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Badische Post: Heidelberger Zeitung (gegr. 1858) u. Handelsblatt — 1923 (Januar bis Juni)

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https://doi.org/10.11588/diglit.15611#0316
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komike, daH noch das run^e TuinmAen van 50V Millionen rnckst^n-
diz sei, so mus; tnan fraaen, ob seit Krieasende der Staat nicht
in ter Laqe war, diese einzutreiben Ob er nicht wollte oder nicht
konnte. soll day'Nqestellt bleiben. Äber Vieser Rückstand oon
KOO Millionen, sen die Lisenlahnaesellschaften nicht be;ahl-
ten, wird beranqezoaenwerden können. wenn man
es künftia der deutschen Reqieruna zum Vorwurs
machensollte. dah s:e die Berqwerksbesitzer im
Ruhrgebiet mit der Zahlunq Ler Kohlensteuern
ein paarWochen im Rückstandsein lics;.

400 Million-n will E>err Bokanowski durch künftiqe Verhin-
derunq von Steuerbetrllqereien crzielen: ein sicherlich lobenswertes
Ziel. bei dem aber ebensalls qesaqt werden muh, dak der Vor-
wurf, den man Deutschland immer wieder macht, das; es Lie Steucrn
nicht enerqisch qenuq eintreibe, nach den Eeständnissen Bo'anowskis
auch auf ?,ranlreich an;uwenden ist 235 Millionen sollen durch
Vermlnderunq res Zinsfußes vcr kurzsristiqen Anleihe um einen
l-alben Punkt erzielt werden. bleibt noch ein Defizit von 802 Mil-
lionen. Mr 765 M'llicnen sollen nach Bo'anowskis Vvrschlaq An-
leitzen aus.qeaeben werden, und für 127 Millionen will man Er-
fparnisse srzielen. ohne dah vorläufig qesaqt werden könnte, auf
welchen Eebicten man hierzu qelanqen will.

Was die 5L0 Millionen Erhöhunq der direkken Steuern an-
lanqt, so nahm Bolanowski diese Ziffer auf eine Versicherunq der
Neqierunq hin, in seinem Bericht auf. Der Finanzminifter qlaubt
Lämlich, dah er bei einer Steiqerunq qewisser direkter Steuern um
SO^! zu diesem Erqebnts qelanqen kLnnte. ALer nur ein Posten
scheint wirklich die vorqesehene Erhöhunq erqeben zu können, näm-
lich die Steiqerunq des Tabakverkaufspreises, wo-
mit man 125 Millioncn crzielcn wird.

Bolanowski schlieht seinen Bericht in wahrer Beqeisterunq, in-
dem er erklärt, daq Frankreich nunmehr seinen Freunden nnd sei-
nen sseinden ein Dudqet im Kleichqewicht und eine qesunde ssinanz-
laqc zeiqe. Es werde jene ermutiqen, die ihm verirauen und jene
entmutiqen, die qeqen Frankreichs Ansehen und Kredit arbeiten.

Es versteht sich von selbst, das; ein Eeneralberichterstatter das
Dudqet, das er vorleqt, warm verteidiqt, aber Bokanowski qlaubt
wohl selbst nicht daran, das; die von ihm anqenommenen Ziffern
irqendeiner Realität entsprcchen. Den Hebel dort anzusetzen, wo
fich wesentliche Verminderunqcn in den Auslaqen erzielen
lichen, nämlich beim Heeresbudget.kann er selbstver»
ständlich nicht waqen.

Selbst den unwahrscheinlichen ffall vorausqesetzt, das; die Kam-
mer die Vorschläqe Bokanowskis annehmen würde, datz ste stch mit
all den Ueberwachunqs- und Sxerrvorschriften, sowie den Neuer.m-
qen einverstandsn erklären wiirde, die ihr zuqemutet werden, —
unter anderem sollen kinftiqhin Schecks nur auf Bankcn qezoqen
merden dürsen, — bleibt noch immer ein Defizit von 900
Millionen, das aus dem Iahre 1922 tzerrührt, zu decken, und
für den Wiederäufbau der zerstörten Eebiete ist
überhaupt nichts vorqesehen, weil man anscheinend noch
immer Hosfn'-nqen auf deutsche Rexarationszahlunqen hat. Absr
dcr sozialistische Abaeordnete Anbriot hat recht, wenn er qestern
im „Ton Soir" schrieb, daf; Frankreich unbedinqt noch

zehn Milliarden frischen Geldes brauche..

