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Badische Post: Heidelberger Zeitung (gegr. 1858) u. Handelsblatt — 1923 (Januar bis Juni)

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https://doi.org/10.11588/diglit.15611#0112
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Samskrg, 2«. Zanuar ig^S.

Veiblatt Her BaDischsn Post.

TMe Z-

Aus der Stadt.

Vie Gebaudeversichemngsumlage.

Die Umlage Ler auf Lem ErunLsatz der Eegenfeitigkeit auf-
gc'kautcn Esbäudeversicherungsanstalt bem sjt sich uach
Lem Enischädigungsaufwand für Lie Brandsälle des Varsahrsi sie
trifft sämtliche EsLäudebesitzer des Landes nach dem gleichen Matz-
stabe. Lieg sich in Friedenszeiten der aus dcm Borsahr erwachseue
Entschädigungsauswand ohne weiteres rechnrrhch seststellen, insosern
als dem Brandbeschädigten der eingetragene Versicherungswert seines
Hauses ersiattet wurde, so hat die Entwicklung der Teuerung auch
hier ganz neue Verhälinisse geschaMn. Die ständig fortschreitende
Eeldentwertung Lrachte für Lie Anstalt die Noiwendigleit, als Maß-
staü ihrer Ersatzleistungen nicht den Friedensvrrschrrungswert, son-
dern den tatsächlichen W i e d e r a u f L a u a u s w a n d zu
Erunde zu legrn. Der W'ederaufdaua'.iswan) wird in der Weise
errechnet, datz zum Friedensversichcrungswert — als rechnerische
Erundlagr — Zuschläge treten, die den im Zeitpunlt des
Wiederaufbaues bestehenren TruerungsLerhältnissen Rechnung tragen.
Diese Züschläge halen sich der Entwicklung der Teuerung entsxrechend
forigesetzt gesteigärt und wrrden sich weiterh'n erhöhen müssen.
Dieser Umstand br'.ngt in die Vetriebsbilanz der Eebäude-
versicherungsanstalt eine röllige Unsicherhrit. Tenn dadurch, dag
für den Wiederaustlau der abgebrannien Gebäude zurzeit noch eine
zehnjähr'.ge Frist festgcsetzt ist, der Wiederauflau sich also in ver-
schiedenen Zuschlagsperio.en vollzieht und zum Teil so'ar zu einem
Zeitpunlt, für den heute die Zuschläge überhaupt ncch nicht errechnst
wrrden können, lätzt sich der Entschädigungsauswand aus dem Vor-
jahr nur schätzungsweise bestimmen.

Zuletzt w irde dieser Zuschlag für die Mqna'e November und
Dezember 1922 auf das 369sache der nach dcn Bau, reisen ron 1914
-crrechneien EntschäLlgung festgesetzi. Die auf Preise von 1914 zurua-
gesührte Eesamtrerficherungssumme leläuft sich auf rundLMiuiarden
Mark. Unter Zugrundelegung des erwähnten Zuschlags ,'ür Novrm-
Ler und Dezember 1922 ist Ler Versicherungswert 6 X369 -- 2214
MiNiarden. Da die Anstialt den Vrandbeschüdigten bdi der gebownen
sparsamen Taurveise nahezu im vollen Ausmäß seiner Wiederaufbau-
kosten enifchädigt und somit der Friedensrersicherungswert. was
erneut Letont werden mutz, nur rechneri-fche Grundlage fur die Um-
lage'eststetzung fein kann, mutz auch die llmlage Lem Zusch.azssatze
(das 369fache Les Frieden-versicherunaswrrts) entsprechend erqoht
werden. Die Umlaae der beid-en letzten Vorlriegsjahre betrug 13 Plg.
für 100 Mk. V-richerungsfumme. Dara-s ergibt sich cme vorlausige
llmlpge fllr 1922 von mindestens 50 Mk. fiir 160 Mtz ^riL-ens-
versicherungsfumme (15 Psg. X 369 — abgerundet 50 Mk.). , Diep
llmlagefestsetzung die vom erweiterten Verwaltungsrat der Gebaude-
versicherun-gsanstalt in se'ncr Sitzung vom 4. ds. Mts. m klarer
Er'enntnis des Zwanos d-er Verhältn'ffe einstimmig beschlofsen und
inzwischen auch vom Ministerium des Jnnern genehmigt wurde.
«nlspricht einer Umlage von nicht ganz 14 Psg. der Vorlriegszeit.

