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Badische Post: Heidelberger Zeitung (gegr. 1858) u. Handelsblatt — 1923 (Januar bis Juni)

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https://doi.org/10.11588/diglit.15611#0260
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jetzt an e!nem Punkte angelangt, mo Morte nicht mehr wirken, jetzt
enischeiden die eisenharien Tatsachen. Die Räubcrnationen sind im
Begrifse, dcm deutschen Doike eine Lehre zu crteilen, die zwar sehr
bitter ist, die ader heilsam ist: Die Lehre, datz die stäriste, weil naiür-
lichste, und die notwendigsts Gemelnschast die Volksgemein-
schast ist, datz alle anderen Eemeinschaften in ihr verwurzelt s!nd,
und datz sie wurzellos werden, wenn die Volksgemeinschaft zer-
stört wird. Man hat L-em sogenannten Proletariat das Vorhanden-
fein e!n:r internationalen Geme'nschast der Proletarier vorgsgaukeli,
hat für Notsälle von dort her sichere Hilfe in Aussicht gestellt, hat
im Jahre 1918 in den Tagen des Zusammenüruchs sogar das Heran-
kommen des jüngsten Eerichtes sllr die „Vourgeoisie" und den Ein-
tritt der „Wsltrevolution" ersabelt, um die deutschen Massen vollends
zu verwirren und dahin zu bringen das zu tun, woror einst Bebel so
dringend wie möglich gewarnt hatte: datz sie das Gewshr zu früh
in die Ecks stellten. Dies Gewebe von Selbstbstrug und Lüge ist heute
zerrissen, die Fetzsn werden uns vom Sturmwind ins Eesicht geschlagen,
wie die Reitxeitsche Ler franzöfischen Osfiziere, und es dämmer!
wohl auch dem Blödesten, was ein Volk zu erwarten hat, das stch
selbst nicht zu schützen vermag, welches Schicksa! einem Volke zuteil
wird, das die inneren Eegensätzs so weit auswachsen lätzt, datz das
gcsunde Siaats- und Volksgsfühl überwuchert und derartig erstickt
wird, datz die Frage, w o der grötzte und gefährlichste Feind steht,
überhaupt möglich wird: es dreht sich jetzt einsach darum,
ob unser Volk noch so viel Krast in sich hat, diese Lehre wirklich
zu beherzigcn und sein FLHlen und Denlen entsprechend umzustellen.
Es ift das ein Vorgang, ein Prozeh, Ler sich entwcder vols-
ziehen oder nicht vollziehen wird, je nachdem das Volk noch Erneue-
rungsrermögcn in sich hat ode: nicht. Die rechts stehenden Volksteilc,
die das rechte Vcrhältnis zum Staate schön haben, lönnen hier
nur abwarten: Wenn die grotze Masse des Volkes, die bisher dem
Znternationalismus angehörte, aus den furchtbarcn Eeschehnissen
diessr Tage. in denen uns das ganze Elend unserer Wehrlosigkeit
offenbar wird, zum natronalen Empsindcn bekehrt wird, dann wird
auch einm.al ein Weg gefunden werden, der wieder aufwärts führt,
— welchcs dieser Wcg sein wird, darüber brauchen wir uns jetzt dsn
-Kopf noch nicht zu zerbrechen — wenn aber die Verabreichsr der
ätzenden Lauge des Klassenhasses nach dem Muster des Herrn
Dr. Breitscheid weiter ihr Wessn treiben dürfen, wenn sie weiter dem
Ohre des Bolkes das schwärende Eift der Verleumdung der eigenen
Vol'sgsnosscn einträufeln können, dann, ja dann ist die ernste Ge-
fahr vorhanden, datz die Feinde ihr Spiel doch noch gewinnen und
dah Deutschland, um mit Hrinz Marr zu reden, nichts mehr bleibt als
eine „schwierige Kolonie der Entente". rs.

An die beuffKe Landvirffchaft.

Eine ernste Mahnung Kardinal Schnltes.

Köln, 13. Februar.

