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Badische Post: Heidelberger Zeitung (gegr. 1858) u. Handelsblatt — 1923 (Januar bis Juni)

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https://doi.org/10.11588/diglit.15611#0338
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troffen fknd, nunmehr ?n Deutfchfand leben und die Rnckaabe der
Werte in Höhe von 100 Millionen Dollar eine Besserung der
Finanzlage Deutschlands. insbesondere seiner Währuna
hcrbeisuhren könnte.

bisherige Bildunq aktivfftifch-produktiv fein. Das, was an der Nuhr
und am Nhein geschehe, wo die Fabrikmenschcn neue Eeschichte machen,
werde entscheidend sein auch fiir die neue deutsche Bildung. Es
solgten dann noch einige Schluhreferate.

Aufgenöiigte Settiebttuhe.

Von zuständiger Stelle wird uns geschrieben: „Vor.kurzsm sind
eine Reihe von EisenlahuLeamten im Bezirk der Reichsbahn-
direktion Mainz vor das sranzösische Kriegsgericht in Mainz
gcstellt und mit cmpfindlichen Eefängnissirafen ohne Strasauf-
schub verurteilt worden. Die Verhaftung erfolgte im Zusammen-
hang mit den von den Verhaftrten vorgenommenen Auszahlungen
von rückständigen Gehältern und Lühnen an Eisenbahnbeamte ünd
Arbeiter (siehe die neuesten Urteile an anderer Stelle/ D. Rsd.).
Die Gelder sind grögtenteils von den Franzosen beschlagnahmt
worden. Zur Begründung dieses Vorgehens machten sich die Fran-
zofen die irrige Auifassung zu eigen, daß die EisenLahnbediensteten
der stillgelegten Strecken sich im Streik Lefändsn und die Ee-
hälter und Löhne, die an sie ausgezahlt werden sollten, Streik-
gelder seien. Wie Lekanni, hat jeglicher Streik ein Zer.wiirf-
nis zwischen Arbeitgeber und Arüeitnshmer wegsn
aller oder cinzelnsr Bedingungen des Arbeits- oder Dienstverhält-
nisses zur Voraussehung. Derartige Unstimmigkeiten bestehen aber
nicht zwischen der Eisenlahnverwaltung und ihrem Personal.
Von Streik kann deshalb keine Rede sein, wenn auch
die frranzosen sich bemiihen, die Betriebsruhe als Streik zu pro-
pagieren. Es handelt sich im Augenblick um ein nicht von dem
Ärdeitgeber oder Arbeitnehmer, sondern von außen her, d. h. durch
die Besahungsmächte verursachtes Ruhen des Dienstes
und der Arbeit (aufgenötigte Betriebsruhe), das das Verhältnis
zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer an sich unberührt !8gt.
Wenn L-emgemäs; ,auf Erund des fortbestehenden Dienst- und
Arbeitsverhältnisses troh Unmöglichkeit der Dienst- und Arbeits-
leistung Eehalt und Löhne vom Arbeitgeber fortgezahlt werden,
so ist es offenbar, dass von einer Streikunterstiihung oder oon
Slreikgsldern nicht gesprochen werden kann. Die Verurteilung der
seinerzeit Verhafteten beruht deshalb auf einer Verkennung
dcr Sachlage. Die Leutsche Oeffentlichkeit selbst hat ein erheb-
liches Interesse daran, dah mit der begriffsverwirrendsn Bezeich-
nung der Vetriebsruhe als Streik restlos aufgeräumt wird. Jeder
zu seinem Teil und an seiner Stelle mv.f; bemüht sein, diesen Be-
griff klarzustellen. Wcr ins besehte E-ebiet reist, hat die Pflicht,
dort, wo die Prssse der Wahrheit verschlossen blcibt, von Muwd
zu Mund aufklärend zü wirken. Auf Len Schultern der^ Eisen-
bahner ruht ein schwerer Teil der Last des Abwehrkampfes, die
sie gerne tragen., Sie nicht ihnen zu erschw-eren, sie vielmthr zu
erleichtern, gebührt jedem Deutschen."

Startt die AuhrfronL!

