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Badische Post: Heidelberger Zeitung (gegr. 1858) u. Handelsblatt — 1923 (Januar bis Juni)

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https://doi.org/10.11588/diglit.15611#0437
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- Ar. 72

wöchcntl. ltebenmal. Vet nien: LiraskalialSonnt-I —
^nvcr!an>it- R-I,!.-" llkreitagrj — Literaturblatt - Kochlchnibeilage <MI> natlichi.

rrage ohne Derantworiuna. Rüchi nbnna nur, wcnn Porto betlteat.

Heidelberger Zsttung

(Gegründet 1858)

vnd

Handelsblatt

MKWDch, 14. MKz 1923

H-Uvtaelchäktsstell- n. Schristleita ber.Badischcn Post'HriS-Ibera,S°nvtstr. L8. Fernsnr.:

Mr. 18S tVcrlagsort: Franlfurt a. M.l Berliner Vertretnng: Berlin 8l,V 48. Zimme»
ftratzeS, Fcrnipr.Zentr.4lü, MünchnerDcrtret.' München,Seorgenstr.1»7, Fernipr.81867


dostschech.Aonto r Frautsnrt a. M. V1«1S

»oftsS«S.«ontor »rauksurt a. M. »141«

^ ..- »>-> .- - . ... , . ,

^lteü ^"S^Vrets der .Bad.Post'Ml.SLi« - iaurschl. Zustellgcbiihr». Cclbstabhol.Ml. 810».-. Nnsland Mk.Sölll,.-

" ^ 2. jed.Mir angcnomm n. Am 1 N.L. noch gelief Leitnngen stnd nach d. Einzelverlausspreis zu be-

" — Ml. 140.-. Lst die Zettung am Trschetnen verhtndert, bcstehr lein Knspruch aus Entschädigung.

Anzeigenvrcike: dte44 mw breite Nonpareillezcile kostet:lokale Stellengesnchc MI.80.-. kl.Eelegenhcilsanzcigen MI 100.-,
Familienanzeigen Mk 80.—, lSeschLftsanzelgen Mk. 175 -,Finanz- und JndustrieanzeigenMk. S50.-, mit Platzvorlchrlf» «nd
MontagsMk. 10.— mehr. Di« 98 mm breite Nek!ame,.et!e kostet Mk.800.—, Anzetgen und Reklamen von aurwLrt» L5"/» HSHer.

>


Pläne zur Ausnutzung des Ruhrgebiets. - Schrittweise
Räumung nach Maßgabe der deutschen Leistungen.


Brüüel fiad brsher uoch z» keinem Ab'chluh
h.. u h, man stch darüber einig, dag die Räumung

° nur schrittweise ersolgcn solle, je nach-
tla. ledj/,, >eine Reparationsverpflichtungcn erfülle, aber ubcr
de» ^ie !elbst find stch die Alliierten noch lange nicht

tzeh O-Meinka^anungen Lber die Ziele, die zur Berwirkkichung
Zwjs^ ^ Programms im Ruhrgebiet zu erreichen wiiren,
yx "us jsj ' ' tiranzpssa nnd Belgiern noch weitanseinander.

wnrd» zurückznführen, dah keine Mitteilung Larübcr

>ve>. Elgan,^ ' ^^es Programm »>an eigentlich dnrchführsn wolle.
-- Per»j O -eg gestern mitgeteilte« osfizicllen Commauiquös

unserem U-Korrespondenten.

Paris, 13. März.



z»'-i, an aus Brüssel zu melden, dah der Deschluh gcsa'gt

^ Jngenieurs Cost

e den Ingenieur Franzen
u>i>'tscha°tUchen Mission zu ernennen. Ferner will

u - n zu arbeiten. Zunächft einmal müfie man mit
tz ° die s^?""losen, Belgiern »nd Loxemburger« VerhanLlungen
^"Sweeiz,.,?!-uliefernngen einleiten, die die Mchrheit dentscher
>»t? ^ - u P-sttz haben. Hinfichtlich der Zwangsinah.