Aus Rand und Vand.

Mohsr dic allgcmsine Erfcheinung der Fasiungslosigkeir. da-
Iammern auf allsn Stratzen über -die fprunghast enlxortreibcn-en
Preife allcr Lelensmittel und der verzweiflungsvolle Blick m dis
Zukunft? Weil zugleich mit unfcrer Niederlage im Weltkrwge, die
an und für sich nur traurige Folgen herbeifuhren konnte, die
Erllndung und Vorsührung ciner nur aui unseren Sinnen fugenden
Kultur xraktifch begonnen hat. Wir sind zum grotzen Teil Durch-

schnVttsmVnfchcn'gewordcn. die nur reals Werte m Rechnung stcllen.
Wir leben n'icht mehr mit der

rvir leoea aimr Seele. fondern Mlt den Smnen. wir

leben ein kleines. enges, gleichfam zu iagen ^edeutungsloscs Leben.
das sich in Untreue qegen unser eigenes besseres Selvst und gegen
unsere Mitbürqer äutzcrt. Der Produzent crregt sich und verlangt dw
HLchsten Eewinne, und der Derbraucher mutz den Küpf verliercn. da
er nicht weitz, wo er die enormen Mittel hernehmen soll, um zu
leben. So stehen wir autzerhalb jsdcr gesunden, auch nur e;nlger-
matzen erträglichen Wirtschaftsführung. Nur selten mehr dentt
femand daran. datz auch unwägbare Werte zum Leben gehorsn und
dak man'auf scinen Nebenmenschen. wenn er nicht anstandig tzandelt.
mit dem Druckmittel der gefellschaftlichen Ehre wirken konne. Wir,
di« wir die Nevolution gehabt haben und aus allen ertraumten
Himmeln gc'allen sind müffen unsere Seele wiederfinden. oann
sinden wir uns selbst und auch eine neue Zukunft. H..

Kei-elberger Kmfiverein.

Exprefffcnismus ist Kunst der Linie, der Farbe. Es ist eine
Kunst 'der Fläche. ein Derzicht auf das gegebene Wirklichkeitsbild
Der Ansdruck tünstlerischer Innenwelt, das Waltcn emes starten
Affekts sind scine Träger Die Linis wird bis zur volligen Negation
ihres natürlichen Machstums frei gestaltet, die Farbe spricht laut,
ihre Krait wird bis zum äutzersten gesteigert. Die Verkorpcrung
dieser Kunst jehen wir in August Babberger (Karlsruhe), der
im Kunstverein ausstellt- Seine Kunst ist mit dem Kunstgewerbe
eng verbunden, für das er wertvolle Arüeiten Ichuf. Man sisht in
Mannheim zurzeit eine kostbare dekorative Stickerei nach seinem
Entwurf. ein künstldrisch und technisch hochstehendes Werk. Hier
lernen wir ihn als Maler kenncn, wobei er sich als remster Ex-
pressionist zeigt. In der Figuralmalerei wird dem Betrachter das
Mitgebsn nicht sehr lcicht, die Herrschaft der Linie. die alles Natur-
liche züm Ornament wandelt, zwingt die Körxer in scharfe llmritz-
linien und crreicht allerdings dadurch ost einen hohen Erad von
dekorativer Wirkung. Dicse wird am reinsten empsunden in grogen
Arbeiten, auf denen ein vielfarbiqer Blumengrund einen tcppich-
artiaen Charakter hervorruft. Das Kunstge-werbe klingt hier an.
Die Farbenaklorde sind ost von zwinAender Harmonie. Spricht nur
die Linie — wie auf den Holzschnittcn oder den Zeichnungen — so
ist der Eindruck meist ein zwiespältigcr. Ob wir uns hier noch
immer aui dem Bodcn der Kunst be'inden, mag bei manchem Blatt
dahingestellt scin bleiben. Interessant ist die Bekanntfchaft ohne
Zweifel. Ein verständnisloscs Kopsschlltteln oder ein Achselzucken
aber würe ein Unrecht an dem ehrlichen Wollen eines bedeutenden
KUnstlero. ...

