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Badische Post: Heidelberger Zeitung (gegr. 1858) u. Handelsblatt — 1923 (Januar bis Juni)

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https://doi.org/10.11588/diglit.15611#0969
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66. Zahrgang Ar. 156

Die ,Badis >hrPost' crscheint wöchenil, stebenmal, Dellaaen: DidaSkals a lSonnt-s —
«nterhaltung»blatt sMontagsi - Literaturblatt —Sochschulbcklage km onatlichs.
^noerlangte Beiträge ohne Derantwortnng. Rülkiendung nnr, wenn Porto betliegt.

Heidelberger Zeitung

lGsgründet 1853)

und

LandelshLaLt

Kreilag, -en S. Zuni 1923

Hauptgeschäftsstelle n. SchrtMeitg. ver »Badtschsn Pokr'Hetdelberg, Hanntstr, 23, Fernspr.
Nr. 18L Berliner Dertretnng: Berli» SV 48. Zimmerstratze g, Fernlpr Zentr. 418
Münchner Dertretung: München, Seorgenstr. 1N7, Fernipr. 81887.


Bostscheck.Ftouto, Fraukfurt a.«. V141»

«aftscheck.»»»«», Fraukfurt a. M. »1«L»

^Uui-BezugSvrcis Ler.Bad. Post" Mk. k6>i0 — lauslchl. Zustellgcdühri. Eelbstabhol. Mk.SSON.—. AuSland Mk. 12000 — I A«zeigenvreise:die44 mm breite Nonpareillezetle kostet:lokale Ztelle»gesuche Mk.10>.-, kl.GeIegenhettsanzeigen Mk 125.-

^bbestell.werd.nur bis zum2. ied.Mis angenommcn. Am I u.2.noch gelief Zeitungen stnd nach d. Einzclverkaufeprei-, zu be- I Familicnanzelgen MH00.—. sSsschäftsanzeigen Mk.2l>0.—.Finanz- und Industrieanzeigen Mk. 800.—,mit Platzvorschrik: unS
^chlen. Preisd. Eiuzeluumme«Mk 200 -. JstdieZeltung am Erscheinenverhindert,besteht kein Anspruch aufEntschädigung j MoniagsMk. 2S.—mehr. Die 98 mm breite Reklamezeile kostet Mk.7S0.—, Anzeigen und Reklamen von auswärts 2S"/»höhek

Sas deulsche Mmorandum.

^ur eine Erläuterung der ersten Note. — Die Negierung steht zu ihrem Wort.

Eigene Drahtmeldunst.

Derlin. 7. Jimi.

Die dentsche Regierung hat nach sorgfältiger nnd
^iffenhafter Untersuchung ihre ehrliche Ansicht darLber zum
z^drnff geLracht, wasDentschland an Reparationen
leisten fähig ist. Sie würde nicht aufrkchtig handeln «nd
^ Problem scrncr LLsung nicht näher brtngen, wenn ste, nnr um
dolitischen Schwieri.aleiten des AugenbliSs vorübergehend
Erlelchtern, mchr vcrsprechen wellte, als »ach ihrer ehrlichen
lein ^Eugung bri Anspannung aller Kräste das dentsche Bolt zu
imstande ifi.

Dre Frage nach der dentschen Lsistungsxähigrett ist jedoch eine

jftzex tie verfchisdene Meinungen mZglich stnd.
z^Efchlnnd verkennt nicht, dah es unter dcn augcnblicklichcn Vcr-
tz^isfeu ungemein fchwierig ist, zn einer sichere«
g-^utzung zu gelangcn. Aus diefem Erunde hat die dcutsche Re-
sich erboten, dis Entscheidung einer unparteiifchen
d^rnationalcn Jnstanz Lber die Höhe und Art der
"ungxn entgegenzunehmen. Ein stärkerer Beweis für dcn
^Uarationswillen Drutfchlands ist nicht dsnkbau:.
s». Die dentsche Regisrung ist anch bereit, alle Unterlagen
1», Ei»e zuverläsfige Benrteilung der dcutschen Leistungskähigreit
ste wird auf Ersordern volle» Einblickin die
»^tliche Finanzgebarnng gewähren und auch alle
s^ten Ansrünft« Lüer die Hilfsqnelle» der deutsche«
^wirtschaft ertetlen.

deutsche Regierung hatte die Ausgabe einer grotze«
in Ansficht genommen, um den reparationsberechtigten
baldmöglichst erhebliche KapitalbetrLge znznführen. So-
stth die Ansgabe von Anlcihen in grotzen Beträgen als undurch-

h, ?E«ar erweist, ist die deutsche Regierung auch damit einverstanden,

i, - unstelle der Neparationssumme ein System »on Zahres-

" ungen tritt.

