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Badische Post: Heidelberger Zeitung (gegr. 1858) u. Handelsblatt — 1923 (Januar bis Juni)

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https://doi.org/10.11588/diglit.15611#0341
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Mgang - M. Z7

Li7

^scheint wöchentl- stebenmai. Bel'aaen: LtdaSkalla iSonnt.1 —

^?»°rlanate <FreItaa«> - Literaturblatt — Sochkchuibellagc imonatiIch).

^ -vcttrnn, vhne Verantworiung. Rücksendung nnr, wenn Porto belllcgt.

Heidelberger Zeitung

(Gegründet 1868)

und

Handelsblatt

StenStag, 27. Fedniar 1S2Z

ftrabeg, F-rn.pr.Z-ntr.41«. MünchnerVertret.: München.Seorg«nstr.1iI7. Fernkpr.Nlkg?



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I -



I^

—" d-EInzelnuinnier Mk. 7S.-. Jst d'e Zettnng am Erschcinen verh!ndert,b,fteht tein Anspruch aus EntschLdigung.

, .. .... _Mnnnnreillsieile kostet:lokale Stcllengesuche Mk.8».-. n. <Selegenheit»an,etgen Ml. 40.-,

Auzeioenprelse. d 4 <S«schzst,an»cigen Mk M -, Finanz- und Jndustrieanzeigcn Mk. 1M.-, mit Platzoorschrifl unh
Mo"iagr E L« "m breite Reliame-ei!° -oslet Mk. 1S0>-, An,eig°n un» «eklamen von auswärts L5°/° h-S-r

Ae gewaltsame AMignvng in vollem Gange.

Abschnürungsmatznahmen. - Frankreich und England in Schwierlgketten.

"U unserer Berliner Redaktion.

R-»kr« »g w

Berliu.
»erzeichnet etne

2«. FeLrnar.
Meldung

diich^r^EE MittagsSlatt »erzeichnet eine Meldung ans
ird ^inre,!- VesatzungsLehörden stch mtt der Abstlht tragrn,

l».??, Denik» "" ^ie Ausretse aus dem besetzten Eebiet grundsätzlich
abKL " verbieten. Die Einr.eise sok von einer Er-
Semacht werden, welche nnr unter bestimmten Um,
u-^en. wird. Dies wiirde einem Cinreiseverbot gleich:

ae». Vies wuroe ernem Vlnreksevervoi glruy-

-hen soll nur erterlt merden, wenn die sran-

Nh gxn-..,"Elgischen Vehörden die Notwendigkeit der Einreise
^iir-b Neubek ^ rde also zur Einreise in das alts wie

.tärhtzu-- ?'^le Eebiet c-ues Erlaubrlisscheines einer alliierten
^teruua "^"rsen. Nur fiir den Erenzverlehr sollen gewisse
do^trseg norgesehen werden. Es bcdarf keincr Erörternng,
»m ^Utlchxa m ^ 'n der Sklaoenkette, mit der Ruhr und Rhein
lr«i nchil-» " ^olkskörper abgefchnürt werden solben, ebensowenig
..^uudlage aus dem Versailler Vrrtrag sutzt, wie alle
ll-i "Sehen .7^en Eewalttatsn. Sollten die Franzoscn wirklrch
^^4en Paszsystem einzuleiten, würden sis ihren früheren

gcrsolgen nur einen neusn hinzufLgerr.

^ Nach^-!'^tng von Lorch. Caub und Königswinter
>»d>?ttationgf^ des „^etit Parisien" mit einer von dei

kL-ds ^ nsromission --^ir Perfehluna Deuych-

'.. alle

slgien seien ermelchiiat,
notwenüig halten. Die Be-

lhh » der droi U"Nen, die >is fur notwendig yalten. Die Be-
und s^i namentlich für die L ed e nsm i t t e l z u -

"e>d°tS, gleick,- .- tcherheit der Besatznngstruppen unbedingt not-
°rds.,^chten E'-S haüe man damit die grotze Ausbuchtung, oie auf
Sh 'llich^ » lheinufer bisher bestand, ausgemerzt und infolgedess.n
^e>Mrcht„n plikationen für den EisenLahnbetr.eb jetzt nicht mehr
m/sd-.'T'. Der Dusseldorfer Mitarbeiter des „New Pork

deutsche Agitation geworden sei.

