Universitätsbibliothek HeidelbergUniversitätsbibliothek Heidelberg
Metadaten

Badische Post: Heidelberger Zeitung (gegr. 1858) u. Handelsblatt — 1923 (Januar bis Juni)

DOI article: DOI Page / Citation link: 
https://doi.org/10.11588/diglit.15611#0255
Overview
loading ...
Facsimile
0.5
1 cm
facsimile
Scroll
OCR fulltext
d.

13. Fcbruär 1823.

ÄnI

d,.'°/e!er Br Gcheimral NiNsr SMchmidt,

di>?"heim Hcim der Ioiefme und Eduard ron
ML»p - l'-stung. d«m ehemaligen Nrinz Weimar-Pala s,
z,.">iais °'"e grotze Schar von Freunoen und Schiilern des

Bc-ir>°'"°^ erhebenden Feierstunde. Nachdem Musikdirektor
lh, nn^e>ens ,L>ic Himmel rühmen" vorgetragen hatte, über-
tz^Pfejs^tts des engeren Kreises der Mitarbeiter Professor
T Mchn-.s.l/» die Elückwünsche, indem er zugleich ein Wert mit
1-'>üu»„ Abhandlungen aus allen Gebieten der von der

T» k. ,^!cha,jenen und unterstützten Forschungslnstitute über-
vn^'P'-^t Eoldschmidt danlte darauf in herzlichen
Ä bab anfchliehend daran ein Bild der Entwicklung und

!«- vie äsiEiete, deren Förderung im Anschlutz an die Universi-
'i» ^se qn> g angele<;en sein läht. Fiir viele waren zweifel-
ss,!, Sewnisi^tteilungen geradczu überraschend, denn sic enthüllten
itilatin«*? . ^tück deutscher Wissenschaft, aber auch deutfcher
Lnvs'-.übleistung und Opfermutes. die trotz der Ungunft der
i»» ,^is!evi»^- ttnd selbstlos zugleich einfetzt für deutsche Kultur-
tlnivgMajtspflege. Die Stiftung will überall dort helfen, wo
». Co ^ ^at aus Mangel an Mitteln nicht sslbst eingreifen kann.
M^Ndc i^tt nn Stiftungsheim die Sinologie und die ver-
>i?5k, g-.I l« wische Philologie ein Heim gefunden. Prae-
sf?.l>er Osm?"Sraph'e und Volkskunde, aber auch Boianik hinsicht-
blchutz „"^lur und Versuche mit künstlichen Düngemitteln, feruer
und Zoologie durch Schaffung eines Vogelfchutzparkes am
lAk, no.^halten Pflege und llnterstutzung. Eoldfchmidts Spezial-
»>Me a-^uallographie und Mineralogie, Kristalloptik und minera-
lsMt ^^wre, werden durch Sammlungen, Laboratorien usw. er-
Asi?r hj, lortgeführt. Da es auch gelungen ist,, für alle diese
u>li,„ °.Seeigneten wissenfchastlichen Kräfte zu finden, ist die
tz ^ep wissenschaftliche Heimstätte von hohem Wert.

eiten Teil des etwa l/-stiindigen Vortrages bildete e!n
Ids,7<t, uber mufikwifsenschaftliche Forschung, ein
V»tii^' dem Eeheimrat Eoldschmidt durch die Entdeckung und
Ttr^er pvrmulierung bestimmtcr. aus der Kristallographie ge-
1-,!"»^. „ dsetze Bahnbrechendes geleistet hat. Deshalb soll Ler
Ileii?U. u°ch ein phonetifches Institut angegliedert
hj.^eis-,u der Hand von Beispielen, einer altgriechifchen Erab-
iij» hst einer Troubadourmelodie von 1240 zeigte der Redner,
M,>hl„?sUtwicklung der Musik von der Atonik über die Diatonik
"»Mik läuft und wte die Aufgabe der Zukunft sein mutz, die
v^NdHarmonie zu führen. Dieser Teil war übcraus
sesielnd. so datz er zum Vedauern der Hörer viel zu
^oiiku!,!?t war. Mit «inem prachtvollen Elaubensbelenntnis an
' l. ber deutschen Wissenschaft schlotz Eeheimrat Eoldschmidt
li»> ^i>l 'iL urn,fsch»m Beifall aufaenommene Rede.
^'"«„'^orzhaftes Spiel, von sieben „Farben" aufgeführt, die sich
!»° ftritien, schtotz l-ch au. Sie e'inigten sich aber in