^ Da die alliiertc» Regiernngen Wcrt darauf lege», schon jetzt
tz^Ue Angabcn Lber dte Auswahl uud Ausoestaltung dsr von
tr^'lchland ins Auqe gefahten Sicherunge» zn erbalten. fchlägt dke
Negiernng folgende Karantie frrr die Durchführnng
Eudgültigen Neparationsplancs vor:

a) Die Reichsbahn wird mit allen

nlagen und
Reichsver«

tz- «i

Urichtungen von dcm sonstigen
°8e» losgelöst nnd in ein Sondervermögen umaewandelt,
in Einnahme und Ansgabe von dcr allgemeinen Finanivcr-
>?tt>Nl.g unabhsnaig ist und untcr eigener Verwaltung steht.

Rcichsbahn gibt Goldobligationen in Höhs vo» zehn
^uiarden Eoldmarl aus. die alsLald als erst'icllfges Niandreck't
dag Sondervermd'gen eingetra"en werden «nd vsm 1. Iuli 1927
urit fünf Prozent vcriinslich stnd, alfo eine Jahreslei-
^Ug von 890 Mill. Eoldmart ficherstcllsn.
y, )>) Um eine weitere Zahresleistung von SM Mill Eoldmark
»rÄ Juli 1927 ab ficherzustelle«. wird di

^SL,

die deuksche Regierung
?id die gesamte dentschc Wirtfchaft, Zndustrie,

'nerEaran-
Pfandrecht

1 ?Uken, Handel, Verkehr und Landwirtschaft zuei
j^E heranziehen. die als erststelliges Pfanoretyr
tzz.H»he von zehn Mklliarden Eoldmark aus dcn gewerblichen, den
!chen und den land- «nd forstwirtschastlichen Ernndbefitz ein-
^?ugen wird. Die 800 Mill. Eoldmark werden entweder
yi^ielbar im Rahmen einer allgemeinen, auch den
tein^EN Bcsitz ersassenden Steuer oder «nmit-
^ on de» belasteten Objekten anfgebracht.
tzj, u) Auherdem werden die Zölle aus Eenutzmittel nnd
tzj, ««rbrauchsstenern auf Tabak, Bier, Wein und stucker sswie
.Wrträge des Branntweinmonopols als Sicherheit für die
^e»8^Eistnnoen verpfändet. Der Rohertrag diefer Lölle und
"Eun«bsabaaben, der sich im Durchfchnitt der lctzten Vorkricgs-
°«s rnnd 809 Millionen Mark stellte, ist zwar weit-
zy,?Ud infolge dcs verminderte» Derbrauches, auf rund ein Mcrtel
r, ^gegangen, mit der Eefnndung der deutschen Wirtfchaft wird
"doch automatifch wieder steigen.

Zum Schlutz glaubt die deutfche Regiernng solqendcs betoncn
>»>i ^tl'- Ju einer so grotzen und so verwick"lten Fraqe können
?!>k?ridende Fortfchritte nicht durch schriftliche
, g » ngen, sondern nur dnrch mündlichen Vedan-
?r>>«»utausch am Verl,andlungstisch erzielt werden.

s ZahlnngsvermSgen hängt vsn der Art der LZsung des
loblems ab, dis Zahlnngsmethode kann nur kn nnmittel-
7'e > Aussprache mit den E.npfangsberechtigten geregelt werdcn.

« i>>!, Egung der Earantien in ihren Einzelheiten bedarf der Mit-
»^kjenigcn, denen die Earantien dienen sollen. Znr LZfung

M

wiederholt

..._. „ . __ >en besten

ö»rErfLllung dieser Berpflichtnngen zuvereinbare».

