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Badische Post: Heidelberger Zeitung (gegr. 1858) u. Handelsblatt — 1923 (Januar bis Juni)

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https://doi.org/10.11588/diglit.15611#0133
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Mkttwoch, 24. Zalmar 1823.

Beiblatt der Badtschen Post

Aus der Stadt.

ErWmg der ueimi MOofsaiilagen.

^°"en Vertreter der Stadtqemeinde. der
des tircmoenverlehrs und der Presse Gelegenheit. die
neugeschafsenen Grweiterungsanlagen unter Führung von Eisenbahn-
unb H-rrn Oberregierungsbaurat Le h n zu besichtigen unb
sut vorbereiteten Erössnung und der Zwrckmähigkeit des
Zu überzeugen. Poraus ging eine
r-Ngehende Ertauterung der 11m- und Neubauten an Hand'der Bau-

hat ja eine ziemlich bewegte Geschichte
Än. ''^-„Das Äuinaymegebäude wurde zu Anfang der fünsziger
m ^/ellt. wo man noch die Teilung in den Main-Neckär- urH

bch durch den typisch norddeutschen
v-Sw. suddeut chen Bahnhofsstil unterschieden. Jm Jahre 1892
i,,""ate das Mam-Neckar-Bahnhofsgebäude ab und auch am Vadi-
>lcn ^ahnhoj mugtcn im Laufe der Zeit verschiedene Aenderunaen
"vrgcnommen werden. Die bisherige Form des Badischen Bahnhofs
a>urd^ 1680 zurück, wo er von Eruird aus geandert

iu, Aufnahmegebäude im hiefigen Hauptbahnhof mußte
gw vergangenen Jahre umgebaut und erweitert werden, obwohl die
d°» um neuen Personenbahnhof jetzt wieder aufgenommen wer-
Die Räume für den Aufenthalt uno die Abfertigung der Reisen-
ki» Beamten waren derart unzureichend geworden. datz

itzre Aufgabe auch nicht annähernd mehr zu ersülten vcrniochten.
- Durch einen Querbau zwischen dem Aufnahmegebäude und Ler
^epackhatle wurde zusammen mit der bisherigen Schalterhalle eine
»eraumige Eesamthalle geschaffen, um die sich alle für die
rieisenden ersorderlichen Rüume und Cchalter unter einem Dache in
a?ersichtlicher Weise gruppieren. Vom inneren Bahnhofsvorplatze
der^Haupteingang Lrirch drei breite Tore in die Vorhalte

die

8 . r UI.V U„I uir,r „ir -luulirjuie, „ir LvirilwUlien mir Lviri-

Waftshof, die Dienststuben für die Auskunft, den Äbteilungsleiter
fur den Personenzugsdienst und den Sperrebeamten, sowie die Buch-
Mndlung und eine Wechselstube. Durch die Hauptsperre ge-
Kngt man weiter unmittelbar zu den Bahnsteigen. Ein besonderer
Ausgang aus der Halle nach dem inneren Bahnhofsvorplatz und ein
^urchgaug siir die Gepäckabfertigung von Ler Vorhalle zur Zufahrts-
urage entlasten den Hauptemgang.

Die Räume sind durchweg einfach und geschmackvoll ausgestattet
und big auf hjx Wartesäle, die Halle und einige Nebenräume fertig-
ßestellt. Die Bauarbeiten wurden durch Handwerksmeister aus Hei-
T^lberg und der näheren Umgebung unter Leitung der zuständigen
Mnischen Eisenbahndienststelle ausgeführt. Die Herstellungskosten
sur den Neu- und Umbau waren auf 800 000 Mk. veranschlagt, er-
§ohten sich aber infolge der katastrophalen Eeldentwertung auf
UMillionenMark.

. Nach der eingehenden Vesichtigung sämtlicher Räume wurden
°ie neuen Anlagen dem allgemeinen Verkehr übergeben.

Aus dem parieüeben.

