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Badische Post: Heidelberger Zeitung (gegr. 1858) u. Handelsblatt — 1923 (Januar bis Juni)

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https://doi.org/10.11588/diglit.15611#0163
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prevßffcher Lan-rag.

Auhrnot. — Presienot.

ZDev Berli«, S7. Januar. vorm. 11 Mr.

» ^cw^ietzenkwnrf über Lie Bereitstclluna rvcitcrer Staatsmittel
Uschj.."rung xEA ArSeitgeberLarlctzens wirb enbgültig
Uoiix,, ^.Bewilligt werden dafür 1SM Millionen, von denen
» .n „„-btark gls Beibilfe an Schullastenträger vcrwendct werden
^Äasfung nencr Wobnuugen für Lebrperfvnen. Gleichsalls
...cr >»>rd bcr Gcsebentivurf, wonach als Bcteiligung Preutzens

^iichcn uieinifjitzigc,, Grundbodenkreüitanstalt zur bvpo-
^nücj ^eleihung von Klcinwobnbeimstätien Söü Millionen Mark
chu 1 rden sollen. — Eine Entschlictzung des G r n n d st e u e r -

.He-I,s aus Verücksichtignng dcrjcnlgen Gemeinben, in Lenen

sind, beim Lastenausgieich,

^ ^Naen^ru autzerordentkich
j i^nv,„a,en

die ersts Bsratuug dcs HgushalLs srir das Jahr 1823

boch gesvannt
Hierauf setzt das Haus

Aediuger (Ztr.l: Frankreich ist auf die Nubrlohle nlLt an-
H»rk „ iint im vergangencn Jahre an Lcr btuhrkoble eine MilliarLe
ixi„°^dient. Noch cinmal wird die Bcrgarleiterschast schwerlich
bj» n>t ti r Lie FranzoscnUcbcrschichten zu fabrcn,
Ewaltvolitik nicht bald ansbört. Abcr Frankreich will ia
i, n» !,» ^tc'ot hochkommen lasscn. Jedensalls tst die eesamtc Bevvlle-
?c>i. j»^,Rubr sest entschlossen, sich nicht unter französischcs Zoch zn
el« Poi» »»itcr Vcisallü Schon ruft Franlreich Polen zu Hilte.
,^» Akj " kjranlreicb unterstntzt, so bandclt cs unkorrekt und auch

ti'Mn Uerden die Nubrleute zusammen init den in Deutschland be-
Ni^°len srieülich zu verbinücrn wissen. (Lebhaftcr B.isall.) Als

tb ^ n, '"Uk Lranlrcich dte Bevölkcrun'g durch den Hnnger

L e n. Wenn eS uns gelingt, auch den Hunger zu crtragen,
il.VUeb-? tbir bosscn, Frankreichs Plänc zuichanden zu machcn. Svnst
i. iias surchtbare Enbe an der Nnbr. Nedner forbert nach

l / it , ik an Lie Landwirtschast auf, allen vartcipolitischen
b,,^ersj^u begrabcu, nnd schlicbt untcr stürmischem Veifall mit
-tung, hic Bevölkerung an üer Ruür, an der Saar unü im
U„!e°,^'wö

, wre aufs neue: Wir wollen treu sein nnd frei s e i n,
-iräter warcnl

i„ ^'vvel (Dntl.s: Wir müsien versuchcn, uns im Rahmen bcs
u„z .ch"-, Dcr Ueberschutz aus Ler F o r st v e r w a l t u n g


. Txjji.der Politik Franlrcichs im Ruürgc'biet klingt uns öas Wort
wii.^ikimmungSrecht Lcr Völker wie bittcrcr Hobn. Auch durch
üh,"ae„ niau uns aber nicht vcrsklaven. Dic nalioiialistischcn Kund-
Hin ? Münchcn waren keine deutschnationalen Kundgcbnngen,
Ntussolini wie Hitler Lnrch die rcrbetzende sozialistische

i„'^vräsident Brau» erklärt aus eine Ilnfrage, Lie der Abg.

hätte, ob die
äntsch nicht
Wobnung nshmcn wcrde.

K?Noii. »Einer Rede an die Staatsrcgierung gerichtet
<lii wiig set, Lah ber neue Regierungspräsident

tz- i„ svichern in Frankfurt a. M. Wohnuni, .

' lb ez «age zu ssin, auf biese Frage eine Antwort zu geben. Er
der g? surückwcisen, wenn Herrn Hänisch, wenn anch in vcrstcckter
ks -^"rwurs der Feighcit gemacht wordcn wäre.

