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Badische Post: Heidelberger Zeitung (gegr. 1858) u. Handelsblatt — 1923 (Januar bis Juni)

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https://doi.org/10.11588/diglit.15611#0203
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!^s!°

eine N o l k s a b st i m m u n st zur Voraussetzung
' und stellt eine neue Denischrist in Aussicht.

!«^'e

^en '^lchen Anstrengungen in Lausanne, zu einem Frieden zu
>s-l>ech,„ >?>e>"dn auch den reoolutionären Staatsmännern
r^lkn' ^ " d 2 Anlatz zu geben, im eigenen Hause Ordnung zu

>,? loll > ^ de: rcvolutionären Vergangenh.it aufzuräumen
Lausaune anwesenbe Oberst Plastiras an das
^omitee telegraphiert haüen, Veniselos halte den
der qegenwärtigen griechischen Regierung siir
notwendig. Er sei der Nnsicht, datz ein neues


l»' werden müsse unter Ausschlutz aller Mitglieder

Nqg, E"onären Komitees. Ferner halte er es fiir notwendig,
->» > osm ALIcbliiü des Friedens Neuwahlen vorgenommen

dsm ALschlutz
^e°H?k!^hende

Abänderungsvorschläge zü dem Vertragsentwurf
üd-'^cem n drei allüerten Delegationsführer Ismeü Pascha.
IjA Ae--„.. .. Alliierten noch zu Verhandlunaen über dre türki-

V adnxr.'s.7^ ""-'ioroerungen an Griechenland Lereit, die urfprüng-
k?« ds» wsicen sollten, sowie zu Aenderungen technischcr Art
W^^tsilungsplan der ottomanischen Tchulden. Der Plan
i-z A'?erbiitzung Uusländer im HeiMatland wurde fallen
^4ra',i^b Allierten verzichten ferner auf die Heeresbefchränkung
tzi.TE"'wätzrend fie die tllrkische Forderung nach einer jZarnison

cn "f'. unberücksichtigt lassen. In Ler Mossulfraqe machen
-g„.te!ne Zugeständnisse. Jsmed - Pascha erklärte. auf
"uusrten Vorschläge noch Samstag abend


die
die

antworlen zu

KMose Servchke.

tLon unserer Bsrliner Redaktic
r Cz . ^ Berlin, 2. Februar.

I>ed '->Na - lelbstverständlich, daß in diesen Tagen politischer Hoch-
Hinblick auf die scheinbare Jnaktivität der Regierlmg
an der Ruhr gegenüber allerlei Eerllchte aufsteigen,
^ulnis der wahren Absichten Ler Regierung Leruhen nnd
ist ^ts^Manöver gewisser iniereMerter Krsise anzusehen sind.
Eejj^ t Fall bei den Eerllchten, die neuerdings wieLer von einer
v'ss? der deutschen Regierung zu Verhandlungen mit Frank-
tz -^wollen. All diesen Eeriichten lann von vornhsrein die
Tpitze abgebrochen werden, wenn man sich die Schlug-
V.?>i ---^Aärung vor Augen hält, die Reichslanzler Dr. Cuno
«Iz Hch holländischen Journalisten abgab. Er erklärte

abgab.

von Verh-andlungen nicht eher die

nach.

Rede sein könne,

V ^is'j,- - __

s^" ranzosen das Ruhrge b i e t verlaffen halem
" Xpz .funach nicht mehr im Zwsifel LarllLer fein können, üatz es
>i^ Uberhaupt kein Eegenstand einer Unter-
ist. o ü und unter welchen ^sdingungen das
lEA wieder geräumt wird, datz also diese Frage selbst über-
^ als Handels- oder Tauschobjelt gegenllber anderen For-
' und Zugeständnissen in Betracht kommt, sondern dasi der
^Nii ^n Verhandlungstisch übitrtzaupt erst dann geian wer-
'Msi-ü-Uienn die sranzösischen Tanks wieder über d-ie Rhünbrllcke
tzs DjE UU woidcn stnd.

