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Badische Post: Heidelberger Zeitung (gegr. 1858) u. Handelsblatt — 1923 (Januar bis Juni)

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https://doi.org/10.11588/diglit.15611#0327
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!«r LuliI>nk^^^OO Zeniner Reis, 1400 Ze.niner GemiNe. 694 Zent-
^utter EammeUadungen, enthaltcnd Zucker, Speck.

^ndcm Fett. Hüllensrüchte, Rübenjaft. Kafe u,w.> an

L'udvieh seschloffene Ladungen, ferner einzeln 103 Stuck

neei.. Kalber. iog Lchweine, 4S Schafe, 400 Kisten konden-

Sn -Ari ^^>86 Zentner Zucker.

^eisc naw^i^L^^L ^ind al'e Landesteile, in hervorragender
?urz, Cackik,» . ^ ^ie ireutzifchen Provinzen Pommern, Branden-
^eilwt D/, und Hannover, und von den Eliedstaaten Mecklenbum
Anwe'^una wcifung der Li^e be a ben erfolgt naH

un

Hegeii Wuch-r und Schlemmerei.

»Debatte Lber das Notgefetz.

Eigene Drahtmeldung.

Am Rsa- Berliu. 28. F.'kruar.

ö«t, ReichSwrhrminlster G e b l e r.

tlba^.^^tsren ^linet die Lii>una um 2 20 Ubr u, d tci t m'.t.
tzb?»' tk l ü a n » , !??cüern des S.'aotSgcrichtsbo.es ernannt w.rüe i si',:

Dt e r ck 'Ztr.l. Gvtbcin (Dem.l un> als St.ll.e tr.ter dt-
iterj ^nraus Bvt.) uud Brnnner (Loz.l.

Abg^"Ps°di^ ^Eite Lesung des Hausbalts bes Reichswekrmini-

beb^tiicr g^^'tich sAomm.i ^ält tem Reichswebrmin.strr
n->!'liüs cin-"n^^t°rung Pcch aebabt. Der prcubische .

"üuiii,' °t-uen ^^rrbindnng z.rtsch-n dem Rcich wehrm n erium i nd
b«n «cltcin ifn^?^ation:n zunegcbcn. Das 8 Ubr-Ab ndblatt sch ci .t
'"ilkt- *bereilnnn lviinistcr Severing bab: mit'd n !e?r ani a i '-
!°iue u' Auch ^?' SrtroOen. datz ste bis 31. März a sgelö,t werdrn
trs sn Vrrsljj,i7>„°^ sei.frciwill.gni Organ s.itio en sollt n i i Z iiun t
tHbr, Mrkieizfi,„s„,"rrhr erhalien. Abmiral v. Hrn e bit i.i L crt.et'ii a
^ters„<???tl linka i "^os Lreslan i er «cht lie F.i t bii a Sz s i b n.
»i>, uuk, . 2-1 Lerder seien diese Selbsts >'U, o.ga i.s tionen of iü ll

vor, er ha"e
Jnnnui.t.iist r

"ven. ,, r e,r

einen

gestellt wcrden, in Sem

^tium^^st ivero-!! ^rs PräiiLenten unb im Einoernebmen
vnterbroch^ Law?t Verhandlunge» zum Reicl.t

mit dem
swe.rmini-

^led

"St

werb,

^Utz Dr' ^s solgt bie zirerte Beraimig des NotgeletzeS.

?.»I> -fMossen N ,l3tr.l stellt als B.-r!ch!ersta ter fest. ditz der Aus-
Wien"-" SeschuA' die Bcstimmungen d:s § 83 ber Gewcrbeordnung
"Ui »„Men u«^"n Gesellschaftrn. V-reine. Klnls usm. Anwen ung
E'N l>ie cia-„,^A selbst dann. uenu der Vertiieb von Aram t e!u
ffner S ngch Mitglteücr vorgenommen wird. Ncu einge üat wird
L» G?"^tra!e u -^ "'it Gesängnis bis zu 2 La'r:» cder m l
^»U!«?UH 1U loacvll Mark bestraft wird. w.r sich burch

chli,?Ulitt,.u gcistigen Getränken oder durch anderc
^Ne^°°n R„„ furinen bic ZurechnungssäbigkcitauS-
i"eruv»'? i t S t» « -E zuftand versetzt, wcnn cr in dtessm Z ft ini e
?>»» ?Uung ° k - bedroSte Handlung begcht. Tei einer
^cschak?«» Wucher und Preistrcibrret !oll cin ös entlicher An-
">e g„,'Ue Bckanntl^um an einer wcithin sich baren St.-Ne cifolgen. serwr
Xi^elchlvsi-« uuntmach,.«. --- >> Gastwirtfcha'tsräume,

verwendcn. Das Er-
abgeänder', daß ! i>: Rc»