^idia <D. Vvt.) zitiert den Artikel dos „Vorwärts", Ler
Ä„i„ wuale Prolctariat zum Eingreifcn aufsordert, und der als
i„,!i- bezcichnct, die Einbeit unö Geschlossenheit bcr Partci zu

'"e g,.»s sei nicht bie Aufgabe dcr Stunde. Möge eine Partci zu-
i Txx ll"' wenn nur das Vaterland gerettet wtrdl
r ^rs ^ä'isbaltSplan gebt an den HauptauSschutz. Das Ha is vertagt
^»»Zz„V u s t a g , 20. Kcbruar, 8 Uür uachm. Zwcitc Beratung
»aits. Schlutz 5.45 Ubr.


Die ungsbeuer»

, . ___

e,^.» ^ "icht mjj „ngctrübter Geniigtuung.
ilii- w - ° iöprcise habcn die Presse schon auf den Stcr-
„Kltzkt a Sebracht und droben ietzt anch das Deutsche Rcich, die
s, ,a>id den gcordnetcn Schnluntcrricht zu vernichten. Den Rcst
>>»«'» „«^rgiitcr müssen wir mit allcn Krnslen rct.en. Jm übrigen
i^»Liza»o billigcn wir die Svarsamleitspläne dcs Fiiiaiszmiuisters.

rsGWe der hrMOen Reginungsftist.

.!>^»>

.Dr

atnzer Journal"

Darmstadt. 2S. Januar.
Lem bessischcn ZentrumSorgan.

,!'"» die bessische Negierungskrise folgendes: Die Zentrums

»li-»räa? iwtzischen Landtages sieht sich gezwnngen, nachöem sie dem

.

gegenüber ibren Sla,iidvunit nerirctem hat, den Zsn-
,iljsjz »u von dem Vvrgcben, das zur „rascheu Lösung" der Reaie-
„ Ii„ »'iubrte, übersichtlich Kenntnis su geüen.

oder 17. Dezember v. Js. zeigle Finanzniinister Henrich

'i? ih„"w»üiidentcn schriftttch seiiic» Rükklritt a«. Am 18. Januar 1823

... '

svrachen die bciden andcrcn Kvalitionsparteien öem Finauz,
» Bertrauvn aus nnü tietzen durch den Staatsvräsideiitcn Lie

.öurjjjj. Was liegt zwischen die,cm Ptoiiat Ler vou der süns-
»rnwlratischen Fraktion herausbeschworcnen Krisis'?. Am

d °»>i>!,.» »ichten, sein Rücktrittsgesuch zurückzunetzmen. Vcrgebeusl
„ Hc„xe?iische Fraltion zeigte eine uniieiniliche Enlschiedenbeit. Siicht
U^'»i„i„ ionüern auch iein anderes Parteimttglieü dnrfle dcn
>,^?r .»rrpujjca annehmcn, dcr sür die klciiie Nraition nlcht mebr
k>iiel!,'i. Dberbürgcrmeistcr Dr. Kütb lonnte in Mainz bleiben,
,, i>ch z ü legte am 28. Dezember 1922 die Gründe seines biücltritts
i«u ri»e l-' Da diese den Kvaiitionsvarteicn nicht richtig schienen,
^rklärung dcr Zcntrumsvarlei uud eine he,tige, teilweise be-
»s '»»> „ ^ versvnlich verletzende Polcmik gcgen Minister Heurtch.

,' war ?si zg, I,„„„ar, als der Einbruch tns »iuhrgebiet vor der Tür
S»ßj »w demolratische Entschiedcnbelt unbeugsam. D-r StaatSpräsi-
eincn ItuSwcg suchen und bot üem ALgeordnctcn Köbler
? "'i'irriuui an. Lamit ivar die Nrage bcr Einbezieüung der
>>.w»,j„. .u Bolkspartei aknt aemordcn. Am 15. Jannar sanö im
"rriiim eine Vesvrechung stalt, bei der Vertreter dcr Sozial-
». üer Deutschen Volksvartei und der Zentrumsvartei anwssend
Kigte sich, datz Ler Ausnabme der Deuischeu Voltspartei in

^lsz

denkt hier an die nächste Stunde. „Was kann man da
'cheinj' ist das Lebensmotto des Wieners geworden. Und
»„ gsg würde in dem so oberflächlichen „laissoL kairs,

g(a„?b«6r" mehr Zweck, tiefer Sinn und Vernunft liegen, als
°2U könnte.