Berlin, 25. Febr. (Eig. Drahtm.) Bei einem Massen-Militär-
konzert, das von den vereinigten Musikkorps der Groß-Berliner Ear-
nison zugunsten der Ruhrhilfe veranstaltet wurde, richtete Reichs-
wehrmmister Dr. Getzler eine Ansprache an die Erschienenen, in der
er u. a. ausführte: Hart und schwer lastet die Zeit auf Dsutschland,
auch auf unjerer jungen Wehrmacht, die heute mit Eewehr
Lei F-utz stehen mutz. Aber unsere Herzen und Sinne gehen hinüber
zu den kämpfendsn Brüdern :m Ruhrgebiet und im Rheinland. Es
kommt jetzt nicht nur darauf an, datz unsere Brüder Lort im zähen
Kamvf stehen, datz wir ihnen Eaben der Liebe senden, das Wich-
tigste ist, Laß wir alle mit starken Herzen hinter ihnen
st e h e n, damit sie wissen, datz das deutsche Volk einig und mäch -
tig in alter Treue nicht wanken und weichen wird. Wir alle
haben heute nur den einen Wunsch: Herr mach sie, mach uns frSi
sür ein glücklicheres, grötzeres, einiges Deutschland.

Frarizösische SLraßenranber.

Essen, 25. Febr. Jn der vorletzten Nacht ist in Herne ein Ar-
beitcr, drr 250 000 Mark bei sich führte, von drei sranzösischen Sol-
daten überfallen und vollständig ausgeraubt worden.

D§r hemökmiischs KuliurLag m Leipzig.

Leipzig, 25. Febr. (Eig. Drahim.) In der Sonntagssitzung des
Kulturiaaes der Demokrat'ischen Partei sprach IkniuergtUrS. ro,essor
W e st p h'a l - Berlin über den Nachwuchs für die g e i st i g e
Arbeit. Jm Anschlutz sprach Professor Eerland - Iena über die
Erhaltung des vroduktiven Schafsens in der deutschen
W-ssenjchaft, deren Notlage er aussührliN' >ch > r'- '.

Dr. Retzlob-Berlin verlangte in ssinem Referat über die Not
dcr K ü n st die Untcrstützung der Qualitätsarbeit im Sinne der
Ww i unr-bestrebungen. Von grotzem Jnteresse war d-as Ref->rat d-s
badischen Kultusnnnifters Dr. H e l l v a ch - Karlsruhe über die
Krise der Bildungsschicht. Die neue Vildung sei mehr ^
natwendig als die alte klassische Bildung. Sie miisse stärker als die »

Sksimei-s SandelspoW.

Zur Velgrader Reise dcs österreichischen Bundeskanzlers.

Von unserem ki-Korrespondenten.

Wien, 24. Februar.

Der österreichische Bundeskanzl-er Dr. Seipel ist mit seinen
Aiiiarbeitern in Belgrad eingeirofsen Auch diess Belgrader Reise
des Vundsskanzlers hat eine Vorgeschichte, wemi sie auch nicht
seusationeller Art ist wie etwa seine Reissn nach Prag, B.erlin
und Verona im Späisommer des vorigen Iahres. Als der
Bundeskanzlci vor kurzer Zeit nach Budapest gereist war, glaubte
man in Belgrad, datz der BunLeskanzler mit dieser Reise politischs
Zwccke verbinde. War doch zu jencr Zeit die Spannung zwischen
Ungarn und den Staaten der Kleinen Entenis besonders grog.
Trotzdem fragte der Bundeslanzler in Belgrad an, ob sein Besuch
dort genehm ssi und erhielt auch die Antwort, Latz mau seinem
Desuche geneigt sei, sowie eine amtliche Einladung. Von der
Belgrader Reise des Bundeslanzlers gilt nun in besonderem
Matze, datz sie ausschlietzlich w i r t s ch a f t s p o l i t i sch e n Zwecken
dient. Die österreichische Regierung lietz sich stets vou dem Eedanken
leiien, datz der Wie-deraufbau im Sinne L-es Eenfer K-berein-
kommens- nur möglich sei in Verbind-ung mit einer Handelspolitik,
dercn Zicl es sein müsse, datz die Wirtschaftscr'.se durch Wiedcr-
herstellung dcr Handelsbeziehungen Oestcrreichs mit
jcinen Nachb-arstaaten geüannt werde. Daher arbsitet die Regie-
rung an der Äusgcsialtung dcr Handelsvertrüge. Jm Zusammen-
hange damit stchen die in letzter Zeit vom Bundeskanzler unter-
npmmensn Reisen. Nachdsm üer Vundeskanzler schon im Sxät-
sommer Deutschland, die Tschcchoslowakei und Italien besucht hatts,
werden jetzt auch die Besuche b-ei den iibrigen Nach-barn nachgehott.
,-,n diesem Sinne erfolgte -die Fahrt nach Budapest, und L-er Vesuch
in Slldslawien fügt sich in dieje planmätzigen Bemiihungen ein,
ourch unmittelbare Fühlungnahme mit den Negierungen die wirt-
schaftlichen Beziehnngen zu verbessern.