_ _... abweichcnüc Vorfch:is!en

L ^ur Abw7n"'°^" ^ -rlailen:

,Ur Abnvg^ lremder Einwirkung auf die deutsch: GerichtSbarkeit,
z Md aui zi! .-wder Einwirkung aus die deütsche Steuergesetzgebung

das Notgcsetz

i. auf d,e I,?,!"ber Einwirkung
!. Schntze ^dMchen Finanzc».

„ ur Süoforg.M Wahrung.

Mw Notgesetz KrieasbeschSdigte.

>iff'"ur Notaiiriegsbeschädlgte. Rentner usw.

ReE, d werden vier Entschliehunge« angenomm-n.
?»l,x??>llen „h.. ung aufgefordert wird, schlcunix-st d«n Jnhalt der Straf-
soich,. ^-lstreiberci, Wucher. bekannt »u geben, und vor der

, -"rroeb. tz„""weert wcrben. auch soll reichlicher Ol.-frierilcisch cinM
g,'? -rsoigg^ " Endljch soll auch etn« Zusammenstellung der Patzvor

. die vermibt

^ii^Mierun"'^^^"^ der SachwertLefitzer zur Steuerleistun«.

iMtM' ^ie Jnitiative In der Belämvfung der Nabrungs.

?°is,e -rben. ,-?-Mbrot wird nächstenS von 1000 auf 1800 Mark ver-
^>tz M rundoÄ' AElrt links.s Ein Psund Zucker wird in üer nächstc»
^>d bat?? Ändustrjp kommen. 403 Doppelrentnei^ Zuckcr mntztcn

L,7.us dT. funb gktz" L">i nnrs.i irrn Pn

^ndnstrj? kommen. 400 .. .—„—

i!,r.. ' uin stg,'E. »bcrwiesen werden, weil die Bevölkerung nicht daS
^ej^Meistrejf.» - n Zsucker zu kausen. Die Produzenten untcrgraben
z jMrnLhrnn^-bie Widerstandskraft des Volkcs. Mit ErlaubniS

Prozent uvieres deutschcn
lHört. bört.l Der Nedner
ae»cn die Diebbändler. die in-
Dcr grötzte Spitzbube

..... ««.L

f^Kausmann haben, der s«in« Preile !o «yow.

a« dem

kaufen kann. Mau wundeve slch Lber d!e Prcissteigeningen trotz dcS
Doüarsturzcs: aber Eisenbahn, Koülcn. Postgebirbren und viclcS anderc
werden dauernd noch teiircr: tas müste der Kansmann doch aufbrlngen.
Ein Waggon Vieh von Ostvreutzen his Berlin koste jctzt SSOOüo Mark
Kracht. Der Redncr wcndrt stch dann gcgen die Oftjuden. die
das deutsche Volk bewuchcrn nnd die Wobnungsnot steigcrn.

Zlbg. Dr. Bell lätr.l stellt sest, datz alle Parteicu darin einig stnd,
daß gegen die Auswüchfc des Wirtsbauslcbens cntsMc-
den cingekchritten wcrden mutz: ctnem eürlichen Gastwirtsbetricb und
cinem ehrlichen Handcl will niemand schadcn. Der Ziedncr crklärt stch
dann gegeu den deutschnationalcn Oftsildcn-Antrag.

Abg. Vartb lKomm.) warut vor cincr dlusländerbetze.

Rcichsuiinistcr des Jnncrn Dr. Ocscr bittrt, dcn Nntrag gegen
dle Ostjuden abzulcbncn. da man keincn Untcrichied machcn
lönne zwischen der Einwanderung aus dcm Osten und der aus dem
Wcstcu. Die Rcichsrsgicrung wird vrüfci« vb dic Jnansvruchnahm« vcn
Näumen durch Sluslander rcchtmätzig ist, »nd gcgeücnenfalls cinschrcite:!.
Das Wcscniliche licgt jcbt bei dcr Vcrwaltung.

Abg. Lenthänser lD. Vv-> begrüht es, datz sür Schankkonzesstonen
das Bcdürfnis geprüft wcrde und datz

die Schlemmerlolale auch unter dem Deckmantel der qeschlofienen
Gesellschast qeschlossen werden sollen.