Der Erzbischof von Köln. Kardinal Schulte, hat an die Land-
wirischaft eine oberhirtliche Kundgebung erlassen, der wir solgende
für jeden deutschen Land-wirt, der es ernst mit seiner L'eLs zum
Vatsrrande. gleich welcher Konfession, Leherzigenswerte Mahnung
entm

,,Die Notfchreie, die aus dem neubesetzten Eebiets über Lebens-
mittelnot und völlig unzulängliche Milchlieferung an
mein Ohr dringen, sind in den letzten Tagen so zahlreich und so
Leängstlgend geworden, datz ich glaube, aus dem diesjähr'gen Fasten-
hrrtenbriefe moine herzliche Bitte an die landwirtschaftlichen Kreise
an dieser Stelle wiederholen zu müssen:

„Sorgt i.hr bcsonders, die ihr aus dem Lande keinen Mängel an
Lebensmitteln kennt, ohne Siiumen dasür, dag unser wieder-
gcwonnener innerer Fricde nicht an der immer drohenderen
Lebensmittelnot schcitert.

Sorgt vor allem, datz durch schnelle, ausreichende Milchbelieferung
das Hinsterben und Hinsiechen so vieler laüsend und aber tausend
Säuglinge und Kranken in Erotzstadt und Jndustriebezirk endlich
wieder aufhört."

Was siir harte Zeiien müssen doch die im Okkurationsgebiet
wohnenden Ar'.eiter- und Veamtenfamilicn durchmachen! Welche
Opfer haben nicht schon so viele ausrechte und pflichttreue Männer
aus solchen Familien zum Teil mit ihren Frausn und Kindern im
Jnteresse unzerer Heimal und zur Abwehr der feindlichen Eewalt
suf stch nehmen müssen! Diese opfer-reudige Haltung kommt nicht
an letzter Stelle den noch auf sriedlicher Scholle woh-
nenden Landleuten zugute. Jn der Uebcrzeugung, datz
die Danktarkeit und ckiristliche Nächstenlieb-e der Landbewohner für
ihre notleidendcn Lan in Stadt und Industrie niemals rer-

geblich angerufen werden, brtle ich alle landwirlschaftlichen Kre.se
meinerseits noch einmal herzlich und inständ'a, doch bis zum
äutzersten in der Belieferung von Lebensmitteln
und b-esonders von Milch sich anzustrengen, um Hungcr und Not,
Krankheit und Sterben von Len feindlich besetzten Eegenden
fernzuhalten." _

Die heilige Scholle.

Ein deutscher Bauernroman aus dem letzten Iahrhundert.

Von Paul Burg.

«. Fortsebung. Nachdruck verbokeu.

Zwölftes (Schlutz-j Kapitel.

Sie rittcn in den grauen Tag, sie zogen iiber den Rhein.
Deutschland — Laterland! Nach Langen Wochen die erste Post. —
Wie schlugcn da Lie ^erzen hoch! Schmach nnd Schmerz, die gren-
zenlose Schande des düsteren Herbstes, der über den verratenen Hee-
ren, den vcrlorenen Landen lastete, all die Iahre Krieg und Ler
bittere Ausklang — alles war jäh vergessen oor dem Anblick des
Erutzes Ler Heimat, dieses armen Brlefes, den Andreas Weber-
ling seinen treuen Kameraden abends am Rhein beim slackerndsn
Lagerfeuer rorlas.

. . . Alle Königrciche stnd versunken. unsere Throne in Len Staub
gerollt. Wir iraoen wohl alle eine Dornenkrone und müssen das
Anspeien und Eeschlaoenwerden dulden. die wir den grotzen Elauben
lebten an den deutlchen Sieg, der Coldat und die Heimat, der
Bauer und der Bürger — die Höüe ist entfesselt, und ohne End«
scheint das orotze Strasgericht.

Unser Dors ist cine Trümmerstätte. In Asche liegt der alte
Veltcnhos und war doch, was er auch an Stolz und Trotz durch
hundert Iahre sündigte, zuletzt nur eine milde Zusluchtsstätie für
die Kranken »nd Krieoer ^Ausgeraubt ist alles, weggsschlagen- sind
scgar die Eichen im Kamp, die ragtcn wohl zu stolz. Räuber zogsn
um, prügelten unseren nlten Psarrcr und schändeten, bestahlen die
Kirche. Dlotz die Linde lleht noch, die alte Linde, und dahinter das
Webcrlinghaus mit leercn Wändcn. — deine letzte Heimat, Andreas
Wcberling in der Fremde und Ferne, denn deinen Vaierhof im
Osten überfielen die Polen. Sie haben deine Eltern veririeben,
ldir den Bater totgeschlagen, und deine Muttcr Ruth ist als sein
treuer, !a"screr Kamerad an seincr Seite gefallen. Keinsr wcitz ihrer
bcider Erab