Dclasteyrie cnttäuschte ihn sofort, in^cm er an demsslben Taqe, da
Aubriots'Ariikel erschien, bei Ler Kammer um Ermächtiqunq für
AusqaLe einer Anleihe von 13 Milliarden ansuchte.

^ -

!

i Grund jctzt n'cht hinreichend fei. Mac Neill erwiderte, es sei
ihm bMannt, datz das Verjäumnis einer der Gründe gewssen jei,
die den früheren Premierminister beeinslutzt hätten.

Frage- und AniwortsNiel inr Llnterhaus.

Londou. 22. Fekr. Jm Unterkaus fragte das Mitglied der
Arbeiterpartsi Leach den Premiermlnister, od Mitterlunaen zwischen
Ler britischen Regierung und der französischen Regieruilg bezüqlich
der Desetzung des Ruhrgebietes erfolgt seien und oh irgendein Ver-
sprechsn von der französischen Regierung üLer die A r tundDauer
der Besetzung gegeben wurde, das es auch klar mache, datz, sobald
ein Uebereinkommen erzielt werie, Fran.reich alle politischen
Ziele Leiresss Les deutschen Gebietes aufqe.en würde. Banar
Law erwi-derte, die britische Reqierung habe kein Ver-sprechen
von d-er sranzösischen Regierunq bezüglich Ler Dauer Ler Ruhr-
besetzung erhalten. Was d-ie Art der Besetzung betrefse, so habe
die ftanzösisihe Regierung der Lritischcn Regierung eine ALschrift

führung des voi derReparationskommission ausgestelltcn
Zahlungsplanes zu sichern.

Davifon (konferrativ) fragte, ob die briiisch: Regierunq von
den von den deutschen Gerichten bezüglich der K r i e g s be s ch ul-
digten qelrosfencn Entscheidungen besrielligt sc-i und welche weitere
Aktion unternommen werd-e. um die Liste der Krieasbeschuld-iqten zu
erleLiqen. über die noch nicht verhandelt wurde. Mac Neill er-
widerte, die Antwort auf den ersten Teil der Frage laute ver-
nsinend. Vezüglich des zweiten Teiles ssi er uicht in Ler La- e,
erne ErklLrung ahzugeben. Davison sragte, oü das Versäumn s
Teutschlands, die deutschen Kriegsteschuldigien zu Lestrafen, nicht
eirur der Eriinde qewesen sei, der Enqlanü 1921 verantatzt habe.
die Besetzung des Nuhrgebietes zu biüipen. und weshalb dieser

Die Mrchk» der „Roten Zahne".

Die Regierung zu dcr AuslLsuug des Selbstschutzes.

Von unserer Berliner Redaktion.

Berlin, 22. Februar.

Die kommunistisch-en „Enihüllungen", die heute auch im Reichs-
tag den Anlatz zu einer eingehenden Delatte gaben, aehen auf einen
Bericht der „Roten Fahne" zurück, in wslchem gemeldet wurde, datz
im Rsichswehrmin sterium cine g e h e : m e Sitzung unler Dorsttz
des Gensrats von Seeckt stattgefunLcn habe. Als Teilnehmer
wurden in dcr „Roten Fahne" genannt. Reichskanzler Dr. Cuno,
Reichswehrminister Eegler, preutzischer Jnnenminister Seve-
ring und die preutzischen Oberpräsidenten. General von Seeckt soll
in dieser Sitzung eine Zusammensasiung aller Selbstschutzorgani-
sationen, die Wiedererrichtung der Orgesch usw. verlangt haben.
Reichswehrminlster Ketzler hat diese Geriichte schon im Reichstag
dementiert, von amtlicher preutzischer Seite werden dazu noch
folqende Einzelheiten m-itbeteilt: Zm Gegensatz zu den „Enthüllun-
gen" der „Roten Fahne" ist zwischen dem preutz'schen Jnnenminister
Severing und dem Reichswehrminister Eetzler eins Vereinbarung
getroffen worden, nach welcher

die beftehenden Selbstschutzorganisationen bis zum 31. MLrz
diefcs Iahrcs alle ohne Ausnahme ausgelöst sein müssen.