^!,e,u^urter Kiinftlertheater. Eine Aufführung von StrindLcrgs
'-Uhnij^ im Bolksbildungsheim lietz aufs neue wieder die un-
r? ^e,„ , Hingabe der Vühne an ihre Aufgabe erkennen; man
.j?g»iz '"pferen En'emble Dr. Kuckhoffs und Robert Eeorges das
z' feljzD^bstgg^^, ^ gerade in diesen Zeiten allgemeiner Not
ting^ Ädealisr.'.us um seine sozial-.lünstlerische Ziele kämpst.
^nj^tzde -- - - - » ' -

!«i g^ii

u„ ---»er ang.-Iv eseiie ppiciijUjeii I'eriijig Krijiriiuiv,.,

„n? der > ^r Begrenzung des darstellerischon Ausdrucksvermögens,
j?!'iin Eejsjäs Freiheit des Eestaltens litt. Der

^ ver Trgn^ Klevulchs suchte nach eigencn Wegen; die Angst

i " ds.z^i>,timr hemmte seine natürlichen Mittel; manchmal brach
ll/2'chez w ^s Ha'les doch die spröde Form, in die der Künstler
m iiberk^fühls'leben gezwungen hatte, und Lann gewann üie Ge-
j"2wöh„!r'chend an Leben und Wesensart. Die Alice ersordert ein
viels^s psychologisches Eindringungsvermögen; HansiMeibner
>n„Vantän ch konveniionell und noch konventioneller ger:et dir
ir^UNa ^2'!ier H-ns Meitzners. Das Publikum folzte dcr
"2ve„ steigeadem Jnteresse und spendste oon Äkt ;u Akt
,2 -Lelfakl. o ^ ^

»r^aipieir»? ^ines Lebens". Jn Dertretung unseres Berliner
Uük ji. ,ch»renten wivd uns geschrieben: Der grofze Karl Amadeus
,^>ide seit längeren Jahrsn tot. Seine Witwe, die aaf-

ry>t t/^'chkeit mit Cosima Wagner hat, verwaltet feinen Nach-
r bvhn?*°6er Energie und mit einem Erfolg, der namentlich für
§»rdr„ 2b Toten, Ler gerne selbst ein Menfch und sogar ein Dich-
,I„!»rau „,-^?chte, etwas Bedrückendes hat. Da taucht einss Tages
»°'tiertx?'2d»r auf, die die herrschgewaltige Witwe in der von ihr
«amx ^-»iographie des Toten zwar totgeschwiegen hat, die absr
Mert tzaj Vend des grotzen Mannes begleitet und fich ihm aus-
'„„"tty-n' Es ergibt sich, datz Karl Amadeus durchaus nicht der
„ 2>n sw -Mundermann war, zu dem man ihn gernacht hat, fon-
,,2 gros-ft 2^tch- der, um schaffen zu können. von seiner Umgebung
j»Nr Erkp„?2nge Glücksopfer verlangte. Dem Sohn wird bei
" aii!!,,? "'b wefentlich besser, er sindet den Mut, ein eigenes
!-3"Nt bM"gen, nnd auch die thronende Witwe findet sich nach
- s,M2N Protcst crlcichtert, Lie Mühe des Lügens los zu
syUetzt mit der Rivalin von einstmals dinen resignierlen

'rdey.

m^ttters^Dies der wesentliche Jnhalt von Stefan Zweigs

..L t, s vr >>«, a ;e. ^ n ^ ^ Knmman-

-!"2NstrhrD' „Legende einesLeben s", die in der Komman-
^tlichp^-öur Verliner ErstauMhrung gelangte. Man sicht, die