Dke Jugendgruppe der Deutschen liberalen Volks-
s'artei hatte ihre Mitglieder und Freunde am Sonntag adend ge-
Men, um mit ihnen den Tag der Reichsgründung und das
?tifrungsfest der Jugenogruppe in einer kleinen Feier zu

Nach den Begriitzungsworten des Vorsttzenden, stnä. ime. V ö h-
5rann sprach Herr Eeh. Rat Paasche über die „Wandlungen
A der deutschen Zugend seit der Reichsgründung". Voll Stolz und
preude ob des neugeschasfenen Deutschen Reiches setzte die Zugend
ramaliger Zeit ihre Kraft und zielbewutzte Arbeit daran, das Reich
!vr Jnnern nun ganz eins werden zu lassen, die Reste des Wider-
»andes zu überwinden. — Spätere Jahrzehnte sahen den Ehrgeiz
Wd Lie Tatkraft der deutschen Jugend, nun auch drautzen in der
Melt den deutschen Namen, die deutsche Art zu Ehren zu bringen,
dis der Krieg dies alles zerbrach, der Jugend das Ziel steckte, all'es
iu geben, um das Vaterland gegen den Ileberfall fremder Mächte
?U schützen. — Nach dem Krieae gab es kein Zielstreben mehr in der
beutschen Jugend. Wonach hätte sie streben, wofiir ihre Kraft ein-
iktzen sollen, wo alles um sie her in Trümmern lag, wo die Anstren-
Mngen des Krieges, die Enttäuschung über seinen Ausgang alle
Kräfte lähmten? — Erst nach und nach erwachten wieder Taten-
?rang und Kräfte, geweckt von Len Bedrüngnissen und Leiden, welaie
tremde Eroberer dem Vaterlande zufügen. Dieses Mitw.rken der
Mgend im nationalen Leben zu erhalten und zu stürken, ist das
tzöchste Zjel der Zuqendgruppen der Deutschen Volkspartei, denn
"hne eine "zugend kann keine Nationbestehen.

^ Der Vorsitzende begrützte sodann die Bertreter der Partei und
°ie auswärtiqen Juqendgruppen. Lie gemeinsam in ihren Anspraa,en
darauf hinwiesen, äie das Joch des ..Fr.edens' immer druckender
°uf uns laste, besonders auf der Jugend. dis ohne Freiheit nicht zu

kedeihen vermag. ..

Den Reden folgte - als grötzere Darbwtung der Eruppe - der
-Dürgerqeneral" von Eoetye. Jn kurzen emleitenden Worten
^ies vaiick vstik. Herrmann auf die Entstehung dcs 179S ver-
satzten Stückes hin, das dann von Frl. Hergert und den Herren
Appel. Vauer, Dender. Binal und Zahn aufgefuhrt wurde Sie
brachten das anspruchslofe Stückchen. mit dem Eoethe femen Lands-
!°üten seine Meinung über Revolutionen zeigen wollte, trotz der
^chwierigkeiten der primitiven Bühne tn hübscher Form dar. Reben
ven oft sehr hübschen Biihnenbildern gesielen befonders die Szenen,
N. denen Schnaps — der Vertreter der Freiheit und Eleichheit —
Äiärten von den Vorteilen diefer revolutionären Erundfätze zu über-
Keugen verfucht. und die seine eigensüchtigen Absichten dabei so
beutlich sehen lasten.

Vorträge und mustkalische Darbietungen fur Klavier und
Drchester füllten den weiteren Abend: genannt seien nur noch die
Äkette von Marienburg und die mit Veifall aufgenommenen Lieder
zur Lauke.

Der Abend, dor auf alles verzichtete, was äutzerlich und der Zeit
"icht entsprechend ift, fand bei allen Erfchienenen reichen Beifall,
v-ar er doch das beste Zeichen dasür. datz unsere Jugend sich ihrer
4eit und ihrer Pflicht bewutzt ist. K- ^ -

»

Wir machen unsere Mitglieder nochmals auf die heut« abend
in Loge Friedrichftratze 8a stattfindende Mitgliedervsrsammlung
ckufmerlfam.