Diese Verpflichtung wurde noch dahin ergänzt, datz auch die Zeit-
freiwilligenfornMion für die Zukunft keine Unterstützung
mehr erhalten solle. Nachdcm diese Vereinbarung getrofsen war,
kam Admiral von Hintze als Verireter des Wehrkreiskommandos
Breslau nach Verlin und rersuchte, für seinen Lezirk eine Ver-
längerung der Frist für den Abbau der Selbstschutzorganisationen
zu erreichen, da die Lage in den schlesischen Erenzgedieten noch immcr
eine recht bedrohliche sei. Der preutzische Ministe'r des Innern lehnte
jedoch einen solchen Vorschlag ab.

Die Reichsregierung und die vreutzische St-aatsregierung haben
ietzt auf Erund des kommunistifchen Versuches, Veunruhigung in
die Bevölkerung hineinzutragen, einen amtlichen Veticht über die
Angelegenheit vereinbart, Ler bcsazt: Vor turzer Aeit >st nach
monatelangen Verhandlungen zwischen Ler preutzischen Staats-
regierung und Len Vertretern der wirtschaftüchen SteÜen eine Vrr-
ständigung zustanLe gekommen üker die Mittel und Wsge, um eine
innerpolitische Beunruhigung durch die zahireichen,
irotz aller Verbote noch immer we'ter'estehenden oder unter einem
ander-n Namen neu erscheinenden Seli-stschutzorganisationen mit
deren Hilfe endgllltig zu beseitigen. Es gält vor allem zu verhüten,
datz die bereits qekennzeichneten Vereinigungen sich Aufgaben Les
Schutzes der Bevölierung oder xar Aufgaben politischer Natur
anmatzen, die allein von Staat und Reich zu erfüllen sind. Jm
Sinne der erz'elten Dereinbarungen wird von seiten der Reichs-
regierung für die Zukunft in gleicher Weise vorgegangen werden,
wie von^der Staatsregierung, insbeson^ere w'rd jeglicher Mögl'ch-
keit oder auch nur L-sm Verdachte eines Zujam-mengehens ron solchen
Verbänden mit Staats- und Reichseinr.chtuugen oder mit Leamten
vorgeber-gt werden.

Em FiaSko svzialistlscher Mm'erarhett.

Zwei nationale ZvLrnalisteu vor dem Müncheuer Vollsgericht.

Don unserer Münchener Redaktion.

Müncheu. 22. Februar.

Schriftleiter Weis und der politifche Mitaroeiter Stolzing-
Lzerny des Organs der vaterländischen Verbände „Heimatlanu"
standen vor dem Münchenrr Vol.sgericht wegen Aufreizung zum
Klassenhatz, AufMderung zum Hochverrat und zur
Brandstiftung durch einen Artikel. Der Versasser dessrlben,
Stolzing-Czerny, hatte angesichts Ler k om m un i st i s ch e n Ge-
fahr einen Vergleich mit Mussolini gezogen, der das Vaier-
lano vor dem roten Terror gerettet und zu ahnl.chem Verhalten wis
Mussolini auffor.erte. Neben Len Angetlagten, die den Standpunkt
-der Abwehr gegen den roten Terror ver.raten, äutzerten sich einige
Sachverständige in ähnlichsm Sinn, darunter e.n gründlicher Kenner
der kommunsitischen Ziele der risisischen Sowjets, ünd entkrüfteten die
Anklage des Staatsanwalts, so dah beide Angeklagtcn freige-
sprochen wurten. Vemertenswert ist, Latz hin-er der Antlaqe sich
die heimliche Minierarbeit der mehrheitssozialistischen
„M ünchnerPost" bemerclar machte. Verieidiger Zustizrat Kohl
zog in seinem Plädoyer einen Vergleich mit einrr Aeugerung LloyS
Eeorges, der sich als Len „Trommler" bezeichnst hatte, der im
Krieg den sinkenden Mut wieder anqesacht und der es als Deutsch-
lands Unglück bszeichnet hatte, datz i'm Iahre 1918 Deutschlciyd keinen
„Trommler" gehabt habe. ,11 nd nun," sagte Justizrat Kohl, ..ist
Deutschland wieder in höchster Not, und wieder wartet ganz Deutsch-