In Hcinz Daniel (Frankfurt) lernen wir ein ,unges. zu
schönen Hoffnungen Lerechtigtes Talent kennen. Bei den llildern
religiösen Inhalts ist sin feines Empfinden siir die Eeschloffenheit
der Komposition meist fühlbar. Danebcn steht die oft leuchtende
'Kraft gut abgewogener Farben. Beides vereint sich in der „Him-
melfahrt" zu eindrucksvoller Wirkung. Die beiden Porträts ver-
raten eine flotte, sichere Hand, eine gute Charakterisierung. dis viel-
leicht noch etwas zu fehr an der Oberslöche hastet, abcr bei tisfersm
Derssnkcn In die Psrsönlichleit sicher jene letzte Feile erhalten kann,
die noch zu fehlen scheint-


* An alle Parteifrcunde! Wir machen nochmals auf den am
Sonntag. den 21. Jan.. abends 7X Uhr im „Schwarzen Schiff" statt-
findenden ratcrländischen Abend dcr Iugendgruppe der D-utfchen
Dolksxartei Heidelberg aufmerksam, wozu die Eltern, Parisiange-
HLrige vnd Freunde der Jugend herzlich eingeladen sind.

* Wcitcre ErhLhunq Lcs Mehlprcifes. Dic Südd. Mühlen-
vereinigung hat dcn Nichtpreis für Weizenmehl Spezial 0
weiterhin von 78 000 aus 82 000 Mk. für cinen Doxpelzentner ab
Mühle erhöht.

* Die Sonderzuge nach Triberg. Das Neisebüro teilt «ns mit:
Wegen gllnstiger AÜtterung wird die Sportwoche in Triberg am
Sonntag, 21. Ianuar, mit zwei grotzen Bobrennen beginnen. Der
geplante Sonderzug nach Triberg wird deshalb mit'fotgen-
dem Fahrplan verkehren: Heidelberg ab 5.16 llhr morgens,
Triberg an 9.32: Triberg ab abends 6.20 Uhr und Heidelberg an
10 Uhr. Leider war es nicht möglich, für Heidelberg noch mehr
Fahrkarten wie vorgesehen zu erhalten, fo datz nur die am 5 und
6. Januar vorgemerlten Pcrsonen Karten bekommen können. Die
Karten werden im HeiLelberger Neifebüro am Samstag von 9 bis

12 llhr und von 3 bis 5 Uhr ausgegeben. Es ist beabsichtigt, bei
günstiger Witterung am Sonntag, den 28. Januax, nochmals
einen Sondcrzug nach Triberg abzulassen.

* Hppnose und Eeistcskrankhciten im Film. Wie wir bereits
mitteilten, wird nächsten Montag nachmlttags und abends i». -den
Kammerlichispiclen Ler orotze Hypnosefilm aus der llnierwelt
des Seelenlebcns vorgefllhrt werden. Die Vedenken wissenschaftlicher
Art, diese Fragen ron „Jsnseits der Seele" vor Laien zu behaiideln,
mutzten hintcr der Erwägung zurücktreten, datz mit ciner salschen
Äluftläruna der Menge autzerovdentlich viel Unheil gestiftet werden
lann. Tatsächlich ist auch mit nichts soviel Schwindsl getrieben woc-
hen, w:e mit der Behandlung dieser okkulten Dinge. Es ist daher
äutzerordentlich Legrützsnswert, Latz die Kulturabteilung der llni-
rersumsfilm Ä.-E. in wijsenschaftlich einwandfreier W-eise einrn
Lehrfilm zusammengestellt hat, der hineinleuchtet in das weite Ee-
biet der ütersinnlichen Welt. Der Film zeigt zunächst einige Exxeri-
ments der sogenannten tierischen Hyxnoss, dann zeigt er die haupt-
sächlichLN Erscheinungen Ler menschlichen Hyxnose. Autzerd-em zsigt
der F-ilm noch eine Reihe von nervösen und geistigen Erlrankungen.
Die Vorsührungen sind von fachärztlichem Vortrag be-
gleitet-

*Der Nhcn- und Fokkerfilm wird heute abend 8 Uhr im grotzen
Saals dcs Kollcgientzauses zur Vorführung gelangen. Dcr ehemalige
Iagiflafselflieger Eck wird hierbei einen Vortrag über Scgelflug
und dcn d'ihönwettbewerb halten. Der Sseinertraq der Veranstaltung
ist zum Bau eines Segelflugzeuges bestimmt, bei genügender Betei-
ligjrng soll hier ein Flugsportverein gegründet werden.