Er beantragt aber, uin Härtcn zu vermeidcn, besteHsnde geschlostcne Ge-
scllschaften von der Nachvrüfung zu bcfrcien. Die neuen Wucher-
bestirnmungen mützten aufs fchärfst« angewcndet rcerbe«.
Redner empsiehlt eine Enischlictzung, monach zur Unterbringung der aus
dcm bcsetzten Gebiet ausgewiesenen Deutschcn in erster Linie die Wobn-
und Gcschäftsräumc dcr Auslänber bcnutzt werdcn sollen. Von dcr
Reichsrgicrung wivd jedoch vor allem cin Einschreiien gegen dic Ostjuüen
erwartet, die Lie schlimmstcn Schädlinge und Wucherer seien.

»Abg. Warmnth lDnatl.j b:antr.igt d.e Bestimmun e i in Z st -u
streichen, datz Ler Rauschzuftand besiraft iverlen scll, w n i cr zur B:-
gchung cincr Strastat sührt. Z 6 wird üarauf mii den Stimmen Ler
Deulschnatisnalen und Sozialdemolraten gestr'.chen.

Ilbg. Brotaus <Dcm 1 emvfichlt einc Entschlrctzung geaen
die A u s l ä ii d er im allgcmeiuen. Dicse hkttcn ltShcr m hc En -
gcgenkomnren gesuuden als bei unserer katastrcvbal.n Woh iun.snot er.
träglich set.

Das Gesetz «ird darauf i» zwciter und drittcr Le'u:g ange-
nommen. Angcnommen wird ferncr cine Enischlictznng Leuthäuser
lD. Bvt.) und die AuSschutzcnMItetzungc« eüenfalls.

Dann vertagt stch das Haus auf Dienstag 2 Uhr: Anleibsdenkschrift.
Einsvruch Les Reichsrats gegen das Preffe-Notgcsetz, Wehrministerium.
Schlutz 7 USr.

lWiederholt, da n«r in einem Teil der gefirigen Auflage enthalten.)

8m dar Sankgeheimmr.

Reichsbankvräsident Havenftein für seine völlige Wiederherstellung.

Vou unserer Berliner Redaktion.

Berlin, 22. Februar.

Jm Steuerausschufi des Reichstaqs erklärte Reichshankpräsident
Havenstein! Die ReichsLank hat seinerzeit vor der Beseitiqunq
dcs Bankqcheimnisses und der Einführunq des Depotzwanges
gewarnt, weil sie nebcn der qrosien Velastunq der ZsinanMmter
und den unproduktiven und lostspieliqen Arbeiten für sie
Banken schwere vslkswirlschastliche Nackteile davon befürchtete.
Diese Vefürchtun'sen sind durch die Erfahrunqen durchweq bestä-
1 iqt worden. Weite Kreise der Bevölkerung sind durch die Steuer-
qesctze veranlasit wordsn. sich vom Bankverkehr abzuwenden. D'ie
ftolqe Lavon ist eine wesentlichc Vermehrunqdes Barqeld-
verkehrs und Darqeldbedarfs und eine qanz erhebliche Zu-
nahme der Inflation, die qcrade von der Eeldseite ihre
vcrhänqnisvolle Wirkunq ausübt. Die Aufhebunq ces Bankqeheim-
nifies und die Einführunq des Depotzwanges haben aber weiter dre
Unterbindunq des Sparsinnes und die Verleitunq zum
qesteiqerten Derbrauch sowie einc schwers Schädiqunq des Renten-
marktes und des ganzen Kaprtal- und Kreditverkehrs im Esfolqe
qehabt, defien äutzerste Anspannunq die Heranziehunq alker slüssiqen
Mittel und zwar qcrade im Hinblick auf die weiteren Aufqaben
unferer qanzen Wirtschast Lrinqend qeLoten ist- Die Wiederher-
stellunq des Verirauens kann nur bei völliqer Aufhebunq
der A u s k un f t s p f l i ch t der Banken erreicht werden. Von
dem Depotzwanq sind in erster Linie die Rentenwerte bstroffen.
Äber die Veseitiqunq musi sich auch auf die Dividendenwsrte er-
sirecken, um die qehamsicrten Eelder nutzbrinqender Verwendunq
wieder zuzuführen und hcmmende Wirkunqen aufzuheben. Auf
Erund ihrer langjährlqen Bcobachtunqen und ernsten volkswirt-
schaftlichen Erwäqunqen mutz die Neichsbank sich für die völliqe
Wiederherstellunq des Bankgeheimnisses im frühe-
ren Umfanqe aussprechen.

Aus Baden.