" vramatljchen Spannnngen slnb jchwach, jeder mcheüeade

s bie KoaNtton kctne Vekonderen Gchwkerkskeiten entgesenstanden. Angercst

wurde, ungssäumt Nichtliuien für die grotze Koalition aufznstcllen. Die
Deoiokraten sollten, wenn sie wollten, ihrcn Platz in ücr ncucn Koaüiion
sindcn, wenn anch kein Ressortfür ite üürig bliebe. Am
16., 17. und 18. Januar saudcn Sitzungen von Vcrtretcrn dcr drct Par-
teien statt. Am 16. wareu auch Lre Demokraten verlrctcn. Sie cntscrntcn
sich aber, als fie hörtcn, datz ibneu kcin Rcssortministcrium zufallcn
könntc. Die Kragc cines Ministers ohne Porteseuille blieb osfen. Zctzt
bereitete sich der demolratische Umsall rasch vor. Unterdesscii nurdcn oon
Vertretern Lcr Svsialdcmvtratie, dcs Zcutrums und Lcr Dcuischen
VoltZvartci dic RiÄt-inien obne wesentiicho Lchwierr^kl.itcn au,geite!lt
und sollten am 18. cndgültig crteüigt wcröcn. Am 19. bericicn die Frak-
tionen des Zcntrums und Lcr Deuischcn Voltsvartei getrcnnt bie cnd-
gültige Lvsung der siiichtiiiiien, da man an dicsem Tagc zu ciner Eini-
guiig zir tommeu bosste, Aber es tam anders und zwar durch Abmachun-
gen, die in aller Stille zmischcn Sozialdemokratei, unü
Demokratcn aetrosscn worden ivaren. Die Vertrctcriitzung, zu öer
Finauzministcr Henrich wiüer Erwarten erschicn, wuroc uvn Lcm Abgcorü-
iieieu Kaul mit der Frage an Hcnrich eingelcitei, ob Hcnrich daS Finanz-
uiinisierium wiedcr übernehme, Hcnrich bejahte im Hinblrck auf Lie
crnste Zeit. Die demvkratische Uubeugsamieit war in dicsem Augenblick
geürochen, als man sah, datz es guch ariüerS ginge.

Von diescm Abkommen zwischen Sozialdemokraten unL Demokraten
war weder Lem Zcntrum noch der Deutschen Bolksvartci ein Wort rrut-
geteilt wordeu, Jn ciner Nachmittagssitzurig verlas ,ein Reünsr
des Zentrums folgende Ertlürung: Die iutersra.tionelle «itzuug trat henie
um 1 Uhr susammen, um die Frattiousbeschlüfse zu dcn von den Ver-
.tretern Lcr Sozlaldemo.raten, dcs Zentrums und der Deutsche» Boltsvartei
vorgcschlagcncu Nichtlinicn Ler zu wählendcn Koalition zit bpratcn. Statt
bcssen legte Äbg, Kaul dem gleichfalls anmesenden Finarizminisicr Henrich
Lie Frage vor, vb er in Berückstchtignng der erschmerten volltischen Vcr-
bältnisse das Finanzmiuisterium rvieder übernebmen wolle. Diesc Fraze
hätt: ohne Vorwisscn der beiden aiidereu intcrcssierten Fraktioncn nicht
gestellt werden Lürfen, Wir habcn im Dszembcr öem Herrn Finanz-
minifter Henrich nach seinem Nücktritt unser Lertrauen bekundct und niis
dcr Bitte, das Gesuch zurückznziehen, ehrlich angeschlossen. Wir find auch
beute noch Mitglicder der großen Koalition, nachdem aber ble Lemo-
kratische Kraltiori jedes Ersuchen, dcn Finanzminisiervosten wieder zu
übernchmen, wiederboit und entschiede» zurückgewiesen hat. bat det
Staatspräsident am 10. Januar dem Abg. Köhlcr das S'inauzmini-
sterium angebotcn. Am 15. Januar fand eine Besprechung beim Staats-
präsidentcn statt, wodurch Lie Berbandlunce» bei der Dcutschen Lolks-
partei eingeleitct wurden. Die Rtchtlinien wurden auf Grund der Ab-
machungen vom 15. Jarmar entworfen. Die Zentrumssraktion kann sich
nicht damit einverstandcn erklären, datz jetzt die Grundlage
der Abmachungen beim Staatspräsidcnten verlassen werden solle, wcil das
Vorgcben nach ihvcr Ausfafsung den Grundsützen ernster voli-
tischer Verbandlunge» widerstreitet.

Diese Erkiürung wurde am 24. Januar dem Staatsvräfidentcn mit
solgendem Schreiben übersandt:

«Die Fraktion der Zeritrurnspartei beebrt sich, dem Herrn StaatS-
präsidenten lhre Erklärung vom 18. Januar 1923 zu überreichcn nnd er-
klärt, dah sie mit der „Lösung" der Regtcrungskrisis, wie fie von der
soziaidcmokratischen Partci im Einverständnis mit ben Demokrateri be-
schlvssen wurde (Vergl. L'ossische Zcitung vom 18. ds. Mts.j, aus keinen
Fall einverstanderi sein kann, Unser Minister wird mit nnserew Einver-
ständnis Lie Geschäste mit Nücksicht auf die Lage nur noch für kurze
Zeit weiterfübren, wenn nicht alsbald eine Lösung-, bie Lie Erweite-
rung Ler Koalitio» in sich schlietzt, gefundcn wird."