* Nahrunxsmittel uud Alkohol. Die süddeutschen Euttempltx
haben folgende Entschlietzung angenommen: Angesichts der wachsen-
Len Teuerung und N o t und auch angesichts der schweren autzen-
xolitischen Lags erwartsn die am 7. Ianuar 1923 in Niirnberg ver-
fammelten süddeutfchen Euttempler von Reich und Ländern ganz
enLschiodene Matznahmen, um den geringen Vorrat an Nahrungs-
mitteIn vor der Verwändlung in alkoholischc Eeträlike
zu schützen. Tic sind sicher, bei dieser Foroerung von allen Einsichti-
gen unterstützt zu werden.

*Dcr 'Zrund- und Hausbesttzervercin hält am Mittwoch. den 24.
d. Mts-, abends 8 Uhr im „Prinz Max" eine ordentliche Mitglieder-
versammlung ab, in der u. a. Nechtsanwalt Schmidt einen Vor-
trag LLcr „Schlaqlichter zur Lage der Hausbesttzer" halten wiro.

* Stadttheater. Es sei nochmals auf die morgen vormittag 11
Uhr im Sladttheater stattfindende Mörgenfeier hingewiesen, iii der
HofmannsLhals- Drama Das Bergwerk zu Falun" aufge-
führt wird und die dadurch ihr befonderes Eepräge erhält, datz
das Drama uraufgesührt wird. Veschäftigt siiid dabei unter
der Srielleitung Les Oberspielleiters Helwig die Damen Braun-
Eroffer, Lillie, Nendeck, Morys, Mauhof. Matiner, sowie die Hrrren
Heinle, Kastner, Eöckler, Kettler, Rudorf, Krumschmidt und Hart-
ling.

* Warnung vor einkausvorfchiitzenden Warendicben. Am 15. 1-

crschicncn in eineni Eeschöft der Hauptstratze zwei Hsrren und eine
Dame und lietzen sich ron dem Eefchäftsinhaber verschiedene Stoffe
vorlegen. Nachdcm der Eefchäftsinhaber ihrem Vcrlangen nachge-
kommen war, verlangten sie einen anderen Stoff zu schen, wodnrch
sie die Auimerksamkeit des Ceschäftsinhabers von sich oblenkten una
in diesem Augenblick zwei Stücke Stoffe im Eesamtwerre von
140 000 Mk. sich aneignetcn, was jedoch crst bemerkt wurde, als sie
das Eeschäft ohne Kauf verlassen haiten.

* Leichenkändung. Am 18. Ianuar wurde aus dem Neckar an
der Zeile Lei der Eisenbahnbrücke die Leiche eines seit 6. Dezember
1922 vermitzten hiesigen Fxlaschners geländet.

»Poltzeibericht vom 18.Ianuar.Fest g enomm e n wurden:
Ein auswärtiges Dienstmädchen, das ihrem Arbeitgeber in den
letzten drei Iahren Wäschestücke. sowie sonstige Ecgenstände im
Gesamtrverte von 300 000 Mark «ntwendete, 2 Taglöhner aus Lei-
mon, bie am 18. Januar durch Einsteiqen im Anwesen Bahnhof-
stratze 53a ein Vranntwcinfatz anbohrten vnd etwa 40 Liter Brannt-
wein mit einem Schlauch in eine daselbst entwendete Korbflasche
abfüllten und mitnahmen. ein zugereister. wegen Betrugs zur Ver-
haftung ausgeschriebenrr Schloffcr, ein Baütechniker von Vasel
wegen Vetrugs, ferner vier Bettler. Aufgegrifsen wurde eine
mittel- und obdachlofe auswärtige Stenotypistin. Zur Angzeige
gelangten: Ein Dienstmädchen wegen Diebstahlsverdachts. ein
lediger Taglöhner wegen Diebstahls von Zinkblech im Werte von
300000 Mark 2 Ruhestörer, 3 Kraftwagenführer wegen Lbermätzig
schnellcn Fahrens und weitere neun Personen wegen anderer
strafbarer Handlungen. Eestohlen wurden v'on unbe-
kannten Tätepn: Im Monat Dezember nach und nach in
einer Kostaeberei der Märzgaffe Silberbestecke im Eesamtwerte von
300000 Mark am 16. Januar im Hausllur einer Wohnung cines
Arztcs in der Altstadt cin dunkelgrüner Ueberzieher im Wertr von
40 000 Mark, vom 2. bis 3. Ianuar aus einer Wohnunq in der
Neuenheimer Landstratze 2 weitzleinene Knabenhemden iin Wertc.
von 5000 Mark, in der Nacht zum 16. Januar im Abort des
Vahnhofes Schlierbach eine elektrische Lampe und 2 Virnen und am
17. Ianuar aus dem Abort eines Hauses in der llnterenstratze ein
Bleirohr von zwei Meter Länge und zwei Zentimetcr Durchm-'sser.