^Mtz. ftanzWtze „StzNieriskilrn".

Die Stellung der englische« Truppe« in «öln.

Paris. 26. Februar

bereits gemeldeten Besetzung der dr« FlaschenMse zwi-

°L Esr

N ^ilom Durch diese Lesetzung weroe gera>« d -

^Uiev mnenen -u keinem endgultkgen Avs-yiuij

^»din^ ö" Kin. Die Fran?oien kämen immer w-eder auf die Not-

WchlossK.^" Zentralbahnhof in Dusseldors selt sast e'nem ^onal
r haben. Dadurck unterbrächen ste emen der w,chtig>trn Ber

im Ruhrgebiet Autzerde^

zü? aus^!?n laum iraendvine Nnbi-enonno ,nnckt->n nm den u.rans


i '^/ieit wiinS . >qe retzt die Anjlcht vor, datz die vranzofen in
A?ückzö„„ "lchten, ^atz die EnglänLer sich aus dem Kölner Ge-

??icr!^!!^die

S,

llr..^ ...

S>N iv-l.ch haben glau!bt, datz die Verschiebung der

?elend m gele„„„ ppen nach einer weiter stromaufwärts
Niti?),^ Kreisen^"-^^^ung ein Gedanke ei. der in besonders mrch-
Srg^en Trupoen Anklang fände. Durch die Entfernung der
^p'a°> 4U Lebm?"^ Köln würde Enaland nicht nur aufhören, die
°.!.2 sondern die britischen Truppen würden auch

d>vh, Der allr lauien. in einen Konilikt nermickölt »II

Nr brit"' r:
und

Ä°°Ä^Uch?7Uwierillkelien sür bester ang^hen werd^^

vorsichiigen britischen Regkrung die
^ Me-nung iu England das Vorgehen der «Zranzo,Ln

urteilt, beweist die englische Preffe. Der „Daily Throniele"
schreibt in einem „Franzöfische Gervalt! — Soll ErohLritannien
untätig bleiben?" Lberschriebenen Leitartikel, die Erregung im
Ruhrgebiet steige. Die Franzosen schienen es so zu wollen.
Wie anders könne man sonst die Tatsache erklären, datz sirsckwarze
Truppen ins Ruhrgebiet schickten, oder wie anders die Äbscheulich-
keiten erklären, wie sie aus Bochum Lerichtet würden. Dies sei
nicht eine Politik, die beruhigen, sondern eine solche, die hera u s -
fordern wolle. Schwarze Truppen wiirden seit langem von Frank-
reich imNheinland benutzt. Dies sei eine w i d e r l i ch e Matz-
nahme, die von der öffentl'cken Meinung aller z vilisier en Völker
verurteilt wcrden müffe. Mit Rüsicht darauf hätten d'e Franzostn
bei dem Vormarsch ins Ruhrgebiet angekündigt, datz sie nur wcitze
Trupxen benutzen würden,- nunmehr werde dieser letzte Rest von
Anständigkeit wieder aufgegeben. Afrikanische Truppen, davon etwa
die Hälfte Vollblutneger, seien in drei Ortschaften untergebracht und

es sei der gemeine

sie nicht in Kas:rnen

oder öffentliche Eebäudc zu lMN, sondern in Pri^vathäussrn

an angenommen worl
ude zu legen, sondern

unterzubringen. Der „Daily Chronicle" fragt, ob Bonär Laws
wohlwollende Neutralität, die England verpflichte, Franlreich am
Rhein gewähren zu laffen, so weit gehe, datz einer derartigen Erau-
samkeit Vorsckub geleistet werden müsse. Die Nachrichten über die