land auf den „Trommler". Wenn aber ekner wagi.
Trommel zurühren, äannkommt der «"ai-
walt, der deutsche Staatsanwalt. Bei uns im unbesetzten ^
land ist es möglich, datz man zwei Männer weqen Ausreizung e
Hochverrat und zum Klassenhatz vor Las Eericht ftellt, die .
esie ihres Vaierlandes gewirkt haben. Wenn Sie diese zwei
verurteilen, so erkläre ich: Wehe dem deutschen Volke! si'inis
maniae!" — Der Freispruch stellt sich alsBlamage derIos
demokratischen Minierarbeit dar.


Die ReWwehr.

Dr. Eehlers Etatsrede im Reichstag.

Eigene Drahtmeldung.

' Berli«. SS.

Am NesierungStlscb: ReiKSinnenminister O e s e r. ^

PräsiLent Löbe teilt mrt, batz am Lountag der Abg- H
iTnat. Bv.> an Herzschlag insolg« einer Operation gestorben >n-
scinem letzten Millen sollte erst »ach seiner Beisetzung Üie Nachri-Vi
seinem Tode bekannt werden. ^

Bor Eintritt in Sie TageSorbnung weist Abg. Bartz jM

VeröffentlichunMN in ber .Roten Kcchne" hin. Lie beüäuptet,

Grundlagc zu stellen. Gencral von Secckt babe gesortert,
Zivilbchörden gch auf eine Mobilmachung vorbereiteten. lllachen

grotzer Lärm bei den Kommunisten.) Wenn dicsc ungehenerliwen z?p.:

tcilungen auch nur zum Teil wahr ilnd sZurnf bei der
Hosfentlich. Tobender Lärm bei den Kommunisten, die mit ä- q pr-
Fäusten nach ber Mitte vordringen.), dann mutz die Regierung
klären, Latz fie von diesen Dingen abrückt. (Grotze allgemeine j,»
Rufe rechts: Hochverräter. Lärm bei den Kommunisten. Schlupru'

aanzen Haufe.)

Das Haus stimmt einer Anregung des ASg. Müller-Ara^s
zu, bies: Frage bcim Rcichsw-ebrmjnisterium. deffen HausbaO
auf ber Tagesordnung stelü, zu bebandeln.

Die Einzelbcsprechung bes Etats des Neichsministeriums bes 3""^
wird sortgesetzt Lei Ler

Technischen Nothilfe,

fü< die SS Millionen Mark ausgeworken ffnd. -got«

Abg. Bräuuiug sSo-z.) letznt die Mittel für dte TeLniicke

Silfc ab.

di- ^

Auf hcftige Angriffe des Abg. Höllein lKomm.) c«S«n
nische Nothilfe erwidert Abg. Külz sDem.). baß die Tcchnisäi« sthjjSt
nberflüssig s-in werde, wenn Lie Kommunisten nicht immcr wieber
Streiks entfcsseln würben. ze«

Neichsinncnininister Leser erklärt. daß bie, N-ichSregicrunS -szze
grötzten Wert auf Lie Fortgewährung Ler Mittel sür bi-
Nothllse lege. Sie cmpfang« von kciner dritten Scitc Bezablung. „xliOv
nur vom Reich. Jm Nubraebirk hat ffch die Notbilie b-rcil, pg«
die burch Lie Abfperrung bes Derkebrs gesährdete Lebensmittelve«' ^-en-
zu ffchern. Eine dauerndc Einrichtnng soll Lie Nothilfe nicht -.ßenh,
Wenn die Eewerkfchasten so weit erstarkt finL, Laß ffe ben Schuv
notwendiger Einrich-tungen übernchmen könncn und wcnn ' ein

Einrichtungen so weit sortgcschritten ffnd. datz solch« Bereinbarilim
gehalten werden, dann werdc die Zeit sür die Beseitigung der
gekommcn sein. ^>e

Dcrauf werden die Mittel für die Technisch« Notbilfc sess"
Linke bewilligt.

Damit ist die zweite Lesung deS HauShaltsolaus bes Minii^^
deS Jnnern erledigt. ES folgt der

Ltat des RcichswehrmlnisterlULl«.