T, i;»s ° Veschluh gefaht, datz man im FMe vou Atten-
Di» m ^ ^estalt hervorragender Persönlichkeiten nehmen
sz^dftx^. ^-lgier waudten fich gegen die VerhSngung von
ste bie Bei« ganze Stadtgemeinde«. da die Drnt-
»»h h-ran-i ^""ungen 8 1» Anh. H Teil 8 des Friedeusoer-

daz« veranlassen, ausschrietzlich
arbeiten. Zunächft einmal müsse

sür


köunteu, um -as Recht zu solche» Kollektiowatz-

'tz zu macheu, well eine eigentliche Kriegserklürung
» iw .^°dann wurde bcschlosseu, die Kohlenliese-
Dr» °'°z-lne neutrale Staate« wieder auszuneh»

>>i,°?r Ee'lj °°r dem u. Jannar abgeschlofienen Berträge sollen
h» °-Utsch» »"K habe«. Bon Holländern, Schweizer» und Dänen,
Hh. hrtax» - ^° b-Ziehen wollten, müfie nicht nur die 26prozentige
* ^Oprg,»«!? fremden Deviseu hinterlcgt werdeu, sondern auch
7"t'S« Aohlenstcuer.
r ^ dag ^

^L.^on-e.^bisherig« Ergebnis der Brüfieler
sian.Ä.rrstatter des „Petit Iournal":
?>«I^der -r>^°stiche und die telgische
LE? PediMland xräzisiert. Len

h»st_- der Verik

^edingu
t?N8 sie

Konfsrenz schreibt
Zum erstsn Male
Regierung genau ihrs Politil
denn fie geben Lekannt, unter
Ngen sie däs Ruhrgebiet räumen wollen. Sie er-
-s st a ffe lw e i > e, se nachdem Deutschland scine
stungcn erfüllt, räumen wollen. Die Belzier
ö-staü°>, l>°° Verichterstatter glaubt, gewesen, die bcsonders
,^^Ng jp ?°",häiten. Latz der gesamten Melt schon jetzt die Ver-
.k ^°lg!en° 5-E°i-gorischsten Form zegeben werde, datz Franlreich
^r,i/!chrbr^» "'-nials und in lciner Weise daran gedacht hätlcn,
jDie wReiche zu trennen, noch wcniger es zu annck-
N i L.Eungen am Montag nehmen den Charakter einer
Meo^vtzer »^"8 an. Di« Bedeutung dieser Berpflichtung sei
uin '«>» ,?och jüngst deutfche Stimmen stch hätten vernehmen
Av.?Ug de° Lschland vorzuschlagen, es könne die progrssjive
^lki » - Hin,» ^uhrgebieies annehmen. Ietzt, so fügt der Vericht-
Nk ?°>> iju. hangj xz rwn der deutschen Regierung und den j2"du-
ÄkiUe ° Stunde zu beschleunigen oder hinauszuzogern in
M At°rstatj„urung des Ruhrgebietes beginnen werde. s!) Der
">r-rsten »?laubt, dah die EnlscheLung von Brüfiel den Wea
end^ii-7:°rhandlungen öfsnen werde, ohne den Dedingungen


^eitere

'S- Regelung vorzugreifen.

Meldungen unter »Letzt« Nachrichten".)


StandpWtt der drutschen Aegiernng.

uulreich


hat das erste Derhandlungsangebot zu macheu.

°u unserex Berliner Redaktion.