i«s) 'u stch jn Berlin vollkommen darllber klar, datz es sehr viel
Whltij 'Uusdauer kosten wird, diesen Standpunkt unerschiitterlich
aber man weitz ebenso wohl, datz uns gar keine andere
' da wie der Reichskanzler betonte, die Folgen eines
zxiktz-Uens eoenso schlimm wären wie die Ruhr-
HÄHü " u g s e l bst. Autzerdem aber hat man hier die starke Ueber-
>>em unerschiitterlichen Willen der ganzen Nation,
Aeispiel Ler Ruhrbevölkerung in der Durchfllhrunz Les
!tz,,M^'UvwLhrrrieges nicht zurückzubleiben. Aus dieser Methode
^-hr werden wir uns jedoch in kerner Weise zu irgend-

e>i

g r ess i v e n Schritten hinreißen lassen, so sehr das
^-Nde Verhalten der Franzosen mitunter den Gedanken daran
könnte. Der einmal eingenommene Standpunkt, datz
von seiten des Eegners verübten Bruch des Friedens-
nicht der Kriegszustand wieder hergestellt


, VU-. ^ ovrieUsgu,iaiiv ll-ieovr pergepeai

' ebenfalls unverändert aufrecht erhalten. So sehr auch

mkn - stimmung in einigen deutschen Städten in Auswallunq

»>Aien'7x>Ummung
und mit

einigeit
wie tiefer

eutschen
Mitzstimmung

Auswallung
man auch die An-

t^''r j," ^er gegnerischen Kontrollkommissionen und sonstigen Ver-
tzi, diq^.leindlichen Staaten bei uns im jetzigen Moment beobach-
m'eii hl.tzo würde man es doch für einen politischen Fehler
T?!jiz!llienz wenn die Regierung etwa dazu llberging, die diplo-
tzÄl^Aen Beziehungen zu den beiden vertragsbrllchigen
tzÄijch,^ o llständigabzubrechen. Es mutz uns immer die
bleiben, die zahllosen Rechtsbrllche, d.ie mit der ge-
, Besetzung des Ruhrgebicts verbunden sind, bei ihren

...

nicht


jq' sblbst zu inonieren unü Siihne dafiir zu fordern. Es
in der Linie Ler Leutschen Politik, von stch aus die

ihA siK^. Noch weiter zu verschärfen. Der Erfolg dieser Method?
V» ok?^^ fHon Ü^uz deutlich Larin, datz die Franzosen sich auch
" .- C?r!^^Aichen Meinung der neutralen Staaten mit Leispiel-
-iihx^chwindigkeit und Eri-indlichkeit ins Unrecht gesetzt haben,

die Presse, zuletzl noch in einem HLchst bemerkenswerten
n -Tiwes", ausreichenv Aufschlutz gibt.
holitjschen Kreisen Berlins ist man weit davon ent-
em 'sus diejen Meinungsäutzerungen optimistische Schlüsse auf
i,,.?ei! L'Ses baldiges Eingreifen Ler angelsächsischen Regierung
li^ Sj- vUhrkonflikt zu ziehen. Man weiß, datz Presseäutzerungen
t«!iq ^rungsbeschliisse nicht gleichzusetzen sind. Jn der Tat hat
..»iv. "Uch, besonders soweit die englische Regierung in Betracht

«»it .. .

»o ch nicht der leiseste Änhaltspunkt ergeben,
^-ubinett Bonar Law sich zu irgendwelchen aktiven Matz-

»i« ^ Aogenllber dem französischen BunLesgenossen entschlietzen
>»!, !>u - die Entwicklung der Dinge in Lausanne ist noch
».„srijlü-Unllbersichtlich und scheint doch noch zu einer Einiguna
,°>ss»?° der Entente zu fül .. -

der Entente zu führen, als datz für nns daraus ein irgend
Iiutzen zu erwarten wäre. E u n st i g e r beurteilt man
"er unterrichteten Kreisen die Haltung der Ameri-
v-> s ij ^ obwohl uns von Washington aus bis jetzt noch keine
dn >e>n ^'chen Beweise dafür gegeben wurden, datz Amerila
° »vtw^ Derantwortlichkeit an Len jetzigen Zuständen in Europa
jjr CZ^Udigen Konsequenzen zu ziehe'n gedenkt.