Ist sö das Ende? Oder lätzt der alte Gott der Menschen im
Kimmel unser demsttiges Hoffen dennoch nicht zuschanden werden
und schickt die Rettung durch Evch, die Ihr nns alle jchlimmc Iahrs
bcschirmt habt in unsagbaren Kämnfcn? WerLet Ihr auch unsere
Heiwat retten uny wiedcr aufbaucn?

Ihr — Jhr seid uns-r letztes Hoffen! Höret Ihr wie die Glocken,
die letz'e Glocke, wclche dcr Krieg noch im Turme belietz, nach Euch
wimmern im Sturme der arausen Nacht, hörtet Jhr das Sehnen und
Raunen in Lüiten und Bäumen hoch Lber uns Todgeängsteten!
Denn die alte Lindc ruft nach den Männern der Heimat. Ändreas
Weberling! Untcr jhren tahlen Zweigen hat heute der alte Pfarrer
so milde und verheitzenü den Adoend gepredigt, das Heil wcrde
rms kommen mitten in sinsterer Nacht. Ietzt sei di« Sintslut herein-

pariser SestlrechitNLen.

Neue Aussuhrbeschränkung. — Die Kohlensteuer. — Das Nuhrgeld.
Von unsersm U-Korrespondenten.

Paris, 13. Februar.

Die Intcralliierte Rheinlandkommission beschlotz in Ecgenwart
des englisckien Derirciers, der aber an der Abstimmung nicht tsil-
nahm, die Ausfnhr allcr Art von Farbfloffen, DUnqemitrel und
Samen ins unbesctzte Deutschland zu verbieten. Ausnahmen werdcn
nur Lewilligt werken, wenn eiue lOprozentige Ausfuhrtaxe cnt-
richtct wird.

England scheint wcnig geneigt zu sein, den Franzosen aus polit!-
schen Eründen die Durchsahrtserlaubnis für die Kohlentransporte
durcb tas englische Deiutzungsgebiet zu gewährcn. Da auch ein ande-
rer Vorschlag Frankreichs, den Transporlweg durch Holland zu
wöhlcn. auf keu Widers-and Englands stötzt, so mutz es sich mit der
Linie Krefeld-Aachen tconüoen, was aber ungeheure Ver,pätungen
zur Folge haben w'rd Rach dem „New Pork Herald" soll Eeneral
Wcygand zum Obcrkcmwissar im Ruhrgebiet ernannt worven
siin. Eencral Degoutte erhült den Oberbefehl aus dem linken
Nheinuser. Dem General Weygand soll eins sranzöüsch-belgischs Kom-
mission iur Seite gestellt werden, in der auch Italien vertreten sein
sollte. Dies lehnt aber ab. weil es nicht seine Arbeitslosen ins
Ruhrgebiet sendcn durste, ipährend Frankrcich zahlreiche Dockarbeiter
und andere Arbeitslose dort verwendet.

In eincr amtlichen Mitteilunq heitzt es: Der Chef der finan-
zicllcn Organisation im Nuhrgebiet, Schweisguth, ist heute nach
Düsseldorf zurückgekehrt. Den Mitgliedern der Regicrung teilte er
mit, wie er sich die Erhebung der Steuern im Ruhrqebiet
denke, nach seiner Ansicht dürfe man für die Zölle weit günstigers
Crgcbnisie erzielen, wenn man die Zollschranlsn weit enger schlietze
und die Zollhäuser stärker überwache. Den Stsucroflichtigen, die es
bisher abgelehnt hatten, eine Erklärunq zur Kohlensteuer ab-
zugelen, oboleich sie dazu verpslichtet seien, will man dis Höhe der
Steuer vorlchreiben und Zwanosmatznahmen ergreifen, um die Er-
hebung dieser SLeuern zu sichern.