Das Kennzeichsn der gegenwärtigen Lage des Autzenhandels
besteht in dem allsnthaloen geübten sogenannten Verbots-
system, Las für eine Reihe an jich höchst leistungsfähiger östsr-
re>ch!,cher Industrien schwere Hemmungep mit sich sührt.
Die handelspolitischen Verhandlunqen dcr österreichischen Reqie-
runq werden daher in ersier Linie mit Rücksicht auf die Not-
wcndiqkeit qeführt, einen AbLau Lcr Veschräiilungen im Eüter-
verkehr herbeizuführen.

Auch die Verhandlungen die mit Deutschland gefllhri
werden, beweqen sich in dieser Richtung und zielen darauf ab, eins
grotz-Lre Freihcit für den Eüt'erverkehr zu erwirken. Der Veginn
oer Besprechunlzen mit ^em Deutschen Neiche liegt schon länczere
Zert zuruck. Es ist zu hoffen, dah gewisse Schwleriakeiten, die ln
dresen Verhandlunaen zuta.qe traten. in Bälde Leseitigt werden
konnen. Die Tatsache, datz in Deurschland di-e Durchfllhrung des
Verbotssystem den sogenannten A u tz e n h a n d -s l s st e l l e n ' über-
las,en ist, die zwar unter siaatlicher Leitung avbeiten, selbst aber
aus Vertretern der interessierten Indusirien zu-sammengejetzt sind,
und so natürlicherweise die Sond-erinteressen der e!n,zelncn 'Zweige
zum Ausdrucke bringen, hat für die endgllltige veriragsmätzige
Nogelung manche Schwierigkeiten erzeugt. Es ist ab-er mit Eenm-
tuung festzustellen, datz gewijse Schürfen, die anfangs zutage traten,
gegenwartig sich nicht mshr in der ursprünglichen Srärke bemerkbar
machen.

Dr. Cmios Neise nach Stuttqart.

.. ,^er Bssuch des R e i ch s k a n z l e r s in S t u t t g a r t hei dsr
wiirttembergischen Regierung ist. wir aus Stuttgart beriäitet wird,
aui den 3. März fesigesetzt worden.

Das Wohnungs- und Siedlungselend.

Auf d-er Reichssiedelunqswoche. die am Sonntag in Verlin
begann, berichtete ein Vertreter des Reichsarbeitsministeriums über
dcn Stand des Wohnungs- und S j e d l u n g s w e s e n s in
Deutschland, den er als wenig g ü n st i g bezeichnete. Es jei
leider n:cht gelungcn, den Bedarf auch nur annähernd zu decken.
ckioch heute fehle es an Mohnräumcn für Hunderttausende. Ins-
gcsamt seien sür Wohnungsbau uyd Siedlungen aus öffentlichen
Mitteln etwa 45---50 Aiilliarden Mark Liusgegeben worden. Die
H e r st e I l u n g s k o st e n einer Kleinwohnung wären gegsn-
wartig auf etwa 20 Millionen zu veranschlagen.

Protest dsr Berliner Mieter gegen die neuen Mieten-

Der Eau Berlin im Bunde deutscher Mietervsreine veran-
staliete am Sonniag oine Protestverjammlung gegen dis
neucn M i e t e r h ö h u n g e n. Jn einer Entschlietzung wird
gcgcn die Mietfestsetzung sür den Monat März schärfster Protsst
erhoben und erklürt,. wcnn seiteng der Regierung nicht jofort
Matznahmen erhoben würden, so werde die gesamte Berliner
Mieterjchast am 1 Miirz in den Streik ireten.