^leiht uns als Helfer von autzen eigentlich

Richtung hin reälisierbar, aber man wird beachten

niemand
Die Hoffnung, die
im Augenblick zwar

uns als Helfer von autzen
w wirklich ernst zu nehmen wäre.
k U-elen Kreisen aus Rutzland fetzt, ist

°q 'M - V '"

>-utz seit der Ernennung des deutschen Botschafters, Grafen
. ex °»lf - Rantzau die Käden zwischen Moskau und Berlin
j^ii j,Ioworden sinü, als es zur Zeit des allgemeinen Mitztrauens

d-Ä

«st^d,

ijM bolschewistische Regierunb der Fall war. Iedenfalls darf
Eschn,. Faktor aus der zukünftigen deutschen Politik nicht

in^^Et werden, und das mird auch denjenigen ein Trost sein,
if besonders ar ' ^ " - " "

s?dipjs. bchond ers grotzer Sorge fiir die kommende Zeit eventuellen
-°uen an den Erenzen von Polen oder Ler Tschccho-
q CZ aiik^-Eu^egensehen.

-»l die geistige Einstellung der.ganzen Nation

Ii°it^u Ah^bhrkampf, die wir'jetzt erreicht haben, auch
Uin vor Erschiitterungen zu bewahren. Um so vsrwerf-

es, wenn

Erschiitterungen zu bewahren. Um so verwerf-
K werj: Menn — anscheineiid zum Zwecke von Börsenmanövern

Umlauf gesetzt werden, als ob eine parlamentarische
!>sU Uegen Las Kabinstt Cuno im Eange sei, mit dem Ziele,


des

Kabinstt _ __

-^en Reichsbanzler Dr. Wirth wieder an die Spitze
»UdiE- i - uEllen, angeblich weil dieser ein besser gee'gneter Unter-
b»; Es muk auf das Nachdrllcklichste betont werden. ^daii es

bej >; i ">"v -

K'N Mpi?>?ui Gerllcht um einen schamlosen Schwindel han-
^/°'!e d-die Zentrumsminister im Kabinett, und die weitesten
Äeir fiud entschiedene Vertreter des Kurses,

d, »u i-H. u o verfolgt. Kein ernst zu nehmender Politiker denkt
, °-ue Krisis herbeizuführen, fllr die niemand die Verant-
^u» !„s,"uguu, und von der niemand einen Nutzeii erwarten kann.

^ !ran>'-"! ^ i^tzt wirklich ein Beispiel am Feinde nehmen.
^ Kammer gibt ihrem Ministsrpräsidenten Poincare

n-»cht s- ^ruKum llber das andere, und damit Blankovoll-
»A,t die WeiterfUhrung einer Politik, hinter der bei weitem
^^Uz-^unze Frankreich in gleicher Eeschlossenheit steht, wie das
-Leutlchland hmter der Politik Les Kabtnetts Luno. Eerade

die heutige Eeschäfisordnttngsdebatte im Reichstag, bei der die
linksstehenven Parteien absolut nicht damit einverstanden sein woll-
ten, datz in der kommenden Woche die Regierung das Heft allein in
Äer Hanü habe, legt den Eedanken nahe. Latz der Reichstaa sich besser
davon llberzeugen sollte, Latz, wie es aiuh in Frankreich geschieht,
zur Fllhrung der Politik in so kritischen Zeiten einige wemge Ver-
Irauensmänner der ganzen Nation weit gseigneter sind, als eine
Körperschast von llber 400 Köpfen.

Man kann. w'e dis Dinge liegen, zum Kaüinett Tuno
heuts ein grötzeres Zutrauen haben, als zu dem R e i ch s-
lag, der sich schon mehr als einmal in kritischen Perioden mit
seiner Schwerfälligkeit und Uneinheitlichkeit eher als
Hindernis denn als Nutzen sllr die Eesqmtpolitik erwiesen hat.

politische Tagesschau.

Wegcn Vcleidigung des ReichspcüsiLenten verboten.

Das kommunistischs Organ, die „Miinchener Neus Zeitung",
wurde wegen Beleidigung des Reichspräfiöenten
verboten.

Kabinettswechsel in Australien.