^atz ber Iubilar fein künftiges Leben in „Harmon e
^rerjj^plilationen" führen möge, eine veizende Anfpielung auf
>iiii Hauptwerk Eoldfchmidts. Die ganze Feier stand unter

b E der bezwingenden Perfönlichleit Eoldfchmidls und


allen Teilnehmern bleibende Eindrücke.

-tr.

l-. *

Dr. Coldfchmidt wurden anlätzlich seines 70. Geüurtstages

wotolchmrdt wuroen aniaglill) jeines
N.^^ene Ehrungen zuteil. Zu den Eratulanten gehorten
ische Regierung und die Universität, die durch den
Ä- Dr. Anschütz ihre Wünsche überbringen lietz. Durch
^>!> alomon erhielt der Zubilar im Namen hiesiger und

Am Sams
statt.

k bchüler eine runstvoll ausgeführte Adresie. Am L
^ sand eine intime Feier im „Schiff" in Neuenheim

Wohnungsnot und Wohnungsbau.

-> ^ ?°ueste Heft der „Statistischen Mitteilungen llber
f-.'-e», vom Badischen Statistischen Landesamt herausgegeben
i!"tgt eine interesiante Zufammenstellung über di« Tau-

>'»>>^a»k'' Baden im Iahre 1922. Darnach sind 1922 nach Angale
»Strolleure 7695 neue Wohnungen durch 3602 Neubauten
>r>t s .Unibauten erstellt worden. Durch Brand, Abbruch steht
ein Abgang ron 437 Wohnungen gegenüber, so datz e n
^t.'^.pluungszuwachs von 7258 festzustellen ist. Das ist e.ns fehr
:N^-^?rte Leistung. wenn man ihr di« Neubautätigteit in Len
' ^iahren und felbst diefenige im Iahre 1914 gegenüberstellt.
' vorliegenden statistifchen Aufzeichnungen beziffert sich der

b Ueuen Wohnungen im Iahr 1914 auf 5114, währcnd in

... — — . .... ....


Igig':' I7i2'"ig2ö7 4636"und 1921: 5351 Wohnungen neu
!»?»s '"b. Datz die erwünschte Entlasiung des Wohnungs-

jll»^» v cht erzielt werden konnte, ist neben dem Umstand, datz
V'si.^»'«osjayren fo gut rvie ülerhaupt nicht gebaut wurde,
ZlK>»° tuck-vführen. datz sich der Mohnungskedarf infolge der
di,Ehefchlietzungen gewaltig gesteigert hatte und datz nicht
Vk>l».fch den Zusirom von Auslanosdeutschen und Angehörigen
^"li^tu' -- -- - - - " - - «—» -

L'.,'«.. ...

V Dreizimmer-, 2089 (27,2 v. H.) Vier-
(5.0 v. H.) Wohnungen mit sechs un
H» °H»Z> "nd die Möqlichkeit der Neuherstellung von Wohnungcn
vkl>° wrötze, hauptfächlich von Dreizimmerwohnungen, sind also
V»t,I»*schendsten. So erwiinscht es an sich auch wäre, diese
in Zul

;>itz'"'No.sgeLiete (Elfatz-Lothringer) Daden als Erenzland ganz
fbelastet wurde.

lS,r den-7695 gemeldeten neuen Wohnungen befinden,stch
S-) Einzimmer-, 1518 (19,7 v. H.) Zweizimmer-, 3519

^ ... " ' "'er-und Fünszimmer-,

und mehr Zimmern.

l


">sl"h

an stch auch ware,
Zukunit beizuLehalten, so vcrlangsn doch d-le autzer-

e» ? Sesiiegenen Taukosten gebielerifch, die Hunüertfätze zu-

^k i»t^ Ein- und Zweizimmerwohnungen zu verfchieben.