Damit glauben wir, Lie Außenstebendsn genügend anfgeklärt zu
habeü. Wir sügen noch bei, Finanzminiiter H c n r i ch mutz die Zurück-
ziebung seiner Demission, in dem Augenblick, als die Verhandlungen mit
ber Deutschen Volksvartei vor Lem Abschlutz ständen, selbst verant,-
worten. Der Hinweis aus die politische Lage verfängt nicht, da die
Wcge sür Len nsvcn Finanzminister so weit geebnet waren. Aber, daß
die Sache am 18. s^rcits in Lcr „Vossischen Zeitung" zn lesen war, datz
Henrich in der Vertrclersitzung vom 19. erschien, um Kauls Fraxe ent-
gegenzunchmen, beweist, datz man über die Kövie dcs Zcn»,
trnms und Lcr Dcutschen Bolkövartei eine genehme Ent-
scheidung erzwingen wollte,,gleich ob sie loyal oder illoyal tst.
MSgen die Leser entsc.eiden. Entweder wird die Koalition
erweitcrt, oder sie tst zn Ende."

Eine neue feindliche BluttaL.

Berlin, 27. Jan. Der deutsche Eeschäftsträger in Paris ist bc-
auftragt worden, der französischen Regierung foigende Note zu über-
reichen:

Die französischen Truppen Legingen im Ruhrgebiet eine neue
Bluttat. Am 23. Ianuar abends wurde der Arbeiter Rndols
Drees in Kirchende bei Hagen durch franzöflsche Soldaten ohne
jede Veranlassung mit einer Schuhwasfe schwer verletzt.
Obwohl die sranzöfische Regierung sich in ihren Antworten aus
frühere Proteste wegen der Vluttaten in Bochum und Langen -
dreer weder auf eine sachliche Ervrterung eingelassen» noch zu
Worten des BsLauerns verstand, erhebt die deutsche Regierung auch
wcgen des neuen Unrechts Protejt. Sie behält sich vor, volle
Suhne dafür zu fordern.

VerLotene AuskmifterLeilung.

Berlin, 27. Iannar.

Der Reichsregierung ist bekannt geworden, datz Franlreich und
Belgien im vergcwaltigten rheinisch-westfälifchen Eebiet von den
Werwaltungen der Bergwerle und Hütten ftatisti-
sche Angaben Lber die Produktion, den Absatz der Kohlen und
die Eisenerzeugung fordern. Es wird darauf hingewiefen» daß die
Geheimhaltung folcher Angaben fremde» Negierungen gegen-

Gegeusatz wird schnell wieder gelüst. Mit 'diesem Mangel an drama-
tischem Impetus hängt wohl aber auch der trockene, unbelebte Ton
des Dialogs zuisammen, der von den sprachlichen Fähigleiten des Ledeu-
tenden Uebersetzers Stesan Zweig wenig verrät. Weder die Leben-
digen, noch, was für das Stück fast wichtiger wäre, der Tote, um den
sich alles Lreht, werden auf dtese Art für uns lebendig. Es sind
keine Vorgänge, die wir miterleben; es sind GesprächK die wir mit-
anhörcn. Die Kraft, mit der geniale Schaufpieler aus solcher Skizze
nicht selten dennoch bezwingendes Leben hervorwachsen lassen, sehlte
den zum Teil ganz tllchtigen, aber mittleres Format Loch nirgends
iiberragenden Schauspielkräften der Kommandantenstratze. Und so
lonnte man beim besten Willen für die gewitz interessanten Absichten
des Verfassers kaum einen innerlichen Anteil aufbringen.