Reiiter meldet aus MUbourne, datz der Premierm'nister
Hughes zurückgelreten fei. Sein voranssichtl'cher Nachfolger w.rde
»er Leiter des Bundesschatzamtes, Bruce, fein, der sowohl die
Nationalisten- als auch die Agrarpartei bei den Wahlen gegen die
Arbeiterpartei gefllhrt habe. Bruce ist Lereits acht Jahre lang
Premierminister gewesin.

Franzvstfcher Sozialistenparteitag.

Der zwanzigste Kongretz der sozialistischen Partei Frankreichs
ift in Lille zusammengetreten. Auf der Tagesordnung stehen: l. das
Problem der Rerarationen und Besetzung desRuhrgebietes,
2. die Wiederherftellung der internationalen sozialistifchen Einhsit
autzerhalb der dritten kommunistischen Jnternationale, 3. Wahltaktik.

LetzteRachrichtm

gjlie neue Mrtzrerlifie.

Drutschlands Protest gegen die Ausweisungen.

Verlin, 3. Februar.

Dis deutsche Regierung beauftragte ihre Verireter in Paris.
London und Brüsscl anlätzlich der weiteren Ausweisungen deutscher
Bcamter und deren Familien aus dem besetzten Gebiet, der sranzösi-
schen, belgischen und cnglischen Regierung folgeude Protestuote zu
überreichen: Die Jnteralliierte Rheinländskommission ordnetr neuer-
dings solgende Ausweisungen von Beamten mit Familie aus
dem besetzten Eebiet an' Polizeiprüstdent Frhr. Korff in Aachcn. —
Obsrreoierungsrat v. Wedel-Parlaw, Wiesba-den. — Landrat
Dr. Varain, Damen. — Landrat Scheuern, Unterlahnkreis. —
Landrat v. Trotha, Untertaunuskreis. — Landrat Nr>e-
woehner, St. Goarshausen. — Regierungsrat Bertsch, Äms. —
Regierungsrat Dr. Basten, Aachen. — Reqiernngssekretär Ven-
derbcl, Ems. — Negierunassekretär Schalloehr, Ems —
Aegierunassekretür Broese, Ems. — Regierungsassessor v- Dom-
bois, Kreuznach. — Zolldirektor Hornickel, Wiesbadcn. --
Zolldirektor Rieger, Ludwigshasen. — ZollraL Kost, Kaisers-
lautern, — Zollrat Stern, Landau. — Zollrat Hellwig,
Bingen. — Zollrat Rosenbrock, Düren. — Zollrat Doerr,
Worms. — Oberzollinspektor Bäumer, Worms. — Zollinspektor
Votz, Trier. — Oberzollsekretär Kotprba, Prllm. — Oüerzoll-
sekretär S o m m e r," Prllm. — Regierungsforstrat Waoner,
Trjer. — Forstmeister v. Kempis, Katzenellenbogen. — Forstmcister
Müller, Nassau. — Oberförstcr Krosch, Diez. — Bürgermeister
Hill, Alzey. — Stadtsekretär Bistram, Rheinbach. — Haupt-
schriftleiter Eorrenz, Wiesbaden. — Ein Angestellter der Neichs-
bank in Aachen namens Terienne.

Jm Auftrage meiner Regierung lege ich auch gegen diese rechts-
und vertragswidrigen Matznahmen der Interalliierten Rhsinlands-
kommission Verwahrung ein. Eine Abschrift des Protestes wird der
Interalliierten Rheinlandskommission in Koblenz durch Len Reichs-
kommissar fllr die besetzten Eebiete überreicht. ^

Süie neue ftanzösffche Slnttat.

Beschietzung von Meiifchenausammluiigcn. — Neun Tote. — Folgen
srmrzösischer Unsähigkeit.

In Weisenau bei Mainz flnd infolge der Unsähigkeit der
Franzosen zwei Züge, die von französischen Cisenbahnern gesahren
wurden, zusammengestotzen, ein Hilfszug entgleist. Jn Ingel -
heim ist ein Zug ebensalls entglcist und umgesallcit. Die fran-
zösische Soldateska hieb und schotz auf die Menschen-
ansammlnng ein: es hat neun Tote gegeben. Dic Cisenbahner
haben die Forderungen ausgestellt, dah sämtliche Posten aus dem
Bereich der Bahn gezogen werden sollen, datz keine Berhastungen odcr
Ausweisungen erfolgen diirfen, ferner, datz die verhastcten Saboteure
in Freiheit gesetzt werden sollen. Bis auf den letzten Punkt sind die
Forderungen bewilligt, ein Zeiche«, datz die Franzosen ihre
eigene Unsähigkeit einsehen.