Der Vrüsielcr Milarbeiter dss „Jntransigeant" meldet seinsm
Vlatte, d-atz Ministerxräsidsnt Theunis am Mittwoch abend nach
Paris fahren werde, um mit PoincarS über die Einführung eines
Nuhrgel^es zu verhandeln, das durch die Eisenbahnen aarantiert
wurde. Das heitzt Frankreich würde sich nicht mehr damit begnügcn.
dre Eisenbahnen in Betrieb zu nehmen, um Ne-:ara!ionsköhle zu
belömmen, sondern die Eisenbahnen als Earantie dafiir Lenutz-n em
neues Eeld zu schaffen, und mit diesem Eelde sich seine Taschen
zu füllen.

Die SevifenKMlk der Reich-bank.

Dte Stlitzung des Markkurses für geraume Zeit gcsichert.
Von unserer Verliner Redaktiori.

Vcrlin» 13. Februar.

W?e aus Rcichsbankkreisen verlautet, stammcn die grohen
Deviseubestände, die vo» der Rcichsbank gegenwärtig zur Et itzuug
des Markkurses auf den Markt geworscn wcrden, aus drm Dcvisen-
fonds, den die Reichslank in Ueberciustimmung mit de-n letzten
deutschen Borschlag an die Pariser Konferenz ausgespeichcrt hatte,
um die in dem deutschen Borschlag enthaktene Anleihc sür Frank-
reich sofort nach gctrofsener Bcreinbarung in Eang bringe» z«
können. Da acgcnwärtig alle Aussichten aus eine Linignng mit
Frankrckch gcschwunden sind, wird dicser Fonds jctzt zugunste«
der Markstabilisierung ausgelöst. Dre Neichsla k hatte
fich bekanntlich s. Zt. bereit erklärt, sich mit ekner Summe von 3vt>
bis 300 Millionen Eoldmark an der Anleihe M Leteiligen. Di«
letzte» Psundverkiiuse der Reichsbank erreichcn nur etwa den Betrag
von 4 Eoldmillioncn. Es lätzt fich daraus erinessen, datz die Reichs»
bank ihre Stützuirgsaktion noch eine geraume Weile fortzusetzen i«
der Lage rst.

Die Franzosen heßen gegen den AeiMornmiffar

Verlin, 12. Februar. (Eig. Drahtm.) Der „Daily Telegraph"
meldet, datz sich die alliierien Regierungen mit der Stellung des
Fürsten Hatzseld-Wildenburg als Vertreter Deutschlands bei
der Rheinlandkommission befatzten. Die Franzojen wünsch-
ten, datz der Fürst ausgewiesen werde, da er als deutscher Be-
amter seine Besehle direkt a".s Berlin erhalie. Die Englünder ver-
langten dagegen, datz diese Frage erst der V o t s ch a f t e rkonse-
renz unterbreitet werden solle.

Keine Lleberflunden im sachfifchen Vergbau.

Drssden, 12. Febr. Im sächsisch-en Steinkohlengebiet hat man es
auf Anraten der Betriebsräie gar nicht zu der für letzten Freitag
geplanten Urabstimmung unter den Bergleuien übcr las Ber-
sahren einer lleberstunde kommen lassen, da d!e Detriebsräte die Ab-

gebrochen, aber die Wäsier, die Sturmflut des Untergangs mützten
sich doch einmal wieder verlaufen Und dann wird Eott uns die
Taube des ewigen Friodens schicken, der Menschheit den leuchtenden
Oelzweig zu Lringen.

Andreas Weberling, es war cine heilige Stunde um die kurze
Advent'-rsdigt unseres glten Piarrsrs unter dem hundertjährigen
Lindcnbaum.und wir alle, «in Häuflein klein, die um ihn geschart
standen, habin mit zitternden Herzen zu Eott gebetet und bei uns
still gelobt, Latz wir Euch wollen aus Knien empfangen und Euch dis
Steigbügel küssen, wenn Jhr wiederkehrt in die verratene, ausge-
raubte Heimat.

Heilige Worte ron der Zukunft hat der Alte unter dem Baums
Ler Weberlings gefunren, und als er so sprach, schickt grad die
Conne einrn lichten Strahl aus zerreitzendem Eewölk herab au?
das arme Dorf und auf Les Pastors weihes Haupt.