olitik der Umzingelung, der Provokationen, der Einschi-chterung
ünd des RauLes, die in Effen, Vochum und andersmo mit widerlicher
Brutalität ausgeübt werde, mützt n auf die Eng änd r einen pein-
licken Eindruck machen. Sei es nicht ein furchtbarer Eedanke,
datz der Dienst, kraft deffen die englischen Soldaten ibr Leben dah n-
gegeben hätten, von Poincarö heute in einer Weiss aurgenutzt
werde, die mit Sicherheit neue Kriege hervorrufen werre?: Die
Beschlagnahme deutschen Eeldes, das sür die Kölner
Zweigstelle der deutschen NeichsLank und sür oie wirtschaft.icken
Noiwendiakeiten des britischen EeLietes Lesiimmt oewrs n sei vom
Standpunkt der Lritischen Behörde aus, die die Aufgabe habe, dieses
Eebiet ruhig zu halten, ein unfreundlicher Akt und miiffe die
britische Behörde in der Ausübung ihrer Pflichten beh nderu.
WLnsche Poincarg sie zu Lehindern? Die Zeit w:rde sickerlich
kommen, wo Erotzbritannien dem sranzösischen Vorgehrn nicht längrr
mehr eine Art van Zustimmung gewahren werde, die sich in Still-
schweigen ausdrücke.

Allerdings scheinen die erbitterten Ansichten des englischen
Publikums recht wenig die Entschlüffe der verantwortlichen Regte-
rung zu beeinfluffen. Nach Meldungen der Parissr Blätter hat es
den Anschsin, als sei die englische Regierung bereit, die
den lliranzosen hlnsichtlich der Benutzung der Eifenbatzn n im
englischen Eebiet gemachten Konzessionen noch zu
erweitern. Die „Jnformation" Lerichtet aus London, die bri-
tischen Behörden seien bereit, den franzäsischen und belgisch n
Truppen das Recht zu geben, täglich fünf Ziige h'n und zurück durch
das englische Gebiet zu fahren. Das aus diesen Zügen verladene
Material soll die normalen Bedür'n ffe von 1008 auf Kriegefi tz
stehenden Soldaten nicht Lberste?"en. Fran ösischerseits verlangt man
auherdem das Recht, an die Personenzüg; Militärwa"en anzu-
hänaen, wie es bereits vor der Besetzung Lblich war. In diesem
Punkt scheint die britische Regierung vorläufig nicht nachgrLen zu
wollen.

Kankrei'ch verletzt die Abgeordneten-ZinmunM.

Verlin, 26. Febr. Di« französische EisenLahnkontrolle in Scharn-
horst vor Hamm holte den deutschvalksxarteilichen ReichstagsaLge-
ordneten Dr. Hugo Lei seiner Ausreise aus dem Einbruchsgebiet
aus dem O-Zug. Lie Festnahms erfolgte auf Erund des franzö-
sischen Besehls, wonach deutsche Abgeordnete anscheinenü
als AAents yrovooatsnrs behandelt werden sollen. Nach
eifrigster Di'rchsuchung dos Gepäcks und ergebn'isloser Vernehmung
wurde Dr. Hugo nach dreistündiger Sistierung gestattet. die Neise
ins unbesetzte Eebiet fortzusetzen.

Aeue Wiüküratte.

Paris, 26. Febr. iEig. Drahtm.) Die Jnteralliierte
N h e i n l an d k o m m i s si o n verösfcntlicht eine Note, in der es
heitzt, dah ieder ausgewicsene doutsche Veamte
gleichzeitig als entlassen gelte. Sie veröffentlicht eine
weitere Vsrordnung, wor-n es heitzt, datz die Forstverwaltung es ab-
gelehnt habs, die notwcnLigen Dokumente zur Versügung zu stellsn,
'weshalb alliierte F-orstbeamte die Ausbeutung der
Wälder ü b e r u c h m e n würden, ohne sich um das
friiher festgelegte deutsche Programm für die Holz-
fdllung zu kümmern. ^

Ausgewiesen wurde durch die RL.'nlandkommission Bürger-
meister Esser mit Famiti? aus Schwanheim a. M.

Der Obsrbürgermeister und der Palizeiinspektor von Herne
wurden vom Desatzungsgericht zu sechs Monaten Eefängnis und
206 000 Mark Celdstrafe verurteilt. weil sie sich geweigert hatten,
französische Befehle zu befolgen.

Ver Friede im Orient.