* Wrtterbericht der badischen Landeswetterwarte. Voraussicht-
liche Witterung: Meist heiter, trocken, Frost, schwacher Nordwestwind.

* Todcsfälle. 18. Iack. Eifenbahn-Oberschaffner Ludwig Nen-
nlnger, 47 Iahre, Veerdigung am 22. Jan., X3 llhr nachm., von
der Friedhofslapelle aus.

bp. Mdmkzell, 18. Jan. Seit elnigen Tagen frnd die MaIern unter
dcr schulvilichtiacn. JiiMiib ausacbrochcn. so dab dcr Bczirksarzt in 'Heidsl-
verg bie Sch-lietziing Lcr Volksschulc auf drei Mochen anordnete Es
aibt hier kauqr ein Haus, in Lem nicht ei» Kiuü an Masern crkraukt
wäre.

dp. Mcckesbelm, t8. Jan. Jrr Len letzten Tac.en sln-d hicr einiae
Gänse n n d Enten verschwunden. Es scheint, Latz ein zwei-
bciniacr Maröcr wie-der sein Unwesen treibt. Ob die bohen Flciich-
vrcise oder nur G-:winnsucht die Triebfeder zu diesem ichändlichen Trciben
ist, bleibt noch ungeklärt. Tie Geslüaelbefitzer werden wohl ihre Auaen
aufmachen mi'isscn, damit man dcm Dicb bald Sas Handwerk I-:een kann,
bcoor cr noch aröpcren Schadcn vcrursacht.

A»s Baden.

Neichstagsabgeordneter Düringer in Freiburg.

In der Mitgliederverfammlung des Ortsvereins der Dsutschsn
liberalen Dolkspartei Freiburg hielt Reichstagsabgeordneter
Düringcr eine längere Rede, um in der Hauptsache sich über
die politische Lage auszulaffcn- Bevor der Redner auf das
eigentliche Thcma einging, stellte er den zur Stunde von Frank-
reich begangenen Vertragsbruch fest, verurteilte die Eewaltpolitik
Frankreichs einem wehrlosen Volke gegenüber. gedachte unserer
schwer bedrängien Brllder und Schwcstern in den Rheinlanden und
hoffte auf den endlichen Sieg der Eerechtigkeit. Sodann
kam der Nedner auf das eigentliche Thema des Abends, die inner-
politische Lage zu sprechen. Der Redner kritisierte dabei das parla-
mentarische System, das in keinem anderen Lande so konscguent
durchgeführt werde, wie gerade in Deutschland. Diese Herrschast des
Parlaments, vielmehr der Parteien, lann für ein Volk w'e das

deutsche, das die Betonung der nationalen Fragen zurllcktreten lietz

und das politisch unerfahren ist, ,zu grotzer Eesahr werden. Der
Redner schilderte sodann die Vorgänge bei den Bemühungcn nm die
Bildung der grotzcn Koalition, für welche die Deutsche Volkspartei
stets eingeireten sei. Diese grotze Koalition, die dem Wiederausbau
des Vatcrlandes zu grotzem Segcn gereichen würde, wurve ver-
hindert durch einseitiges Parieigezänk und durch die Absage der
Linkcn. Die gleichen Hindernisse traten sodann auf Lei der Bildung
des Kabinetts Cuno. sie wurden jedoch überwunden und ein rein
biirgerliches Kabinett gebildet, aüf dessen Zusammensetzung der Red-
ner näher einging. Mit der dringenden Mahnung, datz nicht Partei-
hatz in den Vordergrund gestcllt werden sollte, sondern fdas Wohl
des Vaterlandes vns über alles gchen soll, schlotz der Redner
feine mit grotzem Veifall aufgenommenen Ausführungen. .