Berlin» 13. MSrz.

tarreiect ueuerdings von allen Seiten in die Oessent-

piK/O itnn,^, ^-rdrn, und die Fühler, welchc die französtsche Re-
°>>!i»».. doko- *°der von nenem ausstreckt, dürsen als ein deutliches


z«r

' uugesehen

. ^ tl I

"'cht ;»bchau getragene» Siegesznveificht bci sriner Rnhraktion
^ Politik ^ wohl ist. In den Kreise« der führenden

werden, datz es Frankreich trotz aller

!?°l^° v«?"^.'"l°r- wie auch der Reichsregiernng herrscht aber
- w,tz,° Derg lleberzeugnng, datz dkeZeit sür irgend-
«r .'8°r alg ^"Olungen noch nicht gekommen ist, um
ui,getz„ ° Pläue, die in den letzten Tagen von Paris aus
u u) sranzöstschen Berhandlungsbedingungen bekannt

z H«j?!-Uiger vollkommen undiskutabel sind, da ste all« mehr

tz?>id?lande m °'"° Jnternationalisiei ung der
/U« gg. Uknauslansen, nnd daher als irgendeine Ber -
b?dap,;» 'ls nicht inBetracht kommcn können.
keij^Nea -chnen, dah in den nSchften Tagen alle möglichen
t>»°°Ujji,'u-rdrp ugelijjch fich vorbrreitende Berhandlungen ver-
>t? °>Ue'ar»x!l ^lrd man gnt tun, allen diesen Nachrichten
»i>^!h e v am 8" z-igen. Die d-utsche Regierung steht

»stev ^ ° Sie r » » btandpunkte, datz ea Sacheder franzö-
le. stsi - ulle ihr« m." ^ Derhandlungen anzubahnen
^ °N »^.biescr "° bckannt zu gcbcn. Die deutsche Regierung
^ ! 4 en m. , -llunq auch nicht beirre.n durch die Haltnng

* ° I! e, die ncuerdings mit ausjallendep Ueber-

elnstimmung die Anstcht Sutzert, datz vo» dentscher Seite ei« «aues
Angebot an Frankreich erfolgen müsje.

Wir mllflen eben jetzt damit rechnen, datz die politische
Situatron heute für uns noch genau die gleich« ist,
wie ste der Neichskanzlet in seiner lctzten Rede gekennzeichnet hat:
„Deutschland steht in der Welt allein". Auch England
wünscht eine Beilegung des Ruhrkonflikts, doch möchte England dieses
Ziel nicht mit irgendeinem Prestigoverlust Frankreichs bezahlt wissen.
Frankreich ist trotz allem auch heute noch in der europäischen Politik
der weitaus stärlste Trumpf, daran vermögen auch die Meinungsver-
schiedenheiten, die in Brüflel ofsensichtlich zwijchen Velgiern und
Franzosen zutage getreten sind, und der Eintritt Englands sür Vel-
gien nichts zu ändern. Aus allem crgibt sich für uns Las eine:
Bleibende innere Geschlossenheit zur Fortsetzung
des Widerstandes um jeden Preis.

Weitere WMürstte.

Beschlagnahme -es DLfleldorser PoftgebSudes und Berhaftunge».

Köln, 13. März.

Dom Rogternngspräfidenten und dem Oberpostdirektor in
DLsseldorf ist durch ein Schreiben des Esnerals Denvigne
mitgeteilt worden, dah die Gebäude der Oberpostdirektion in
ihrer Eesaantheit dem französischen Generalüirektor des Ver-
kehrs unid der Versorgung für die Arnieen zur Verfügung gestellt
werden mützten, der dort DlenM illen einrichten weiLe, dir seiner
Leitung unterstünden. Jn dem Echreiben heitzt es dann, datz die
Angestellten der dsutschen Post mit dem Wegräumen der Schrist-
stücke und des Materials, die zu ihrer Verfügung gelaflen würden,
beginnen mützten, Lah die von den deutschen Beamten oder ihren
Familien im Gebäude der Oberpostdirektion eingenommenen
Wohnungen binnen vier Tagen zu räumen seien und datz
die Vriefmarkenkasse beschlagnahmt werde. Der Re -
gierungspräsident legte gegen die Beschlagnahme der Ober-
postdirektion als eine unberechtigte Matznahme Protest ein; insüe-
sondere protestierte er gegen die Vertreibung der deutschen Veamten
und Familien aus den Wohnungen und gegen die Beschlagnahme
der Briefmarkenkafle als völkerrechtswvdrig.