D!e AoL der Kleinreckner.

Jmmer wieder mutz auf die furchtbare Nok hingewiefen
«erden. in die Kteinrentner und Kl e i n r e n t n e r i n n e n
Unverfchuldet durch die Entwicklung unferer Verhaltnisse gebracht
worden stnd- Viele von ihnen sehen sich, nachdem der letzts Teil
kiiihselig erworbener Erfparniste verbraucht ist, dem N i ch t s , dem
öungertode gegenüber. Staatliche und kommunale Fürforqe er-
2>eifen sich diesem Mastenelend gegenüber als unzureichend, und
«Lenso wenig können leider durch Sammlungen allein wirklich aus
dft Dauer zulängliche Mittel zur Deseitiqunq des Notstandes auf-
llebracht werden. Deshalb erscheint der Weg. den ber Deutsche
ändustriefchutzverband, Dresden, Bürgerwiefe 24, 2.. noch
luitzerdem vorschlägt, besonderer Beachtunq wert. Er will den Klein-
rentnern und Kleinrentnermncn. someit ste noch erwerbsfähig sind,
tzeeianete Beichäftigung verfchafsen. Es ist dem Verbande be-
^eits in wblreichen Fallcn möglich gewefen, Kleinv-ntner in Stel-
lungen bei 'seinen Mitgliedern unterzubrmgen. Das Angebot arbeit-
!uchender Kleinrentner ist aber ungemein grotz wsil sie

Uatürlich nach ihrsr ganzen D-rgEenheit Ii^ stch bietende
Ärbeitsmöalichkeit benützen, als llmio.mempfanger zu fem. Die
Äentner unter dcnen stch Kaufleute. Laudwirte. Handwerker bcsin-
den we^den mit Freude jede Art Beschäftigung in Haus und Feld.
Büra un.d Kontor als Bote, Wächter. Portier, Nechner, Ka,s!erer.
Äufsehcr LRrnchmen. Rentnerinnen konnten ^ ^

VläLchen als Stützen der Hausfrau, ber der Kmderwartung und

Seite 8.

-erziehung, auch mit Näh- und fonstigen Handarbeiten, als Emp-
fangs- und Aufsichtsdamen ufw. beschäftigt werden. Jhre ganze
Vergangenhcit und ihrs Verhältniste bieten Eswähr für Zuverlastig-
keit und Eewissenhastigkeit bei Erfüllung der zu iibertragenden Öb-
liegenheiten. Möge daher jeder und jede, bei denen sich die Mög-
lichleit der Deschästigung von Kleinrentnern oder -rentnerinnen
bietet, dem Verband, der dafür eine Vermittlimgsstelle srrichtet
hat. oder den Rentnervereinigungen diese Arbeitsstellen melden.

Mn-MerUm.

Jm grotzen Saale des Heidelberger Kollegienhauses verfammelten
sich am Samstag abend die Heidelberger Flugsportfreunde, um aus
dem Munde eines Fachmannes sich in die Eeheimnisse der motoriosen
Fliegerei einweihen zu lassen. Herr Jngcnieur E ck hatte es sich zur
Aufgabe gemacht, an der Hand von Bildern das Interesse für den
Flugsport auch in Heidelberg zu wecken.

Jn kurzen und klaren Worten schilderte der Redner die Entwick-
lung des Fiugwesens, ausgehend von dem ersten Segelslieger Lilien-
ihal in den 90 er Jahren und führte so die interessicrt zuhörenden
Höher durch die ganze Entwicklungsgeschichte des Menschensluges hin-
durch, von den ersten Versuchen bis zu dem jüngsten Wcltrekord des
Deutschen Hentzen in der Rhön, der drei Stunden und zehn Minuten
in der Luft btieb, ohne e'men Motor zu benutzen. Seine Schilde-
rnngen wurden durch die Vorführung oes Rhön-Fokkerfilms erläu-
tert, desten Abwicklung Herr Direltor Bayer in liebenswllrdiger
Weise übernommen hatte. Der reiche Beifall, der dem Vortragenden
am Schlusse zuteil wurde, bewies, datz die Zuhörer ihm zu Dank ver-
pflichtet waren, und noch deutlicher wurde dies, als auf eine An-
regung des Jngenieurs Eck zur Gründung eines Flug-
vereinsHeidelberg geschritten wurde, der durch Stistungen
und durch den Erlös aus Len Eintrittsgeldern bereits einen ansehn-
lichen finanzisllen Hintsrgrund besitzt. Sache des Flugsportvereins
Heidelberg wird es jetzt sein, die gute Sacbe wsiter auszubauen,
damit auch die Heidelberger Flugsportfreunde dazu beitragen körmcn,
den Eeist des deutschen Fliegerlorps in ünserer Iugend wachzu-
halten. 8. k.