NSg. Stückle« (Soz.) berichtet ü-ber bie AuSlSutzverbanölo"0^p>lä^
fördcrungeu von Offisirreu deS alten HcereS babeu selt dew ^
a-ufgeüört.

RoiLSwebrMtuister Getzler: J-ch babe den Prästdenten
kurze Erkkärung abgrben zu dürfen im Hinbltck auf Lie »aLNst.

. Jn der .Roi-n v chk-
'Seeckt rüftet zum^, u"

ordnungsdelatte, die ebeu hier stattgefunden bat. Jn der -Roten
ist ein Artikel erschienen nnter der Ueberschrift: "Secckt rüftet »un>
lrieg." Jch habe bierzu zn erllären: Dieser Artilel ist nack „ d ,
Jrchalt unwahr und von Anfang biS Ende

lStürmisches Hört. hört! unü B«ifall. Zuruf rechtS: Also alleS
lichc Lügeui Lärm bei ben Kommnniften.)


Abg. SSövM« lSoz.) beklagt NS über di« runebm-nd««
anLlu-u^en und LesHimpsunHen und üb<r tie monarLin. - iE.

unszvanvTUu^en unö m)rmpsirnH'en und üv<r cie monai-^^'

tation öer Offi.ziere. Die illea-a-len OrMnisaLionen treiben elN « ' ^ ^

Epirl. Der Rcichswetzrminister muß klipp unö klar dartum

- --

ReiESweHr uichts damit zu tu» bat.

... Ho--«

NeiKSwebvminister Dr. Gehler: Für mIL ist matzgebend " j^jstek^
deS ReichSkanzlers und für öie Heeresleitung Lie deS ReiLSwew. Mp po
Wcr ffch gcgsn biese Politik wcndet. gcg-en den wird aufs allcrsw"
gegangen werden. lVeifall.) Ueber dcn un-ebeuren Ernst ter o
Lage bürfen wir unS andcreofeits keinem Zweifel bingcben-
cinem Bolke. daS täglich mitzhandelt wird. dürfen Sie nicht
datz es ln allen f-cincn Tcilen nüchtern «wd »erständig ksM,.ial

terncr Ueberlcgung müffen wir allerdings zu temsekben Nesulta:
wie Schöpflin. Ein tcutschcr Angriff wäre doch verrückt. qgsti"^

links.) Aber es gibt in Deutfchland vtel« Verrückte. iLebüan«^ -

Zm Wildbad.

Novelle von Gertrud Lent.

Eopyriabt by Augnü Scberl G. m. b. H., Derlin 1SS1.

H. Fortsebung.

NaLLruck verbote».

Da kamrn auch der R'ese herbei unL> sein WeiL. Er war a'er
«icht viel qrötzer als Henn. Dis Riesin — nnn, die mochie etzer äls
Niesin qrlten: und es stellte sich nach kurzer Beqrützung heraus, datz

Freilich wird s-e . .

di« fürnshmen BesuHer mö-qen einstwcilen einen kleinen Eang tun
ader 'die Tiere füttern — ein schönes Almendhaus HStten sie auch,
rneint« lachcnd der Mastlauer.

„Das ist es ecen, was ich Euch zeigen wollie," flüsterie Verena,
„es ist Lerühmt; bis Basel erzith-en ste davoni" „Seid a-:«r mit
Euren Bem-ereung-en vorsichtig," warn-e der R'.ese, „sr'it der Gssch-ichie
r.rit Lem Kometen sind sie hier qar stolz." Derena machte Legieriqe
Auqen. „Die l-enn« ich ja noch gar n'cht!" rief sie eisr.g. Dann
vlützts er sie dem Jungfräule-n erzählen, mein-e er.