Aller Glanz ist ausgelöscht — sprach er — -die leuchtenden
Zeichen der Tapferieit, die glünzenden Kreuze auf der Briist dcr
Tapferen. sind von Bnbenhänden heruntcrqerisien und in den Staub
getreten. Äber die Narben verlöschen nicht, und das Glauben und
Wollen der wcihrhaft Eetreuen bleibt unwandelbar. Heute scheine»
wir uns Waise, vaierlos und heimatlos, entw.'rzelt und ins Elcnd
gestotzen — die Heimkehrenden werden uns Väter sein und die
Heimat aufbauen. Ich sehe den Taq. wann über diesen Trümmern
und wüsien Aeckern. Heimflait an Heimstatt aufraqt und von jedem
schlichten Eiebel, über jsdcr n'ederen Tür erstrahlen den Nachkom-
men dis Namen jener grotzen Schlachten. welche dentsche Heere sieg-
reich durchlämpften, bis der Soldat, verraten, sich in die Heimät
zurückfand. Vanget nicht, datz wir dsn äutzersn Sieg vsrloren haben,
datz unser Volk am Voden l'egt — heimgesucht und von Eott so
schwer geprüst wie nie ein Dolk zuvor' Eoi'es Weg« sind uns
Irdistben unwandelkar und llber allcr Mcnschenvern"nft. ,'Blotz
ahncn und gla"ben köunen wir sein" Gedanken. So sehe ich in
mcines langcn Lebens letzten Taqen seinen Ceqen mit dem heim-
wörts ziehenden Heere dahsrlchw-'ben, denn Eott hat ein Kesetz
aufgerichtet. das übcr allen Erdensatzungen strahlt mit der Sonne
göttl'chen Leuchiens: Sei gelrcu bis in Len Tod, so will ich dir
die Krons des Lebens geben!

Iene Krieger sind gstreu gewesen über alle Matzen und sr"robt
in ihrer Treue. ,Ceid auch ihr getreu, ihr Deutschen daheim! Däier
und Vrüder kehrsn euch wisder und baucn die Häu-ssr wieder auf,
welche Eottes strasender St"rmw'nd zerbrach, Eotr weisp warum »r
uns in solche tie^e No! gcschicki hat — zu rrüfcn und zu läutern,
datz wir w!e>der schl-icht und brav wie unsere Vöter werden, die
unter dieser alten Linde lebtcn, für uns lcö«.-n! Abcr wir dachten
nur für unser^n eigen-n kurzen Tag und dsn — den hcu uns nun
der zornige Eott zerschlagen.

„Meiisch, wer bist du, datz du klagst! Trug Eottes Sohn nstht

e:ne Dcincnkron« untz ist er nicht am dritte« Tage auserstanden?"

stimmung für aussichtskos «rklärten. Die Betriebsra-
teten ein'ach die Unionisten. So hat die Mehrhellssoz'aloe^.

wieder einmal eine Verbeugung vor den K o m ^ pill'

gemacht. Wenn nun infolge Mangels an Kohls F a br i kr
gelegt werden müssen, sind natürlich nur die Kapitalistc b xe
schuld! Wo a'-er bleibt, so mutz man sich fragen, der tl«.

s ö ch sischen Arbeiterregierung? Ueberall in gu»-l
land werden schon seit langem Ueberstunden veriahren. a» ^

g-iS

gerechnet im sozialistischen Musterstaat Sahs:n nicht desisn

Loch gerad-e ihre Exrstcnz'erechtigung durch di»- BehauxtUN5^j„,li>0

gri'n^en versncht. nur eins Arbeiterregierung habe >n Sach?rn
äuf die Masse der Bevölksrung.

llnkr stanzWchrr Knute.

Eemciner Stratzenraub in Esien und Bochuin.

Eigene Draht-nsldung-

Essen.

13. Febr-

par-

Dic Liste der französischen Bruialitäten.
L.''anäe nötion einen dauernden Platz in

ite«. n> > rencn g/.i":

der Ee,-)-chte - ler

!l-,s

sichern wird, ist wieder um eine ReiHe uierhöricr Lsr'ä"-» jk-

worden. In^ Eelsenkirchen traf Dienstag morg n g^S.^ li ^

srllnzosische Karallei e, mit Tan s und Fracht.n.los e n-
siel die Polizeihauptwache Zenirum, vsrhalle e ' ^
Lefindlichcn 16 Polizeibeamten und mitzhand > lte ji' " '
verschämtesten Weise. Sie wurden in geschlossenem Zrige
stärlst-er DeLeckung nach Bismarck abgeführt. ^

llnterwegs mutzten die Bcamte» Paradeschritt mariK'

wurden mit dem Kobdsn blutig gcschkagen nnd gctret '
evölkerung auf der Stratze wurde mit der R e it?i'^PZ

D'e Vevölkerung auf
oertrieben, sogar
von Truppen umstsllt.