Paris, 26. Febr. Nach einer Havasmeldung aus Konstantinopel
verlautet aus Angora. der Bericht, den der Ministerrat heute der
NationalvsrsammUing vorlcgen werde, werde sich anf solgcnde
Punlte beziehen?,- 1. Annahme der Bedingungen des im Ein-
vernehmcn mit den ANiierten und den Türken aufgestellten Ent-
wurfes des Friedensoertrages. 2. Einzclns Abänderungen in einigen
Fragen zweitsn Nanges- 8. Hcrauslösung der wirtschastlichen ünd
finanziellen Fragen, iiber die bei Unterzeichnung des Friedensvcr-
trages noch zu verhandeln wäre. Man erwarte in der Nationalver-
sammlung eine lebhafte DeLatte, hege aber die Hoffnung, datz die
Lersammlung schlietzlich den Regierungsbericht annehmen werde
dank der hohcn politischen und militärischen Stellung Ismed Paschas.
der unterstützt werde vom Ceneralifsimus und dem Ministerrat.

Sas devssche Crbübel.

In der Ansprache, die der Reichswehrminister Dr. Gehl « r am
Sonntag bei einer Berliner Kundgebung hielt, die zum Besten der
Ruhrhjlfe veranstaltet war, sagte er u. a.: es sei, damit wir alle mtt
starken Herzen hinter unsern leidenden Brüdern an Rhein und Ruhr
stehen, notwendig, datz wir uns nicht nur in Stimmungen versetzen,
die rasch verfliegen, sondern datz wir diese Stimmung in Eesin«
nung verwandeln, und datz wir vor allem das alte deutsch« Erb-
übel des Haders und Streites überwinden.

Wir werden kaum fehlgehen, wenn wir annehmen, datz der
Reichswehrminister diese Worte gesprochen hat unter dem Eindruck
der Erörterungen üker die Reichswehr und angeblich vorhanden»
innere Eefahren, die in der letzten Woche im Reichstage und daran
anschlietzend in einem Teil der Preffe stattfanden und die in ihrer
Eesamtwirkung den Eindruck hervorbrachten, datz es für das Emp-
finden gewiffer Kreise der Linksparteien imierpolitisch zu ruhig
hergehe, datz diese Kreise beständig vou der Sorge gequält würden,
die fürchterlichen Heimsuchungen, die üüer das deutsche Volk durch die
französische Piratenpolitik gekommen sind, und die in verstärktcm
Erade täglich weiter kommcn, könnten eine endgültige Umstimmung
im Volke herbeiführen, eine Abschwächuilg der inneren Eegens-itzi
bewirken, so datz der deutsche Arbeiter in Zukunft genru wie der fran-
zöfische und englische Arbeiter sich erst Deutscher, dann als Ange-
höriger dieser oder jener Partei fühle.

Wir erinnern daran, datz der linke Flügel der sozialdemokrati-
schen Partei, die srüheren Unabhängigen, von Beginn der durch die
Ruhrbesetzung geschasfenen Lage an sich von dieser Sorge beherrscht
gezeigt hat, datz insolgedessen bei -en vaterländischen Kundgebungen,
die aus der ungehcuren Not und Schmach wie von selber hervor-
wuchsen, die Sozialdemolratie immer eine Sonderstellung einnahm,
wenn sie auch parteioffiziell verkündete, sie stehe in dieser Frage mit
den Lbrigen Parteien Schulter an Schulter zusammen.

Es scheint nun, datz die Angst vor einem Eesundungsprozeffe, der
die grotze Menge unserer Arbeiter gegen die aufhetzerischen Schlag-
worte derer, die politisch nur vom Streit und vom Hader zu leben
vermögen, etwas mitztrauischer machen könnte, datz diese Angst vor
dem Siege der Wahrheit die Generalstäbler der Linken immqr mehr
zu beherrschcn angefangen hat, und datz sie deshalb die Losung aus-
gegeben habsn, jede Eelegenheit zu benützen, um das Vanner des
inneren Kampfes zu entrollen, um auf diese Weise den eigentlichen
Hetzorganen stets neuen Stoff für aufregende Berichte zu liefern, um
sie in die Lage zu versetzen, dem leider nur allzu gutgläubigen Leser
wieder das Eruseln beizuüringen.