»!'>> ^id» grotzen Städten fteht die Wohn"noslautä>>v^>>
K.?» Sn" Erotzstädte Karksruhe mit 606 und Mannhe'm mit 585

^->"°hnungen an erster Stellej es folgen nach der Erötze dcr
Ä? »n?Aahlen geordnet d!e Städte Heidelberg mit 391, Pforz-
V» Freiburg mit 311, Lörrach mit 155, Offenburg mit 117.

. ^»"?igen 9 Städten mit 10 000 und mehr Einwohnern hat die
E», av^Skeit die Zahl von 100 Wohnungen nicht erreicht.

burch di« Wohnungserhebung auf 1. Ianuar 1922 für
Äi ^und festgestellten dringendsten Bedarfan rund
, ?»t>uungen konnte durch die Bautätigüeit im Iahr 1922
»kj II» Drittel — 29 0 v. H. — gedeckt werüen.

V»y„ uhuungfuchenden Haushaltungen überhaupt wurden
Me ^ser Landeserhebung auf l.Ianuar 1922 sür die 16 babiscken

^Ä„°?Lak«n.

Ein Vergleich dieser beiden Zahten ist je^och

^lch/weil in der Ausnahme auf 1. Januar 1922 die Tausch->
E°nthalten sind, während dies bei Ler Aufnahme auf
> "823 nicht der Fall ist.

»h»u ^uungeamt Mannheim verzeichnet auf 1. Ianuar 1923

I14W1, tgon
. 5.l.S80 (1355) usw.

>KÄe) " »! n g l i ch anerkannten Wohnungsgesuchen (ohne Tausch-
>^!» >r» n r»»u von ben Wohnungsämtern der 16 Städte am 1. April
Nii, »»s^"uitcn rund 11000. auf 1. Iani.ar 1923 aber rund 14 000
^»MgUahei-nd e!n Viertel (23,9 v. H.) mehr vorgemerkt. Diese
llM»p°".Vormerkimgen auf 1. Januar 1923 vertcilen sich auf die
A/l. siuiter wi-e folgt: Mannheim 7812 (gegen 6319 aui l-A-ril
'^urg 1231 (1059). Heidelbcrg 812 (560), Pforzhcim
» ^ A»! /onstanz 562 (518). Offenburg 540 (520), Karlsruhe 516
stz^i» Asal 127 (850), Villingen 325 (310), Weinheim 228 (125).
^?»»„ ^ulenderjahr 1922 konnten von den 16 bcrichtenden
'ÄsUilern insgefamt 10 675 Wohnungen zugewiefen
-Li« Zuweisungen betrafen 1216 (11,4 v. H.) Einzimmer-,

VeMatt ber Babischen Post

3765 (35,8 v. H.) Zweizimmer-, 3420 (32,0 v. H.) Dreizimmsr- und
2274' (21,3 v. H.) Wohnungen mit vier und mehr Zimmern.

* Der Landtag tritt am nächsten Mittwoch. nachmittags !44 Uhr
zu einer Plenarsitzung zusammen.

* Von der Univcrsität. Prof. Dr. W. Andreas von der Uni-
versität Berlin hat den an ihn erganaenen Ruf als Nachfolger
Onckens auf den Lehrstuhl für neuere Eefchichte in Heidelberg a n -
genommen.

* Reichspräfident Ebert wird voraussichtlich am Dienstag
anlätzlich seiner Karlsruher Reise seiner Vaterstadt Heidelberg einen
kurzen Besuch abstatten.

» Die Traucrfeier für Regierungsdirektor Stammtnger, den

von den Franzofen ausgewiescnen Leiter der Pfälzifchen Forstver-
waltung, fand am Samstag nachmittag unter sehr starker Beteili-
gung stait. Oberbürgermeister Walz und Forstmeister Krutina
vertraten die Stadt. Die bayerifche Reaierung hatte den Staals-
kommissar für die Pfalz, Gehsimrat Dr. Wappes, entfandt, der in
seinem Nachruf das Bild eines vorbildlich pslichttreuen Menfchen
und Beamten entwarf. Aus diefer wie aus allen anderen Aus-
sprachen ersah man die hohe Wertfchätzung, die sich der Verstorbcne
zu erwerben gewutzt hatte. Auch d!e Heidelberger Studentenschaft
war bei der Trauerfeier zahlreich vertreten. Vom Reichspräfi -
denten ist an den Oberoürgermeister ein Beileidsschreiben ein-
gegangen.