Die Verkehrsnot in Bade«.

2 Freibnrg. 21. Febr. Jn dcr .Oreibnrger Tagespoft" beivricht Land.
tagSabgeorbneter Dr. Sckofer die durch die Stillcgung d-s VertebiS
zwischen Offenbnrg und Avvenwcier bsrvorKerufens Bcrkehrsnot iu
Baden rririd erklärt, datz 14« Verkcbrsoevbälinist« von Frviburg und deur
südlrchcn Babcn so, ivie ste heute besteben« unmöglich bleiben
könneu. Ilbgcordneter Dr. Schofer schlägt vor, alsbald eincn E i l z u g s.


Vrad

88 LN--.

Stadltheater.

amante. Komödi« von Legal.

-cr!an?j ' "gewitz einer idealgestimmten Seele ihren
^ w°tzl stiM °n w:e ein ichwacher Paul Heyse. das Hat

,»L>v,r gefüNt, denn er fügte den allzu sanftrn Szencn.
i°nis.M°n Knittelrersen plälschert. ein NaÄprel >-r srausllch
<^°^-°sinscher Manier an. wo die Münner noch ernmal sich M-
MMhro ° uL«r die L e-be äutzern. Das Stuck rst eins. grotze

^ ?uc-e Thema. was in der Kleinstadt aus Mannern

s>k >!e dr. Merler cr—.:-- '

isch le-ben.diger
und
und

Äeq.'Mr.^s Schlasengehen trelen die Jungqesellen

d. ^br Leqäs't» an Las Fenster m,t den Blumeniöpfen
I»? Äo-. und ^ uüchterne, Ler sentunentale, der leicht ver-

Uiler Ä" in n«! k'^U'.^nfiche. Und von der Stratze an worten
»Ä ?ursall L'Uadnisvollen Töneu. Tas'lst ein hiibscher und
chi!„Miia.rtes cÄ.M kein für ein Stück ausreichender Gedanke.
^le-Len »-^IUFLes MLdchen einige MSnner, die durch das
b?°le „^Ubr'n.-,^ ' ? ralsche Orieutierung gewonnen haben, durch-
SeMleMr sogenannM^-' O^ügt nicht, datz üLsr sogenannls
gA wirtz sNetzlge Eesinnung geredet unü immer nur

^ iiv Helm'«„„k'Uj>urger mit Idealen hat es irnmer schon ge-
>ir°?br wisder «j>^^ köstliche Bücher über sie gcschrieLen, Lie
nehmen wrvd. Aber die Bemerkung,
^ «>l^^ yle» e^^ d>e lustigste BegaLungen zu eitel Spietzsrei
'rtz D „l^öas Sache in ein abendfüllendes Stllck so aus-

: tten ein - Philistereinfall.

A-? Urit «hxsj^^^'kute Lob. Der Apotheker, k-er von Ludwiq
U ekenio^s^ H-Ugabe verlörpert wurd«. ist in der Fabel-

R?u ö«n seltsnm»^^ wie in dem grotzen Arzneibuch, das so
^M>l,^6enstari>z^ wen Pslanzen und Löndern zu erzählen vermag.
!>» ^t°,0at ex Bx-i>->??rliebt, und die Richtung, in die seine Träuni«
' t MäLche^°'°>uunle getauft. Nun kommt ein frisches ge-

und ein durchbrochener Blaustrumpf —

»^amants teginnt für den Avothekor Blut und
',Ul>° p^Nen Ven, n« qab Hedwig L.illie einen sehr ke-

:i!-e>>b Ä »Ng be-r Ännerlichkeit und ihrcr Frische. D>e

Er lüsterne Junggeselle Fabian r«s

-- o ^ wenigftens — man verzeil>s schon

2>° -» Akattner .^°b«n in die Bude! Sehr reizend war

Duwack kle!

ichuf Max Weisc nnt dem" Apothekensaktotum

i!t»< > N e r -- .-- >» v>c -vrri.r! ,

?be von verwitwete Subreltor Smidt.

Fiaui' bleidetr sie sehr gut. Eine llbcraus

^'r.fa^°uu. h>«/wa^° ^"^ Weise nnt dem Apothe'ensaktotum
> 'Denn, Zug echt und §um Heile des Stllckes

>>» „„^sagen vfleatei vEr?<°',we>ne Herren! (wie man b«im Land-
^ di« Herr-n G « ^ ?»tte es eine Kaiastrophe gegeten, trotz-
Eockler und Sauer uud Frau Braun-

Erohe, r ihr Allerbestes zum Danzen beitrua«n. Aber das Publi-
kum war fremndlich artig und gedul'diq mrd hatie einc gechijse Ecnuq-
tuung, als Eichendorff-Schumanns „Es war, als hätt' der Himmest'
hinter der Szene ertönte. Leqal hc'nr der Verfafier, ob er aber
als Komödiendichter legitim. Erbe grotzer Ahnen, ist, das wird er
künstig ans Licht bringen müffen. X.