Dsr Riese Leqann seine Erzühlung:

Sie entsünne sich wohl, vor e.n paar Zahren sei ein grotzer Stern
'trschienen m-it einem grausam mächtigen Lchweif, einsnr Schwe'if,
rvie ihn der Fuchs mit Len steben Zeifelfchwänzen laum hätie.
Und so Lurchsichtlg bei allem Feuerglanze sei der qewescn, datz dis
Sterne durch ihn gestrahlt hätten. Dieses fllrchterliche Gestirn
hätte eine Krast gehabt, datz man es noch Lei hellem Tag erolicken
konnte, und sei so in seiner Erotzmächtigkeit wochenlang am Fiima-
ment gestanden ohne Rücken und Rühren, un) das ausgerechnet
iiber Fuchsmatt. So würe es wenigs-ens den Fuchsmattern er-
schienen. Dies konnten sie sich doch wahrlich nicht bisten lasien.
Oder jollten sie's am End' jür eine Ehre ansehen? Nc'n, so dumm
waren sie aicht. Das Cestirn mutzie sort. Und zwar bald, ehe es
sinen Schad-en anrichtste. Da es mm in diesem Iahre wcnig Eicheln
und wcnig Honig gab. konnte gut das Untier am Himmel schuld
idaran sein.. Mas blieb übr'-g? Man schickte eine Eesandtschast an
iden Papst nach Rom. Und das half. Denn kaum loun-en dis Äo-en
tLeim Heiligen Stuhle sein, da zoq das Unqeheuer ab, lautlos ver-
schwand es. Ia. die Zwerge m-einten, es müsie sich ob dieser Nieder-
laqe arq geschämt hab-sn: -dcnn „es häb sie Stäl iizoge!" (habe
seinen Schwanz e'ngezogen). Die Botsn zwar waren nie in ihre
Hsimat zurückgekehrt: ein imssweissr Spielmann Lehaupteie sognr,
sie in Verona mit einem Tanzbären anqetroffen zu halen, wo sie
in einew riesigen Schauhaus hätten eine Vorstellung gegebsn.

„Ss. das ist die Eeschichte von selbem Kometen."

Henny und Vsrena gingen nun die Halle aufsuchen, in welchsr
trr. -Logt das Eericht zu hallen pslcqle und wo ^-e uumcherlei Ee-

schäste der Almende aLg-ewickelt wurden. Es war dies ein Geüäu
mit dem Elockenstuhle, aus dem das ALendlänien rorhin erilang.
Hier hatie ein frommer Einsiedler srüher And-achien abgehaltcn, h'er
sammelte der Nissr an Wintera'-snden die Kind-er, um sie zu lehren,
bier kamen die Meibe- zusammen und spannen, hier w:rde der
Zehnie grm«ss-n oder g-ewogen, hier gab es Hochzeitstänsc, und hier
hielt -Ler Marlgraf s«in Esicn, wenn er zur Iagd kam. Da diese bis
zur halben Höhe aus Vruchsteinen ansgeführte Halle, d'e einen wir--
lichen grotzen Kamin und einen g-atien. aus Tacksteinsn gefüglsn-
Estrich Lesatz, so viclen rnd hrrvoiragenden ZweSsn Liente, hatte
der L-andvogt sie ror ein'ger Zeit schön ern-eurrn lasscn und vor e.nsm
grotzen Iagdeisen des Mar-grasen einen freniten Ma-cr ges-andt,
der sie so prächtig ver-'erie wie -d'« Prnnlsäle der Vurgen.

Henny und Verena gingen Hand in Hand rund um im Saale,
lasen die qemalten Spruchcänder Lber Lem qrotzen Kamin« und
.erklärten sich gezrn-srstig dre Schild-ereien der Wände. Alles, was
sie s-ahsn, war mit eimm Ma.le roller Bezishung. Sie s/rachen es
nicht ans, aLer Las eigene frem-d«. sütze Gefiihl xwischen ihnsn Leiden
erhob stch zum SiernLeutsr nnd Propheten und las aus den Bildern
der Almendhalle heraus, was eiqentlich nur in ihren Herzrn ge-
schriebeu stand. „Nun soll einer saqen, der Tierlre's sei n'cht ein
schönes SinnL-ildi" meinte Hrnny, ais sie den Masiermann leirach-
tetcn, der aus einer grohen Muschel einen N-egen von Sternen
schüttel«, un'd 'die Verena Le.zaiin zu sühlen, datz sie — und der Hcnny,
nicht zu vergessen — zwoi w'nz-'.ge Dinger anf einer anch recht tieinen
Welt seien, die qanz ohne Velang umeinandcr führe in der furcht-
karen Unrndlichleit, und da merlt« ste, datz es in der Halle eigentlich
recht frost-g, nnheimlich und dunlel wurde 1-wh Ler schönen gemalten
Himmelsbil'd-er: — entfchlosicn wan-dte ste Krebs, Löwsn und Iunq-
srau den Rücken, die hier gar nichis sommerlich Warmes an sich
hai-sn, danlte Cott, datz der Henny da sei, und> zog ihn ins Frei«.