* Bankdirektor E. Heinemann f. Jn der Nacht von Samstag
auf Sonntag ist nach aanz kurzer Krankheit der Direktor der Rhei-
nischen Creditbank, Filiale Heidelberg, G. Heinemann gestorben.
Der Verstorbene war in früheren Jahren Jnhaber einer Pr>vatbank
vnd trat im Jahre 1914 in die Leitung der Nheinischen Creditbank
ein, die in ihm einen äutzerst gewissenhaften Veamten verliert.

* FLr die Ruhrfpende. Ein sshr erfreuliches Ergebnis hatte die
oom Bezirkslehrerverein H-ridelberg-Stadt veranstaltete
Sammlung für die Nuhrhilfe. Der Sammelstclle dss Badifchen
Lehrervereins konnten von hier 618 600 Mark abgeliefert werden.

- Die Heidelberger Akademiker veranstalteten am Samstag
nachmittag einsn Mannichaftslauf, der die Läufer vom Marstall über
die alte zur neuen Brücke und zum Ausgangspunkt zurück fuhrte.
Die Beteiligung an derartigen leichtathletischen Uebungen wurde
den hiesigen Studenten zur Pflicht gemacht.

* Die billigfte Stratzenbahnsahrt 3VV Mark. Die Heidelberger
Stratzcn- und 'Bergbahn A.-E. erhöht ihre Fahrpreise wiederum
oom 15. Februar an. Die neuen Preise sind aus dem Anzeigentsil
zu erfehen.

" Das Mieterfchutzgefetz. In der letzten Sitzung des Wohnungs-
ausfchusses Les Reichstags wurde das Mieterfchutzgefetz in zweiter
Lesung beraten und die ersten fünf Paragraphen nach dem Wortlaut
der ersten Lesung angenommen.

- Zulässige Werbungskostcnabzüge bei der bevorftehenden Steurr-
einschätzung. Obwohl der Hauptzweck der nun schon srit einigcn
Jahren in Kraft befindlichen Lohnsteuer darin besteht, eine Verein-
fachung des Steuerwefens hsrbeizuführen und eine Veranlagung
der Millionen von Angestellten und Arbeitern zu umgehen, macht fich
bei einem nicht unerheblichen Teil der Arbeitnehmer aus den ver-
schiedensten Eründen (Ueberschrsitung der Lohnsteuergrenze) von
400 000 Mark oder der Wcrbunoskoftengrenze von 12 080 Mark,
anderweitiges Einkommen von mehr als 5000 Mark, Einkommen der
Ehefrau, Krankheitsfälle usw.) dennoch eine solche Einschätzung not-
wendig. Da der Termin der Abgabe der Steuererklärung immer
näherrllckt, sei im Nachstehenden kurz auf die nach den neu-sten Vor-
schriften zulässigen Abzüge hingewiesen. Es können u. a. aekiirzt
werden: Beiträge zur Kranken-, Invaliden-, Angestellten-, Unf-rll-,
Haftpflicht-, Erwerbslofen-, Witwen-, Waisen- und Pensionsverstche-
rung, ferner zu Berussverbänden, sowie Kosten für notwendige
Fahrten zwischen der Wohnung und der Arbeitsstätte, sämtlich mit
dem vollen Betrage; Beiträge zu Sterbekaffen bis zur Höhe von
2000 Mark: Lebensverstchsrungsprämien sowie Sparkasieneinlagen,
die mit bestimmten Auszahlungsbeschränkungen als Ersatz für eine
Lebensversicherung einaezahlt worden sind, bis zur Höhs von 16 000
Mark: Veiträge zu wissenschaftlichen, künstlerischen, mildtätigen oder
gemeinnlltzigen (nicht auch politischen) Verein'gungen, so ern der
Einzelbetrag 200 Mark übersteigt. Lis zu 10 v. H. des Einkommens.
Wie der Eewerkschaftsbund der Angestellten (G. D. A.) wekter mit-
teilt, stnd auch die notroendigew Äusgaben für Lesondere Berufs-
kleidung, Verufsliteratur, Bewerbungsunlosten und alle sonstiaen
der Erwsrbung, Sicherung und Erbaltung steuerpflichtigen Eiu-
kommsns dienenden Ausgaben abzugsfähig ünd zwar mit dem nollen
Betrage.