* Wie der erhöhte Milchpreis zustande kam. Man fchreibt uns:
Die Bevollmächtigten dcr in der Milchpreiskommisston fiir Baden
vertretenen Städte Mosbach, Heidelberg, Mannheim, Karlsruhe,
Freiburg, Villingen und Konstanz hielten am 16. d. Mts. in Osfen-
burg cine Versammlung ab, um Slellung zu nehmen gegen die
vom mittelbadischen Städteverband sür Milchbeschafsimg und Milch-
verwertung in der Presse verbreitetcn unrichtigen und tendenziösen
Mitteilungen Lber die Äerhandlungen der Milchpreiskommission am
30. Dezember 1922. Die versammelten Städtevertreter wiesen mit
Entrüstung die erwähnts Mitteilung des badischen Städteoerbcmdes
in den Zeitungen zurück, die verschweigt, datz in den Milchpreisver-
handlungen am 30. Dezember 1922 der Milchpreis nach langwie-
rigen Verhandlungen zwischen den beiden Parteien, nämlich Er-
zeuger- und Verbraucheroertrctern, vereinbart, nicht aber einseitig
festgesetzt worden ist. Die landwirtschaftlichen Vertreter warcn üe-
mühi, einen wesentlich böheren Milchpreis zu erzielen, welcher den
Erzeugnngskosten der Milch besser entsprochen hätt«. Schliesstich
konnten sis sich aber den vorgebrachten Eriinden der städiischen Ver-
treter, die nur einer crträglichen und mätzigen Erhöhung des Milch-
preises im Interesse der veisorgungsberechtigten Kinder und Kran-
,ken zustimmen wollten, nicht verschlietzen und gemeinsam und über-
cinstimmend wurde dann der Milchpreis von 140 Mark für den
Liter angenommen. Der anwescnde Vertrcter des mittelbadischen
Städtevsrbandes behielt stch cine endgiiltige Stellungnahme vor.
Die jetzt von diesem Städteverband über die letzten Milchpreisver-
handlungen verbreitete unrichtige und irreführende Nachricht er-
folgte also widcr besteres Wisten.

Die Ler Milchpreislommisston angehorenden Städtevertreter ver-
misten bei dem Vorgehen des mittelbadifchen Städteverbandes irgend
einen bkauchbaren Vorichlag. wie und auf welche Weise eine vor-
teilhaftere Äegelung des Milchpreises hätte erreicht werden können.
Nichts würde auch den Verband daran gehindert haben, den in
Mittelbaden gclegenen Liefergemeinden einen anderen niedrigeren
Milchpreis zu gewähren. Er hat ckber nicht «inmal einen dsrartigen
Versuch gemacht. Wenn übrigens der mittelbadische Städteverband
der Auffastung anhöngt. Latz ein Einheitsmilchpreis für Baden nicht
ldas Nichtige sei, dann hatte er e.nen Erund mehr, für Mittel-
baden Len Einhcitsprcis von 140 Mark nicht zu llbernehmen. Wenn
er doch davon Äbstand genommen und dsn Einheitspreis übernom-
men hat, donn beweist das nur, datz die Verbandsstädte, wie vor-
her, nicht bereit sind. Milchpreiskämpfe auszusechten, sonüern das
lieber andern iiberlassen. Es ist noch nicht bekannt geworden. datz
der Vuhler-Verband den Forderiingen der Landwirte auf Erhöbunq
des Milchpreises nennc-nswerten Widerstand geleistet hätte. Wenn
aber in Zukunst der mittelbadische Städteverband auf dem Eebiete
der Milchversorgung und der Milchpreisgsstaltung irgendwelche
Erfolge aufzuzeigen hat. dann- ist die Milchpreiskommisston gerne
bereit, stch daran ein Beisviel zu nehmen. Solanae das aber nicht
-der Fall ist, wird ste das tun, was ste für zweckmätzig hält und vor
sedermann verantworten kann.