SiudentenMaft und MegsVuWage.

Ueber die K r i e q s s ch u ld w o ch e des Deutschen Hoch-
schulrinqes in Vitzenburg a. Unstlut erhalten w!r folqendsn
Bcricht:

Die Taqe vom 27. bis 31. Ianuar fahen unqesähr 70 Vertreter
der OrtsverLände dss Denischen Hochschnlrinqes zu ernster Arbeit
versammelt. Von Kön.'ac<erq bis Freibura !. V., von K>'l bis
hin -ntcr nach Siebendürqen waren sie qekommen, alle mit dem
crnsten Vorsatze. endlich c.nmal den Kampf aeqen die
Lchuldlüqe aufzunehmen. denn wir müsscn diesen Kampf kämp-
fen, allerüinqs mit den Wasfen des Geistes, d-r abcr doch am Enoe
dcn Sieq davonlraqen wird über Eerpalt und Wahnw'tz. Llnd es
wär 'cin quter Eriff der Leitunq, dast sie diese Taa.uNg auf das
Land, fcrn von Lcm Gedrnnqe d.cr Crotzsia^t, einbcruscn hat, dcnn
nur von dem gesntrden, srischcn Ceiste des Lanüvolkes kann die Ge-
sundiina dcs deutschen 'Bolkes ausaeben,

- Schon dcr Veqriitz-. nosabcnü zeiate den Eeist. dcr übcr der
aan-cn Taqunq wchen lollte. Dic Bewobner dcs Dorfes Neins-
d o r f lietzcn es sich uiüit nehmen. mit uns die Taaunq zu eröffnen.
Und so kamcn sie in lichten Schärcn von ihrcn Zlrbeitsstätten. Ihr
Psarrer hictz die Te-Inshmcr herzlich w'-llkommen. Ceine De-
arützunflsrede klana !n dsr Mahnunq zur lAniqkeit aus- We'iters
Äns-rachen wcchselten mit Volks- nnd VaGrlandsl'e^ern nnd hisl-
ten Studcntcn und Bcwohncr nocb lanqe Zeit beisammen.

Ani nächstcn Morocn bcoann die ciqentliche Taqunq mit einem
Rcfcrat des Hcrr Trüqcr vom ..Arbcitsausschutz dcutschcr Ver-
LLnde" übcr dcn ..Stand dor Schuldfraac in Dentschländ". Ecin.a
sci noch d:s Arbeit q.-qcn Vcrsaillcs bei »ns. Allmählich müjie
eine qrotze Beweauna dnrch das Volk qehcn und es mllffe selbst
soqcn: Weq m!t Vcvsa-llcs!

Anschlictzend sprach cavck. fur. Enqfer über ..Studentffche
ArLeitsmöqlichkeitcn". Seive Rede führte zum Schluffe zu einer
Entscblietzung, d:e auch van den Teilnehmcrn qutoeheitzen wurde.

Hicrauf kehandelte Vrof. Karo-Halle das Thema „Schuld-
sraqen und Ausland". In llar.n Worten leqte er dar, wie die
Fe'ndschaft der — man kcinn be nahs saaen — qanzen Welt qeqen
uns cntstand. und wie die deutsche Reqierunq ruhi« diesen Hatz
auflommen lietz.

Der erste Taa klanq aus in einer machtvollen Kundqebunq für
ein Erotzdeutsch land, zu der sich wiederum die Bevölkerunq
einqefunden hatte. Aus fast allcn Gebieten. wo die deutsch« Zunq'e
llingt. sprachen Redner, und aus aller Munde konnte man die

verkcftr Frewurg—TanaueWnqen—Villlngen—RottwcN—Gaki»—Vkorz»
bcim—Karl-sruhe einzurickten. an dcm vor allem die Gciüiäftswelt Obcr»
l'adcns arötztes Jntercstc hob«. Dte cntsvrcLcndcn SÄrittc seie» bercits
cinaelettet.

Proteft der Biehhändler.