* Postpakrtverkehr nach den besetzten Gebietc«. Wegen Störung des
Eisenbahnvsrl'ehrs werden Pakete nach bem bes tzien linksrheinischen
Gebiet vorläufig nicht angenommen. Ausgenommen von der Sperre
sind Lebensmittclpakete nach Köln und Vororten, nach
Brllhl (Vez. Köln), Bonn, Eodesberg, Andernach, Koblcnz sowie für
oie Strecke Köln-Aachen bis Buir (Vez. Köln) einschlietzlich. Nach
Orten des Oberpostdirektionsbezirks Aachen und nach dem besstzten
Leil des Oberpostdirektionsbezirks Darmstadt werden ebenjalls
Lebensmittelpakete angenommen.

* Wichtig für Briefmarkenfammler. Das Reichspostmin'sterium
versteigert zugunsten der Reichskafse vom 8. bis 10. M irz in
Leipzig im Auguste-Schmidt-Haus, Drssdenerstrahe 7, im Anfchlutz
an die dritte Leipziger Br'.efmarlcn-Händlermesse gebrauchte Vrief-
marken des Jn- und Auslandes (Deütsches Reich, Jsland, Nieder-
lande, Portugal, Nutzland, Schweiz) sowie nngebrauchte Postwert-
zeichen des Deutfchen Reichs (Reichspost, Eermania ohne Wassec-
zeichen) und der Karolinen (Briefmarken, Postkarlen der Schiffs-
zeichnung mit und ohne Wasferzeichen). Die Verlaufslose sind so
gebildet, datz sowohl Sammler wie kleine und grotze Händler ihrcn
Bedarf decken können. Um die Veteiligung an der Versteigerung
zu erleichtern, werden schrlftlichs Steigerungsaufträge entgegen-
genommen und kostenfrsj ausgeführt. Ein späterer freihändiger
Verlauf ist vorerst nur für die Postwertzsichen der Karolinen in
Aussicht aenommen. Die übrigen Vriesmarken werdcn später nur
infoweit freihändia verkauft, als etwa Bestände davon bei der Ver-
steigerung nicht abgef-tzt werden. Alles Nähsre Lber die Versteige-
rung enthalten die Verkaufsbedingungen mit dem Losverzeichnis,
die bei jeder Postanstalt eingesehen werden können und autzerdem
auf Verlangen von der Postamtlichen Verwertungsstelle für Samm-
lermarken in Berlin W. 66, Reichspostministerlum, gebührensrei
zugesandt werden.

" Dichterabende in der städtischen Lesehalle. Näcksten Sockntag
foll altmod-ifche Behaglichleit in schwerer Zeit erquicken. Heinrich
Seidel, der Dichtervater des „Lebcrecht", ist die Uelerschriit zu
dem von Stadtbiblivlhekar Zink ausgearbeiteten einleitenden
Vortrag. Aus den Merken Les beliebten Schriftstellers ist folgendes
ausgesücht worden, was Spiell-eiter Rudorf (Stadttheater)
rezitieren wird: Die gute alte Zeit, Cefpräch zweicr Mten: Die Mufil
der armen Leute, Idylle: Leberecht Hiihnchens Weinlefe, Charalter-
bildchen: Der Rcgulator, Märchcn: Wie der „Rofenkönig" entstand,
Erinnerung, und Der Zeisig,'Fabel. Die begleitenden Lichtbilder stnd
nach Wcrken von Nichter und Spitzweg angefertigt worden. Der
Kleinrentner wegen wird eine Saalgebühr nicht mehr «rholen, fon-
dern es ist jedem f r e i ge st e l l t, nach Bclieben einen Beitrag !n
d!e Sammelbüchse zü legen.

* Bewutztlos aufizefunden wurde in der Nacht vom 9. auf
10. Februar in der Bluntschlistratze ein Mann mit einer Verletzung
am H'nterkopf. Nach seinsr Verbringuna ins akademische Krartten-
haus stcllte sich heraus, datz er betrunken war und sich die Vpr-
istzung beim Fall zugezogen hat.