* Dre nenen Kohlenpreise werdsn heute durch eine Bekannt-
machung verüffcntlicht. Sie sind im Durchschnitt um etwa die
Hälfte höher als die alten Preise.

* Schlschts Arbeitsmarktlage. Der Arbeitstnarkt hak stch in
Baden wciterhin ungünstia gestaltet. Zwar hat sich in dcr
Landwlrischaft die Nachfrage nach Knechten und weiblich n Dienst-
boten etwas verstärkt, dagcgen ist in der In'ustrie der Ste'ne und
Erden und in der Metall- und Maschinenindir rie eine wei er- Ver-
schlechterung zu verzeichncn. Jn der Textll ndustrie wird mit teil-
weiser Verkürzung gearbeitet und der Arbeitsmarkt in der Tabak-
industrie hat sich weiter verschlechtert, ebenso hat sich die Lage im
Baugewerbe etwas verschlechtert.

Neuerungen bei der Jnvalidenverstchernng. Dke am 1. Ianuar
in Krast getretenen neuen Bestimmungen der Jnvaliden-
oersicherung sind immer noch nicht genügend bekannt. Nach den
alten Vorschristen konnte, so wird uns von der Ortskranienkasse
aeschrieben, nach Vollendung des 6S. Lebencjahres und sofern 1200
gültige Beitragsmarken — etwa 23 Beitragssahre — nachgew csen
wurden Altersrente Leans rucht «erden, auch dann, wenn
noch volle Arbeitssöhigkeit bestand. Auf Inoalidenrente
batte hingegen dcrjenige Anspruch, d.-r Jnoalide im Sinne des Ee-
setzes war und mindestens 200 nichtverfa en: Beitragsmarken —
etiva vier Beitragsjahre — nachzuwe sen vermochte. Ein bestimm-
tes Lebenealter niutzte also bei der Jnvalidenrente nicht zurü gelegt
sein. Dies ist j-tzt anders,' die Altersrenie ais solchs ist seit 1. Ia-
nuar in Wegfäll gekommen und an ihre Stelle die Jnra iden-
rente getreten Die letztcre ist höher als die friihere Altercrente,
wesbalb den Altersrentnern empfohlen wird, alsbald bei der zu-
ständigen Stelle (Bürgermeisteramt, in Heidelberg das Städtische
Sekreiar'at fiir Invaliden- und Angestelltenversicherung) die Be-
willigung der Inoalidenrente zu beantragen, auch
dann, wenn wie gesagt, Invalidität noch nicht besteht. Nach dem
n-'uen Recht ist auch b e i t r a g s f r e i, wer eine Jnvaliden-,
Witwen- oder Witwer-Nente nach den Vorschriften der Reichsoer-
sichernnasordnung bezieht. D-e Vcrstcherungs- oder Beitragsfreiheit
ist jedoch erst mit der Erlassung des Jnvaliden-Rentenbescheides
qegeben. Nach den alten Bestimmungen mutzte dagegen der Alters-
renlner, der noch in Arbeit stand, Beiträge enkr-chten und nur der
Invalidenrentner war beitragsfrei. Auch schon aus diesem Grunde
empfiehlt es stch, datz die bisherigen Altersrentner die Umwandlung
ihrer Alters- in Invalidenrente alsbald bean>ragen. Bei der Höhe
der seit 1. Iannar nültigen Beiiräge ist dieser Eegenstand für die
Betreffenden gar nicht so nnwesentlich. Weiter hat das neue Eesetz
obligatorisch die Jnoalidenoerstcherungspflicht der H-us.
aerverbetreibenden van dem genannten Zeitpunkte an aus-