Der Bahnhof HSchst von de» Franzvsen Sesetzt.

Der Pendelverkehr nach Höchst—Hochheim ist infolge der Be -
setzung des Bahnhofs Höchst durch die Franzosek am
Saprstag mittag gefperrt worden.' Die Frankfurter Eisenbahn-
direktion hat dafür einen

Pendelverkehr Franksurt—Gricsheim—Nied

eingerichtet. Reisende, deren Ziel Limburg ist, mllssen von Nied aus
zu Futz nach Kriftel, von Lort verkehrt die Bahn nach Limburg.
Andere Möglichkeiten, nach Limburg zu gelangen, bietet die Be-
nutzung der Strecke Homburg—Usingen—Weilburg oder Eietzen—
Weilburg. Trotz der Umänderungen, die ihr Ende noch nicht er-
reicht haben, wickelt sich der Betrieb äutzerst glatt ab.

Höchst soll sranzöstscher Zollgrenz-Bahnhof werden.

Wie bekannt, haben die Franzoscn in den letztön Tagen damit
begonnen, die an der Erenze des vesetzten und unbesetzten Gebietcs
gelegenen Bahnhöfe zu Zollgrenzbahnhöfen planmätzig zu entwickeln.
Der Bahnhof Höchst a. M. bildet offenbar e>n Glied in dieser Kette.
Hier haben die Franzosen, wie wir von unterrichteter Seite erfahren,
am Freitag nachmittag einen aus dem besetzten Gebiet kommendcn
und zum Teil fiir das unbesetzte Eebiet bestimmten Güterzug an-
gehatten und die Herausgabe der Begleitp'apiere von dem Eisenbahn-
personal verlangt. Eetreu den Weisungen des Reichsverkehrsmini-
sters, bei der Einrichtung ber Zollgrenze nnter keinen Uinständen
mitzuwirken, hat das Personal geschlofsen das Ansinnen
der Franzosen abgelehnt. Diese sind darauf dazu über-
aegangen, dem leitenden Beamten in HLchst wie auch anderen Eiseu-
bahnern hohe Geld- und Gefängn-sstrafen für den Fall anzudrohen,
datz sie bei ihrer Wcigerung verharrten. Das Personal lietz sich
indessen nicht einschiichtern. Es schickte sich pflichtgemütz an, das Ver-
schiebegeschäst auszufllhren, sah sich aber bald gezwungen, das
Nangiqren einzustellen, da die Franzosen es mit Wafsengewalt ver-
hinderten und das Personal bedrohten. Das gesamte Personal des
Bahnhofes Höchst hat gegen dieses Vorgehen Einspruch erhoben.

Am späten Abend, nach Abgang des letzten Zuges, besetzte
eine starke französische Wache den Bahnhof, sperrke
den Zugang zu den Bahnsteigen und entsandte Wachcn mit ausge-
pflanztem Seitengewehr nach den Stellwerken und anderen Vetriebs-
stellen. Samstag friih wurde dem Personal der Zutritt zu den
Diensträumen oon den Franzoscn untersagt. Jm Lau«e dos Vor-
mittags hat deshalb das Personal des Vahnhofs Höchst beschlossen,
den Bsbnb°f nm 1 llbe st:llLuck»LS--

Fremdherrschaft.

Wir littcn menschlich seit dem Tage,

Da jener Fremdling eingerückt:

Wir rächten nicht die erste Plage,

Mit Hohn äuf uns herabgeschickt-
Wir ubtcn nach der Göttcr Lehre,

Uns durch viele Iahre im Verzeih'Nt
Doch endlich drückt des Ioches Schwere
Und abgeschüttelt will es sein!

(Kleist's „Hermannsschlacht".)