D- *

^ lav-ge und auch im Ausland mit Spannung erwariete

, I ^k R o t e" v«'' d-iiiM-n R-oi-r'mn ili ->.I8ii-n-v Iind -a

d«r deutschen Regierung ist erfchienen und es

zweite" Note ist,

ueraus, datz sie im Erunde kaum eine

> rr

m den entscheidenoen Teilen nur eine Wiederholung
e« Note. Was neu an ihr ist, find Einzelheiten, Details

uber die Ausführung der Note und über die Garantien fnr die van
Deutschland Lbernommenen Leistungen. Die Regierung bezeichnet da-
her selber das Schriftstück ni ch t als Note, sondern als Msmorandum.

DieseForm begrützen wir. Sie ist im Erunde die ein -
zig mogliche. Es konnte ernsthaft keine Rede davon fein, datz
Deutschland von dem Anerbieten, das es in der Mainote gemacht
hatte, irgendwie zurückweiche oder gar darüber hinausginge. Die
Negierung steht zu ihrem Wort, und hat stch weder durch
heftige Drohunaen. noch durch sogenaiinte gute Ratschläge vom Aus-
land her beeinflussen laffen- Damit hat die Regierung, wenn nicht
der Form, so doch der Sache nach vor aller Welt erklärt, datz mit der
Mainote ein IlltimL ll'kule erreicht ist. An entfcheidender Stelle der
Entente wird man, soweit wirtschaftliches Verständnis noch nicht
völlig von böfem Willen und Eroberungssucht üLerwnnden ist. diese
Tatsache verstehen nnd hoffentlich den Mut dazu finden, die Konse-
guenzen zu ziehen. Die Reihe der sibyllinischen Vücher ist Lekanntlich
nicht endlos.

Ie-denfalls wird das deutfche Volk es dem Kabinett Euno
Dank wiffen, datz es in entscheidender Stunde Futz beim Mal ge-
halten hat. Hätte es anders gehandelt, so wäre jede Aussicht, mit
den Eegnern zu Verhandlungen zu kommen, von oornherein beseitigt
gewesen.

Ob es auf Erund des Memorandums freilich wirklich zu Ver-
handlungen kommen wird, steht dahin. Falls Frankreich in
Uehereinstimmung mit seinen volitischen Vlänen, die auf Eroberung
deutschen Gebietes und Zertrümmerunq der deutschen Einheit aus-
gehen, wiedcrum Verhandlunqen unmöqlich machen sollte, so qilt es
auch dieser Konsequenz furchtlos ins Aua« zu schauen. Durch den
deutschen Eventualoorschlaa. die Leistunqsfähiqkeit des Reiches durch
eine internationaleKommisfion festzustellen, in der frei-
lich Deutlchland als qleichberechtigtes Elied und nicht nur als Ob-
jekt der Ausplünderung, wie bei der berüchtigten „Neparationskom-
mifston" vertreten wäre. istFrankreich wieder einmal qe-
zwunqen, offew Farbe zu Lekennen und seknen Ver-
bündeten, die Eeld haben wollen, das Spiel zu verderben.