Uraufführung im Hildesheimer Stadttheater. Hermann

Pop - rt: „Wenn —", „Wenn —" so hsigt das grohe Wort aller
Bierbankstrategen. Auch Hermann Popert gehört mit seinem Stuck
zu den immcr noch klüqeren, d':e aus warmer Ecke den S aa'su ann
korrigieren und des Feldherrn Arm die lessere Richtung weisen.
Der Traum Hermann Poperts krönt die Wendetage des I ni 1918,
da Krieg und Frieden sich hari Lerührten, mit e.ner anderen als
aeschichtlichen Lösung. Der Kanzler seiner Sehnsucht tritt dem Zj-ld-
herrn, dsr „nur" Ehre will, mit der Forderung eines Vergleichs
unter Preisgabe Elsatz-Loihringens und der deutschm Seeu acht ent-
gegen, weil über Deutschlands Ehre seine Menschen stünden — und
drückt sie durch. Im Haag wird Lann ein bitzchen Fr.eren gemacht,
in Deutschland wird'die drohende Revolut'on aufgefangen und eitel
Sonne lacht über der friedlich a menden Welt. Einen dichterischen
Wsrt des Werkes zu fiuden, dürfts schwer halten. Die Leitartikel
der Zeitungen aller Richtungen werden in jambischem Schwung
heruntergeredet. Die vierstündige Hochspannung eines Pathos ohne-
gleichen — acht Bilder sind acht Höhepunkte — hohnlacht allen Ge-
setzen dramniischer Eestaliung. Der künstlerisch « Zwang. das
Werk aufzuführen, ist mithin gleich Null. Fruchtlos ist's, nach der
politischen Nöiigung solchen Tuns zu sragen. Denn die Tat-
sache, dah die Französen au Nhsin und Rnhr stehen, beweist gegen
alle Beweiselei des Versassers, dast sie heute noch keincn Frieden wol-
len. als um den Preis unserrr Vernichtung. E!n blinder Utopist
schwingt stch auf se'mem Stern jcnseits des Raumes, in Lem sich hart
die Sächen stotzen. So !st Povert nicht minder Michel der Träumer
als die den ewigen Frieden der Völker sirenenhaft anpreisen, wenn
er auch viclleicht glauot, aut deulsch und ein Held zu sein. — William
Büllers Spielleüunq waitet zunächst einmal kürzend üüer dem Stück
ohn' Ende. Jn der Deuiung der Bilder gelang ihm einiges wenigcr
gut (die Audienzszene in der Neichskanzlei). Die Ausnahme beim
Puölikum war srcundlich. vr. Uuit Vass.

2V8 Millioncu-Stiftnng Bodes. Die !hm zum goldenen Dicnst-
jubiläum zugegangenen Gelöer bestimmte Wilhelm v. Bode für den
Ausbau des^ Asiatischen Museums kn Dahlem. Nach dcm
heutigen Stande machen Lteje Gelder 200 Millionen sus. Dor .allem

äber für das Wohl de;: deutschen Negierung erfordm-Nch ift. Wer des
artige Nngaben sremden Regierungen bekannt gibt oder ösfentlich
dekannt macht, wird nach tz 82 Nnmmer 1 des Strasgesetzbnchrs mit
Zuchthuns nicht unter zwci Iahren bestraft.

IMkmH lllid Rllßland.

Von oanz Lesonderer Seite wird uns geschriebeN' Köp»

fen herr'cbt oerade jetzt das unbestimmte Eefühl, datz Rutzlano ve-
rufen sein werde, bei der Entwicklung der durch Frankrem, tzerauf-
beschworenen Laqe eine Nolle. vielleicht die entschcidende zn )pr«te«.
Auch Franlreicki ist sich der Vedeutung bewutzt, die Rutzland iur ven
F-ortbestand des im Ostsn geschaffenen, unter franzosischer voyeil
siehenden Slaaicnbundes und darüüer hinaus sür die Vorherr>chair
Frankreicbs >n Europa uud ssine Herrschaft üüer Deutschland boi>tzr.
Die Föden der französijchen Politik laufen verdeckt und rhre Zrele
sind wei: vorausschauend. Sie ist der Welt gegenüber eingestelll
aegcn den Valschewismus. Dennoch tritt sie den Bolschewisten
durch den sozialistischen Bürgermeislcr von Lyon Henrior näher,
ohne qle!ch-,eitig das Liebeswerben be! den gefährtichsten Gegnem
dsr Bolfchewisien, den russiichen Monarchisten zu unterlassen. Di«
franzosische Politik und rhre Diplomatie sind durch alte Schulung
geschickt gi nug, mehrere Eiscn im Feuer zu haben. . .

Frankreich hat zweifellos richrig erkannt, datz in Rutzland
der gcschichtlichen Erziehung wegen die Demokrat-e ein lln-
ding !st Von jeher sind zwar in dem in Rutzland zahlreich ver-
tretenen Bildungsproletariar demokratische Strömungen vorhanden,
am weuigsten von allen ist aber das russische Vürgertum jähig,
Las Riesenreich demokratisch zu führcn, am allerwen'.isten. nachdem
dieses Büracrtum seit der bolschewistischen Novemberrcuolution plan-
mäpig ausgerottet oder vertrieben worden ist. Frankreich, der demo-
kratische Staat, weitz, dag in Rutzland nur die Diktatur einer klsinen
entschlojssnen Minderheit der Bolschewisten möglich ist oder aber
cine Monarchie auf nationaler Basis.