Stratze
Kinder unü

Frauen. Tas Ratha^

der
geführt.

Jn Essen wurde zum ersten Male der BoykottLe! j.„c^
Hotelbesitzcr und Händler gegen die Besatz ingstruppe»
ührt. Franzüsische Osi'iziere lrangen daraus in da- 5^08-° < j c- ',

Hotel, 'den Handelshof, ein, trieben'die tort ihr MitlagsM.ab'

^e'

nehmenden deutschen Eäste und auch das Personal, das 11"
dienung der Franzosen vecweigert hatte, mit Revolve
Reitpeitschcnaufdie Stratze. Dort mitzhande"-
' ... brlolben und

züsische Truppen die Teutschen mit Eew:hrlolben und

S-'

Ei'n 14jähriger Jungr erlitt tesonders schwere VertetzunL^

Handelshof und der Kaissrhos wurden am Nachmit-ag

lurva,


Fran'osen Leschlagnahmt. Das gesamte Personal w, ^

den Hotels gejagt. Ecneral Fournier hat von
bürgermeister die Lieferung von 72 Personeniraflwagen ^j, > „
und im Falle der Nichtaussührung mtt Matznahmen 6^'gpd'-„g
d-ese zu beschlagnahm-en. Ohne eine Antwort abzuwarteN, ,'^j 11-^
cer Besetzungsarmee an den Knotenpunlten innerhalh Ler >r

in den Autzenbezirken sranzösische Posten au'gesicllt, öie^.'^fiak-.

Personen- und Lastkrasiwagcn beschlagnahmen. 3« un-M^j«,^

Nähe der französischen Posten halten siih K r i m i n a l d es>'^e>!'„

Besatzungstruppen auf. Darauf lean-wor ete dcr Oberbulv ^ 1

" . - ... ..... .... ----- po j,,p

den

RequisitionsLefehl mit folgendem Schreiben: Ich
Requisitionsbefehl über die Lieserung von 72 Perlonenaurv.-jE.
erhalten. Bevor noch die für die Beantwortung Lcr stj, !>

forderung gesetzte Frlst von 2 Uhr nachmittags abgelausiu^ ^ j

Automobile auf der Stratze b«

lereits zahlreiche
nahmt worden.

Jch erhebe gcgen diese Berletzung des Privateigentll»>''
selbst im Kriegsfa'le nach den Veschlüssen der Haager " '
tion nicht zulässig sein würde, feierlich Protest uud fordr

Rückgabe des Privatcigentums. Fk'

Es ist durch ^
idruck gebroK'^e»

Die Requisition selbst zu erfüllen, lehne ich ab.
klärung der französischen Negierung zum Ausdruck
standig wiederholt worden, dah die sranzösischen Truppen den.„
haben, diefriedlicheMissionderJngenieure z-eh
Zu diesem Zweck sind nicht 72 Automobile erforderlich- Äbg ^
hiervon ist, wie schon bemerkt, das Privateigcntum durch v
l cmmungen der Haager Konvention geschützt und ich uP»'

e>>

Zumutung schwersterArt darln, dätz ich d>esrr^.E„aE,e

vornehmen söll, während er selbst im Kriege als ,jeu,
der Krieqsührenden verboten ist. — Aehnliche Zumutuna ^L.s.j
' " ' ..... . . Dnrc iial d«r

>n Vochum. Dort hat
Personenlrastwagen mit

allew

e N..-.icck

die Besatzungsbehörde auch
dant die Lieferung von 48
gefordert. Den
Alle Wagen

sind und im muyrgeoiei woynen. Als « I cy e I qe l I lUl ' r-c»
sehl haben besondere Kommandos jämtlichs die Zugangssll rühkUsi,
sierenden Personenkraftwagen w e g g e n 0 m m e n. Die , d °
würde für Bochum einen in die Mil>'

luK.uöP

dieses Befehles würde sllr Bochum
gchenden Kostenaufwand bedeuten.