— Mannbeim, 20. Fcbr. Jn eincr üier abgcbalicnen Vcrsammluns
dcS llntcrbadiscücn V i c b Ü ä u d l c r v e r c i n s wurde bckchlestrn. eine
kachmänuische Kommistion »u bildcn. die von dcn zuftüudigcn amtlicbcu
Stcllcu gutachtlich zu börcn lci, cbe gcgen eincn Hündlcr cingcschri.'tc»
werdc. Sollte wiüer Erwartcn bcm Antrage »icht eutsprochcn merdcn.
dann wirb dic Händlcrschast dem 'Mannbcimcr Markt f c r n b l c i b « n.
Jn dcr Iicrsammlung ivurüc anch aus dic B c t r ü g c r c i e n biiigcwicicn,
die durcki Füttern mit Salz das Vicb »u ubcrmäkigcm Sautcn rciiica.
uud aill die hoben Uniiatzstcucrii. Mit »Hickstckit ans dic starkc Konkiirrcnz
der rbcinischcn HSndlcr wurde augcrcgs. datz die bicstgen Mctzgcr cine
balbe Stundc vor Marktbcginn Zutritt auf dcii Viclilwt babcn sollcn.
damit stc in ücr Lagi stud, Lie beftcn StückeBieh für ibrcn Be-
dars auszusuchen.

— Karlsrube, M. Kcbr. Wir erbaltcn von de Mteresstcrisn Scii«
fvlgcnde Zuschrift: Heute, da die Einigkci-t aller Bolksirctsc zur Tat »u
werben versvricht. bcdicncn stch die Zabnärztc in itzrem Kamvsc gcgcn
dic Dent! ftcn cines Ätüttols, das ocrade in dieser Zcit beiondcrs vcr«
wcrslich ist, indciii ste dic insolgc Ler nationalcn Not cntstandcnc Dcnk-
weisc Lcr Deiitsckici! auszunützen versuchen. Diescr Kampf rickitct sich
nämlich gegcn d!e seit Jahrzetznten cingefiihrte und allgeincin vciständlich
gcivordenie Berufsbczeichnüng -Dentlst", di« ein französtsckrcs Work sein
ioll. Taisächlich stammt daS Wort Dentist aus dem Latcinlschen. ivic iehr
vicle anbere deutsche Bcrufsbezeichnungen, von „Manrcr" und „Kcllner"
bis „Jnspcktor" und „Mindster", die allc für jedermann verständliche Be-
griffc barstellen wie Dcntist auch nnd somit gar nicht mebr nls Kremd-
wörter gelten können. Die Zahnärzte wollen für d!e Dentisten offiziell
di« Berufsbezeichniiiig „Zahnlechnlker" geiebt wiflen. als ob das nicht auch
cin Freindwort wärc uwd übcrdies allmählich meihr unb mchr ctwaS
nnderes bczeichnct. nämlich d-en Hilfkavbeitcr des Zahnarzteö, der ihm
dcn Zahncrsab lnämlich' klinstliche Gcbisse ufw.> fertigt, wälrend d!e Den-
tisten bas selbst machen, also ivvbl Techniksr sind, aber auch inkolge iürer
heutiizen von Akademikern lAcr-tcn und Npothekern) vcrmittelteii Bildung
in Lehrinftltuten und einer mlndestens sechsjährigen Ausbildunnszcit nicht
nur das Gebiet des Zabnersatzes, sondern auch das der Aaünbebandlung!
bcherrschen und be-herrschen müsscn. wenn ste dle staatliche Priifiing bc-
stehcn wollen. Jm übrigen ir-ird' das zabnleidende Publikum diesen Kamvf
gcgen eine durchaus nicht n.ur in Baden eingesührte, längst allgemein
aebr-äuchlich gewordene Berufsbezeichiiung als das erkennen. was er tat»
sächlich ist, nämlich als einen hählichen Konkurrcnzkamvf.

? Freivnrg. 28. Febr. Jm 61. Lebensjahr ist bier Ler Profeffor dcr
Gynäkologie bcr Freibnrser Univerfttät, Dr. Gustav Bulius, Ler
S2 Jahre hindurch ber Freiburgcr Hochfchule angeh'örte, x. estorbe ».

? Frriburg, 22. Febr. Bm Sonntag abenS fiarb hier im Altcr voik
65 Jabren der chemalige Buchhänbler, BuKLruckereibesttzer unö Ber-
leger der »Brsiscaiier Zeitung", Hubert Waaner. Bis «egen daS
Ende d>es vorigen Nabrüundcrts nahm cr sowohl am volitiscben Lebe«
Freiburgs wie auch des badischen Handels als ziclbewutztcs Mitglicd dcr
libcralen Partci teil. Das Bertrauen seiner Freunde beries ibn iür
lang« Zeit in den Bürgerauöschutz und das Stadtratskollegiiim der
Stadt Frciburg.