(Wiederholt, da nur iu einem Teil der gestrigen Auslage.)

Aas Aotgrfrß.

Einstkmmige Annahme im Reichsrat.

Bon unserer Beriiner Redaktion.

Bsrlin, 2. Februar.

Dsr Reichsrat. beschäftrgie stch hcute nachmittag mit dem aus
Aulatz der Ruhrossetzung vou der Reichsreg'erung eingebrachten
Notgesetz. Dieses besteht aus sieben Artikeln.

Ärtikel 1 nimmt einige Bestimmungen aus dem En'wurs
eines Schankstättengefetzes vorweg. Hinsichtlich der Bsdürf-
nisfrage wird allgemein bestimint, datz Lie Erlaubnis nur dann
gewährt werden kann, wenn ein Bedürsnis nachgew'esen ift. Weiter-
hin werden Bestimmungen über die P o l i ze i st u n d e getrosfen, die
von den Äusschüssen noch verschärft worden sind, um ihre llmgsi)ung
schwieriger zu machen. Die Strasbestimmungen der E wcrbeordnung
erfahren eine Verschärfung. Verbotcn w'rd, geistige Eetränke an
Jugendliche und au Betrunkene zu verabfolaen.

Artikel 2 ermächtigt die obsrsten Landesbehörden, in Zsitcn
einer autzerordentlichen politischen oder wirtschaftlichen Not und
Eesahr Vorschriftxn für die Einschränkung von Vergnu-
gungen und L u st b a r k e i t e n zu erlasien.

Ärtikel 3 will Schieber und Wucherer mehr als
Kisher in der Oeffentlichkeit an den Pranger stellen, in besondcrs
schweren Füllen wird obligat.orische Bekanntntachung Les llrteils in
der Presse angeordnet.

Ärtikel 4 übertragt dem Reichspräsidenten die Vefugnis,
in besonders kritischen Zeiten den Patzzwang einzuführe)i, ebenso
den Sichtvermerlszwang.

Artikel S bezweckt, Len aus dem besetzten rhsinischen und
aus dem besetzten Ruhrgebiet ausgewiescnen deutschen Reichsange-
hörigen und i'hren Familien ein Vorzugsrecht vor allen
andepen Wohnungsuchenden cinzurüumcn. Die Anord-
nungen der Wohnungsämter, die sich auf die Zuweisung von Woh-
nungen fiir solche DeririeLene beziehen, unterliegen keiner Kar-
rektur durch Las Misteinig'.masamt und können auch keine An-
fechtung mit Rechtsmitteln erfahren.

Artrkel 6 llbertrügt mit gewisscn Einschränkungen diejenigs
Eesetzgebung. die erforderlich ist. um einem Erfolge des Ruhreinfalls
unter der Bevölkerung nach MLglichkeit vorzubeugen, der Reichs-
regierung.

Nach dem A 'rtikel 7 soll das ganze Gefetz mit dem Tage seincr
Verkllndung in Kraft treten.

Das Eesetz wurde von der Vollversammlung Les Reichrates
ernstimmig angenommen.

peiscares RSrderbanden.

Essen, 2. FeSr. Heute nachmittag fuhren zrpes Vekgssche
Soldaten au? der StratzeNbahn auf der Sirecke von Oberhansen
nach Essen-Borbcck. Die beiden Sokdaten zeigten dem Schafsner
Bons, auf die fie fo.hrcn wollten. Der Schassner verlangte, datz fle
Stratzenbahnfahrkarten lösten. Als die Soldaten sich weigerten,
dem Folge zu leisten, sollten sie abgesetzt werden. Darauf ariffen
beide zu Schutzwasfen, verletztcn den Fiihrer schwer und
töteten einen unbeteiligten Fahrgast, nämlich den
Schuhmacher Stockhorstaus Essen. Die beiden belgischen Svldaten
wurden von der deutschcn Schutzpolizei sestgenonimen. — Z«
dcr Erfchietzung des Bergarbeitcrs Haumann in Brechten er-
klärt die VesatzunasSehörds, dcrtz Hanmann nach Art der Betrunke-
»en flch an den sranzLstschen Pollen heranmachte. Diescr habe nach
zwcimaligem eraebnislosen Anru? von der Schntzwaffe Gebrauch ge-
macht. Dic Aussagen der deutschen Zeugen dagegen besagen, datz
Haumann, der wenige Minuten vor der Erschietzung von der Woh-
nung sortgegangen war, durchaus niichtern gcwcsen sei. Auch
haben die in der Nähe des Tatortes besindlichen Personen von
einem Anruf durch den Posten »ichts gehört. Der Amtmann
und der Landrat haben um sosortige Ablösung der Truppen
crsucht.