Blcibt Frankreich bei seiner imperialistiichen Politik, so qibi
es für Deutschland keine andere Parole, als die F o r i s e tz u n q d e s
vassiven Widerstandes. An diefem deuifchen Willen zum
Miderstanüe werden auch weiiere W->llen der Geldeniweriunq mit
allen ibren -chweren inn-rnolitischsn Konlequsnien n'chio »" ändern
vermöqen. Anfaal-e des Staates und des deutschen Unternehmertums
!n erster Lini« würde es dann sein. die qrotzsn w'rtschaftlichen An-
hrenqunaen zu vollbringen. die die Not der Stunde verlanot.
Deutschland. und vor allen Dingen d!e deutsche
Arbeiterklasfe steht ietzt vor der Alternative:
dembösenWillendesEeqnerssichzuunterwerfen.
nnd dann Schweih und Hirnqer als ihr Erbteil aus
Jal, rzehnie hinaus auf s'ch zu nehmen. oder aber
dnrchdieForisetzunq des Widerstandes ibre menfch-
liche Würde zu retten, und stch und ihren Racbkommen ems
Lebensllelluna zn ffchern, ank die jeder arbeüende Menfch einsn An-
s"rnch hat: nichtschlechterzuleben, als irqend ein
Volk der Erde. Diefer Enifchlntz znm eventuellen weiteren snt-
schloffenen Widerstand mutz stahlhart fein im aanzen deuischen
Volke. ohne 'bn ist nichi einmal das bitzchen Volitik noch möqlich.
das die deutsche Reqier"na zn führen all-nkalls noch imstande ist.
Dcr alie Fritz sagie: Voliük inbren ohne Armee. das ist das »leiche,
mie ein Konzcri qeben ohne Fnstrnmente. Wir haben keine Armce.
Das einiiqe. was m?r an Kraft noch haben. !st vnfere mora-
lische Krafi. in Ebrsn den nns qnfqezwunqenen Kam"i zu be-
llehen. d"n qnten Willen. die offene Hand, dem Vöfen die
Fa n st. Der Eegner soll wiffsn datz er hier auf einen Erenzstein
qellotzen ist, den niemand getzahrlos ffbsrschreüei Bei den Entente-
mächten llegt es nnnmehr. stch zn enischeiden. Wir haben die Hoff-
nvng, dotz e» schlietzlich gelinqen mird. zu Verhandlungen zu ge-
langcn. für Euro''a wäre esdieh 3 chste Zeit

Was nun die w i r t s ch a ftl i K e n Problemc des Memoran-
dums anoehi. fo w!rd dariiber noch viel zu fagen sem. und wir be-
balten l-ns vor. auf ste ansführlich zurückzukommsn. Hmr erheben sich
Ved-nken nnd Einmendungen. Datz die denifchen Eüenbabnen in
deuischer Hand verbleiben müffen. !st selbstvertigndlich, allein. ob
d!e Form. d!e das Memorandum ibnen qeben will. geeiqn->t ist, ste zu
mirtsch-aülichen Leistungen zu befähiaen. die ste doch eriüllen sollen.
i>t fra»lich. Vetont mutz a"ch an dieser Stelle der an stch selbstver-
ständliche Satz merden datz das Privateigentum erst an
letzter Stelle für die SKuldcn des Neiches baitbar zu machm
ist. nkcht nnr ans formalen Eründen. weil das Verfailler Diktat von
einer Derbaüi'ng des Vrivateigentums nichts weitz. sondern auch aus
dem qesellschaülichen Erunde weil hier die Substanz rnht, aus
der sich der wirtfchaüliche Nacbwuchs erheben foll. In dem Schreiben
der deuischen Industrie hat stch das Privateiqentum freiwillig bereit
erklärt. seinen Anteil an den Rei'arationslasten zu traqen, aber es
ist klar, datz hier nnr eins subsidiäre Haftunq in Fraq« kom-
men kann, deren Höhe nicht fchrankenlos ist.

Vom deutschen Standpvnkte aus wird man dem Memorandum
der deutschen Reqierunq zustimmen können, jetzt erwarten wir das
EchodesAuslandes.

Äoch wettere ErhShimg der PMebuhren.

Berlin, 7. Zuni. . sEig. Drahtm.) Das Reichspoft»
ministerium hat sich auf den Standpunkt des Verkehrsbeirates
gestellt, so dah am 1. Znlimit einerdreifachenEr-
HSHung der Postgebghren nnd mit einer fünffachen
Erhöhungder FernsprechqebLhren zu rechnen ist. Hin-
zngefügt wird, dah diese Sätze aber nicht von langer Dausr sein
werden, sondern darnit gerechnet werden mutz, dah fchoninaller»
nächster Zeit elne weitere TrhöhNng der Postge»
bührcn folgen wird-

parteibeschräMeit vnd Spferfinn.