Das Amar-Quartett, das autzer dem Mannheimer Kon-
zsrim'.ister Licco Amar noch den qleichfalls in Mannheim wirken-
dsn Seigcr Walter Laspar und die Frankfurter Paul Hinde -
mith und Maürits Frank zu. Mitgliedern hat, vcrsammslte
die hiesige Musikerschaft zu einem Schönberg-Abend um sich
und führts des Wiensrs beide Streichquartstte auf. Diese Kammcr-
mufikstücks. entstanden 1905 und 1908, find Frühkunst und en>st:r:chen
nicht mehr dsn hevtioen Anschauungen des Komponisten. Das erstc
Qüartctt'in D-moll Op. 7 wurde seinsrzeit von Ross und Eenossen
mit aui die Reijs genommen und allgemein belannt, das zwsite
stn F.s-moll zieht in den beiden letzten Sätzsn die Singstimme zu
und versenkt sich in die Stimmungswelt Stefan Georqss. Buch
das in einem Zuqe durchzuspielende erste Quartett hat Vixrieiluno,
ist aber in der Thematik einheitlich vsrbunden. Der kiinstlerische
Bau des Werkes verrät ein grotzes Können und ist bis in die
Einzolheiten mit einer Sorgf'alt sondergle'chen gearbeiiet. Die
heitze Sehnsucht des Komponistvn, innerhalb der überlieferten
Formen aus dem Eprgonentum herauszukommsn, lätzt ihn einsn
Veziehungsreichtum von erstaunl'cher Vielseitigkeit anwsnden. er
wechselt zwischen leidenschaftlicher Unrast und zartestem Jdyll,
zwischen Boklklang und Eesäusel und erreicht auch Stellen von unge-
wöhnlichsm Klarigreiz, aber in der eigentlichen Erfindung bleibt
er doch fast inanieriert gleichartig und gskllnstelt, dis vollsaftioe
Ursvrünglichkeit der grotzcn NaturbegabungeN erreicht er nicht.
Auch das zweite Wer! ist vorwiegend Artistenarbeit, Verstand und
Fleitz bringen es zu starker Eeschlossenheit, das Schemo ist eine
Eroteske von beitzender Sckmrie. Der dritte Satz, das Adazio. v:r-
cinigt in bezeichnsndster Wsise die techn'sche Meistershaft und die
musikalische Diirrej wis gcschraubt und unnatürlich geben sich die
weiten Jntervalle des Soprans in der dllsteren Trauerli'anei in
Verbindung mit dem Qvartett. bis dann der Schlutzsatz dm end-
gültigen Bruch mit der Tonalität vollzieht. Vielleicht brachten die
ersten Worte Les Tertes: „Jch fühle Luft von andsren Plane'en"
erst den Ee'danken an radikale Absaae an die Eesetzr 'vnsrrer al'en
Erde und den Vsrsuch, aus kosmischen Sphärsn ein Neues abzu-
leiten, das aber bis heute auch rein konstruktiv geblieben ist und
sich in immer chaotischsrs Vahnen verlorsn hat. Hugo Wolf hat
einmal in anderer Nsrbindung von der Melancholie des Uneer-
mözans grsprochen. D's Quartettaenofsen wendrten an d:'e le'cken
sehr jchweren und zweifellos für Mustker sehr interessanten Werte
eiy hohes Könn-'n und die Kammersänoerin Anna Kaempfert
fang mit AufopferMg die ebenso gewallsamen wie äutzsrlich untanch-
baren In' rvalle Ler den beiden letzten Sützen eingesügten Wort-
bekenntnisse,. ^

Margaret Kapp lietz an ihrem Klavierabend ver-
ständige Vorsicht walten und nahm die beiden klassischen Einlc.i-
tungsnummern, Chaconne von Vach-Busoni uyd Sonate von Beet-
hoven im Zeitmatz jo breit, dah sie stch ohne lleüerhastunq einjpielen
und über die technische Aufgabe hinaus avch der ge st'gen Seite
ihre Kraft zuwenden konnte. So würden Lerde Werke sahgsmätz
geformt und erhielten auch Charakter, das Beeihovensche Ädag o
erschien in seinem Jnhalt zwar nicht erschö-ft, aüer nach qesund:m
Empfinden angelegt. Am besten liegt der junx-en Kiinstlerin die
Weise Schumanns; freier aus sich herausgehend traf ste in der
Sonate Op. 22 die Merkmale seiner gewählt mitteirsamcn Eedank-
lichkeit und in der Novellette auch den Faden seines Lehaglichsn
Plauderions. Jm Rhythmus des Ehopinschen Walzers dsutete sich
die rassige Pikanterie dicjes Tonstiicks vcrheitzungsooll an.