äesvrochen. Hausgewerbetreibende das sjnd solche Personen, d-e -n

ciaen-'r Merkstätts für andere Unternehmer arbciten, sind also ab
1 Ianuar 1923 zur Invalidenverstcherung anzumelden. In unserem
Beiirke werdcn sokchs Versicherungspflichtige hauptsächlich von
Schneider- und Schuhmachereie« bsschöftsgi. Di« Hausgew-rbe-
treibenden dcr Tabakindustrie waren seither schon nicht nur krankea.

sondern auch inualidenvcrstcherungspflichtig. Auch die Vestimmung
ist gefallen, nach der die Invalidonversicherungspflicbt erst mit dem
Eintritt in das 17. Lebensjahr gcgeben war. Die Altersgrenze ist
also hier ausgehoben worden. Ab 1. Januar lfd. Js. ist z. B. auch
ein 14 Jahre alter Lehrling, der gegen Barlohn tütig isl,
der Jnvalidenversicherung unterworssn und zu dieser anzumelden.

* Jm Derein Fraucnbildung—Frauenarbeii spräch vor einigen
Tagen Frl. Dr. Anncmarie Fränkel übcr Beiufssragen 2er
Krankenpslegerin. Diese „Stiefkinder der Sozialpolitik"
stellen sich uns in verschiedenen Tyxen dar, deren jede eine andere
Aufsastung des Verufs und oer Veruispersönlichkeit ausdrückt. Neben
der charitaiiven Schwester, die einem religiösen Verbande angehört,
jteht die nicht-lonfessionelle Rote Kreuz-Schwester und neben dst-ser
die Krankeupflegerin der Berufsorganisation. Die katholischs
Ordensschwester und die evangelische Diakonissin stehen
unter Ler Autorität des Mutterhauses, das ste an den Ort ihrer
Tätigkeit cnisendet, die letzte Verantwortung für sie übernimmi,
aber auch für sie Heimat, Zuslucht und Dersorgung bedeutet. Sio
ist zu unbedingter Hingabe, sa zur Selbstaufgabe verpflichtet. seetisch
und körperlich oft stark überlastet, sodatz die Sterblichkeitszisstr bei
der charitativcn Schwesternschaft grctz ist. Sie macht keinen An-
spruch auf Entlohnung und eigenen Besitz — alles flietzt dem Muiter-
hause »u. In Deutschlaud gibt es verhältnismätzig mehr kaiholijche
als protestantijche Schwestern. Die Organisation des Roten
Kreuz ist aus Zeiten der Kriegsnot hervorgegangen, hat stcki star!
entwickelt und ist Lesonders zahlreich in dei: verschiedensten Kranken-
häusern verireten, denen es seine Schwestern sowohl zur Ausbil-
dung wie zur Dienstleistung zusendet. Es nimmt katholische wie
evangelische Schwestern auf und stützt sich mehr auf vaterlands- und
menschenfreundliche, besonders weiblich-r Seelenlräfte, als aus reli-
giöse Eebundenheit. Jn sciner Ausgestaltung findcn wir Festhalten
an Altem und Streben nach Neuem, Schutz und Fürsorgc durchs
Muttcrhaus. aber einc gewisfe marerielle Selbständigkeit und
freiere persönliche Entwicklungsmöglichkeitcn, doch hat es äuch durch-
aus charitatioen Charakter und alles vom Mutterhaus und der
Schwesternschaft Eesagte gilt auch bier. Einen anderen Charakter
als die vorgenannten Verbände hat die von der Obsrin Agnes
Krall gegriindeie B e r uf s o r g a n i s a t i o n der Krankenschwestern,
neben der noch der Diakonieverein zu nennen ist Die Berufs-
organisation empfiehlt die Krankcnpslege als freie, durchaus selb-
stiindige Derufsart, desten Jntcressen ste nachdrücklich vertritt, indem
sie fiir Ausbildung uno Tüchtigkeit sorgt, das Staatsexamen sür
alle Pflegcrinncn fordert, somrt den unlauteren WettbcwerL von
Dilettanten ausscheidet und auf alle Weise Lestrebt ist, Stand und
Stcllung der Pslegerin zu heben. Sie tritt sür alle diejenigen
ein, die wedcr religiöse Bindung, noch den Anschlutz an das
Mntterhaus wollen, und hat llberhaupt sehr viel für die soziale
und wirtichaftliche Besserstellung der Pslegerin getan. Man hat die
von ihr crstrebten Werte mit „Pstichtgesühl, Selbständigkeit. ge-
hobene St"llung" bezeichnet, denen „Demut, Echorsam, Öpferstnn"
der charitativen Schwester gegeuüder stehen. Doch sind -stch alle ern-
sten Pflegcrinnen einig, datz nie der Erwerbssinn, sondern stets der
Opferwiüc die treibende Kraft ihrer Tätigreit sein niüsse. Sehr
wertvoll war es, von den anwesenden Schwestern Erfahrunqen aus
ihrem Verufsleben zu hören. Dem überaus klaren, anschaulichen
Vortraq von Frl. Dr. Frünlel wird am Dienstag. den 6. Februar
Hauptlehrer Lacroix mit seinem Vortrag folgen.