Die Sozialdemokratie hat am 5. Juni in Verlin Protestversamm» i
lungen gegen das Angebot der deutschen Industrie ab«7-
gehalten. Es kann nach der geistigen Einstellung der S.P.D. nicht?
uberraschen. wenn das, was in diesen Versammlungen gesagt undj
beabsichtigt war, sich grundsätzlich <n nichts unterschied von dem,-!
was die letzten kommunistischen Aufrufe zum Sturz der Regierunq?
bezweckten. Die Fäden, die bewutzt und hie und da vkellelcht auchi
unbewutzt zu den Feinden hinüberlaufen, lagen niKt gerade sehr '
versteckt, und es mutzte doch unter allen llmständen nachdenklich stim. f
men, wenn „Eenoffe" Lrispien ohne weüeres ins Horn Poincaräs j
stietz und behaupiete. „die Jndustrie wolle stch allen Verpflichtungen -
aus dem Versailler Verirag entziehen". Es ist wohl in der Tat kaum -
moglich, die geistige Hörigkeit, in die sich die Soiialdemokratie -
Deutschlands — trotz aller Leiden der Arbeüer im Ruhrgebiet — !
Frankreich gegenüber begeben hat, noch höher auf die Spitze zu -I
treiben, als cs in dem Satz geschieht: ,,W irwerden abwart - n, k
wie die zweite Noteder Regiernng im Auslande''
aufgenommen wird und dann unsere Stellung dq. -
nach einrichten!" Serviler und lächerlicher kann eine Berbru» i
gung nicht ausfallen, als wenn man stch vorher nach den Wünschen i
des Auslandes erkundigt, um danach seine „Stellung" cinzunehmen. >
Wie die Noie objektiv ausfallen wird, das kümmert diese ,.Ge» ^
nossen" nicht, denn sie sind international „gesinnt". d. h. ste tanzen!
nach der Pfeife des Auslandes. llnd das will keine Reparat'onsn,
sondern hat nnr politische Ziele, für d!e — das sollte heute eigentlich '
der blindeste Narr sehen — der Wiederaufbau lediglich ein Vor»
wand ist. Es kann nicht anqenommen werden, datz die Sozial'sten
so wenig klug seien, das nicht zu sehen. Es ist unmägli ch. dah
heuie ,emand, wie Eenoffe Wissell den Anschein zu crwsckcn suchte, .
ernstlich Mitleid mit Frankreich hat. Wenn Frankreich wirklich, >
wie es von diesem sauberen „Deutschen" herausgcstrichen wurde, t
300 Milliarden Francs Schulden hat, warum leistet stch denn i
dann dieses so verschuldete Land den Luxus der Ruhraki>on, :
warum veranstaltet es ungeheuere Rüstunqen, warum finanz'ertÄ
es ,n der Tschechei, in Polen mrlüärische Neformen. marumZ
wirft es für die „friedliche Durchdringung" des Rheinlandes!
ebenso wie des ganzen unbesetzten Deutschlands (s. Fuchs-Prozetz — i
Dayern) Summen aus, die stch ein reiches, unverfchuldete-i Land
nicht leisten könnte? Und wenn derselbe Herr Wiffell pathetifch nus» 1
rust, „datz durch den Wabnsinn des deutschen Militarismus 'n Frank»
reich 8400 Kilomeler Stratzen. 2800 Kilometer Eisenbabnen. 29 000 „
Wohnungen vollkommen zerstört und 42 000 anders Behaufunqsn j
schwer beschädigt worden stnd, wahrend 3500 industrielle Eiabliffe» s
menis nahezu restlos vernichtet wurden", dann dürfte doch immer» ,
hin die Frage auftauchen: Ia, wer hat denn eigentlich den Krieg t
als Verteidigungskrieg geführt, wenn nicht w i r? Wer ist also aus
Selbsterhaltungstrieb gezwungen worden. den Kriegsschauplatz in '
FeinLesland zu verlegen? Aber es ist nicht minder intereffant. ein» !
mal zu überlegen, ob unsere so „qerechten" Sozialisten auch im Falle
einer Verwüstung Deutschlands so enerqisch für unferen Wiedcr»
aufbau einqetreten wären, wie ste es jetzt für Frankreich tun. Man
kann diese Frage grundsätzlich — und nicht etwa nur aus den üis»
her gemachten Erfahrunqen, ruhig verneinen. Denn das ist ja
eben gerade der fpringende Punkt: es kommt den „dsutschen" So.zia-
listen nicht auf die Erhaltung oder aar die A u s g e st a l t u n g i
des deuischen Staates an. sondern eben auf seine Zertrüm»'
merung. Der deutsche Durchschnütsbürger ist zu läffig in politiqin, '
als datz ihm das nicht immer und immer wieder ins Hirn gchäm« '
mert werden müßte: sozialistisches Denken ist grundsätzlich 'staais-
feindliches Denken, nnd aus diefem Erunde kommt den deutschen -
„Brüdern" auch die Politik eines Poincars noch rechi, sofern sie ,
nur dem ersehnten Ziele des B ü r g e rkr i e g e s Eenüge leistet. ^
Das haben die letzten Berliner Versammlungen nur iu deutlich ge-
zeigt. Die „Forderungen des Volkes". zu denen der „Vorwärts" die
Hetzreden feiner Demaqogen aufzufrisieren versvcht. qipfeln 'n dem
bezeichnenden Satz: „Die Anwesenden erklärcn, datz sie
sich für den Ruf der Sozialdemokratischen Pariek
bereit halten. Sofortiqer Schutz jeder ehrlichsn Arbeit s?) "
qegen weitere Verelendunq und Kampfden abfolutistischen '
Eelüsten des Kapitals."