Jn Bochum fand eine vergebliche Waffensuche im
Zentralgefängnis statt. Ein Regievungsrat aus Vochum wurde zu
drei Monaten Eefängnis und fllnf Mllionen Mavk EeDstrafe ver-
urteilt, weil er die Herausgabe lder Finanzkasse ab»
lehmte. Er wurde in Haft Lehalten. Der Polizeimajor Eedecke
aus Eflen wuvde vom Kriegsgericht in Werden zu drei Jahren
Eefängnis und sechs Millionen Mark Eeldstrafe
rerurteilt. Neunzehn SHupobeamte wurden ausgewiesen. Der stell-
vertretende Lairdrat des Kreises Dortnnmd-Stadt Göppert ist
wegen Verweigerung der Ausführung von Nequisitionsbefehlen zu
zehn Millionen Mark Eeldstrafe vcrurteilt worden. Be»
antragt waren vier Jahre Eefängnis unÄ fünf Millionen Mark
Eeld^rafe.

Auf dcr Zeche „Recklingßhausen" in Hochlar beschlag-
nahmien die Franzosen verschiedens Maggons mit Kohlen und fuhren
ste ab. Bei der Be-setzung der Zsche „Mesterholt" wurde ein Koksberg
durch Stacheldraht abgesperrt. Später wuvden mehrere Waggons
beladen. > D-e Belegschaft ist gestern in den Proteststreik ejn -
getreten.

Verhaftungen in Vaden.

Parls, 12. März. Nach einer Havas-Meldung aus Kehl ist
gegen die 15 Gendarmen aus Offcnburg uE, Appen-
weier, die es abgelehnt hatten, bei dem Kommandanten zu er-
scki-inen und von denen die meisten daraufhin ihrsn Posten verlaflen
Hattcn, von seiten der Jnteralliierten Rheinlandkom-
mission ein Haftbefehl ergangen.

Verkehrsfpme und Kohlenversorßung.

Bcrlin, 13. März. Der Reichskommiflar für die Kohlenverteil.lNg
teilt mit: Durch eine neuere Belanntmachung der I n t e r a l l i i e r-
ten Rheinlandkommission wird den Verbranchern :m
besetzten Eebiet empfohlen, Aufträge auf die Zufuhr von Brenn-
stofsen unmittelbar an die Betgwerke zu erteilen. Für diese von
der Rhemlaiidkoinmiffion zu genehmigende Lieferunz wird jede
Verkehrsfreiheit in Aussicht gestellt. Die BesatzungsmächLr wcrden
mit diesem Versuch, in der Notlage, die lediglich sie selbst verschul-
deten, den Rettungsengel zu spielen, leinen Erfolg habcn. Nur
durch die allgemeine, unbedingte Freihrit-der
Verkehrswege kann die Kohlenversorgung des
altbesetzten Eebietes wieder in Ordnung gebracht
werden. Auf Sonderbewilligungen d«r Vesatzungsmächie hin wird
weder deUtsches Schiffspersonal über den militarlsierten Nhein, noch
deutsches Eisenbahnpersonal Lber militarisierte Bahnstrecken Kohle
bsfördern: auch wird der deutsche Bergmann kerne Kohle fördern,
wenn die Besatzungsmächte etwa selbst den Transport nbernehmen
wollen. Jm übrigen wurde den Zechen des besrtzten

EebietesausdrücklichvomReichskohlenkoinmissar
unterStrafandrohungoerboten.Sendungeniiber
militarisierte Strecken und unmittelbare Auf.
träge von den Verbrauchern — abgesshen vom LanLabsatz
— ohne Lesondere Eenehmigung auszusührca.