* Der Mönnergesangverei» Liederkranz Handschuhsheiia (ge-
grundet 1847) hielt am Sonntag jm Badischen Hof seine Eeneral-
versammlung ab. Nach dem Verklingen des Vundesliedes oon
Beethooen und Begrützung der Anwssenden ging man zur Taqes-
ordnung uber Der erste Rechner. der Mustkalienverwalter. ersler
und zweiter Schriftfuhrer erstatteten Berichte. die mit Beifall an-
erkannt wurden. Sie zeigten, datz der Verein auf allen Eebwten
sehr erfreucnd gearbeitet hat. Der Mitgliederbestand hat 15 neu
hinzugetretene und 22 Ehrenmitglieder zu ver.zeichnen. Von drm AL-
h-alten des alljührlichen Frühjahrsballes wird in Anbetracht der
ernsten Zeit Abstand genommen. Der erste Vorsttzende Fritz Pollich
erstattete für das treue und feste Mitwirken am Verein den Ver-
waltunasrats- und VereinsmitglieLern seinen Dank. Für d-rs zur
Passivität Lbergetretene inaktive Derwaltungsrätsmitglied Peter
Neureihter rvurde Fritz Neureihter gewählt. Alle änderen aus-
scheidenden Verwaltungsratsmitglieder wurden einstimmig wieder-
gewählk. Dankesworte des Dirigenten L. Brcrun an den ersten
Vorsitzenden und an die Mitglieder, sowie ein vierstimmigss Lied
bildeten den Beschlutz Ler Versammlung.

' EIn Konzert der Badegessllschast für die Notgsmeinschast. Am
29. Januar veranstaltet die Bad Heidelberg-Aktien-
gesellschaft, wie wir bereits gemeldet haben, ihr erstes
Winterkonzert. Musikdirektor Dr. Hermann Meinhard Poopen
hat die Leitung des verstärkten städtischen Orchesters iibernomme»
Die Männerchöre der Liedertafel und des Bachvsreins
sagten ihre Mitwirkung zu. Als Solistin des Abends wird die
Kammersängerin Magda SpiegeI aus Francfurt a. M. mitwirken.
Di Voitragssolge brinqt Brahms Alt-Rhavsodie, Lieder von .I-iqo
Wolf und die vierte Bruckner-Symphonie (Romaniische). Die Aktien-
gesellschaft wird den Reinertrag Les Konzertes dsr Nothilfe
Heidelberg überweisen.