Die Flußpirater» an der ArbeiL

Karksruhe, 19. Ian. (Eig.. Drahtm.) Französische VesatzuckS^
truppen hielten, wie wir von gut unterrichteter Seite erfahrrn, rhe!"
aufwärts fahrenüe Schleppzüge bei Frankenthal an, nahn^'
den Schiffern die Papiere ab und zwängen ffie, am lin/t'

W'


dabei


fer anzulegen. Dort werden dann die Schlevpzü'ge von de"

Franzosen bewacht. Jn Mannheim haben sranzösifche Solda
am Nheinlai zwei Kähne einer Mannheimcr Kohlenfirma beschla»'
nahmt. Auf der linken Rheinseite wurden ebenfalls einige vor d"
Anilinfacrik liegende Kohlenkähne beschlagnahmt. Darunter besai!,
fich au chein Kahn mit englischcr Kohle'nladung. Wie zuverläs!-i
verlautet, sollen die französischen Piraten bei Nierstein auch ein,a>
der Fahrt von Notterdam nach Mannheim besindliches Ectreidcjaiu'
ängehalten haben.


>4

-iS,t

. I! Manntzeim, 18. Jan. Das Sck, wuraeriitzt batte sick, mit
Fallen von M c'i n e i d zu bcfassen. Dic ialschen Eide waren in b.'":.
F-ällen in Untcrhaltsprozcsscn ücleisl-ct worden. Jn cinem F-all war
Lljäbriger Fabrilarbeitcr und in dcm cnideren ein SLjädriacr Buchdruast
anaekla-it. Jn beidcn Fällcn wurden Lie Amieklaaien zn je eincm Iav
Zuchtbaus verurteUt.

— Manntzeim, 13. Jan. Am Mittwvch vormittag wnrde dcr
beiratete Diaurer Karl Zöl-ler hicr von einem Zuge öer Obrrrbeinii^.
Eisenbabnaesellschc.it angefabrcn, clne Stieckc weit geschlcppt und sck,w ,
ve.rlctzt, so datz Zöllcr am gleichen Tage noch im KrnnkentzanS
st a r b. — Lon einem Kiesfnbrwerk überfab,ren und actötei nffirf.
Ler 43 Jabre aite Kassenbrte Gustav Bteier von bier. als er mit s-i-u
FahrraL übcr die F'riedrichsbrücke subr.

riii

— Karlsrntze, 18. Jan. Jm Alter von 63 Jatzren tst OtzerbaU,,,
a. D. 8-ranz Grund gestorbcn. Cr nar im I..-b e idtü in ren l-.dii--"
Eisenbabndienst ausgenommsn worden und als Babningenieur in i
schiedenen Städien Baöens. so in Mannbeim, Billinaen und 'Bruckll!
tätig acwesen. Dann-wnrde er in die Generaldirektion nach KarlsrU^
berufcn, wo cr als Kollegialmitglied bis ru seinev Bersetzung in u-
Riibestanb wirkie.

0 Baden-Badcn, 18. Jan. Beim Banmfällen stürzte einc Tau-st
insotae des berrschendcn starken Windcs nack, eincr anüercii Richiuna " s
licabsickiiiat war und schlug Len 20iährigcn Sobn Lcs Holzbaners MiL^
von Lichtcntal tot.

? Vom Kaiserstutzl, 18. J-an. Die Ngchsrage in Wein .ist mieber
tzaster ccwordcn. Man bört in Ackitarren, Bickcnsohl, Obcrbcrgen,
rvtwcil, Burkbeinz, Jechünaen von 40 bis 26 000 Mk. sür die Otzm anseö^
Doch Wird tzicrsllr wcnig gekaust. ' -ä

? Hornbers. 18. Jan. Am Montag frütz brack, in Ler P a v v K?..



-Ir,,

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"»e.

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5'

fabrik Obergfell ein Brand ans, dcr nack, zivcisiündiaem


mützen gclöscklt werdeu konnte. Er soll durch Selbstentzündung entstan


Bci Ler am vergangenen Samstas

mstas
Jatzrcn mmmiff>ch,
Bürgerausschutz "

scin. Der Gebäudeschaden wirü aus zwei MiIlioncn Mark ö-
schützt.