Der Kamyf m den Zriedrn.

Jn der grotz angelegten Rede, die Herr Dr. Stresemann am
letzten Sonntag in Frankfurt gehalten hat, sagte er, der politische
Sinn deffen, was jetzt in dem rechtswidrig besetzten Eebiete geschehe,
sei der, dah es stch um den Endkampf fiir den Frieden handele.
Wenn man aber am Montag, an dem man dcn Bericht über diese
Rede las, gleichzcptig in die Frankfurter „Volksstimme" blickte, da
bekam man einen Artikel von Philipp'Sch e ide m a n n zu lesen,
der mit den Worten endete: „Republikaner heraus!", in einen
Kampfaufruf also ausmündete zum inneren Kriege!

Wir haben in diesem Nebeneinander eine Kennzeichnung unserer
Lage, die sehr ernst stimmen kann, denn der Endlampf um den
Frieden, er ist doch nur möglich, wenn das deutsche Volk ein-
mütig zusammensteht. Nicht an Sieg denken wir bei die-
sem Kampfe. Der ist bei der Natur der Waffen, auf die wir ange-
wiesen sind, ja tatsächlich ausgeschlossen. Aber wir denken daran,
uns mit unserem Anspruch Laraus, in den uns vertraglich zugestan-
denen Erenzen friedlich unserer Arbeit nachgehen zu können, uns
wenigstens behaupten zu können. Auch dies wird uns schwer
genug gemacht wsrden, Lenn die Feinde in ihrem Machtrausch mei-
nen, uns ihren Willen aufzwingen zu können: sie haben das ganze
Arsenal ihrer Folterwerkzeuge noch nicht erschöpft, und sie glaubcn
des Enderfolges sicher zu sein. Nach der amtlichen Meldung, die
über die Verabredungen in Brllflel ausgegeben worden ist, knüpfen
sie ein Nachlassen des Zwanges an Vedingungen, die teils unersüll-
bar sind (denn wie sollen wir „Reparationen" leisten, wenn uns das
Mittel dazu, nämlich die deutsche Wirtschaft, zerschlagen wird?), teils
alles in ihre Willkür stellen. Wir sind also noch weit von dem
Punkte entfernt, von dem aus ein erstes schwaches Licht aufblitzt
als Zeichen dafür, datz wir wieder ins Freie gelangen werden; unsere
Eeduld wird noch schweren Prüfungen ausgesetzt sein, und alles, aber
auch wirklich alles hängt davon ab, datz innere Störungen und
Trübungen ferngehalten werden, datz der Eedanke der Volksge -
meinschaft, Sed endlich nach langem Starrkrampf wiedsr zum
LeLen erwacht ist, gehegt und gepflegt weröe, damit er sich wieder
erkräftigen und gedeihen könne, denn nur aus diesem Eedaitken, datz
wir ein Volk sein und bleiben wollen, können die Ent-
schliehungcn kommen, die den furchtbaren Prüfungen dieser Tage
entsprechen.

Es muß also durchaus Rütligeist unter uns herrschen. Di«
Tyrannen haben an Rhein und Ruhr ihre Zuing-llris errichtet und
lachen unserer Beschwsrden. Sie stehen in voller Macht und Nüst-mg.
W>'r stnd ihnen gegeniiber heute wirklich nur ein „Volk von Hirten",
wie Rudenz rerächtlich seine Volksgenoflen ncmtt. wir können nur
auf die Mirkung hoffen, die von dem Anblick unscres Willens aus-
geht, durchaus nicht Sklavsn werdcn zu wollen, und
diese Wirkung kann nur eintreten, wenn dieser Wille wirklich ein
einmütiger Wille ist: Eimnütigkeit ist das Eebot der Stunde.
der Zwang dieses Eebotes liegt uns allen auf Seele und Eewiflen,
wir fühlen es, es ist ein Heiliges, das stch hier apswirken will.
ein innerer Zusammenschlutz von Auseinandergeriflenem zur Er-
neuerung des Volksorganismus, wir halten gleichsam den Atem aii,
um den Werdeprozetz der Wiedervereinigung nicht zu stören, — und
da nun müflen wir jenen widerlich schrillen Ruf vernehmen: „Repu-
blikaner heraus"!