Die Zenirale sür gemeinnützige Krnstpfl.ge hatte fllr e'nen
Mozartabend den seit ein'gen Jahren in München wirk nd n
Eeiger Ludwig'N a t t e r e r wieder herierufen. Er spielte in
Eeineinschaft mit Dr. Rottenberg lrei Soua> n sür Klavier
und Violine aus. verschiedenen Schaffensznten d:s Mristers. Zeigen
die Jugendwerke ein lleberwiegen des Klavierieils bis zur vollen
Selbständigkeit, so die sväteren den Nor schritt dsr'Eeigs voa der
blotzen ausschmücken'en Nebenstinune bis zur organischcn Einor -
nung in Eleichberechtigung. Dr.- Nottenücrg ist als fe'nsinuigcr
Mozartspieler Letannt, Natterers K:nst fugte sich mit schlichter
Wärme bei liecenswürdig schlantem Ton ein.

Der junge Eeiger mit dem ungarischsn Naiyen Francis
E. Aranyi gab mit Eduard Zuckmayer e'm Ko>iz:rt, das
als Erflaufführung eine Sonaie Op. 6 von Wilhslm Grotz
eröfsnete. Der Wiener Kom'onist hält sich zur alien Schuls und
legt Wert auf anmutig melodische Linicnsührung wis aus kiace
Anordnung in Thematik und Durchfllhr-mg. Bei tempevamentroller
und sachlich wohlgesatzter Wicderaabe fand die Neuh:it gnte Auf-
nahme. Zuckmayer zsigte sich in Schuberts Klavicrsona's D-dur
Op. 53 als Pianist von selbständiger Äufsassung und technisch ourch-
gebildetem Könncn.

Der amerikan'sche Piänist Mark Wessel glaubte offenbar
aus das „deutsche Gemüt" weitgehende Rücksicht nehmen zu müjsen,
denn er fatzte die Lhaconne von BaK-Dusoni und das Präludium
mit Choral und Fuge von Cesar Franck dvrchweg sentim.mtal
romantisch auf, sormie in jreier Eestaltunq ohne die Plastik Les
festgefügten Rhythmus und lietz auch die stark abgeblatzten Linien
bei ständigem Pedalgebrauch verschwimmen. Jn der handwerl-
lichen Fertigkeit bleibt noch manches nachzuholcn. Var'ationsn
über ein Dolkslied eigener Komposition zeigten die Neigung, weich-
lich rührsam zu worden, in verstärktem Matze.

Der Verein für Theaterund Musikkultur betätigt
sich mit besonderem Eiser in Konzerten. Dem bevorstehenden

Aie Rchckise md die deuWr -oliE-

Von Dr. Alsred Eildemeister, M. d. R. ^

Dem Veobachter unseres politischen Lebens mutz aufMem
durch das deutsche Volk seit den Ereignissen an der Ruhr em ^ zec
der Befreiung hindurch geht, trotzdem niemand sich den ^ !' xa.S
Situation verhehlt. Als Aktivum darf gebucht werden, » ^„j-
deutsche Volk mit einer entschiedenen Entjchlossenheit der
gezwungenen politischen Krise begegnet. Keine Zensur u „ai-
die Aeutzerung-en unserer Presie. Unerfreuliche Aeutzerung^„^^n,
mochte der ausmerlsame Lejer unserer Tagespresse genug lepz 'gxiaN-
und trotzdem haben sie der Stimmung ini Volk n'cht AK-ru . »j.„r-
Der verantwortliche Politiker ist verpflichtet, sich Rechenpy
über abzugeben, welchen Ausgang der uns aufgezwungen ^ zii
an der Ruhr nehmen mutz. Dabei handelt es sich nicht ^ ^ xjir^
welchen ErgeLnissen rein rationelle Ueberlegung führt.
lich las ich in dem Buch des Franzosen Le Bon über die > ^jjrcü'
der Massen. datz -die Blätter des Buches der Eeschichte -ee
wenn auf ihnen nur logische Tatsachen verze „s Le-

aber die Geschichte vollzieht sich in H e r o i s m e n. Dei
Dsutschtums um se^ne Behauptun'g ist schon deshatb „ro^

er mit so ungleichen Mitteln ausgekämvft wrrden mutz-
Bewegungen haben eben daraus lhre Krast und Unwlderi., hre