Ein erfolgreicher Proteftstreik.

Dortmund, 2. Febr. Der Amtmann Wiethoff in Solingen
ist gestern von den Franzosen verhaftet worden, weil er sich weigerte,
den Franzojen Brot zu liefern und auch andere Befehle der Fran-
zosen ignorierte. Als Protest gegen die Vcrhaftung sind hsure
lliorgen alle Zechen, Geschäfte und Wirtschaflen, wie auch die Ver-
waltung der Post und die Schulen in den G e n e r a l st r e i k ge-
treten. Darauf ist der Verhastete heute nachmittag wieder freiqe-
lassen worden.

Ein deutscher Karrfm«mrr vor dem Kriegsgericht

Essen, 2. Febr. Heute nachmittag fand in Weitmar bei Bochum
eine Kriegsgerichtsverhandlung gegen den Kaufmann Wehmar
statt. Wehmar hatie sich geweigert, an die französischen Be-
satznngstruppen Konserven und Käse zu v e r k a u f e n. Dis
Verteidigung wurde oon dem deutschen Rechtsanwalt Grimm
kostenlos geführt. Französischerseits wurde eine Eeldstrase vpn
200 600 Mark verlangt. Das llrteil lautete aus 1 50 000 Mark
E e l d st ra f e.Das Urteil bildet einen Beweis dafllr, datz die
Franzosen entgegen der Ankiindigung der französischen Besatzungs-
behördcn auf diese Weise auch vor einem Eingriff in die
Lebensmittelvcrsorgung des Ruhrgebietes nicht zurück-
schrecken.

. Die MhrbeseHung in Lleberfee.

Eine kubanische Firma richtet folgendes Schreiben an ihre
Frankfnrter Eeschäftssreunde: „Durch die Weltpresse erfahren wir
die Besetzung der bestcn Minen- und Industrie-Gebiete Jhres Landes
durch die s r a n z ö s i s ch e n - K r i e g s h a u f e n. Da wir nichi
zweifeln, datz diese Aktion die Produzenten und Jndustriellen Ihres
Landes schwer schä-digt, möchtcn wir gern wissen, ob wir fort-
fahren sollen, hier die Erzeugnisse Jhres Landes weiterhin anzu-
bieten. Wir bcdauern dieses Vorkommnis aufrichtig und als ireie
Männer. die wir sind, protestieren wir gegen ein derartiges Vor-
gehen, welches ein Attentat gegen hie Freiheit der
V o l k e r bedeutet."—Nach einem im Hambürg eingegangenen Kabel-
telegramm aus Tokio versuchten die Delegätionen von übcr Lieitzig
japanischen Gewerkschaften vor der französischcn Botscbaf't
in Tokio gegen die Besetzung des Ruhrgobiets zu demonstrirren. Die
Ansammlungen wurüen von d'er Polizei zerstreut

HeidelSergsr Strafkammer.

!I Hcidelberg. 3. F-edr. Wcs-n sch-wcren DiebstcchlA und Hchlerer er-
hielten der Flaschncr Leonhard Nenker von Nürnb-er^ riier Jahre
Zuchthaus und drei J.ahre Ehrverlust. Kutscher Max Schuellinaer
von München 7 Mouate Gcfän<mis. Es handclt sich unr den Einbruch in
dcrs PhotogrcrHhengcschüft in der 3e0hrbachstra>tze. — Weaen Diebstahls
und Beraehcns gcge» daZ Svrenbstossgeietz murden verurteilt: Gcorg
Petcr v. Westsrbageti von L'aldmichelbach zn acht Mmwten Gciang-
nis. Geong B r a u n. Tavlobner von Watdhitsbach zu lechs M-vnaten
 
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