Wir wollen nicht auf die Psrson deflen eingehen, der diesen Ruf
ausstötzt und der wahrlich Erund hätte, die Aufmerksamkeit nicht
allzuoft aus sich zu lenken, da sein Name mit der Erknnerung an die
traurigsten und verhängnisvoNsten Stunden unserer Eeschichte ver«
bunden ist, wir wollen nur auf den Inhalt seines Artikels eingehen:
was ist denn dieser Jnhält anderes als wüste Demagogie, Aufstache-
lung der Leidenschasten, Aufreizung zum Hasse, und das alles, weil
vielleicht ein paar Reichswehroffiziere in Beziehung zu Vereinigun-
gen waren, die die Erinnerungen an die Monarchie pflegen, weil in
München einige Toren, wahrscheinlich das Opfer von fremden Ver-
führern, einc Verbindung geschloflen haben, deren Zweck stch gegen
die bestehende Staatsordnung kehrte. Wir denken nicht daran, diese
bayerischen Dinge nicht so ernst zu nehmen, wie ste es verdienen,
und wir werden nicht ermangeln, unsere Meinung zu sagen, wenn es
Zeit ist, aber wir halten es für ein Verbrechen an der allgemeinen
Sache, deswegen gleich ein grotzes Eeschrei zu erheben, als wenn das
Kapilol der Nepuülik in Eefahr wäre und als ob morgen schon ein
Umsturz drohte. Eerade Herr Ccheidemann sollte sich besonders
hüten eine Anklage auf angebliche Slacttsumwälzung zu erheben!

Wir würden auf dieses krampfhafte Eelärme nicht eingehen,
wenn nicht leider die Tatsache vorläge, datz in der Sozialdemokratie
die früheren Unabhängigen und ihre Mitläufer immer hsftiger gegen
den Stachel der ossiziellcn Partcileitung löcken, datz sie dsn Vurg-
frieden, der sich angesichts der furchtbaren Eefahr im Westen ganz
von selber herausgebildet hat, nur ungern ertragen, weil sie polittsch
cben nur Lavon zu leben vermögen. datz die Klust im Bolke immer
offen blcibt. Die Nede von Otto Wels vom 10. d. M. ist ein deut-
liches Anzeichen dieses zunehmenden radilalen Dranges. Weun wir
da lesen, dah das „Biirgertum das Portemonnaie höher stells als das
Reich", und datz gegen die Profitgier der deutschen Kapitalisten die
Arbeiterschaft den Kampf aufnehmen wcrde, auch wenn ^ie Franzo»
sen im Lande ständen", so ist das nichts als Klaflenverhetzung, Vc-
ksnntnis zum Internationalismus im reinsten Karl-Marx-Stils, und
wenn tann weiter der Reichslanzler geiadelt wird, datz er mit dem,
was er eigentlich wolle, unklar geblieben sei, wenn ausgerufen wird,
dke Rsgierung müfle ihre Verhandlungsbereitschaft deutlicher
zum Ausdruck Lringen, so liegt wohl nicht nur die Nbsicht vor, der
Wirkung der Ne'chstagsrede von Dr. Daviü, die durchaus i;.r Sinne
der Einheitsfront gehalten war, cntgegenzuarbeitcn, sondern cs
kommt darin auch der heitze Wunsch zum Ausdruck, den der Einheits-
front zugcwandten Fliigel der Sozialdemokratie zu überrcnnen und
den llnversöhnlichen die Führung zu erkümpsen.
 
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