? Sulgfeld, 18. Jan.

getzabten Bürgermeisterw-atzl wurde der vor swci
einacsetzte Bürgermcister Jakob Himmel vom
83 Stimmen zum Bürgermeister gewählt.

? Eriacn, 19. Jan. Der Beleidigängsprozetz des ff'E!,,
Fcidinand v o n H o r n ft e i n tn München gegen den Dichtcr Dr.

F'i n ck b in Goienhoken wird ncn ausa-ciottt ue.dcn. T > i ter
h.atte, wic noch erinnerlick, scin dürstc, scincrzeit einen Artikel vcrösi-:',,,
licht, in dcm scharfe Kritik an dcm Basaltwerk am Hohenstossctn
worden war. Deswcgcn hatte Krür. von Hornstein Beleidigungsl-??,,
aiiaestrcnat, war aber damit bci der Bcrhandiung vor dem Schviicuai'Ä!.,
in Stadolfzell abacwiesen worde». Jetzt bat Frbr. von Hornstcin
rusung an üic Straskammer des Laiibgerichts Koustanz cingclcgt mit d'ji
Eriotg, üatz üie Angclcgeiiheit erncut vor dem Schöiiengcrickit NadoU-
zum Ausirag kommen mutz. ,,

? Schönan i. W., 18. J-an. ^vie teneren Kohlen- nnü Holzv---!,
tzaben d-cn Vcsttzer des Park-Hotels bewogen, d!e bescheidene Wasid.,
kraft des Schönberger Bartzes zur Errichtung eincs cigenen Kra>/


'd






werkes zu benntzen, indem er seinen Parksce zu cinem Stauwctzr

Krastwerk ist seit «inigen Tagen, in Betrisb unü fuuk-'

emetnd

baute. Das
niert gut.

? Bonndorf. 18. Jan. Jn DonnLvrf wurde et»
sarren zum Preis von 1700600 M-ark vcrsteixert.

? Waldstznt. 18. Jan. Jn Lichnbausen sviclten vor
-ragen zwci Knaben mit ciner mit Karb-id gefülltcn Flasche. Sie
Waffer binein und propften ffe zu. Plötzlich ervlodierte bie Flol-",,
und verletzte den «inen^Knaben schwer, so üatz er in die Angenllintk
bracht wcrüen mutzte.

)l Konstanz, 18. Jan. Die tzieffge Bücherstub« macht durch Pla^,
anschlag bekannt, datz sie ,an F ra n z o s e n, B e l g ie r u nd I t a l i e -- -
nichtSmetzrverkauft. .

)s Eberbach, 18. Fan. Zum Austrag einer Wette um ben Dct->
von 4600 Mark ist dcr Photogravtz Goriuv von Wimpsen bei strömevd'
Reacn über den hochgetzcnücn Neckar geschwommen. ,.,

)l Wyhle« bci Rtzeinfelden, 18. Jan. Jn einer Fabrik in Ntz->A
fel-den war ü«r Iltbciter Nönsin dieser Tage mit dem Aufzietzen c-d i
glützenden Karbibblockes beschästigt, als diescr auf einmal cxvlodi-
und der seuriae Jpbalt sich über itzn ercotz. Er v c r st a r b bald nacü -
Einlieferung ins Krankcntzaus.

' )l Reichcnau, 18. Jan. Bei üer H o l z v e r st c i g e r u n g am l-ff,!>
SamStag wurdcn autzcroröentiich hotze Preiie crziclt, z. B. sür
Los Schlagraum bis zu 65 000 Mark. Bis das Rcisig aufgearbei.ei ffh
nacki Haus geiabrcn ist, kommt es auf annätzernd 100 000 Mart. H""
geüts baid nicht mehr. ,

>l Konstanz, 18. Jan. Nach Abschlub der Sckimeizcrisch-deuischett
baiidlungen Uber die Lebensversicherungsaktioii suchie
dentsche Ncgiernng, wie das im Vcrtrag vorgeseben ist, um dic Zust-jjk
müng dsr alliicrten Ncparationskommission nach. Sväicr unterstützi- ,,,<
Schwciz auf diplomatrschem Wcge dieses Gcsucb. Die lllevara.ivndl-<j,


"»i:

Mliston hat bisüer ans dicse Schrsiic nicht gcantwortet. Fllr dcu ö'

das sich aui
b i n f ä l l i g.