Die ganze ärmliche Nomenklatur sozialistischer Phrasen, die aber -
die Esschichte längst überholt hat, mutz wieder einmal herhalien. um ,
die Maffen für Varteizwecke zu „beqeistern" und aufzuveitschen. ,
llnd welches diese Parieizwecke heuie sind, das ging eindeuiig aus den s
Ausführungen des Eenoffen Paul Levi hervor. der erklärie: '

. Nachdem Euno zur Regierung gekommen war, sühlten stch die!
Nationalisten stark genuq, an die Oeffenilichkeit zu ireten, Das sollte
die Reqieruno mit der starken Hand und der diskontfähigen llnter«
schrift sein. Kaum war diese Regierung ernige Wochcn iii Tätigkeü,
da kam die Ruhrbesehunq mlt allen ihren bisheriqen vnd
den noch qar nicht abzuschenden Folqen. Es kam die ins Unqsl,: ,er-
liche qestiegene Verschuldung des Reiches. und wenn kein Wunder
geschieht, werden Cuno und seine Helfer die Ruhraktion
nicht zu Ende bringen. Der Versuch, die Mark zu stabili«
fieren, ist kläglich gefcheitert, weil fie nicht unter den Voraus-
setzungen uniernommen wurde, die eine Forderunq der Sozialdemo»
kraten waren. Das Anqebot der Industrienagnaten
und derLandwirtschaft müffe einer vernichtenden Krüik
unierzogen werden. Die Eewährunq diefer Bedinaungen würde für
Industrie und Landwirtschaft ein glänzendes Gefchäü bedeuiin. Es
bandle sich jetzi um die Schickfalsfraqe des deutfchen Prolctariats.
Der Augenblick sei gekommen. Abrechnung zu halien. Keine
Süuation könne gänzlich hoffn>!N"Slos sein. Schlietzlich werde das
deutsche Proletariat doch siegreich über seine Feinde iriumphieren."

Man ist mit all diesen reichlich abgegriffenen Redensarten var
in der Sache selbst, in der Reparationssrags nämlich, unr die
es stch anaeblich auch hier handeln follte, keinen Schritt weitcr qe-
kommen. Man hat mit leeren Protesten, mit öden Schlapwor'cn .
nur zu hetzen versucht, wo es in Wirklichkeit gelten sollte, Poii -
tives beizutraqen zu einer Angeleqenheü, die uns allcn am
Herzen liegt. Man hat mit einem Aufwand von Veredsamkeü zum
Ausdruck zu brinaen versucht, was man alles nicht wollte, und mü
keinem einziqen Wort auch nur ist der Wille zur Mitarbeit qe-
streifi, die Möglichkeü einer Lösung angedeuiet worden. Man hat
nichts. aber auch gar nichts getan oder gesagt aus dem einzig sozia -n
Wunsche heraus, die Gemeinschaft zü retten. dem Dolke die
Sichcrung seiner nationalen Existenz zu aewöhrleisten: man hat im
Eegsnteil nur für sich gedachl, und Lohne, Eehüüer, Reuten und
Unterstützungen verlangtda, wo es etwas zugeben galt. Für
 
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