Lll

ytzrgenommen und die nüchterne Lerechnung der Zahlestmenlch-^ j, g
den Haufen geworfen. Es ist eine alte Erfahrung, datz „z seN'j
und um einen solchsn handelt es sich hier, joder den
eigenen Macht llberschätzt und die seines Geaners nickst „„ raz
Nur in diesem Sinne, nicht um einem phantastischen -^seiteN-. st
Wort zu reden, bedarf es einer Betrachtung der Scbw'erm
die sich Frankreich mit dem Ruhrunternehmen gestürzt
Betrachtung ist um so wichtiger. als eine Wendung in "br -

Dinge nur dadurch eintreten kann, datz die französiM <f,,schre>s°'
Erkenntnis dieser Schwierigkeiten andere Wege als bmher j Pa
Würde der deutsche Widerstand nachlassen und Lem Kab> g„ch d-
carh die Mö-glichleit eines Triumphes verschaffen, so rch jjch
Poincarismus gesiegt. Alle Lie Schwierigkeiten. an Len ^
her seine Wellen gebrochen haben, wären bes-eitigt. , f moine?/„.
niit d-er Aufgab-e des Widerstandes deshalb d-as Sp:ei b
getrieben haben. Desien möge sich jeder in Deutschland r ein^
Die französische Politik des Ruhreinbruchs beruht w.astj ^
Jrrtum, gn dem wir nicht unschuldig waren. Die Frckncv> inMja
in den Glauben versetzt, datz Deutschland jede ,, sast'ste
gung zuzumuten sei, -datz jed-e - Handlung der Eew Krst P
bei d-er Nachgiebigkeit des deutschen Charakters

lich

führen müsse. Der Franzose beobachtete bisher mit zü

raschung, datz der Deutsche aus d-er ihm aufgezwuncienen Arokl
selbst ein Programm machte, ja, um ein merkwllrdiAev nisl>

oN


wiederholen, in der ErfüIIung eine !tttl
erblickt; cin Crgelnis der deutschen Jdeologie. dw
leon I. verleitet hatte, die Möglichksit einss deutschen M jst jo-
iiberhaupt aus seiner Rechnung zu streichen. Poincar §i r
Na oleon, aber er könnte die Jrrtümsr Navoleons Ä j , tzt
wesen in verstärkter Form aufs neue erfahren. Der ^ M-

feindliche Kriegsptocaganda auf die deutsche Ibeenmio . ^>>1

hat.'hat die Franzosen zu dem irrigen Schlutz gefuhrt, o
fahr einer nationalen Selbstbehauptung fllr sie nicht yo
Widerstand an der Ruhr ist sllr ste zunächst -.»-k.-«ui
hielten sie ihn nicht für ernsthaft und gla
rolizeilicher Gswalt ürechen zu können. So kam om. > zu'stc
Regierung dazu, die sranzösische Armee zu einer Exekun
lrauchen, welche in s-ehr viel bescheid-enerem Umf-ang >etoi Mt
unler dcr zaristischen Herrschast ihrer regulären Arm^ ze>»

der Ruhr ist sllr sie zunächst unbegrei>uw- MjiKt
nicht für ernsthaft und glaubten, ihn m> „„m >j^

So kam die „i

ie rllttlLr zu SINLr ExeiU

s-ehr viel bescheid-enerem Umfang seiv>
unrer ocr zaripiia)en Herrschaft ihrer regulären ÄtjN.
muteten. sondern den Kosaten ustv. üb-srlietzen. Es -,ögt-
oü die französische Armee eine Lerartig-s Perwendung -laN'i-ijcU
Autzenpolitisch liegt die Sache so, datz d' -

Regieruna ver.ennt, in welchem Matze sie und nichtZ pf ^ jst,
die sranzösische Armee Werkzeug in dem
lands gegen den deuLschen Konkurremt ^ ^serr.
durch die Ueberlassung des OberLefehls an die - -

besondsrs hat England sehr k-lug den Franzssen die. ^j
gebracht, datz Franlreich die im Kriege führende

und^l-

England ihm nur in Lem Kampf für gemeinscha>tt>NP„r>, »
und Ziele U n t e r st ü tz u n g geliehen habe. Das EV
den Kr'eg gegen Franlreich vor hundert Iahren untei sür.j»jß
der Vekä-mpfunq der Jd-een der jranzojischen Revolution^^„i>°jj
Monarchie. für die Autorität geführt hatie. hat es lur ^^e.n
befunden. das Programm vollkommen zu wechseln. I«i Sallp-M
Nordamerila hat es so getan, als ob es nunmehr c-?r ^,-n P.chii>
der Ideen der französischen Revolution sei. Freilich >0 ^„s
sächsischen Mächien Lurch den Niederbruch Deutsckstands Ast-i
in Dersailles aus dem Steuer gelausen. Die Geister, '
geruien hatte. wurde es nun nicht los. ,-„„ng