* Ein Znpnose-Film. Den oft sehr phantastischen Aufklärungs-
und Deutunosversuchen, d-ie über noch weniq Lekannts Seiten nn-
seres Seelenlcbens im Umoang sind. wird am besten durch eine
klare und sachliche Erörterung dieser Probleme vor der Oeffentlichkeit
begegneb Dies hat sich der Lehrfilm „Äus der Unterwelt
des S e e l e n l e b e n s ", der vorgestern in den Kammerlicht-
spiclen seine Vorführung fand, zum Ziel gemacht. In einem von
ärztlicher Seite gehaltenen längeren Vortrag wurde über die De-
ziehunqen des normalen Seclenlsbens zu Erscheinungen der Hnpnvft
und zu ncrvösen Störungen gesprochen. Im Film wurden dann
Experimente tierischer nnd mcnschlichsr Hynoft gezsigt. Da öfsent-
liches Experimentieren in der Hynoft volizeilich veriwten ist, war
hier damit wohl zum ersten Mal vor einem grötzsren PuSlikuin Es-
legenheit geboten, stch mit den merkwiirdigen Erscheinungen ver-
traut zu machcn und gleichzeitig d-arüber nnterrichtet zu werden,
datz diesen Erftheinungen ksinerlei mvstische oder geheimnisvolls
Vorgänge zu Erunde lisgen.

"Polizeibericht vom 22. Januar. Aufgegriffen wurden:
2 Obdachlose und ein entlaufener auswärtiger Schreinerlehrling. —
ZurÄnzeige gelangten: eine auswärtige Nähsrin und ein hiestger
Volksschüler wegen Diebstahls, ein hiesiger Fleischermeister wegen
Hehlerei, ein auswärtiges Kindermädchen wegen Diebstahis. und Be-
trugs, ein Maschinenzeichner und ein Milchhändler, beide wegen un-
erlaubten Handels mit Fellen bezw. Kolonialwaren. eine Strickerin
wegen Preiswuchers, acht Ausländer wegen NichtLeachtung der
Meldevorschrift, vier Personen wsgen unterlasftner Eehwegrerni-
gung, 31 Personen wegen unterlassener Dertarung ihrer Hunde und
cheiters fünf Personen wegen anderer strasbarer Handlunqen. —
Eestohien wurden von unbekannten Tätern: Vom 13. bis 15. Jan.
aus einem Eeschäft in dcr Bergheimerstratze 25 Dutzend Laubsägsn,
die nach Ermittlung der Täter wieder beigebracht wurden und vom
15. bis 20. Zan. liach Erbrechen des Holzkastens einer Feuerlchch-
station in der neuen Schlotzstratze vom Strahlrohr dss Mestinamimd-
stiick im Werte von 4000 Mark. — Der im gestrigen Polizeibericht
ausgesvrochene Verdacht des Diebstahls gegen eine Naherin
aus Rohrbach hat sich als völlig haltlos erwiesen. Das m der
Plöck 83 gestoülene Damenfahrrad ist Marke „Eito".

* Wetterbericht der Bad. Landcswctterwarte. Vorau s s i ch t -
liche Witterung: Meist noch wolkig, einzelne weitere Nieder-
schläge, meist Schnee, in der Ebene natzkalt, im Eebirge Frost, nord-
westliche Winoe.

Kirchttchs NachrichLen.

DiokorrMenbeüS-K-'N-rr-.

4 USr: FrancnbeMunde.^ MittwoK 8.1F llhr:

Donn-rstaa 8.1S Ubr:

Evana-likL- G-mei»de.

Mittwock, 8 Ubr: Bib-lstnnb-. KoniirinanLenfaal dcr CliriktnSktrS«.
Stabtvikar Lie Kn-velS, ansa-wäbltc Psatmcn. Donnersiag 8 Ulir:
Bibelstnnde Gemeindcsaal, Karl Ludwisstrabe S, Psarrgehilfin Fräulein

Obcrbeck. Petrusbrtes.

"Mitlwoch
versammlnng.
haus. Plöck 18.

. , . Blaukreu,-

Gcmcinkc.iaitsbibelstund«, Bcrcins-
 
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