Da war der mild« Sommerabend m!t Dümmerunq und Tan
herabgesunlen. Der Himmel flammle noch von der letzien Alend-
röte. und ein uwleschreiblicher Duft von Laib. qeschnit'enem Holz,
Bliitrn, Tan.-.enharz und Wasier h'ng in der Luft. Die Erillen
ha-t-en anqefangen. ihre Nachtmusik zu machen, die Klühwürmchen
leqannsn, ihr Licht leuchten zu l-asien. In mancher Hiitte flacker-e
schon Kienspan oder Herdse,:«r. Die Riesin richtete eine grotze
Schiisiel Brei nnd zwei blanle Zinnlösfel auf dem Ti-sch vor ihrer
Hütte, stellts schwarzes Brot, Butier und Honiq bereit, gsräucherten
Sx-eck, Ziegenkäse, Wein und einen Kirschschnaps zur besieren
Verdauung.

Henny und Derena atzen und tranken. Bato war er wie e!n
snrscrglicher Hausrater, der seiner Fran vorleqt und anreicht, sor-
gend, datz sie cs Leq.iem und re'.chlich habe. dann mutzte Verena
wieder schauen. datz ihm nichts aLginge. Wks sie eines auf das
av.der« lieleroll-e Nücksicht nahmen, empsand«n ste stch immer mehr
ais zueiMnder gehürig, -uid Henny st.ng an, verstleckt« Anstpielunqen

aust ;u nia-hen. Er pries se'n Eeschäst, das d«r ^

ihm zu üLerschreiben rersprochen: sr'ne L^-ersteifchen DerbincU^-ch«
wnrds qan; poetisch im Ausma.'sn sriner Eewölbe voll
keiten, an Manu'actur. Gewürzen, Drogen. Srezereien.
und ssltcnen orienial'schen Waren. Erst se'n Haus i-n Basel!
das kennen Sie jai" Oü es ihr ge'alle? Dorsichtrg wurden
licher !n Fraqe und Antwort, nnd als Hennv dem Riescn - as ?^<iNl
maql bezahlte und sie auf-Lrachen, waren ste stch stillschwe'geno
einig un-d ohns ausqesprochene UeLereinlunit fo vertraut, datz^'^pa
soqar den Mnt sand. ron seinem Magenübel zu reden, und -h

qanz ostfen fagte: Freilich sähe er elwas gslb aus, aster
schon kesier werden. Allmählich kamen ste in sckmelles
berqalr und h'elten scharf Schritt zufammen. Da ger-e-en iht^
in solchen Schwung und Rhythmus, datz sie singen mutz'-en. sti't

Jhr ani" bat cins das antere. Henny bestand -arauf, st«
ein.n P«rs finqrn, er wolle antworten. Verena war ,'n den
mutiqcr als er. da sie ei-niq« Ilebunq hatte nnd d'e K!«^.^'/-.-qS<
so nahs hint-er ihr laq, datz ihr die Kin' rrlieder auch noch >rn
Nairg-cn. So fing sie tapster an, Hrnny sanq dann den zwe'te«
dcn sie wiederum mitstang, bis ein ga:,z«s Lied daraus wur^'

Zu Fuchsmatt wobnt e-n Riese,

Der Lre'b-t di« Schwe'n'

Ileber d'« Blunieuw'-es«

Jn'n Wald hinein.

Im Eras blüb'n Stern und Nau.c,

Auch Löwenzahn. ,

Ilnd da hat me'.n« Traut« i-tHH
Jhr' Freude dran.

Hoch über'n Blu-mendüftpa

Am Himmel stsht

5zn Llauen Abendliiste»

Der grotz' Komet.

Der soll uns heimleuchtr«

D«n Weg voran.

Datz wir ke n' Fackel brSuchten
Ilnd keinen Span.

Mit se-inem Stock von Hasel
Treibt ihn der Ries'.

Wir sind zwei Leut' von Basel
Ilnd stimen dies.

Ilnd singen «ins rm Wander»

Von Blum' und Steri».

?>at e'ner >en n"^er» --
 
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