datz üe ibre Zustimmung versagt, ist das Abrommen,
Versichcrungsbetrag von rund 108 Millionen erstreckt,

)l Uebcrlingeu, 18. Jan. Die S.'tzloffermeistersetzefrau
Betzrcnd ans Arvon batte Lci ihrem im Novcmbe'- ivrck, imi.rstȀ

tnencn Umzlig non Leipzig nach üer Schwe'ii" ttzrem'"Ü'm z'ü'g s'a «'t «Ä

uncrlanbtcr Wcise n c u c ?N ö b e l st ü ck c bcigcpacki. Jn Fricürichsb>»'
wurde der Schmuggcl cnideckt und die Frau crhielt einen Str"

bciehl von 800 000 Mark. A,us thre Berufung biir wurde vom Sckidi'f^

gericht Tetnang dicse Sirase äls zu Reckt eri'ariät. w'ährcnd iiire

20 600 Mark nuü ibr Bruber 10 006 Mark Gelbstrafe erbicllen.,z

Ans Breaenz ist diescr Tage cine

Mdbel im Wert vou 1p- Millionen Mark wurdcn
erklärt.

)l Ueverlingen. 19. Jan.

Anzabl Handwcrker samt Familien,

Amcrika ausgewandert.

O Svrclbckg tzei Ettlingen, 18. Jan.

Vorgänge nach einem Futztzallwett

sür v'eVsäll-

insgcsamt 40 Kövfe, nach

U-eber s ck> w e r e blut-j^
viel berichtet. d-cr

'-4

solgendc Einzelbcitcin Danach waren cinige Svortgcnoffen aus Langenst^.

bach in cincr Wirischost in Sireit geratcn und an d!e Lust gcsci't word-
Der F-abrradhändlcr Grangert von Svielberg wollte auf dcr Str'^
dcn Streii schlickitcn, wurd: aber von den B-ürsrhen v e r v r ü g e l i- -z
rannte nun nach Hause und holte cincn Ncvolver. Es lam nuu,?,t
eincm Handgemenc«. wobci 8—16 Schüsse ficlcn. Dabei wurde cin Bur'-",
aus Klcmstcinbacki im Unterlcib l c b c n s gc f ä h r l i ch verletzl.
gcrt wurde im Lausc Les Streits zn Voden geriffen und schwcr M-"
h a n d e l t.

st.

SvdllssdLrkvMv.

Dritzsrg: 17. ckonuar: In 460 Us 600 Llotsr Mbs 28—88 em.


tzleter llo!ie 80—130 em Ketznos, rirtzL 28 —40 em puivrigsc

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sctznee, 4,4 Orack Xülts, beivölkt, ieictzter Xorckwinck. L.ils Laknoo
8Ici- unck liockeisport voreüglietz.

ldoIckbsrg: 18. cksnuar: Setzuostzötze 130 em. 10 drack lvio
ieichtsr diorckwinck, susgseeietznets 8k!batzn. . „s

^ukluctzt, 18. ckan. 60—70 cm pnlv. 8etznes, !?etznssklllls, u>>->

3 Orack, tstzrbar tzis OppSnau.

Oobel, 18. cksn. 30 cm pulv. Lctzncs, Xeusctznes: bscksckt, o lxk'
Külte, Klri- uvck kiockelbslin setzr gut. „„j-

Uutzstein, 18. ckau. 90 cm puiv. 8ctznss, Iriar, ininüs 11 Grack, -
tzutzn eekr gut. z.

llntorsmatt, 19. llan. 78 cm. ckavnn.20 cm puiv. Xeurctznes.

«till, tzsiter, 10 Oruck lvlilte, Ftzibatzn Lusgsrsictznet biz Uuctzkopk.

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Die Erippe nimmt in erschreckendcm Mahc zu. Viele sind
und nicht in dcr Lage, sich die nötigen Nahrungs- uud KtärluN?^
mittel zu verschafsen. Sie warten auf die Hilfe der Notgcin^.-
schast. Hast Du jchon Dcine, Gabe gcgeben? Hast Du übcrlegh

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Du bei der steigenden NoL nicht Deine Spende durch e-ne neue
erhöhen kannst? (MN

Tämtliche Banken und Zeitungcn nehmen Eaben bereitw-Ü!^
entgegeu.
 
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