? Frelbnrg, 22. Febr. Zum Zugverkehr »wischeu F-rciburg und
Karlsrube svwie bcn n.ördlichen Gebi-cten Badens ü.l-erliauvt bat die
biestac Handelskammer eine Eingabe an daS Neichsverkchrs-
ministerium gerichtet. in der darau-f hinvcwicsen wird. datz. bci aller Sln-
crkennung für die Leistungen der Reichsbaün in der Utnleitung des Ver-
kebrs, die Berbinbnng mit Mittel- und dlorbbaden unbedingt ciner
weiteren A u S g c st a l t u n g bedars. Eine !eür wesentliche Verbcsse-
rung künnte in dem Eiwlegen eiwes weitcren Eilzugsvaares zwl-
schcn Fveiburg und KarlSr'uhe übcr dcn Schwarzwald heibcigeführt
werden: dicfe Züse mützten jcüoch im Gegensatz zir den bercits vorüan-
denen eine unmittelbare Verblndung obne Umstciaen mlt Karlsriihe dar-
siellen. Damit lönnte a-uch eine vefferc Postverbindung geschaffcn wcrden.

° Staufenberg. 2V. Febr. Es wird so viel gcgcii die Schicbcr,
^Wuchcrer uud Preistreibcr gesvrochen und geschricbcn und d!e
Reaierung zn Matznahmen gcgen diesc Zluswüchse tm wirtsckiastliÄen
Lebcu ermuntert, aber Liese Geschäste ickcincu immcr noch zu blühcn,
ja man hat das Gefühl, als ob sic im Steigcn bcgriffen seien'und mit dcr
Abwehr aar nicht so schr Ernst gemacht würdc. Wre könntcn denn die
Prcise sür die Lcbensmittcl ins Ungemestcnc steigcn und in den Geschä-'ien
so verschicde» sein? So wollte cine HauLfrau Oel kaiifcn. Es war noch
früh am Tage. Jm einen Laden wurdcn 12 OVO Mk., im a n b e - c :i
9000 Mk. und im ürittcn 7000 Mk. sür daS Liter verlangt >V>an
bcackite biescn Untcrschicd! Ofscnbar war unter den verschicdeiicn Laden-
inhabern flir diese» Tag drr Preis nock »icht vereinbart. Ilüf dc-.r Mär.'-
tcn ist es ähnlich. Butter wird aus 8000 bis ckO 000 Mk. herausgetricbcn
von Hänölcrn, Eicr aus 400 Mk. Solltc da wirklirh kcine Bchürdc tie
Macht bcsitzen, hicr einsugrciscn? Die „Nlcffchcrzciiiliig" vervffent.!>!>!«,
cinc Mctzgerinnuna habe ciuen Händlcr bcauftragi, im Obcrland,
wo cr dielcs Geschäft sckwn wicdcrlwlt bcsorgt hanvtkäck-lick Käl er
ciiizirkaufcn. Er habe dicses Gcsckiäft bcsorgt, abcr dos cingclauste Vieh
nicht d-r betrcsfeiidcn Stadt zugefiihrt, sondcrn an ihr vocber
ins besetzte Gcbict. Hier wirs« sich abcr die Fragc auf: Wic
konnte ihm das gclingcii? Hattc er von irgciid ciucr Scite Hilfe? DaS
Volkseinvffildcn sagt jich da gleich, dics wärc dock, zu vcrhinüern gcive'sn.

X Nadolfzcll, 22. Fcbr. Ein autzerordenilich starkcr Vcrkchr
herrscht rurzeit auf dem hiesigeil G ii r e r b a h n k o f nnd aiif dem Giiter-
ba'bnhvf vvn Singcn. Zahlrcrche Koblcnwagcn, mit dem Sckiweizcr Krenz
bcL'eickinct, dnrchlaufcn, von Obcrschlesien oder iivn dcr Ztub: koinmend.
die bci'-en Babnhöfe. dluch Wagen inii Pavicrholz aus der Tschecho-
slowakei und Wagen auS Holland sind nicht seltcn.