Der von den FranzoseN durch Eewaltmatznahmen
schränkts Telegraphenverkehr in Esssn ist nunln^„fl^
lich stillgelegt worden, nachdem sie die letzien Stromzmi'^el^,
leitungen unterbunden hatien. Dor dem Postämt wurden '.n>.„ ^
steigcnr-en Erregung dsr Bevölkerung gegen die sran.ösM^e -

satzungslruppen dis Posten verstärkt. Die Bahnhosshalle ^

-

Brtes be^^ ,

So sprach unser alter Psarrer. llnd leuchtend bracht d>e
aus dem Eewölke . . -

Laut hatte Hauptlnann Weberling diesen
Maria am abeNdlicheN Rheine vorgelesen, und immer
daten drängten sich um das Lagerfeuer. Als der Leser
hatte, war es still, aanz still im weiten Kreise. Nur die rote - „st>-.
glühte in dem Holzstotz und schnellerer Atem dränqte von

bebenden Munde. Manche dlickten auf ihren Hauptmann, d«m
und Mutter erschlagen war. manche starrten in die rote
glut und wehrten ihren Träncn nicht den ersten Tränen, ^jck'
diese Helden weinten nach so manchem harten Iahr. S>e >»'
Taq um Taq dem Tod ins grinsende Gestcht geblickt. hat>-.
knirschenden Zähnen, unbesicgt, nur um den Sicg bcirog^ce'g
Schritte rheinwürts. rückwärts gewandt — nun starrten sie kk>^„r"
in das rffehe Antlitz der Heimat, die allen Eram in dieF>u
Briefe spiegelt«. llnd stauden stumm.


Einer trat einen Schritt vor.

„Elaube ist noch nie zuschanden worden. Dieser Pfark-^„!d

uns nicht umsonst gerufen. Kameraden! Wir sind mit soviel


ll-i


nen vier Iahre lang sertiggeworden. weil w!r einig ware>k
uns alle wieker einig s-in darin. Die Faust gegen Raub unb
im Vaterlande, dic Hand an den Pflug und an die lNam
Kameraden. ja — das soll ein Worl sein! Wir lauten so >»"
llntcrstand, wir bauen uns und ihnen allen Laheim die Ae-b
die Häuser wicder auf!" ^„e>>

Da gab es ein Nufen rund um das Feuer und ein
weithin: ein Eerllcht ging herum im gan-en Regimente U»d
durch das zerbröckelte Hesr am Rheine: Vaier und Muttcr

ste einem jungen Hauptmann erschlagen, das Väterhaus

Lrannt, aber er baut wieder auf. und die Kameraden

alle helfen sie emandcr! Sie haben einen Bund geschl-llcU


helsin

-"§l-i

wollen einander Wort haltcn mit berz! aiter, handfester Tat
hier das neue Leken schon ous den Ruinen? —

Das gab ein Aushorchen, Erstaunen und Erwachen. S>e ^

ten sich hin zu ihm, sie boten ihm die fcste Hand und Laten: ..-Ljb

Ä.lLs

unrer!riläli'„.-cE

mich mit!" Himberie kamen und schlosien eivsn _

Dund: Wir wollen heim und wollen auibauen. Hat der Solda>
ein Cchwert und einen Spaien gehabt'-' Die Wasse- ha! un-
zerlrochen — aber den Spaten lietz er uns. Ia, wir wolleU
baucn!

Sie scharien sich um ihren Hauntmann und drängten »!ö.c!>
wörts, heim. Wo eincr die alie Heimit verloren wi-tzte im de>>' i
Ostcn odcr im hohen Norden. wo einer vor dem Kr'eoe l>o>! '
Kammcr hoch unier dem Erotzsiadtdach se'n Heim oenaiint b'i-si'^

' ' ° >n K

sah l^'

folgt-1

hofste, mit seinem Haui.'tmann, sich
Vatcrlande zu suchsn und zu bauen.
seinc Kinder über die segenatmenden

Heimat! Heimstatt!

e ne freie Scholle !n l"!.

Glücklich träumsnd
Fluren gchen.

(Schlutz
 
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