Frankreich seinerseits sah sich zwar in dei Mrsou'jj aN-
Eroberunasziele g-ehemmt, glaubte aber ien Krieg ,jj„neN,
Mitteln, wenn nötig, selbstänbig fortsühren zu ' ,nS'''i-.i<:

trennte sich mit der Ruhrbesetzung von seinen Allnerli ' j-.ul'N
dere von Enaland. Es vertraute dabei darauf, dane Lnl'tza^'
Fähigkcit seiner Militärmacht, insbesondere durch sc>n ^
und durch se'ne Unters-eebootswafse, das Mittel in 'm>
eine cnglische Intervention nötigenfalts z.„s "
walt niederzuschlagen. A-ber Franlreich „

Dcliusabend ging das Rebnerquartett . T»'"

Streichqartett dieses jetzt in Frankfurt lebenden doun
Komponistcn voran. Als weitere Neuheit k^am ein >r^ Po^^ii'

oran. Ais wenere vceuiien rcrni -- w»>-i>'

„UoUz' on tlie Skocs" von Percy Aldridge Grainger ZU' - pr.Ppc«
der Lurch seine pilant-e Rassigkeit und slotte Rhythmik ^eN
dcm Vortrag so gefiel, datz er wiedsrholt werden mullle- ^aS ^r

schlutz machte Beethovens C-moll-Ouartett. op. 18 Nr. ,q .x
terc Tonspiel Les jugendlichen Meisiers wurde tefono Asen
fiüssigsn A^lodik sciner Ecksätze und in -dem reigensroye
warm und anregend vermittelt- ^ ,stc>P

^

Der tiroler Pianist E ug en Linz konnie vor - Ms n
angehört werdsn. zu der Zeit nömlich, als er noch niÄt " B.Pjj«>
kommen sein wiirde. die E-moll-Fantasie z-u henutzcn. n> ,,„p>-.,st
als modernen Problematiker darzustellen. Man kann hr ^jD
auch so lluffassen und es bleibt auch dann immer noch st ^tsim 7,,-c
übrig als „bei denen Kompositioncn" unscrer Tage. die
so gemeint sind. Bachs chromatische Fantasie und -rug- „
Zwangssacke ihr ausgeprügtcs Eigenwesen entgegen uno-j.run

l

in solcher Einschnürun-g nicht. Beethovens D!abeA:-Aora perbA.
sind als geistig entspannende Formstudien zum guten -bh si». M
lichen Launen zugänglich, zum anderen aber sträuben aua'.sgaNP-

Am meisten kamen Fchumanns sinfonische Etuden dem


rischen Eifer des Vortragenden entgegen und in ihreM ^ ,„ent
ra>hetischen Finale konnte Linz mit bravourösem TcEM pc>lh
beste seiner Eigenschaften zeigcn und damit siir einige
gegangenen Einseitigleiten entschädigen. iUax Net»ib

» -u

Peke-"„.^

Der vom Kaufmännischen Des-,-

zum To estage Richard La.S^ -st-.p >>

Nichard Wagner-Abcnd.

grotzen Saal des Saalbaues zum
anstaltete Abend litt mehr als unter der Absage
bekannter auswärtiger Solisten, so der mit ihrcm N
Anschlagsäulen prangenden Bertha Morcna, unter dcm^
Umstand, datz solche aus dem Zusawmenhang hs-'ausger >- >!

Wagnerscher Opern im Konzerisaal leicht stilwidrig ^'<4-

konnte auch das dankenswerte Einfpringen hi si'er cknd
welche solchergestalt kas ^Konzert ermiiglich en, n ai nh'.'ick

l,e Ks.Ai.
Namen

Vikt 0 r v. 2 chenck' s (Wiesbaden) bär tonal ge ärmstr^^j!!'...

Erls und Emma Holhs W ederoabe Ä?axnerschcr ^

fehlende Orchester durch seiye Begleitung am Flügc
 
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