>l Bodman (Bodensce). 23. Febr. Dor einiger Zcit gin--,' durck, die
Prcste eine Mittcilnng, wonach der seit >914 vermitztc Kriegstcilnchmer
Sllbert Hahlcr, dcr inzwifchcn ffir tot crllärt woidcn war. wiedcr
I heimgekchrt fei. Wir habcn Lie (veschick-fc von Ilnsang an für un-
I wahrschcinlich gehalten. datz nir aus iüre Wicdergabe rcrzichteten. Jetzt
' stcllt stch hevaus, dc.tz es stch bei dem aiigcblickien Hciingekchitcn um eincn

Sehnsuchtnach dem Mntterlande vernehmen. Und mäch-
tiq Lrauste das De-utschlandlicd durch den Saal.

Am Sonntäq vormittaq entwickelte Prof. Dr. Sauerveck-
Zllrich die Fra-ae des Pazifismus imd brandr.iarlte das Trei-
lben der de»tschen Pazifisten während dcs Kr'eqes. Ueh-rhaupt
stellte Profeffor Sarerl-eck sein reiches Können während der Taquuq
in dcn Dienst unserer qutcn Lache. CelLst Schweizer, hatte er ff.ch
schon in den Zeiten des- Kr'cqes warm für Deutschland einqesetzt,
nlcht ni-r allsin mit seiner Person, sondern auch mit seiuem Eute.
denn cr'wntzte. wo man das Reckit suchen mutz. Und deshalb sind
wir Dentsche ihm orotzen Danl schuldiq.

Nachmittaqs zoqen die Teffnehnier m!t der DerMerunq und
den Bereinen der umlieoen>en Orischaften hinauf zum Denkmal
fllr die Eefallcnen des Unstrutiales, um an ocweihtcr Statt!:, K>-aft
,M holen zum wcitcren Knnlpfe fllr imser nel'ebtes Vaicrland. Und
man könnte diese Kraft schöpfen Leim. AnA'ck dicses stummcn Zeu-
ocn deutscher Heldenarötze und üei den Klänqen des Riederländk»
scheti Dankliedes und des alten Lutherl-'edes „Ein' feste Durq''.
Vcim Fackslscheine qinq es znriick nach Vitzenburq-Reinsdorf, un»
als ror Sem Kr-eaerdenlmal die Fackeln zusammen-'eworfsn wur-
den, da ertöni-en „Der Eott, der Eisen wachsen lretz" und „Bur-
schen herausi".

Der Abend sah wieverum Vevölkerunq imd Teilnshmer bei-
sammen. Prof. Solqer-Vcrlin sprach ül-sr leins Eindrücke in
Ehina. besondsrs .Tsinqtau. Auch imfercr Briiver an -der Ruhr
qcdachien wir. Di>rch cine Sammlunq loniffen der Ruhrbilfe
imqefähr 470 000 Mark i-Lerw-esen werden. Dic Verireter oon
Eraz, Praq vnd S i e ü e n h ii r q e n vernchteten auf iliück-.ah-
lunq des Neiseqcl'des zuqunsten dicser Sammlnnq.

Am nächsten Taqe Lehandelte Graf Karo-Halle dis Vorqe»
schichte des Krieqcs. Dann er.iählte uns Eraf Oito v. Stoll»
b e r q - Werniqerode etivas ron dem Eisnsr- und FechenLachrroM
in München- Herr v. Weqerer von der Zeniralstelle fllr die
Ersorschunq der Krieqsursachen zeichnete sine llarss Bild vcn dsr
„Iulikrise des Iahres 1914". - Herr o. Schweinitz vom Ureeits-
ausschiitz deuischcr Verbünd« sprach n-ber „Schuldsra.qe nnd Aüs»
landspropaqanda". Den ALschlutz dsr Woche bildete ein intereffan-
ier Voriraa von Dr. Schoite. Lem Herausqeber der .Preützischen
Iahrbücher, über die „Autzcnpolitische Laqe". Noch lqnqe satzcn
wir mit der qastsreundlichen Bevölkerunq beisammen und dan>-::n
ihr für die licbevolle Aufnahme.

Als wir am anderen Taqe früh morqens der Heimat zufuhren,
maren wir beqeistert von all den Eindrücken, die wir qenammen
hattcn. und cin jeder qclobte sich im stitten. sein Teil beizutraqen.
datz einmal — irllher oder später — dcr Vertraq von Versailles
aus der Eeschichte der Nölkcr veischwindet. und er mutz und sr
wird fallcn, wenn ein O0-Millmn n-Volk stch in dem Willen qü-
sammenfindet: „Weq mit dem Schandvertraq von Derfailles!", denn
„Wir wollen frei sein. wie die Däter ware« —!"

Heidelberq, Februar 1923.

Grnst Kemm, stuck. rsr. pol.
 
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