* Ein Brand. Jn dem Maleratelier eines Haufes der Rohrbach-
stratze ensitand auf bis jetzt unaufgeklärte Weise ein Brand, der
einen Eebäudeschaden von 20 000 Mark und einen Fahrnisschaden
von 200 000 Mark verurfachte.

" Polizeibcricht vom 10. und 11. Februar. Festgenommen
wurden: ein Zigeuner wegen Diebstahls, ein Taglöhner zum Straf-
vollzug und ein Taglöhner wegen Landstreicherei. Aufgegriffen
wurden: ein Vankbeamter, ein Werkzeugschlosier und ein Schuh-
macher wegen Trunkenheit, d!e in den Notarrest verbracht werdcn
mutzten, fowie ein obdachlofer Taglöhner. Zur Anzeige gelang-
ten: ein Schneider wegen Körperverletzung, ein Küser wegen Forst-

Seite 5.

diebstahls, ein Arbeiter wcgen Diebstahls, ein Arbeiter wegen Nuhe-
störung, Beleidiguna, Widerstands und falscher Namensangabe, vier
Personen wcgcn Uebertretung der polizeilichen Meldevorschrift,
sieben Personen wegen Uebertretung der Polizeistunde, vier Rad-
fahrer wegen Fahrens auf abgegrenzten Gehwegen, elf Kraftwagen«
führer wegen zu schnellen Fahrens, 27 Perfonen wegen Ruhestürung
bezw. groben llnfugs und 21 Personen wegen anderer strafbarer
Handlungen. Entwendet wurden: Aus dem Speicher eincs
Hauses der Unteren Stratze Zinkblech im Werte von 30 000 Mark,
einem im Wartesaal des Hauptbahnhofes schlafendsn H'-lfsarbeiter
seine Uhr mit Kette im Werte von 18 000 Mark, einem Landwirt
von feinem Erundstück Rosenkohl im Werte von 60 000 Mark und
von einem Eartenhäuschen die Dachrinne aus Zinkblech im Werte
von 8000 Mark.

Dle MMer und dLe österr.-ung. BorkriegSsKuldeu

Wir erhalten folgcnde Zuschrift: Mit grotzer Zustimmung und
Freude, datz auch im badifchen Blätterwald endlich Stimmen laut
werden, las may in Nr. 32 d!e Zeilen über ..Die Rentnor und d!s
österr.-ungar Vorkr'egsschulden". Freiwillig wird die ungari-
schen Wertpapiere wohl niemand abgeliefert hab'en: Loch folgte man
der Aufforderung der Siegierung. die ja auch bei Nichtablieferung
Slrafen dafür ankündigte. „Die Paviere notieren jetzt nicht mehr,"
wurde einem an der Bank gesagt. Als dieselben aber' weiter notier-
ten und immer böher im Kurse sticgen, erhielt man die halboerlegene
Antwort: „Es haben eben nicht alls abgeliefert" und die „Ehr-
lichen und Eewiffenhaften waren eben d!e — Dummen". Wer also
den Anordnungen der Negicrung folgt, gehört zu den Dummen:
wer sie nicht befolgt, steckt mehr als reichlichen Kewinn e!n. Wir
wollen diefes Thema n-cht weiter ausführen, wollen aber nns der
Hofsnung hingeben, datz kiinftig die Rcqierung sslbst dafür sorgt,
datz ihre Anordnungen besferbefolat werden. Zum andern
wollcn wir hoffen, datz die österreichisch-ungarischen Vapiere bald
auch fur die freigegebeii werden, die ssiner Zeit mit aller Gewisien-
haftiakeit diess ablieferten an bie Banken, datz nicht auch noch von
der Regierung gefagt werden kann, sie belohne noch diejsnigen, d!e
ihre Eesetze und Anordnungen zu umgehen wissen. Würde man unter-
suchen, welchen Ständen die Ablieferer hauptfächlich angehören, so
wurde man finden, datz d!e weitaus prötzte Zahl dem heute schwer
lei d e nd e n M i t t e l st a n d angchört- Die Bcsitzer habeu se:ncr
Zeit einen kleinen Teil ihres Vermögens in solchen Vavieren ange-
lcgt, rveil diese 4A und 5^ Zinsen trugen. Erotze Beträge sind es
nicht, die der einzeln« besttzt. Die, die grotze Veträae davon haben,
werden d!e Papiere wohl frei haben. Aber der Kleipr.'ntner und
mittlere Beamte wäre bei dem heutigen Stand diefer Paviere auch
mit cmem kleineren Betrage zufrieden: er könnte sich wohl etwas
Notiges anschaffcn. Hätten diese kleinen Leute n-cht am cheO-n
vcrdient. datz man ihnen die Papiere fre! g!bt, wenn sie ihrc Ge-
wlssenhaftlgkeit Lewiesen haben? Man saat auch, die Regierun.q
wolle „serieu-wcise" Lie österreichisch-ungarischen Paviere fre'gsben.
Was soll das? Wer bekommt dcnn seine Papiere? Eebe man lieber
die Papiere bis zu einem gewissen Vetrage frei für so-
for t und den andern Te!l sväter, dann dürste es der Reaier ina
eher gelmgen, sich von dem Vorwurf der Partcilichkeit freizühalten
Unsere Herren Abgeordneten sollten sich gleichwie in Vaucrn
der Sache annehmen und durch die kadische Negierung bei ker

