicrpngskrelse ist.
so ist es doch die Absicht der D ü s s e l d o r f e r Militär
kreise, und man mutz sich in einem solchen Falle erstaunt sragsn,
wie denn die N-sxarationen bezahlt werden sollcn. wrnn Laa Eigcn-.'
tum an den deutschen Unternehmungen !n sranzösijche Hände »bcr-
gehsn würde. ANerLings glaubt auch die „Jnsvrmation" lslosr
iricht, datz die deutschrn Industriellsn Lamit cinoerstanden' wören, und
ihr Eigentum aus Ler Hand gebsn würden. Das Blatt mcint, mnn
könnte leicht mit den mittlercn deutschsn industriellcn llnternsy-
mungen zusammenarleiten, sowcit sie 1099 bis 2009 Arbeiter bc-
schäftigcn und man lönnte leicht aus Liessn Firmsn gemijchts
Gesellsch asten bilden, d!e ihr Altienlapiial in svLvo-e
geben würden, ebenso d!e Dergwerke und Fabrstsn, die Fran-
'zosen vor allen Dingen brauchsn. Diese Angelegenhe.t s-i natür-
lich, so sehr und so lange man sie !n Frankreich auch sc>,on besprochen
bab-e, noch nicht spruchrsif, und es gebc h:cr noch eine Neihe ven
Schtvierigkeiten, (die wohl sehr erheblich ssin dürften. D- Red.1,
a»s dem" Wege zu schaffen. tarum miitzten sran-ösische Finanziers
unü Industrielle Lerusen -werden. -die Liejss Problem üearbeiten.
 
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