Diese Ueberzeugung herrscht auch in den Kreisen der russischen
Eiuigramen. Die russischen „Akonarchisten" sind also nicht nur eine
!n Sentschem Sinne rechtsstehende Gruppe, sondern umfassen auch
Demoiratie und ihrc Anhönger reichen jelbst weit in das Lager der
Sozialreoolutionäre hinein.

In Rutzland selbst beugt man sich, der Not gehorchend, den
bolschcwistischen Machthabern und findet sich, in nationalem Sinne
neue oewalisame Umstürze ablehnend, mit ihrer Herrschaft ab. Dar-
ubcr, datz nicht eine verschwommcne internationale Demokratie, son»
dern nur die starke Haud einer nationalen Monarchie eine
Reltung Lringen kann, hcrrscht aber auch in weiten und allen Krei-
scn des russischcn Volkes kein Zweisel. Die ^ahl der Monarchisten !n
Rutzland ist der unter dcn Emigranten bei weitenr überleqen. Da
sie jedoch unter scharfem Terror stehen, liegt die Führung oer Bs«
wegung in Ler Hand der autzerhalb Rutzlands befindlichcn Kreise»
Jn den erstcn Iahrsn verhielten sich auch diese zurückhaltend, da all»
oemein mir einem baldigen Sturz der Bolschewisten gerechnet wurde.
Ie mehr aüer diese Hoffnung schwand, um so fester wurde ihrs
Organisation, um so umfangreicher ihre Propaganda. Die eigent-
liche Tätigkeit begann mit dem Monarchistenkongretz im Mai 1921
in Vad Rci'chenhall. Schon hier zeigten sich zwei Strömungen. Dis:
Mehrzahl unter Markow trat sür eine Anlehnung an Deutschland,
für eine Wicdereistsetzung des Hauses Romanow ein. Eine Minder»
heit, unter Ecneral Trepow, war für ein Zusammengehen mit
Franlreich und Ernenerung des rufsifch-französischen Bündnisses. Man
wählte einen „Obersten monarchistischcn Rat", der sich bemühte, in
Berlin xolitische und wirtschaftliche Unterstützung zn finden. Dis
deutsche Regierung zeiqte sich ablehnend. Sie erkannte die bolsche»
wistische Regierung an, schlotz mit ihr den Rapallo-Vertrag und
übergab ihr Las russtschs Votschaftsrpalais. Von Deutschland beiseite
geschoben, erlitien die russischsn Monarchisten einen weiteren Schlag
durch das Vorgehen der bolschewistischen Regierung gegen dis alte:
russische Kirche. Jm eigenen Lager sonderte sich Gen'eral Wrn u : - l,
der Führcr des Restes der russischen Nationalarmse in IugcU.m eir.
und Vulgarien äl>, er lehnte die Wiederherstellung des Ro-

manow ab und verfolgt anscheinend eigene ehrgeizige Pläue. uf
der Suche nach einem tatkräftigen Führer wandten sich die A. -i:n
der Monarchisten auf den Grotzfürsten Nikolai Nikolae»
witsch. dem, als echtem Ruisen, auch in der Sowjetarmee noch zahl«
reiche Anhängcr zugesprochen wurden. Er wurde aufgefordert. a»
die Spitze der Bewegung zu treten. Da der Grotzfürst Nikolai Mko»
lajewitsch von jeher antideutsch und franzosenfreundlich gssinnt ilt.
begann die Dewegung in die französische Richtung einzulenken.
Nikolai Skikolajewitsch sondierte bei der französischen Regierunq und
fand ihre Zustimmunq. Er berettete eine Proklamation vor. Wenige
Tage üevor ste crscheinen sollte, trat jedoch derGrotzfürst Kyrill
mit einem Aufruf an das russische Volk und die russische Armse her-
vor, in dcm er als nächster Anwärter des Hauses Romanow sich zum
Leiter der Bewegung erklärte, die Annahme der Zarenwürde von
der Wahl des russischen Volkes abhänqig machte, die rote und
weitze Armee als ein Ganzes hinstellte und der Usber-
zeugung Ausdruck gab. datz Rutzlands Gesundung anf dem Evo»
lutionsweqe von innen beraus geschehen müsse.

Franttcich sah die F-ührung der Bewegung seinen Händen ent-
gleiten. Um so schärfer setzte sein Vorgehen ein. Grqtzfürst Kyrill^

würde das Kaiser-Friedrich-Museum auf diese Weise Raum diej
altchristliche und frühromanische Kunst, für die italienischen stbgüssÄ
und eine übersichtlichere Aufstellung seiner Eesamtschätze, gemi-.inen.
wenn die islamische ALtsilung und anderes nach Dahlem übersiedelir
lönnten.