zunachst in den crsien 8-/-. StunLen die AtuwspSäre. die fich vor ü"d

einzelncn Partcien ocspannt bav ,n klären.

Gem-eknderats angcfochten wordcn ist, und cin
Dcchtsttaftl«er Svruch noch nicht gefällt ist, amticrte der alte Gemeinde.
rat. Bürsermeister Bttter erüffnete die Sitzung, begrützte die ncue«
Mitalied-r und gedE« dann u-nlerer Brüder in Mittelbadcn. tm Rchcirl.
7,^, u»d an ber Rrrhr. Der Redner Ler sozialüemokratischen Partet
^hntragteeine Umanderung öer Tagesordnung, anftatt Punkt 1 Punkt 1S
ldle Erüebuna ciner welteren vorläufigen Umlage kür 192S/2ZI. um öamit
der letzte» Ereignisse herbeizufübren. Nachdem Liesem
Antrag stattgcgeben wurde. nimmt der OLengenannte in längerer AuS.
führung Stellung gegen das Wahlslugblatt der Bürgerlich-Wivtschaftlichen
Bereinlgung und verlangte Nücknahme der darin enthaltenen Aeutzeruna
aeMN cinen fozlalLemokratischen G-meindera?

'^lienö, Von bürgerllcher Seite wird alsdann auch die Nücknahme clneI
>n ker ..Bolkszcitung gefordcrt. der im November v. I. den
Rücktritt bcs G-mcinderats Balz vcranlatzte. Die nun über drei Stunden
sich binziehende Debatte erhitzte Lie Gcmüter nnd brachte manche h-merkens.
werte Aeutzcrung zu Tage. Es wurde zunächst der ganze Schristwechsel
über bie Borgang« verlescn. Herr Sutter sSoz.l nimmt LaS Mort
„anstandig sur sich sehr in Anivruch, Lezeichncte aber den Verfaffer dcS
v-li.gblatts alS „Verbrecher" und „Attentäter". Herr S Ä ü t t c I li c l m
sder nach Festlesung ohne Genc.hmtgung in seine neue Wolmung einzort
will „vcrsvntich abrechnen". Etn Antrag auf Schluh der Debatte wnrde
mit 27 gcgen 88 Stlrnmcn cl'gclchnt. Nachdem sich ber Wortwechsel noch
über einc Stunde htnzog, wurde aus Antran bes Büraermeistcrs die
Sitznng unterbrochen. Die F-raktionsvorfftzendcn gaben nach ciner
halben Stunde eine Erklävrmg ab, Lie di« Gemriter beruhiyte. Es kai-nre
alSLann in LI« Beratung Les Punltes 1 eingetrctcn wcrden. Von kom.
munistifcher Seitc lief ein Autrag ein. der nach Slbä'ndei'»-!« kgr dic
Erwcrbslosen cincn Zufchnß in Höhe Lcr Reichsuntcrstützuni, aus
Gcmeindcmitteln forderte. Allgemein w-urdc aefor-dert. die Eriverb-lvsen
zur Hcr-richtung dcr Fclb- und Waldweg« zu bclchästigen. Dcr Antras
wurdc mit 58 Stimmen angenommcn. Ter Umlagelatz wurde alödann
in folgrnker Abfttisung cinstimmig ang.nommen.- für bebaute Grinib-
stlicks sa Mk.. für gcschätzte Grundstücke S» M'k. nnd für aua>ifizi>-rte
Krundstücke 48 Mk. Zum Schlub bcantraat BüreerauSschutzmitgÜed
S ! elz bie Einleitung einer R u h r s a m m l u n g. Dtc Sitzung wurde
alsdann auf Montag vertagt.