Nur so erklärt es stch, datz ein ganz unglaublich törichter Artikel
der „Roten Fahne", der am 22. in Berlin erschien, sofort von einem
Mitgliede der sozialdemokratischen Partei im offenen Reichstage zum
Vorwand genommen wurde, gegen die angebliche nationalistische Ge«
sahr wieder einmal zum Angriff vorzugehen.

Der Artikel war derartig, datz er von keinem Politiker, der den
Anspruch macht, ernst genommen zu werden, auch nur eines Wortes
HLtte gewürdigt werden dürsen. Die Ueberschrift lautete: „Seeckt
rüstet zum Vürgerkrieg", der Artikel fabelte von einer geheime»
Sitzung, die im Reichswehrministerium stattgefunden haben sollte,
von einem Antrage des genannten Generäls, die Orgesch wieder-
herzustellen usw. Tatsächlich wurde dieser Artikel auch nicht von
einem crnst zu nehmenden Politiker, sondern von einem Kommu-
nisten zur Sprache gebracht, nachdem aber der Reichswehrminister die
Erklärung abgegeben hatte, der Artikel sei nach Form und Jnhalt un-
wahr und von Anfang bis zu Ende erfunden, hätte die einsachste
lleberlegung über das, was das vaterländische Jntereffe im Augen-
blick vorschreibt, bei den anderen Parteien zu dem Entschluffe führen
müffen, die Erklärung des Reichswehrministers dadurch zu untsr»
stützen, datz bei dem gerade vorliegenden Etat des Reichswehrmini-
sters nichts weiter vorgebracht wurde, was auch nur entfernt den An-
schein erwecken konnte, als liege dem Artikel der „Noten Fahne"
etwas Tatsächliches zugrunde.

Leider geschah das Eegenteil. Der sozialdemokratische Abgeord-
nete Schöpflin ging auf den Artikel der „Roten Fahne" ein, lehnte
ihn zwar unter Hinweis auf die offenbaren Torheiten, die er im
einzelnen enthielt, ab, unterstrich dann aber Loch die allgemeine
Tendenz des Artikels, indem er behauptete, er wiffe, datz gegen-
revolutionäre Bestrebungen im Eange seien, machte dana
allerlei dunkls Andeutungen über angebliche Beziehungen, die zwi-
ichen der Reichswehr und „illegalen Vcrbindungen" beständen, zog
schlietzlich die Alarmglocke, um zu verkllnden, es würdo mit dem wahn-
sinnigen Gedanken gespielt, aus dem passiven in den akti'ven
Widerstand überzugehen und zitierte dann einen Satz von Lloyd
George: im Falle eines Angriffes Deutschlands auf Frankreich
würde England sofort auf Seite Frankrcichs treten und schlotz mit
den drohenden Worten: Die soztalistische Arbeiterschaft sei nicht mehr
gewillt, die nationalistischen Treibereien länger hinzunehmen.

Alles reinste Demagogie! Alles cin Ma'över gegen einen mar«
kierten Feind! Denn: wo besteht denn der Eedanke zum „aktiven"
Widerflande LLerzugehen, wo wird denn von der Möglichkeit eines
„Angr'isss" auf Frantreich gesprochen, wo sind denn die „natianali-
stischen Treibereien". Alles Luftgebilde! Leider, das sagen
wir ungescheut, Lustgebilde, denn wenn aktiver Wider-
stand möglich wäre, wenn uns nicht durch die nie genug zu be-
klagende Maffenstreckung jede Möglichkeit zu aktivem Wider«
stand enirissen wäre, dannwärs auch, dem deutschen Arbeiter ge-
holfen, dann ständen nämlich die vereinigten Franzoscn, Belgier
und Afrikaner nicht an der Ruhr! Datz es der Fall ist, und dah
die Bshandlung, die unsere-Volksgenoffen an der Ruhr erfahren —
eine Behandlung, die selbft einem rebellischen Negerstamm gegenüber
unerlaubt wäre — jedem deutschen Manne das Blut in die Wange»
treibt, datz ihm die Zornesader schwillt, datz er in vertrauter Red«
scinem Schmerz iiber unsere Ohnmacht Ausdruck verlejht und datz da»
mohl auch bssonders in den Kreijen unserer Reichswehr der Zall ift.
 
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