Der Sob» det Sonne. Dr. Jngo Krautz. der vor Jqhren inr

Frankfurter Schaulvielbans L>ie ingenblichen Helden ivielle, wirkt ietzt als
Dvamaturg und Svielleiter am Coburger Landestbeakcr. Dort :vurd«
icbt sein neuestes Drama „Der Sotzn der Sonnc" mll großem Er.
folg ausgefüHrt. Jn altägnvtischem Gewariöe behandelt es in der Gsstali
L«S Pbaraonen Amenhotev IV. den Kampf des höbercn Rtcnschen aegen
das ewic> Gestrtge und sein Erlicgen vor dem Errcichen des Ziels. Der
Handlumg wird in der Cobnrger Presse öramatücde Krast, rart« Poefre in
den Lrebesszchien unü Scbliss der Mbnndenen Svrache n-achgernhmt.

UrauWbrnng i« Hannover. N e a n d e r: „Die Talsperre"t
Unter dem Namen Neanüer verbirgt fich cin einiaermaßen bekannter volks»
wirtschaitlicher Schriftsteller. Scin dreraltiges Lustsviel nerknuvit volks»
mirtschastliche Belebrun« mit einer Art gebobener Operettenbandlirns,
Ein nicht eben kluger Fürst wuß über Lte Erlaubnis znm Bau cine«
nnaebeueren Talsverre entscheiden. Die Verteidiger wirtschastllchen Fortt
schritts und die Bertciöiger cingeschränkten menschlichen Glücks reitzen ib»
bin und ber. Sein Schicksal, mit liebensrvürdig-scherzcnder Jronie ge-
zeichnet, svieaclt unfer aller Müb«, im, Streit der Meinnneen nrrd!
Tbeoreme die Pilatussraae „Was ist Wabrbeit" ;n lösen. Di« Hcrin»
sübrnng an crnste Denkfragen angenehni cinzuwickeln, find die Liebes»
geschichten der jungeii Prinsessin, komische Situationen, Hypnotistevungen
nsw. bestimmt. Der gebildcte Jleund der Literatur liebt ein so zivie-
svältig zusammengebantes Werk mit Recht nicht sebr. Dem PuSliknw
bingegen, LaS den Ernst in der aeroohntcn siitzen Hülle willig schlückt,
wird wobl gcdicnt, zumal dcr kluge Kovf Ncander am allrn Banalen vor»
bcifchlüvft und durch eincn hiibschen Awfbau und wißige Situationen rechi
nett zu unter,balten weitz. Or. Vberburcl Kurtvr.

HochschulnachrichLen.

Der Privatdvzcnt iür Cbemie !n Frankfurt a. M, AlfreL M a g.
uns (bisber in Tübingcn) wurde anßerord. Proseffor. — Jm Alter vov
73 Jahren starb in Dresdcn Richard U l b r i ch t. Profestoi
an der Technische» Hochschule. — Dcr Vertreter Ler alten Geschicht,
in Berlin. G:b. Rat Eduard M e v c r, tritt zum 1. Avril znrück. —
Fur Jnncre Bkedizin babilitierte stck in Hamburv Hans KowiH mtl
cincr Vorlesung „Ueber d!e Einwirkung der endokrinen Organe auf daS
Wachstum". — Das Ertraordinariat fiir Untcrsiichungen mit Röntgci«,
strahlen in Verlin foll in ein Ordinariat Mr Strahlenforschung umge-
waiidelt und mit cinem Jnstitut für Strahlentberavie verbundcn werdcn
Rls Leiter ist dcr außerord. Proscffor in Frciburg Waltcr F r i e d r i ck
auserseben. — Der vrd. Profeffor Ler Botanik und Dikektor des vslanzen-
vbvsiologischen Jnstiiuts Berlin Geb. Reg.-Nat Dr. Gottlieb Haber-
lanLt triit airi 1. Avril zuriick. — Dcr Privatdozcnt in Königsber «
Josevb Akilllcr-Blattau erbielt Lchrauftrag für Biustkmisscnschaft

— Rcchtsanwalt Dr. Friedrich Lange in Kiel crbielt Lcbrauftrag süi
Zivilprozetz und Konkursrecht. — Dcr Privatdozent sür Acograpbii I«
KünigsbergH. Mortensen «rbielt Lebraiistrag für Lkartogravbie,

— Dcr antzcrord. Profeffor in Götttnae» Panl Bcrnavs erhiell

Lebraustra«, .iür unatüematrsche Lvlllk. . ^
 
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