cd. Neckarbischofskeim. 12. Febr. Für die Nu.hrbilfe svendcte hiev
dle Firma Kollmar »nd Jordan MNVb Mark, 40008 Mark von
ber Firma unb 28 886 Mark von ben Arbcitern.

cli. Fiinsbech, 12. Febr. Nachdem Graf von Neivverg für diefes
Mal auf feln PatronatSrccht verzichtet hat, ist Pfarrer Dr. Eifen-
l ö f f e l, seither Dekan und Psarrer in Rnscnbcrg, zum Pfarrcr ro»
FlinLbach crnannt worden.

eb. Waibstadi, 12. Fcbr. Die von der badischen Landwirt»
fchastskammer cinberufcne Versammlung der Landwirtc war gut
besucht. Es lvrach Abteilungs-oolstand Ncltzncr übcr Kartosfel- und
Futtcranbau. Hcrr Maier-Ullmann von dcr Landwirtichaftliclicn
Wintcrschulr Evvingcn führtc die Notwcndigleit einer gntcn Bcrussaus-
bildnnv für dic Inngen Landwirte auS uud wünschte. dasz dic LandwirtS-
söhne mchr dic Mintcrschulen bcsuchen solltcn, als cs bishcr gcfchah. Jn
dcr SluSsvrach« crgriifen bas Wvrt die Herrcn Bürgermcistcr Wacker
nnd Baucrnvereiiisvorifand K c >r c 1-Waibstadt und Landibirt Hahn»
Escheibronn. Dic Tellcrsammlnnz fidrdie Wnhifpesdc geggS
dt« schöns Summe von 8088 Mark.

ek. Ncichartshanlcn, 12. F:br. Die Handwerker ReichartShausenS
habcn cinc Berussverelnig-ung, einen Gewerbevcrein gegründet Dcr
Verein hat sich die Aufgabe gestellt, 'ansklärcnd untcr den Mitgliedern
zu wirken im Fnt:reffe cines lebenSkrästtgcn Handwcrkerftandes. der
dnrch die Zeitverhältnissc in schwcre Siot geratcn ist. Die acwählte Preis-
kommission ivird cin dankbares Fcld habcn znr crsvricfflichen Tätigkcit,
denn cS «ilt, ben Handwerker vor Verarmung »u schützen.

Kirchttchs Nachrichten.

Evanselisch« iGcmeinde-Gottesdienlic.

Mittrvoch. 14. F-cbruar, abcnds 8 Ubr: Bibclstund« tm Konflrmanden.
faah ber Cblistuslirche, Sta-ttvikar Lic. Kncvcls: Slnsgewälilic Psalnicn.
Doiincvbtag, 15. F-ebruar. n-achm. 4 Uhr: Vercln Frclindinii-en lungcr
Mädchen bci Frau Döving, Zührinaerstr. 18a. DonncrStäg. 15. Fcbruar,
abcnbs 8 Ubr: Bibclstundc im Gcmeindcsaal. Kars.Ludwigstr. 8. «tadt-
vikar Dtll über Philipver»Brief.

Job-anniskirchc, abends 8 Ubr inr Konfirmaii-densaal. Stadtvikar
-Fuchs. Frcitag. 1«. Fcbruar. abends 7 Ubr: Vo-r-bcrcitung der Ktnder-
klrche im Gcni-eind-elaal, Stadtpfr. MaaS.


NlWs dkl „UIiisAii Wsl" vur 182.
 
Annotationen